Autor: marco-fritz

  • Shocking Dark, 1989 – ★★

    Shocking Dark, 1989 – ★★

    CONTAMINATOR
    (TERMINATOR 2, Italien, 1989, Regie: Bruno Mattei)

    Venedig ist am Ende. Die Lagunenstadt ist verseucht und nahezu menschenleer. Eine Spezialeinheit, die im Namen der Tubular Corporation handelt, soll das Verschwinden von Wissenschaftlern untersuchen, die in einem geheimen Komplex spurlos verschwunden sind. Dort angekommen, werden die schwer bewaffneten Soldaten mit einer fremdartigen Lebensform konfrontiert, die keine guten Absichten mit sich bringt.

    Bevor James Cameron 1991 mit seinem TERMINATOR 2 um die Ecke kam, hatte Bruno Mattei bereits seinen TERMINATOR 2 (in anderen Ländern auch als CONTAMINATOR, ALIENATORS oder SHOCKING DARK vermarktet) in die Welt gepflanzt. Der Titel und der Regisseur lassen vermuten, dass es sich um ein TERMINATOR – Plagiat handelt, aber es wird vor allem Camerons ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) kopiert, und das auf herrlich armselige Art. Selbst auf einen Ripley-, Newt- und Vasquez-Klon muss man nicht verzichten. Immerhin hat man sich bei den Aliens nicht bei Giger, sondern eher bei Cthulhu inspirieren lassen. Dass es auch einen Androiden gibt, muss ich wohl nicht erwähnen. Dieser schlägt dann, dank einer Zeitkapsel, den Bogen zu TERMINATOR. Genial.

    So scheiße, wie man denken möchte, ist das Ganze gar nicht. Okay, eigentlich schon, aber Mattei hat meistens verstanden, geringes Budget halbwegs vernünftig einzusetzen, was man auch hier wieder sehen kann. Die Darsteller sind weitestgehend grottig, die Ausstattung ist halbwegs einfallsreich und das Setting (neben kurzen Venedig-Impressionen bespielt man in erster Linie einen geräumigen Heizungskeller) annehmbar. Auch wenn die Action-Szenen ziemlich holprig sind und man in Sachen Gore nicht viel erwarten sollte, passiert genug, um den Zuschauer zu unterhalten, auch wenn dies in erster Linie durch das Unvermögen der Darsteller erreicht wird.

    CONTAMINATOR ist ein weiter unterhaltsamer Beitrag aus der Welt von Bruno Mattei und Claudio Fragasso, in der man sich für nichts schämen muss, aber auch keine Qualität erwarten darf.

    (Bjoern Candidus)

  • White Apache, 1987 – ★★★½

    White Apache, 1987 – ★★★½

    DER WEISSE APACHE*
    (BIANCO APACHE, Italien, Spanien, 1986, Regie: Bruno Mattei, Claudio Fragasso) 

    Bei einem Überfall von einer Bande auf eine kleine Gruppe Siedler kommt es zu einem Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Nur eine schwangere Frau kann den feigen Überfall überleben und wird von Apachen gerettet und in ihr Lager gebracht. Kurz nach der Geburt ihres Kindes stirbt die weiße Frau. Fortan wächst der Junge bei den Apachen unter dem Namen „Strahlender Stern“ auf. Als er sich in das gleiche Apachen-Mädchen verliebt wie seinen Stiefbruder „Schwarzer Wolf“, kommt es zu einem Kampf. Doch bei dem Eifersuchtskampf kommt „Schwarzer Wolf“ versehentlich ums Leben. Häuptling „Weißer Bär“ schickt „Strahlender Stern“ in die Welt des weißen Mannes, aus der er schließlich stammt, um sie kennenzulernen, und diese bringt neue Konflikte mit. 

    Was macht man, wenn der Italowestern tot ist? Richtig, man dreht einen Italowestern, und fast könnte man meinen, Bruno Mattei und Claudio Fragasso wollten das Genre neu erfinden, denn was bei DER WEISSE APACHE herumgekommen ist, trotzt eigentlich jeder Beschreibung, zumindest war das der erste Eindruck. Billige Kostüme auf Seiten der Apachen wie der Cowboys, eine noch billigere Dramaturgie und sonderbar blickende Gesichter, die man von der italienischen Resterampe der 80er-Jahre gekratzt hat, sind die ersten Eindrücke, die auf einen warten. Doch abschalten gibt es bei mir nicht, schon gar nicht bei dem Gespann Mattei / Fragasso, denn wenn die beiden eine Sache können, ist es mich zu unterhalten.  

    Die anfänglichen Schwierigkeiten legen sich mit der Einführung des weißen Apachen, der sich dann optisch zum Cowboy umwandelt. Ob als Indianer oder Cowboy, Richard Harrisons Sohn Sebastian stünde mit seinen blonden Haaren und seinem Adoniskörper auf vielen Gayporno-Besetzungslisten, zu Recht, denn er sieht schon ziemlich gut aus. Doch als weißer Apache drängt sich natürlich eine gewisse Komik auf, die Sebastian Harrison aber als Kurzzeit-Cowboy etwas abschütteln kann. Da man sich im italienischen Unterhaltungskino der 80er-Jahre befindet, glaubt man vielleicht, sich über eine ernsthafte Geschichte, die über den Konflikt zwischen amerikanischen Ureinwohnern und dem Weißen Mann handelt, keine Gedanken machen zu müssen. Doch neben Action, Mord und Todschlag, gibt es hier tatsächlich mehr Auseinandersetzungen zum Thema Rassismus, als man meinen mag. Und in manchen Punkten ist der Film sogar treffender als DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG (1970), was sicherlich eine Inspiration für diesen Film hier gewesen war. Das Drehbuch stammt von Franco Prosperi, was er möglicherweise schon viel früher geschrieben hat. Mattei räumt den Indianern viel Spielzeit ein und lässt den Zuschauer an ihrer Kultur teilhaben. Auf der anderen Seite hat man ein paar fiese Typen, wie Charly Bravo (DEAD ANGEL, 1973), der den sadistischen Ryder verkörpert. Mit Luciano Pigozzi (BARON BLOOD, 1972) und Charles Borromel (ABSURD, 1981) sind zwei gute Bekannte an Bord, die der Inszenierung guttun. Die weibliche Apachenschönheit wird von Lola Forner verkörpert. 

    Neben der durchaus interessanten Story, den kritischen Tönen, Folter und Mord, darf man sich auch an der wunderschönen Natur von Almería (Spanien) erfreuen. Am Anfang wie am Ende dominieren Felsmassive die Hintergründe, während man in der Mitte einen kurzen Abstecher in die obligatorische Westernstadt unternimmt. Angereichert werden die Aufnahmen von Stock-Footage-Material von Flora und Fauna. Typisch Mattei halt. Auch der Score von Luigi Ceccarelli, der zwar kaum Western-Feeling aufkommen lässt, hat mir gut gefallen. 

    DER WEISSE APACHE ist ein ungewöhnlicher Eintrag in Bruno Matteis und Claudio Fragassos Filmografie, der mehr erzählt, als man meinen würde.

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Female Vampire, 1975 – ★★★½

    Female Vampire, 1975 – ★★★½

    ENTFESSELTE BEGIERDE
    (LES AVALEUSES, Belgien, Frankreich, Spanien, 1973, Regie: Jess Franco)

    Barbusig und nur bekleidet mit einem schwarzen Cape, einem Gürtel und kniehohen Stiefeln schreitet Francos Muse und spätere Ehefrau Lina Romay als Gräfin Irina Karlstein an nebelumhüllten Bäumen entlang. Einen Zwischenstopp legt sie an einem Bauernhof ein, wo sie auf einen jungen Mann trifft, den sie erst oral befriedigt bis er kommt und ihm anschließend sein bestes Stück abbeißt. Ein Fluch lastet auf Irina. Sie braucht Sex und Körpersäfte jeder Art, um für ein langes Leben zu sorgen. Sorgen tun sich auch die Menschen in der Umgebung, als sie den entmannten Herren finden. Es dauert nicht lange, bis Irina das Interesse von einigen Damen und Herren auf sich zieht.

    Lina Romay, die mit ENTFESSELTE BEGIERDE ihr Film-Debüt feiert und danach sehr viel zu tun bekommen sollte, ist hervorragend eingefangen worden und verbreitet einen ähnlichen Zauber wie Soledad Miranda, die leider viel zu früh sterben musste. Lina beim Oralsex mit Männern, bei der Selbstbefriedigung, beim Lesbensex, beim vampirischen Treiben… Franco gibt alles, um sich und den Zuschauer zu beglücken. Doch sowohl ihr Charakter als auch der von ihrem Bediensteten, der von Luis Barboo dargestellt wird, ist stumm. Im ganzen Film wird nur wenig gesprochen. Jack Taylor steht die Rolle des Baron von Rathony bestens, während Jess Franco als Doktor wie immer reichlich skurril wirkt. Neben einem Strauß an Damen, tauchen auch noch weitere verrückte Figuren auf, wie ein blinder Professor Orloff (Jean-Pierre Bouyxou) der magische Fummelhände besitzt.

    Handwerklich kann sich ENTFESSELTE BEGIERDE zeigen; Franco stand mal wieder selbst hinter der Kamera und hat solide Arbeit abgeliefert, was ja nicht immer der Fall war. Die Sets sind abwechslungsreich und bieten neben dem traumartigen Wald, durch den Irina hin und wieder schleicht, sonnige Küstenabschnitte und Ferienanlagen, die für Urlaubsstimmung in mediterranen Gefilden sorgen. Die meiste Zeit verbringt man allerdings auf Irinas Zimmer, um ihr beim Sex zuzuschauen. Wie viel und in welcher Form es hier Sex zu sehen gibt, ist abhängig von den (mindestens drei) Fassungen, die man sich anguckt. Was in allen Fassungen gleich sein sollte: der Score von Daniel White, der zwischen melancholischen Klängen auch pornöse anstimmt.

    ENTFESSELTE BEGIERDE ist ein kleiner Edelstein im Œuvre Francos, der im Grunde alles bietet, was man in seinem Kino erwartet, aber selten in so guter Qualität bekommt.

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula, Prisoner of Frankenstein, 1972 – ★★★½

    Dracula, Prisoner of Frankenstein, 1972 – ★★★½

    DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE
    (DRÁCULA CONTRA FRANKENSTEIN, Frankreich, Liechtenstein, Portugal, Spanien,
    1972, Regie: Jess Franco)

    Dr. Exortio strebt die Weltherrschaft an und wiedererweckt den grausamen Vampir Graf Dracula, bzw. Satanas. Gemeinsam mit ihm will er eine Armee von Monstern schaffen, um die Menschheit zu unterjochen. Aber er hat den gewieften Dr. Emanuel Seward vergessen, der Erfahrung im Umgang mit Vampiren hat.

    Die Idee, berühmte Monster unter einen Hut zu bringen, ist 1972 wahrlich nicht neu gewesen. Bereits in den Universal-Filmen wie FRANKENSTEIN TRIFFT DEN WOLFSMENSCH (1943) oder DRACULAS HAUS (1945) trafen die beliebten Monster aufeinander. Francos Film erinnert mehr an DRACULA JAGT FRANKENSTEIN (1970), wobei der eher amüsant statt unheimlich ist. Franco baut hingegen eine sehr dichte Atmosphäre auf. Ein finsteres in Nebel gehülltes Schloss auf einem Berg, eine Fahrt mit einer Kutsche, heulender Wind und quietschende Türen erzeugen ein wohliges Gefühl von klassischem Horror, natürlich mit mediterraner Note. Kleine Mängel in der Inszenierung werden durch die solide Kameraarbeit von José Climent ausgeglichen, der ein paar richtig schöne finstere Bilder liefert. Passend dazu: der Score von Bruno Nicolai (und Daniel White), der teilweise aus Francos schöner Stoker-Adaption NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT (1970) entnommen wurde. So gewinnt man fast den Eindruck, als würden beide Filme im gleichen Universum spielen. Aber Francos Filme spielen ja auch alle im gleichen Universum – im Francoversum. Beseelt ist dieses mit den üblichen Verdächtigen wie Howard Vernon (Drácula), Dennis Price (Dr. Frankenstein), Alberto Dalbés (Dr. Emanuel Seward) und Luis Barboo (Morpho). Da Soledad Miranda vorher bei einem Autounfall ums Leben kam und Lina Romay noch nicht zugegen war, fehlen natürlich gleich zwei herausstechende weibliche Ikonen, aber dafür gibt es ja genug Monster zu begutachten.

    DIE NACHT DER OFFENEN SÄRGE
    ist atmosphärisch, gruselig, reich an Horror-Figuren, aber auch dialogarm, was manchmal etwas ermüdend sein kann.

    (Bjoern Candidus)

  • Night of the Skull, 1974 – ★★½

    Night of the Skull, 1974 – ★★½

    IM SCHATTEN DES MÖRDERS
    (LA NOCHE DE LOS ASESINOS, Spanien, 1974, Regie: Jess Franco)

    Bei einer Testamentseröffnung staunen die Hinterbliebenen des ermordeten Lord Archibald Marian nicht schlecht, denn im Falle eines Mordes, greift ein zweites Testament. In diesem überträgt er seinen Besitz seiner unehelichen Tochter Rita, statt ihn auf die geladenen Familienmitglieder zu verteilen. Die Sippschaft ist aufgebracht, und der Mörder von Lord Archibald Marian hat scheinbar noch nicht genug Blut vergossen. Scotland Yard wird auf den Plan gerufen…

    Franco schleudert einem bereits mit der Titel-Sequenz ein paar düstere Impressionen um die Augen, die wild durcheinander wirbeln, aber im späteren Verlauf Aufklärung bringen. Eine Frau liegt in Ketten an einem steinernen Ufer und droht zu ertrinken, eine Gestalt mit einer billigen Latex-Totenkopfmaske ist zu sehen, kurz drauf wird eine Frau in einem Flur überfallen. Das Cover verspricht eine Adaption von Edgar Allan Poe, doch eigentlich handelt es sich um eine Adaption von John Willards Bühnenstück „The Cat and the Canary“, was bereits einige Male verfilmt wurde, angereichert ist die Story mit Elementen von Edgar Wallace Geschichte „The Hand of Power“.

    IM SCHATTEN DES MÖRDERS ist ein richtig atmosphärischer Film geworden, der seinen düsteren Gothic-Horror-Mantel nicht einmal abwirft. Das finstere Schloss direkt an den Klippen ist wirksam eingefangen, innen wie außen. Die Fotografie von Javier Pérez Zofio ist zufriedenstellend. Die Ausstattung überzeugt, das permanente Unwetter sorgt für Gruselstimmung und auch die Darsteller passen gut ins Geschehen. Mit William Berger, Alberto Dalbés, Dan van Husen, Antonio Mayans, Luis Barboo und Lina Romay sind durchaus genug Bekannte an Bord, die die Augen von Freunden des europäischen Kinos größer werden lassen sollten. Dazu serviert Carlo Savina einen gelungenen Score.

    IM SCHATTEN DES MÖRDERS ist ein dichter Gothic-Horror-Krimi mit einer gelungenen Gruselstimmung, der sich aber von Schwächen in der Inszenierung nicht freisprechen kann und inhaltlich etwas verwirrt.

    (Bjoern Candidus)

  • Panic, 1982 – ★★½

    Panic, 1982 – ★★½

    PANIK
    (PANIC, Italien, Spanien, 1981, Regie: Tonino Ricci)

    Ein Lauftext verspricht:
    „Was dieser Film zeigt, kann jeden Tag grausame Wirklichkeit werden.
    Wir leben im Zeitalter der ABC-Waffen. Es wird soweit kommen, dass die Lebenden die Toten beneiden.“

    Eigentlich wollte Winston Churchill Deutschland mit einer bakteriellen Bombe komplett vernichten, doch Eisenhower und CO. konnten das verhindern. Zu groß wäre die Gefahr, auch die Nachbarländer zu kontaminieren. (Die US-Fassung unterscheidet sich in dem Punkt von der it. Originalfassung, auf der auch die dt. Fassung basiert. In der US-Fassung fehlt einfach der Kommentar über den Bildern.) Viele Jahre später, entweicht das Virus in einem Versuchslabor und befällt einen Professor, der fortan als Beulenmonster die Gegend unsicher macht. Es ist Zeit für Spezial-Agenten Kirk, der mit seiner reizenden Unterstützung Jane Blake den Fall lösen soll.

    Eine Mischung aus Virus-, Agenten- und Horrorfilm wird hier aufgetischt, bei der Regisseur Tonino Ricci (DIE LEOPARDEN KOMMEN, 1969) leider etwas die Spannung und Ansehnlichkeit vergessen hat. Nicht dass der Film hässlich aussehen würde, aber er bringt eine Tristesse mit, die durch den oft schleppenden Ablauf doppelt ermüdend wirkt. Andererseits gibt es Abwechslung in der Vegetation. Der Film spielt in England, wurde allerdings auch in Italien und Spanien gedreht, was nicht zu übersehen ist. Das wirkt ein bisschen wie eine Phantasiewelt, stört aber nicht. Man wird auch immer wieder mit netten Abschnitten (Kanalisation) belohnt, in denen der dreckige Anstrich sehr gut funktioniert und im schönen Kontrast zu dem kontaminierten Beulenprofessor steht. Das Make-up sieht gut aus und weckt Erinnerungen an THE INCREDIBLE MELTING MAN (1977), der mir hier ohnehin einfiel. Natürlich kommen dem geneigten Fan solcher Kost auch Filme wie ABSURD(1981) und GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980) in den Sinn. Der Hauptunterschied: alle genannten Filme sind besser. David Warbeck als Captain Kirk (!) und Janet Agren als sein Häschen Jane Blake geben keine Glanzperformance ab, bewegen sich aber in soliden Bahnen. Die Ohren werden von Komponist Marcello Giombini verwöhnt, der schon Filme wie z.B. GARRINGO – DER HENKER (1969), SABATA(1969), MAN-EATER (1980) und HORRORSEX IM NACHTEXPRESS(1980) bereichert hat.

    PANIKist die hässliche, unattraktive Schwester von vielen ähnlich gelagerten Filme, die mehr Schauwerte haben. Das heißt allerdings nicht, dass dieser Film keine Blicke verdient hat.

    (Bjoern Candidus)

  • Someone’s Watching Me!, 1978 – ★★★

    Someone’s Watching Me!, 1978 – ★★★

    DAS UNSICHTBARE AUGE
    (SOMEONE‘S WATCHING ME!, USA, 1978, Regie: John Carpenter)

    Wer in ein Hochhaus mit dem Namen „Arkham Tower“ zieht, muss sich nicht wundern, wenn man Probleme bekommt, so wie Leigh Michaels. Kurz nachdem die TV-Regisseurin in ein modernes 2000-Seelen-Hochhaus zieht, beginnt ein Unbekannter sie zu beobachten und ihr Geschenke zukommen zu lassen, u.a. ein Teleskop, wie es der Stalker selber besitzt. Auch anonyme Anrufe bleiben nicht aus, die Leigh beängstigen. Da kommt ihr der Dozent Paul gelegen, dem sie sich anvertraut. Auch ihre beste Freundin Sophie steht ihr unterstützend zur Seite. Als die Drei schließlich einen Mann mit Teleskop im gegenüberliegenden Hochhaus entdecken, rufen sie die Polizei, die den Mann vorläufig festnimmt. Doch bei dem Mann handelt es sich scheinbar nicht um Leighs Stalker…

    Zwischen ASSAULT ON PERCINCT 13 (1976) und HALLOWEEN (1978) drehte John Carpenter diesen Thriller für das US-Fernsehen und und ließ sich ganz offensichtlich bei Alfred Hitchcocks DAS FENSTER ZUM HOF (1954) inspirieren, wie fünf Jahre später Brian De Palma mit BODY DOUBLE. Stalking, Telefon-Terror und Beobachtungen sind angesagt, und Fred Walton hat mit WHEN A STRANGER CALLS (1979) noch mal die Messlatte hochgelegt, aber um den soll es ja nicht gehen.

    Carpenter baut die Spannung langsam auf, gibt den Figuren und dem Geschehen Zeit. Anfänglich krankt es etwas an visuellen Reizen, manchmal Blickt der TV-Rahmen zu sehr durch. Aber im weiteren Verlauf wird die Atmosphäre dichter und auch die Fotografie von Robert B. Hauser spannender. Die Hochhäuser sind toll eingefangen, besonders in der Dunkelheit und werfen ein Blick in Carpenters zukünftige Filme, die er von Dean Cundey fotografieren und zu Meisterwerken verwandelte. Was hier leider fehlt ist ein prägnanter Score aus dem Hause Carpenter. Harry Sukmans Untermalungen plätschern dahin, erfüllen aber immerhin ihren Zweck.
    Wie später De Palma legt Carpenter seinen Film anders an als Hitchcock. Man verlässt das Apartment, ist in fremden Wohnungen oder erledigt Sonstiges, und dennoch wirkt der Film beengt, was durchaus zur Bedrohungslage Leighs passt. Lauren Hutton (MEIN NAME IST GATOR, 1976) überzeugt als Leigh Michaels, die nicht zu einem Angsthäschen verkommt, während David Birney als Paul Winkless eher uninteressant wirkt. Mehr Interesse weckt die wunderbare Adrienne Barbeau (THE FOG, 1980) als Sophie, die kurze Zeit später Carpenters Ehefrau wurde. Ihre burschikose Art ist hier schon zu spüren. Ebenfalls dabei und aus dem Carpenter-Universum kaum wegzudenken: Charles Cyphers (HALLOWEEN)

    DAS UNSICHTBARE AUGE ist ein spannendes Frühwerk, was inhaltlich zwar keine großen Innovationen mitbringt, aber Carpenters Handschrift bereits zeigt, wenn auch nicht so deutlich, wie bei ASSAULT ON PERCINCT 13.

    (Bjoern Candidus)

  • Strange Behavior, 1981 – ★★★½

    Strange Behavior, 1981 – ★★★½

    DIE EXPERIMENTE DES DR. S
    (STRANGE BEHAVIOR, Australien, Neuseeland, 1981, Regie: Michael Laughlin)

    Eine Mordserie versetzt eine Kleinstadt in Angst. Bisher gehen vier Opfer auf das Konto eines Mannes, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Inspektor Brady nimmt sich dem Fall an, der ihn in ein psychiatrisches Institut führt, in dem Dr. Le Sange Experimente an Freiwilligen durchführt.

    Was bereits in der Eröffnungs-Szene klar wird: Michael Laughlin (DAS GEHEIMNIS VON CENTERVILLE, 1983) hat ein Händchen für Spannung, was er auch im späteren Verlauf des Films immer wieder beweist. Nach dem Auftakt setzt sich die Inszenierung und nimmt sich Zeit, bevor sie sich langsam immer mehr verdichtet. Australische oder neuseeländische Filme sehen oft us-amerikanisch aus, sind aber oft sehr viel ruhiger, entspannter und bodenständiger inszeniert, als US-Filme, und so ist das hier auch. Man lernt die Figuren und ihren Kleinstadt-Kosmos kennen, was nicht selten Erinnerungen an vertraute Filme auf den Plan ruft. Gerade HALLOWEEN (1978) wird nicht nur einmal zitiert. Sowieso prallen Elemente des Slasher- und des Mad Scientist – Films aufeinander, was sehr gut harmoniert. Die Inszenierung ist durchweg hochwertig in Szene gesetzt, toll fotografiert und mit verspielten Kamerafahrten garniert. Die ohnehin finstere Atmosphäre wird zusätzlich durch den Soundtrack von TANGERINE DREAM unterstützt, die erneut ihr Können hören lassen. Recht hart sind die wohldosierten Gore-Effkte. Blut wird gepinkelt, Menschen werden zersägt oder legen ein autoaggressives Verhalten an den Tag. Die Darsteller sind insgesamt brauchbar und teilweise keine Fremden, z.B. ist Louise Fletcher (EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST, 1975) und Michael Murphy (PHASE IV, 1974) dabei.

    Wenn ich an DIE EXPERIMENTE DES DR. S etwas zu bemängeln habe, ist es die Laufzeit von gut 100 Minuten. Ein paar Längen sind durchaus zu finden, schmälern aber den positiven Gesamteindruck nicht. Slasher- und Mad Scientist-Freunde oder Leute, die mit BLUE SUNSHINE (1978), COMA (1978) oder dem Kino von David Cronenberg und John Carpenter etwas anfangen können, sollten hier einschalten.

    (Bjoern Candidus)

  • Body Melt, 1993 – ★★★

    Body Melt, 1993 – ★★★

    BODY MELT
    (Australien, 1993, Regie: Philip Brophy)

    Eine kleine Stadt in Australien wird der neue Sitz der Firma Vimuville, die dort eine neue Vitaminpille testen will. Die Pillen wirken, jedoch nicht so wie sie sollen, denn die Testpersonen fang an, sich aufzulösen.

    Die australische Produktion BODY MELT von Philip Brophy darf nicht nur als Antwort auf BRAINDEAD (1992) verstanden werden, sondern wurde auch von Bob McCarron unterstützt, der Jacksons Film in den Olymp des Gekröses gehoben hat. Einige Jahre vorher hat er auch bei dem empfehlenswerten RAZOBACK (1984) gearbeitet. Die Splatter-Effekte sind auf hohem Niveau, auch wenn man sich nicht so austobt wie bei BRAINDEAD. Auch der schräge Humor und die überzeichneten Figuren kommen einem bekannt vor. Hier steht und fällt der Film mit der Gunst des Zuschauers. Wer auf solche Überzeichnungen nicht kann, wird hier kein Vergnügen finden. Troma oder Freunde von Filmen wie STREET TRASH (1987) können also beruhigt einschalten und sich berauschen lassen. Es gibt viele Details; an Ideenreichtum und Kreativität mangelt es nicht, dazu ist auch die Story nett. Die Kombination aus Mad Scientist- und Fun-Splatter-Horrorfilm geht jedenfalls größtenteils auf. Der Score stammt von Regisseur Philip Brophy selbst, der durch diverse Techno-Tracks ergänzt wurde. Ungewöhnlich Musik für solch einen Film, aber wir befinden uns hier in den 90er-Jahren, und da passt das.

    Nacktes Fleisch, knallige Farben, 90er-Ästhetik-Verbrechen, durchgeknallte Figuren und comicartige Splatter-Effekte machen BODY MELT zu einem unterhaltsamen Spaß.

    (Bjoern Candidus)

  • Dracula’s Widow, 1988 – ★★★

    Dracula’s Widow, 1988 – ★★★

    DRACULAS WITWE
    (DRACULAS WIDOW, USA, 1988, Regie: Christopher Coppola)

    Ein Antiquitätenhändler in Hollywood stößt auf eine Kiste, in der sich die Witwe Draculas befindet. Als diese erwacht, steht vor allem eins auf ihrer Agenda: Menschenblut! Da kommt ihr der neue Aufenthaltsort wie gelegen. Sie beißt sich durch Hollywood, doch nicht ohne von einem gewissen van Helsing und einem Cop gejagt zu werden.

    Christopher Coppola, Francis Ford Coppolas Neffe und Bruder von Nicolas Cage und dem älteren Bruder Marc Coppola, der hier auch eine Rolle übernimmt, folgt dem damaligen Trend, Vampire in die 1980er-Jahre zu befördern. Während man sich in FRIGHT NIGHT (1985) in einer Vorortsiedlung aufhält oder sich in LOST BOYS (1987) an einem Küsten-Städtchen laben kann, geht es hier nach Hollywood, und vor allem in die düsteren Ecken. Neonlicht und eine Stadt bei Nacht beherrscht das Geschehen. Kameramann Guiseppe Maccari, der zwei Jahre später Dario Argentos Episode THE BLACK CAT in TWO EVIL EYES fotografierte, hat hier einige schöne Momente eingefangen. Eher ausdruckslos ist der Score von James B. Campbell, der sich aber zumindest nicht als störend erweist. Als Titelfigur marschiert Ur-Emmanuelle Sylvia Kristel auf, die eine gute Freundin von Grace Jones als Katrina in VAMP (1986) sein könnte. Sie wirkt sonderbar, aber gefällt. Lenny van Dohlen, der nicht gerade Sympathiepunkte sammelt, ist einer der wenigen Störfaktoren des Films. Einen Ausgleich gibt es mit Josef Sommers als Detective. Aber man denkt auch an die Freunde des roten Lebenssafts, denn die Gore-Effekte sind durchaus ruppig, dazu bekommt man hier noch ein tolles Creature-Design geboten. Wie die anderen hier erwähnten Vampirfilme, kann sich auch dieser nicht von einem Schuss Humor freisprechen. Manchmal hat man das Gefühl, dass Coppola selbst nicht genau wusste, wohin der Ritt gehen soll. Schwamm drüber, die Momente sind kurz, das Positive überwiegt.

    Statt finsterer Wälder, einem Schloss auf einem Berg und verrotteten Friedhöfen, gibt es in DRACULAS WITWE das Nachtleben Hollywoods mit Clubs, Bars, bevölkert mit sonderbaren Typen. Schräg.

    (Bjoern Candidus)