Autor: marco-fritz

  • Deadly Friend, 1986 – ★★½

    Deadly Friend, 1986 – ★★½

    DER TÖDLICHE FREUND
    (DEADLY FRIEND, USA, 1986, Regie: Wes Craven)

    Der junge Technik-Nerd Paul hat einen Roboter gebaut, der auf den Namen BB hört. BB begleitet ihn und führt Pauls Befehle aus. Doch als sich Paul, sein Kumpel Tom und Samantha von gegenüber mit der alten Elvira anlegen, verpasst sie BB eine Ladung Schrot und schickt ihn in den Roboter-Himmel. Fast! Der Chip, den BB ausmacht und auf dem sein gesamtes Wissen gespeichert ist, wird nicht zerstört. Paul pflanzt diesen in den Kopf von Samantha, nachdem die durch einen Sturz in ein Koma fällt und stirbt. Damit beginnt das Grauen…

    Zurück in der Elm Street! Habe ich nicht nur einmal bei DER TÖDLICHE FREUND gedacht. Nicht nur die vordergründige Heile-Welt-Kulisse lässt Wes Craven hier wieder auferstehen, sondern er serviert auch einige direkte Verweise an seinen Klassiker A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984). Nicht nur das Haus (innen wie außen, samt Heizungskeller) von Paul und seiner Mutter erinnert stark an das der Thompsons im beschaulichen Springwood, sondern auch einige Alptraum-Szenen. Diese und eine Handvoll ziemlich blutiger Gore-Szenen waren in der ursprünglichen Fassung nicht enthalten und wurden vom Studio (Warner) nachträglich von Craven angefordert. Und so platzte Cravens Idee eines PG-13-Films, der sich sehr viel mehr auf die tragische Liebesbeziehung zwischen Paul und Samantha einlassen sollte. Auch wenn die blutigen Szenen in der Tat überflüssig sind, sind sie aber auch das Salz in der Suppe, die sonst vielleicht wirklich zu fade gewesen wäre.

    Obwohl die Inszenierung rein visuell stimmig ist, eine schöne, nicht zu überzogene 80er-Jahre-Horror-Atmosphäre mitbringt, mangelt es den Figuren an Tiefe, und sympathisch war mir hier auch niemand. Craven hat vor allem mit NIGHTMARE… sehr eindringlich bewiesen, dass er junge Menschen und ihre Ängste versteht, aber hier ist davon leider nur sehr wenig zu spüren. Das mag mitunter auch am Fehlen der Szenen der ersten Film-Fassung liegen, die der Schere zum Opfer fielen. Matthew Labyorteaux (UNSERE KLEINE FARM, 1976-1983) bleibt als Technik-Nerd und Hobby-Frankenstein Paul ziemlich blass und langweilig. Gleiches gilt für Kirsty Swanson (BUFFY, DER VAMPIRKILLER, 1992) als seine Monster-Freundin Samantha, ehemals oder besser immer noch BB, der Roboter. Wenn sie erst mal den Verstand von BB im Hirn stecken hat, wird ihre darstellerische Leistung ziemlich brenzlich. Und Pauls bester Freund Tom, dargestellt von Michael Sharrett (DIE HYÄNEN, 1985) war einfach nur dabei. Anfänglich wirken die Drei wie 10-jährige, die mit ihrem Roboter Abenteuer in der Nachbarschaft erleben. Zu diesen Abenteuern gehört auch Anne Ramsey, die zumindest das tut, was sie ein Jahr vorher in den GOONIES tat: garstig sein. Aber als Horrorfilm-Freund verzeiht man natürlich gerne auch mal ausdruckslose Figuren, wenn man zum Ausgleich mit anderen Dingen befriedigt wird, und leider gibt es da gar nicht so viele. Die Story, eine Mischung aus FRANKENSTEINS BRAUT (1935) und NUMMER 5 LEBT! (1986), die auf dem Roman „Friend“ von Diana Henstell basiert, wusste mich auch nicht sonderlich zu begeistern. Manches wirkt sehr sprunghaft, und Craven hat es sich hin und wieder sehr leicht gemacht.

    Trotzdem hat mich DER TÖDLICHE FREUND in seiner Gesamtheit gut unterhalten, mich nie gelangweilt und durch den tollen Synthesizer-Score von Charles Bernstein in die 80er-Jahre zurücktransportiert, so, dass ich mich angenehm fallenlassen konnte. Ein mittelstarker Craven.

    (Bjoern Candidus)

  • Taste of Vengeance, 1968 – ★★★½

    Taste of Vengeance, 1968 – ★★★½

    SCHWEINEHUNDE BETEN NICHT
    (I VIGLIACCHI NON PREGANO, Italien, Spanien, 1968, Regie: Mario Siciliano)

    Kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs werden der Südstaatler Brian Clarke und seine Frau in ihrem Haus von einer Bande Yankees überfallen. Brian wird dabei schwer verletzt, und das Letzte, was er sieht, bevor er das Bewusstsein verliert, ist die Gewalt, die seiner Frau angetan wird. Die Bande steckt das Haus schließlich in Brand. Als er aufwacht, befindet er sich in der Obhut von Daniel, der ihn aus dem brennenden Haus retten konnte. Für seine Frau kam jedoch jede Hilfe zu spät. Durch den Schock hat Brian seine Erinnerungen verloren; er kann nichts über die Täter sagen, nur, dass einer einen Sheriffstern trug. Brian freundet sich mit Daniel und seinem Bruder Robert an, die fortan gemeinsame Sache planen. Doch in Brian schlummert der Hass auf die Täter. Er verliert immer mehr die Kontrolle, und aus Freundschaft entwickelt sich Feindschaft.

    Das Regie-Debüt von Mario Siciliano (BLUTIGE MAGIE, 1975) zögert nicht lange, den Zuschauer einer finsteren und bedrohlichen Stimmung auszusetzen. Es ist Nacht, ein Gewitter spielt sich auf und begleitet die herannahende Katastrophe, die Brians Leben für immer verändern wird. Diese horrorfilmartige Stimmung, auf die die Inszenierung auch im späteren Verlauf noch mal zurückgreift, ist selten im Italowestern. Das prägnanteste Beispiel, in dem klassische Gruselstimmung mit dem Staub des Westens vermischt wurde, dürfte wohl SATAN DER RACHE (1970) von Antonio Margheriti sein. Vampire und Zombies kommen hier natürlich nicht aus den Gräbern, aber dafür zieht Siciliano, bzw. der Storygeber Eduardo Manzanos und Drehbuch-Legende Ernesto Gastaldi genug andere Themen aus dem Hut, die den Film füllen. Verlust, Rache, Freundschaft, Feindschaft, Macht und Gier reihen sich ein, und manchmal wirkt die Inszenierung etwas überdosiert, und sie ist mit fast 2 Stunden auch ziemlich lang geraten. Aber Siciliano bietet genug Spannung, Action und Brutalitäten, um die Inszenierung bis zu einem sehr Atmosphärischen Finale in einem stillgelegten Eisenbahntunnel in Bewegung zu halten. Sehr überzeugend sind dabei vor allem die beiden Italofilm-Stars Gianni Garko und Ivan Rassimov. Garko spielt den verzweifelten und völlig wahnsinnig gewordenen Brian Clarke sehr überzeugend. Der Irrsinn steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ganz andere Töne schlägt Ivan Rassimov an, der sonst meistens für die mysteriösen oder durchtriebenen Charaktere zuständig ist. Es ist schön, ihn hier zu sehen, und der Bart, den er selten trägt, steht ihm. Neben den beiden dürfen natürlich auch weitere immer wiederkehrende Gesichter nicht fehlen, um dem Italo-Fan zu beglücken. In dem Fall gibt es ein Wiedersehen mit Luciano Pigozzi, Frank Brãna, Luis Induin und Luis Barboo. Als etwas sperrig, gar herunterziehend habe ich den Score von Manuel Parada empfunden.

    SCHWEINEHUNDE BETEN NICHT ist ein dreckiger, harter Italowestern mit viel Spielraum für seine Figuren, der aber insgesamt etwas zu umfangreich geraten ist.

    (Bjoern Candidus)

  • When a Stranger Calls Back, 1993 – ★★★

    When a Stranger Calls Back, 1993 – ★★★

    STIMME DER DUNKELHEIT
    (WHEN A STRANGER CALLS BACK, Kanada, USA, 1993, Regie: Fred Walton)

    Julia soll als Babysitterin auf zwei kleine Kinder aufpassen. Doch an diesem Abend ist sie nicht allein mit den Kindern. Ein Fremder hält sich ganz in der Nähe auf, der es auf die Kinder abgesehen hat. Als Julia den Mann schließlich entdeckt, kommen die Eltern der Kinder zurück. Doch es ist zu spät: der Mann hat die Kinder entführt und ist über alle Berge. Fünf Jahre später wird Julia mit mysteriösen Veränderungen in ihrer Wohnung konfrontiert. Jemand scheint sich immer wieder Zutritt in ihre Wohnung zu verschaffen. Sie lässt sich bei der Polizei beraten und bekommt Hilfe bei der Psychologin Jill Johnson, die einst Ähnliches erlebte. Dann greift der Fremde zur Waffe…

    Fred Walton kopiert sich selbst, aber er darf das auch, schließlich variiert er genug, um erneut einen spannenden Thriller zu kredenzen. Wie im Vorgänger WHEN A STRANGER CALLS (1979), oder DAS GRAUEN KOMMT UM ZEHN, wie er hier heißt, nutzt Walton die ersten 20 Minuten, um die Spannung in die Höhe zutreiben. Bedenkt man, dass er sich im Grunde der gleichen Mittel bedient wie 1979, ist ihm hier die Wiederholung geglückt. Dass er dabei gleich noch Carol Kane und Charles Durning zurückbringt, ist ein ganz besonderes Geschenk, wie ich finde. Vor allem Carol Kane lebt mal wieder von ihrer wunderbaren, wenn auch speziellen Ausstrahlung. Neu im Cast ist Jill Schoelen (STEPFATHER, 1987) als Babysitterin. Ihre Rolle vorkommt etwas zur Nebensächlichkeit, zudem lenkt ihre schreckliche Frisur ab. Außerdem am Start: Gene Lythgow als Killer, Duncan Fraser (IN EINER KLEINEN STADT, 1993) und Jerry Wasserman (DIE FLIEGE 2, 1989). Auch Komponist Dana Kaproff ist wieder dabei und spendiert erneut einen versierten Score, der deutlich zur Spannung beiträgt. Dass es sich hierbei um einen TV-Film handelt, ist überhaupt nicht zu erkennen. Dafür sieht er aber mindestens fünf Jahre älter aus, was nur positiv ist, bedenkt man die oft scheußliche Ästhetik vieler 90er-Jahre-TV-Produktionen. Aber es wurde auch in Kanada gedreht, und das zeichnet sich meist positiv aus. Walton arbeitet viel mit Licht und Schatten und schafft eine finstere Gesamtstimmung, die keinen Raum für Humor lässt. Zwar wird nicht immer jeder Ton getroffen, manchmal wird es auch etwas zäh, aber nur kurzzeitig.

    STIMME DER DUNKELHEIT ist ein spannender, gut erzählter Home Invasion – Stalking – Psycho – Thriller, mit sympathischer Besetzung, der packend startet und in einem gelungenen Finale endet.

    (Bjoern Candidus)

  • Shock Waves, 1977 – ★★★

    Shock Waves, 1977 – ★★★

    SHOCKWAVES – DIE AUS DER TIEFE KAMEN
    (SHOCK WAVES, USA, 1977, Regie: Ken Wiederhorn)

    Nach einem Seebeben treibt ein kleiner Luxusdampfer auf eine Schlammbank. Dort festgesetzt, macht sich die Besatzung auf die Suche nach Hilfe. Sie stoßen auf eine kleine Insel, die von einem mysteriösen Professor bewohnt wird. Dieser rät seinen Besuchern, den Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Das Warum wird mit einer Horde Nazi-Zombies, die aus dem Wasser steigen, beantwortet. Die Supersoldaten aus dem 2. Weltkrieg sind aktiviert, und sie wollen keine Freundschaft schließen.

    Ken Wiederhorns (RETURN OF THE LIVING DEAD 2, 1988) Debütfilm SHOCK WAVES zeichnet sich vor allem durch seine Drehorte aus, die eine unheimlichen Atmosphäre heraufbeschwören. Gedreht wurde auf den Bahamas und in Florida. Besonders das verwitterte Hotel ist sehr wirksam und erinnert an MAN-EATER (1980). Aber auch Filme wie WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979), DEATH SHIP (1980) oder SOS-SOS-SOS BERMUDA-DREIECK (1978) blitzen hier auf, die allesamt nach diesem Film entstanden sind. Die Supersoldaten, die aus dem Wasser steigen, bewegen sich wie im Methadon-Programm und erwecken leichte Erinnerungen an die uniformierten Herrschaften aus SUMPF DER LEBENDEN TOTEN (1981), dennoch wirken diese hier etwas agiler. Der Score von Richard Einhorn, der zwar ohne große Hörwerte auskommt, legt sich wie ein finsterer Mantel über die Bilder und funktioniert sehr gut im Zusammenspiel. Weniger überzeugend wirken hingegen die Darsteller, wobei wir natürlich die beiden Wunderknaben Peter Cushing und John Carradine an Bord haben, die aber beide etwas auf Sparbetrieb laufen, vor allem Cushing. Es sei ihm verziehen, und 1977 musste er niemandem mehr etwas beweisen. Zudem gibt sich Brooke Adams die Ehre, die ich auch immer gerne sehe.

    Inhaltlich ist bei SHOCKWAVES – DIE AUS DER TIEFE KAMEN kein Gold zu schürfen, aber als Horrorfilm mit einer gruseligen Stimmung, kann er sich durchaus zeigen, zumal das Meeres-Insel-Setting nicht so häufig im Genre auftaucht.

    (Bjoern Candidus)

  • Day of the Animals, 1977 – ★★★

    Day of the Animals, 1977 – ★★★

    PANIK IN DER SIERRA NOVA
    (DAY OF THE ANIMALS, USA, 1977, Regie: William Girdler)

    Starke UV-Strahlen, die durch Löcher in der Ozonschicht entstehen, verändern das Verhalten der Tierwelt. Tiere jeder Art haben nur noch ein Ziel: die Vernichtung der Menschen! Und die Ersten, die auf dem Plan stehen, ist eine bunt gemischte Survival-Tour-Gruppe, die durch die Sierra Nova wandern will. Aber auch eine nahe gelegene Kleinstadt wird das Ziel tierischer Angriffe.

    Erinnert sich noch jemand an die Ozonschicht? Sicher, denn noch ist sie ja da. Welche Auswirkungen das haben kann, wenn sie eben nicht mehr da ist, hat sich William Girdler (DER MANITOU, 1978) hier aus den Fingern gesaugt, bzw. William W. und Eleanor E. Norton, die das Drehbuch schrieben. Während Girdler für seinen ähnlich gelagerten Film GRIZZLY (1976) in Clayton, Georgia, USA drehte, begibt er sich für PANIK IN DER SIERRA NOVA nach Kalifornien. 

    Selten erinnern mich Tierhorrorfilme in den ersten Minuten an Filme wie THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), EIN KIND ZU TÖTEN… (1976) oder THE HILLS HAVE EYES (1977). Es ist die gleißende Sonne, die brütende Hitze, die der Titel-Sequenz den Zauber des 70er-Jahre-Terrorkinos verpasst. Die Wärme und die damit einhergehende Trockenheit ist hier allgegenwärtig, doch die eigentliche Gefahr sind natürlich die Tiere, die sich wegen der Zerstörung der Ozonschicht von Mutter Natur auf aggressive Art und Weise verändern. Die Raubkatzen, Wölfe, Bären, Greifvögel und Reptilien bekommen recht schnell ihre Auftritte. In kurzen Momenten sollen sie grimmig wirken, was in erster Linie durch den Score von Lalo Schifrin funktioniert. Insgesamt versteht es Girdler eine spannende Grundstimmung zu erzeugen, und das bereits von Beginn an. Im Kontrast zu der schönen Natur und den faszinierenden Tieren steht aber die Gruppe ätzender Möchtegern-Abenteurer, die Streitigkeiten und Konflikte mitbringen. Ob Männlein oder Weiblein, mit keinem von den Herrschaften wollte ich Urlaub machen. Und so ist es umso erfreulicher, dass sich die Tiere um diese Gesellschaft kümmern. Der Film wartet mit einigen Tierangriff-Action-Szenen auf, die hin und wieder recht ruppig sind, sich aber stets im Rahmen des üblichen Tierhorrors dieser Zeit bewegen. In der Besetzung finden sich durchaus Bekannte, allen voran Christopher George und Leslie Nielsen, der hier seine „nackte Kanone“ ganz ohne Humor herausholen möchte.

    PANIK IN DER SIERRA NOVA ist ein guter Beitrag der damaligen Tierhorrorfilm-Welle, der vor allem durch seine bedrohliche Atmosphäre und seiner schönen Naturkulisse überzeugt.

    (Bjoern Candidus)

  • Zombiefilme des 20. Jahrhunderts  (Teil 2)

    Zombiefilme des 20. Jahrhunderts (Teil 2)

    ZOMBIEFILME DES 20. JAHRHUNDERTS (Teil 2)

    Teil 2: Von DEAD & BURIED bis WILD ZERO

    Bjoern und Gregor setzen ihre Reise durch die Welt der Zombiefilme des 20. Jahrhunderts fort.

  • Alien 2: On Earth, 1980 – ★★

    Alien 2: On Earth, 1980 – ★★

    ALIEN 2 – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK
    (ALIEN 2 – SULLA TERRA, Italien, 1980, Regie: Ciro Ippolito)

    Nach der Landung einer Raumkapsel der NASA, deren Besatzung auf mysteriöse Art und Weise verschwunden ist, startet die mit PSI-Fähigkeiten ausgestattete Höhlenwissenschaftlerin Thelma Joyce mit ihrem Team eine neue Expedition in 400 Meter Tiefe, wo sie auf ein Alien stoßen.

    Von dem oft unverfrorenen Umgang mit populären Filmtiteln möchte ich hier gar nicht anfangen, und ich persönlich habe auch kein Problem damit. Fest steht aber, dass Ciro Ippolito mit ALIEN 2 – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK wohl einen der sonderbarsten Vertreter der zahlreichen ALIEN (1979) – Rip-Offs gezimmert hat. Ippolito macht es seinem Zuschauer nicht gerade leicht, dem Geschehen folgen zu können, geschweige denn zu wollen. Die Meisten werden wohl schnell merken, ob sie diesem meditativen (ich will nicht langweilig schreiben) Trip weiter folgen wollen oder nicht. Eine gewisse Sogwirkung kann ich der Inszenierung nicht absprechen. Es gibt schöne Felslandschaften oberirdisch und schöne Tropfsteinhöhlen unterirdisch zu bewundern. Der Rest wurde in finsteren Studioräumen in Rom oder in den Straßen von L.A. gedreht. Ergänzt wurde das ganze teilweise durch Archivaufnahmen vom Weltraum, von Kriegsschiffen und Hubschraubern. Die Probleme des Films liegen weder in der Fotografie von Silvio Fraschetti, noch in der traumartigen Atmosphäre, die der Score der Brüder De Angelis zusätzlich befeuert, sondern bei der Story und den Darstellern. Was passiert hier eigentlich? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Fragen, die man sich eigentlich gar nicht stellen sollte. Aber da sind dann noch die Darsteller, die genauso planlos sind wie ich als Zuschauer. Große Namen stehen hier nicht an, und Michele Soavi ist der Einzige, der mir hier direkt was sagte, aber auch der geht wie Belinda Mayne, Mark Bodin und der Rest im Halbschlaf unter. Als hätte man es mit einem halb sedierten Trupp Höhlenforschern zu tun. Und die entdecken dann in einer Tropfsteinhöhle ein sonderbares Irgendwas, was man nicht mal richtig zu Gesicht bekommt. Es gibt einen sonderbaren Stein, ein merkwürdiges Alien, was vor allem im Off lebt und ein paar wenige Gore-Effekte, die ziemlich saftig sind, auf die man aber gut 50 Minuten warten muss.

    Trotz inhaltlicher und darstellerischer Ödnis, trotz einigem Leerlauf, hat ALIEN 2 – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK eine anziehende Wirkung, die mich immer in eine Art Schlaf-Wach-Zustand versetzt, der fast einzigartig ist. ALIEN trifft auf THE DESCENT, und doch ganz anders, vor allem sehr viel schlechter.

    (Bjoern Candidus)

  • Damned in Venice, 1978 – ★★★

    Damned in Venice, 1978 – ★★★

    DIE WIEGE DES TEUFELS
    (NERO VENEZIANO, Italien, 1978, Regie: Ugo Liberatore)

    Nach einem tödlichen Unfall der Eltern, kommt der blinde Mark und seine Schwester Christina bei ihren Verwandten in Venedig unter. In Venedig angekommen, häufen sich bei Mark Visionen von einem unheimlichen Mann mit einem Hund, dem er alsbald in der Realität begegnet. Es kommt zu einer Reihe mysteriöser Todesfälle, und als seine Schwester plötzlich schwanger ist, wird Mark klar, welche Macht hier an den Fänden zieht.

    An den Regie-Fäden hat Ugo Liberatore (DAS GESCHLECHT DER ENGEL, 1967) gezogen, und sowohl Italo-Horror- als auch Okkult-Horror-Freunde dürften hier ihren Spaß haben, vielleicht nicht uneingeschränkt, aber in großen Teilen.

    Dass der Film Venedig zum Schauplatz hat, wird von der ersten Minute offenbart, und auch im weiteren Verlauf profitiert Liberatore von den maroden Häusern, den schmalen Gassen, Kanälen und Gondeln der Lagunenstadt, die Kameramann Alfio Contini wirkungsvoll fotografiert hat. Bei dem Setting drängt sich natürlich zu recht WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973) auf, was zusätzlich verstärkt wird, wenn man den Namen Pino Donaggio liest, der sowohl für Roeg als auch für Liberatore die Musik komponierte, und die ist auch hier sehr schön. Aber auch das mysteriöse Treiben erinnert an Roegs Film und wird kombiniert mit ROSEMARY’S BABY (1968) und sämtlichen Versatzstücken des Okkult-Horrorkinos der 70er-Jahre. Auffällig sind auch die wenigen, aber harten Gore-Sequenzen, die stark nach dem Aussehen, was Lucio Fulci wenige Jahre später abgeliefert hat. Zerstörte Körper aus denen Würmer kriechen und ein Baby, was auf ein Nagelbrett geschleudert wird, könnten zartbesaitete Gemüter etwas aufrütteln. Für die Spezial-Effekte war Germano Natali verantwortlich, und der hat sowohl für Fulci als auch Argento gearbeitet. Die Story ist etwas sperrig, teils verwirrend und manche Szenen wirken sprunghaft, aber da hier ohnehin mit Visionen und Übersinnlichem gearbeitet wird, fällt das nicht groß negativ auf. Etwas traumartiges liegt über der ganzen Inszenierung, was dem italophilen Zuschauer ohnehin nicht fremd vorkommen dürfte, und stören sollte es ihn schon gar nicht. Das einzige größere Problem, was der Film hat, sind seine enorm unsympathischen Figuren. Dem damals erst 15-jährigen Renato Cestié (DIE TODESSCHLUCHT DER WILDEN WÖLFE, 1974) als Mark kann man keinen großen Vorwurf für seine hölzerne Art machen. Allerdings hatte er vor diesem Film schon zahlreiche andere Auftritte. Aber hier spielt er einen blinden Jungen, und das schränkt natürlich etwas ein. Rena Niehaus (LA ORCA, 1977) als Marks Schwester Christine ist reserviert, schlecht gelaunt und scheint wie Mark nur einen Gesichtsausdruck zu haben. Noch mehr schlechte Laune kommt mit Fabio Gamma (DER KATER LÄSST DAS MAUSERN NICHT, 1977) als Künstler Giorgio. Immerhin ist auf José Quaglio (MALASTRANA, 1971) als Pater Stefani Verlass, denn der verbreitet immer etwas Mysteriöses.

    DIE WIEGE DES TEUFELS ist ein sehr atmosphärischer Okkult-Horrorfilm mit morbiden, teils drastischen Effekten und einer schönen Venedig-Kulisse, der aber Probleme mit seiner Erzählstruktur und noch mehr mit den Darstellern hat. Sehenswert ist er auf jeden Fall, wenn man auf seine Zutaten steht.

    (Bjoern Candidus)

  • The Last Killer, 1967 – ★★½

    The Last Killer, 1967 – ★★½

    ROCCO – ICH LEG DICH UM
    (L‘ ULTIMO KILLER, Italien, 1967, Regie: Giuseppe Vari)

    Nachdem der Viehzüchter John Barrett den Vater von Ramón töten lassen hat, schwört der junge Mexikaner Rache. Durch eine brenzliche Situation, die für den Mexikaner beinahe tödlich geendet wäre, begegnet er Rocco, dem Ramón durch sein Auftauchen das Leben rettet. Rocco, der eigentlich gerade den Auftrag hatte, jemanden umzubringen, nimmt zum Dank Ramón mit auf seine Hütte, wo er gesunden soll. Doch Ramón sieht in Rocco eine ganz andere Chance…

    Giuseppe Vari (DIE MÖRDER DES KLANS, 1971) präsentiert hier einen Italowestern, der sich etwas von seinem Gros absetzt, da er sich sehr auf die Beziehung zwischen Rocco (in der italienischen Originalfassung heißt die Figur Rezza) und Ramón konzentriert, die eine Schüler-/ Lehrer-Beziehung führen. Da Rocco Ramón das Töten beibringen soll, damit der sich für die Ermordung seines Vaters rächen kann, leben sie in einer Hütte in den Berger, was eine gewisse Romantik mit sich bringt. Hier lernt Ramón nicht nur das Schießen und darf bei der Herstellung von Pistolenkugeln zugucken, sondern bekommt auch noch Roccos Philosophie des Tötens oben drauf. Leider bringt Dragomir Bojanic-Gidra (ROCCO – DER EINZELGÄNGER VON ALAMO, 1967) als Rocco keine Ausstrahlung mit, so wie es z.B. Anthony Steffen getan hätte, aber dafür ist ja Luigi Montefiori alias George Eastman als Mexikaner am Start. Und der eröffnet den Film gleich, in dem er mit einem Esel durch die Prärie reitet und erst mal ein paar Schläge einstecken muss statt seinen Gegner in der Luft zu zerreißen. Er mag zwar groß sein, aber das Kämpfen und Töten muss noch gelernt werden. Er wirkt in der Rolle des hilflosen Bauernjungen etwas sonderbar, aber er ist auch unglaublich sympathisch und bringt unter allen Anwesenden die größte Ausstrahlung mit. Daniele Varags (FRIEDHOF OHNE KREUZE, 1969) als Antagonist John Barrett ist wenig aufsehenerregend, was auch für seine austauschbare Bande gilt. Aber da der Fokus ohnehin auf Rocco und Ramón liegt, und die Rachegeschichte eher zweitrangig ist, konnte ich das gut verschmerzen. Auf ellenlange Schießereien wird verzichtet, dennoch schlägt der Film recht rüde Töne an, aber mehr als das Standartprogramm wird nicht geboten. Obwohl die Inszenierung insgesamt wertig aussieht, ist sie doch auch etwas monoton geraten. Vari tut sich etwas schwer, Atmosphäre aufzubauen, obwohl er mit der Landschaft auf Sardinien genug Potential gehabt hätte. Doch der letzte Schliff fehlt, eigentlich bei fast allem hier, aber manchmal hilft da der Score von Roberto Pregadio, der das ein oder andere schöne Stück zu bieten hat.

    ROCCO – ICH LEG DICH UM hat gute Ansätze, verfolgt einen eigenen Weg, aber wirkt insgesamt etwas halbgar. Der größte Lichtblick ist George Eastman, den man hier mal von einer anderen Seite sehen darf, die ihm wohl persönlich nicht sonderlich zugesagt hat, wie er verlauten ließ.

    (Bjoern Candidus)

  • The Hassled Hooker, 1972 – ★★★★

    The Hassled Hooker, 1972 – ★★★★

    ALLEIN GEGEN DAS GESETZ
    (IL VERO E IL FALSO, Italien, 1972, Regie: Eriprando Visconti)

    Luisa Santini steht wegen Mordes vor Gericht. Sie soll die Geliebte ihres Mannes Claudio ermordet haben, aber beteuert ihre Unschuld. Ihr Anwalt Marco Manin ist machtlos, und Staatsanwalt Turrisi ist sich sicher, dass Luisa Santini schuldig ist. Der Richter verurteilt sie zu zehn Jahren Gefängnis, von denen sie aber nur sieben absitzen muss, da sie wegen guter Führung frühzeitig entlassen wird. Nach ihrer Haftentlassung begegnet sie plötzlich der Frau, die sie angeblich vor zehn Jahren erschossen hat. Doch wer wurde damals von wem und warum erschossen? Luisa Santini wird erneut verhaftet, und vor Gericht sehen sich alle von damals wieder.

    Eriprando Visconti (LA ORCA, 1976) hat mit ALLEIN GEGEN DAS GESETZ ein sehr spannendes, authentisches Justiz-Krimi-Drama geschaffen. Es geht um die Machtlosigkeit und die Tragik unschuldig Verurteilter und über das Streben nach Aufstieg und Macht in den obersten Rängen des Staates. Terence Hill ist ein hervorragender Schauspieler, und wenn er wie hier eine ernste Rolle annimmt, nämlich die von Anwalt Marco Manin, erkennt man das erst richtig. Seine Nemesis, der machtgeile Staatsanwalt Turrisi, wird glänzend von Martin Balsam (PSYCHO, 1960) gespielt. Die Angeklagte Luisa Santini wird von der hübschen Paola Pitagora (OHNE VIEL VON IHR ZU WISSEN, 1969) dargestellt, die nicht viel sagen muss, um einen zu berühren. Ganz toll. Das komplette Gegenteil von Sympathie bringt ihr Ehemann Claudio Santini mit, der von Adalberto Maria Merli (THE CARD PLAYER, 2003) verkörpert wird. Gold gibt es also schon mal für die Schauspieler. Man sollte sich keinesfalls davon abschrecken lassen, dass es sich hier um einen Gerichtsfilm handelt. Man verlässt den Saal häufig genug, und die kurzen Rückblenden, die die Erinnerungen der Zeugen verbildlichen, beleben das Geschehen ungemein. Die Inszenierung hat ein enormes Tempo, obwohl man sich in einem dialoglastigen Film bewegt, und genau hier baut Visconti auch am meisten Spannung auf. Trotz ernster Themen, wirkt hier nichts dröge oder langatmig. Das Rätsel und die Lösung des Falls ist sehr spannend gestaltet, aber die Figuren und ihre Entwicklung sind der wahre Kern des Films.

    ALLEIN GEGEN DAS GESETZ ist ein mitreißender Film über Schuld und Unschuld, über die Vertuschung von Fehlern, dem Streben nach Macht, egal zu welchem Preis. Auch nach über 50 Jahren wirkt dieser Film frisch und wichtig.

    (Bjoern Candidus)