Autor: marco-fritz

  • Holocaust 2000, 1977 – ★★★½

    Holocaust 2000, 1977 – ★★★½

    INFERNO 2000
    (HOLOCAUST 2000, GB, Italien, 1977, Regie: Alberto De Martino)

    Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe, aber hier mischt auch noch der Teufel mit, der die Apokalypse mit Hilfe des Großindustriellen Robert Caine herbeiführen möchte. Caine will in der Sahara ein neuartiges Atomkraftwerk errichten, was alle Probleme in der Region lösen soll. Aber das Projekt ist umstritten, und Widerstand tut sich auf. Aber der Widerstand scheint von einer übersinnlichen Macht aufgehalten zu werden. Dann kommt es zu einem schrecklichen Unfall, bei dem sein Sohn Angel seine Mutter tötet. Oder handelte Angel im Namen des Teufels persönlich?

    Wiedermal waren die Italiener (diesmal zusammen mit den Briten) schnell und haben eine direkte Antwort auf einen US-Erfolg abgegeben. Die Koproduktion, die unter der Regie von Alberto De Martino entstanden ist, ist eine direkte Reaktion auf DAS OMEN (1976) von Richard Donner und nimmt teilweise den Verlauf seiner Fortsetzungen DAMIEN – OMEN 2 (1978) und vor allem BARBARAS BABY – OMEN 3 (1981) vorweg. Auch hier geht es um die Vermischung von Politik, Industrie, Wirtschaft, Hunger und Armut im Rahmen eines Okkult-Horrorfilms, der alles gibt, um dem Zuschauer in gut dosierten Momenten saftige Schockeffekte zu verpassen. Es gibt eine sehr schöne Szene, die ein Jahr später von Romero in ähnlicher Form präsentiert wird. Die Hubschrauber-Rotorblatt-Schädeldecken-Szene, auf die man bei DAWN OF THE DEAD (1978) in Europa lange warten musste, ist hier jedenfalls saftiger. Überhaupt gibt es auffällig viele Verletzungen gegen den Kopf zu bestaunen. Alberto De Martino versteht etwas von Okkult-Horror und visionären Bildern, die von Ennio Morricone untermalt werden. Diese Konstellation hat schon in DER ANTICHRIST (1974) blendend funktioniert, und damals mit Joe D’Amato als Kameramann. Hier gibt es sogar eine Traum-Sequenz, wie man sie später in ähnlicher (und wirkungsvollerer) Form in Ken Russells Filmen erleben kann. Insgesamt ist der Film sehr hell. Entweder man ist in der Wüste (gedreht wurde u.a. in Tunesien) oder in London und hält sich dann vor allem in Büros, Kliniken oder Forschungseinrichtungen auf, die nicht gerade für eine unheimliche Atmosphäre sorgen. Aber De Martino legt auch viel Wert auf die Figuren seiner Geschichte (und der von Sergio Donati) und liefert viel Dialog. Mit Kirk Douglas hat man einen Star an Bord geholt, der einem Gregory Peck aus DAS OMEN in nichts nachsteht. Das Teufels-Horror-Triptychon der Hollywood-Herren wurde im gleichen Jahr mit DER EXORZIST 2 – DER KETZER (1977) durch Burton vervollständigt. Den zog es direkt drauf wieder in eine ähnliche Richtung mit DER SCHRECKEN DER MEDUSA (1978), und Charlton Heston sei in DAS ERWACHEN DER SPHINX (1980) auch noch schnell erwähnt. Die neue Geliebte von Robert wird von Agostina Belli (DER SCHWARZE TAG DES WIDDERS, 1971) dargestellt, die weniger zum tragen kommt als Simon Ward (FRANKENSTEIN MUSS STERBEN, 1969) als Richards Sohn Angel, dem Handlanger des Teufels. Sein puppenartiges Gesicht verrät von Anfang an nichts Gutes, aber ein Sam Neill hatte vier Jahre später als Damien Thorn mehr Feuer zu bieten. Es gibt einige wirklich krude Momente, und manchmal hat man das Gefühl, De Martino verliert etwas die Kontrolle, aber er schafft immer wieder den Weg zurück, um seine Inszenierung sicher zum Ende zu führen. Hier sei allerdings gesagt, dass es zwei unterschiedliche Enden gibt, und das europäische Ende ist klar vorzuziehen.

    INFERNO 2000 ist ein sehenswerter Beitrag aus der Welt des Teufels-Horrors der 70er-Jahre, dem es manchmal an Spannung mangelt, aber dafür ein paar äußerst derbe Szenen serviert, um einen Ausgleich zu schaffen.

    (Bjoern Candidus)

  • A Bucket of Blood, 1959 – ★★★½

    A Bucket of Blood, 1959 – ★★★½

    DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI
    (A BUCKET OF BLOOD, USA, 1959, Regie: Roger Corman)

    Auch wenn uns die deutsche Titelschmiede etwas anderes erzählen will, handelt es sich hier mitnichten um eine Fortsetzung von DAS KABINETT DES PROFESSOR BONDI (1953) mit Vincent Price. Für die deutsche Fassung produzierte der deutsche Verleih Mercator Film sogar einen extra Prolog, der einen Zusammenhang herstellen soll. Auch wenn die zehnminütige Eröffnungs-Sequenz völlig überflüssig ist, ist sie zumindest sehr stimmungsvoll inszeniert.

    Aber was bietet der eigentliche Film vom großen Roger Corman überhaupt? Eine tolle Außenseiter-Geschichte über einen Kellner in einer Künstler-Kneipe, der selbst lieber auch ein Künstler wäre, doch es mangelt ihm an Talent. Aber irgendwann stößt er auf eine Technik, die ihm bald das nötige Aufsehen beschert.

    Der Film schmückt sich mit einer schmuddeligen Atmosphäre, die durch die Schwarzweißbilder zusätzlich verstärkt wird. Die verrauchte, versoffenen Umgebung der Künstler-Kneipe ist sehr gelungen und hat was heimeliges. Corman verwöhnt uns mit lebhaften und interessanten Figuren aus einer Künstler-Szene und baut immer wieder kleine gesellschaftliche Seitenhiebe ein. Aber er streut auch humorvolle Momente, und durch die etwas verschrobenen Figuren und ihren lockeren Sprüchen wird die Stimmung positiv belebt, doch unter der Oberfläche wütet hier auch ein Psycho-Drama über eine arme Seele, die zum Mörder wird, um Anerkennung zu bekommen. Das Ganze wirkt ein bisschen wie ein milder Vorläufer von MANIAC (1980), und Legende Dick Miller als Bondi, bzw. Walter Paisley passt ziemlich gut in die Rolle des „Nichtskönners“, auch wenn er als Mörder weniger als Bedrohung funktioniert.

    DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI ist ein kleiner, facettenreicher Film, aus dem umfangreichen Œuvre von Roger Corman.

    (Bjoern Candidus)

  • Mansion of the Living Dead, 1982 – ★½

    Mansion of the Living Dead, 1982 – ★½

    MANSION OF THE LIVING DEAD
    (LA MANSIÓN DE LOS MUERTOS VIVENTES, Spanien, 1982, Regie: Jess Franco)

    Vier Arbeitskolleginnen wollen gemeinsam Urlaub in einer Hotelanlage am Meer machen. Doch als sie in dem riesigen Hotel ankommen, ist niemand da, außer der Rezeptionist, der ihnen erklärt, dass fast alle Zimmer belegt sind. Irgendwas stimmt hier nicht, und während sich die einen gegenseitig lecken, erkunden die anderen die Gegend, die von und sinistren Katharer bewohnt wird, die in einem Kloster ein Ritual vorbereiten.

    Als Jess Franco – Fan muss man mitunter hart im Nehmen sein, wenn man sich durch so manche Abschnitte seines Schaffens graben will. Irgendwas ist da aber immer zu finden, was mir mundet. Hier ist es die Atmosphäre in der Hotelanlage mit ihren einsamen Fluren und der ewige Wind, der durch die Palmen von Gran Canaria heult und der die Glocken des Klosters in der Nähe der Hotelanlage aktiviert. Für die gespenstische Aura, die Franco hier serviert, gibt es schon mal einen Punkt. Doch leider kann das Punktekonto von MANSION OF THE LIVING DEAD nicht mehr viel einfahren. Da sind die Standards, das Mindeste, sozusagen. Antonio Mayans gibt sich als ominöser Hotelleiter Carlo die Ehre, ohne zu glänzen. Franco-Muse Lina Romay ist ebenfalls an Bord. Sie und ihre drei Kolleginnen müssen nicht viel tun. Entweder sie haben Sex miteinander, liegen am Strand, irren durch die Gegend oder stellen erstaunt fest, dass auf der Insel doch mehr abgeht, als sie sich vorstellen können, z.B. von Skeletten in Kutten vergewaltigt zu werden. Was da genau abgeht ist langweiliger Kutten-Horror, der wie Amando de Ossorios Klassiker DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972) an Gustavo Adolfo Bécquer Geschichten angelehnt ist. Nur was Ossorio alles richtig macht, macht Franco entweder gar nicht oder so langweilig, dass es fast zu einem übersinnlichen Akt kommen muss, um hier wach zu bleiben. Eine Rückkehr der reitenden Leichen darf man hier genauso wenig erwarten wie einen herkömmlichen Zombiefilm, wie er zu der Zeit in Mode war. Und wer seine OASE DER ZOMBIES kennt, weiß, dass ihn das Thema auch nicht tangiert.

    Ein bisschen Sex, billige Skelettmasken, langweiliges Geschwätz, öde Rituale und ganz viel Leere, die immerhin stimmungsvoll eingefangen wurde, bietet MANSION OF THE LIVING DEAD. Nur für Franco-Hardliner geeignet!

    (Bjoern Candidus)

  • I, Madman, 1989 – ★★★½

    I, Madman, 1989 – ★★★½

    HARDCOVER
    (I, MADMAN, Kanada, 1989, Regie: Tibor Takács)

    Virginia liest nicht nur gerne, sie jobbt sogar in einem Antiquariat, um abends die Schauspielschule zu besuchen. Da sie gerne Horror-Literatur liest, freut sie sich über den Roman „I, Madman“ von Malcom Brand. Doch der Roman hat eine außerordentlich starke Wirkung auf sie. Es scheint, als würde die Fiktion in die Realität über greifen. Und dann wird Virginia von einem geheimnisvollen Mann verfolgt, der ihr auf unheimliche Art bekannt vorkommt.

    Zwischen THE GATE (1987), einer meiner Lieblingshorrorfilme der 80er-Jahre, und seiner gar nicht üblen Fortsetzung GATE 2 (1990) hat der gebürtige Ungar Tibor Takács mit HARDCOVER einen durchaus stimmungsvollen Horrorfilm geschaffen, der zwar deutliche Anleihen an A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) zeigt, aber gleichzeitig auch ein wenig DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994) vorwegnimmt. Und auch BODY PARTS (1991) kam mir in den Sinn. Doch statt einen mit Klingenhandschuh ausgestatteten Kindermörder, der nach seiner Ermordung in den Träumen der Kinder der Täter sein Unwesen treibt, ist es eine garstige, entstellte Romanfigur, die den Weg in die Realität findet, um seinen Opfern Teile ihres Kopfes zu entfernt, um sich selbst mit ihnen zu schmücken, denn er will ja schließlich Virginia gefallen. Auch wenn man bei den wenigen Gore-Effekten explizite Darstellungen ausspart, verfehlen sie nicht ihre Wirkung, und das Design des Wahnsinnigen kann sich sehen lassen. Insgesamt sind die Effekte sehr schön, und es gibt sogar eine THE GATE-Hommage, denn einer der Minions hat sich auch hierher verlaufen, ist nur wesentlich größer als seine Brüder und Schwestern. Aber nicht nur die Effekte stimmen, sondern auch die Fotografie. Die erdigen Farben passen gut zum Buch-Thema, und das Antiquariat sorgt für eine wohlige Atmosphäre, die zu dem krimiartigen Aufbau der Story harmoniert. Fast zu übersehen ist das Fest der Liebe, der Film spielt nämlich um Weihnachten herum, was man vor allem am dezenten Schmuck erkennen kann. Ein bisschen problematisch finde ich die Besetzung. Jenny Wright (NEAR DARK, 1987) als Virginia ist sympathisch, keine Frage, aber ihr Spiel erscheint manchmal etwas unsicher bis gekünstelt, aber immerhin nervt sie nicht. Ziemlich farblos wirkt ihr Mann Richard, dargestellt von Clayton Rohner (DAS RELIKT, 1997). Aber immerhin streut Takács einige verschrobene Figuren in seine Inszenierung, die für einen ganz eigenen Charme sorgen.

    HARDCOVER ist ein phantasievoller, spannender, gut aussehender Horrorfilm, der mehr Stil aufweist als viele seiner Artgenossen jener Tage.

    (Bjoern Candidus)

  • The Hanging Woman, 1973 – ★★½

    The Hanging Woman, 1973 – ★★½

    TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER
    (LA ORGÍA DE LOS MUERTOS, Italien, Spanien, 1972, Regie: José Luis Merino)

    Nach dem Tod des Onkels, reist Serge Chekov in ein Bergdorf, um das Erbe anzutreten: ein Schloss. Allein ist er auf dem Schloss allerdings nicht. Die Frau seines Onkels, ein Wissenschaftler mit seiner Tochter und ein paar Bedienstete tummeln sich in dem Gemäuer herum und wirken so sonderbar wie alle anderen im Dorf. Man scheint sich nicht mal für die Frau zu interessieren, die an einem Baum auf dem Friedhof hängt. Serge taucht immer tiefer ab in das merkwürdige Treiben auf dem Schloss und lüftet ein schreckliches Geheimnis.

    Der Spanier José Luis Merino (DAS GEHEIMNIS VON SCHLOSS MONTE CHRISTO, 1970) hat hier sämtliche Zutaten zusammengeschüttet, die 1970 noch oder gerade angesagt waren: Gothic-Horror-, Mad Scientist- und Zombie-Motive ausgestattet mit Blut und nackten Brüsten. Nicht, dass es hier besonders blutig oder freizügig zugehen würde, aber Merino erzeugt eine morbide Grundstimmung, die er kontinuierlich aufrechterhalten kann. Eine ähnliche Stimmung ist auch in DIE STUNDE DER GRAUSAMEN LEICHEN (1973) auszumachen, was natürlich auch an Paul Naschy liegt, der hier eine verhältnismäßig kleine Rolle hat, in dem ihm mal kein Wolfspelz wächst. Merino hätte lieber Naschy zum Hauptdarsteller erkoren und den steifen Stelvio Rosi mit Helmfrisur und Pornobalken gestrichen. Aber es sollte anders kommen. Insgesamt sind die Darsteller nicht gerade die Stärke des Films, noch viel weniger die Story, aber die Atmosphäre überstrahlt letztlich die Schwachstellen dieser italienisch-spanischen-Koproduktion.

    Okkulte Rituale, Wind, Regen, Gräber, finstere Gestalten, lebende Leichen, ein bisschen nacktes Fleisch, ein gespenstisches Alpendorf (in den Pyrenäen) und schaurige Musik dürften besonders Freunde des europäischen, insbesondere des spanischen Gothic-Horrorkinos beglücken, auch wenn hier nichts Neues gezeigt wird. Alle Anderen sollten vielleicht lieber einen Bogen um den TOTENCHOR DER KNOCHENMÄNNER machen.

    (Bjoern Candidus)

  • Night of the Howling Beast, 1975 – ★★★

    Night of the Howling Beast, 1975 – ★★★

    DER WERWOLF UND DER YETI
    (LA MALDICIÓN DE LA BESTIA, Spanien, 1975, Regie: Miguel Iglesias)

    Fotos und ein Skalp wollen beweisen, dass der Yeti existiert. Hoch oben auf dem Himalaya soll das Zottelvieh sein Unwesen treiben. Einem Team aus Forschern und Wissenschaftlern bricht auf, um der Legende auf den Grund zu gehen. Dabei ist auch Waldemar Daninsky, der wie immer nichts besseres zu tun hat, als sich einen Werwolf-Fluch einzufahren, der ihn in eine blutrünstige Bestie verwandelt, wenn es der Mondzyklus zulässt.

    Regisseur Miguel Iglesias, dessen Werk kaum den Weg nach Deutschland fand, setzte hier Paul Naschys Story und Drehbuch um und hat damit ein bisschen Abwechslung in die Stube gebracht. Erstens ist der Yeti als Monster-Figur relativ selten im Horrorkino anzutreffen, zweitens gibt es viel zu wenig Horrorfilme, die im Schnee angesiedelt sind, drittens werden spanische Drehorte selten als Tibet, bzw. Himalaja -Gebirge verkauft. Braucht man dann noch einen tibetanischen Tempel, baut man sich halt schnell einen als Miniaturmodell und stellt ihn in den Schnee. Eine schöne Illusion. Auch wenn man nicht auf dem Himalaya ist, ist die Landschaft ein Aushängeschild des Filmes. Mal gibt es verschneite Abschnitte, mal sticht der Herbst ins Auge. Der Rest wird im Studio erledigt. Hier sieht man dann den Tempel von innen und darf noch in eine mit buntem Bava-Licht ausgeleuchtete Höhle mit Totenschädeln und einer Grabkammer abtauchen. Eine schöne Grusel-Atmosphäre wird hier erzeugt. Garniert wird das Horror-Abenteuer mit Mord, Folter, Sadismus und einer Priese Erotik. Alles, was man von solchen Produktionen erwartet, ist dabei. Der Yeti bekommt letztlich nur wenig Aufmerksamkeit, aber zum Ausgleich ist ja Paul Naschy als Werwolf aktiv, dessen Design finsterer als sonst wirkt, was aber auch an den an sich recht düsteren Aufnahmen liegt. Das Tageslicht wurde hier nämlich offensichtlich stark gefiltert, um die Nacht in die verschneiten Berge zu zaubern. Aber das passt zum surrealen Anstrich dieses Alternativen-Himalaya-Gebirges.

    Neben Naschy fiel mir direkt Mercedes Molina ins Auge, die im gleichen Jahr zusammen mit Naschy für DIE NACHT DES EXORZISTEN (1975) vor der Kamera stand. Wie gern in solchen Filmen sind die darstellerischen Leistungen nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, was hier nicht anders ist, aber eben auch nicht stört. Es ist die Idee und der unnachahmliche Charme, der hier thront.

    DER WERWOLF UND DER YETI ist ein weiters Horror-Kitsch-Bonbon mit dem Herzblut von Paul Naschy.
    Nicht mehr, nicht weniger.

    (Bjoern Candidus)

  • Dr. Jekyll and the Werewolf, 1972 – ★★½

    Dr. Jekyll and the Werewolf, 1972 – ★★½

    DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE
    (DOCTOR JEKYLL EL HOMBRE LOBO, Spanien, 1972, Regie: Leon Klimovsky)

    Doktor Henry Jekyll experimentiert fleißig an einem Serum, was Menschen verändern kann, um ihnen zu helfen. Da kommt ihm Waldemar Daninsky gerade recht. Waldemar hat nämlich ein Problem, denn bei Vollmond verwandelt er sich in einen Werwolf und geht auf die Jagd nach Menschen. Doktor Jekyll bietet Waldemar seine Hilfe an. Er will ihn zu Mr. Hyde werden lassen, der dann den Geist des Werwolfs besiegen soll. Anschließend soll Waldemar gegen den Hyde-Verstand antreten.

    Am wichtigsten ist hier wohl, als Zuschauer nicht selbst den Verstand zu verlieren, wobei das manchmal auch nützlich sein kann. Den Verstand hat bei der Produktion hoffentlich niemand verloren, Paul Naschy hat einfach den Stift angesetzt und sich eine weitere Werwolf-Story aus den Krallen gesaugt und diese zu einem Drehbuch für Regisseur Leon Klimovsky verarbeitet. Hier hat er Elemente von Robert Louis Stevensons Erzählung „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1886) und der bekannten Werwolf-Thematik zusammengemengt. Dass das Ganze völlig hanebüchen ist, ist dabei natürlich vollkommen egal, denn hier zählt nur die Idee, egal wie absonderlich sie ist.

    Klimovsky fährt dabei bekannte Zutaten auf, die den Fan des europäischen Horrorfilms vertraut sind. Es geht auf Londons verregnete Straßen, auf eine Party der feinen Gesellschaft und ins Rotlichtviertel der Stadt oder man bewegt sich in die Natur, wo man sich auch an einem finsteren Schloss laben kann. Ist man in der Natur, ist man nicht mehr in England, sondern in Spanien, was einem natürlich vertraut vorkommt, besonders im Zusammenhang mit Paul Naschy. An eine Spelunke auf dem Dorf mit den obligatorischen, misstrauischen und abergläubisch Dorfdeppen, die sich zu einem Vergewaltigungsversuch an einer Dame hinreißen lassen, bevor sich Waldemar als Held meldet, wurde gedacht, wie auch an ein bisschen Gewalt und Sadismus und an einen unheimlichen Score, der diesmal von Antón García Abril stammt, der auch die schaurigen Klänge für DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN (1972) komponierte.

    Eine irrsinnige Story, ein bisschen Blut, ein paar blanke Brüste, Jack Taylor als Dr. Jekyll, Paul als Mr. Hyde und Werwolf… Im umfangreichen Katalog der Filme mit Paul Naschy ist DIE NACHT DER BLUTIGEN WÖLFE keine Sternstunde. Dennoch kann sich die Produktion mit ihrem Gruselcharme über Wasser halten, ist aber in erster Linie nur etwas für Fans des Spaniers.

    (Bjoern Candidus)

  • Death Line, 1972 – ★★★★

    Death Line, 1972 – ★★★★

    TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (DEATH LINE, GB, 1972, Regie: Gary Sherman)

    Im Londoner Underground verschwinden immer wieder Menschen. So auch an dem Abend, an dem ein junges Pärchen einen scheinbar bewußtlosen Mann am Bahnsteig vorfinden. Sie holen Hilfe, doch dann ist der Mann spurlos verschwunden. Als er vermisst bleibt, nimmt Inspector Calhoun die Sache in die Hand. Was er noch nicht ahnt: Unter dem Asphalt von Londons Straßen wohnt mindestens ein Kannibale.

    Vor MAN-EATER (1980), vor CREEP (2004), vor Clive Barkers Kurzgeschichte und gleichnamiger Verfilmung MIDNIGHT MEAT TRAIN (2008) ging es in den TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN, dem Debütfilm von Gary Sherman, dem wir Filme wie TOT & BEGRABEN (1981), NACHTRATTEN (1982) oder POLTERGEIST 3 (1988) zu verdanken haben.

    Erdige Farben bestimmen den düsteren und blutigen Abstieg, dem man hier beiwohnen darf. Der Film bewegt sich auf drei Handlungssträngen: der Krimi-Part, die Geschichte um das Liebespärchen und das Kannibalen-Drama. Der von nässender Beulenpest gezeichnete Kannibale bekommt viel Spielzeit eingeräumt, in der er portraitiert wird. Er lebt mit seiner schwangeren Frau in einem stillgelegten U-Bahnschacht. Da sie offensichtlich auch krank ist, ernährt er sie mit dem Blut der Opfer. Er schneidet ihnen die Hälse durch und lässt sie über ihren Mund ausbluten. Sherman ist großzügig, um das morbide Ambiente zu präsentieren. Zerfetzte Körper hängen an den Wänden oder liegen auf dem Boden herum und werden von Ratten angefressen. Insgesamt wird kräftig an der Gore-Schraube gedreht, was für 1972 teilweise beachtlich ist. Aber es gibt auch Auflockerung, die hier gar nicht fehl am Platz ist. Herrlich schrullig: Donald Pleasence als Inspector Calhoun. Der Humor ist durch ihn gesichert. Und als wäre Pleasence nicht schon Grund genug zum feiern, sagt auch Christopher Lee als Stratton-Villiers vom MI5 Hallo, allerdings nur ganz, ganz kurz.

    TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN gehört für mich zu den stimmungsvollsten und garstigsten Beiträgen des britischen Horror-Kinos der 1970er-Jahre.

    (Bjoern Candidus)

  • Zoning, 1987 – ★★½

    Zoning, 1987 – ★★½

    ZONING (Deutschland, 1986, Regie: Ulrich Krenkler)

    Ozzy und Rainer nisten sich in einem hoch modernen Wolkenkratzer ein, in dem nicht nur Firmen und Geschäfte, sondern auch Privatwohnungen ihren Platz haben. Durch die damaligen Baupläne wissen die beiden Herren nämlich ganz genau, wo versteckte Zwischenräume, Luftschächte und tote Winkel zu finden sind. Von ihren Verstecken aus gehen sie auf Raubzug. Doch es dauert nicht lange, bis ihnen jemand auf den Fersen liegt.

    (*Begriffserklärung: Das Zoning ist ein städtebauliches Gesetz aus Amerika. Es bestimmt beim Bau von Wolkenkratzern folgende Begrenzung: je höher die Wolkenkratzer werden, desto weiter müssen Sie von der Straße entfern errichtet werden, damit andere Gebäude nicht im Schatten von ihnen ertrinken.)

    ZONING ist ein in kalten, stylischen Bildern eingefangener Hochhaus-Thriller, den Regisseur Ulrich Krenkler vor allem als Fingerzeig auf das entmenschlichte Leben in Großstädten versteht. Diesen Punkt hätte er sicherlich besser ausarbeiten können, dennoch ist ihm eine Sache besonders gelungen: Darsteller zusammenzubringen, die die sehr unsympathischen Figuren mit Kälte ausfüllen. Nicht, dass sie das schauspielerisch besonders gut umsetzen würden, aber dennoch sind Norbert Lamla, Hubertus Gertzen, Rainer Frieb, Dieter Meier, Veronika Wolff und Eleonore Weisgerber hier richtig aufgehoben. Ihre Kälte und Steifheit passt letztlich. Viel verliebter ist man in die futuristische, sterile Ästhetik der Gebäude aus Beton, Stahl und Glas; man nimmt sich Zeit für die Architektur in Blau, Gelb und Grau, die von Neonlicht durchzogen wird. Das ist alles schön, könnte allerdings noch schöner sein, denn die Kamerarbeit, bzw. die Bildgestaltung ist nicht sonderlich ansprechend. Die Außenaufnahmen des Gebäudekomplexes entstanden in Chicago, während der Rest in München gedreht wurde. Action sollte man hier nicht wirklich erwarteten. Die meiste Bewegung kommt durch den Score der wunderbaren deutschen Formation Tangerine Dream auf, die einen in der Filmwelt nie hängenlässt. Hier unterstützen sie die Inszenierung, wenn diese gerade ins Stocken gerät.

    ZONING kämpft mit Längen, lässt keine Sympathie zu seinen Figuren zu, aber ist ein lobenswerter Versuch, die aufkommende Kälte, Isolation und Entmenschlichung der 1980er-Jahre einzufangen und in einen spannungsarmen Thriller zu packen. Kann man sich durchaus angucken, aber der ähnlich gelagerte ABWÄRTS (1984) von Carl Schenkel ist um ein vielfaches Größer. Aber es ging auch nicht um einen Vergleich.

    (Bjoern Candidus)

  • Shocker, 1989 – ★★

    Shocker, 1989 – ★★

    SHOCKER
    (USA, 1989, Regie: Wes Craven)

    Der Fernsehtechniker Horace Pinker, ist ein Serienmörder, der es auf Familien abgesehen hat, und der wird mit Hilfe von Jonathan, einem Teenager, der von dem Killer und seinen Taten träumt, bevor sie passieren, gestellt. Jonathan ist außer sich vor Wut, weil Pinker seine Stiefmutter und seine geliebte Alison ermordet hat und nun sehnlichst auf seine Hinrichtung wartet. Doch es läuft nicht, wie es soll, denn Pinker kann sich mittels Schwarzer Magie retten und verwandelt sich in ein Strom-Monster, was in jeden beliebigen Körper fahren kann.

    Nach dem starken Voodoo-Horrorfilm DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (1988), wollte Wes Craven offensichtlich an seinem größten Erfolg anknüpfen, was schon in der Titel-Sequenz zu erkennen ist. Während sich Freddy Krueger am Anfang von A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) seinen Handschuh zusammenbaut, beschäftigt sich hier Elektro-Nerd Horace Pinker mit einem Fernseher, was einen direkt zum Thema Elektrizität bringt, denn von Strom bezieht Pinker nach seiner Umwandlung seine Kraft. Fortan kann er so auch in jeden x-beliebigen Körper zappen und diesen beseelen. Ein Mittel, an dem sich zwei Jahre vorher NIGHTMARE ON ELM STREET 2 – Regisseur Jack Sholder für THE HIDDEN bedient hat und auch in Filmen wie ALIENKILLER (1991) und JASON GOES TO HELL (1993) aufgegriffen wurden. Im Grunde keine schlechte Sache, wenn sie wirksam umgesetzt wird. Wirksam ist das hier auch, aber nur, wenn man einen überdrehten, wenig ernstzunehmenden Horrorfilm sehen will. Anfänglich baut Craven noch eine dichte Atmosphäre auf, die zur Spannung beiträgt, die er die ersten 40 Minuten auch gut aufrechterhalten kann. Leider kippt das Geschehen, wenn Pinker festgenommen wird, er in der Todeszelle sein schwarzmagisches Ritual abhält, bevor er auf dem Elektrischen Stuhl gebraten werden soll. Der Film sieht auch dann noch gut aus. Er wurde anständig fotografiert und zeigt sich meistens schön finster, aber inhaltlich gerät das Ganze aus den Fugen und hat mich nur mäßig begeistert. Auf Gewalt und Blut muss natürlich auch nicht verzichtet werden, aber es sind dann letztlich die überdrehten Ideen, die hier hängenbleiben, wie z.B. der Fernsehsessel mit Eigenleben und natürlich der TV-Sender-Zapping-Trip, der das Geschehen dann vollends ins Absurde führt. Immerhin darf man so kurz Hippie-Guru Timothy Leary als TV-Prediger, Alice Cooper, Boris Karloff und Colin Clive begegnen. Eine ähnliche Szene, die dann auf die Gamer-Generation abzielt, und mir auch nicht gefallen hat, gibt es in NIGHTMARE ON ELM STREET 6 (1991) zu entdecken. Neben einem unauffälligen Score von William Goldstein, fallen die Hard-Rock und Metal-Tracks von Alice Cooper, Megadeth oder Bonfire umso mehr auf. Wie schon bei DEADLY FRIEND (1986) muss der Hauptdarsteller auch hier mit dem Verlust seiner Angebeteten leben, zudem wurde vorher seine Adoptivmutter von Pinker getötet. Einen fröhlichen Teenager bekommt man mit Jonathan Parker, der von Peter Berg (FEUER AM HIMMEL, 1993) dargestellt wird, also auch nicht. Dem steht das Leid allerdings mehr ins Gesicht geschrieben als Matthew Labyorteaux. Berg bekommt viel Spielraum, hat einige Action-Szenen, aber dafür halt nur einen einzigen Gesichtsausdruck. Bei der Adoptivvater-Figur, Don Parker, der hier der Lieutenant ist, sieht es noch schlimmer aus. Michael Murphy (PHASE IV, 1974) wirkt irgendwie völlig verloren, aber sein Adoptivsohn und seine American Football – Mannschaft regelt ja auch alles. Anfänglich kann Mitch Pileggi, der sich in AKTE X als Walter Skinner unsterblich gemacht hat, noch als eiskalter Killer überzeugen, aber wenn er zum „Strom-Clown“ wird, sollte man besser den Stecker ziehen oder PULSE (1988), den Strom-Horrorfilm von Paul Golding gucken.

    SHOCKER startet gut, ist atmosphärisch und visuell ansprechend, fällt aber sowohl durch die Darsteller als auch durch die Story ins Bodenlose. Zudem ist der Film mit 110 Minuten Spielzeit einfach viel zu lang geraten.

    (Bjoern Candidus)