Autor: marco-fritz

  • Q: The Winged Serpent, 1982 – ★★★★

    Q: The Winged Serpent, 1982 – ★★★★

    AMERICAN MONSTER
    (Q, USA, 1982, Regie: Larry Cohen)

    In New York City regnet es plötzlich Blut vom Himmel. Ein Fensterputzer wird geköpft und Menschen verschwinden auf unerklärliche Art und Weise. Das ruft Detective Shepard auf dem Plan. Zur gleichen Zeit lässt sich der Musiker Jimmy Quinn auf üble Typen ein, die einen Juwelier überfallen wollen. Alles kommt anders, als es soll, und als Jimmy auf dem Chrysler Building ein riesiges Ei in einem Nest findet, traut er seinen Augen nicht…

    Larry Cohen (DIE WIEGE DES BÖSEN, 1974) hat mich meistens positiv überrascht. Seine Filme haben interessante Storys und Figuren, bringen spannende Themen auf den Tisch, bieten Witz und Ironie und geizen nicht mit Blut und Monstern. Blaxploitation, Baby-Horror, Vampir-Horror oder wie hier, bei AMERICAN MONSTER, Monster-Horror, der geschickt die Brücke zwischen 50er-Jahre-Monster-Kino und 80er-Großstadt-Krimi schlägt. Filme wie KING KONG (1933), PANIK IN NEW YORK (1953) und ANGRIFF DER RIESENKRALLE (1957) zeichnen sich ab, und Cohen spendiert eine liebevolle Hommage in Farbe. Kombiniert wird der Film mit Krimi-Elementen und einer Story über Jimmy Quinn, einem Verlierer-Typ, der sich auf die falschen Leute einlässt. Dieser wird von Michael Moriarty dargestellt, der durch seine spezielle Art mal wieder für Begeisterung sorgt und im Œuvre von Larry Cohen nicht wegzudenken ist. Nicht weniger gern gesehen ist David Carradine, der als Detektive Shepard natürlich erst mal nichts von einem geflügelten Schlangenmonster wissen möchte. Das titelgebende Monster ist ein äußerst hungriger Azteken-Gott namens Quetzalcoatl. Da Azteken-Mythologie im Horror-Kino wahrlich nicht häufig anzutreffen ist, darf man umso glücklicher sein, dass es hier der Fall ist. Das Monster ist nicht gerade häufig im Bild, was überhaupt nichts macht; man spürt die Anwesenheit. Die Stop-Motion-Effekte sind immer wieder schön anzuschauen. War man in Sachen Blut und Gewalt in den 50er-Jahren noch sehr zurückhaltend, liefert Cohen im Gore-Bereich erstaunlich viel. Menschen werden geköpft, Menschen werden gehäutet. In dem Punkt ist man eindeutig in den 80er-Jahren, aber auch die Detektive-in-der-Großstadt-Story passt zum Jahrzehnt und wird geschickt mit dem Verlierer-Strang um Jimmy Quinn verwoben.

    AMERICAN MONSTER ist ein liebevoll gemachter Horrorfilm mit sympathischen Figuren und einem garstigen Monster (oder Azteken-Gott) zwischen den Hochhäusern von New York City.

    (Bjoern Candidus)

  • The Serpent and the Rainbow, 1988 – ★★★★

    The Serpent and the Rainbow, 1988 – ★★★★

    DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN
    (THE SERPENT AND THE RAINBOW, USA, 1988, Regie: Wes Craven)

    Der Wissenschaftler Dennis Allan ist auf der Suche nach einem Gift, was aus Menschen eine Art Zombie macht. Dafür reist er nach Haiti und gerät zwischen die Fronten von der Diktatur François Duvalier aka Papa Doc. Doch Allan ist als weißer Amerikaner, der herumschnüffelt, gar nicht gern gesehen. Als er dem geheimnisvollen Zombie-Gift auf die Spur kommt, wird er von Dargent Peytraud von der Tonton Macoute (haitianische Miliz unter Duvalier) verhaftet, gefoltert und dazu aufgefordert Haiti schleunigst zu verlassen. Doch Allan denkt nicht daran…

    Nach seinem nicht ganz so überzeugenden Film DER TÖDLICHE FREUND (1986) begibt sich Wes Craven mit DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN wieder in sehr viel düstere Bereiche. Inspiriert durch ein Buch des Anthropologen und Reisejournalisten Wade Davis von der Harvard University, der Voodoo auf Haiti untersuchte, entstand ein Drehbuch von Richard Maxwell und Adam Rodman, was Craven nach Haiti und Santo Domingo führte, wo der Film gedreht wurde.

    Die Inszenierung besticht vor allem durch das dichte Setting. Haiti ist wahrlich kein häufiger Schauplatz im Horror-Kino und so wirkt der Film allein durch den Ort des Geschehens frisch. Kerzen, Totenschädel, vermoderte Leichen, mysteriöse Rituale und Zeremonien bestimmen das eine, eine brutale Militärdiktatur das andere Bild. Spaß kommt hier wahrlich nicht auf und Craven liefert ein paar harte Momente, von denen mich einer stark an DER MARATHONMANN (1976) erinnert hat. Mit Bill Pullman als Dennis Allan hat man einen fähigen Darsteller an Bord, der für Rollen dicht am Wahnsinn und der Verzweiflung gut geeignet ist. Gegen seine Nemesis Dargent Peytraud, der eindringlich von Zakes Mokae dargestellt wird, sieht Pullman natürlich blass aus, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Die Story ist vor allem deshalb so interessant, weil sie den wissenschaftlichen Aspekt aufrechterhält und trotzdem genug Mysterium bereithält. Man wohnt der Herstellung des Pulvers bei, was über die Haut aufgenommen dazu führt, dass man in eine Art Totenstarre verfällt und darf sich auf richtig fiese Horror-Vision von Dennis Allan freuen, die auch mindestens einmal an A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) erinnert haben. Craven beherrscht hier nahezu alles in Einklang zu bringen. Er erzählt eine spannende Story, baute eine dichte Atmosphäre auf, die sich kontinuierlich hält, serviert eklige Horror-Szenen mit hervorragenden Masken und Effekten, kombiniert das ganze mit dem Schrecken der Diktatur durch Folter und Mord und spendiert genug Spielzeit für die Figuren. Im Finale hätte ich mir ein bisschen weniger gewünscht, es ufert leicht aus und wirkt fast wie eine Art Vorschau auf Cravens folgenden Film SHOCKER (1989), aber das trüb nicht den Gesamteindruck. Ummantelt wird der düstere Voodoo-Trip von einem Score von Brad Fiedel.

    Craven reiht sich mit DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN in die Reihe ähnlich gelagerter Filme wie ANGEL HEART (1987) und DAS RITUAL (1987) ein und hat mit diesem einen seiner stärksten Filme geschaffen, wie ich finde.

    (Bjoern Candidus)

  • The Son of the Sheik, 1978 – ★★

    The Son of the Sheik, 1978 – ★★

    DER SUPERBULLE RÄUMT DIE WÜSTE AUF
    (IL FIGLIO DELLO SCEICCO, Italien, 1978, Regie: Bruno Corbucci)

    Auch wenn es der deutsche Titel und die Synchronisation suggeriert, handelt es sich nicht um einen weiteren Film aus Bruno Cobuccis Reihe um Superbulle Tony Marroni (Nico Giraldi im Original), sondern Tomás Miliáns Charakter heißt hier eigentlich Luigi Panacchioni, und der verhaftet niemanden, sondern möchte sich in Rom um seine Tankstelle kümmern, und dafür braucht er Geld. Zur gleichen Zeit kommt es in einem persischen Emirat zu Streitigkeiten im Ölgeschäft. Ein Scheich benötigt ganz dringend einen Erben. Und wie ist der Zufall will, wird dieser in Marroni / Panacchioni gefunden. Sehr zum Leidwesen der anderen Ölkonzerne. Um den Erben auszuschalten schickt man Hamilton Burger, der sich stets selbstüberschätzt.

    Tomás Milián sieht optisch mal wieder aus wie in den meisten Filmen, die er mit Bruno Corbucci gedreht hat. Eine hässliche Strickmütze thront stets auf seinem Lockenkopf, was es noch einfacher macht, diesen Teil als einen Film der Nico Giraldi-, bzw. Tony Marroni – Reihe zu betrachten, der er nunmal nicht ist. Sein ganzes Verhalten weicht nicht groß ab und ist durchzogen von Slapstick und Sprüchen, wie man sie von ihm kennt. Das Ganze kann manchmal ziemlich nervig werden, besonders dann, wenn die Story nicht zündet. Hier zündet weder die Story noch die Figuren, aber noch viel weniger der Humor. Am schlimmsten ist Bo Svenson als Hamilton Burger, dessen Charakter einfach nur grauenhaft überzogen ist.

    Die Inszenierung hält nicht still. Man bekommt keine Zeit zum durchatmen, denn die nächste Blödelei, Verfolgungsjagd, Explosion oder Schießerei steht an. Zumindest gibt es handwerklich nichts zu meckern; Qualität gibt es eigentlich immer aus dem Haus Corbucci. Damit das Ganze noch extra Schwung bekommt, kümmern sich die De Angelis Brüder mal wieder um den Score.

    Von einigen Corbucci / Milián – Action-Komödien fühlte ich mich gut unterhalten, auch wenn der Gagafaktor natürlich oft alles kurz und klein schlägt, aber bei DER SUPERBULLE RÄUMT DIE WÜSTE AUF wurde ich mehr gequält als unterhalten. Vielleicht liegt es daran, dass hier Bombolo fehlt.

    (Bjoern Candidus)

  • Death Occurred Last Night, 1970 – ★★★★

    Death Occurred Last Night, 1970 – ★★★★

    DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL
    (LA MORTE RISALE A IERI SERA, Deutschland, Italien, 1970, Regie: Duccio Tessari)

    Das Leben von Amanzio Berzaghi meint es nicht gut mit ihm. Erst stirbt seine Frau, dann wird seine geistig zurückgebliebene Tochter Donatella entführt. Verzweifelt wendet er sich an die Polizei. Kommissar Lamberti und seine helfende Hand Mascaranti ermitteln. Wenig später entwickelt sich der Entführungsfall zu einem Mordfall, denn auf einem Feld wird die Leiche von Donatella gefunden.

    Es müssen nicht immer draufgängerische Proleten-Kommissare sein, die mit ihren Autos durch italienische Städte rasen und das Gesetz für sich neu definieren. Ebensowenig braucht man sadistische Morde oder Vergewaltigungen auf die die Kamera draufhält, um den Zuschauer zum schlucken zu bringen. Regisseur Duccio Tessari (BLUTSPUR IM PARK, 1971) und Artur Brauner, der am Drehbuch mitgeschrieben und den Film produziert hat, verknüpfen hier Elemente des Poliziottesco und des Giallo, und verzichten auf viele der üblichen Trope. Entführungs-Drama ist vielleicht sogar die treffendste Bezeichnung. Egal, es soll nicht um Kategorien gehen, denn dafür ist DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL zu andersartig. Statt auf Action und reißerische Morde zu setzen, erleben wir einen Kommissar und seinen Kollegen bei der intensiven Suche nach einer jungen Frau, die geistig zurückgeblieben ist, bzw. nach den Tätern. Die Spur führt in die Welt der Prostitution. Verdächtige, Mitwisser und mögliche Zeugen werden der Reihe nach aufgesucht und befragt, was die Spannung aufrecht erhält, obwohl in erster Linie nur geredet wird. Später bekommt man immer wieder kleine Rückblicke zu sehen, in denen man sieht, was Donatella zugestoßen ist. Aber auch in diesen Szenen bleibt Tessari zurückhaltend mit der Darstellung. Im letzten Drittel übernimmt dann der verzweifelte Vater selbst die Suche, um den oder die Täter zu Rechenschaft zu ziehen, bevor es die Polizei tun kann. Überall gibt etwas Interessantes zu entdecken, was die Zeit widerspiegelt, wenn man zum Beispiel in einer Zeitungsredaktion ist und einem Charles Manson und Jassir Arafat auf Fotos entgegenspringen. Gianni Ferrio unterstreicht mit seinem schönen Score die wunderbare Fotografie von Lamberto Caimi, der sechs Jahre später das Treiben in STRASSENMÄDCHEN-REPORT festgehalten hat, der sehr viel weniger sanft mit einem ähnlichen Thema umgeht.

    Frank Wolff (SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD, 1968) hat mir selten so gut gefallen wie hier, wenn er den grummeligen Kommissar Duca Lamberti spielt. Den Part seiner Frau übernimmt Eva Renzi (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970). Ganz toll ist auch der charismatische Gabriele Tinti mit seinen faszinierenden Augen, der in die Rolle von Lambertis Kollege Mascaranti schlüpft. Am besten hat mir allerdings der verzweifelte Vater Amanzio Berzaghi gefallen, den Raf Vallone (THE ITALIEN JOB, 1969) verkörpert. Er spielt wirklich herzerwärmend und nachvollziehbar. Seine Tochter Donatella wird von Gillian Bray (KARATR, KÜSSE, BLONDE KATZEN, 1974) verkörpert, die nicht viel tun muss, außer eine Dreijährige zu spielen, die entweder freudig oder verängstigt ist. Macht nichts, sie ist ohnehin nicht häufig zu sehen.

    Hinter dem reißerischen und völlig verzerrenden deutschen Titel DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL versteckt sich ein packendes, gut erzähltes, wunderbar besetztes Krimi-Drama, was sehr sorgsam mit seinen schweren Themen umgeht.

    (Bjoern Candidus)

  • Twisted Nerve, 1968 – ★★★★

    Twisted Nerve, 1968 – ★★★★

    TEUFELSKREIS Y
    (TWISTED NERVE, GB, 1968, Regie: Roy Boulting)

    Nach dem Tod seines Vaters wird Martin Durnley von seiner Mutter umgarnt und verwöhnt, wie es ihr nur möglich ist, und das sehr zum Leidwesen seines Stiefvaters. Doch in Martin, der nach außen hin kein Wässerchen trüben kann, brodelt ein waschechter Psychopath, der sich in Susan verliebt. Um sich ihr nähern zu können, spielt er ihr und ihrer Mutter den geistig zurückgebliebenen Georgie vor, mit fatalen Konsequenzen…

    Das Kino der 60er-Jahren war durchzogen von Psychopathen, die wie Entenkinder der Gallionsfigur Norman Bates hinterher watschelten. Es war die Zeit der Psycho-Thriller, in der gestörte Seelen ihr Unwesen trieben. Mit TEUFELSKREIS Y hat Roy Boulting ein weiteres Kapitel in der Reihe von Psychopathen verfasst, was in den 2000er-Jahren durch Quentin Tarantinos KILL BILL (2003) wieder etwas bekannter wurde. Freilich nur durch Bernand Hermanns Lied „Twisted Nerve“. Ob der Film selbst davon profitiert hat, weiß ich nicht; mir scheint er heute wieder sehr unterredet zu sein. Das ist sehr schade, denn Roy Boulting (EINE STADT HÄLT DEN ATEM AN, 1950) hat ein packendes Porträt über einen psychisch gestörten jungen Mann geschaffen. Ganz langsam lernt man die perfiden Tricks von Martin kennen, der sich anderen gegenüber als geistig beeinträchtigter Georgie vorstellt und so geschickt manipuliert und hinters Licht führt. Neben Boulting, Rogers Marshall und Jeremy Scott hat auch ein Leo Marks am Drehbuch mitgearbeitet, der sich für den Inhalt von PEEPING TOM verantwortlich zeigte. Dort hat Regisseur Michael Powell aus Karlheinz Böhm als Mark Lewis, ebenfalls 1960, einen weiteren Psychopathen gezaubert und auf die Leinwand gestrahlt. Wie in PSYCHO und noch mehr in PEEPING TOM, ist man hier ganz dicht am Psychopathen dran, was die größte Faszination des Films ausmacht. Hywell Bennett spielt Martin/Georgie sehr überzeugend und kann wie Perkins und Böhm perfekt die Unschuld vom Lande präsentieren. Wenn Martin Georgie ist, ist er ein infantiler, lieber Junge, der von seiner Mutter und anderen Damen liebevoll umgarnt wird, bis sie ihm den Rücken zudrehen. In diesem Spiel baut Boulting am meisten Spannung auf.

    Zu Beginn hält der Film eine Texttafel bereit, die darüber informiert, dass es keinerlei erwiesenen Zusammenhang zwischen Mongolismus und
    psychotischem oder kriminellem Verhalten gibt. Ein Thema, was im weiteren Verlauf des Films noch wichtig wird und auch in Dario Argentos Giallo DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971) in ähnlicher Form aufgegriffen wird.
    Was man bei TEUFELSKREIS Y auf keinen Fall erwarten sollte: einen finsteren und blutigen Thriller. Man reduziert sich auf zwei Morde, von denen einer direkt aus der Welt von Mario Bava hätte entspringen können. Man bewegt sich in erster Linie in der Welt der 60er-Jahre mit all ihren Formen und Farben. Der Film ist meistens hell und bietet schöne Bilder und steht so visuell im Kontrast zu Martin/Georgies Seelenleben. Auch wenn hier jeder unter dem starken Schauspiel von Hywell Bennett untergeht, machen sich Hayley Mills, Billie Whitelaw (unvergessen als Mrs. Baylock in DAS OMEN, 1976) und der Rest der Bande sehr gut und runden das Gesamtpaket ab.

    TEUFELSKREIS Y ist ein packender, charakterstarker Psycho-Thriller, der sich nicht vor problematischen Themen fernhält.

    (Bjoern Candidus)

  • What Ever Happened to Aunt Alice?, 1969 – ★★★½

    What Ever Happened to Aunt Alice?, 1969 – ★★★½

    EINE WITWE MORDET LEISE
    (WHATEVER HAPPENED TO AUNT ALICE?, USA, 1969, Regie: Lee H. Katzin / Bernard Girard)

    Irgendwo in Arizona, unweit von New Mexico, stirbt Mr. Marrable an einer schweren Krankheit. Mrs. Marrable, fest im Glauben, sie würde ein Vermögen erben, wird schnell eines Besseren belehrt. Immerhin bleiben Habseligkeiten wie ein Briefmarkenalbum. Sie ist pleite, was vor allem ihre Haushälterin zu spüren bekommt, denn die wird von Mrs. Marrable getötet und im Garten vergraben. Gleiches passiert mit ihrer Nachfolgerin Mrs. Tinsley, die Mrs. Marrable ihr Erspartes anvertraut, um es an der Börse anzulegen. Als Mrs. Tinsley nach ihrem Geld fragt, wird auch sie getötet. Auch über ihre Leiche wird ein Baum gepflanzt. Dann stellt sich Mrs. Dimmock als Haushälterin vor, die dem mörderischen Treiben von Mrs. Marrable auf die Spur kommt.

    Nach WAS GESCHAH WIRKLICH MIT BABY JANE? und WIEGENLIED FÜR EINE LEICHE ist EINE WITWE MORDET LEISE der Abschluss von Robert Aldrichs unabhängiger Psycho-Horror-Frauen-Trilogie. Diesmal produzierte er nur und überließ die Regie Lee H. Katzin (und dem nicht erwähnten Bernard Girard). Basieren tut der Stoff auf der Novel THE FORBIDDEN GARDEN von Ursula Curtiss.

    Auch wenn die inszenatorische und darstellerische Kraft der beiden Vorgänger nicht ganz erreicht wird, muss sich dieser Film nicht verstecken. Der größte Kontrast, der einem im Vergleich entgegenschlägt, ist die Farbe. Von der finsteren Schwarzweißwelt einer Bette Davis geht es hier in die grelle, in die hitzige Welt der Mrs. Marrable. Diese wird großartig verkörpert von Geraldine Page (INNENLEBEN, 1978). Ihre Gegenspielerin: die einzigartige und von Charme triefende Ruth Gordon (HAROLD & MAUDE, 1971). Und damit sind wir bei den beiden Highlights, die diesen Film permanent tragen: zwei alte Damen, die sich immer mehr misstrauen bis es zu einem handfesten Kampf kommt. Ich freue mich immer, wenn alte Menschen in den Fokus von Filmen rücken, was immer seltener wird, vor allem im Genre-Kino. Auch wenn der Zuschauer das Geheimnis von Mrs. Marrable von Beginn an kennt, wird hier durchaus Spannung erzeugt, da man nie so recht weiß, was sie als nächstes plant. Ein weiteres Bonbon ist der Drehort, denn die Außenaufnahmen sind in Arizona entstanden, was dem Zuschauer schöne Naturkulissen bietet, aber die sollen hier nicht im Fokus liegen. Hier darf man sich voll und ganz auf den Irrsinn von Mrs. Marrable konzentrieren, denn so mörderische alte Damen sind nicht allzu häufig im Kino anzutreffen.

    EINE WITWE MORDET LEISE ist ein fesselnder Psycho-Thriller, der viel Wert auf die Figuren legt und sich auch visuell nicht verstecken muss.
    Sehr schön.

    (Bjoern Candidus)

  • Thanksgiving, 2023 – ★★★½

    Thanksgiving, 2023 – ★★★½

    THANKSGIVING
    (USA, 2023, Regie: Eli Roth)

    In Plymouth, Massachusetts kommt es bei einer Black Friday Aktion in einem Kaufhaus zu einem Massenunfall, ausgelöst durch Gier. Ein Jahr später, werden die Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen und als Unfall eingestuft, doch irgendwer in Plymouth will sich damit nicht abgeben und dezimiert nach und nach die wahren Schuldigen.

    Manchmal braucht man etwas Simples auf vertrautem Boden. Etwas, was man quasi in und auswendig kennt. Manchmal braucht man einfach nur einen Horror-Slasher nach bekanntem Muster, um es sich gutgehen zu lassen. Und Eli Roth, dessen Filmographie ich ohnehin ganz gerne mag, liefert hier den Feel Good-Old School-Slasher, den ich erwartet hatte. Ich wollte eine Kleinstadt, einen Killer und austauschbare Figuren, die blutig aus dem Leben treten, und genau das liefert Roth hier nach seiner Tradition.

    Schon nach der ersten Minute wird die erste HALLOWEEN (1978) – Hommage eingebaut, der nicht viel später eine zweite folgt. Aber statt Halloween in Haddonfield zu feiern, feiert man hier Thanksgiving in Plymouth (Massachusetts). Also ein Fest, was bisher noch nicht groß im Horror-Kino durchgekaut wurde. Wobei mir da gerade FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) einfällt, der zumindest teilweise an Thanksgiving spielt. Das Interesse an dem Thema bestand ja durchaus, nachdem Roth seinen Fake-Trailer THANKSGIVING als Segment für GRINDHOUSE (2007) produzierte. Dass erst 16 Jahre später ein richtiger Film daraus werden würde, ist allerdings schon wirklich erstaunlich.

    Das Schöne an THANKSGIVING ist, dass man merkt, dass es ein Film von Eli Roth ist, der durch seine oft überspitzten und/oder dummen Figuren, seinem manchmal fragwürdigem Humor und seinen oft sehr harten Gewaltdarstellungen das Publikum spaltet. Und hier liefert er genau das wieder ab, aber insgesamt wirkt der Film etwas geerdeter, vielleicht reifer. Seine letzte Regiearbeit (DEATH WISH) liegt über fünf Jahre zurück; vielleicht brauchte er Zeit zur Besinnung.

    Die Liste von ätzenden Teenie-Figuren wird erweitert, aber auch alle anderen Charaktere, die hier eingebaut werden, haben mich zu jeder Zeit unberührt gelassen. Bei vielen Filmen hätte mich genau das gestört, hier gehört es zum Pflichtprogramm von Roth. Gierige Idioten, die getötet werden. Und wie die getötet werden. In Sachen Gewalt und Blut wird aus dem Vollen geschöpft. Menschen werden zu Tode gekocht, skalpiert, zerquetscht oder ihnen wird der Schädel eingeschlagen. Wer auf Gore steht, bekommt ihn, und zwar handgemacht. Bereits in der Right Markt – Black Friday – Pre-Titel-Sequenz darf man sich über kleine (Fun-) Splatter-Momente freuen, die Hoffnung auf noch mehr machen, was man auch bekommen wird. In dem Punkt hat mich Roth absolut abgeholt.

    Der Killer an sich, der sich mit einer John Carver (ein englischer Pilgerführer und erster Gouverneur von der neuenglischen Kolonie Plymouth) Maske, einem passenden schwarzen Zylinder und einem ebenso schwarzen Overall zeigt, sieht okay aus, eine Aura eines Michael Myers oder Jason Voorhees kommt aber zu keiner Zeit auf. Der Killer ist letztlich so uninteressant wie seine Opfer. Seine Taten sind das Wichtige und die Frage, ob man mit der Täter-Vermutung richtig lag.

    Roth greift Themen wie Soziale Netzwerke und Gier auf, um sie für seine Horror-Show zu nutzen, was ihm gut gelungen ist. Er schafft meistens den Spagat zwischen Schrecken und Humor und ist in allem wesentlich treffsicherer als in GREEN INFERNO (2013). Insgesamt mangelt es der Inszenierung etwas an Atmosphäre. Der Film ist zwar gut fotografiert, zeigt sich manchmal aber auch etwas langweilig und spannungsarm, vor allem, wenn man jetzt mal HALLOWEEN als Vergleich heranzieht.

    Mit THANKSGIVING folgt Eli Roth einem ähnlichen Plan wie einst Adam Green mit HATCHET (2006): einen Old School – Slasher drehen. Ihm ist ein inhaltsleeres, Blutbad voller einfältiger Dummköpfe gelungen, was mich nicht eine Sekunde gelangweilt hat. Gut gemacht.

    (Bjoern Candidus)

  • Baba Yaga, 1973 – ★★★½

    Baba Yaga, 1973 – ★★★½

    FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT 2
    (BABA YAGA, Frankreich, Italien, 1973, Regie: Corrado Farina)

    Fotografin Valentina gerät in den Bann der Hexe Baba Yaga, die mitten in der Stadt in einer alten Villa lebt. Valentina ist fasziniert von der schönen Frau und der mysteriösen Welt, in der sie lebt. Doch als es in ihrem Umkreis zu merkwürdigen Todesfällen kommt, sucht sie Hilfe bei ihrem Freund Arno. Gemeinsam dringen sie in das Haus von Baba Yaga ein. 

    Corrado Farina (WETTLAUF MIT DEM TOD, 1971) hat hier einen außergewöhnlichen Mystery-Okkult-Horrorfilm abgedreht, der auf der italienischen Comic-Reihe „Valentina“ von Guido Crepax basiert. Der Charakter der Fotojournalistin Valentina wird von Isabelle De Funès verkörpert, die in einen okkulten Fall verwickelt wird. An ihrer Seite steht George Eastman, der hier ausnahmsweise mal eine gute Seele spielen darf. In die Rolle von Baba Yaga ist Carroll Baker geschlüpft, die eine sehr gute Figur als schöne Hexe macht. Wer aber darauf hofft, dass sie ein Haus hat, was auf Hühnerbeinen herumwandert, muss enttäuscht werden. Aber das Haus, in dem sie hier wohnt, gehört trotzdem zu den Highlights. Die alte Villa ist von innen wie von außen wie geschaffen für einen Horrorfilm und hat mich an ein Haus aus EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) erinnert. Okkulte Bücher und Symbole, Tiere in Käfigen und mittendrin Baba Yaga, die mit ihrem Zauber schaltet und waltet. So kann sie bei Valentina surreale Visionen und Träume auslösen, wie sie z.B. von Nazis im 2. Weltkrieg gefangengenommen wird, die sie in ein bodenloses Loch werfen. Überhaupt kommt das Thema Links und Faschismus immer wieder auf, was im italienischen Kino jener Tage, aber auch nichts Neues war. Karl Marx Werk „Das Kapital“ ist allerdings auffällig häufig im Bilde. Aber auch nackte Brüste blitzen auf. Auch wenn der Film auf reine Sex Szene verzichtet, geht es immer wieder (sado)erotisch zu, was nie billig wirkt. 

    Bewegt man sich hier nicht in okkulten Sphären, darf man in die bunte Welt der Fotomodelle abtauchen, die einem die 70er-Jahre sehr schön präsentieren. Überhaupt weiß man hier manchmal gar nicht, wo man hingucken soll; Farina fährt einiges auf, vor allem sonderbare Ideen. Hinter der Kamera stand Aiace Parolin, der später KEOMA (1976) fotografieren sollte. Manchmal hat die Inszenierung eine beunruhigende, fast paranoide Grundstimmung, manchmal wird es wiederum skurril bis witzig. Was aber am besten gelungen ist, ist die dichte Atmosphäre um Baba Yaga und ihrer verwunschenen Villa. 

    In eine Genre-Schublade lässt sich BABA YAGA nicht wirklich packen, aber das macht diesen bizarren Trip auch aus. Wer nicht den Anspruch an eine große Story hat und Dinge geschehen lassen kann, ohne sie zu hinterfragen, ist hier möglicherweise richtig.  

    (Bjoern Candidus)

  • Look What’s Happened to Rosemary’s Baby, 1976 – ★★

    Look What’s Happened to Rosemary’s Baby, 1976 – ★★

    LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY
    (USA, 1976, Regie: Sam O’Steen)

    Ein paar Jahre nachdem Rosemary ihren Sohn Andrew / Adrian zur Welt gebracht hat, löst sie sich aus dem satanischen Zirkel um Roman und Minnie Castevet und kann mit ihrem Sohn fliehen. Ihr Ex-Mann Guy ist mittlerweile ein angesehener Schauspieler, der nicht mehr mit Rosemary zusammen ist. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los: Roman Castevet meldet sich bei ihm, denn sie wollen Andrew / Adrian zurück, und Guy soll dabei helfen.

    Manches sollte einfach nicht sein, könnte man denken, wenn einem ein Titel wie LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY entgegen springt. Und doch ist die Neugier des Fans des Originals groß. Und wenn man Ira Levins Fortsetzung ROSMARY’S SOHN (1997) gelesen hat, kann es eigentlich nicht Schlimmer werden. Nur ist dieser Film hier, bei dem Sam O’Steen Regie geführt hat, der sich bereits als Editor von ROSEMARY‘S BABY (1968) verantwortlich zeigte, über 20 Jahre vor der Roman-Fortsetzung entstanden, für das US-Fernsehen, wohl bemerkt.

    Die Geschichte ist in drei Kapitel eingeteilt: The Book of Rosemary, The Book of Adrian, The Book of Andrew. Im ersten Buch sehen wir Rosemary, wie sie mit ihrem kleinen Sohn auf der Flucht ist. Im zweiten Buch ist Andrew / Adrian bereits zwanzig und sieht sich immer wieder mit seinen übersinnlichen Kräften konfrontiert, worin ihn Roman und Minnie natürlich fleißig bestärken. Im letzten Buch möchte Andrew / Adrian all dem abschwören.

    An für sich ist die Idee gar keine schlechte, und sicherlich werden sich immer wieder Menschen gefragt haben, was denn nun aus dem Kind wurde. Der beste Ratgeber ist da natürlich die eigene Fantasie, aber das ist eine andere Geschichte. Sam O’Steen und Anthony Wilson, der die Story geschrieben hat, haben jedenfalls einiges aus dem Hut gezaubert und einen schrillen Okkult-Horrorfilm gezimmert. Das Wiedersehen mit Ruth Gordon als Minnie Castevet ist Balsam, auch wenn sie hinten den Erwartungen zurückbleibt. Der wunderbare Ray Milland ersetzt Sydney Blackmer als Roman Castevet, während Patty Duke (DER TÖDLICHE SCHWARM, 1977) das schwere Erbe von Mia Farrow als Rosemary antreten muss. Der Sohn, um den es geht, Andrew / Adrian, wird von Stephen McHattie (PONTYPOOL, 2008) verkörpert. Mit der Besetzung lässt sich durchaus leben, brillieren tut hier jedoch niemand. Wo sich Polanski noch jeglichen Horror-Effekt spart und das Grauen schleichen lässt, geift O’Steen in die Trickkiste und tritt aufs Gaspedal. Inszenatorisch könnte die Kluft zwischen Polanski und O’Steen kaum größer sein, und hier ist auch das Positive von LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY: O’Steen versucht erst gar nicht Polanski zu kopieren, sondern geht seinen eigenen Weg, aber dieser ist halt voller Löcher. Es gibt ein paar minimal spannende Momente, bunte Discowelten, okkulte Rituale und ganz viel Geschwätz.

    LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY ist eine unnötige TV-Film-Fortsetzung eines Meisterwerks, die wenig Qualitäten besitzt, aber als Kuriosum durchaus interessant und unterhaltsam sein kann.

    (Bjoern Candidus)

  • Batman: The Long Halloween, Part Two, 2021 – ★★★★

    Batman: The Long Halloween, Part Two, 2021 – ★★★★

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN 1 / 2 
    (USA, 2021, Regie: Chris Palmer)

    Korruption, Erpressung und Mord gehören in Gotham City zum alltäglichen Geschäft, und besonders zum Geschäft des „Römers“ Carmine Falcone. Doch als sein Neffe Johnny Viti an Halloween getötet wird, beginnt eine neue Zeitrechnung für Falcone. Ein Serienkiller ist in der Stadt, der sich schnell zum Holiday-Killer bekannt macht, nachdem am er an Thanksgiving einen weiteren Mord verübt. Gleichzeitig bekommt Falcone Gegenwind von Batman, Catwoman, Polizei-Captain Jim Gordon und Staatsanwalt Harvey Dent, die ihn endgültig stürzen wollen. 

    Chris Palmer hat hier den gleichnamigen Comic aus den Jahren 1996/1997 als Animationsfilm inszeniert. Da ich diesen Comic noch nicht kenne, kann ich auf die inhaltlichen Unterschiede, die es wohl gibt, nicht eingehen. Aber es geht ja auch um den Film, und dieser hat mich ziemlich beeindruckt. Mit gut 170 Minuten Spielzeit ist der Zweiteiler enorm lang, wusste mich aber durchgehend zu unterhalten. 
    Von Beginn an ist die Atmosphäre dicht und erinnert an das Film-Noir-Krimi-Kino der 1940er/50er-Jahre, was natürlich perfekt zu einer Stadt wie Gotham City passt. Auch die jeweiligen Feste sorgen für Stimmung. Die Bildkomposition mit ihren Farben, Schatten- und Lichtsetzungen in den Zeichnungen ist phantastisch. Zeichentrick wie er sein. Die zahlreichen Figuren, die man aus dem reichhaltigen BATMAN-Universum kennt, wurden glänzend inszeniert und in Bewegung gesetzt. Man konzentriert sich auf die Charaktere, auf die Dialoge und die spannende Geschichte.  
    Sehr lobenswert ist auch der Gewaltgrad, den man im familientauglichen BATMAN-Kinouniversum selten so erlebt wie hier oder z.B. in THE KILLING JOKE (2016). 

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN ist ein rabenschwarzer Trip durch Gotham City und durch gestörte Seelen, der inhaltlich wie visuell auf hohem Niveau unterwegs ist.  

    (Bjoern Candidus)