Autor: marco-fritz

  • Look What’s Happened to Rosemary’s Baby, 1976 – ★★

    Look What’s Happened to Rosemary’s Baby, 1976 – ★★

    LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY
    (USA, 1976, Regie: Sam O’Steen)

    Ein paar Jahre nachdem Rosemary ihren Sohn Andrew / Adrian zur Welt gebracht hat, löst sie sich aus dem satanischen Zirkel um Roman und Minnie Castevet und kann mit ihrem Sohn fliehen. Ihr Ex-Mann Guy ist mittlerweile ein angesehener Schauspieler, der nicht mehr mit Rosemary zusammen ist. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los: Roman Castevet meldet sich bei ihm, denn sie wollen Andrew / Adrian zurück, und Guy soll dabei helfen.

    Manches sollte einfach nicht sein, könnte man denken, wenn einem ein Titel wie LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY entgegen springt. Und doch ist die Neugier des Fans des Originals groß. Und wenn man Ira Levins Fortsetzung ROSMARY’S SOHN (1997) gelesen hat, kann es eigentlich nicht Schlimmer werden. Nur ist dieser Film hier, bei dem Sam O’Steen Regie geführt hat, der sich bereits als Editor von ROSEMARY‘S BABY (1968) verantwortlich zeigte, über 20 Jahre vor der Roman-Fortsetzung entstanden, für das US-Fernsehen, wohl bemerkt.

    Die Geschichte ist in drei Kapitel eingeteilt: The Book of Rosemary, The Book of Adrian, The Book of Andrew. Im ersten Buch sehen wir Rosemary, wie sie mit ihrem kleinen Sohn auf der Flucht ist. Im zweiten Buch ist Andrew / Adrian bereits zwanzig und sieht sich immer wieder mit seinen übersinnlichen Kräften konfrontiert, worin ihn Roman und Minnie natürlich fleißig bestärken. Im letzten Buch möchte Andrew / Adrian all dem abschwören.

    An für sich ist die Idee gar keine schlechte, und sicherlich werden sich immer wieder Menschen gefragt haben, was denn nun aus dem Kind wurde. Der beste Ratgeber ist da natürlich die eigene Fantasie, aber das ist eine andere Geschichte. Sam O’Steen und Anthony Wilson, der die Story geschrieben hat, haben jedenfalls einiges aus dem Hut gezaubert und einen schrillen Okkult-Horrorfilm gezimmert. Das Wiedersehen mit Ruth Gordon als Minnie Castevet ist Balsam, auch wenn sie hinten den Erwartungen zurückbleibt. Der wunderbare Ray Milland ersetzt Sydney Blackmer als Roman Castevet, während Patty Duke (DER TÖDLICHE SCHWARM, 1977) das schwere Erbe von Mia Farrow als Rosemary antreten muss. Der Sohn, um den es geht, Andrew / Adrian, wird von Stephen McHattie (PONTYPOOL, 2008) verkörpert. Mit der Besetzung lässt sich durchaus leben, brillieren tut hier jedoch niemand. Wo sich Polanski noch jeglichen Horror-Effekt spart und das Grauen schleichen lässt, geift O’Steen in die Trickkiste und tritt aufs Gaspedal. Inszenatorisch könnte die Kluft zwischen Polanski und O’Steen kaum größer sein, und hier ist auch das Positive von LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY: O’Steen versucht erst gar nicht Polanski zu kopieren, sondern geht seinen eigenen Weg, aber dieser ist halt voller Löcher. Es gibt ein paar minimal spannende Momente, bunte Discowelten, okkulte Rituale und ganz viel Geschwätz.

    LOOK WHAT’S HAPPENED TO ROSEMARY’S BABY ist eine unnötige TV-Film-Fortsetzung eines Meisterwerks, die wenig Qualitäten besitzt, aber als Kuriosum durchaus interessant und unterhaltsam sein kann.

    (Bjoern Candidus)

  • The Black Cat, 1981 – ★★★½

    The Black Cat, 1981 – ★★★½

    THE BLACK CAT
    (IL GATTO NERO, Italien, 1981, Regie: Lucio Fulci)

    In einem kleinen idyllischen Dorf auf dem Land kommt es in kurzer Zeit zu einer Reihe ominöser Todesfälle. Der ansässige Sergeant Wilson und Inspector Gorley von Scotland Yard ermitteln. Hilfe bekommen sie von der jungen Fotografin Jill Trevers, die in der Gegend als Touristin unterwegs ist. In einer Gruft stößt sie auf ein Mikrofon, was sie zu Professor Miles führt, der angeblich Kontakt zu Verstorbenen aufbauen kann. An seiner Seite ist ein schwarzer Kater, der eine ganz besondere Verbindung zu Professor Miles hat und möglicherweise auch im Zusammenhang mit den Unfällen stehen könnte.

    Es ist etwas sonderbar, dass THE BLACK CAT so wenig Beachtung im Werke von Lucio Fulci erfährt. Gedreht wurde der Film zwischen EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) und GEISTERSTADT DER ZOMBIES (1981). Abgesehen von Italien, wo der Film am 4. April 1981 seine Kino-Premiere feierte, kam er in anderen Ländern entweder gar nicht oder erst ein paar Jahre später in die Kinos. In Deutschland feierte der Film erst im Oktober 2001 seine Premiere, und zwar direkt auf DVD. Auch wenn THE BLACK CAT ein paar blutige Momente bietet, ist er natürlich weitaus handzahmer, als die anderen Produktionen Fulcis zu dieser Zeit. An einer düsteren Atmosphäre mangelt es zwar nicht, aber sie ist eine andere. Der Handlungsort ist das Erste, was einem ins Auge sticht, denn das beschauliche Hamblenden in Buckinghamshire in England verströmt die Atmosphäre einer Hammer-, Amicus- oder Tigon-Produktion, aber keine italienische unter der Regie von Lucio Fulci. Und genau darin liegt die Stärke, denn Fulci scheint sich dort wohl zu fühlen und bringt so frischen Wind in seine Filmografie. Fotografiert wurde THE BLACK CAT von Sergio Salvati, mit dem Fulci bereits Hervorragendes vollbracht hat. Der schwarze Kater, der schon in der Titel-Sequenz seine Schönheit und Eleganz präsentieren darf, in dem er über die Dächer des Dorfes läuft, ist ein Hingucker, der sich nie abnutzt. Hin und wieder darf man das Geschehen auch aus seiner Perspektive beobachten. Aber bei dem Titelheld soll es natürlich nicht bleiben. Mimsey Farmer gerät als Jill mal wieder in Schwierigkeiten, während Patrick Magee erneut für Unwohlsein sorgt. Neben den beiden ist auch David Warbeck, Al Cliver, Bruno Corazzari und Dagmar Lassander am Start, die das vertraute Italo-Kino einmal in England aufführen.

    Fulci (und Biagio Proietti) kombiniert Momente von Edgar Allan Poes Geschichte (Veröffentlicht 1843) mit einer eigenen, die mit übersinnlichen Elementen angereichert wurde. Von Poe bleibt zwar nicht viel hängen, aber es reicht, um die Vorlage zu erkennen. Der Aspekt des Übersinnlichen passt natürlich zu Fulcis sogenannter „Gates of Hell Trilogie“, aber hier geht Fulci etwas bodenständiger heran, fährt seine Traumlogik zurück und tendiert mehr in Richtung Krimi, was gut zur englischen Landkulisse mit Backsteinhäusern und nebeligen Friedhöfen passt. Abgerundet wird das Ganze von einem Score von Pino Donaggio, der besonders zur Titel-Sequenz mit dem schwarzen Kater harmoniert.

    Auch wenn THE BLACK CAT nicht die bluttriefenden und verwurmten Alptraumwelten des 80er-Jahre-Fulcis bietet, darf man hier einen spannenden Horrorfilm erwarten, der einen ganz eigenen Reiz mit sich bringt.

    (Bjoern Candidus)

  • Batman: The Long Halloween, Part One, 2021 – ★★★★

    Batman: The Long Halloween, Part One, 2021 – ★★★★

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN 1 / 2 
    (USA, 2021, Regie: Chris Palmer)

    Korruption, Erpressung und Mord gehören in Gotham City zum alltäglichen Geschäft, und besonders zum Geschäft des „Römers“ Carmine Falcone. Doch als sein Neffe Johnny Viti an Halloween getötet wird, beginnt eine neue Zeitrechnung für Falcone. Ein Serienkiller ist in der Stadt, der sich schnell zum Holiday-Killer bekannt macht, nachdem am er an Thanksgiving einen weiteren Mord verübt. Gleichzeitig bekommt Falcone Gegenwind von Batman, Catwoman, Polizei-Captain Jim Gordon und Staatsanwalt Harvey Dent, die ihn endgültig stürzen wollen. 

    Chris Palmer hat hier den gleichnamigen Comic aus den Jahren 1996/1997 als Animationsfilm inszeniert. Da ich diesen Comic noch nicht kenne, kann ich auf die inhaltlichen Unterschiede, die es wohl gibt, nicht eingehen. Aber es geht ja auch um den Film, und dieser hat mich ziemlich beeindruckt. Mit gut 170 Minuten Spielzeit ist der Zweiteiler enorm lang, wusste mich aber durchgehend zu unterhalten. 
    Von Beginn an ist die Atmosphäre dicht und erinnert an das Film-Noir-Krimi-Kino der 1940er/50er-Jahre, was natürlich perfekt zu einer Stadt wie Gotham City passt. Auch die jeweiligen Feste sorgen für Stimmung. Die Bildkomposition mit ihren Farben, Schatten- und Lichtsetzungen in den Zeichnungen ist phantastisch. Zeichentrick wie er sein. Die zahlreichen Figuren, die man aus dem reichhaltigen BATMAN-Universum kennt, wurden glänzend inszeniert und in Bewegung gesetzt. Man konzentriert sich auf die Charaktere, auf die Dialoge und die spannende Geschichte.  
    Sehr lobenswert ist auch der Gewaltgrad, den man im familientauglichen BATMAN-Kinouniversum selten so erlebt wie hier oder z.B. in THE KILLING JOKE (2016). 

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN ist ein rabenschwarzer Trip durch Gotham City und durch gestörte Seelen, der inhaltlich wie visuell auf hohem Niveau unterwegs ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • Batman: The Long Halloween, Part Two, 2021 – ★★★★

    Batman: The Long Halloween, Part Two, 2021 – ★★★★

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN 1 / 2 
    (USA, 2021, Regie: Chris Palmer)

    Korruption, Erpressung und Mord gehören in Gotham City zum alltäglichen Geschäft, und besonders zum Geschäft des „Römers“ Carmine Falcone. Doch als sein Neffe Johnny Viti an Halloween getötet wird, beginnt eine neue Zeitrechnung für Falcone. Ein Serienkiller ist in der Stadt, der sich schnell zum Holiday-Killer bekannt macht, nachdem am er an Thanksgiving einen weiteren Mord verübt. Gleichzeitig bekommt Falcone Gegenwind von Batman, Catwoman, Polizei-Captain Jim Gordon und Staatsanwalt Harvey Dent, die ihn endgültig stürzen wollen. 

    Chris Palmer hat hier den gleichnamigen Comic aus den Jahren 1996/1997 als Animationsfilm inszeniert. Da ich diesen Comic noch nicht kenne, kann ich auf die inhaltlichen Unterschiede, die es wohl gibt, nicht eingehen. Aber es geht ja auch um den Film, und dieser hat mich ziemlich beeindruckt. Mit gut 170 Minuten Spielzeit ist der Zweiteiler enorm lang, wusste mich aber durchgehend zu unterhalten. 
    Von Beginn an ist die Atmosphäre dicht und erinnert an das Film-Noir-Krimi-Kino der 1940er/50er-Jahre, was natürlich perfekt zu einer Stadt wie Gotham City passt. Auch die jeweiligen Feste sorgen für Stimmung. Die Bildkomposition mit ihren Farben, Schatten- und Lichtsetzungen in den Zeichnungen ist phantastisch. Zeichentrick wie er sein. Die zahlreichen Figuren, die man aus dem reichhaltigen BATMAN-Universum kennt, wurden glänzend inszeniert und in Bewegung gesetzt. Man konzentriert sich auf die Charaktere, auf die Dialoge und die spannende Geschichte.  
    Sehr lobenswert ist auch der Gewaltgrad, den man im familientauglichen BATMAN-Kinouniversum selten so erlebt wie hier oder z.B. in THE KILLING JOKE (2016). 

    BATMAN: THE LONG HALLOWEEN ist ein rabenschwarzer Trip durch Gotham City und durch gestörte Seelen, der inhaltlich wie visuell auf hohem Niveau unterwegs ist.  

    (Bjoern Candidus)

  • Deadly Inheritance, 1968 – ★★½

    Deadly Inheritance, 1968 – ★★½

    TÖDLICHES ERBE (IT 1968)
    (OMICIDIO PER VOCAZIONE, Italien, 1968, Regie: Vittorio Sindoni)

    Nach dem tödlichen Unfall eines Mannes, hinterlässt dieser seinen Kindern ein Erbe, was aufgeteilt werden soll, wenn der jüngste Sohn seine Volljährigkeit erreicht hat. Plötzlich wird dieser ermordet.
    Ein Inspektor nimmt sich dem Fall an, doch dann passieren weitere Morde in der Familie.

    Regisseur Vittorio Sindoni frickelte hier einen kleinen Erbschafts-Giallo zu recht, der sich zwar nicht mit der größten Spannung schmückt, aber trotzdem ein stimmiges Gesamtbild abgibt. Das visuelle Geschick eines Mario Bavas, der vier Jahre zuvor mit BLUTIGE SEIDE das Giallo-Kino mehr oder weniger definierte, erreicht Vittorio Sindoni zu keiner Zeit. Aber man bewegt sich hier auch nicht in der Welt der Schönen und Reichen, sondern in ländlicheren Gefilden, die sehr viel naturalistischer wirken als die der Models bei Bava.

    Der größte Teil des Filmes spielt am helllichten Tag. Es ist warm, sommerlich, aber auch karg und trostlos. Leider ist auch die Besetzung nicht besonders lebendig. An Bord sind u.a. Feni Benussi als Simone, Tom Drake als Inspektor Greville und der im Giallo-Kino gern gesehene Ernesto Colli.
    Sympathie versprüht hier freilich keiner, aber die wäre bei den Figuren auch fehl am Platz. Allerdings sorgt auch keiner dafür, das man großes Interesse für ihn hegen würde. Hier geht es allein um das beliebte Einer-nach-dem-Anderen-Prinzip und wer am Ende überbleibt, bzw. wer sich als Täter herausstellt. Am meisten Leben kommt durch den beschwingten Score von Stefano Torossi in die Bude, der mir richtig gut gefallen hat. Wenn Torossi erklingt, kommt ein schönes 60er-Jahre-Feeling auf, und der Barbesuch unterstreicht dieses. Im letzten Drittel holt Sindoni die anfänglich vermisste Spannung und Atmosphäre etwas nach und rundet die Story gut ab.

    Bröckelnden Hausfassaden, viel Natur, die ein schönes italienisches Flair versprüht, sind die Stärken von TÖDLICHES ERBE. Dafür muss man auf charismatische Darsteller und visuelle Reize weitestgehend verzichten.

    (Bjoern Candidus)

  • The Children, 1980 – ★★★

    The Children, 1980 – ★★★

    KINDER DES TODES
    (THE CHILDREN OF DEATH, USA, 1980, Regie: Max Kalmanowicz)

    Durch ein Leck in einem Atomkraftwerk entweicht eine radioaktive Wolke, durch die ausgerechnet ein Schulbus mit Kindern aus einer Kleinstadt fährt. Diese verändern sich ad hoc und folgen einem Plan: die Vernichtung der Erwachsenen, besonders die der Eltern. Dies gelingt ihnen durch Handauflegen, was dafür sorgt, dass die Opfer verbrennen.

    Max Kalmanowicz kombiniert Filme wie DAS DORF DER VERDAMMTEN (1960), DEVIL TIMES FIVE (1974) und EIN KIND ZU TÖTEN… (1976) mit dem Romero-Zombie und hat mit KINDER DES TODES einen kleinen Horrorfilm geschaffen, der durchaus sehenswert ist. Die ländliche Kulisse bietet nicht nur eine schöne Spielwiese, sondern auch eine, die an DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) erinnert, wo man wieder bei Romero ist. Zwar ist die ganze Story um die Untoten-Kinder mit ihren todbringenden Kräften reichlich irrsinnig, doch man gibt sein Bestes, um es hier ohne (bewusste) Albernheit zu verkaufen. Die Effekte sind keine Offenbarung, hinterlassen dennoch einen Unangenehmen Eindruck, vielleicht schon deshalb, weil Kinder Erwachsene töten, was nicht heißen soll, dass es umgekehrt nicht genauso unangenehm wäre. Dazu erinnert der deutliche 70er-Jahre-Anstrich an die goldenen Zeiten des Grindhouse-Kinos. Aber auch Slasher-Erinnerungen kommen auf, wenn sich Harry Manfredini bereits bei den ersten Tönen des Scores verrät. Von den den Kinder-Darstellern sollte man man nicht zu viel erwarten, aber sie erfüllen ihre Funktion. Etwas besser sieht es bei den Erwachsenen aus. Hier haben wir zum Beispiel Martin Shakar (INVASION USA, 1985), Gil Rogers (LUTHER THE GEEK, 1989), Gale Garnett (SCHÖNEN MUTTERTAG – DEIN GEORGE, 1973) und Peter Melony (THE THING, 1982).

    KINDER DES TODES ist ein sehenswerter Böse-Kinder-Horrorfilm, der ziemlich unter dem Radar läuft, was er nicht verdient hat.

    (Bjoern Candidus)

  • The Car, 1977 – ★★★

    The Car, 1977 – ★★★

    THE CAR – DER TEUFEL AUF RÄDERN
    (THE CAR, USA, 1977, Regie: Elliot Silverstein)

    Der Teufel hat ein Ziel: eine kleine Wüstenstadt in Utah, um dort Menschen mit seinem Auto zu überfahren. Sehr zum Leidwesen, der dort Ansässigen. Das ruft vor allem den Cop Wade Parent auf den Plan, der allerdings nicht ahnt, wen er da zum Gegner hat.

    Wenn es um Killerautos geht, fällt den Meisten vermutlich sofort John Carpenters unterschätzte King-Adaption CHRISTINE (1983) ein. Eine direkte Ähnlichkeit zu THE CAR gibt es auch in dem Segment THE BENEDICTION in ALPTRÄUME (1983) von Joseph Sargent. Doch ein paar Jahre vorher hat Regisseur Elliot Silverstein bereits den Teufel hinter das Steuer gesetzt, der liebend gern Menschen überfährt. Neben der Teufelswelle, die durch DER EXORZIST (1973) ausgelöst wurde, dürften hier vor allem zwei Steven Spielbergs Filme Pate gestanden haben: DUELL (1971) und noch mehr DER WEISSE HAI (1975). THE CAR fühlt sich wie eine Mischung aus beiden Filmen an, was ein Großteil des Reizes ausmacht. Die Canyons von Utah sind wunderschön von Gerald Hirschfeld fotografiert und werten den Film auf. Das staubige Western-Setting wird mit dem bekannten Kleinstadt-Kosmos verbunden und erweckt immer wieder ein Gefühl von Tier-Horrorfilmen dieser Epoche, und das ohne Tiere. Auch die Besetzung ist stimmig, wenn auch nicht besonders sympathisch. Neben James Brolin (AMITYVILLE HORROR, 1979) gibt es mit John Marley (DEAD OF NIGHT, 1974) R. G. Armstrong (VIER IM RASENDEN SARG, 1975) und Ronny Cox (ROBOCOP, 1987) ein paar bekannte Gesichter zu sehen. Zu der hitzigen Gesamtatmosphäre bietet der Film auch ein paar gute Action-Sequenzen mit netten Stunts. Einen weiteren Pluspunkt gibt es für den spannenden Soundtrack von Leonard Rosenman. Aber es gibt auch ein paar negative Aspekte. Die Story ist komplett hanebüchen und schieß am Ende wirklich den Vogel ab, aber was soll man erwarten, wenn der Teufel Auto fährt? Problematischer sind hin und wieder zähe Abschnitte, die dem Film manchmal den Sauerstoff entziehen.

    THE CAR – DER TEUFEL AUF RÄDERN ist ein unterhaltsamer Horrorfilm, der geschickt beliebte Themen mixt, einige visuelle Schauwerte bereithält, aber manchmal auch etwas ermüdend wirkt.

    (Bjoern Candidus)

  • Village of the Damned, 1995 – ★★★

    Village of the Damned, 1995 – ★★★

    DAS DORF DER VERDAMMTEN
    (VILLAGE OF THE DAMNED, USA, 1995, Regie: John Carpenter)

    Wie aus heiterem Himmel schlafen plötzlich alle Menschen des Städtchens Midwich am helllichten Tag ein. Nachdem sie wieder zu sich kommen, entzieht sich ihnen, was passiert ist. Wenig später stellt man fest, dass die Frauen des Dorfes schwanger sind. Irgendwer oder irgendwas hat die Frauen während des Schlafs befruchtet. Als sich die Regierung einschaltet, wird angeboten, die Kinder abzutreiben oder auszutragen und jahrelange Unterstützung zu bekommen, falls etwas nicht stimmt mit den Kindern. Eine regelmäßige Untersuchung wird allerdings zur Voraussetzung gemacht. Und es stimmt etwas nicht, denn die Kinder entwickeln eine erstaunluche Intelligenz und ein wunderlich schnelles Wachstum. Und sie sind alle weißblond und tödlich.

    Nachdem John Carpenter mit DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994) noch einen sehr ordentlichen und innovativen Horrorfilm gezimmert hat, geht es mit der Neuverfilmung des Romans KUCKUCKSKINDER (1957) von John Wyndham, kreativ etwas bergab, dennoch braucht sich der Film nicht verstecken.

    Schon die Anfangs-Szene ist dicht und bietet durch die Cinemascope-Bilder eine tolle Carpenter-Atmosphäre, die durch den Score (ebenfalls mal wieder vom Meister selbst, mit Dave Davies) glänzend unterstrichen wird. Wie schon bei HALLOWEEN (1978) versteht es Carpenter gut, das Treiben einer US-Kleinstadt einzufangen, die sich gerade auf ein Sommerfest vorbereitet. Schnell werden auch die Charaktere eingeführt, die von einigen Bekannten dargestellt werden. Hier findet sich z.B. Leute wie Christopher Reeve, Kirstie Alley und Mark Hamill. Sehr schön. Angenehm ist auch die Ruhe der Inszenierung, die kaum auf Action, sondern mehr auf Stimmung, Story und Dialog setzt und so alles andere als ein Scifi-Horror-Feuerwerk heraufbeschwört, was man 1995 hätte erwarten können. Dennoch gibt es auch hier das ein oder andere Effekt-Bonbon (z.B. der verbrannte Mann auf dem Grill). Nicht ganz so überzeugend wie in der Adaption von Wolf Rilla sind die weißblonden Gören. Letztlich passen sie aber auch zum 90er-Jahre-Anstrich, der hier überall zu finden ist. Der sehr saubere, geschliffene Look ist vielleicht der einzige wirkliche Wermutstropfen des Films. Der düstere Anstrich der 70er/80er-Werke von Carpenter geht hier leider etwas verloren. Sauberkeit ist aber ein grundsätzliches Problem von vielen Horrorfilmen der 1990er-Jahre.

    DAS DORF DER VERDAMMTEN ist letztlich eine überflüssige Neuverfilmung, die sich aber aufgrund der handfesten Arbeitsweise von Carpenter und der Besetzung sehen lassen kann.

    (Bjoern Candidus)

  • Bashira, 2021 – ★★★

    Bashira, 2021 – ★★★

    BASHIRA (2021)
    Regie: Nickson Fong

    Kurzreview:

    Der Musiker Andy und die Sängerin Lela werden von seltsamen Albträumen heimgesucht. Geisterhafte Erscheinungen, seltsame Gesänge und Ritualplätze.
    Als diese Träume immer präsenter werden, machen sich die beiden auf die Reise um nach Antworten zu suchen, die ihren Ursprung in fernöstlichen Legenden zu haben scheinen.

    Amerikanischer Film trifft J-Horror trifft Musikvideo trifft LSD Trip trifft Playstation 2 Survival-Horror trifft Argento-Farbsättigung trifft Anime trifft Bosskampf. Was zum Geier? Dieser Film lässt sich kaum in vernünftige Worte fassen. Er ist Storytelling der ganz seltsamen asiatischen Art mit Ami-Pop und Rap. Eine Halluzination der heutigen Jugend. Oder nicht? Bunter Style trifft traditionelle Substance. Ach ich weiß auch nicht. Schwer hier eine Empfehlung auszusprechen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall Wert. Nicht für jeden. Oder doch?

    Achso: Blutig, fluchig, dämonisch und suizidal

    (Patrick Siebold)

  • 79. Die Nacht der lebenden Toten (1968)

    79. Die Nacht der lebenden Toten (1968)

    DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN

    OT: NIGHT OF THE LIVING DEAD

    USA, 1968

    Regie: George A. Romero

    Unsere kleine Reise durch die Welt der Untoten geht weiter. Diesmal besprechen Bjoern Candidus und Patrick Siebold George A. Romeros Klassiker DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1