Autor: marco-fritz

  • The Cat, 1977 – ★★★½

    The Cat, 1977 – ★★★½

    DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT
    (IL GATTO, Frankreich, Italien, 1977, Regie: Luigi Comencini) 

    In Rom soll ein großes Mietshaus verkauft werden. Die Besitzer, ein verhasstes Geschwisterpaar, müssen dafür allerdings die letzten Mieter aus dem Haus vertreiben, um ihren Check zu erhalten. Doch das stellt sich nicht als einfach heraus. Dann wird die Katze der beiden Vermieter Amedeo und Ofelia getötet. Amadeo geht zur Polizei, die die Sache herunterspielt. Amadeo begibt sich schließlich selbst auf die Jagd nach dem Täter. 

    Die von Sergio Leone produzierte Giallo-Krimi-Komödie DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT besticht bereits in der Eröffnungsszene durch eine dichte Atmosphäre, die einem die Architektur des Hauses zeigt, was verkauft und abgerissen werden soll. Die Kamera folgt einem getigerten Kater, der über die Dächer in der Nacht läuft und die Umgebung erkundet. Ähnlich wie bei DAS FENSTER ZUM HOF (1954) erhält man Einblicke in die noch bewohnten Wohnungen, während der heruntergekommene Anstrich Erinnerungen an DER MIETER (1976) weckt. Auch Lucio Fulci eröffnete ein paar Jahre später seine Poe-Adaption THE BLACK CAT (1981) ähnlich. 

    Mit dieser Eröffnung hat mich Luigi Comencini jedenfalls sofort gepackt, denn für ein Mietshaus als Kosmos für einen Film bin ich immer zu haben. Dass die Wahl der Darsteller manchmal wichtiger ist als die Geschichte, in der sie sich bewegen, zeichnet sich auch hier ab. Mit Ugo Tognazzi als Amedeo Pecoraro und 
    Mariangela Melato als Ofelia Pecoraro hat man ein schrulliges Geschwisterpaar am Start, was für einen gewisse Zynismus und Wortwitz sorgt. Auch wenn die humorvolle Seite in DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT immer wieder dominiert, ist der Krimi-Anteil durchaus spürbar und schlägt hin und wieder auch ernstere Töne an. Comencinis Film ist wie eine Reise durch die Mieterschaft, die der Hausbesitzer Amedeo Pecoraro antritt, um herauszufinden, wer seinen Kater getötet hat. Dass das letztlich am uninteressantesten ist, sieht Michele Galabru als Kommissar Dalila Di Lazzaro von Anfang an ein und will mit der Sache gar nichts zu tun haben, denn der muss sich um etwas ganz anderes kümmern. 

    Und so lernt man hier viele unterschiedliche Figuren kennen, von denen die wenigsten einen klaren Verstand zu haben scheinen. Man bekommt ein bisschen Wortwitz, ein paar alberne Momente, sehr schöne Kamerafahrten und interessante Architektur geboten. Abgerundet wird das Ganze von einem wunderschönen Score von Ennio Morricone, der der ganzen Inszenierung zusätzliches Leben einhaucht. 

    Leider verliert sich DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT inhaltlich immer wieder, aber Comencini hat genug Kräfte an Bord, seine Inszenierung am Leben zu erhalten, und Langeweile kommt hier ohnehin nicht auf. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Valley of Gwangi, 1969 – ★★★½

    The Valley of Gwangi, 1969 – ★★★½

    GWANGIS RACHE
    (THE VALLEY OF GWANGI, USA, 1969, Regie: Jim O’Connolly)

    In einem mexikanischen Wüstendorf veranstaltet die schöne T. J. Breckenridge eine Rhodeoshow, die nicht von großem Erfolg gekrönt ist. Doch sie hat Hoffnung, denn ein geheimnisvolles Minipferd soll ihre Show retten. Da taucht Kirby, ihr ehemaliger Verlobter auf, der die Show aufkaufen möchte. Kirby möchte wissen, woher das Pferd stammt und sucht den Paläontologen Horace Bromley auf, der von einem verbotenen Tal spricht, aus dem das Tier zu stammen scheint. 

    Nachdem bereits mit BILLY THE KID VS. DRACULA (1966) und JESS JAMES MEETS FRANKENSTEIN’S DAUGHTER (1966) klassische Horrorstoffe mit dem Western kombiniert wurden, legte Regisseur Jim O’Connolly nach und hat mit GWANGIS RACHE Cowboys gegen Dinosaurier antreten lassen. 

    Was erst mal sonderbar klingt, ist in der Umsetzung richtig gut geworden. Erneut durfte Ray Harryhausen sein Können unter Beweis stellen und hat phantastische Stop-Motion-Effekte mit sehr gelungenen Dinosaurier-Modellen geschaffen, die ganz klar das Highlight von GWANGIS RACHE darstellen. Nicht nur der mächtige Allosaurus, der auch gegen einen Elefanten antreten darf, macht Eindruck, sondern auch der Kampf zwischen einem Cowboy und einem Pteranodon (Flugsaurier). Bis man das geheimnisvolle Dinosauriertal erreicht, vergeht allerdings viel Spielzeit, die nicht gerade spannend ausgefüllt wurde, und James Franciscus hat mich etwas genervt in seiner Rolle als Tuck Kirby, wobei er natürlich dem smarten Cowboy-Typus hervorragend entspricht. Doch die Entschädigung kommt spätestens, wenn man den Allosaurus einfangen kann und ihn wie King Kong als Attraktion verkaufen will. Freilich kann sich das Tier befreien und für Chaos bis ins Gotteshaus sorgen, in dem sich Harryhausen so richtig austoben durfte, um einem reichlich Action in Stop-Motion zu liefern.

    GWANGIS RACHE ist ein charmantes Dinosaurier-Western-Abenteuer mit tollen Effekten. Die zähe erste Hälfte und die eher unsympathischen Figuren seien verziehen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Nachtgeschichten (4) – Ambrose Bierce – Chickamauga (1889)

    Nachtgeschichten (4) – Ambrose Bierce – Chickamauga (1889)

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold haben wieder ihre Bücher durchstöbert und Euch diesmal eine grausige Kriegsgeschichte aus der Feder von Ambrose Bierce mitgebracht.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Night Ripper, 1986 – ★★½

    Night Ripper, 1986 – ★★½

    NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ
    (IL MOSTRO DI FIRENZE
    (Italien, 1986, Regie: Cesare Ferrario)

    Seit 1968 ereignen sich im Umland von Florenz Morde an Liebespärchen, die in ihren Autos getötet werden. Wieder hat der Täter zugeschlagen und wieder tappen die Ermittler im Dunkeln. Der Autor Andreas Ackerman ist wie besessen von dem Fall und versucht sich in das Wesen des Killers zu versetzen, um Antworten auf seine Identität zu erhalten. 

    Ein Jahr bevor man den mutmaßlichen Killer Pietro Pacciani, der von der Presse als „Das Monster von Florenz“ betitelt wurde, festnahm, entstand diese erste filmische Auseinandersetzung mit dem Kriminalfall, der über Jahrzehnte für Angst und Schrecken in Florenz und Umgebung sorgte und bis heute nicht gänzlich geklärt wurde. Pietro Pacciani wurde im Jahre 1987 wegen körperlicher Gewalt an seiner Ehefrau und sexuellen Übergriffen an seinen beiden Töchtern verhaftet. Schließlich stellte man Zusammenhänge zwischen ihm und den Morden fest, die auch die Theorie einer Tätergruppe nicht ausschließen konnte. 1993 wurde er schließlich für 14 Morde verantwortlich gemacht und zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch er ging in Berufung und kam im Jahre 1996 wieder auf freien Fuß, weil es erhebliche Zweifel an der Einzeltäter-Theorie gab. Der oberste Gerichtshof annullierte den Freispruch, doch Pacciani starb durch ungeklärte Umstände in seiner Wohnung. Noch heute geht man davon aus, dass der Täter möglicherweise auf Befehl gehandelt hat und das hinter den Morden eine Art System, bzw. Opferkult steckte. Nach seinem Tod hörte die Mordserie jedoch auf.

    Regisseur Cesare Ferrario hat mit NIGHT RIPPER also äußerst voreilig reagiert, was aber gar nicht schlimm ist, da das Mysterium um „Das Monster von Florenz“ nie geklärt wurde und bis heute weiter aufrecht gehalten wird, wie jüngst von Sergio Sollimas Sohn Stefano Sollima als Miniserie. 

    NIGHT RIPPER ist ein extrem langsam inszenierte Film, der sich versucht realistisch bis pseudodokumentarisch zu verhalten, was soweit sogar aufgeht. Es gibt ein paar harte Szenen, in denen der Killer seine Opfer tötet, die Sollima 2025 kaum anders inszeniert hat. Es gibt ein paar Tatort-Szenen, in denen man auch kurz einen Gabriele Tinti als Reporter zu Gesicht bekommt. In erster Linie konzentriert sich Ferrario aber auf Leonard Mann als Autor Andreas Ackermann, der sich immer mehr in dem Fall verliert. Doch Ferrario verstrickt sich zu sehr in Geschwätzigkeit und dehnt sich oft an den falschen Stellen aus. Der saxophonlastige Score von Paolo Rustichelli sorgt zusätzlich dafür, die Augen schließen zu wollen. Trotz der Zähigkeit der Inszenierung wurde diese immerhin ordentlich fotografiert, und eine beklemmende Gesamtatmosphäre kann man NIGHT RIPPER auch nicht absprechen. 

    NIGHT RIPPER ist ein gutgemeinter True Crime-Krimi mit Giallo-Einschlag, der leider viel zu dröge inszeniert wurde. 

    (Bjoern Candidus)

  • Amsterdamned, 1988 – ★★★

    Amsterdamned, 1988 – ★★★

    VERFLUCHTES AMSTERDAM
    (AMSTERDAMNED, Niederlande, 1988, Regie: Dick Maas)

    In Amsterdam treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es auf Frauen abgesehen hat, die sich des nächtens entlang der Grachten bewegen. Der Polizist Eric Visser ermittelt in dem Fall, doch statt den Mörder zu finden, findet der Mörder bereits sein nächstes Opfer. Der Druck auf Visser wächst, und dann findet er eine Spur, die zu einem renommierten Tauchverein führt.

    Der niederländische Regisseur Dick Maas hat mit VERFLUCHTES AMSTERDAM eine Mischung aus Grachten-Slasher und Käse-Giallo gezimmert, der auch in Deutschland recht erfolgreich im Kino lief, woran ich mich noch erinnern kann, auch wenn meine Erstsichtung erst ein paar Jahre später auf VHS folgte. 

    Während die Credits laufen, verrät einem Maas bereits, wohin er möchte: in die Welt des Slasher-Kinos, was 1988 schon fast ertrunken war. Ein Taucher schwimmt durch die Grachten, jenen Wasserstraßen, die Amsterdam berühmt gemacht haben. Den Taucher selbst sieht man nicht, sondern man schaut aus seiner Egoperspektive. Statt des Atmens eines Michael Myers hört man hier das Geräusch einer Sauerstoffflasche. In diesen ersten Minuten kann Maas bereits eine dichte Atmosphäre aufbauen, zu der er glücklicherweise immer wieder zurückkehrt, wenn auch nie lange. 

    Das Rotlichtviertel, die vielen kleinen Brücken und Gassen von Amsterdam sind prädestiniert für einen Serienmörder-Film, und Maas nutzt den Schauplatz sehr gut. Es gibt ein paar ordentlich inszenierte Verfolgungsjagden an Land und mit Motorbooten auf den Grachten, die einem auch immer eine schöne Ansicht auf Amsterdam erlauben. Auch der Killer bekommt immer wieder ein paar gelungene Auftritte in der ersten Hälfte, wenn er sich seine Opfer holt, doch die verlieren sich im weiteren Verlauf des Films. Leider versucht sich Maas auch immer wieder an humorvollen Szenen, die leider überhaupt nicht funktionieren und den Ton des Films etwas verderben. Der Ausgleich kommt dann mit einer dezenten Prise Gore und ein paar Horrorfilm-Momenten.  

    Mit Huub Stapel als Polizist Eric Visser hat man einen soliden Hauptdarsteller an Bord, der ein bisschen Italo-Vibes mit reinbringt. Überhaupt musste ich hier immer wieder an Spät-80er-Jahre Thriller und Horrorfilme aus Italien denken, auch was den Score angeht, der ebenfalls von Maas stammt. Insgesamt sind die Darsteller in Ordnung, die natürlich entsprechende Klischeefiguren bekleiden, die VERFLUCHTES AMSTERDAM leider nicht von einem 08/15-Serienmörder-Thriller abheben. Alles, was man hier zu sehen bekommt, hatte man 1988 bereits hundertfach in besser und schlechter gesehen, nur, dass Maas Amsterdam als permanenten Schauwert an Bord hat. Außerdem ist ein Taucher als Killer immer noch ein relativ unverbrauchtes Motiv im Thriller-Kino. 

    Unter dem Strich ist VERFLUCHTES AMSTERDAM ein solider Serienmörder-Thriller, der neben einer schönen Stadtkulisse und ein paar gelungen Action-Szenen nicht viel zu bieten hat, schon gar keine überzeugende Auflösung.

    (Bjoern Candidus)

  • BMX Bandits, 1983 – ★★★½

    BMX Bandits, 1983 – ★★★½

    DIE BMX-BANDE
    (BMX BANDITS, Australien, 1983, Regie: Brian Trenchard-Smith)

    Judy, P.J. und Goose sind, begeisterte BMX-Fahrradfahrer, denen es allerdings an Geld mangelt. In der Hoffnung, den ein oder anderen australischen Dollar zu machen, fahren sie mit dem Boot raus, um Muscheln zu sammeln. Doch statt Muscheln finden sie eine Kiste voller Funkgeräte, die einer Gangsterbande für den Überfall auf einen Geldtransporter dienen sollen. Nichtsahnend nehmen sie die Funkgeräte mit und verkaufen sie unter ihren Mitschülern. Doch die Bande hat bereits die Fährte aufgegriffen und versucht mit allen Mitteln die drei Diebe dingfest zu machen.

    Brian Trenchard-Smith (INSEL DER VERDAMMTEN, 1982) hat hier eine ziemlich rasante Jugend-Action-Abenteuer-Komödie abgeliefert, die mir über weite Strecken gut gefallen hat. 

    DIE BMX-BANDE funktioniert vor allem durch die drei sympathischen Jungdarsteller Angelo D’Angelo, James Lugton und der noch blutjungen Nicole Kidman, die mit ihren BMX-Rädern und ihren bunten Anzügen und Helmen für pure Energie sorgen, die sie in einem australischen Küstenstädtchen permanent verbreiten. Wer also mal wieder pures 80er-Jahre-Teenie-Feeling erleben möchte, der ist hier genau richtig. Doch statt mit Aliens oder Monstern aus anderen Dimensionen müssen sich die drei Jugendlichen mit einer Bande von dümmlichen Gangstern herumschlagen. 

    Die australische Produktion sieht gut aus, wurde hervorragend fotografiert und geschnitten. Die Action-Szenen mit den BMX-Stunts wurden ordentlich inszeniert und musikalisch passend untermalt. Doch trotz der visuellen Reize hat mich DIE BMX-BANDE ab der zweiten Hälfte etwas verlassen, da mir irgendwann die trotteligen Gangster extrem auf die Nerven gegangen sind. Hier zeigt sich der Film natürlich besonders als Jugendfilm, in dem solche Figuren nicht ungewöhnlich sind. 

    DIE BMX-BANDE ist ein wirklich schönes 80er-Jahre-Relikt mit vielen kleinen Details und ganz viel Verfolgungs-Action, die mir gegen Ende dann doch etwas zu viel wurde.

    (Bjoern Candidus)

  • Satan’s Brew, 1976 – ★★★★½

    Satan’s Brew, 1976 – ★★★★½

    SATANSBRATEN
    (Deutschland, 1976, Regie: Rainer Werner Fassbinder)

    Der Schriftsteller Walter Kranz ist in einer Krise und bringt kein Wort mehr zu Papier. Das führt dazu, dass ihm, seiner Frau Luise und seinem geistig behinderten Bruder Ernst langsam das Geld ausgeht. Er schlittert in eine Identitätskrise und glaubt plötzlich der Schriftsteller Stefan George zu sein, der mit seinen rechten Tendenzen seine Umwelt tyrannisiert. 

    Wer mal wieder bereit ist für die nächste filmische Grenzerfahrung, dem sei Rainer Werner Fassbinders Komödie SATANSBRATEN wärmstens empfohlen. 

    Schon von der ersten Szene an lässt Fassbinder Kurt Raab als Walter Kranz von der Leine, der einen erbärmlichen Auftritt im Verlagshaus aufführt, was ihm kein Geld mehr vorstreckt, weil er seit zwei Jahren nichts mehr abliefert. Wenig später sucht er seine Geliebte auf und lässt sich von ihr während eines sexuellen Rollenspiels einen Check ausstellen und erschießt sie anschließend. Es folgt die Vorstellung seiner Frau Luise (Helen Vita) und seinem geistig behinderten Bruder Ernst (Volker Spengler), der tote Fliegen sammelt und sie am liebsten ficken möchte. Da das nur schwer möglich ist, begrapscht er ständig andere Frauen oder versucht ihnen direkt seinen Penis irgendwo reinzustecken. Dass sich Walter und Luise permanent mit Kraftausdrücken bekämpfen, scheint in dem vorhersehenden Chaos der Familie Kranz fast normal. Ebenso normal ist es, dass Walter immer wieder mit der Frau seines besten Freundes Rolf (Marquard Bohm) schläft, wenn der sein Okay gibt, und Rolf ist großzügig. Nicht weniger sonderbar verhält sich Ulli Lommel als Kommissar Lauf, der erst mal gemeinsam mit dem Tatverdächtigen ein Fußbad nimmt. Neben dem wunderbaren Kurt Raab, der mich immer begeistern kann, tauchen an allen Ecken die Gesichter aus Fassbinders Antiteater auf, und man darf sich z.B. auch auf Margit Carstensen, Ingrid Caven und Brigitte Mira freuen. 

    Von Minute zu Minute verwandelt sich SATANSBRATEN immer mehr in einen Vesuv aus grotesken Ideen, wahnwitzigen Dialogen und einer hysterischen Atmosphäre, wie ich sie selten in einem Film gesehen habe, schon gar nicht in einer deutschen Produktion. Es sind vor allem die für Fassbinder wichtigen Themen Sex, Macht und Geld, die hier die oberste Rolle spielen und mit denen schließlich jeder etwas anfangen kann. Doch die Art und Weise, wie Fassbinder und seine hervorragenden Schauspieler an SATANSBRATEN herangegangen sind, bewegt sich so fernab von der Norm, dass es mir ein großes Vergnügen war, dem bizarren Trip beizuwohnen. Mit 112 Minuten meint es Fassbinder sehr gut, aber er kann diese auch ausfüllen, auch wenn meine Nerven irgendwann mal leicht gereizt wurden, denn einfach ist das Ganze wahrlich nicht.

    SATANSBRATEN ist witzig, ehrlich, obszön, laut, hysterisch, grenzüberschreitend und einfach wunderbar. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Batman, 2022 – ★★★★

    The Batman, 2022 – ★★★★

    THE BATMAN
    (USA, 2022, Regie: Matt Reeves)

    In Gotham City treibt sich einen Serienmörder herum, der es auf einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt abgesehen hat. Sein Antrieb ist nicht das Töten selbst, sondern das Auslöschen von Gewalt und Korruption, die die Stadt immer mehr in ihrem Griff hat. Am Tatort hinterlässt der Killer Rätsel, die Commissioner Gordon mit Hilfe von Batman lösen will. Doch der Dunkle Ritter hat mit den Morden mehr zu tun, als ihm lieb ist.

    Nachdem Batman im Mai 1939 seinen ersten Auftritt in dem US-amerikanischen Comicmagazin „Detektive Comics“ hatte, wurde die von Bob Kane und Bill Finger erschaffene Figur bis heute in allen erdenklichen Medien am Leben erhalten und erfreut sich stets großer Beliebtheit. Unterschiedliche Stile, Interpretationen und Herangehensweisen passen das weitläufige Universum um Batman und Gotham City immer am Puls der Zeit an. Gerade auf der Kinoleinwand kann man sich über die Wandlungsfähigkeit des Dunklen Ritters am besten ein Bild machen. 

    Mit Matt Reeves haben wir einen weiteren Regisseur, der Batman neues Leben einhauchen durfte, und ich finde, er hat das sehr gut gemacht. Reeves hat es verstanden, dem Zuschauer nicht nur gut dosierte Action, sondern auch eine packende Krimi-Geschichte zu servieren, die viel Wert auf die Figuren und ihre Beziehungen untereinander legt. Mit Robert Pattinson hat man zudem ein sehr glückliches Händchen bewiesen. Er füllt die Rolle eines depressiven, verzweifelten Bruce Wayne / Batman hervorragend aus. Bei ihm stimmt alles, und mit seinem ledernen Fledermaus-Kostüm macht er einen perfekten Eindruck. An seiner Seite stehen Andy Serkis als Alfred, der wunderbare Jeffrey Wright als Lt. James Gordon und Lenny Kravitz Töchterchen Zoë Kravitz als Catwoman. Ihnen gegenüber stehen John Turturro als Carmine Falcoe, Collin Farrell als Pinguin und Paul Dano als Riddler. Dano liefert eine fabelhafte Performance ab, die vor allem nach dem Ablegen seiner zodiacartigen Verkleidung richtig zur Geltung kommt, doch dann ist THE BATMAN schon fast vorbei. Aber der Riddler dient hier in erster Linie dazu, die Vergangenheit aufzuarbeiten und das korrupte System von Gotham City beim Namen zu nennen und die Hüllen der scheinbar Guten fallen zu lassen, bis ins Hause Wayne. 

    Was auch bei den meisten anderen Batman-Verfilmung gelungen ist, geht auch hier auf: eine ganz eigene Atmosphäre und einen eigenen Stil zu errichten. Das Design von THE BATMAN ist verhältnismäßig realistisch gehalten, entfernt sich von den bizarren Burton- und den kalten Nolan-Welten und zeigt ein dreckiges, heruntergekommenes Gotham City, was von Gewalt, Korruption und Drogen gezeichnet ist. Die ganze Inszenierung bewegt sich in düsteren, oft verregneten Bildern voller Schwärze durchzogen von gelblichem Licht, was die Nacht wundersam präsentiert. Eine Aura der Bedrohung und des Schmerzes ist allgegenwärtig und geht einher mit den zerrissenen und gespaltenen Figuren. 

    Reeves gelingt eine Balance aus Action, Spannung und Story, wie sie heute selten im Blockbuster-Kino anzutreffen ist. THE BATMAN erinnert mal an einen Film Noir – Krimi, mal an einen Serienmörder-Thriller und im nächsten Moment an einen Horrorfilm, der einen manchmal vergessen lässt, dass es sich um eine Comicverfilmung handelt. Die Action-Sequenzen sind nie zu lang und wirken selten übertrieben. Erwähnenswert sei auch der Score von Michael Giacchino, der ein paar richtig schöne Kompositionen bereithält und der gesamten Atmosphäre dienlich ist. 

    Mit fast drei Stunden Spielzeit ist THE BATMAN leider etwas zu lang geraten, dennoch hält sich Reeves selten lange auf und nutzt ein angenehmes, nie zu schnelles Tempo, um seine Inszenierung voranzutreiben. 

    Ich freue mich auf die Rückkehr von Robert Pattinson als Batman. 

    (Bjoern Candidus)

  • Beauty and the Beast, 1978 – ★★★★½

    Beauty and the Beast, 1978 – ★★★★½

    DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER
    (PANNA A NETVOR, Tschechoslowakei, 1978, Regie: Juraj Herz)

    Ein in Geldnöten geratener Kaufmann möchte ein Ölgemälde an den Mann bringen. Er versucht sein Glück in einem alten Schloss mitten im Wald. Doch das Schloss scheint verlassen, bis der Mann eine weiße Rose pflückt, die ihm zum Verhängnis wird. Eine mysteriöse Gestalt taucht auf, die den Kaufmann erpresst. Er hat die Wahl zwischen seinem Leben und dem Leben seiner Tochter, die sich freiwillig auf das Schloss begeben muss. Julie, die einen ganz anderen Charakter als ihre beiden gierigen Schwestern Gábinka und Málinka hat, denkt nicht lange nach und macht sich auf, um das Leben ihres Vaters zu retten.

    Juraj Herz (DER LEICHENVERBRENNER, 1969) hat sich mit DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER dem französischen Volksmärchen „Die Schöne und das Biest“ angenommen, was erst mal 1740 durch Gabrielle-Suzanne de Villeneuve in einer Märchensammlung aufgenommen wurde. Wenn man Herz Filme, wie DER LEICHENVERBRENNER oder MORGIANA (1972) kennt, darf man sich vorstellen, dass sein Märchenfilm kein bunter Ritt sein wird. 

    Von der ersten Minute an stößt einen Herz in eine finstere Welt voller von Nebel durchzogener Wälder, in denen ein verwunschenes Schloss errichtet wurde, was aus den Phantasiewelten eines Hieronymus Bosch und Max Ernst entsprungen sein könnte. Hier wird ein Set-Design aufgefahren, was seinesgleichen sucht und mich immer wieder an spätere Filme wie DIE REISE INS LABYRINTH (1986) erinnert hat. Herz hat hier eine unglaublich dichte und unheilvolle Atmosphäre geschaffen, die alles andere als kindertauglich ist. 

    DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER ist eine perfekte Melange aus Märchen-, Fantasy- und Gothic-Horrorfilm, die trotz ihrer alptraumhaften Bilder voller Fratzen und Phantomgestalten zu einer traurigen Liebesgeschichte wird, die mich berühren konnte. Das liegt mitunter auch an den charmanten Darstellern und dem düster melancholischen Score von Petr Hapka, der sich wundersam über die Bilder legt.

    DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER ist traurige Schauerromantik erster Güte. Ein zauberhaftes Relikt aus vergangen Tagen, als sich unsere Nachbarn noch auf höchst künstlerischere Art ausdrückten und die Leinwände mit ihrer speziellen Handschrift bespielten.  

    (Bjoern Candidus)

  • Prison on Fire, 1987 – ★★★★½

    Prison on Fire, 1987 – ★★★★½

    PRISON ON FIRE 
    (GAAM YUK FUNG WAN, Hongkong, 1987, Regie: Ringo Lam)

    Wegen fahrlässiger Tötung muss Lo Ka Yiu ins Gefängnis, was für den jungen Mann kaum zu ertragen ist. Nicht nur die strenge Hand der Aufseher macht ihm zu schaffen, sondern auch die anderen Häftlinge, für die er eine leichte Beute ist. Da kommt Ah Ching gerade recht, denn der kennt sich im Knast bestens aus und steht Lo Ka Yiu bei. Doch als behauptet wird, Lo Ka Yiu hätte jemanden verraten, gerät der Konflikt außer Kontrolle.

    Ich bin kein großer Freund von Gefängnisfilmen und wenn sind mir die mit gefangenen Frauen am liebsten. Aber es gibt auch Ausnahmen, wie 12UHR NACHTS – MIDNIGHT EXPRESS (1978) oder PRISON ON FIRE von Ringo Lam.

    Lams Gefängnis-Action-Drama ist ein nahezu perfekt inszenierter Film, der sämtliche Zutaten des Genres bereithält, und doch fühlen sie sich anders an. In kalten, realistischen Bildern bekommt man den Alltag in einem Gefängnis gezeigt, was von strenger, aber gerechter Hand geführt wird. Folge jedem Befehl, halte jedes Gesetz ein, dann bist du fein raus. Doch neben den offiziellen Regeln der Gefängnisleitung gibt es auch inoffizielle Regeln unter den Gefangenen, und wenn unter denen Triaden-Boss sitzen, sollte man sich besonders in Acht nehmen. Wer schwach ist, hat das nachsehen, und Verräter werden gar nicht geduldet. Der recht naive Lo Ka Yiu (Tony Ka Fai Leung) muss nicht mal jemanden verraten, um das Opfer zu werden. In einem Rückblick sieht man den Grund für Lo Ka Yius Gefängnisaufenthalt. Bei einem Überfall auf das Geschäft seines Vaters, der dabei schwer verletzt wird, stößt Lo Ka Yiu einen der Täter auf die Straße, auf der er prompt von einem Bus überfahren wird. So bringt man direkt ein gewisses Verständnis auf, um sich besser in die Figur hineinzuversetzen. Als völliger Kontrast zu ihm kommt der wunderbare Chow Yun-Fat als Chung Tin Ching hinzu, der die Stimmung unter den Knastbrüdern ordentlich aufwirbelt. Doch Chung Tin Ching kennt die offiziellen wie inoffiziellen Gesetze im Gefängnis und weiß, wie er sich zu verhalten hat, schließlich ist er oft genug dort. Doch sein Versuch, das Motto „Sei tolerant, dann gewinnst du Frieden und Ruhe. Sei bescheiden, dann erreichst du neue Horizonte“ zu leben, scheitert immer wieder. Chow Yun-Fat passt mal wieder hervorragend in seine Rolle und sorgt dafür, dass hier niemals Langeweile aufkommt. Immer wieder kommt es zwischen den Knastbrüdern zu Reibereien, die zu ausgedehnten Schlägereien ausarten. Unter den Gefangenen sind einige Triaden-Bosse, die auch hinter Gefängnismauern gefährlich sind, wie z.B. Micky, der von Ka-Kui Ho dargestellt wird. Seitens der Gefängnisleitung hat Roy Cheung als Officer Hung eine unglaublich starke Präsenz. Cheungs Killerblicke und seine ganze Figur bringen ein Feuer in die Inszenierung, was er am Ende selbst nicht mehr beherrscht. Die gesamte Besetzung ist hervorragend und es macht einfach Spaß, den Figuren in ihrem begrenzten Kosmos zu folgen. 

    Auch die lebendige Fotografie von PRISON ON FIRE ist toll. Obwohl hier im Minutentakt etwas Spannendes, Witziges oder Brutales passiert, ist Lams Inszenierung nie hektisch oder übertrieben. Mal werden ruhige Gespräche geführt, mal diskutiert man und mal schlägt man sich mit aller Härte die Fresse ein.

    PRISON ON FIRE ist ein Film mit spannenden Figuren voller Emotionen, die nie aufgesetzt wirken. Stark. 

    (Bjoern Candidus)