Autor: marco-fritz

  • Death by Dialogue, 1988 – ★½

    Death by Dialogue, 1988 – ★½

    EVIL NIGHTMARE – SCHRECKLICHER ALPTRAUM
    (DEATH BY DIALOGUE, USA, 1988, Regie: Thomas Dewier)

    Ein Mann stößt in einem Schuppen eines Museums auf eine alte Kiste. Er öffnet sie und findet in ihr ein Drehbuch mit dem Titel „Opfer 66“. Er liest ein paar Seiten und wird schließlich selbst zum Opfer, als sich eine Frau vor ihm auftut und ihn mit einem Flammenwerfer röstet. Und die nächsten potentiellen Opfer sind bereits auf dem Weg zum Museum. 

    Eigentlich ist die Prämisse von EVIL NIGHTMARE keine schlechte. Die Idee eines von einem bösen Geist beseelten Drehbuchs, dessen Leser zu neuen Opfern werden, ist fast clever, doch die Umsetzung ist nahe an katastrophal. Das liegt in erster Linie an den schrecklichen Darstellern, die Thomas Dewier zur Verfügung hatte. Egal, wer hier auftaucht, er hätte wegbleiben sollen. Es fängt bei dem tölpelhaften Schauspiel an und hört bei den Klamotten und Frisuren auf, die die schrecklichsten Seiten der 80er-Jahre aufzeigen. Obwohl man sichtlich bemüht ist, kann man hier niemanden ernst nehmen, auch nicht die unterschiedlichen Horrorgestalten, die hier auftauchen. 

    Dumme Figuren, Spannung auf Sparflamme, ein paar billige Masken, ein paar müde Horror-Effekte und ein bisschen nacktes Fleisch ist das, was EVIL NIGHTMARE bleibt. Der ländliche Schauplatz in Kalifornien bringt zumindest ein paar nette Impressionen in diesen ansonsten hässlichen Film. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Tramplers, 1965 – ★★★½

    The Tramplers, 1965 – ★★★½

    DIE TRAMPLER
    (GLI UOMINI DAL PASSO PESANTE, Italien, 1965, Regie: Albert Band)

    Nach dem Ende des Bürgerkriegs sind die Fronten zwischen Süd- und Nordstaatler bei vielen weiter verhärtet. Der machtbesessene Patriarch Temple Cordeen sorgt mit seinen Söhnen für Angst und Schrecken in der Gegend. Wer ihnen nicht passt oder gegen ihr selbstgeschriebenes Gesetz verstößt, wird hingerichtet. Als sein Sohn Lon vom Schlachtfeld des Bürgerkriegs zurückkehrt, wächst die Ablehnung gegen seinen Vater. Lon beschließt mit seiner Schwester Alice und ihrem Geliebten das Weite zu suchen. Doch Temple Cordeen lässt niemanden einfach so ziehen, schon gar nicht seine eigenen Kinder.

    Mit DIE TRAMPLER hat Albert Band einen durchaus interessanten Italowestern gedreht, der sich inhaltlich vom Gros absetzt. Statt auf die ewige Rache-Story zu setzen, kredenzt Band eine Art Familien-Drama, in dem sich Joseph Cotten mal wieder von seiner bösartigen Seite zeigen darf. Nichts scheint der Mann besser verkörpern zu können als ein Arschloch, so wie als Temple Cordeen. Als Temple Cordeen hält er an der Vergangenheit fest und akzeptiert keine Veränderungen, schon gar nicht die Sicht auf die Yankees, mit denen der Krieg mittlerweile beigelegt wurde. Während seine kranke Frau für Cordeen nicht mehr weiter wichtig ist und seine Tochter Alice stets unterdrückt wird, sind es seine Söhne, die er hochhält und um sich scharrt. Sein Sohn Lon, dem das Verhalten seines Vaters und seiner Brüder gegen den Strich geht, wird von Gordon Scott verkörpert, der genauso unsympathisch daherkommt wie alle anderen Figuren. Da rettet auch ein Franco Nero nichts, der ohnehin nur am Rande vorkommt. Trotz der nachvollziehbaren Geschichte konnte ich für die Figuren keine Gefühle entwickeln. DIE TRAMPLER wirkt unglaublich kalt und ist stellenweise äußerst brutal. Direkt am Anfang wird ein unliebsamer Reporter aufgehängt, später explodiert ein Mann durch Dynamit und es kommt zu blutigen Einschusswunden, die nicht häufig in Italowestern anzutreffen sind. 

    Größtenteils ist die Inszenierung sehr spannend geraten und wurde sehr gut fotografiert. Handwerklich gibt es hier nichts auszusetzen. Leider kommt es in der Mitte zu ein paar Hängern, die Band aber mit einem harten Finale wieder wett macht. Sehr gelungen ist auch der Score von Angelo Francesco Lavagnino, der für das Genre untypische Akzente gesetzt hat.

    Trotz der vielen unangenehmen Figuren ist DIE TRAMPLER ein sehenswerter Italowestern, der vor allem durch seine Geschichte auffällt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 90

    Traumstadt Gazette Ausgabe 90

    TRAUMSTADT GAZETTE 90

    Gameshows, Zeitreisen, rassistische Hunde…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen diesmal über

    -SIERRA CHARRIBA (1965)

    -MY DEAR KILLER (1972)

    -DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS (1982)

    -12 MONKEYS (1995)

    -THE KILLER (2023)

    -THE RUNNING MAN (2025)

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Communion, 1989 – ★★★★

    Communion, 1989 – ★★★★

    DIE BESUCHER
    (COMMUNION, USA, 1989, Regie: Philippe Mora)

    Die dreiköpfige Familie Strieber und ein befreundetes Ehepaar wollen ein Wochenende in einem Blockhaus im Wald verbringen. Doch in der ersten Nacht kommt es zu einem sonderbaren Erlebnis, bei dem ein grelles Licht auf das Haus niederfällt und Whitley Strieber sonderbare Wesen sieht, die ihn fortan immer wieder aufsuchen werden. 

    DIE BESUCHER ist die dritte und bisher letzte Adaption eines Romans von Whitley Strieber („The Wolfen“, 1978), der in den späten 70er- bis 80er-Jahren recht erfolgreich als Autor gearbeitet hat. Mit „Communion“ hat er 1987 einen Roman veröffentlich, der von ihm selbst und seiner angeblichen Entführung von Außerirdischen handelt. Wenn jemand so etwas behauptet, gehen natürlich die Alarmanlagen an und die Portmonees auf, und so wurde „Communion“ ein Bestseller, dessen Verfilmung nicht lange auf sich warten ließ. Produziert wurde DIE BESUCHER u.a. von Strieber selbst, dessen Person im Film von Christopher Walken verkörpert wird. Als Regisseur fungierte Philippe Mora, der einen durchaus sehenswerten Film abgeliefert hat. 

    DIE BESUCHER verzichtet auf Gewalt, Action und reduziert den üblichen Hollywood-Effektspektakel und schlägt stattdessen ruhige, aber durchaus bizarre Töne an. Von Beginn an ist die Atmosphäre angespannt, und statt einer handfesten Bedrohung ist es vor allem das Schauspiel von Christopher Walken, der als Whitley Strieber für Verwirrungen sorgt. Walken ist eben Walken, und das geht hier wieder total auf. Wenn er mit den extraterrestrischen Besuchern konfrontiert wird, die sich in unterschiedlichen Formen zeigen, hat man das Gefühl, er geht geradezu auf mit diesen Kontakten. Faszination statt Angst liegt in den Begegnungen, die von Mora durchaus bizarr inszeniert wurden. Man wird mit den obligatorischen Grey-Aliens konfrontiert, aber auch mit insektoiden oder anderen sonderbaren Darstellungen, die möglicherweise nur Strieber so gesehen hat, weil die Aliens es so wollten. Auch die angeblichen medizinischen Untersuchungen und Eingriffe werden mehr angedeutet, und mehr als Strieber sieht man als Zuschauer auch nicht. Strieber kann sich an die Erlebnisse nur wage erinnern, aber hält z.B. kleine Wunden am Hinterkopf zurück. Doch nicht nur Strieber, sondern auch sein Sohn Andrew wird Zeuge der Außerirdischen und bestätigt die Aussagen seiner Vaters. 

    Als Schauplatz der Kontaktaufnahmen dient ein Wochenendhaus im Wald. Es ist Weihnachten und es liegt Schnee, was dem Film optisch ganz gut tut, denn neben den Alien-Szenen bietet DIE BESUCHER nicht viele Schauwerte, sondern konzentriert sich vor allem auf Dialoge. Trotz der unheimlichen Erlebnisse, die Striebers Leben bestimmen, bleibt eine Bedrohung aus, was den Film sehr entspannend macht. Zu entspannend ist der schwülstigen Score von Eric Clapton. 

    DIE BESUCHER ist ein außergewöhnlicher Alien-Science-Fiction-Film, der trotz des stark zweifelhaften Hintergrunds spannende Unterhaltung bietet. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Man from Hong Kong, 1975 – ★★★★

    The Man from Hong Kong, 1975 – ★★★★

    DER MANN VON HONGKONG
    (THE MAN FROM HONG KONG, Australien, Hongkong, 1975, Regie: Brian Trenchard-Smith)

    Um den Drahtzieher einer Drogenlieferung aus China zu ermitteln, wird der chinesische Cop Fang nach Down Under zitiert, um den verhafteten Kurier zu verhören. Doch bevor er ihn zum Reden bringen kann, wird der Mann erschossen. Für Fang beginnt ein gefährlicher Auftrag, bei dem er von den beiden Cops Morrie Grosse und Bob Taylor unterstützt wird. 

    Wer mal wieder eine komplexe Story mit spannenden Twists erleben möchte, dem sei DER MANN VON HONGKONG nun wirklich nicht empfohlen. Wer aber hochdosierte Action vor der traumhaftschönen Naturkulisse Australiens erleben möchte, ist hier genau richtig. Brian Trenchard-Smith hat mal wieder bewiesen, dass er ein Händchen für pure Unterhaltung hat und bringt hier das Hongkong-Action-Kino nach Australien, um den Boden beben zu lassen. Unterstützt wurde er als Regisseur von seinem chinesischen Hauptdarsteller Jimmy Wang Yu als Fang, der einige seiner Action-Szenen als Regisseur selbst inszenierte. 

    Von Beginn an, wenn es zum ersten Kampf am Ayers Rock kommt, darf man sich von Trenchard-Smith Geschick für das inszenieren von Action-Szenen überzeugen lassen. Egal ob in der Luft oder auf dem Boden, egal ob zu Fuß oder mit dem Auto, DER MANN VON HONGKONG steht nicht still und teilt aus. Jimmy Wang Yu lässt hier seine Fäuste und Füße in alle Richtungen schnellen, um seine Angreifer auszuschalten. Neben fernöstlicher Kampfkunst kommen auch immer wieder Hieb- und Stichwaffen zum Einsatz, die einige blutige Wunden mit sich ziehen. 

    Neben Yu als Fang darf auch Ex-James Bond-Darsteller George Lazenby als Gangsterboss Wilton eindrücklich seine Kampfkünste präsentiert. Freuen darf man sich auch auf Hugh Keays-Byrne und Roger Ward, die man als Toecutter und Fifi aus MAD MAX (1979) kennt. Hier spielen sie die Cops Morrie Grosse und Bob Taylor. Ebenso an Bord: Grant Page als Attentäter. Page blieb dem australischen Kino ebenfalls treu und tauchte ein paar Jahre später wieder als Killer in TRUCK DRIVER (1981) auf. 

    Auch wenn es zwischendurch mal kurz nach Hongkong geht, steht Australien ganz klar im Fokus, und Trenchard-Smith war offensichtlich bedacht darauf, einem möglichst viele unterschiedliche Schauplätze zu zeigen. Es geht nach Sydney und ins Umland, wo Fang mit dem Gangsterboss Wilton und seinen Männern konfrontiert wird. Man darf sich nicht nur auf perfekt geschnittene Action-Szenen freuen, sondern auch auf eine hervorragende Fotografie, die Trenchard-Smith Inszenierung jederzeit hochwertig erscheinen lässt. 

    DER MANN VON HONGKONG muss sich nicht vor seinen James Bond-Vorbildern oder vor dem ähnlich gelagerten DER MANN MIT DER TODESKRALLE (1973) verstecken. Trenchard-Smith liefert ein handfestes, visuell ansprechendes Action-Gesamtpaket. 

    (Bjoern Candidus)

  • White Zombie, 1932 – ★★★★

    White Zombie, 1932 – ★★★★

    WHITE ZOMBIE
    (USA, 1932, Regie: Victor Halperin)

    Madeleine und Neil bekommen von ihrem Freund Beaumont das Angebot, in seinem Herrenhaus auf Haiti zu heiraten. Doch Beaumont hat in Wirklichkeit die Absicht, Neil Madeleine auszuspannen. Dafür benötigt er die Hilfe des mysteriösen Legendre, der Madeleine in einen willenlosen Zombie verwandelt.

    Victor Halperin hat mit WHITE ZOMBIE den Grundstein des Zombiefilms gelegt, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Doch die Zombies, die hier aufmarschieren, sind andere als die, denen man seit DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) in Scharen begegnet und stets nach Menschenfleisch gieren. Die Zombies in WHITE ZOMBIE sind jene, die unter einem Bann stehen und die Funktion von Sklaven annehmen, die für den Zuckermühlenbesitzer Legendre arbeiten, und zwar rund um die Uhr, was gleich doppelt aufstößt. Mittels Gift und Hypnose kann Legendre sie komplett unter Kontrolle bringen, was Lugosi offensichtlich große Freude bereitet, denn der liefert mal wieder eine glänzende Performance, diesmal mit einem auffälligen Bartwuchs. Besonders präsent sind seine hypnotischen Blicke, die sich durch den Film ziehen. Halperin gelingt die Vermischung von Abenteuer-, Horror- und Liebesfilm-Elementen, in der die schöne Madeline (Madge Bellamy) gleich von drei Männern umworben wird. 

    Halperin und sein Team haben hier finstere, alptraumhafte Haiti
    -Kulissen errichtet, in denen die Protagonisten Madeleine und Neil fast verschluckt werden. Besonders unangenehm ist die Zuckermühle inszeniert, in denen die Zombies rund um die Uhr arbeiten müssen. Visuell hat WHITE ZOMBIE einiges zu zeigen. Man nutzt Bild-Kollagen, verwendet das Split-Screen-Verfahren und bedient sich Point-of-View-Shots, die den düsteren Ton des Films unterstreichen. 

    WHITE ZOMBIE ist ein ausdrucksstarker, atmosphärisch dichter Horrorfilm voller Schauerromantik. 

    (Bjoern Candidus)

  • House of Whipcord, 1974 – ★★★★½

    House of Whipcord, 1974 – ★★★★½

    DAS HAUS DER PEITSCHEN
    (HOUSE OF WHIPCORD, GB, 1974, Regie: Pete Walker)

    Das Fotomodel Anna-Marie fällt auf einen jungen Mann herein, der sie geradewegs in die Hölle hinter Gefängnismauern lockt. Dort rächen sich die Alten an freizügigen jungen Frauen, die sie aufgrund ihres unmoralischen Verhaltens verurteilten, foltern und im schlimmsten Fall hinrichten. 

    Nachdem Pete Walker mit IM RAMPENLICHT DES BÖSEN (1972) einen Früh-Slasher hinlegte und sich anschließend mit der Komödie TIFFANY JONES (1973) zurückmeldete, folgte mit DAS HAUS DER PEITSCHEN ein höchst beklemmender Woman-in-Prison-Film, der zu den düstersten Beiträgen des britischen Kinos jener Tage gehört. 

    Wie in den WIP-Filmen von Herrschaften wie Jess Franco oder Bruno Mattei wurde auch hier ein altes Gefängnis zu einem Privatgefängnis umstrukturiert, natürlich unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit. An diesem unheiligen Ort sollen unmoralische, wollüstige junge Frauen verurteilt und im schlimmsten Fall hingerichtet werden, was erst mal nicht neu klingt. Doch Walker verzichtet auf billige Sexeinlagen, denn die stünden im Kontrast zum dem Thema, was Pete Walker und sein Drehbuchautor David McGillivray hier aufgreifen. Die Texttafel zu Beginn kündigt bereits den Kurs an, den der Film nehmen wird. 

    „Dieser Film ist denjenigen gewidmet, die, ob der heutigen laxen Moralvorstellungen beunruhigt sind und sehnlichst die Rückkehr von Züchtigung und Todesstrafe erwarten.“ 

    Die Love & Peace-Bewegung der Hippies und das Spiel der Geschlechter, der kurzen, aber intensiven Glamrock-Phase Anfang der 1970er-Jahre waren ein Dorn im Auge der Alten, und hier rächen sie sich für den angeblichen Verfall der Moralvorstellungen der ewig Gestrigen. Jede neue Generation steht den Anfeindungen der alten gegenüber. In diesem Punkt ist DAS HAUS DER PEITSCHEN zeitlos und auch heute noch inhaltlich relevant. Doch statt wie bei Franco ständig irgendwo die Brüste schwingen zu lassen, sind die drei strengen Damen, die hier für Zucht und Ordnung sorgen, von Kopf bis Fuß in konservativen grauen Kleidern gehüllt. Vergewaltigungen gibt es keine, dafür übelste Peitschenhiebe und Hinrichtungen mittels Strick. Hier herrscht eine permanente Bedrohung und Ausweglosigkeit, was Walkers Inszenierung deutlich vom Gros anderer britischer Produktionen jener Tage abhebt. Das inoffizielle Gefängnis erinnert in seiner Konsequenz an Filme wie DIE 120 TAGE VON SODOM (1975), nur ohne sexuelle Gewalt. Apropos Marquis de Sade: der Lockvogel von der Gefängnisbesitzerin heißt Mark E. Desade. Dieser wird von Robert Tayman dargestellt, den man als Graf Mitterhaus aus CIRCUS DER VAMPIRE (1972) kennt. Während Penny Irving als inhaftierte Anne-Marie, samt ihrer Insassinnen, etwas untergeht, sind Barbara Markham als Gefängnisdirektorin Mrs. Wakehurst und Sheila Keith als Walker absolutes Gold. Die eine strahlt noch mehr Widerlichkeit aus als die andere, und die wunderbare Sheila Keith gehörte nach diesem Film zum Repertoire von Pete Walker. Vielleicht war es ein gutes Omen, dass sie hier in ihrer Rolle den Namen des Regisseur trägt. Einfach herrlich, wie befriedigt sie ausschaut, wenn sie ihren sadistischen Trieben frönt. Dezent zu spüren ist auch eine lesbische Tendenz, die nach ihrer eigenen Moralverstellung doch kaum sein darf. Aber vielleicht lebt sie auf diese Art ihren sexuellen Traum aus. Die dritte im Bunde ist Bates, die von Dorothy Gordon dargestellt wird und aufgrund der Dominanz der anderen Damen ebenfalls etwas untergeht. Und dann ist da noch der alte, blinde Tattergreis Desmond Bailey, der als Richter die Urteile fällt, obwohl er längst nicht mehr zurechnungsfähig ist und nur von seiner Frau ausgenutzt wird. Walker baut ein beängstigendes System auf, was natürlich jegliche Verteidigung mittels Anwalt ausschließt. Mrs. Wakehurst ist die Staatsanwältin, die den Richter in der Hand hat, und wer Pech hat, wird gehängt. Der Diebstahl einer Scheibe Brot reicht schon aus, damit hier die Todesstrafe ausgesprochen wird.

    DAS HAUS DER PEITSCHEN ist aber nicht nur darstellisch und inhaltlich gehaltvoll, sondern besticht auch durch seine düstere Atmosphäre, die bereits anfänglich mit Regen gewürzt wird, aber so gehört es sich schließlich für England. Die bunte, freizügige Welt des Londons der 70er-Jahre weicht den Grau- und Brauntönen hinter den Gefängnismauern im ländlichen England. Der Kontrast wird gut verdeutlicht, wenn man hin und wieder in eben jenes London blendet, wo sich die Freunde von Ann-Marie langsam Sorgen machen. Für die Fotografie zeichnet sich Peter Jessop verantwortlich, der mit IM RAMPENLICHT DES BÖSEN zu Walkers Stamm-Kameramann wurde und dafür sorgte, dass sein Kino ein Wiedererkennungswert bekommt. Walkers Filme tragen stets einen erdigen, authentischen, oft schmuddeligen Look, der lebensfrohe Orte gerne ausschließt, was perfekt zu seinen garstigen Figuren passt, die nicht selten aus alten Leuten bestehen. Und so hängt auch hier der Mief alter Menschen im Raum, die nicht anpassungsfähig sind und mit allen Mitteln versuchen, ihre moralische Vorstellung auf die Anderen zu übertragen, und das mit aller Gewalt. 

    DAS HAUS DER PEITSCHEN funktioniert auch heute noch hervorragend, und viele werden bei der Texttafel zu Beginn vermutlich applaudieren. Doch während es in dem Film in erster Linie um sexuelle Freizügigkeit und die verklemmte Moralvorstellung der Alten geht, haben wir in der heutigen Welt eher ein Problem mit der Gewalt, die zu lasch bestraft wird. 

    DAS HAUS DER PEITSCHEN gehört zu den wichtigsten Vertretern des britischen Exploitation-Kinos der 70er-Jahre, der auf billige Effekthascherei verzichtet und lieber eine finstere Story mit sadistischen Figuren liefert. Mein Lieblingsfilm von dem viel zu unbesungenen Pete Walker.  

    (Bjoern Candidus)

  • 105. Die Insel des Dr. Moreau (1977)

    105. Die Insel des Dr. Moreau (1977)

    DIE INSEL DES DR. MOREAU

    OT: THE ISLAND OF DR. MOREAU

    USA, 1977

    Regie: Don Taylor

    Bjoern Candidus und Marco Fritz besprechen diesmal DIE INSEL DES DR. MOREAU, die zweite Adaption der Vorlage von H. G. Wells Roman aus dem Jahre 1896.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Young Frankenstein, 1974 – ★★★★

    Young Frankenstein, 1974 – ★★★★

    FRANKENSTEIN JUNIOR
    (YOUNG FRANKENSTEIN, USA, 1974, Regie: Mel Brooks)

    Frederik Frankenstein, ein Gehirnchirurg und der Enkel des berüchtigten Baron Frankenstein, soll das Erbe seines Onkels antreten und reist dafür nach Europa. Im Schloss angekommen lernt er schnell die Gepflogenheiten der Angestellten kennen, tritt in die Fußstapfen seines Onkels und erschafft einen künstlichen Menschen. 

    Mel Brooks hat mit FRANKENSTEIN JUNIOR ordentlich bewiesen, dass eine Komödie, bzw. Parodie am besten funktioniert, wenn alles im Rahmen bleibt und die Gagrate vernünftig dosiert wird. Zwar mangelt es hier nicht an Humor, aber der ufert selten aus. 

    Die Besetzung ist fabelhaft.
    Gene Wilder als Enkel von Dr. Frankenstein, der auch zusammen mit Mel Brooks das Drehbuch verfasste, macht einen tollen Job, wobei ihm Marty Feldman als Igor fast die Show stiehlt. Dann ist da noch Cloris Leachman als Frau Blücher und natürlich Peter Boyle als das Monster. Auch Gene Hackman hat einen kleinen Gastauftritt als Harold, der blinde Einsiedler.

    Aber der Film bezieht seine Stärke nicht nur aus den Darstellern und ihrer witzigen Dialoge, sondern auch durch die wunderbare Schwarzweiß-Fotografie, die aus FRANKENSTEIN JUNIOR optisch einen richtig urtümlichen Horrorfilm machen. Nebel, Blitz und Donner sorgen für die nötige Gruselatmosphäre. Hier wird nicht nur FRANKENSTEIN parodiert, sondern auch andere Horrorfilme, die in den 1930er-Jahren durch die Universal-Studios das Licht der Welt erblickten. Die Ausstattungen ist phantastisch und liebevoll, ebenso die Kulissen. Für die Laborgerätschaften von Dr. Frankenstein konnte man sogar auf die Originale der James Whale
    FRANKENSTEIN-Verfilmung von 1931 zurückgreifen. 

    FRANKENSTEIN JUNIOR ist eine spaßige, sehr liebevolle Parodie, die durchaus respektvoll mit ihrer Vorlage umgeht. 

    (Bjoern Candidus)

  • Underworld, 1985 – ★★

    Underworld, 1985 – ★★

    UNDERWORLD
    (GB, 1985, Regie: George Pavlou)

    Der Gangsterboss Motherskille beauftragt den zwielichtigen Roy Bain die entführte Prostituierte Nicole aufzuspüren und aus den Händen ihrer Entführer zu befreien. Seine Ermittlungen führen ihn schließlich zu einem Doktor, der an einer Droge forscht, die ihre Konsumenten in Mutanten verwandelt, die in ihrer Abhängigkeit in der Kanalisation leben. In Nicole sehen sie ihre einzige Rettung.

    Ein Jahr bevor George Pavlou mit RAWHEAD REX (1986) um die Ecke kam, ist dieser sonderbare Horrorfilm entstanden, der ebenfalls aus der Feder von Clive Barker entsprungen ist. Barker schrieb die Story und das Drehbuch für seinen Freund George Pavlou, dem eine Mischung aus Filmen wie CHINA TOWN (1974) und INFERNO (1980) vorschwebten, was reichlich witzig klingt, wenn man sich das Ergebnis anguckt. Und dass Barker das Ergebnis hasst, sagt auch schon einiges. Dabei ist die Prämisse von UNDERWORLD gar nicht schlecht, und der kalte Look mit viel Blaulicht bringt durchaus eine ansprechende Atmosphäre mit. Die Junkie-Mutanten, die in der Kanalisation leben, können bereits als Vorahnung auf NIGHTBREED (1990) gesehen werden, natürlich mit sehr deutlichen Abstrichen in der Darstellung. UNDERWORLD kann sein schmales Budget an keiner Stelle verbergen, dennoch hat man sich durchaus Mühe gegeben. Die Mutanten zeigen sich mit spitzen Zähnen, Wülsten, Knoten oder Pocken, die ihre Gesichter entstellen, was man natürlich schon tausendfach besser (und schlechter) gesehen hat. Auch die Ausstattung ist annehmbar, die auf jeden Fall den Willen Pavlous zeigt, dass er einen anständigen Film drehen wollte. Doch unter dem Strich wird hier viel zu viel geredet oder sich ständig von A nach B bewegt, ohne wirklich voran zu kommen. Alles dreht sich im Kreis, und zwischendurch gibt es ein paar langweilige Action-Szenen zwischen Häuserblocks oder in der Kanalisation, die sehr hölzern inszeniert wurden. 

    Aber es sind vor allem die Darsteller, die UNDERWORLD schaden. Hauptdarsteller Larry Lamb wirkt als Roy Bain wie ein unterkühlter, stocksteifer Bruder von Craig Wasson, der ja ebenfalls selten Regungen zeigt. Denholm Elliott ist als Dr. Savary ebenfalls für nicht viel zu gebrauchen, wie eigentlich die Meisten hier. Ingrid Pitt ist immerhin noch ein kleiner, wenn auch kurzer Lichtblick. Mit einer ansprechenderen Besetzung hätte Pavlou hier sogar noch was herausholen können, um andere Schwächen zu kaschieren. Dafür bleibt noch ein cooler Score der Band Freur, die sich nach UNDERWORLD in Underworld umbenannte und Karriere machte. 

    UNDERWORLD ist ein kruder Mix aus sämtlichen Zutaten, die zu unausgegoren sind, um vernünftig miteinander zu harmonieren. Für Barker-Fans ist der Film durchaus interessant, da man einige Ansätze erkennen kann, die im späteren Verlauf seines Schaffens wieder aufgegriffen werden. 

    (Bjoern Candidus)