Autor: marco-fritz

  • Duck, You Sucker, 1971 – ★★★★½

    Duck, You Sucker, 1971 – ★★★★½

    TODESMELODIE
    (GIÙ LA TESTA, Italien, Spanien, 1971, Regie: Sergio Leone)

    Während des mexikanischen Bürgerkriegs begegnet der Bandit Juan Miranda und seine sechs Söhne dem irischen Dynamit-Experten John H. Mallory, den sie als Tresorsprengmeister für die Bank in Mesa Verde gewinnen wollen. Doch der ist wenig begeistert und sucht schließlich das Weite, nachdem er eigentlich Juan und seinen Anhang in die Luft sprengen wollte. Doch dann begegnet man sich erneut und der Plan, den Tresor der Bank in die Luft zu sprengen, wird in die Tat umgesetzt. 

    Sergio Leone liefert mit TODESMELODIE den zweiten Teil seiner Amerika-Trilogie, der inhaltlich allerdings keine Verbindung zu SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD (1968) und ES WAR EINMAL IN AMERIKA (1984) aufweist. Rein visuell geht Leones Western-Odyssee nahtlos über. Die Fotografie von Giuseppe Ruzzolini ist fabelhaft. Die Totalen, die die Wüste und Berge von Almería zeigen sind ebenso eindrücklich wie die Close-ups auf die Gesichter. Und wo wir schon bei Gesichtern sind: hier sind zwei ganz große dabei. Zum einen ist es Rod Steiger, der als Mexikaner Juan Miranda eine herrlich verschrobene Performance abliefert, zum anderen ist es James Coburn, der als John H. Mallory an Coolness kaum zu überbieten ist. Zwei unterschiedliche Typen, deren Gesichter wie geschaffen wurden, um in einem Sergio Leone Film verewigt zu werden. In Rückblenden gibt es einen noch jungen David Warbeck zu sehen, während in der Gegenwart Antoine Saint-John als Colonel Gutiérrez einen höchst widerlichen Auftritt hinlegt. Eine weitere wichtige Figur ist Dr. Villega, der von Romolo Valli dargestellt wird. 

    TODESMELODIE ist vor allem ein Film über Freundschaft, Verrat, Rache und Vergebung. All diese Themen hat Leone meisterlich verpackt und liefert nebenbei Action mit vielen Explosionen, die zu den schönsten ihrer Art gehören, wie ich finde. Neben den echten Sprengungen wurde auch Antonio Margheriti für diverse Modell-Aufnahmen hinzugezogen, die perfekt in den Film montiert wurden. Auffällig ist die sehr harte Gewalt. Es gibt einige explizite Kopfschüsse und eine Höhle voller Leichen, die die mexikanischen Soldaten zu verantworten haben. Immer wieder bekommt man Erschießungen unter dem Befehl von Colonel Gutiérrez mit, die die Gräben mit Leichen füllen. 

    Wie in all seinen anderen Western wirkt auch TODESMELODIE wie aus einem Guss, ist perfekt ausgestattet, bietet eine dichte Atmosphäre und einen weiteren wunderschönen Score von Ennio Morricone, der hier mal wieder sehr facettenreich ist.

    TODESMELODIE ist ein harter und spannend inszenierter Italowestern, der mit Steiger und Coburn glänzend besetzt wurde und knapp 160 Minuten wie im Flug vergehen lässt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Silent Night, Deadly Night, 1984 – ★★★

    Silent Night, Deadly Night, 1984 – ★★★

    STILLE NACHT – HORROR NACHT
    (SILENT NIGHT DEADLY NIGHT, USA, 1984, Regie: Charles E. Sellier Jr.) 

    Ein Killer im Weihnachtsmannkostüm war 1984 auch nichts Neues mehr, denn CHRISTMAS EVIL (1980) war da bereits vier und GESCHICHTEN AUS DER GRUFT (1972) zwölf Jahre alt. Dennoch sorgte STILLE NACHT – HORROR NACHT für Aufruhr unter Eltern und Jugendschützern, die Mord und Totschlag nicht in Verbindung mit Weihnachten sehen wollten. Also die perfekte Werbekampagne für einen Horrorfilm, um ihn erfolgreich zu machen. 

    Charles E. Sellier Jr. folgt mit STILLE NACHT – HORROR NACHT der Tradition des Slasherkinos und setzt ein Kindheitstrauma voran, um einen Grund für das Handeln des Killers zu liefern. Und so darf in den Anfangsminuten gleich ein Räuber im Weihnachtsmannkostüm einen Ladenbesitzer und die Eltern des kleinen Billys ermorden, damit man direkt in weihnachtliche Stimmung kommt. Dass Billys Mutter vorher vom Mörder noch sexuell bedrängt wird, wird später noch mal wichtig, denn der Junge muss die Tat schließlich mitansehen. Nach diesem recht deftigen Anfang geht es weiter mit dem zweiten Billy-Darsteller, der seit der Ermordung seiner Eltern in einem Kinderheim aufwächst, wo er von strengen Nonnen erzogen wird, die ihn schlagen und ans Bett fixieren. Der Schaden ist vorprogrammiert. Es kommt zu einem weiteren Zeitsprung, der einen jugendlichen Billy hervorbringt, der seinen ersten Job antritt. Der Chef des Spielzeuggeschäftes ist begeistert von dem fleißigen Billy, doch als er ihn bittet, den Weihnachtsmann zu spielen, setzt endlich das ein, worauf man hier so lange gewartet hat: Billy wird zum Killer, als er das Liebesspiel seiner Arbeitskollegen auf einer Weihnachtsfeier beobachtet. Ab dem Punkt killt sich Billy mit sämtlichen Waffen durch den Film, und das nicht zu knapp. In Sachen Gore wird hier einiges geboten. Billy köpft mit einer Axt, schießt mit einem Bogen, schlägt mit einem Hammer den Kopf seines Bosses ein und spießt eine Frau (passend: Linnea Quigley) auf einem Hirschgeweih auf. Das und vieles mehr bietet STILLE NACHT – HORROR NACHT. 

    Leider gibt es auch deutliche Schwächen zu verzeichnen. Der erwachsene Billy wird von Robert Brian Wilson dargestellt, dem es an darstellerischer Leistung mangelt. Wie ein hohler Körper bewegt er sich durch die Sets und bringt sich lediglich dann ein, wenn er seinen nächsten Mord verübt. Mehr als Flashbacks, die den Mord an seinen Eltern zeigen, bekommt man nicht. Trotz ein paar atmosphärischen Szenen ist STILLE NACHT – HORROR NACHT insgesamt kein besonders schöner Film. Mir hat es hier immer an Charakter gefehlt, was vermutlich an der komplett unsympathischen Besetzung liegt. 

    STILLE NACHT – HORROR NACHT ist ein solider Festtags-Slasher, der seine mangelhaften Figuren durch seine garstigen Morde ausgleichen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • 106. Die Zärtlichkeit der Wölfe (1973)

    DIE ZÄRTLICHKEIT DER WÖLFE (1973)

    Deutschland, 1973
    Regie: Ulli Lommel

    Und wieder mal heißt es True Crime bei Antenne Traumstadt, wo es diesmal um Fritz Haarmann geht.

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen über die Fassbinder-Produktion DIE ZÄRTLICHKEIT DER WÖLFE, in der Kurt Raab in die Rolle des Serienmörders Fritz Haarmann schlüpft.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Hellgate, 1989 – ★★½

    Hellgate, 1989 – ★★½

    HELLGATE
    (Südafrika, USA, 1989, Regie: William A. Levey)

    Der Geist einer in den 50er-Jahren vergewaltigten und getöteten Frau irrt ruhelos durch die verlassene Westernstadt „Hellgate“. Ausgerechnet in diese Stadt verirrt sich eine Gruppe junger Leute, die sich bald mit den Mächten der Finsternis konfrontiert sehen.  

    Regisseur William A. Levey (BLACKENSTEIN, 1973) fährt hier ganz viel Horror-Kitsch auf, der immer zwischen annehmbar und schlecht hin- und herpendelt. Zu einer Handvoll Gore gibt es einige nette und vor allem krude Einfälle, wie z.B. einen Monstergoldfisch oder eine untote Schildkröte. Dazu präsentiert Levey eine richtig atmosphärische Westernstadt, die von Zombies bewohnt wird und an die ein Jahr zuvor entstandene Empire-Produktion GHOST TOWN erinnert. Die Effekte sind billig, besitzen aber einen liebevollen Charme. So gering wie das Budget war, so gering ist auch das schauspielerische Talent der Darsteller, die sich hier versammeln. Aber wer würde bei solch einer Produktion schon Glanz erwarten?

    Insgesamt wirkt HELLGATE wie eine zu lang geratene Folge von TALES FROM THE CRYPT. Immer wieder wird die Inszenierung von unnötigen Szenen ausgebremst, in denen besonders die dümmlichen Darstellern zu Wort kommen. Lässt man sich von denen aber nicht allzu sehr stören, kann man immer noch passabel unterhalten werden, denn an Phantasie mangelt es hier nicht.

    (Bjoern Candidus)

  • The Ghost and the Darkness, 1996 – ★★★

    The Ghost and the Darkness, 1996 – ★★★

    DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT
    (THE GHOST AND THE DARKNESS, Deutschland, USA, 1996, Regie: Stephen Hopkins)

    Stephen Hopkins hat sich hier dem Buch „Die Menschenfresser von Tsavo“ (1907) angenommen, was der britische Soldat, Jäger und Ingenieur John Henry Patterson über seine Erlebnisse mit zwei äußerst gefräßigen Löwen in Afrika schrieb. Patterson wurde 1898 vom britischen Empire nach Afrika geschickt, um den Bau einer Brücke zu überwachen. Des nächtens wurde das Lager der Arbeiter immer wieder von zwei Löwen angegriffen, die die Arbeiter aus ihren Zelten zogen, verschleppten und fraßen. 

    In DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT schlüpft Val Kilmer in die Rolle von John Henry Patterson, der eine durchaus ordentliche Figur macht und gut zum afrikanischen Setting passt, zumindest als Dekoration. Leider konnte man es sich nicht verkneifen, der Figur des Patterson noch einen weiteren Jäger an die Seite zu stellen, der rein fiktiv ist. In dem Fall ist es Michael Douglas als Charles Remington. Wie gerne ich Douglas auch sehe, aber als Wildjäger hat er für mich überhaupt nicht funktioniert. Als langhaariger Laberkopf mit Hut und Gewehr wirkt er befremdlich und fürchterlich kostümiert. Er hätte lieber nur der Produzent des Filmes bleiben sollen. Egal, Kilmer wirkt dadurch nur noch besser, und der hat ja noch den Afrikaner Samuel (John Kani) an seiner Seite, von dem allerdings auch nicht viel Aktion kommt, außer Angst zu zeigen. 

    Rein visuell ist DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT sehr schön geraten. Vilmos Zsigmond hat die sonnendurchflutete Savanne von Kenia prächtig eingefangen. Neben den beiden Löwen, die nur in wenigen kurzen Momenten am Rechner entstanden sind, bekommt man Gnus, Giraffen, Hyänen und Nilpferde zu sehen, die die reizende Natur durchstreifen. Die Löwen sind sehr bedrohlich in Szene gesetzt und liefern überzeugende Angriffe, die durch schnelle Schnitte unterstützt wurden. Trotz meiner Liebe für Jerry Goldsmith konnte mich der Herr mit seinem Score diesmal überhaupt nicht abholen. Als klingt zu glatt, zu kalt, zu heroisch, zu typisch 90er für meine Ohren. 

    DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT ist ein handwerklich gelungenes Action-Abenteuer-Drama mit Tierhorror-Elementen und einer dichten Atmosphäre, was mich allerdings inhaltlich völlig kaltgelassen hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Major Dundee, 1965 – ★★★

    Major Dundee, 1965 – ★★★

    SIERRA CHARRIBA
    (MAJOR DUNDEE, USA, 1965, Regie: Sam Peckinpah)

    Nachdem eine Kavallerie Südstaatler auf einer Ranch Opfer von Apachen wird, plant der wegen Fehlverhalten versetzte Major Dundee einen Rachefeldzug in Eigenregie. Er stellt eine Truppe Männer zusammen, die nicht nur aus den eigenen Reihen stammen, sondern auch aus denen der Nordstaatler, um den brutalen Sierra Charriba und seinen Stamm auszulöschen. Es beginnt eine Verfolgungsjagd durch die Weiten Mexikos, angetrieben von Hass. 

    Sam Peckinpahs dritter Western ist eine etwas sperrige Angelegenheit, die den wunderschönen, eher positiv durchstrahlten SACRAMENTO (1962) schnell vergessen lässt. SIERRA CHARRIBA ist dagegen düster, dreckig und gewalttätig, was er bereits zu Beginn deutlich demonstriert, wenn die Apachen von ihrem Massaker an der Ranch abziehen, was einer ganzen Kavallerie von Südstaatlern das Leben gekostet hat. Die Rechnung wird sofort vorbereitet, und wer könnte das besser als Charlton Heston? Okay, da gäbe es schon andere, aber Heston macht hier das, was er am besten kann: griesgrämig und kampfbereit sein, und das stets mit schlechter Laune. Nicht nur Heston macht als Major Dundee einen ordentlichen Job, auch mit Richard Harris, James Coburn, Mario Adorf, Ben Johnson und R. G. Armstrong wird man gut bedient. Die beinah einzige weibliche Rolle ist an Senta Berger gegangen, die hier allerdings kaum Eindruck erweckt. 

    Die erste Hälfte von SIERRA CHARRIBA besticht durch Spannungen zwischen den Fronten, denn schließlich arbeiten hier Süd- wie Nordstaaten-Soldaten zusammen, um gegen einen, bzw. mehrere gemeinsame Feinde zu kämpfen: gegen den Apachen-Stamm von Sierra Charriba und gegen Mexikaner und einer Garnison französischer Soldaten, die ihnen auf der Verfolgung begegnen. 

    Peckinpah sind die die Charakterzeichnungen durchaus gelungen und besonders der Konflikt zwischen Major Dundee und seinem früheren Freund Tyreen (Richard Harris), der die Fronten gewechselt hat und nun als Captain der Nordstaaten dient, ist durchaus spannend. Doch mit zunehmender Laufzeit verlieren sich die Spannungen etwas und man steuert einem Finale zu, was den langen Weg dahin kaum ausgleicht. Es kommt immer wieder zu Längen, die SIERRA CHARRIBA unnötig ausdehnen. Andererseits hat man so noch länger etwas von der wunderschönen Naturkulisse Mexikos, die von Kameramann Sam Leavitt eindrücklich fotografiert wurde. Riesige Kakteen, gigantischen Felsmassive, Flüsse, Seen, Wälder und die ewige Weite der Prärie warten auf einen und entschädigen jeden zähen Moment. 

    SIERRA CHARRIBA ist historisch durchaus interessant und verzichtet auf Western-Romantik und Heldentum. Dass das Ergebnis am Ende etwas unausgegoren ist, ist nicht Peckinpahs Schuld, sondern die des Studios, das die ursprüngliche Schnittfassung verändert und stark gekürzt hat. 

    Starke Schauspieler, große Bilder und historische Bezüge können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass SIERRA CHARRIBA mit fortschreitender Laufzeit immer mehr die Luft ausgeht.  

    (Bjoern Candidus)

  • White Dog, 1982 – ★★★★½

    White Dog, 1982 – ★★★★½

    DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS
    (WHITE DOG, USA, 1982, Regie: Samuel Fuller)

    Die junge Schauspielerin Julie fährt versehentlich einen weißen Schäferhund an. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, bezahlt die Rechnung für die Untersuchung und nimmt ihn mit zu sich. Doch Julie ahnt nicht, was in dem Hund vorgeht, der von seinem vorherigen Besitzer abgerichtet wurde, um eine spezielle Personengruppe anzugreifen und zu töten.    

    Samuel Fuller hat mit DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS ein außergewöhnliches Antirassismus-Drama geschaffen, was auf einer Story des französischen Autors Romain Gary basiert. 

    Fuller geht sehr geschickt vor und lässt den Hund am Anfang in das Herz des Zuschauers. Der arme Hund wird schließlich von Julie Sawyer angefahren, die ihn mit zu sich nach Hause nimmt, da er sonst in einem Tierheim getötet werden würde, wenn sich der Besitzer nicht meldet. Schnell kommt der Hund als Retter zum Einsatz, wenn Julie von einem weißen Mann in ihrem Haus überfallen wird. Der vierbeinige Darsteller geht also erst mal als Held durch. Doch es dauert nicht lange, bis man die Schattenseite des Hundes erlebt. 

    Die Idee, einen Hund zu einem rassistischen Hund abzurichten, der jeden dunkelhäutigen Menschen sofort anfällt und zerfleischt, wenn er ihn erblickt, ist extrem widerlich und leider keine Fiktion. Dass Julie den Hund trotzdem retten will, in dem sie die Hoffnung auf eine Umerziehung legt, zeigt die tiefe Verbundenheit, die wir in der Regel zu Tieren aufbauen können. Und diesen schneeweißen Schäferhund in sein Herz zu schließen, ist keine Kunst. Und so hält Julie (sehr sympathisch dargestellt von Kristy McNichol) weiter zu dem Hund und findet schließlich jemanden, der sich der Umerziehung annehmen will, und zwar ein dunkelhäutiger Mann namens Keys. Keys wird von Paul Winfield verkörpert, der sehr überzeugend spielt. Zwischen ihm und dem Hund kommt es zu spannenden Szenen, in denen sehr viel über Blickkontakte läuft. Überhaupt kommt DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS ohne große Worte aus, denn die Bilder erzählen genug, ohne das Rassismus-Thema zu zerreden. Fuller liefert ein paar harte Momente, wenn der Hund Menschen anfällt und schließlich tötet, zum Beispiel auch in einer Kirche, die ein Mann zur Zuflucht nutzt. In der zweiten Hälfte konzentriert sich das Geschehen dann in erster Linie auf die Hundeschule, in der der weiße Hund hinter Gittern lebt, um von Keyes gebrochen zu werden. Musikalisch wird das ganze von Ennio Morricone begleitet. 

    DER WEISSE HUND VON BEVERLY HILLS ist ein spannender und faszinierender Film zu einem zeitlosen Thema.

    (Bjoern Candidus)

  • My Dear Killer, 1972 – ★★★★

    My Dear Killer, 1972 – ★★★★

    MY DEAR KILLER
    (MIO CARO ASSASSINO, Italien, Spanien, 1972, Regie: Tonino Valerii)

    Inspektor Peretti ermittelt in einem ominösen Mordfall, in dem ein Mann enthauptet wurde. Er tappt im Dunkeln, bis weitere Morde geschehen, die im Zusammenhang mit einer zurückliegenden Kindesentführung stehen. Plötzlich bekommt es Peretti mit einer ganzen Auswahl von Tatverdächtigen zu tun.

    Wenn ein Giallo mit der Enthauptung eines Mannes mittels Baggerschaufel eröffnet wird, scheint das Feingefühl erst mal abgeschaltet zu sein. Getoppt wird die Garstigkeit später mit einem äußerst blutigen Mord, bei dem eine Handkreissäge zu Einsatz kommt. Trotz dieser Grobschlächtigkeit, verlässt sich Regisseur Tonino Valerii (MEIN NAME IST NOBODY, 1973) nicht auf explizite Gewalt-Szenen, sondern setzt auf die Figuren, eine spannende Ermittlungsarbeit und Atmosphäre. 

    Der wunderbare George Hilton schlüpft hier in die Rolle des Inspektor Luca Peretti, der sich um eine Mordserie kümmern muss, was er mit fleißiger Ermittlungsarbeit tut. Hilton macht dabei eine hervorragende Figur, der man gerne folgt. Hier ist es eben kein Zeuge oder ein Außenstehender, der einen Fall lösen muss, sondern direkt die Polizei. Neben seinem Herzblatt Paola, die von Patty Shepard verkörpert wird, tauchen hier einige verdächtige Herrschaften auf, die dem Italofilm-Fan bekannt sein dürften, wie z.B. William Berger und Piero Lulli. Viele Figuren durchziehen die Geschichte, die teilweise in Rückblicken erzählt wird, was die Inszenierung zusätzlich belebt. Immer wieder setzt Valerii geschickte Spannungs-Sequenzen ein, in denen er den Killer aus seiner Ego-Perspektive zeigt oder lediglich seine schwarzen Lederhandschuhe zur Schau stellt. Die Identität des Killers bleibt bis zum gelungenen Finale geheim. 

    MY DEAR KILLER ist reich an schönen Schauplätzen, drinnen wie draußen. Besonders die Tageslichtaufnahmen im Umland von Rom wurden phantastisch von Kameramann Manuel Rojas fotografiert. Insgesamt ist die Inszenierung sehr edel geraten, und es ist erneut Ennio Morricone, der dem Ganzen den letzten Schliff verpasst und verträumte wie höchst spannende Klänge abgeliefert hat. 

    MY DEAR KILLER ist ein packender, visuell sehr reizender Giallo mit Poliziottesco-Tendenz, der eine recht komplexe Geschichte mit starken Darstellern bietet. Ein paar Längen sind dennoch nicht zu übersehen. Wer Gialli wie DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970) und THE CHILD (1972) mag, sollte hier einen Blick riskieren. 

    (Bjoern Candidus)

  • Women in Cages, 1971 – ★★★½

    Women in Cages, 1971 – ★★★½

    FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN
    (WOMEN IN CAGES, Philippinen, USA, 1971, Regie: Gerardo de Leo)

    FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN startet auf einem riesigen Schiff mit Namen „Zulu Queen“, dem größten Bordell auf dem Meer, was von Mädchen- und Drogenhändlern unterhalten wird. Dieser Ort wird Carol zum Verhängnis, denn ihr Freund Rudy steckt ihr kurz vor einer Razzia Heroin in die Tasche, was sie schließlich hinter Gitter bringt. Sie landet in einem philippinischen Frauengefängnis unter der Leitung der strengen Alabama, die für Zucht und Ordnung sorgt und nicht vor Folter zurückschreckt. Doch Alabama ist nicht das einzige Problem von Carol, denn auch eine ihrer Zellengenossinnen will ihr ans Leder.

    Nachdem Jess Franco 1969 mit DER HEISSE TOD einen wichtigen Grundstein für den Frauengefängnisfilm (WIP) legte, folgten viele weitere Vertreter, die nicht selten in Europa produziert wurden. Anders war es bei THE BIG DOLL HOUSE (1971) von Jack Hill und dem folgenden FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN, die beide thailändische-us-amerikanische Co-Produktionen sind. Der Erfolg von Hills Film, der u.a. von Roger Corman produziert wurde, ließ die WIP-Welle noch höher schlagen. 

    Gerardo de Leo hatte das Glück, einige der Darsteller aus THE BIG DOLL HOUSE einsetzen zu können, u.a. Pam Grier, die hier selbst in die Rolle der Gefängnisoberaufseherin schlüpfen durfte. Und das hat ihr sichtlich Spaß gemacht, denn als Alabama, lässt sie sich zu sadistischen Folterungen an Gefangenen hinreißen oder benutzt sie für sexuelle Spielchen. Sie hat auch eine Rechtfertigung parat: Die Misshandlungen an ihrer Person, als sie noch in den USA lebte. 

    FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN liefert nicht nur sadistische Folter-Szenen und nacktes Fleisch, sondern ist auch handwerklich ordentlich in Szene gesetzt. Gedreht wurde auf den Philippinen, wo man sich erst mal von dem dreckigen Gefängnis überzeugen kann, bevor man die wunderschöne Natur erblicken darf. 

    FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN ist ein handfester WIP-Exploitationfilm, der keine Zutaten dieser Gattung vermissen lässt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Missile to the Moon, 1958 – ★★★

    Missile to the Moon, 1958 – ★★★

    DIE BESTIE DES GRAUENS
    (MISSILE TO THE MOON, USA, 1958, Regie: Richard E. Cunha)

    Ein als Raketenwissenschaftler getarnte Außerirdischer will mit seiner Privat-Rakete zurück zum Mond. Ein Tag vor dem Start ins All entkommen zwei Häftlinge aus dem Gefängnis. Als sich die beiden in Greens Rakete verstecken, sperrt sie der Wissenschaftler ein und bietet ihnen an, sie als Helfer mit zum Mond zu nehmen, statt an die Polizei zu verraten. Sie willigen ein und begleiten Green auf seine Reise. Doch sie haben zwei „blinde“ Passagiere an Bord: Greens Mitarbeiter und seine Verlobte.

    Abenteuerreisen mit Weltraumraketen gehörten in den 50er-Jahren zum guten Ton des US-Kinos. Das Budget, was solche Produktionen in der Regel zur Verfügung hatten, war hier auch nicht großzügiger (ca. 65.000$), was man zu jeder Zeit sehen kann. Rückprojektionen, Pappkulissen und billige Monsterkostüme stehen auf dem Plan dieses reichlich naiven Science-Fiction-Abenteuers. 

    Die Geschichte um den humanoiden Außerirdischen, der mit seiner Privatrakete zurück zum Mond will und dafür zwei geflohene Häftlinge mitnimmt, ist zumindest so haarsträubend, dass ich Richard E. Cunhas konsequente Art der Umsetzung durchaus lobenswert finde. Das Motto „Aus Nichts was machen“ ging hier definitiv auf, wie bei Ed Wood auch. Ich erfreue mich auch, wenn ich wacklige Kulissen und Menschen in Gummimonsterkostümen sehen darf. Im Fall von DIE BESTIE DES GRAUENS darf man sich auf Gummisteinmonster freuen, die tölpelhaft durch eine (echte!) Felslandschaft stampfen. Nicht viel beängstigender, aber weitaus amüsanter sieht die riesige Mondmonsterspinne aus. Am meisten Probleme bereiten sich aber die Menschen untereinander und die Mondfrauen, die in ihren Gewändern Erinnerungen an das Römische Reich erwecken. 

    DIE BESTIE DES GRAUENS ist ein charmantes Scifi-Abenteuer mit billigen Tricks, in dem keine Langeweile, aber auch keine Spannung aufkommt.   

    (Bjoern Candidus)