Autor: marco-fritz

  • The Man Who Changed His Mind, 1936 – ★★★★

    The Man Who Changed His Mind, 1936 – ★★★★

    DER MANN, DER SEIN GEHIRN AUSTAUSCHTE
    (THE MAN WHO CHANGED HIS MIND, GB, 1936, Regie: Robert Stevenson)

    Der geniale Gehirnforscher Dr. Laurience steht kurz vor seinem Durchbruch. Er will die Erinnerungen und das Wissen eines Menschen in das Gehirn eines anderen übertragen. Doch seine Kollegen und sein Geldgeber glauben nicht an seine Wissenschaft. Dann gelingt es ihm, den Geist seines schwerkranken Mitarbeiters Clayton in den Körper seines Geldgebers Lord Haslewood zu übertragen, um schließlich selbst in den Körper von Haslewoods Sohn schlüpfen zu können. 

    Fünf Jahre nach Boris Karloffs Auftritt als Monster in FRANKENSTEIN (1931), schlüpft er selbst in die Rolle eines Wissenschaftlers, um die Welt zu verändern. Sein Ich vom Körper zu lösen, um es in einen anderen Körper zu übertragen, bevor der eigene stirbt, ist ein interessanter Gedanke, der uns gerade im digitalen Zeitalter beschäftigt. Digital geht es hier natürlich nicht zu, und wie die Vorgänge nun genau ablaufen, wird auch nicht wirklich erklärt, aber Dr. Laurience hat eine Maschine, die irgendwas macht, und das reicht vollkommen aus, wenn das Ergebnis ein Erfolg wird. 

    Regisseur Robert Stevenson sorgt in DER MANN, DER SEIN GEHIRN AUSTAUSCHTE für eine wohlige Gruselatmosphäre, die bereits mit einer obligatorischen Kutschfahrt durch eine neblige Nacht zu einem finsteren Herrenhaus startet. Das Haus wird natürlich von Dr. Laurience und seinem im Rollstuhl gefesselten Mitarbeiter Clayton (Donald Calthrop) beseelt. Hier konzentriert sich die Inszenierung vor allem auf das Labor und die Experimente, die in ihm stattfinden. Unter anderem wird man Zeuge davon, wie einem Schimpansen, die Gedanken eines anderen Schimpansen eingeflößt werden. Besonders viel zu sehen gibt es dabei nicht; DER MANN, DER SEIN GEHIRN AUSTAUSCHTE konzentriert sich vor allem auf die Figuren statt auf Effekte. Monster gibt es hier keine, deshalb müssen Menschen herhalten. Das Schauspiel der beiden grimmigen Figuren, Dr. Laurience und Clayton, ist gelungen und bringt sogar ein etwas bissigen Humor mit rein, der ganz gut zum Ton des Films passt. Die Darsteller sind durch die Bank ansprechend und gleichen den Mangel an Effekten aus. 

    DER MANN, DER SEIN GEHIRN AUSTAUSCHTE ist ein gelungener Mad-Scientist-Horrorfilm, der seine gerade mal 66 Minuten Spielzeit mit einer interessanten Geschichte und guten Darstellern ausfüllt.  

    (Bjoern Candidus)

  • The Awakening, 1980 – ★★

    The Awakening, 1980 – ★★

    DAS ERWACHEN DER SPHINX
    (THE AWAKENING, GB, 1980, Regie: Mike Newell)

    Bei Ausgrabungen in Ägypten öffnet der Archäologe Matthew Corbeck das Grab der Pharaonin Kara. Dabei erwacht der böse Geist von Kara, die vor 3800 Jahren für ihre Grausamkeiten gefürchtet war. Schließlich fährt Karas Geist in Corbecks Baby, was gerade zur Welt gekommen ist. 17 Jahre später entfaltet sich der Fluch Karas und bringt Unheil über die Corbecks.

    Der Mumien-Horrorfilm ist bis heute recht überschaubar, trotz erfolgreicher Kinofilme wie DIE MUMIE (1999). Mike Newell kombiniert mit DAS ERWACHEN DER SPHINX die damals angesagten Themen des Abenteuer- und des Okkult-Horrorfilms. Die Geschichte basiert auf Bram Stokers Vorlage „The Jewel of Seven Stars“ (1903), die bereits 1971 als DAS GRAB DER BLUTIGEN MUMIE adaptiert wurde. In eine ähnliche Kerbe schlug auch Lucio Fulci mit AMULETT DES BÖSEN (1982), der weitaus unterhaltsamer ist als DAS ERWACHEN DER SPHINX. 

    Anfänglich macht Newells Inszenierung einen guten Eindruck. Der Wüstenschauplatz, der im Horror-Genre kaum ausgereizt wurde, macht Spaß und erinnert an DER EXORZIST (1973) und HOLOCAUST 2000 (1977). Eine mystische Aura liegt über den Bildern, die durch den Score von Claude Bolling verstärkt wird. Doch der positive Eindruck wird getrübt, wenn Charlton Heston das Spielfeld betritt und auf den Spuren des alte Ägyptens zu wandeln. Nicht, dass Charlton Heston je eine sympathische Ausstrahlung gehabt hätte, aber hier läuft er wirklich komplett neben der Spur und reißt als Archäologe Matthew Corbeck alles mit runter. Leider bringen auch Susannah York, Jill Townsend und Ian McDiarmid nicht mehr Leben in DAS ERWACHEN DER SPHINX. Alles und jeder wirkt deprimiert oder fehlplatziert.

    Nach den ersten 25 Minuten, die trotz schöner Bilder vor sich hin plätschern, kommt ein wenig mehr Leben in den Film, wenn es einen Zeitsprung gibt und die Geschichte nach London verlagert wird. Spannender wird Newells Film dann allerdings auch nicht. Es gibt immer wieder ein paar atmosphärische Bilder und den ein oder anderen Horror-Effekt, aber es ist das ständige Geschwätz, was die Inszenierung immer wieder ausbremst. 

    DAS ERWACHEN DER SPHINX ist ein zäher Mumien-Horrorfilm mit übellaunigen Figuren, der sich selbst im Weg steht. Schade, denn Potential wäre durchaus vorhanden gewesen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Batman & Robin, 1997 – ★★

    Batman & Robin, 1997 – ★★

    BATMAN & ROBIN
    (GB, USA, 1997, Regie: Joel Schumacher)

    In Gotham City wird es kalt und giftig, denn Mr. Freez und Poison Ivy treten auf den Plan, um die Stadt zu unterjochen. Doch Batman und Robin sind zur Stelle, um erneut die Bewohner der Stadt zu beschützen. Aber diesmal bekommen die beiden größere Schwierigkeiten, als sie dachten, und so tritt Batgirl auf den Plan, um die beiden zu unterstützen.

    Wer dachte, es könnte nach BATMAN FOREVER (1995) nicht schlimmer kommen, hat BATMAN & ROBIN nicht gesehen. Erneut nahm Joel Schumacher auf dem Regiestuhl platzt, der leider aus seinem Vorgänger-Debakel nichts gelernt hat. Aber das musste er auch nicht, denn BATMAN FOREVER schlug sich höchst erfolgreich an den Kinokassen. Schumacher setzt seinen Stil fort, aber verwandelt Gotham City und seine Bewohner in einen noch grelleren Zirkus, der sich noch mehr anfühlt, als wollte man die Batman-Serie aus den 60er-Jahren fortsetzen. Platte Action und dumme Sprüche durchziehen die Inszenierung, die von Minute zu Minute immer mehr entgleist. Die grellen Farben, die bizarren, wenn auch höchst kitschigen Kulissen und die Kostüme sind gar nicht das Problemen. Das Set-Design hat mir hier sogar insgesamt besser gefallen als im Vorgänger. Das Hauptproblem ist die Besetzung. Ich war nie ein Freund von George Clooney und werde es wohl auch nie, aber als Bruce Wayne / Batman ist er einfach nur zum Davonlaufen. Clooney ist steif, hölzern und liefert nicht mehr Tiefe als Chris O’Donnell, der leider wieder als Robin am Start ist. Da kommt Alicia Silverstone als Batgirl gerade recht, denn die hat die gleichen Probleme. Die Schurkenplätze belegen diesmal Uma Thurman als Poison Ivy und Arnold Schwarzenegger als Mr. Freez. Thurman ist eigentlich immer gut. Sie verzaubert jeden Raum, den sie betritt, und als Poison Ivy bringt sie zumindest einen unwiderstehlichen Anreiz in die Inszenierung, die allerdings ständig durch einen tölpelhaft spielenden Arnold Schwarzenegger gestört wird, da die beiden als Team auftreten. Immerhin ist der Anzug von Mr. Freez ziemlich cool (Ha Ha Ha!). Und dann ist da noch Bane, der von dem Wrestler und Stuntman Jeep Swenson verkörpert wird. Bane darf man sich als muskulösen Dummbatz vorstellen, der lediglich dazu da ist, Wände einzureißen. Zum letzten Mal haben sich Michael Gough als Alfred und Pat Hingle als Commissioner James Gordon herüberretten können. Elliot Goldenthal hat erneut einen soliden Score abgeliefert, der zu den bodenständigsten Elementen des Films zählt.

    BATMAN & ROBIN ist eine fürchterlich laute, nervige und lächerliche Angelegenheit, die bis auf das Set-Design und die schrillen Kostüme rein gar nichts Positives zu bieten hat, abgesehen von Uma Thurman.  

    (Bjoern Candidus)

  • Batman Forever, 1995 – ★★½

    Batman Forever, 1995 – ★★½

    BATMAN FOREVER
    (USA, 1995, Regie: Joel Schumacher) 

    Gotham City kommt nicht zu Ruhe. Erst überfällt Two-Face mit seiner Gang eine Bank, dann taucht der rätselaffine Riddler auf, um die Bewohner der Stadt zu terrorisieren. Das ruft Batman auf den Plan, der diesmal Unterstützung von seinem neuen Helferlein Robin bekommt.  

    Das erste, was man machen sollte, bevor man sich diesem Film widmet: die Vorstellung über Bord werfen, nach BATMAN (1989) und BATMANS RÜCKKEHR (1992) einen weiteren starken Batman-Film zu bekommen. Burtons finsteres Gotham City gehört der Vergangenheit an und weicht einer grellen, allglatten Kulisse, die auch hässliche 90er-Jahre-CGI-Effekte zeigt, auf die man in BATMANS RÜCKKEHR noch verzichtet hat. Der bunte Anstrich nähert sich zumindest dem Charme eines Batman-Comics und rückt die Inszenierung näher an die Batman-Serie aus den 60er-Jahren. 

    Burton hat für BATMAN FOREVER Platz gemacht und Joel Schumacher den Regiestuhl überlassen, und das zeigt sich mit jeder Sekunde, die der Film läuft. Dass der Stil des Films ein völlig anderer ist, hat mich überhaupt nicht gestört, denn gerade das Batman-Universum lässt sich wunderbar variieren oder alternativ erzählen. Dennoch ist der Kontrast zwischen Burton und Schumacher so hart, dass nicht mal Michael Gough als Alfred und Pat Hingle als Commissioner James Gordon eine Verbindung zu den Vorgängern aufbauen können. Neben dem neuen Anstrich von Gotham City ist das Fehlen von Michael Keaton als Batman die gröbste Veränderung. Diesmal ist es Val Kilmer, der die Rolle des Dunklen Ritters bekleidet. Vom Typ her ist Kilmer ein völlig anderer und die charmante, leicht geheimnisvolle Art eines Michael Keaton bringt er nicht mit. Dafür funktioniert er als Hau-drauf-Batman, der mit seinem neuen Anzug auf jeden Fall was hermacht. Viel störender ist hingegen Chris O’Donnell als Robin, der völlig flach und hohlköpfig neben Batman verkommt. Zumindest konnte man ihn für die Action-Szenen benutzen, von denen es hier ohne Ende gibt. Denn wo Burton dezent bleibt, haut Schumacher raus. Leider hat er diese Energie nicht in vernünftige Charakterzeichnungen gesteckt, worunter vor allem die Antagonisten leiden. Ich kann mich kaum entscheiden, ob ich nun Tommy Lee Wallace als Two-Face lächerlicher finden soll oder Jim Carrey als Riddler. Sie sind zwar optisch näher an den Comics dran, doch sind sie derart überzeichnet, dass mir schnell der Spaß komplett vergangen ist. Burton hat seinen Figuren Tiefe und Form verpasst, Schumacher hat hingegen nur leere Formen geschaffen, die allenfalls das Potenzial hatten, mich gewaltig zu nerven. Nebenbei gesellen sich noch Nicole Kidman, Drew Barrymore und Rene Auberjonois hinzu, die den Karren allerdings auch nicht aus dem Dreck ziehen können. Der Score von Elliot Goldenthal ist hingegen soweit okay.  

    BATMAN FOREVER ist laut, bunt, actionreich, flach, arm an Charakterzeichnungen und kommt ohne Spannung und einer packenden Geschichte daher. Am Ende ist es lediglich die Ausstattung, die mich hier noch ein bisschen befriedigen konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Golden Glove, 2019 – ★★★★½

    The Golden Glove, 2019 – ★★★★½

    DER GOLDENE HANDSCHUH (Deutschland, Frankreich, 2019, Regie: Fatih Akin)

    Fritz Honka lebt in einer kleinen Wohnung in Hamburg-St. Pauli. Er ist nicht nur gezeichnet durch sein missgestaltetes Gesicht, sondern auch von der Alkoholsucht, die ihn fast täglich in die Kneipe „Der goldene Handschuh“ lockt. Von dort aus nimmt er sich immer wieder besoffene Frauen mit nach Hause, die er anschließend vergewaltigt und im schlimmsten Fall ermordet. 

    Selten hat mich ein deutscher Film aus dem 21. Jahrhundert derart überzeugen können wie DER GOLDENE HANDSCHUH. Genau genommen ist es eine deutsch-französische Produktion. Fatih Akin hat hier auf überaus erstaunliche Art Heinz Strunks Roman über den Hamburger Frauenmörder Fritz Honka verfilmt und dabei nichts ausgespart, um den Zuschauer zu schonen. Akin lässt den Honka von der Leine, und der handelt so kompromisslos, dass ich es kaum glauben konnte. Genau, wie es Strunk verstanden hat, den Gestank in Honks Wohnung so zu beschreiben, dass man ihn beim lesen fast riechen kann, schafft es Akin durch die Bilder. Honkas Wohnung ist die Vorhölle, bewacht von einem geistesschwachen, versoffenen Psychopathen, der die komplette Kontrolle über sich und sein Leben verloren hat. Leichengeruch übertüncht mit dem Geruch von zahlreichen Duftbäumen liegt in der Luft, was Fritz offensichtlich nichts ausmacht, und den Frauen erzählt er einfach, dass es der Geruch vom Essen der Griechen sei, die eine Etage tiefer wohnen. 

    Die Rekonstruktion der Wohnung ist ebenso gelungen wie die der legendären Kneipe „Der goldene Handschuh“. Aber nicht nur die 70er-Jahre Ausstattung weiß zu überzeugen, sondern auch die kaputten, versoffenen Charaktere, die die Kneipe beseelen und mit ihren ekelhaften Fratzen im Sekundentakt Sprüche herauskotzen. Die Besetzung ist wirklich vorzüglich, allen voran natürlich Jonas Dassler als Fritz Honka, der eine ganz phantastische Leistung abgibt. Das Make-up ist zwar teilweise etwas zu gut gemeint, aber insgesamt ist das Erscheinungsbild ziemlich eindrücklich und ergänzt Dasslers starke Performance. Wer hier auch immer im Bilder ist, er ist perfekt gecastet und scheint mit Leichtigkeit in seine Rolle gefallen zu sein. Vor allem die vom Alkohol gezeichneten Frauen, die Honka zum Opfer fallen, sind absolut authentisch. Hat man sich gerade noch an deren versifftes Erscheinungsbild gewöhnt, holt Akin aus und schlägt einem mit voller grafischer Wucht Honkas Brutalitäten entgegen, die mir schon beim lesen fast auf den Magen geschlagen sind. Minutiös werden Honkas sexuellen und gewalttätigen Übergriffe gezeigt, die in qualvollen Morden enden. So einen Stoff erlebt man im deutschsprachigen Kino nicht alle Tage.

    DER GOLDENE HANDSCHUH ist ein Schlag in die Magengrube, der trotz seiner vielen widerwärtigen Momente auch so bizarr ist, dass man das Lachen nicht verlieren muss, auch wenn es einem manchmal im Halse stecken bleibt. Die Tiefe der Vorlage hat Akin allerdings nicht ganz getroffen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Contraband, 1980 – ★★★★½

    Contraband, 1980 – ★★★★½

    DAS SYNDIKAT DES GRAUENS
    (LUCA IL CONTRABBANDIERE, Italien, 1980, Regie: Lucio Fulci)

    Zigarettenschmuggel gehört in Neapel bei vielen zum normalen Alltag, so auch zu dem von Luca, der damit für seine Familie Geld verdient. Doch der Marseiller, ein Drogenboss aus Frankreich, will Neapels Unterwelt beseitigen, um den Zigarettenschmuggel durch Rauschgiftschmuggel zu ersetzen. Als Lucas Bruder erschossen wird, entbrennt ein blutiger Kampf zwischen den Banden. 

    Es ist höchst beachtlich, mit welcher Kraft und Energie Lucio Fulci in kürzester Zeit nach WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) eine Granate nach der anderen gezündet hat. Auf der großen Zombiefilm-Welle ist sein Schmuggler-Rache-Thriller DAS SYNDIKAT DES GRAUENS fast etwas untergegangen und wird nur selten erwähnt, wenn es um Fulcis Gore-Eskapaden geht, was völlig unverständlich ist. Dies ist möglicherweise dem Thema geschuldet, denn schließlich konzentrierten sich Fulci und seine Kollegen gerade auf Horrorfilme, statt auf Mafia- und Schmuggler-Themen, die zu Genüge in den 70er-Jahren bearbeitet wurden. Aber Fulci wäre nicht Fulci, wenn er mit DAS SYNDIKAT DES GRAUENS einen 08/15-Thriller gedreht hätte. 

    Sein Film besticht von der ersten Minute an durch seine düstere Atmosphäre, die sich in der Eröffnungsszene auf dem Meer abspielt, wo es zu einer spannend inszenierten Verfolgung von Schmugglerbooten kommt. Musikalisch wird das Geschehen von Fabio Frizzi begleitet, der immer eine gute Idee ist. Egal, wo sich DAS SYNDIKAT DES GRAUENS aufhält, Fulci zeigt einem die dreckigen Orte und stürzt einen in ein Neapel voller Schmuggler und Killer, die sich gegenseitig an den Kragen wollen. Dafür verzichtet er auf eine innovative Geschichte, die es hier allerdings gar nicht braucht, um rundum unterhalten zu werden.

    Fulci tritt das Gaspedal durch und liefert eine Garstigkeit nach der anderen. Bombenanschläge, blutige Schießereien, die zerfetzte Körper hinterlassen, die man so selten zu Gesicht bekommt sind fast noch noch harmlos. Der Einsatz eines Bunsenbrenner am Gesicht einer Frau und eine äußerst drastische Vergewaltigung sind dann noch ganz andere Kaliber, mit denen Fulci aufwartet. Die Gewalt passiert in regelmäßigen Abständen, während man in der Zwischenzeit vielen Unterhaltungen zwischen den Schmuggler-Bossen beiwohnen darf, die nie langweilig sind und einen zu Pferderennbahnen und Nachtclubs bringen. Das liegt vor allem an der Besetzung, und da ist der grundgute Fabio Testi als Zigarettenschmuggler Luca Ajello noch der sympathischste. Fulci hat eine ganze Wagenladung von griesgrämigen Typen abgesetzt, die sich entweder gegenseitig in die Arme fallen oder sich auf der Stelle wegballern. Für Nello Pazzafini als Messerstecher hat man sich was ganz besonderes ausgedacht, denn dessen Figur darf in ein Säurebad fallen. 

    DAS SYNDIKAT DES GRAUENS ist ein wilder, höchst brutaler Trip durch die Unterwelt Neapels, in dem Fulci einem kaum Luft zum atmen lässt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Batman, 1989 – ★★★★

    Batman, 1989 – ★★★★

    BATMAN 
    (GB, USA, 1989, Regie: Tim Burton)

    Gotham City versinkt in Korruption und Gewalt. Jack Napier, ein Schurke aus Gothams Unterwelt, strebt die Machtübernahme an, doch der hat die Rechnung ohne Batman gemacht, einem geheimnisvollen Helden, des seit neustem die Stadt vor Verbrechern schützt. Es kommt zu einem Kampf zwischen Batman und Napier, bei dem der Schurke in ein Säurebecken fällt. Doch Napier ist mitnichten tot und als Joker plant er seine Rückkehr mit vernichtenden Plänen für die Bewohner der Stadt. 

    Während 1989 auf SAT.1 erstmalig die schier unglaubliche Batman-Serie aus den 60er-Jahren lief, füllten sich die Kinokassen durch den ersten Batman-Kinofilm nach BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM (1966). Dass der damals noch sehr frische Tim Burton auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte, war eine äußerst clevere Entscheidung von Warner Bros., um dem Dunklen Ritter endlich einen würdigen Auftritt auf der großen Leinwand zu spendieren.

    Tim Burton hat hier den Dunklen Ritter in ein tiefschwarzes Gotham City verfrachtet, in dem Korruption, Gewalt und Wahnsinn herrscht. Jeder Zentimeter ist auf den nächsten abgestimmt, um ein stimmiges Gesamtbild einer Stadt zu errichten, die, wie die Figuren, die in ihr leben, über die Jahrzehnte immer neu interpretiert wird. Mal glaubt man sich am Set eines expressionistischen Stummfilms zu befinden, mal ist es das Gothic-Horrorkino, was sich aufdrängt, aber am meisten ist es die bizarre Phantasiewelt, die Tim Burton und sein Team kreiert hat, was frischen Wind ins Batman-Universum bringt. Matte Paintings und aufwendige Bauten in den britischen Pinewood Studios liefern ein Set-Design zum niederknien, was sich damals wie heute großer Beliebtheit erfreut.

    Aber es ist nicht nur das Visuelle, was beeindruckt, sondern es sind die Figuren und wie sie Burton hier interpretiert. Michael Keaton ist ein sehr smarter, zielsicherer Gentleman-Bruce Wayne / Batman, weit entfernt vom Bale-Pinkel-Batman und dem Pattinson-Depriflattermann, die ich auch beide super finde. Alfred Pennyworth wird von Michael Gough verkörpert, dem die Rolle wie auf den Leib gebügelt steht, Pat Hingle hat den Part des Commissioner James Gordon bekommen. Für den Liebes-Sektor hat man auf Kim Basinger als Reporterin Vicki Vale zurückgegriffen. Doch über all denen thront natürlich der wunderbare Jack Nicholson als Joker. Nicholson legt hier mal wieder die pure Freude am Schauspiel an den Tag und dreht als Jack Napier alias der Joker mächtig am Rad. Sein bizarres Erscheinungsbild, sein zynischer Humor und sein garstiges Verhalten ist eine äußerst wirkungsvolle Weiterentwicklung von Cesar Romero, der den Joker von 1966-1968 in der BATMAN-Serie verkörperte und dem Urquell Gwynplaine aus Paul Lenis Stummfilm DER MANN, DER LACHT (1928). Am Rand tauchen noch Jack Palance als Carl Grissom und Billy Dee Williams als Harvey Dent auf, denen leider nicht allzu viel Zeit eingeräumt wurde.

    Weiß man im heutigen Blockbuster-Kino oft gar nicht, wo man als erstes hingucken soll, wird man hier noch auf sehr angenehme Art und Weise von Action, Spannung und Ideen erschlagen, auf die man sich konzentrieren kann, wie zum Beispiel auf das Design der Vehikel, mit denen sich Batman fortbewegt. Der Film steckt voller Liebe für seine Figuren und für die Welt in der sie Leben. Und hören kann man die Liebe auch, denn der Score von Danny Elfman ist zauberhaft. 

    Mit BATMAN hat Burton dem Dunklen Ritter einen ganz neuen Spielort erobert – dem Kino, wo er bis heute in unregelmäßigen Abständen vorbeiflattert und immer wieder neue Akzente setzt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Batman Returns, 1992 – ★★★★½

    Batman Returns, 1992 – ★★★★½

    BATMANS RÜCKKEHR
    (BATMAN RETURNS, GB, USA, 1992, Regie: Tim Burton)

    Es ist Weihnachten, und Gotham City bereitet sich auf das große Fest vor. Doch an anderer Stelle laufen ganz andere Vorbereitungen, denn in der Kanalisation treibt ein Schurke namens der Pinguin sein Unwesen, der die Macht über Gotham City an sich reißen will. Das ruft Batman auf den Plan, der es zusätzlich noch mit dem Großindustriellen Max Shreck und der kratzbürstigen Catwoman zu tun bekommt. 

    Nachdem Tim Burton mit seinem BATMAN (1989) für Warner Bros. viel Geld einbrachte, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung folgen sollte. Trotz der visuellen Reize und dem finstern Ton des Erstlings, war Burton selbst wenig beeindruckt von dem Ergebnis und machte die kreative Kontrolle für BATMANS RÜCKKEHR zur Voraussetzung, um erneut Regie zu führen. Nach einigen Änderungen im Skript gab es dann grünes Licht für die Rückkehr des Dunklen Ritters, dessen Cape erneut Michael Keaton umwerfen durfte.   

    Zeigte sich BATMAN schon von einer düsteren Seite mit einem garstigen Jack Nicholson als Joker, wird es mit BATMANS RÜCKKEHR noch mal schwärzer. Das liegt zum einen an den bizarren Sets und der kreativen Ausstattung, die in der Tat noch mehr die Handschrift Burtons zeigt, zum anderen an den Figuren, die insgesamt sehr viel gelungener sind als im Vorgänger. Danny DeVito präsentiert sich als Oswald Cobblepot alias der Pinguin unglaublich eindrücklich. Sein Make-up und das gesamte Kostüm ist geradezu abstoßend und erschreckend und erinnert sehr viel mehr an einen Horrorfilm als an einen Superheldenfilm. Hier ist der Pinguin wahrlich monströs und handelt auch so. Alles andere als monströs ist die gute Michelle Pfeiffer, die als Catwoman in Latex ordentlich was hermacht. Aber Pfeiffer weiß auch darstellerisch zu überzeugen, und es gibt ein paar witzige Szenen mit ihr, bevor Christopher Walken als ihr Chef Max Shreck ihr Leben beendet, was sie kurze Zeit später durch eine Horde von Katzen zurückbekommt, damit sie als Catwoman auf einen Rachefeldzug gehen kann. Wie Keaton, der erneut einen fabelhaften Bruce Wayne / Batman abgibt, kehren auch Michael Gough als Alfred und Pat Hingle als Commissioner James Gordon zurück. Darstellerisch ist man also auf hohem Niveau, was sich jeder Zeit auszahlt. Ebenfalls wieder an Bord: Danny Elfman, der die alptraumhaften Bilder untermalen durfte.  

    BATMANS RÜCKKEHR besticht durch Burtons bizarre Ästhetik, die an ein düsteres Märchen erinnert. Es ist Weihnachten, Schnee fällt und Gotham City wird von dem Pinguin und seiner Gang terrorisiert. Burton gelingt es noch mehr als im Vorgänger, ein wunderbares Gleichgewicht aus Charakterzeichnungen, Spannung, Action und Atmosphäre aufrecht zu halten, in dem die Inszenierung nie überladen wird, trotz wahnsinnig vieler Details. Wo man auch hinguckt, Burton sorgt für eine phantastische Entdeckungsreise durch sein morbides Batman-Universum, die toll fotografiert und ausgeleuchtet wurde. 

    BATMANS RÜCKKEHR gehört zu den stärksten Kino-Beiträgen des Dunklen Ritters und zu einem der schönsten und außergewöhnlichsten Blockbuster der 1990er-Jahre.

    (Bjoern Candidus)

  • Tarantula, 1955 – ★★★★½

    Tarantula, 1955 – ★★★★½

    TARANTULA
    (USA, 1955, Regie: Jack Arnold)

    Professor Deemer experimentiert in einer Kleinstadt mitten in der Wüste von Arizona an dem Wachstum von Ratten, Mäusen, Meerschweinchen und einer Vogelspinne. Als es zur einem Übergriff von einem seiner Kollegen kommt, wird das Terrarium der Spinne zerstört. Die Spinne entkommt und wird fleißig größer, bis sie zu einer Gefahr für die gesamte Gegend heranwächst.  

    Wenn ich an das Monsterkino der 50er-Jahre denke, habe ich unweigerlich eine riesige Vogelspinne vor Augen, die sich langsam über einen Hügel erhebt. Wie FORMICULA (1954) gehört auch TARANTULA zu den Entdeckungen meiner Kindheit. Filme, die mein Interesse für Monster geweckt und mich bis heute geprägt haben. Der gute Jack Arnold hat mich gleich mehrfach fasziniert, aber mit seiner Riesenspinne konnte er mein jugendliches Herz am meisten gewinnen. 

    Von der ersten Minute an stehen die Zeichen auf Unheil. Ein grauenhaft entstellter Mann kämpft sich durch eine steinige Wüstenlandschaft durch die der Wind heult. Wenig später stirbt der Mann und wirft schließlich Fragen bei dem ansässigen Arzt auf. Hier baut Arnold durchaus Spannung auf und stellt einem mit John Agar, Maria Corday, Leo G. Carroll gute, wenn auch wenig sympathische Darsteller zur Verfügung. Clint Eastwood sei höflichkeitshalber in seiner Gastrolle als Pilot eines Kampfjets auch noch erwähnt. Der Star des Films hat allerdings acht Beine. Die Spinnen-Tricks sind wirklich gut gemacht und bestehen in erster Linie aus Aufnahmen einer echten Vogelspinne die vor Rückprojektion einkopiert wurde. Hin und wieder kommt auch ein Modell zum Einsatz, was sich ebenfalls sehen lassen kann. In den Spinnen-Momenten hat Arnold sehr dichte Bilder geschaffen, die sich in die Filmgeschichte eingebrannt haben. 

    TARANTULA ist ein ausgewogener Monsterfilm mit tollen Tricks und einer unheimlichen Atmosphäre, der sich Themen wie weltweiter Lebensmittelknappheit und schlimmen Krankheiten wie Akromegalie annimmt und sie geschickt für sich nutzt.  

    (Bjoern Candidus)

  • The Cat, 1977 – ★★★½

    The Cat, 1977 – ★★★½

    DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT
    (IL GATTO, Frankreich, Italien, 1977, Regie: Luigi Comencini) 

    In Rom soll ein großes Mietshaus verkauft werden. Die Besitzer, ein verhasstes Geschwisterpaar, müssen dafür allerdings die letzten Mieter aus dem Haus vertreiben, um ihren Check zu erhalten. Doch das stellt sich nicht als einfach heraus. Dann wird die Katze der beiden Vermieter Amedeo und Ofelia getötet. Amadeo geht zur Polizei, die die Sache herunterspielt. Amadeo begibt sich schließlich selbst auf die Jagd nach dem Täter. 

    Die von Sergio Leone produzierte Giallo-Krimi-Komödie DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT besticht bereits in der Eröffnungsszene durch eine dichte Atmosphäre, die einem die Architektur des Hauses zeigt, was verkauft und abgerissen werden soll. Die Kamera folgt einem getigerten Kater, der über die Dächer in der Nacht läuft und die Umgebung erkundet. Ähnlich wie bei DAS FENSTER ZUM HOF (1954) erhält man Einblicke in die noch bewohnten Wohnungen, während der heruntergekommene Anstrich Erinnerungen an DER MIETER (1976) weckt. Auch Lucio Fulci eröffnete ein paar Jahre später seine Poe-Adaption THE BLACK CAT (1981) ähnlich. 

    Mit dieser Eröffnung hat mich Luigi Comencini jedenfalls sofort gepackt, denn für ein Mietshaus als Kosmos für einen Film bin ich immer zu haben. Dass die Wahl der Darsteller manchmal wichtiger ist als die Geschichte, in der sie sich bewegen, zeichnet sich auch hier ab. Mit Ugo Tognazzi als Amedeo Pecoraro und 
    Mariangela Melato als Ofelia Pecoraro hat man ein schrulliges Geschwisterpaar am Start, was für einen gewisse Zynismus und Wortwitz sorgt. Auch wenn die humorvolle Seite in DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT immer wieder dominiert, ist der Krimi-Anteil durchaus spürbar und schlägt hin und wieder auch ernstere Töne an. Comencinis Film ist wie eine Reise durch die Mieterschaft, die der Hausbesitzer Amedeo Pecoraro antritt, um herauszufinden, wer seinen Kater getötet hat. Dass das letztlich am uninteressantesten ist, sieht Michele Galabru als Kommissar Dalila Di Lazzaro von Anfang an ein und will mit der Sache gar nichts zu tun haben, denn der muss sich um etwas ganz anderes kümmern. 

    Und so lernt man hier viele unterschiedliche Figuren kennen, von denen die wenigsten einen klaren Verstand zu haben scheinen. Man bekommt ein bisschen Wortwitz, ein paar alberne Momente, sehr schöne Kamerafahrten und interessante Architektur geboten. Abgerundet wird das Ganze von einem wunderschönen Score von Ennio Morricone, der der ganzen Inszenierung zusätzliches Leben einhaucht. 

    Leider verliert sich DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT inhaltlich immer wieder, aber Comencini hat genug Kräfte an Bord, seine Inszenierung am Leben zu erhalten, und Langeweile kommt hier ohnehin nicht auf. 

    (Bjoern Candidus)