Autor: marco-fritz

  • Texas Chainsaw Massacre, 2022 – ★★

    Texas Chainsaw Massacre, 2022 – ★★

    TEXAS CHAINSAW MASSACRE
    (USA, 2022, Regie: David Blue Garcia)

    Ein paar junge Erwachsene wollen eine Geisterstadt in Texas gentrifizieren und kultivieren. Bei diesem Vorhaben erwecken sie den Schrecken, der scheinbar 50 Jahre geruht hat: Leatherface! Aber nicht nur der Sägenmann ist zurück, sondern auch Sally Hardesty, die auf ihre Rache wartet.

    Produzent Fede Alvarez und Regisseur David Blue Garcia sind für den bereits neunten Teil des TCM-Franchise verantwortlich, der sich, wie TEXAS CHAINSAW 3D (2013), als direkte Fortsetzung zum Original versteht. 

    Die Fotografie ist recht gelungen und zeigt ein paar schöne Landschaftsaufnahmen von Bulgarien, was einem als Texas verkauft wird. Das Texas-Feeling wurde ganz gut herübergebracht, und wenn Leatherface seinen Ausbruch aus einem Polizeibus startet, der in einem Feld voller vertrockneter Sonnenblumen zum Halt kommt, liefert Garcia die einzig wirklich spannende Szene. Auch die Geisterstadt wurde ordentlich in Szene gesetzt, vor allem in der Nacht, wenn sie mit grünem und gelbem Licht ausgeleuchtet wird. Die Atmosphäre ist durchaus annehmbar. 

    So gar nicht annehmen wollte ich die Darsteller, die durch die Bank unsympathische Abziehbild-Figuren verkörpern, deren miese Laune mich einfach nur genervt hat. Nichts und niemand hat mich zum mitfiebern eingeladen, und ganz schlimm wird es, wenn sich der Kreis zum Original schließt und die damals einzig Überlebende zum Rachefeldzug gegen Leatherface antritt. Wenn Owlen Fouéré in die Rolle der alten Sally Hardesty schlüpft, fällt TEXAS CHAINSAW MASSACRE ins Bodenlose. In MANDY (2018) konnte mich Fouéré mit ihrer widerlichen Art noch überzeugen, aber als Sally mit Cowboyhut im Rachemodus wirkt sie schrecklich lächerlich und übertrumpft mit Links Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN (2018), deren Rolle ähnlich angelegt war. 

    Auch Leatherface bleibt hier als Killer austauschbar, und wo Hooper mit wenigen Mitteln Spannung und Terror erzeugen konnte, versucht sich Garcia mit Blut und Gewalt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Körperzerstörungen sind drastisch und setzen glücklicherweise nicht nur auf CGI-Effekte. Hier hat man gut gemixt, um es ordentlich splattern zu lassen. Dass explizite Gewaltdarstellungen nicht nötig sind, um Drastisches zu zeigen, hat einem schon das Original gelernt, nur haben sich die nachfolgenden Regisseure diesem Kniff kaum noch bedient. Spätestens mit dem Remake von 2003 wurde die Beliebtheit der jeweiligen Teile fast nur anhand des Gewaltgrads bewertet. Was diesen Film aber endlich mal etwas absetzt ist das Setting. Der alte Vergnügungspark aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986) ist hier quasi die Geisterstadt, und die allein bringt schon etwas frischen Wind mit. Aber was bringt das Setting, wenn dort eine inszenatorische Fehlentscheidung die nächste jagt? 

    TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist ein langweiliger Versuch, erneut nach dem Original zu greifen, um es mit billigen Mitteln als 08/15-Slasher fortzusetzen.   

    (Bjoern Candidus)

  • Don’t Go in the House, 1979 – ★★★★

    Don’t Go in the House, 1979 – ★★★★

    DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN
    (DON‘T GO IN THE HOUSE, USA, 1979, Regie: Joseph Ellison)

    Als Donnys geliebte Mutter stirbt, die ihren Sohn jahrelang unterdrückt und gefoltert hat, konserviert er ihren Leichnam und kann endlich tun und lassen, was er will. Sehr zum Leidwesen der Frauen, die auf seine hilfsbreite Masche hereinfallen, überwältigt und anschließend bei lebendigem Leibe verbrannt werden.   

    Zwei Filme kommen einem bei DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN unweigerlich in den Sinn: der damals 19 Jahre alte PSYCHO (1960) und der ein Jahr später entstandene MANIAC (1980). Den Einfluss, den Hitchcocks Bloch-Adaption auf Joseph Ellison hatte, liegt auf der Hand. Auch hier gibt es eine dominante Mutter, die auch über ihren Tod hinaus auf ihren Sohn Einfluss nimmt. Aber es sind auch noch andere weibliche Stimmen, die Donny Kohler, den Psychopathen dieses Films, im Kopf herumspuken und ihn zum Täter und Opfer gleichermaßen machen.

    Trotz, dass Ellison offensichtlich das Publikum schockieren wollte, hat er seiner Hauptfigur, Donny Kohler, die komplette Aufmerksamkeit gewidmet und lässt ihn fast in jeder Szene auftauchen, um ihn in seinem Alltag zu begleiten, wie später in William Lustigs MANIAC. Gleiches hat bereits Marc B. Ray in BLUTBAD DES SCHRECKENS (1973) gemacht, dessen Ende für diesen wie für MANIAC Pate gestanden haben könnte. 

    DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN lebt von der Kraft der Bilder. Die Schauplätze sind authentisch, greifbar und passen sich der Grundstimmung von Donny hervorragend an. Alles wirkt bedrückend, finster und hoffnungslos. Dan Grimaldi passt als Donny Kohler perfekt ins Bild. Nach außen ist er ein introvertierter Typ, der alles andere als die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, aber im Inneren lodert ein Feuer, im wahrsten Sinne. Seine feurige Leidenschaft lebt er nicht nur auf seiner Arbeit in einer Verbrennungsanlage aus, sondern auch privat, wenn er Frauen mit einem Flammenwerfer röstet. Hier geht Ellison in die Vollen und zeigt eine explizite Verbrennung, die mich schlucken lassen hat. Auch wenn DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN insgesamt gar nicht viele Schockeffekte zu bieten hat, sind die wenigen äußerst wirkungsvoll. Die morbide Atmosphäre, die sich durch Donnys heruntergekommenes Haus zieht, unterstreicht das menschenfeindliche Gesamtbild, was Ellison hier gezeichnet hat. 

    DAS HAUS DER LEBENDEN LEICHEN ist ein düsteres, brutales Psychogramm im Rahmen des Grindhouse-Kinos. 

    (Bjoern Candidus)

  • Halloween Spezial 2025

    Halloween Spezial 2025

    Dieses Jahr feiern Bjoern und Marco Halloween gemeinsam vor dem Kamin, wo sie über Horrorfilme sprechen. Zum krönenden Abschluss des Abends schieben sie sich NIGHT OF THE LIVING DEAD in den Videorekorder.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Scream Bloody Murder, 1973 – ★★★½

    Scream Bloody Murder, 1973 – ★★★½

    BLUTBAD DES SCHRECKENS
    (SCREAM BLOODY MURDER, USA, 1973, Regie: Marc B. Ray)

    Nachdem Matthew als Kind seinen Vater mit einer Planierraupe überrollt und dabei selbst seine Hand verloren hat, wächst er in einer Heilanstalt auf. Nach seiner Entlassung kehrt er zurück zu seiner Mutter, die einen neuen Mann gefunden hat. Da Matthew aber keine anderen Männer duldet, bringt er ihn um. Bei der anschließenden Auseinandersetzung mit seiner Mutter schlägt diese mit dem Kopf auf einen Stein und stirbt. Matthew beseitigt die Spuren und macht sich auf, um das Land zu entdecken. Doch seine tote Mutter schaltet sich immer wieder in seinen Kopf und sorgt dafür, dass er die Liebhaber von Frauen beseitigt, um ihr Herz zu gewinnen. Als er auf die Prostituierte Vera stößt, verliebt er sich und kidnappt sie. 

    Die Welt der Filmpsychopathen ist groß, und besonders der Einfluss von PSYCHO (1960) wirkt bis heute. Marc B. Rays Regiearbeit BLUTBAD DES SCHRECKENS fährt einen weiteren Norman Bates auf, der in diesem Fall Matthew heißt und gut in eine WG mit Anthony Perkins und John Amplas (aus MARTIN, 1977) passen würde. Seine Hakenhand ist jedenfalls ein harter Kontrast zu dem eher sanften Typus. 

    Handwerklich gibt es an BLUTBAD DES SCHRECKENS nicht so viel auszusetzen. Er versprüht den Charme eines 70er-Jahre-B-Films, der schnörkellos und etwas grob daherkommt. Sein ländliches Setting und die vielen Tageslicht-Szenen verleihen der Inszenierung etwas sommerliches. Doch von Frohsinn und Heiterkeit soll hier nicht die Rede sein. Auch wenn der reißerische Titel mehr verspricht, als das BLUTBAD DES SCHRECKENS einhalten kann, gibt es ein paar recht explizite Morde. Doch der Fokus liegt nicht nur auf Schockeffekte, sondern auf dem Wahnsinn, der in Matthew stattfindet. Matthew wird von Fred Holbert dargestellt, für den dieser Auftritt hier sein erst und letzter in einem Film bedeutete. Ob oder wo auch immer er vorher Erfahrungen im Schauspiel sammeln konnte, hier hat er einen soliden Eindruck hinterlassen. Neben den vielen Darstellern, die nur in diesem Film in Erscheinung traten, hat sich auch eine spätere Genre-Ikone eingeschlichen: Angus Scrimm, der einen Kurzauftritt als Doktor hat.

    Nachdem sich Matthew in der ersten Hälfte mörderisch ausleben darf, orientiert er sich in der zweiten vor allem auf Vera, die er in einem Haus gefangen hält, dessen Besitzer er ebenfalls getötet hat. Hier bewegt sich die Geschichte dann in Richtung MISERY (1990), nur soll Vera kein Buch schreiben, sondern Bilder malen und schon gar nicht ihr Geld mit Männern verdienen. Die Atmosphäre der ersten Hälfte geht in der zweiten leider etwas verloren, weil man sich nur noch in einem sehr langweiligen Haus aufhält, was viel zu hell ausgeleuchtet wurde. Am erstaunlichsten kommt allerdings das Finale daher, was mich an zwei sehr ähnlich gelagerte Filme erinnert hat: DON‘T GO IN THE HOUSE (1979) und MANIAC (1980). 

    BLUTBAD DES SCHRECKENS ist eine durchaus gelungene Mischung aus Psycho-Thriller, Horrorfilm und Früh-Slasher, dem die Schocks genau so wichtig sind wie die Figuren. 

    (Bjoern Candidus)

  • Cry of the Banshee, 1970 – ★★½

    Cry of the Banshee, 1970 – ★★½

    DER TODESSCHREI DER HEXEN
    (CRY OF THE BENSHEE, GB, 1970, Regie: Gordon Hessler)

    Lord Edward Whitman will seine Gemeinde frei von Hexen und Heiden haben und lässt sie dementsprechend verfolgen, foltern oder töten. Als er ein junges Pärchen auf seinem Schloss umbringt, rächt sich die heidnische Hexe Oona und spricht einen Fluch aus, der Lord Edward Whitman und seine Sippschaft heimsuchen soll. Das Heulen eines Hundes vor dem Schloss des Lords ist die Ankündigung für den drohenden Tod, den sein Sohn Sean als erstes heimsucht. 

    Als Antwort auf den Erfolg von DER HEXENJÄGER (1968) von Michael Reeves folgten einige ähnliche Kandidaten der kurzzeitigen Hexploitationfilme. DER TODESSCHREI DER HEXEN von Gordon Hessler ist einer dieser. Das Hauptmerkmal, was beide Filme gemein haben, ist ihr Hauptdarsteller: Vincent Price, und in beiden Filmen steht die Verfolgung von Hexen und Heiden auf seinem Plan. Die äußerst kalte und grausame Präsenz, die Price als Matthew Hopkins in DER HEXENJÄGER an den Tag legt, wird hier etwas überzeichnet. Als Lord Edward Whitman erinnert Price mehr an seine Rolle als Prinz Prospero in SATANAS – SCHLOSS DER BLUTIGEN BESTIE (1964). Gemein, sadistisch und voller Hass geprägt ist er in allen Fällen, und Price ist ein perfekter Darsteller für diese Rollen. Insgesamt hat man es mit soliden Darstellern zu tun, die fast alle dazu verdammt sind, negative Figuren zu verkörpern. Aber das bringt die Zeit mit, in der der Film spielt, in der man Gefahr lief, wegen dem pflücken gewisser Pflanzen auf dem Scheiterhaufen zu landen. 

    Die eigentlichen Aspekte der Hexenverfolgung kommen hier kaum zur Geltung. Vielmehr ist DER TODESSCHREI DER HEXEN ein Hexenfluch-Film, was der Originaltitel, CRY OF THE BENSHEE, direkt zum Ausdruck bringt und eine Art keltische Todesfee ankündigt. Wer Schlechtes tut, muss sich nicht wundern, wenn er verflucht wird, wie hier Lord Edward Whitman und seine gesamte Sippschaft, die sich plötzlich von einem Höllenhund verfolgt fühlt, dessen Heulen den Tod ankündigt. Sehr schön ist die Titel-Sequenz, die einem gezeichnete Dämonenwesen präsentiert von denen man im Film freilich nichts zu sehen bekommt. Aber der Werwolf im letzten Drittel ist ja auch etwas.

    Leider gelingt es Hessler insgesamt zu wenig Spannung aufzubauen und hält sich mit Schauwerten zurück, die mich hätten fesseln können. Stattdessen tritt die Inszenierung auf der Stelle und vertraut in erster Linie auf Vincent Price. Immerhin gelingt es Hessler und seinem Kameramann John Coquillon atmosphärische Bilder in schönen Farben festzuhalten, durch die DER TODESSCHREI DER HEXEN zumindest äußerlich attraktiv wird und gut zu Filmen wie IN DEN KRALLEN DES HEXENJÄGERS“ (1971) von Piers Haggard passt, der auch mehr im Folk-Horrorfilm angesiedelt ist.

    Zu wenig Spannung, zu wenig Hexenverfolgung und zu wenig Horror bringen TODESSCHREI DER HEXEN trotz eines stets verlässlichen Vincent Price und einer ansehnlichen Bildgestaltung nicht aus dem Mittelfeld heraus.

    (Bjoern Candidus)

  • House on Haunted Hill, 1959 – ★★★½

    House on Haunted Hill, 1959 – ★★★½

    DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL
    (HOUSE ON HAUNTED HILL, USA, 1959, Regie: William Castle)

    Der wohlhabende Frederick Loren und seine Frau Annabelle planen eine ganz besondere Nacht in einem gemieteten Haus mit einer mörderischen Vergangenheit. Dazu laden sie sich fünf Gäste ein, von denen jeder 10.000$ ausgehändigt bekommt, wenn er die Nacht in dem Haus überlebt. 

    Ein Skelett ist leider nicht durch mein Wohnzimmer geflogen, wie einst durch den Kinosaal bei den Aufführungen zu DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL, aber dennoch hat mir William Castles Klassiker viel Freude gebracht. 

    Castle hat es meist hervorragend verstanden, eine gruselige Atmosphäre zu schaffen, bevor der Schrecken aus der Ecke springt. Da reicht, wie hier, die bizarre Außenfassade des Ennis House (in L.A.) und der unheilschwangere Score von Von Dexter schon mal aus, um für Gänsehaut zu sorgen. Auch die Schattenwürfe im Haus verdichten die Schwarzweißbilder zusätzlich. Finstere Korridore, vergitterte Fenster und düstere Kellergewölbe mit einem Säurebad im Boden machen DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL zu einem visuell ansprechenden Film. Die Horror-Masken und Effekte, mit denen die Gäste konfrontiert werden, sind wirkungsvoll und geben Ausblick auf Castles kommendes Werk. 

    Doch neben Spukerscheinungen, Blitz und Donner und der permanenten unheilvollen Atmosphäre ist es vor allem der wunderbare Vincent Price, der sich als Frederick Loren mal wieder von seiner besten Seite zeigt und sich als überheblicher Millionär aufspielt. Ebenfalls an Bord ist Elisha Cook Jr. als Watson Pritchard, der unter den anderen Gästen für Gruselstimmung sorgt, wenn er von der Vergangenheit des Hauses berichtet.  

    DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL ist ein charmanter Krimi und Geisterbahn-Horrorfilm gleichzeitig. Wer Skelette aus Säurebädern schießen sehen will, sich über Geisteromas freut und von Vincent Price einfach nicht genug bekommen kann, sollte sich diesen Castle nicht entgehen lassen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Evil Clergyman, 1988 – ★★★½

    The Evil Clergyman, 1988 – ★★★½

    THE EVIL CLERGYMAN (USA, 1988, Regie: Charles Band)

    Said Brady kehrt nach dem Selbstmord ihres Liebhabers Jonathan, der das Amt eines Priesters bekleidete, zurück auf das Schloss, wo sie sich geliebt haben. Die Vermieterin des Schlosses ist wenig beeindruckt von Saids Rückkehr, aber lässt sie unter Warnungen auf das Zimmer, in dem der untote Jonathan bereits auf sie wartet.

    THE EVIL CLERGYMAN ist ein Segment aus dem unveröffentlichten Anthologie-Film PULSE POUNDERS von Full Moon-Mastermind Charles Band. Anders als die beiden anderen Filme, von denen der eine im DUNGEON MASTER- und der andere im TRANCERS-Universum angesiedelt ist, basiert THE EVIL CLERGYMAN auf einem Auszug aus einem Brief von H. P. Lovecraft an Bernard Austin Dwyer. Dort berichtet Lovecraft über einen Traum, auf dem dieser Film hier beruht.

    Die Empire-Produktion ist nicht nur atmosphärisch dicht inszeniert, besticht durch ihre (Studio-) Schloss-Kulissen und Make-up-Effekte, sondern wurde auch glänzend besetzt. Mit Jeffrey Combs als Jonathan, Barbara Crampton als Said Brady und David Gale als Rattenwesen Brown Jenkin ist das Dreamteam aus RE-ANIMATOR (1985) wieder zusammen und hat noch David Warner im Gepäck, der nie verkehrt ist. Das Auftauchen von Brown Jenkin, einer Ratte mit Menschenkopf, ist ein richtiges Highlight. Diese Lovecraft-Figur taucht in der Geschichte „Dreams in the Witch House“ auf, die 1933 veröffentlicht wurde. 

    THE EVIL CLERGYMAN ist ein kurzes, düsteres Vergnügen im Gewand eines Gothic-Horrorfilms. 

    (Bjoern Candidus)

  • Halloween: The Curse of Michael Myers, 1995 – ★★½

    Halloween: The Curse of Michael Myers, 1995 – ★★½

    HALLOWEEN 6 – DER FLUCH DES MICHAEL MYERS
    (HALLOWEEN: THE CURSE OF MICHAEL MYERS, USA, 1995, Regie: Joe Chappelle)

    Jamie Lloyd wurde jahrelang von einer Sekte gefangen gehalten. Am Tag der Geburt ihres Kindes kann sie flüchten, doch wird schließlich von Michael Myers getötet. Das Baby, den kleine Steven, kann sie vorher auf einer Toilette eines Busbahnhofs verstecken, wo er schließlich von Tommy Doyle gefunden wird, der nach den schrecklichen Ereignissen aus der Halloween Nacht im Jahre 1978 nur darauf wartet, dass Michael Myers zurückkommt. 

    Nach dem sehr schwachen HALLOWEEN V – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS (1989) sollten gut sechs Jahre ins Land fließen, bis man an dem Story-Strang der beiden Vorgängerfilme anknüpfte, um die Geschichte um Michaels Nichte Jamie Lloyd abzuschließen. Auch der grundgute Donald Pleasence musste als Dr. Loomis mit der Reihe abschließen, denn der verstarb noch während der Dreharbeiten, was zu einer nachträglichen Veränderung im Handlungsverlauf führte. Und genau das zeichnet sich ab der Mitte von HALLOWEEN 6 deutlich ab.

    Trotz widrige Umstände startet Joe Chappelles (PHANTOMS, 1998) Film durchaus spannend und interessant, in dem er sofort auf das Mysterium um den Mann mit Hut und Mantel eingeht, der seine kurzen Auftritte in HALLOWEEN V – DIE RACHE DES MICHAEL MYERS hatte. Eine wesentlich ältere und glücklicherweise nicht von Danielle Harris dargestellte schwangere Jamie Lloyd ist in den Fängen einer Sekte, die offensichtlich die Kontrolle über Michael Myers gewonnen hat. Was die Vaterschaft angeht, unterscheidet sich die Originalfassung vom Producer‘s Cut, was in dem Fall bedeutet: Zeugung durch künstliche Befruchtung mit dem Samen des Bösen oder durch die direkte Befruchtung durch das Böse. Mit Ach und Krach werden hier im Laufe des Films Erklärungen um den Thorn-Kult und einen Druidenfluch eingeflochtenen, die allenfalls dazu dienen, Michael Myers zu entmystifizieren. Myers darf aber erst mal kräftig zur Tat schreiten, und das gnädigerweise wieder mit einer Maske, die mehr der Originalmaske gleicht. In Sachen Brutalität und Gore stellte HALLOWEEN 6 zum damaligen Zeitpunkt alles in den Schatten, was die Reihe vorher zu bieten hatte, zumindest auf grafischer Ebene. Die anfängliche Halloween-Atmosphäre in Haddonfield ist durchaus vorhanden und schließt an seine Vorgänger an. Aber man erkennt deutlich die modernere Handschrift, was dem Film erst mal guttut und frischen Wind in die Reihe bringt, zumal auch inhaltlich einige Jahre ins Land gezogen sind. Schnellere Schnitte, überspitzte Soundeffekte, die gut zu den wenigen spannenden Momenten passen und ein düsterer Score erwecken Interesse, was leider ab der Mitte immer mehr nachlässt. Da können weder Michael Myers, Dr. Loomis, Tommy Doyle (Paul Rudd) oder eine der anderen unsympathischen Figur etwas dran ändern. 

    Zu viele Figuren und Ansätze haben sich hier gegenseitig gefressen und aus HALLOWEEN 6 – DER FLUCH DES MICHAEL MYERS ein löchriges Konstrukt gemacht. Im Vergleich zur Originalfassung ist der Producer’s Cut zwar etwas runder, gewinnt aber auch keinen Blumentopf. 

    (Bjoern Candidus)

  • Street Trash, 1987 – ★★★½

    Street Trash, 1987 – ★★★½

    STREET TRASH
    (USA, 1987, Regie: J. Michael Muro)

    In einer Gegend, die vor allem von Obdachlosen bewohnt wird, verkauft ein Spirituosenhändler einen Schnaps, der sich „Viper“ nennt. Doch das Gesöff ist tödlich und mischt in kurzer Zeit die verkommene Gegend auf, die von dem brutalen Bronson, dem Obdachlosenkönig, terrorisiert wird. 
    Auch der obdachlose Fred hat bereits eine Flasche in seiner Tasche, doch bevor er einen Schluck nehmen kann, explodiert vor seinen Augen ein anderer Konsument.  

    Wenn ein ähnlich gelagerter Film den bunten, sehr bizarren Fun-Splatter-Feuerwerken wie THE TOXIC AVENGER (1984) oder CLASS OF NUKE ‚EM HIGH (1986) aus dem Hause Troma das Wasser reichen kann, dann ist es STREET TRASH von J. Michael Muro. Gleichzeitig blickt er auch auf den Schmelzmann-Klassiker THE INCREDIBLE MELTING MAN (1977) von William Sachs und zieht seinen Einfluss bis in die Welt eines HOBO WITH A SHOTGUN (2011). 

    Muro schlägt harte Töne an und präsentiert eine Welt der Obdachlosen, in der ein zerstörerisches Gebräu im Umlauf ist, was einen nach dem Konsum zügig und auf äußerst grausame Art und Weise tötet. Der Körper beginnt sich zu zersetzen, innerlich wie äußerlich, was eine schleimige Angelegenheit in sämtlichen Farben bedeutet. Der bunte Schleim blubbert und spritzt in alle Richtungen und manchmal trifft er mitten ins Gesicht. Muro versucht es dem Zuschauer so ekelhaft wie möglich zu gestalten, was durch die Effekt durchaus gut funktioniert, aber noch besser durch die vielen widerlichen Figuren. Die Krönung stellt dabei der selbsternannte Obdachlosenkönig Bronson dar, dessen „Burg“ ein Schrottplatz ist, wo er seinem Leben zwischen Sex und Gewalt nachgeht. Bronson, ein Vietnam-Veteran, der komplett den Verstand verloren hat und am liebsten seine drogenabhängige Schrottplatzschlampe zwischen den Beinen liegen hat, wird überzeugend von Vic Noto dargestellt. Aber er ist nur einer von vielen Widerlingen, die STREET TRASH bevölkern, sich gegenseitig ausrauben und an den Kragen gehen. 

    Trotz der vielen bizarren Figuren, die mir irgendwann etwas auf die Nerven gegangen sind, hat Muro einen handwerklich sehr starken Film inszeniert, der sich vor allem visuell sehen lassen kann. Körperteile werden abgeschnitten, Körper explodieren oder werden anderweitig geschunden, ohne sich zurückzunehmen. Ernst nehmen kann man das Ganze freilich nicht, denn dafür besitzt STREET TRASH einen viel zu dominierenden Comic-Charakter. Hier erwartet einen ein Moloch aus menschlichem Niedergang, den Kameramann David Sperling teilweise sehr verspielt fotografiert hat. Zudem sind die Schauplätze authentisch, und gerade der Schrottplatz ist ein Augenschmaus. 

    STREET TRASH ist ein brutaler, sehr kreativer Splatter-Horrorfilm, der viel Liebe für das Gerne erkennen lässt. Die räudigen Figuren sind leider manchmal etwas zu viel des Guten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Night of the Living Dead, 1990 – ★★★★

    Night of the Living Dead, 1990 – ★★★★

    DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN – NIGHT OF THE LIVING DEAD
    (NIGHT OF THE LIVING DEAD, USA, 1990, Regie: Tom Savini)

    Barbara und ihr Bruder Johnny werden auf einem Friedhof von einem Mann angegriffen, der sich als Untoter herausstellt. Im Kampf schlägt Johnny mit dem Kopf auf einen Grabstein auf und stirbt. Barbara sieht sich plötzlich umzingelt von weiteren Untoten. Sie kann sich in ein Farmhaus flüchten, wo sie auf Ben stößt, mit dem sie sich gemeinsam zur Wehr setzt. 

    Über die Sinnigkeit von Remakes kann man diskutieren, muss man aber nicht. Es gab immer wieder sehr gute Beispiele für Remakes oder Neuinterpretationen alter Stoffe. Tom Savinis Remake von George A. Romeros DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) ist im Grunde überflüssig wie ein Kropf am Hals. Nach Romeros weiterführenden Zombiefilmen DAWN OF THE DEAD (1978) und DAY OF THE DEAD (1985) dürften die wenigsten Fans der Reihe nach einem Remake des Erstlings gerufen haben. Dass Savini der Regisseur (und Romero der ausführende Produzent) dieses Remake wurde, dürfte für die meisten Fans allerdings ein Lichtblick gewesen sein. Der Mann, der die phantastischen Gore-Effekte in DAWN… und DAY… gezaubert hat, kehrt zurück ins Untoten-Universum. 

    Als ich den Film das erste Mal in den 90er-Jahren auf VHS sah, gefiel er mir auf Anhieb sehr gut, und damals kannte ich schon das Original, was mich noch viel mehr beeindruckt hatte. Dennoch konnte mich Savinis Version in ihren Bann ziehen, den DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN besitzt, vor allem in der ersten Hälfte, eine sehr dichte Atmosphäre. Der Anfang verbreitet eine frühabendliche Stimmung, die die Nacht der lebenden Toten ankündigt. Auch das Farmhaus, in dem sich Barbara und Ben begegnen, ist toll ausgeleuchtet und sorgt für einige starke Momente. Der Film wurde sehr ordentlich von Frank Prinzi fotografiert, der die Inszenierung jederzeit wertig erscheinen lässt. Qualität zeichnet sich hier in sämtlichen Bereichen ab. Savini konnte einige gute Darsteller gewinnen, die über den Mangel an inhaltlichen Innovationen bestens hinwegtäuschen können. Tony Todd gibt einen hervorragenden Ben ab, und Tom Towles einen ebenso starken Harry Cooper, deren Charaktere sich stark ans Original halten. Sehr viel mehr Abweichungen bekommt man mit Patricia Tallman als Barbara. Im Vergleich zur verschreckten, eher passiven Judith O’Dea-Barbara, ist Tallman die Power-Barbara, die sich schnell zur Wehr setzt und fleißig Kopfschüsse verteilt. Die Action-Rolle steht ihr und wirkt sehr viel weniger aufgesetzt, als man vielleicht meinen möchte. Barbara Bruders Johnny wird von Bill Moseley dargestellt, der auch hier bereits am Anfang auf dem Friedhof das Zeitliche segnet. Abgesehen von der umstrukturieren Barbara folgt Savini lange Zeit dem Ablauf des Originals und weicht lediglich in kleinen Nuancen ab. Erst im letzten Drittel kommt es zu ein paar gelungenen Veränderungen, die das Gesamtbild noch mal aufwerten können und zusätzlich eine romeroeske Bissigkeit mit reinbringen. 

    Sehr gelungen ist auch das Zombie-Make-up und die Gore-Effekte. Doch trotz der nun vorliegenden Unzensierten-Fassung, die in erster Linie nur ein paar Kopfschusseinschläge mehr zeigt, verhält sich der Film insgesamt relativ handzahm, was besonders interessant ist, wenn man bedenkt, wer der Macher dahinter ist. Aber die DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN hat keine ausufernden Gewaltakte nötig, um einen zu unterhalten. Savini räumt den Figuren viel Zeit ein und konzentriert sich auf die Atmosphäre, die durch den unheimlichen Score von Paul McCollough wirkungsvoll verdichtet wird. 

    DIE RÜCKKEHR DER UNTOTEN ist ein qualitativer Zombiefilm, der den Spaß der Macher ebenso erkennen lässt wie den Respekt, den sie vor dem Original hatten. 

    (Bjoern Candidus)