TEXAS CHAINSAW MASSACRE
(USA, 2022, Regie: David Blue Garcia)
Ein paar junge Erwachsene wollen eine Geisterstadt in Texas gentrifizieren und kultivieren. Bei diesem Vorhaben erwecken sie den Schrecken, der scheinbar 50 Jahre geruht hat: Leatherface! Aber nicht nur der Sägenmann ist zurück, sondern auch Sally Hardesty, die auf ihre Rache wartet.
Produzent Fede Alvarez und Regisseur David Blue Garcia sind für den bereits neunten Teil des TCM-Franchise verantwortlich, der sich, wie TEXAS CHAINSAW 3D (2013), als direkte Fortsetzung zum Original versteht.
Die Fotografie ist recht gelungen und zeigt ein paar schöne Landschaftsaufnahmen von Bulgarien, was einem als Texas verkauft wird. Das Texas-Feeling wurde ganz gut herübergebracht, und wenn Leatherface seinen Ausbruch aus einem Polizeibus startet, der in einem Feld voller vertrockneter Sonnenblumen zum Halt kommt, liefert Garcia die einzig wirklich spannende Szene. Auch die Geisterstadt wurde ordentlich in Szene gesetzt, vor allem in der Nacht, wenn sie mit grünem und gelbem Licht ausgeleuchtet wird. Die Atmosphäre ist durchaus annehmbar.
So gar nicht annehmen wollte ich die Darsteller, die durch die Bank unsympathische Abziehbild-Figuren verkörpern, deren miese Laune mich einfach nur genervt hat. Nichts und niemand hat mich zum mitfiebern eingeladen, und ganz schlimm wird es, wenn sich der Kreis zum Original schließt und die damals einzig Überlebende zum Rachefeldzug gegen Leatherface antritt. Wenn Owlen Fouéré in die Rolle der alten Sally Hardesty schlüpft, fällt TEXAS CHAINSAW MASSACRE ins Bodenlose. In MANDY (2018) konnte mich Fouéré mit ihrer widerlichen Art noch überzeugen, aber als Sally mit Cowboyhut im Rachemodus wirkt sie schrecklich lächerlich und übertrumpft mit Links Jamie Lee Curtis in HALLOWEEN (2018), deren Rolle ähnlich angelegt war.
Auch Leatherface bleibt hier als Killer austauschbar, und wo Hooper mit wenigen Mitteln Spannung und Terror erzeugen konnte, versucht sich Garcia mit Blut und Gewalt Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Körperzerstörungen sind drastisch und setzen glücklicherweise nicht nur auf CGI-Effekte. Hier hat man gut gemixt, um es ordentlich splattern zu lassen. Dass explizite Gewaltdarstellungen nicht nötig sind, um Drastisches zu zeigen, hat einem schon das Original gelernt, nur haben sich die nachfolgenden Regisseure diesem Kniff kaum noch bedient. Spätestens mit dem Remake von 2003 wurde die Beliebtheit der jeweiligen Teile fast nur anhand des Gewaltgrads bewertet. Was diesen Film aber endlich mal etwas absetzt ist das Setting. Der alte Vergnügungspark aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986) ist hier quasi die Geisterstadt, und die allein bringt schon etwas frischen Wind mit. Aber was bringt das Setting, wenn dort eine inszenatorische Fehlentscheidung die nächste jagt?
TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist ein langweiliger Versuch, erneut nach dem Original zu greifen, um es mit billigen Mitteln als 08/15-Slasher fortzusetzen.
(Bjoern Candidus)









