Autor: marco-fritz

  • Cat People, 1982 – ★★★★½

    Cat People, 1982 – ★★★★½

    KATZENMENSCHEN
    (CAT PEOPLE, USA, 1982, Regie: Paul Schrader)

    Irena reist nach New Orleans, um endlich ihren Bruder Paul kennenzulernen. Doch die beiden sind nicht nur einfach Geschwister, sondern ein Fluch schweißt sie zusammen, von dem Irena anfänglich noch nichts ahnt.

    Ganz selten gefällt mir ein Remake mindestens genau so gut wie der Originalfilm. KATZENMENSCHEN ist so ein Film. Regie führte Paul Schrader, während das Drehbuch, was auf der Story von DeWitt Bodeen basiert, Alan Ormsby schrieb. 

    Was dem Original fehlt, wird hier förmlich zelebriert: Farbe. Bediente sich Jacques Tourneur der Kraft der Schwarzweißbilder und zauberte eine packende Atmosphäre aus Licht und Schatten, nutzt Paul Schrader in seiner Version die Kraft der Farbe und brennt einem bereits mit der Titel-Sequenz feurige Rot- und Orangetöne auf die Netzhaut. Wo auch immer man sich hier befindet, Schrader und Kameramann John Bailey präsentieren einem wunderschöne Aufnahmen von vielen unterschiedlichen Schauplätzen, am Tag wie in der Nacht. Die Farbpalette von KATZENMENSCHEN ist eine wahre Pracht, und alles scheint aufeinander abgestimmt zu sein, ohne steif oder aufgesetzt zu wirken. Der New Orleans-Schauplatz ist sehr erfrischend und viel zu selten im Horror-Genre anzutreffen. Sehr viel mehr Aufmerksamkeit als im Originalfilm bekommt der Zoo, in dem Irena sogar einen Job bekommt. Auch wenn Tiere hinter Gittern nie ein gutes Gefühl vermitteln, hinterlassen die Raubkatzen einen mächtigen Eindruck, besonders der schwarze Panther, der in seiner menschlichen Form Irenas Bruder Paul ist. Hier liefert Schrader dann auch eine beeindruckende Szene, in der Panther-Paul einem Tierpfleger durch die Gitterstäbe den Arm abreißt. An grafischer Gewalt und Verwandlungs-Effekten wird hier einiges aufgefahren, was Tourneur fast gänzlich ausgespart hat. In Schraders Version gehört die Gewalt dazu wie die nackte Haut und dem heiklen Thema des Inzests. Was Tourneur 1942 angedeutet hat, wird von Schrader mit Pauken und Trompeten herausgeblasen, aber stets mit Stil. 

    Die visuelle Kraft der Bilder ist nicht die einzige, die hier wütet und für knisternde, sexuell aufgeladene Spannung sorgt. Mit der wunderschönen Nastassja Kinski als Irena Gallier und dem enorm ausdrucksstarken Malcom McDowell als Paul Gallier hat Schrader voll ins Schwarze getroffen. Die hitzige Stimmung unter den beiden sorgt für einige sehr eindringliche Momente, die sich vollends entfalten, wenn Irena ihre wirkliche Identität herausfindet. Sehr blass bleibt hingegen John Heard als Oliver Yates, der das Herz von Irena erobern will. Es ist dann immer wieder Kinski, die die Szenen mit Heard rettet, der gegen sie wie ein ausdrucksloser Wicht wirkt. Aber welcher Mensch sollte schon gegen einen Katzenmenschen besser wirken?

    Trotz seiner 80er-Jahre-Ästhetik sieht KATZENMENSCHEN nie aufgeblasen oder überladen aus, was auch an den natürlichen Schauplätzen liegt, die eine gewisse zeitlose Neutralität mitbringen. Aber Schrader driftet auch in surreale Gefilde ab, wenn er einem den geheimnisvollen Ort der Katzenmenschen zeigt, die auf ihrem Baum thronen. Die mysteriöse Schönheit, die von dem Ort ausgeht, wird ganz wundersam von Giorgio Moroders Score untermalt, dem am Ende David Bowie mit „Cat People (Putting Out Fire)“ zur Verfügung stand, um in den Abspann zu singen. 

    KATZENMENSCHEN ist ein Paradebeispiel für ein Remake, was gegenüber dem Original einen großen Mehrwert hat, den Tourneur andererseits nicht nötig hatte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 89

    Traumstadt Gazette Ausgabe 89

    TRAUMSTADT GAZETTE 89

    Schwebende Skelette, wahnsinnige Hinterwälder, Hexenflüche…

    Passend zu Halloween servieren Euch Bjoern Candidus und Marco Fritz

    -DAS HAUS AUF DEM GEISTERHÜGEL (1959)

    -TODESSCHREI DER HEXEN (1971)

    -MADMAN (1981)

    -STREET TRASH (1987)

    -PUMPKINDHEAD II (1993)

    -BOYS IN THE TREES (2016)

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Cat People, 1942 – ★★★★½

    Cat People, 1942 – ★★★★½

    KATZENMENSCHEN
    (CAT PEOPLE, USA, 1942, Regie: Jacques Tourneur)

    Die schöne Serbin Irena ist in die USA ausgewandert und lebt in New York City. Dort verliebt sie sich in ihren Arbeitskollegen Oliver Reed und heiratet ihn. Doch Irena hat ein Problem, denn sie glaubt, sich in eine Raubkatze zu verwandeln, wenn sie ihren Gefühlen freien Lauf lässt. Reed schlägt ihr vor, Hilfe bei einem Psychiater zu suchen. Irena folgt dem Vorschlag, doch Dr. Judd hat nichts besseres zu tun, als sich in Irena zu verlieben, während sich Reed in eine andere Frau verliebt. Hin- und hergerissen von Gefühlen, verliert Irena langsam die Kontrolle über ihr Handeln. 

    Jacques Tourneurs höchst elegante Mischung aus Psycho-Drama, Liebes- und Horrorfilm mit dem Anstrich des Film Noir gehört zu Recht zu den großen Klassikern der Filmgeschichte. Optisch bewegt sich Tourneur auf ganz hohem Niveau und zaubert gemeinsam mit seinem Kameramann Nicholas Musuraca
    höchst beeindruckende Schwarzweißbilder mit einem starken Spiel aus Licht und Schatten. In KATZENMENSCHEN wird das Herz des Cineasten immer wieder berührt, und wenn nur (Kunst-)Schnee in der Nacht vom Himmel fällt oder sich Irena an einer Mauer entlang bewegt. 

    Tourneur lässt die verwunschenen Schlösser, zerfallenen Friedhöfe und finsteren Wälder hinter sich zurück, die die Universal-Monster in den 30er-Jahren beseelten und bringt den Horror in ein urbanes Setting. KATZENMENSCHEN ist in sämtlichen Hinsichten ein moderner Film, der für 1942 viel gewagt hat und Themen wie (unterdrückte) Sexualität, psychische Erkrankungen, basierend auf zurückliegenden seelischen Verletzungen aufgreift und sie mit dem Body-Horror verknüpft. 

    Eine große Stärke von KATZENMENSCHEN liegt darin, dass man auf sämtliche Verwandlungs-Szenen verzichtet und im Grunde nichts liefert, was einen Horrorfilm bis dato ausgemacht hat. Und doch hat Tourneur eine konstant unheimliche und bedrohliche Atmosphäre geschaffen, die über 80 Jahre später nicht an Wirkung verloren hat. Das liegt aber nicht nur an der Kraft der Bilder, sondern auch am Schauspiel der Darsteller. Die geheimnisvolle Irena wird von Simone Simon dargestellt, die einen unglaublichen Liebreiz mitbringt und als starker Kontrast zu den anderen, eher unterkühlten Figuren steht. 

    Die packende Geschichte ist reich an Motiven, die KATZENMENSCHEN immer interessant machen und deutlich zeigen, wie visionär Tourneur auch neben der Bildgestaltung war. Zur dichten Atmosphäre trägt auch der spannende Score von Roy Webb und die tolle Geräuschkulisse bei, die durch die Raubkatzen im Zoo entsteht. Der schwarze Panther, den Irena aufsucht, um ihn zu zeichnen, ist eine weitere Augenweide des Films. 

    KATZENMENSCHEN ist ein expressives, gewagtes Meisterstück eines großen Regisseurs, der viel zu leise gefeiert wird.

    (Bjoern Candidus)

  • Mirror Mirror 2: Raven Dance, 1994 – ★★

    Mirror Mirror 2: Raven Dance, 1994 – ★★

    DEVIL DANCE – IM SPIEGELBILD DES TEUFELS
    (MIRROR MIRROR 2: RAVEN DANCE, USA, 1994, Regie: Jimmy Lifton)

    Marlee lebt mit ihrem kleinen Bruder Jeffrey in einem Waisenhaus, was von Nonnen geleitet wird. Da ihre verstorbenen Eltern ihr ein Vermögen hinterlassen haben, tritt ihre wesentlich ältere Stiefschwester in Erscheinung, der nichts mehr daran gelegen ist, als an das Vermögen von Marlee zu kommen. Doch zwischen ihnen steht ein Spiegel, in dem ein Dämon haust. 

    Offensichtlich war MIRROR MIRROR (1990) für Orphan Film gewinnbringend genug, um vier Jahre später mit DEVIL DANCE – IM SPIEGELBILD DES TEUFELS eine erste Fortsetzung nachzulegen. Diesmal führte Jimmy Lifton Regie, der zumindest in Sachen Atmosphäre ein wenig mehr liefern konnte als Marina Sargenti im Vorgänger. Das Setting, ein altes Waisenhaus unter der Leitung von Nonnen, kann zumindest das öde College-Setting aus MIRROR MIRROR überbieten. Zudem wirkt der Film insgesamt düsterer und stimmiger fotografiert. 

    Interessant ist, dass man auch für die Fortsetzung, die inhaltlich eigentlich keine ist, erneut ein paar Bekannte gewinnen konnte. Statt Karen Black und Yvonne De Carlo darf man sich hier auf Veronica Cartright, Sally Kellerman, Roddy McDowall und Mark Ruffalo freuen. Einen gemeinsamen Nenner gibt es auch: William Sanderson, der bereits im Vorgänger in einer anderen Rolle zu sehen war. Auch in dieser Fortsetzung kann die Hauptfigur leider überhaupt nicht überzeugen. Tracy Wells ist als Marlee völlig Fehlbesetzt und wirkt wie aus einer Teenie-Soap entnommen. Ganz wenig Aufmerksamkeit bekommt der eigentliche Antagonist: der Spiegel. 

    Trotz ein paar guter Darsteller (McDowall ist immer Goldwert) und einer dichteren Atmosphäre ist DEVIL DANCE – IM SPIEGELBILD DES TEUFELS ein lahmer, spannungsloser Horrorfilm, der mit einer löchrigen Handlung daherkommt und gar keine Schauwerte liefert, um einen bei Laune zu halten. Konnte MIRROR MIRROR noch mit dem ein oder anderen Gore-Effekt aufwarten, fährt man diesen Bereich hier fast komplett runter und liefert stattdessen hässliche Computereffekte. 

    Wer sich noch mehr spiegeln will, kann das bei POLTERGEIST III – DIE ANDERE SEITE (1988) und bei dem wesentlich schlechteren AMITYVILLE – A NEW GENERATION (1993). 

    (Bjoern Candidus)

  • Blue Sunshine, 1977 – ★★★★

    Blue Sunshine, 1977 – ★★★★

    BLUE SUNSHINE
    (USA, 1977, Regie: Jeff Lieberman)

    Auf einer Party dreht plötzlich ein Mann durch, der eine Frau in einen Kamin stößt. Es kommt zur Panik unter den Gästen, die in einer Verfolgungsjagd endet, bei der der Angreifer von dem Partygast Jerry Zipkin vor einen fahrenden LKW gestoßen wird. Während die Polizei auf der Suche nach Zipkin ist, versucht dieser im Alleingang herauszufinden, was hinter dem Angriff steckt und warum der Täter alle Haare verloren hat.  

    Nachdem Jeff Lieberman mit SQUIRM – INVASION DER BESTIEN (1976) auf den Tierhorror-Zug aufsprang blickte er mit BLUE SUNSHINE in eine ganz anderen Richtung. Zeitlich nicht unpassend, widmet sich Lieberman, der auch die Story und das Drehbuch schrieb, hier dem Thema Drogen und ihre Spätfolgen.

    Von der Titel-Sequenz an, die einen blauen Vollmond zeigt, baut Lieberman eine dichte Atmosphäre der Bedrohung auf, die nicht lange auf sich warten lässt. Schnell verliert der erste Mensch seine Haare, wird aggressiv und stößt eine Frau in einen Kamin, was ziemlich garstig inszeniert wurde. Der ganze Film, samt den meisten Figuren, wirkt unangenehm und ausladend, und genau daraus zieht BLUE SUNSHINE seine Kraft. Stilistisch und inhaltlich muss ich hier immer wieder an das frühe Werk von David Cronenberg denken, was emotional extrem unterkühlt daherkommt. Lieberman legt zwar auf die psychologischen Aspekte der Figuren weniger Wert, schafft es aber diese durch ihre geistigen und körperlichen Veränderungen zu intensivieren. Abstriche muss man lediglich bei den angeklebten Latexglatzen machen, die leider viel zu sehr die Ansätze erkennen lassen. 

    Durch den Wut-Modus, in den die ehemaligen Konsumenten der Droge Blue Sunshine geraten, nimmt Lieberman einen GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980) und 28 DAYS LATER (2002) ein wenig vorweg, dennoch hat er das Rad nicht neu erfunden, denn I DRINK YOUR BLOOD hat bereits 1970 in eine ähnliche Kerbe geschlagen, in dem die Tollwut um sich schlägt. Wer hier aber durch wen inspiriert wurde, ist freilich egal, denn am Ende zählt das Ergebnis und BLUE SUNSHINE ist in seiner Gesamtheit ein gelungenes, wie ich finde.

    Besonders gefällt mir hier der realistische Anstrich. Man bewegt sich meist in modernen 70er-Jahre-Wohnungen oder hält sich im Finale in einem Kaufhaus auf, was sogar ein bisschen einen DAWN OF THE DEAD (1978) vorwegnimmt. Doch leider liefert Lieberman keine Romero-Figuren, deren Sympathie auf meiner Seite wären. Zalman King macht als Jerry Zipkin einen sehr unsympathischen Eindruck, was aber okay ist, schließlich befindet sich seine Figur in einer außerordentlichen Stresssituation, wie eigentlich jeder in BLUE SUNSHINE.

    Trotz seines Horrorfilm-Anteils, der immer wieder durchbricht, ohne unnötig explizit zu werden, bewegt sich die Geschichte auch in einem Krimi-Rahmen, in dem Jerry Zipkin seine Unschuld anhand von Fakten beweisen muss. Das erhöht die Spannung und lässt die ausladenden Figuren etwas vergessen. Zudem geht Lieberman mit einem guten Tempo vor, in dem er keine Zeit für Langweile lässt. Eine nicht zu unterschätzende Wirkung hat auch der Score von Charles Gross, der sowohl unheimlich als auch experimentell klingt und die Bedrohungslage stets hoch hält.

    Auch wenn BLUE SUNSHINE keine wirklichen Innovationen liefert, ist Lieberman ein spannender, konsequenter Horrorfilm mit verstörten Figuren gelungen, der sich von jeglichem Humor oder überflüssigem Gequatsche fernhält. 

    (Bjoern Candidus)

  • Mirror Mirror, 1990 – ★★

    Mirror Mirror, 1990 – ★★

    MIRROR MIRROR
    (USA, 1990, Regie: Marina Sargenti)

    Nach dem Tod des Vaters zieht Megan mit ihrer Mutter in ein altes Haus, in dem sich immer noch der Spiegel der Vorbesitzerin befindet. Doch dabei handelt es sich mitnichten um einen normalen Spiegel. Ein Dämon haust in ihm, der von Megan immer mehr Besitz ergreift und sie dazu bringt, ihre Feinde zu töten.

    Mit MIRROR MIRROR entstand 1990 eine Direct-to-Video-Produktion aus dem Haus Orpahn Eyes, aus dem über die Jahre ein vierteiliges Franchise über einen bösen Spiegel wurde, was hierzulande kaum bekannt ist. Den ersten Teil inszenierte dabei die Regisseurin Marina Sargenti. 

    Mit Karen Black, die hier als Susan Gordon eine schrullige Mutter mit Hang zu Perücken spielt und Yvonne „Lily Munster“ De Carlo als vor dem Unheil warnende Emelin, hat man zwei charmante Ikonen an Bord, die zumindest unter den ansonsten blassen Darstellern etwas Leben in die Inszenierung bringen. Die Hauptfigur wird von Rainbow Harvest gespielt, die als Megan Gordon wie aus dem Gothic-Katalog daherkommt und steif ist wie ein Brett. Ab der Mitte kommt zwar etwas Leben in ihr Spiel, aber das macht es nicht wesentlich besser. Die gesamte Besetzung aus Megans College-Umfeld besteht aus ausdruckslosen Klischeefiguren, von denen immerhin ein paar recht blutig abgemurkst werden, wenn der unheilvolle Spiegel seine Kraft entfaltet. 

    Dass es sich bei MIRROR MIRROR um eine DTV-Produktion handelt, kann zu keiner Zeit verborgen werden. Es gibt ein paar nette Momente, aber insgesamt ist die Inszenierung schnöde fotografiert und baut kaum Atmosphäre auf. Besonders übel sind die Zeitlupen-Szenen, die die völlig überzogene Spielzeit von 104 Minuten erklären. Sargenti hat hier nicht viel zu erzählen, obwohl die Idee mit dem Spiegel gar nicht so schlecht ist. 

    Ein bisschen Gore und ein paar halbgare Effekte können ein wenig über die sonstige Ausdruckslosigkeit von MIRROR MIRROR hinwegtrösten. Es gibt ödere Horrorfilme, aber von einer Empfehlung bin ich hier weit entfernt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Pet Sematary II, 1992 – ★★★

    Pet Sematary II, 1992 – ★★★

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2
    (PET SEMATARY II, USA, 1992, Regie: Mary Lambert)

    Nach dem tragischen Unfalltod von der Schauspielerin Renee Hallow, zieht ihr Sohn Jeff mit seinem Vater in das kleine Städtchen Ludlow. Während sein Vater als Tierarzt Fuß fassen will, muss sich Jeff auf seiner neuen Schule behaupten, wo er sich mit Drew anfreundet, der ihm von dem geheimnisvollen Indianerfriedhof erzählt, der hinter dem Tierfriedhof liegt und Tote ins Leben zurückbringen soll. Als Drews Hund von seinem Stiefvater Sheriff Gus Gilbert getötet wird, testen sie die angebliche Macht der Begräbnisstätte der Micmac-Indianer, und am anderen Tag steht der Hund wieder auf der Matte. 

    Vergleicht man FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 mit seinem Vorgänger von 1989, müsste man ihn in der Luft zerreißen und sich fragen, warum jemand aus einem ernsthaften Vorgänger eine überdrehte, recht blutige Fortsetzung macht. Dass dieser jemand auch die Regisseurin des Erstlings ist, macht es umso sonderbarer. Betrachtet man Mary Lamberts Fortsetzung aber losgelöst, was ziemlich einfach ist, kann man durchaus Spaß mit FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 haben. 

    Lamberts ursprüngliche Idee, Ellie Creed, die einzige Überlebende des Erstlings, für die Handlung zu nutzen, wurde ihr untersagt, was auch für alle anderen Figuren aus FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) zutraf. Deshalb musste eine komplett neue Geschichte mit neuen Charakteren erfunden werden, in der zumindest die Geschehnisse des Vorgängers Erwähnung finden durften. Stephen King hat mit der Geschichte freilich nichts zu tun. Diesmal stammt das Drehbuch aus der Feder von Richard Outten. 

    Auch wenn die Geschichte in ihren Grundzügen durchaus an den Erstling erinnert, greift Lambert andere Schwerpunkte auf. Mit Edward Furlong, der gerade seinen Auftritt in TERMINATOR 2 (1991) hatte, konnte man einen durchaus fähigen Jungdarsteller gewinnen, dem es zumindest nicht an Charisma mangelt. Als um seine tote Mutter trauernder Jeff Matthews, bleibt er zwar manchmal etwas steif, hinterlässt aber insgesamt einen guten Eindruck. Und so konzentriert sich Lambert sehr auf ihn und seinen Kumpel Drew Gilbert (Jason McGuire), die sich den Part als Mobbing-Opfer an ihrer Schule teilen. Darstellerisch wird hier aber alles platt gemacht von Clancy Brown, der als lebender und untoter Sheriff Gus Gilbert für Terror sorgt. Leider macht Brown das auf so überzeichnete Art, dass für eine Ernsthaftigkeit gar kein Platz mehr ist. Lambert schlittert in FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 immer wieder in Fun-Splatter-Bereiche und liefert Gore statt einer spannenden Geschichte, die das Thema auch für eine Fortsetzung durchaus hätte hergegeben können. 

    Gelungen ist das Gefühl zu erzeugen, man würde sich im Ludlow des Vorgängers befinden. Der Drehort wurde nämlich von Maine nach Georgia verlegt, was überhaupt nicht auffällt. Außerdem sind Lambert ein paar sehr atmosphärische Szenen gelungen, wie z.B. die Halloween-Party auf dem Tierfriedhof. Zudem sind die Zombie-Masken und die praktischen Gore- und Monster-Effekte richtig gut und entschädigen so mache Unzulänglichkeit auf der Handlungsebene.

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 ist weder Fisch noch Fleisch. Einerseits hat man sich an einem Teenager-Horror-Drama versucht, andererseits gibt man alles, um den Gore-Hammer kreisen zu lassen, um jede Form der Ernsthaftigkeit zu zerschmettern. Dennoch mag ich das Ergebnis, denn auf seine krude Art funktioniert der Film. 

    (Bjoern Candidus)

  • Geschichten aus der Gruft: Mollys Masken (1994)

    Geschichten aus der Gruft: Mollys Masken (1994)

    GESCHICHTEN AUS DER GRUFT MOLLYS MASKEN (6.2)

    Für Bjoern Candidus und Marco Fritz geht es zurück in die Gruft, wo diesmal William Malones Beitrag MOLLYS MASKEN auf sie wartet.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Altered States, 1980 – ★★★★½

    Altered States, 1980 – ★★★★½

    DER HÖLLENTRIP
    (ALTERED STATES, USA, 1980, Regie: Ken Russell)

    Eddie Jessup und sein Partner experimentieren mit einer halluzinogenen Substanz aus mexikanischen Pilzen. Diese führt dazu, dass Eddie, der in einem Isolationstank liegt, mit unglaublichen Bildern konfrontiert wird, die ihn immer mehr vereinnahmen. Doch es bleibt nicht bei Halluzinationen, sondern Eddies Körper scheint sich nach jedem Trip immer mehr zu verändern.  

    Während das Horrorkino Anfang der 80er-Jahre vor allem auf dem höchst erfolgreichen Slasher-Pfad wandelte, blieb Ken Russell mit DER HÖLLENTRIP in düsteren, sehr viel ernsteren 70er-Jahre-Gefilden und trifft eher den Ton eines David Cronenbergs und hat mich ebenso an PHASE IV (1974) von Saul Bass erinnert.

    Russells Adaption von Paddy Chayefsky Roman und Drehbuch ist ein höchst interessanter Film über den experimentellen Einsatz halluzinogener Pilze, die den Konsumenten zurück in seine frühere Daseinsform blicken lassen sollen. Doch bei William Hurt als Eddie Jessup geht der Trip über das Sehen hinaus und wird zu einer körperlichen Angelegenheit, die DER HÖLLENTRIP zu einem Body-Horrorfilm erster Güte macht.

    Hier darf man sich von Russells Geschick überzeugen, bildgewaltige, surreale Visionen festzuhalten, die seine Figuren erleben. Wenn William Hurt als Eddie in seinem Isolationstank liegt und Visionen hat von Jesus am Kreuz, der den Kopf eines Ziegenbocks trägt, weiß man schnell, in welchem Kino man sich befindet. Immer wieder schleudert einem Russell videoclipartige Bilder entgegen, deren provokative Inhalte wie kleine Nadelstiche daherkommen. Das ist nicht nur effektiv, sondern tricktechnisch auch hervorragend gemacht. Untermalt wird das Ganze von einem erstklassigen Score von John Corigliano, der mit den Bildern eine wundersame Einheit bildet.

    Die Mischung aus Wissenschafts- und Body-Horror wird zusätzlich mit einem Beziehungsdrama ergänzt, was nie aufgesetzt oder störend wirkt. Alle Figuren sind überzeugend geschrieben, besetzt und sorgen dafür, dass sich DER HÖLLENTRIP vom Gros jener Horrortage absetzt. Russell bietet seinen Figuren, Eddies Partner Mason Parrish (Charles Haid) und Arthur Rosenberg (Bob Balaban) und seiner Frau Emily (Blair Brown), genug Raum, um sich neben den explosionsartigen Bildern zu entfalten. Russell nimmt das Thema ernst, verzichtet auf jeglichen Humor (den der gute Mann durchaus konnte) und nimmt keine Rücksicht auf das Publikum. 

    DER HÖLLENTRIP ist ein bildgewaltiger, beklemmender Horrorfilm voller Symboliken, verzerrter Körper und der Suche nach der Vergangenheit, die sich auf faszinierende Art Zugang in die Gegenwart verschafft. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Vampire Is Alive, 1989 – ★★

    The Vampire Is Alive, 1989 – ★★

    ROBO VAMPIRE 2 
    (THE VAMPIRE IS STILL ALIVE, Hongkong, Thailand, USA, 1989, Regie: Godfrey Ho)

    Während sich die beiden Damen Joyce und Sidney, auf das Schreiben eines Drehbuchs über den letzten chinesischen Kaiser vorbereiten, will dessen Geist ebendies verhindern und beseelt den Körper von Joyce. Doch damit nicht genug, denn auch Gesetzeshüter, hüpfende Vampire und allerlei Sondermüll meint, auf dem chinesischen Lande durchzudrehen.  
     
    Auch wenn der Film hierzulande (auch) als Fortsetzung von ROBO VAMPIRE (1988) gehandelt wird, ist Godfrey Hos Machwerk als eigenständig zu betrachten. Dennoch muss man auch hier nicht auf hüpfende Vampire, gut gelaunte Zombies, viele abgrundtief schlechte Darsteller und auf einen Hongkong-Freddy-Krueger verzichten. Und wer ganz brav durchhält, wird gegen Ende mit dem Hongkong-Robocop belohnt, der seinen armseligen Auftritt bereits in ROBO VAMPIRE hatte.

    Auch wenn dieser Film handwerklich gefühlt 1% besser ist als ROBO VAMPIRE, macht der irrsinnige Auswurf weniger Spaß, da es vor allem an der geisterbahnartigen Atmosphäre von ROBO VAMPIRE mangelt. ROBO VAMPIRE 2 sieht so aus, als hätte ein Zufallsgenerator drei unterschiedliche Filme zu einem zusammengeschnitten, dem man dann einfach nicht mehr folgen kann und will. 

    Lächerliche Action, stümperhafte Effekte und dümmliche Darsteller machen ROBO VAMPIRE 2 zumindest zu einem Partyfilm, den man nicht alleine genießen sollte. 

    (Bjoern Candidus)