Autor: marco-fritz

  • Robo Vampire, 1988 – ★★★

    Robo Vampire, 1988 – ★★★

    ROBO VAMPIRE
    (Hongkong, USA, 1988, Regie: Godfrey Ho)

    Tom Wilde, ein Agent im Kampf gegen Drogen, wird bei einem Einsatz schwer verletzt. Man kann sein Leben retten, aber er ist nicht mehr der, der er mal war. Als halber Cyborg bekommt er den Auftrag, den Drogenboss Mr. Young auszuschalten, der eine Armee hüpfender Vampire um sich scharrt. 

    Godfrey Ho hat mit ROBO VAMPIRE einen wilden Mix aus Kung Fu-, Action-, Cyborg- und Vampirfilm gezimmert, der zu keiner Sekunde stillsteht. Das groteske Kasperltheater beginnt schon in den ersten Minuten und zeigt, was man hier bis zum Schluss erwarten darf: Irrsinn, schlecht gemachter, aber unterhaltsamer Irrsinn, der in alle Richtungen springt. 

    Man kann ROBO VAMPIRE in Sachen Qualität und Umsetzung viel vorwerfen, aber eine Sache ganz sicher nicht: ein Mangel an Action und höchst bizarren Ideen. Als wäre ein billiger Robocop mit Silberanzug und einer Geräuschkulisse, von der ich heute Nacht sicher träumen werde, nicht schon genug, wird man hier noch mit hüpfenden Vampiren beglückt, die eher nach gut gelaunten Zombies aussehen. Nebenbei gibt es noch eine dümmliche Drogenbande und eine Kreatur mit Affenkopf. Spannung sollte man hingegen nicht erwarten, aber dafür bekommt man viel drittklassige Action und Gewalt vor einer kunterbunten Kulisse, die für etwas Atmosphäre sorgt.

    ROBO VAMPIRE ist ein unfassbar bodenloser Irrsinn, der durchaus das Potential hat, einem gehörig auf den Sack zu gehen. Wer aber Glück hat, wird wunderbar unterhalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Blood Beast Terror, 1968 – ★★

    The Blood Beast Terror, 1968 – ★★

    DAS BLUTBIEST
    (THE BLOOD BEAST TERROR, GB, 1968, Regie: Vernon Sewell)

    In einer kleinen Stadt in England kommt es zu einer Reihe von Morden. Inspector Quennell steht vor einem Rätsel, denn den Opfern wurde das Blut entnommen. Er beginnt seine Nachforschungen, die ihn zu Dr. Mallinger führen, der großes Interesse an Motten hat. 

    Nach einer Pre-Titel-Sequenz in Afrika, folgt nach den Credits eine vertraute Kutschfahrt durch einen englischen Landstrich in der Dunkelheit, die lange Zeit das Atmosphärischste ist, was DAS BLUTBIEST zu bieten hat, und das ist nicht das einzige Problem, was Vernon Sewells (BURKE & HARE, 1972) Regiearbeit hat. 

    Visuell kann man der Tigon-Produktion eigentlich nichts vorwerfen, nur, dass sie durch nichts besticht und ziemlich dröge inszeniert wurde. Da hilft diesmal nicht mal Peter Cushing als Inspector, der dennoch von allen am meisten Enthusiasmus mitbringt. Cushing halt. Robert Flemyng als Dr. Mallinger und Wanda Ventham als seine Tochter Clare bleiben blas und ziemlich ausdruckslos. 

    Der krimiartige Aufbau und die Idee mit der Riesenmotte, die menschliches Blut trinkt, hat mir durchaus gefallen. Gerade hier punktet der Film, da man solche Wesen eher im US-Monster-Kino der 50er-Jahre erwartet. Doch statt sich auf das Monster und seinen Schrecken zu konzentrieren, um dem Zuschauer etwas Action und Spannung zu liefern, hält man sich mit Nebensächlichkeiten, verstrickt sich in zahlreichen Gesprächen und streut überflüssigen Humor. Das liegt natürlich auch daran, dass das Monster Design an sich schon nicht die größte Überzeugung mit sich bringt, dennoch aufgrund seiner skurrilen Art mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, um hier wenigstens noch irgendwas zu retten. Letztlich wird es eine Frage des Geldes gewesen sein.

    DAS BLUTBIEST ist ein sperriger, spannungsarmer Beitrag im Motten- und Mad Scientist-Horrorkino, der zumindest durch seine Ausstattung und Sets genug englischen Charme mitbringt, um nicht gänzlich zu scheitern. 

    (Bjoern Candidus)

  • Terror Express, 1980 – ★★½

    Terror Express, 1980 – ★★½

    HORRORSEX IM NACHTEXPRESS
    (LA RAGAZZA DEL VAGONE LETTO, Italien, 1980, Regie: Ferdinando Baldi)

    Drei skrupellose Typen steigen in einen Nachtzug, der Richtung Deutschland unterwegs ist. In diesem sorgen sie unter den ohnehin schon problembehafteten Fahrgästen für Angst und Schrecken.   

    Ferdinando Baldi liefert mit HORRORSEX IM NACHTEXPRESS einen ganzen Zug voller Problemfiguren. Ein Polizist, der einen Mann nach Deutschland ausweist, ein altes Ehepaar mit todkranker Ehefrau, ein Mann, der seine Ehefrau betrügt und ein Mann, dessen Ehefrau vergewaltigt wird, fahren hier durch die Nacht, die sich für sie zu einem Alptraum aus (unfreiwilligem) Sex und Gewalt entwickelt. 

    Während einem in den ersten Minuten noch der schöne Score von Marcello Giombini etwas Friedliches verspricht, wird der Eindruck schnell getrübt, wenn die drei Widerlinge David, Elio und Nico aufmarschieren und schon am Bahnhof die erst Frau angraben. Die Drei werden von Werner Pochath, Carlo De Mejo und Fausto Lombardi dargestellt, die erfolgreich nicht eine Sekunden nett sein können. Was die Auswahl unangenehmer Figuren angeht, kann man sich bei HORRORSEX IM NACHTEXPRESS nicht sattsehen. Die Meisten sind schmierig, verkommen, verlogen oder sind mit Problemen behaftet, und Baldi lässt es einem minütlich wissen. Als Kontrast zu den Drei Strolchen kommt mit Silvia Dionisio und Zora Kerova wenigstens ein bisschen Glanz in die Inszenierung. 

    HORRORSEX IM NACHTEXPRESS hat den Charme eines Aschenbechers und setzt statt auf eine spannende Geschichte lieber auf Scheußlichkeiten. Nicht eine Figur soll Trost oder Hoffnung spenden oder einem das Gefühl geben, sich in Baldis Film wohl zu fühlen. Selbst George Eastman, der sich für das Drehbuch verantwortlich zeigte, möchte heute nichts mehr mit dem Film zu tun haben.

    HORRORSEX IM NACHTEXPRESS
    bietet Sex, Gewalt und ganz viel miese Laune. Baldis Film ist ein schmieriges, unverblümtes Zeitzeugnis europäischen Exploitationkino. Wer es ähnlich, aber sehr viel besser haben möchte, dem sei Aldo Lados NIGHT TRAIN – DER LETZTE ZUG IN DIE NACHT (1975) empfohlen, der eine sehr viel stärkere Antwort auf Wes Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) darstellt. 

    (Bjoern Candidus)

  • 104. Die Forke des Todes (1981)

    104. Die Forke des Todes (1981)

    OT: THE PROWLER

    USA, 1981

    Regie: Joseph Zito

    Bjoern Candidus und Marco Fritz begeben sich mal wieder in die Welt der 80er-Jahre-Horror-Slasher und besprechen DIE FORKE DES TODES.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Deadly Bees, 1966 – ★★½

    The Deadly Bees, 1966 – ★★½

    DIE TÖDLICHEN BIENEN 
    (THE DEADLY BEES, GB, 1967, Regie: Freddie Francis)

    Auf einer englischen Insel kommt es zu Angriffen von hochgiftigen Bienen, deren Stiche tödlich enden. Zur gleichen Zeit macht die Sängerin Vicky Robbins einen Erholungsurlaub Seagull Island, der anders verläuft als erwartet. 

    Als Antwort auf Hitchcocks Tierhorrorfilm-Erfolg DIE VÖGEL (1963) entstand unter der Regie- und Kameramann-Legende Freddie Francis DIE TÖDLICHEN BIENEN für die britisch britische Produktionsschmiede Amicus. Das Drehbuch stammt von Robert Bloch, während die Story „A Taste of Honey“ auf H.F. Heard zurückgeht.

    Während Francis als Regisseur fungierte, stand John Wilcox hinter der Kamera, der DIE TÖDLICHEN BIENEN sehr schön fotografiert hat. Das Insel-Setting mit den pittoresken Häusern und die heimelige Wald- und Wiesen-Kulisse sorgt für die typisch britische Wohlfühl-Atmosphäre. Sehr gelungen sind auch die Bienen, bzw. ihre Attacken, die mit echten und gemalten einkopierten Bienen gemischt wurden. Faszinierend sind vor allem die Szenen, wenn echte Bienen in (menschliche?) Haut stechen. 

    Statt Stars wie Peter Cushing oder Christopher Lee zu bekommen, backt man mit Suzanna Leight, Frank Finlay und Guy Doleman sehr viel kleine Brötchen, dennoch macht die Besetzung durchweg Spaß und sorgt für etwas Schrulligkeit im Rahmen der durchaus interessanten Geschichte, die sich gegen ungeahnt Ende entwickelt. Schön ist der Auftritt von Michael Ripper, den sich die Amicus-Productions kurz bei den Hammer-Studios geliehen haben.

    Im großen Ganzen ist DIE TÖDLICHEN BIENEN ein charmanter Beitrag der Pre-Tierhorrorfilm-Welle, bei dem Francis aber leider etwas die Spannung vergessen und bis auf die Bienen keine sonstigen Schauwerte hinterlassen hat.

    (Bjoern Candidus)

  • Jack the Ripper, 1976 – ★★★★½

    Jack the Ripper, 1976 – ★★★★½

    JACK THE RIPPER – DER DIRNENMÖRDER VON LONDON*
    (Deutschland, Schweiz, Spanien, 1976, Regie: Jess Franco)

    Hat man sich daran gewöhnt, dass Jess Franco seinen JACK THE RIPPER in Zürich statt London gedreht hat, darf man sich auf eine sehr gute Verfilmung des weltberühmten Kriminalfalls freuen. Franco hat sich viel Mühe gegeben, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, um ein London-Gefühl zu erzeugen. Das ist zwar nicht wirklich gelungen, dennoch sind die kleinen, gepflasterten Sträßchen von Zürich ansehnlich genug, um den Schauplatz als alternatives London zu akzeptieren. Auch die Fluss-Szenen, in denen Herbert Fux als Angler Leichenteile an Land zieht, wissen zu gefallen. Man bekommt rustikale Räume und ein schönes Gewächshaus zu sehen und darf sich auf ein lebendiges Treiben im Rotlichtmilieu freuen. Handwerklich ist JACK THE RIPPER wirklich gut gemacht und gehört zu den stimmigsten Produktionen des Spaniers, was hier natürlich auch am Produzenten Erwin C. Dietrich lag, mit dem Franco einen ganzen Filmzyklus auf die Beine stellte. 

    Neben bereits erwähntem Herbert Fux ist es vor allem Klaus Kinski, der hier als Jack the Ripper glänzend besetzt ist. Tagsüber arbeitet er als gewissenhafter Doktor, nachts bringt er Prostituierte um. Kinski macht die Rolle sichtlich Spaß und bekommt von Franco viel Spielzeit eingeräumt. Des Weiteren sind Charlie Chaplins Tochter Josephine Chaplin und Lina Romay an Bord, die neben den vielen weiteren kleinen Rollen einen guten Eindruck hinterlassen. 

    Eindruck hinterlassen auch die wenigen, aber harten Gore-Szenen, die sehr explizit präsentiert werden. Ausgeweidete Körper und abgeschnittene Brüste erlebt man bei Franco nicht alle Tage, aber es geht ja auch um Jack the Ripper. Weniger gelungen ist der monotone Score von Walter Baumgartner, der mich zunehmend mehr genervt hat. 

    JACK THE RIPPER – DER DIRNENMÖRDER VON LONDON ist ein atmosphärischer, garstiger Film mit einem starken Klaus Kinski, der auch Franco-Skeptikern gefallen könnte. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Tales of Frankenstein, 1958 – ★★★

    Tales of Frankenstein, 1958 – ★★★

    FRANKENSTEIN-GESCHICHTEN
    (TALES OF FRANKENSTEIN, GB, USA, 1958, Regie: Curt Siodmak)

    Baron Frankenstein braucht ein neues Gehirn für seine aktuelle Kreation, denn das letzte stammte von einem Mörder, was für Ärger gesorgt hat. Da kommt ihm das Ehepaar Paul und Christine Halpert gerade recht. Paul ist schwer krank und die beiden erhoffen sich Hilfe von Frankenstein, denn schließlich sagt man sich, er könne neues Leben schaffen. Frankenstein kann Paul nicht helfen. Doch als Paul schließlich seiner schweren Krankheit erliegt, greift der Baron zu seinem Gehirn und verpflanzt es ihn einen anderen Körper.  

    Nachdem die Hammer-Studios mit FRANKENSTEINS UNGEHEUER (1957) einen großen Erfolg feierten, plante man, zusammen mit Screen Gems, der Tochtergesellschaft von Columbia Pictures, eine Serie zum Thema, die über einen Pilotfilm hinaus nicht weiter produziert wurde. Der fertige Pilotfilm wurde dementsprechend auch gar nicht erst ausgestrahlt und erblickte Jahre später im Rahmen diverser Ausstrahlungen und späterer DVD, bzw. Bluray-Veröfentlichungen das Licht der Welt. 

    Was bei hier direkt auffällt ist das Schwarzweißbild und die Vampirbräute aus DRACULA (1931), die man in den Vorspann geschnitten hat. Zeichnet sich FRANKENSTEINS UNGEHEUER auch dadurch aus, dass er der erste britische Horrorfilm in Farbe ist, fühlt man sich hier sofort zurückversetzt in alte Universal-Frankenstein-Zeiten. Dieser Eindruck wird dann noch mehr verstärkt, wenn man das Make-up des Monsters sieht, was mehr an Karloff als an Lee angelehnt wurde. Hier wurde Frankensteins Kreation von Don Megowan verkörpert, der einen ziemlich bemitleidenswerten Auftritt hat, was aber durchaus zu der prekären Situation passt. Sehr stimmig ist Anton Diffring, den man sofort an den Augen erkennt und vom Typ her sowieso Ähnlichkeiten mit Peter Cushing hat, den ich persönlich für den besten Frankenstein-Darsteller halte. Aber Diffring hinterlässt als Frankenstein ebenfalls einen guten Eindruck, auch wenn er sich im Rahmen von 28 Minuten natürlich nicht genug entfalten kann. Nichts kann sich hier so richtig entfalten, dennoch hat sich Regisseur Curt Siodmak und sein Team Mühe gegeben, zumindest ein bisschen Grusel-Atmosphäre zu erzeugen. Es gibt die obligatorische Dorfschänke, einen Friedhof und das Labor, was nett ausgestattet wurde. Zudem ist die Geschichte recht interessant. Dennoch wirkt das Ganze durch das Fehlen der Farbe selbst für 1958 etwas antiquiert.

    FRANKENSTEIN-GESCHICHTEN ist ein durchaus sehenswerter Beitrag in der Welt der Frankenstein-Adaptionen und hätte durchaus eine interessante Serie mit sich ziehen können. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dumplings, 2004 – ★★★½

    Dumplings, 2004 – ★★★½

    DUMPLINGS – DELIKATE VERSUCHUNG
    (GAAU JI, Hongkong, 2004, Regie: Fruit Chan)

    Man kann in Jungfrauen Blut baden, sich das Blut von Kindern hinter die Binde kippen oder einfach in Meis mit menschlichen Föten gefüllte Teigtaschen beißen, um ewig jung zu bleiben. Letzteren Weg wählt Qing Li, die allerdings noch gar nicht weiß, was sie serviert bekommt. Für Qing Li ist es wichtig, wieder attraktiv für ihren Ehemann zu sein, der sie mit einer jüngeren Frau betrügt. Auch als sie herausfindet, dass Mei abgetriebene Föten für die Teigtaschen verwendet, beißt sie herzhaft zu. Und als sie merklich schöner wird, klappt plötzlich auch der Sex mit ihrem Mann wieder. Doch dann fängt sie an zu stinken.

    Das Thema ewige Schönheit, Gesundheit und ein langes Leben ist besonders im Horrorkino seit jeher zugegen. Regisseur Fruit Chan verschiebt den klassischen Vampir und den Mythos um Elisabeth Báthory in ein modernes Hongkong und serviert eine kulinarische Version des Themas, die Leuten mit empfindlichen Magen durchaus zu schaffen machen könnte.

    Sieht man von den trostlosen Außenfassaden der Gebäude ab, liefert Fruit Chan im Inneren viel Farbe und eine schöne Ausstattung. Auch die Kleidung der beiden Frauen Mei und Qing Li ist sehr gut gewählt und bringt Leben in die Inszenierung. Leben basierend auf Tod, trifft es genau, und so kann es hier noch so bunt sein, mein Magen wurde immerzu getriggert. 

    In ästhetischen Bildern bekommt man ein paar wirklich heftige Moment geliefert, wie die Abtreibung eines Fötus einer 15-jährigen, dessen Vater nicht die Finger von seiner Tochter lassen konnte oder das langsame Verspeisen der Teigtaschen, wenn Knackgeräusche aus dem Mund von Qing Li kommen. An kurzen, geschickt eingebauten Szenen kann man auch ein Blick auf die Föten werfen, die von Mei liebevoll und mit aller Sorgfalt zubereitet werden, natürlich nicht ohne den Chinakohl zu vergessen. 

    Köchin Mei, eine ehemalige Ärztin, die dank ihrer besonderen Medizin wesentlich jünger aussieht als sie ist, wird von Bai Ling dargestellt. Ihre Kundin Qing Li wird von Miriam Yeung verkörpert. Beide Damen sind nicht nur schön, sie liefern auch ein sehr gutes Schauspiel. Besonders Yeung fährt ab der Hälfte richtig hoch, wenn sie ihren Ehemann zurückgewinnt und einen bizarren Schachzug gegen seine Geliebte ausführt. 

    Die Eheprobleme von Qing Li, Meis Beschaffungen der Föten und die illegale Abtreibung, zu der es ebenfalls noch einen kleinen separaten Handlungsstrang gibt, machen DUMPLINGS zu einem reichhaltigen Kannibalen-Horrorfilm. Auch wenn Fruit Chan lieber auf Ekel statt auf Spannung setzt und sich kleinere Längen bemerkbar machen, wird man hier auf höchst bizarre Art unterhalten, wie es nur das asiatische Kino kann. Abgeschmeckt wird das Menü von Kwong Wing Chans Score, der mal klassisch und mal experimentell klingt. 

    Wer nur die halbe Portion haben möchte: DUMPLINGS ist auch im Rahmen des Episoden-Horrorfilms THREE… EXTREMES (2004) erschienen.

    (Bjoern Candidus)

  • Night School, 1981 – ★★★★

    Night School, 1981 – ★★★★

    TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER
    (NIGHT SCHOOL, USA, 1981, Regie: Ken Hughes)

    In Boston ereignet sich eine Reihe brutaler Frauenmorde. Der Killer scheidet den Frauen stets die Köpfe ab, die er aber am Tatort zurücklässt. Detective Judd Austin ermittelt in dem Fall, der ihn schnell in das Umfeld des Anthropologie-Professors Millett führt, aus dem die Opfer stammen. 

    TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER ist ein durchaus interessanter Beitrag, der mitten auf der Slasher-Welle entstanden ist, aber sich vielmehr wie ein waschechter Giallo anfühlt. Regie führte Ken Hughes (CASINO ROYALE, 1967), wobei ursprünglich Alfred Sole vorgesehen war. 

    TERROR EYES ist in Boston angesiedelt, wo er auch gedreht wurde. Allein das Großstadt-Setting bewegt die Inszenierung weg vom herkömmlichen Slasher, und der Killer, der in einer schwarzen Motorradlederkluft gehüllt ist und seine Identität unter einem passenden Helm verbirgt, weckt Erinnerungen an italienische Thriller, wie DER TOD TÄGT SCHWARZES LEDER (1974) und NACKT FÜR DEN KILLER (1975). Der ganze Aufbau der Story, die Figuren und die kreativen Morde (z.B. eine Enthauptung auf einem Karussell) hätten genauso gut aus Italien stammen können. 

    Zudem wurde TERROR EYES ordentlich fotografiert und bewegt sich angenehm von Schauplatz zu Schauplatz, um nie zu langweilen. Das tut er ohnehin nicht, denn die Figuren sind durchaus interessant gezeichnet und gut besetzt. Mit Leonard Mann als Detektive Judd Austin gibt es dann sogar eine handfeste italienische Verbindung. Der gebürtige Amerikaner ist nämlich im Italo-Western großgeworden und stand neben Leuten wie George Eastman, Woody Strode und Ivan Rassimov. Er bliebt den Italienern treu, bis er in den 80er-Jahren auch diverse Rollen in US-Produktionen annahm. Drew Snyder ist als Professor der Anthropologie dabei, während Rachel Ward seine Assistentin Eleanor verkörpert. Insgesamt ist TERROR EYES gut besetzt und bewegt sich fernab von der schreienden Teenie-Welt jener Tage. Stattdessen bekommt man zwei Lesben serviert, die im damaligen US-Kino auch nicht häufig vorkamen. Brad Fiedel, der die besten Zeiten noch vor sich hatte, sorgt für einen durchaus soliden Score. 

    TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER ist ein spannender Großstadt-Slasher-Thriller, der sich angenehm untypisch verhält und mit einem erstaunlichen Ende aufwartet. 

    (Bjoern Candidus)

  • R-Point, 2004 – ★★

    R-Point, 2004 – ★★

    R-POINT
    (ALPOINTEU, Südkorea, 2004, Regie: Kong Soo-chang)

    Vietnam, 1972. Ein koreanischer Soldatentrupp wird auf eine Insel gesandt, auf der eine Einheit Soldaten verschwunden ist. Das letzte Lebenszeichen war ein Funkspruch vom R-Point, einem strategisch wichtigen Punkt der Insel. Der einzige Überlebende berichtet davon, dass sein ganzer Trupp grausam getötet wurde. Doch von den Leichen fehlt jede Spur. Als der Trupp unter der Leitung von Lieutenant Choi dort ankommt, gerät er erst mal unter feindlichen Beschuss, bevor er einem Trupp von US-Soldaten begegnet, dessen Lieutenant ihnen erzählt, das niemand am R-Point überlebt. 

    Die Prämisse von Kong Soo-changs R-POINT klingt erst mal interessant und erinnert ein wenig am PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975), nur eben mit Soldaten. So subtil wie Weirs Film ist Soo-changs Horrorfilm jedoch nicht. Es dauert allerdings lange, bis etwas Übersinnliches passiert, um dem Genre gerecht zu werden. Löblich ist erst mal die Kombination Kriegsfilm und Horrorfilm. Ein paar Jahr vorher entstanden Filme wie THE BUNKER (2001) und DEATHWATCH (2002), die ebenfalls den Horrorfilm mit dem Kriegsfilm kombinierten. Wenn der koreanische Soldatentrupp die vietnamesische Insel betritt, dauert es nicht lange, bis sich der Krieg zeigt, wenn eine vietnamesische Frau das Feuer eröffnet. Nachdem die Frau schließlich schwer verletzt wird, bekommen die Soldaten den Befehl, sie zu erlösen, doch niemand bringt es fertig, die Frau zu erschießen. Und so lassen sie sie sterbend zurück. Nach dieser sehr harten Szene läuft der Trupp erst mal lange Zeit durch den Dschungel oder über Felder. Die Naturkulisse (gedreht wurde im Preah Monivong National Park in Kambodscha) bringt ein starke, geisterhafte Atmosphäre mit, wenn z.B. der Nebel über die Felder zieht oder man sich zwischen den Ruinen alter Tempel befindet. Sehr gelungen ist auch das verrottete Krankenhaus, in das sich der Trupp einnistet. 

    Lange Zeit fragt man sich, was hier eigentlich passiert, und Antworten kommen kaum bis gar nicht. Stattdessen wurde ich immer mehr verwirrt. Hin und wieder rüttelt einen Soo-chang auf, lässt jemanden mittels Sprengfalle hochgehen, während sich ein anderer erhängt. Aber letztlich ist man immer so schlau wie die Soldaten, was grundsätzlich nicht schlecht ist, aber hier einfach nicht besonders gut funktioniert. Die ganze Inszenierung ist einfach viel zu lang und sperrig, und irgendwann setzt eine regelrechte Ödnis ein, die zumindest vom einem gelungenen Finale beendet wird.

    Löblich ist die Besetzung und die Figuren, die sie verkörpern. Nicht, dass die Charaktere besonders tiefgreifend wären, aber sie verhalten sich um Welten angenehmer als ähnlich gelagerte Kandidaten im US-Kino. Hier ist keiner super cool, hier ist keiner super böse, aber abgefuckt sind sie alle.

    R-POINT verspricht, mehr als er halten kann. Die unheimliche Atmosphäre und die wenigen Horror-Szenen können die lange Strecke der Trostlosigkeit nicht ausgleichen. 

    (Bjoern Candidus)