Autor: marco-fritz

  • The Dead Come Home, 1989 – ★★★

    The Dead Come Home, 1989 – ★★★

    HEXENHAUS
    (DEAD DUDES IN THE HOUSE, USA, 1989, Regie: James Riffel)

    Eine Gruppe Jugendlicher will ein altes Landhaus renovieren, auf dem angeblich ein Fluch liegt. Als eine alte dämonifizierte Frau auftaucht, wird das Haus zur Todesfalle. 

    Auch wenn James Riffels DTV-Splatter-Horrorfilm keine Innovationen bietet (von einer fiesen Dämonen-Oma, die von einem Mann gespielt wird, mal abgesehen), serviert er doch handwerklich einen recht soliden Film, der es natürlich in erster Linie darauf abzielt, Gore-Effekte zu zeigen. Und die haben es teilweise auch in sich und erinnern an Filme wie EVIL DEAD (1981). Aber der Gore ist nicht das Einzige, was an Raimis Splatter-Klassiker erinnert. Das Haus in der Abgeschiedenheit des Waldes und die Figuren runden das Bild ab. Bei den Darstellen hakt es manchmal etwas, doch insgesamt schlagen sie sich ausreichend genug und sind weniger nervig als viele andere in ähnlich gelagerten Produktionen. Dennoch sind hier die größten Schwächen zu finden.

    Man erkennt deutlich die Liebe von Riffel für sein HEXENHAUS, der freundlicherweise im Rahmen des Troma-Katalogs aufgenommen wurde, wo er auch ganz gut rein passt. Seine darstellerischen Defizite gleicht Riffel durch ein paar atmosphärische und sogar spannende Momente aus, die leider insgesamt zu kurz kommen. Immer wieder spielt sich auch unfreiwillige Komik mit rein, die die Inszenierung manchmal zum schwanken bringt.

    Unter dem Strich ist HEXENHAUS ein gutgemeinter Horrorfilm, der vor allem Gore-Fans bedient. Wer auf Filme wie EVIL DEAD, RABID GRANNIES (1988), GHOSTHOUSE (1988) oder DEMON WIND (1990) steht, kann hier einschalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • Billy the Kid Versus Dracula, 1966 – ★★½

    Billy the Kid Versus Dracula, 1966 – ★★½

    BILLY THE KID VS. DRACULA
    (USA, 1966, Regie: William Beaudine)

    Graf Dracula reist mit einer Postkutsche durch den Wilden Westen, wo er Halt an einer Ranch macht, wo er auf die schöne Betty stößt, bei der er sich als ihr Onkel James Underhill ausgibt. Sein Gemach findet der Graf in einer alten Silbermine, in die er gerne mit Betty wohnen möchte. Doch da ist noch Billy the Kid, der ebenfalls Interesse an Betty hat.

    Cowboys, Indianer und Graf Dracula serviert hier der sehr fleißige William Beaudine (JESSE JAMES MEETS FRANKENSTEIN‘S DAUGHTER, 1966) und kombiniert auf charmante, wenn auch reichlich naive Art, den Western mit dem Horrorfilm.  

    John Carradine sieht als Dracula mit Cape, Zylinder, roter Fliege, Schnurr- und Kinnbart mehr aus, wie der lustige Bruder von Coffin Joe. Den Namen Dracula trägt der Vampir nur auf dem Cover, und im Film erfährt man nur seinen Decknamen „James Underhill“. In eine niedliche (Stoff-)Fledermaus kann er sich auch verwandeln. Den berühmt-berüchtigten „Billy the Kid“ verkörpert Chuck Courtney, der ziemlich blass und ausdruckslos daherkommt. Etwas mehr Auflockerung kommt da mit den Nebenfiguren herein, z.B. mit einem alten deutschen Ehepaar, was auswandert.

    Alles in allem ist BILLY THE KID VS. DRACULA eine spaßige Angelegenheit, die sehr soft und spannungsarm daherkommt, aber durch seine schrullige, komische Art ein unterhaltsamer Sonderling im Vampirfilm darstellt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 88

    Traumstadt Gazette Ausgabe 88

    Embryos in Teigtaschen, Chow Yun-fat hinter Gitterstäben, schöne Haut aus Frankreich…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz sprechen für Euch über

    -KWAIDAN (1964)

    -DIE VALACHI-PAPIERE (1972)

    -TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER (1981)

    -PRISON ON FIRE (1987)

    -IN MY SKIN (2002)

    -DUMPLINGS (2004)

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Mephisto Waltz, 1971 – ★★½

    The Mephisto Waltz, 1971 – ★★½

    MEPHISTO-WALZER
    (THE MEPHISTO WALTZ, USA, 1971, Regie: Paul Wendkos)

    Der erfolglose Pianist Myles Clarkson arbeitet als Musikjournalist und ist hoch erfreut, als er erfährt, dass er den virtuosen Pianisten Duncan Ely interviewen darf. Als ihn Myles in seinem Haus aufsucht, ist der alte, schwerkranke Mann begeistert von den Händen des Journalisten. Bestens aufgestellt im Wissen über Okkultismus und Satanismus plant er ein Ritual, was das Leben beider Männer für immer verändern wird. 

    Mit ROSEMARY‘S BABY (1968) hat das Horrorkino die Moderne erreicht und ein bis heute beliebtes Thema bedient: Okkultismus und den Satan persönlich. Mit DER EXORZIST (1973) wurde das Thema schließlich auf die Spitze getrieben und bis heute durchexerziert. Dazwischen ist der MEPHISTO-WALZER erschienen, der auf einem Roman von Fred Mustard Stewart basiert, der im Jahr 1969 veröffentlicht wurde, also ein Jahr nach dem Erfolg von Polanskis Ira Levin Adaption.

    Regie führte Paul Wendkos (DIE RACHE DER GLORREICHEN SIEBEN, 1969), der bereits während der in knalligen Farben getränkten Titel-Sequenz verrät, dass hier böse teuflische am Werk sein werden. Nach diesem feurigen Auftakt setzt sich die Inszenierung erst mal und präsentiert die noch heile Welt der Familie Clarkson. Alan Alda spielt den erfolglosen Pianisten Myles Clarkson. Alda war eine gute Wahl, Curd Jürgens als Duncan Ely eine noch bessere. Wie eine Spinne zieht der dekadente Pianist seine Fäden, um gemeinsam mit seiner Tochter Roxanne einen finsteren Plan durchzuführen. Roxanne wird von Barbara Parkins verkörpert, während Jaqueline Bisset in die Rolle von Paula Clarkson schlüpft, der man kurzzeitig Bradford Dillman als Bill, den Ex-Mann von Roxanne, an die Seite stellt. Trotz der guten Darsteller kommt es zu Schwächen in den Charakterzeichnungen, was wohl in erster Linie auf das Drehbuch zurückzuführen ist. Insgesamt mangelt es MEPHISTO-WALZER an Spannung, da schnell klar wird, wo der Hase lang läuft. Zudem wird die Atmosphäre zu lange heruntergeschraubt, und die Sets, in der Regel Wohnungen, sind ziemlich trist. Ein bisschen Aufwertung kommt mit dem Score von Jerry Goldsmith, der zumindest zeitweise auf akustischer Ebene die Spannung erhöht. 

    Trotz der interessanten Prämisse, besitzt MEPHISTO-WALZER nur wenig Schauwerte. Hin und wieder kommt es zu ein paar Horror-Momenten, aber insgesamt bleibt nur wenig hängen, was vermutlich mit ein Grund ist, warum der Film heutzutage nur noch wenig bekannt ist. Ein Okkult-Horrorfilm auf Sparflamme. 

    (Bjoern Candidus)

  • The House of the Devil, 2009 – ★★★★½

    The House of the Devil, 2009 – ★★★★½

    THE HOUSE OF THE DEVIL
    (USA, 2009, Regie: Ti West) 

    Samantha, eine junge Studentin, braucht Geld. Da kommt ihr der Gesuch eines Babysitters an einem Schwarzen Brett wie gelegen. Doch die Sache hat einen Haken, denn eigentlich soll Samantha auf die alte Mutter von Mr. Ulman aufpassen, da er mit seiner Frau für ein paar Stunden aus dem Haus muss. Widerwillig nimmt sie den Job an, der ihr immerhin 400$ einbringen sollen.  

    Mit THE HOUSE OF THE DEVIL hat Ti West (THE INNKEEPERS, 2011) eine sehr gelungene 70er- / 80er-Jahre-Okkult-Horrorfilm-Hommage geschaffen, die sich alle Zeit nimmt, um sich zu entfalten. Durch den langsamen Aufbaues der Geschichte schafft West von Beginn an, eine unheimliche Atmosphäre zu erzeugen, und das triste, winterlichen Wetter und der wirklich unheimliche Score von Jeff Grace tragen dazu bei. Der ganze Stil wirkt tatsächlich komplett aus der Zeit gefallen, und West kann einem glaubhaft weiß machen, sein Film wäre bereits 30 Jahre alt. Trotz dem nostalgischen Anstrich wirkt THE HOUSE OF THE DEVIL nie aufdringlich „retro“ und gibt sich mit Kleinigkeiten, wie einem Walkman und einem Telefon zufrieden. 

    Lange Zeit hält sich West mit Schockeffekten oder anderem plakativem Horror zurück. Der wunderbare Tom Noonan sorgt als Mr. Ulman erst mal über Telefon für Gänsehaut, bis Samantha ihn und seine Frau wegen des „Babysitter-Jobs“ aufsucht. Mrs. Ulman wird von Mary Woronov dargestellt, die einem, wie Noonan, ein schauriges Gefühl einjagt, wenn sie nur den Mund aufmacht. Ein perfekt besetztes Paar, was zu keiner Zeit das Vertrauen des Zuschauers gewinnen möchte. Spätestens ab dem Betreten des Hauses der Ulmans, stehen die Zeichen auf Finsternis. Jocelin Donahue hinterlässt als Samantha einen guten Eindruck. Ihre Figur ist zwar etwas naiv gezeichnet, aber sie passt sehr gut in die Rolle eines 80er-Jahre-Girls. Die Darsteller sind nicht zu verachten und machen einen Großteil der Stärke des Films aus. 

    THE HOUSE OF THE DEVIL zieht sich eindrücklich von Minuten zu Minute wie eine Schlinge enger um den Hals. West hat hier einen puren Horrorfilm gezaubert, den ich immer wieder gerne schaue.

    (Bjoern Candidus)

  • Enter the Dragon, 1973 – ★★★★½

    Enter the Dragon, 1973 – ★★★★½

    DER MANN MIT DER TODESKRALLE
    (ENTER THE DRAGON, Hongkong, USA, 1973, Regie: Robert Clouse)

    Lee, ein meisterlicher Kämpfer des Shaolin-Tempels, soll für einen internationalen Geheimdienst arbeiten. Sein Auftrag besteht darin, an dem brutalen Turnier von Han Shih Kien auf dessen Insel teilzunehmen. Natürlich ist das nur ein Vorwand, denn Lee soll herausfinden, welchen Machenschaften Han Shih Kien auf seiner Insel nachgeht.

    Wer mal wieder einen Film sehen möchte, der mit jedem Bild pures Kino zeigt, der sich von vorne bis hinten mit einer phantastischen Ausstattung schmückt, eine bombastische Soundkulisse und einen mitreißenden Soundtrack von Lalo Schifrin besitzt, dem sei DER MANN MIT DER TODESKRALLE empfohlen. Und wer nebenbei noch die größte Martial-Arts-Film-Legende, Bruce Lee, erleben will, wie er jeden wegschlägt und wegtritt, der sich ihm in den Weg stellt, dem sei erst recht DER MANN MIT DER TODESKRALLE empfohlen. 

    Regisseur Robert Clouse schickt hier Bruce Lee in seinen ersten Hollywood-Film, der zugleich auch sein letzter wurde, denn der Meister des Jeet Kune Do verstarb kurz nach den Dreharbeiten und durfte die Premiere von DER MANN MIT DER TODESKRALLE nicht mehr erleben. 

    Die US-Hongkong-Co-Produktion besticht bereits in der ersten Minute durch die Kraft ihrer Bilder, die einen in ein faszinierendes Hongkong entführen. Dort darf man sich fernöstlichen Kampfkunsttraditionen hingeben, die einem den Atem rauben und wundersam aufzeigen, wozu der Menschliche Körper in der Lage sein kann. 

    Aufgebaut ist DER MANN MIT DER TODESKRALLE etwas wie ein James Bond-Film mit dem typischen Bösewicht, in dem Fall Han Shih Kien, der sogar mal kurz eine weiße Katzen halten darf und seiner Armee von Kämpfern auf einer Insel, auf der nichts Gutes im Schilde geführt wird.  
    Doch statt moderne Vehikel oder versteckte Minipistolen aus dem Hut zu zaubern, wie es ein James Bond macht, setzt Lee nur seinen Körper ein und kämpft sich überaus brutal levelartig nach oben und streckt jeden nieder, egal wie groß oder stark er ist, bis er im Spiegelsaal-Finale gegen Han Shih Kien antritt und ich mich kurz in einem Giallo zu befinden glaubte. 

    Aber es ist nicht nur der Körpereinsatz von Bruce Lee, John Saxon und allen, die hier zeigen, was sie drauf haben, sondern auch die tolle Regie von Robert Clouse, der einen in eine geheimnisvolle Welt zieht, in der es in allen Ecken was zu entdecken gibt. Man wird förmlich erschlagen von Formen, Farben und einer faszinierenden Kultur, die von Gil Hubbs meisterlich fotografiert wurde.

    DER MANN MIT DER TODESKRALLE ist ein auf Film gebanntes Beben, was heute noch zu spüren ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Full Contact, 1992 – ★★★★½

    Full Contact, 1992 – ★★★★½

    COVER HARD
    (HAAP DOU KO FEI, Hongkong, 1992, Regie: Ringo Lam)

    Der Kleinkriminelle Jeff und sein Freund Sam brauchen Geld, um ihre Schulden zu bezahlen und planen, mit dem brutalen Gangsterboss Judge einen gemeinsamen Überfall auf einen Waffentransport. Doch nach Gelingen der Aktion offenbart Judge seinen wahres Gesicht und lässt Jeff durch Sam töten. Aber Jeff hat überlebt, und er plant einen Rachefeldzug, den er bei Sam startet.

    Auch wenn COVER HARD vielleicht schon der tausendste Rachefilm ist, den ich gesehen habe, werde ich des Themas nicht müde, da es so universell anwendbar ist. COVER HARD mag inhaltlich zwar nicht viel bieten, aber dafür liefert Hongkong-Legende Ringo Lam ein Fest der Action und Gewalt, verpackt in wahnsinnig schön fotografierten Bildern. 

    Erneut darf Chow Yun-Fat beweisen, was für ein toller Schauspieler er ist, wenn er diesmal in die Rolle des motorradaffinen Kleinkriminellen Gou Fei schlüpft und mit Bürstenschnitt und Lederweste seinen Rachefeldzug antritt. Sein Gegenspieler Judge wird von Simon Yam dargestellt, der sich als homosexueller und supercooler Gangsterboss ziemlich abhebt, vor allem, wenn er seinen Loverboy neben sich hat. Der feine Herr hat es faustdick hinter den Ohren, und seine Leute gehen mit äußerster Brutalität vor, doch die haben die Rechnung ohne Gou Fei gemacht, der gemeinsam mit seinem Partner Sam Sei (Anthony Chau-Sang Wong) das große Reinigungsprogramm startet. 

    In COVER HARD wird geschossen, gestochen, geschlagen und getreten, bis zum Gehtnichtmehr, und der Gore-Freund darf sich hier auf hervorragend gemachte Einschüsse freuen, die den Saft des Lebens in alle Richtungen verteilen. Lam feuert sein Programm ab, und die Minuten verpuffen nur so. Trotz dem Tempo ist die Inszenierung nie hektisch oder nervig, aber alles steht unter Strom. Gedreht wurde in Bangkok, was Lam in vielen knalligen Neonfarben präsentiert und trotzdem düster und bedrohlich hält. Ein Schauplatz folgt dem nächsten, dazu liefert Teddy Robin Kwan einen phantastischen Score, der mit den Impressionen eine Einheit bildet. 

    Neben dem rasanten Ablauf gönnt einem Lam aber auch immer wieder kurze Verschnaufpausen, um die vielen ausgefallenen Charaktere und ihre Konflikte zu vertiefen, bevor erneut der Putz von den Wänden bricht und in einem explosiven Finale endet.  

    COVER HARD ist ein hochexplosiver Heroic Bloodshed-Rachefilm, der mich von der ersten bis zur letzten Sekunde gepackt hat. 

    (Bjoern Candidus)

  • Torso, 1973 – ★★★★½

    Torso, 1973 – ★★★★½

    TORSO*
    (I CORPI PRESENTANO TRACCE DI VIOLENZA CARNALE, Italien, 1973, Regie: Sergio Martino) 

    Mit Sergio Martinos Giallo TORSO oder DIE SÄGE DES TEUFELS habe ich eine lange Verbindung. Ich kenne den Film seit Mitte der 90er-Jahre und es war neben Argentos OPERA (1987) mein erster Giallo, ohne zu wissen, was ein Giallo ist, denn der Begriff war zu dieser Zeit hierzulande kaum zu finden. Der ganze Stil des Films hat mich angesprochen. Ein paar Jahre später sollte ich Zugriff auf viele weitere Filme aus Italien bekommen, und so wurde eine Leidenschaft geweckt, die bis heute anhält. 

    TORSO ist Martinos fünfter Giallo, den er in nur drei Jahren gedreht hat, und wieder hat er einen ganz anderen Ton angeschlagen und schickt diesmal junge Studentinnen der Kunstgeschichte ins Rennen, die sich in einer abgelegenen Villa auf einem Berg das Wochenende versüßen wollen. Doch auch ein Killer hat sich auf den Weg gemacht, um die Damen nach und nach aus dem Leben zu verjagen. 

    Bei der Besetzung hat Martino direkt ein paar gute Bekannte am Start. Da sind z.B. Suzy Kendall als Jane, Tina Aumont als Daniela, Luc Merenda als Arzt, John Richardson als Uni Professor und Ernesto Colli als Schalverkäufer. Die meisten Figuren bieten genug Charakter, um die an sich flache Geschichte aufrecht zu halten. Aber um eine komplexe Geschichte mit tiefgreifende Figuren soll es hier ohnehin nicht gehen.

    Martino legt hier viel Wert auf Naturschauplätze mit Bäumen, Flüssen und Bergen im Sonnenlicht. Das Meiste findet am Tage statt. TORSO verbreitet ein gewisses Urlaubsfeeling, was allerdings schnell getrübt wird, wenn der Killer zuschlägt. Hier holt Martino richtig aus und serviert ein paar grafische Morde, die es in sich haben. Einem Mann wird der Schädel mittels Auto zermalmt, Frauen werden erwürgt, zersägt usw. Martino hält drauf, lässt aber auch einige Morde im Off geschehen und präsentiert anschließend die Resultate. Das Giallo-Kino hat immer wieder slasherartige Züge, aber TORSO deutet durch das Erscheinungsbild des Killers und seine grafischen Morde noch deutlicher in Richtig US-Slasher-Kino, das durch HALLOWEEN (1978) und FREITAG DER 13. (1980) etabliert wurde, aber bereits in Filmen wie BLACK CHRISTMAS (1974) zuerkennen war. Martinos Film ist gleichzeitig auch ein waschechter Giallo, der einige Verdächtige liefert, schöne Frauen bereithält und einige sehr spannende und atmosphärische Momente besitzt, die Martinos Qualitäten erneut erkennen lassen. Zudem wird die Inszenierung von einem hervorragenden Score von den Gebrüdern De Angelis begleitet, der zu ihren besten Arbeiten gehört, meiner Meinung nach. 

    TORSO ist ein erfrischender Beitrag in der Welt des Giallo-Kinos. Er sieht gut aus, ist brutal und weiß seine Schauplätze effektiv zu nutzen. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Bloody Psycho, 1989 – ★½

    Bloody Psycho, 1989 – ★½

    SNAKE HOUSE
    (BLOODY PSYCHO – LO SPECCHIO, Italien, 1989, Regie: Leandro Lucchetti)

    Dr. Werner Vogler, ein Wunderheiler, wird in das Schloss von Mrs. Rezzori gerufen. Mrs. Rezzori ist von der Hüfte abwärts gelähmt und soll durch Voglers heilende Hände wieder voll funktionstüchtig werden, vor allem zwischen den Beinen. Doch schon in der ersten Nacht hat Vogler schreckliche Träume, die eine Vorahnung von dem Sinn, was ihn erwartet. 

    Eins muss man Leandro Lucchetti lassen: SNAKE HOUSE besticht durch eine dichte, von Unwetter durchzogene Gothic-Horror-Atmosphäre in einem alten Schloss in der Abgeschiedenheit Italiens. Schon während der Titel-Credits, wenn Hauptdarsteller Peter Hintz als Wunderheiler Dr. Werner Vogler durch die alten Gassen des Bergdorfes stolziert, macht sich eine unheimliche Stimmung breit, die allerdings nach kurzer Zeit zerstört wird. Wenn Peter Hintz als Wunderheiler, der aussieht wie ein 15-jähriger, dem man einen Schnurrbart angeklebt hat, sein Schauspiel zum Besten gibt, wird es peinlich. Ich habe lange keinen Hauptdarsteller derart schlecht spielen sehen. Immerhin läuft er die Hälfte der Spielzeit nur von A nach B. Niemand glänzt hier, auch nicht Jess Franco-Star Paul Muller in einer Gastrolle und schon gar nicht Vassili Karis als Betrunkener, aber Peter Hintz schlägt dem Fass den Boden raus. Aus der Story, die sich in durchaus interessante Gefilde bewegt, hätte man was machen können, stattdessen liefert Lucchetti einen wirren Zusammenschnitt von Szenen, die teilweise Jahre später in Fulcis NIGHTAMRE CONCERT (1990) erneut Verwendung finden sollten, natürlich nur die Gore-Szenen, die kaum der Rede wert sind. Der Rede wert ist allerdings der Score von Lanfranco Perini, denn der klingt nicht nur billig, sondern hat mich einfach nur genervt. Immerhin ist er abwechslungsreich.

    Ansonsten gibt es minutenlanges Handauflegen, ein paar sexuelle Spielereien und viele alberne Momente, die SNAKE HOUSE zu einer fürchterlichen Angelegenheit machen, die lediglich mit netten Sets und einer soliden Gothic-Horror-Atmosphäre aufwarten kann. Von den italienischen TV-Horrorfilmen, die Mitte bis Ende der 80er-Jahre produziert wurden, ist dieser hier einer der übelsten. 

    (Bjoern Candidus)

  • 103. Blumen des Schreckens (1963)

    103. Blumen des Schreckens (1963)

    BLUMEN DES SCHRECKENS

    OT: THE DAY OF THE TRIFFIDS

    GB, 1963

    Regie: Steve Sekely, Freddie Francis

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold besprechen den britischen Monsterpflanzenfilm BLUMEN DES SCHRECKENS, der auf dem gleichnamigen Roman von John Wyndham basiert.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1