Autor: marco-fritz

  • Prison, 1987 – ★★★

    Prison, 1987 – ★★★

    PRISON
    (USA, 1987, Renny Harlin) 

    Ein längst geschlossenes und verwahrlostes Gefängnis wird wiederbelebt und erneut unter die Führung von Direktor Sharpe gestellt. Die Justizvollzugsbeamtin Katherine Walker ist von der neuen alten Einrichtung gar nicht angetan und ebenso ist ihr Sharpe ein Dorn im Auge, denn der lässt seinen Hass allzu gern an den Gefangenen aus. Als Burke und ein weiterer Häftling bei einem Arbeitseinsatz die Hinrichtungszelle öffnen, setzen sie eine böse Macht frei. 

    Renny Harlin hat mit PRISON zwei beliebte Themenbereiche zusammengelegt und einen Gefängnis-Geister-Horrorfilm gedreht, was in der Kombination relativ selten ist. Rein visuell sieht die Produktion von Charles Band und Irwin Yablans qualitativ aus und kann sich mit ähnlich gelagerten Filmen jener Tage messen.

    PRISON startet mit einer beklemmenden Eröffnungszene in einem Gefängnis, in dem gerade ein elektrischer Stuhl besetzt wird. Mit wem, sieht man nicht, und wenn, dann aus der Ego-Perspektive der verurteilten Person. Nach den Credits setzt sich die klaustrophobische Atmosphäre, die das verrottete Gefängnis ausstrahlt, fort und bleibt kontinuierlich erhalten. Harlin hat ein Auge für Bildgestaltung, was er ein Jahr später in NIGHTMARE ON ELM STREET 4 (1988) erneut unter Beweis stellte. 

    Wenn der Geist, der hinter den alten Gefängnismauern lauert, seiner Rache frönt, wird es blutig. Lässt Clive Barker im gleichen Jahr in HELLRAISER Menschen durch Ketten mit Haken zerreißen, rollt der Rachegeist hier Stacheldrähte aus, um Körper zu verwursten. Stacheldrähte mit mörderischem Eigenleben ist eine feine Idee, die Jahre später erneut in dem Kriegs-Horrorfilm DEATHWATCH (2002) aufgegriffen wurde. PRISON lässt es nicht oft, aber wenn ordentlich bluten und liefert im Finale eine coole Masken-Arbeit ab, die leider viel zu schnell verpufft. 

    Die dichte Atmosphäre, die Action-Szenen und die gelungenen Effekte können allerdings nicht über die klischeedurchtränkten Figuren hinwegtäuschen, die mir vor allem in der ersten Hälfte auf die Nerven gegangen sind. Chelsea Field war noch nie das Beste an den Filmen, in denen sie mitgespielt hat, und hier als Justizvollzugsbeamtin Katherine Walker ist sie es auch nicht. Lane Smith bringt als Gefängnisdirektor Ethan Sharpe alle Klischees mit, kann mit diesen aber immerhin halbwegs überzeugen. Der damals noch ziemlich unbekannte Viggo Mortensen ist als Burke nett anzuschauen, aber das war es auch schon. Ansonsten gibt es zahlreiche Aufseher und Knasties, die einem schon in hunderten anderen Filmen begegnet sind und mir lediglich ein müdes Augenrollen entlocken konnten. 

    PRISON hat viele gute Seiten, aber er wartet mit Längen auf, die mit öden Figuren beseelt werden, die den Gesamteindruck etwas nach unten schrauben.  

    (Bjoern Candidus)

  • Motorrad, 2017 – ★★

    Motorrad, 2017 – ★★

    MOTORRAD – THE LAST RIDE
    (MOTORRAD, Brasilien, 2017, Regie: Vicente Amorim)

    Die beiden Brüder Hugo und Ricardo sind mit ihren Freunden auf ihren Motorrädern unterwegs in der brasilianischen Einöde. Dort stoßen sie auf Paula, die ebenfalls mit ihrem Motorrad unterwegs ist und in der Nähe wohnt. Nachdem sie die Gruppe zu einem Sprung in einen See animieren kann, schlägt die gute Laune schnell um, als einer der Freunde verschwindet.

    Ich hätte Vicente Amorims Regiearbeit gerne mehr abgewinnen wollen, denn die Antagonisten, eine vierköpfige Motorradfahrer-Gang, ganz in schwarz gekleidet, mit Protektoren und ebenso schwarzen Helmen mit Visier, sind ein ziemlicher Augenfang. Keiner von ihnen spricht ein Wort und ihr einziges Ziel scheint das sinnlose töten von Menschen zu sein, die „ihr“ Gebiet betreten. THE STRANGERS (2008) lässt grüßen. Das Gebiet, eine abgelegene Landschaft mit Steinbrüchen, Seen und Wiesen, wäre schön anzusehen, hätte man sich nicht dafür entschieden, den natürlichen Farbanstrich zu entsättigen. Vom ersten bis zum letzten Frame hat man es mit einem unnatürlichen Farbanstrich zu tun, der die Produktion mit einer Hässlichkeit überzieht, die ich mir nicht schöngucken konnte. In seltenen Fällen funktioniert sowas, aber insgesamt ist es ein Stilmittel, für das ich nur wenig Verständnis habe. Der Film, der unter dieser unschönen Digital-Patina steckt, ist leider auch nicht so gut, um einen Ausgleich zu schaffen. Eine Gruppe von Menschen unternimmt etwas in einer abgelegenen Gegend, in der sie von Killern grundlos dezimiert wird. Das ist wahrlich nicht innovativ, und hätte man es hier nicht mit zwei Gruppen auf Motorrädern in der brasilianischen Pampa zu tun, würde hier kein neuer Funke sprühen. Was hingegen sehr löblich ist: die Schweigsamkeit der Figuren, die kaum Zeit haben für dumme Sprüche, denn immerhin geht es schnell los mit dem Terror. Die Gewalt ist recht grob inszeniert und weiß zu überzeugen. Hätte sich Amorim auf die Kraft echten Lichtes verlassen, hätte er MOTORRAD zumindest gut als 70er-/80er-Retro-Terror-Thriller verkaufen können, aber das wollte er wohl nicht. 

    Die Darsteller sind soweit okay, und besonders Guilherme Prates als Hugo macht was her. Viel Einsatz braucht man hier ohnehin nicht erwarten. Man fährt Motorrad, kämpft, läuft und fährt wieder Motorrad, und dann sind irgendwann 92 Minuten vorbei, von denen man gut 10 Minuten hätte streichen können. 

    MOTORRAD – THE LAST RIDE liefert stylische, kompromisslose Killer mit Macheten und Eisenketten in einer kragen Felslandschaft, die digitalen Eingriffen zum Opfer fiel. Ansonsten bekommt man nichts, was man nicht schon x-fach besser (und schlechter) gesehen hat.   

    (Bjoern Candidus)

  • Grandmother’s House, 1988 – ★★★½

    Grandmother’s House, 1988 – ★★★½

    GRANDMOTHER‘S HOUSE
    (USA, 1988, Regie: Peter Rader)

    Ihre Mutter starb, als Lynn und David noch sehr jung waren, und jetzt ist auch noch ihr Vater gestorben. Die beiden Waisen sollen ein neues Leben bei ihren Großeltern auf dem Land starten, was soweit vielversprechend klingt. Doch als David mit seinem Fernrohr eine grausame Entdeckung macht, verändert sich das Bild von seinen Großeltern. 

    Peter Raders (HIRED TO KILL, 1990) Debütfilm, der von Nico Mastorakis produziert wurde, ist ein ordentlicher Horror-Thriller mit einer guten Besetzung und einer durchaus überraschenden Story. 

    Die beiden Hauptfiguren von GRANDMOTHER‘S HOUSE sind Lynn, die von Kim Valentine verkörpert wird und David, den Eric Foster spielt. Während Valentine manchmal etwas unterfordert und steif wirkt, scheint Eric Foster als jüngerer Bruder David förmlich in seiner Rolle aufzugehen. Der Jungdarsteller gibt hier alles, um die Story voranzutreiben. Wenn er nach und nach herausfindet, dass irgendwas nicht mit seinen Großeltern stimmt, kommt Spannung auf, die sich bis zum Schluss halten kann. Die Großeltern werden von Len Lesser und Ida Lee dargestellt, die beide widerlich herüberkommen. Ida Lee ist als Großmutter falsch freundlich, während Lesser als Großvater seine Widerlichkeit kaum verbergen kann. Auch die anderen Figuren, die hier auftauchen, sind sonderbar überzogen oder einfach nur eklig. Das schadet GRANDMOTHER‘S HOUSE aber nicht, denn die Inszenierung hält ihren etwas schrägen Ton kontinuierlich bei. 

    Auch handwerklich darf man sich auf einen ansehnlichen Horror-Thriller freuen. GRANDMOTHER‘S HOUSE wurde ansprechend fotografiert und atmosphärisch ausgeleuchtet, hat ein gutes Tempo und kaum Hänger. Gedreht wurde in Kalifornien, und das sommerliche Wetter und die Orangenplantage vor dem Haus der Großeltern macht was her. Optisch, aber auch inhaltlich sind mir Filme wie THE CURSE (1987) und PFUI TEUFEL! – DADDY IST EIN KANNIBALE (1989) in den Sinn gekommen, zwischen die sich GRANDMOTHER‘S HOUSE gut einreihen kann. Leider konnte mich die Auflösung im letzten Drittel nur wenig überzeugen, wurde aber dennoch gut inszeniert und macht die Geschichte rund. 

    Peter Rader hat mit GRANDMOTHER‘S HOUSE ein dichtes, gut besetztes Horror-Thriller-Debüt abgeliefert, was lediglich kleine Schwächen aufweist.

    (Bjoern Candidus)

  • Lisa, 1990 – ★★½

    Lisa, 1990 – ★★½

    LISA – STIMME DES TODES
    (LISA, USA, 1990, Regie: Gary Sherman)

    Die 14-jährige Lisa entdeckt die Lust auf Jungs, doch ihre Mutter ist gar nicht begeistert. Während sich ihre Freundin Wendy auf einen Jungen einlässt, hütet Lisa ihr Zimmer. Dann läuft sie in der Nachbarschaft einem gutaussehenden Mann namens Richard über den Weg, dessen Telefonnummer sie herausfindet. Sie ruft ihn an, um ihn am Telefon zu verführen. Doch eigentlich plant sie Richard mit ihrer Mutter zu verkuppeln, nichts ahnend, dass es sich bei ihm um einen gesuchten Serienmörder handelt. 

    Gary Sherman hat ein paar richtig gute Filme inszeniert. Sein Horrorfilm-Debüt feierte er mit dem düsteren TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (1972). Es folgte TOT & BEGRABEN (1981), sein stärkster Film, wie ich finde, und anschließend NACHTRATTEN (1982). In den späten 80er-Jahren lieferte er mit POLTERGEIST 3 (1988) eine durchaus unterhaltsame Fortsetzung zu Spielbergs Klassiker. Mit LISA – STIMME DES TODES konnte er die Stärken seiner früheren Filme leider nicht aufbringen. 

    Dass MGM den Film ursprünglich direkt auf Video vermarkten wollte, sieht man nicht nur schnell, sondern man hört es auch am Score von Joe Renzetti der einen direkt einlullt. Pastelltöne und langweilige Inneneinrichtungen, die bereits die 90er-Jahre einläuten, untermauern die Ausdruckslosigkeit, die einem hier erst mal begegnet. Alles ist auch viel zu hell ausgeleuchtet. Erst ab der zweiten Hälfte kommt ein bisschen mehr Atmosphäre in die Inszenierung, und immerhin ist das Apartment von Richard schön finster in Szene gesetzt. 

    Unter dem Strich gelingt es Sherman einfach zu selten, Spannung aufzubauen. Alles liegt auf der Hand. Stattdessen gibt es ständige Diskussionen zwischen Mutter Katherine und Tochter Lisa, die sich mit den zahlreichen Telefonaten mit Richard abwechseln. Als Serienmörder tritt der auch nur selten in Erscheinung und tut eigentlich nicht viel außer zu telefonieren oder sich von A nach B zu bewegen. Dargestellt wird Richard von D.W. Moffett, der in seiner Rolle ziemlich ausdruckslos bleibt. Wesentlich mehr Power kommt mit Staci Keanan als Lisa in den Film. Die damals gerade mal 15-jährige Keanan spielt richtig gut und versprüht, das Charisma, was hier sonst keiner aufbringen konnte, schon gar nicht ihre Mutter, die von Cheryl Ladd verkörpert wird, die so spannend ist wie eine Briefmarkensammlung. 

    Die Prämisse von LISA – STIMME DES TODES ist gar nicht uninteressant und Sherman hatte Glück, eine so begabte Jungdarstellerin zu bekommen, doch leider funktioniert sein Film weder als Home Invasion- noch als Serienmörder-Thriller. 

    (Bjoern Candidus)

  • Death Valley, 1982 – ★★★★

    Death Valley, 1982 – ★★★★

    DEATH VALLEY
    (USA, 1981, Regie: Dick Richards)

    Billy, seine Mutter Sally und ihr neuer Lover Mike wollen Urlaub in Arizona machen. Auf ihrer Reise machen sie einen Abstecher nach Death Valley, wo sie sich eine alte Goldmine angucken wollen. Doch in der Gegend ist ein Serienmörder unterwegs, der nach der Ankunft der Drei zwei neue Opfer gefunden hat. Eine Goldkette mit einem Frosch-Anhänger, die der kleine Billy am Tatort gefunden hat, führt den ansässigen Sheriff auf die Spur des Täters, der sich unterdessen auf die Suche nach Billy, Sally und Mike macht.

    Psychopathen, die mit ihren Autos oder LKWs über Wüsten-Highways fahren und diese unsicher machen, sind keine Seltenheit. DUELL (1971) und TRUCK DRIVER (1981) seien hier an vorderster Front erwähnt. In VIER IM RASENDEN SARG (1975) ist es eine Teufelssekte, in DER TEUFEL AUF RÄDERN (1977) der Herr der Finsternis persönlich. Dick Richards Wüsten-Thriller ist sicherlich kein Pool der Innovationen, aber er hat mit DEATH VALLEY einen verdammt unterhaltsamen Film geschaffen, der nicht eine Sekunde langweilig ist. 

    Zu Beginn lernt man den kleinen, ziemlich intelligenten Billy kennen, der von dem damals 10-jährigen Peter Billingsley dargestellt wird. Dieser verabschiedet sich widerwillig von seinem geschätzten Vater (Edward Herrmann), da er mit seiner Mutter Sally und dem wenig geschätzten neuen Freund Mike in den Urlaub fahren muss. Das sonderbare Spiel des Jungen und sein oft skurriler Gesichtsausdruck sorgt für einige gewitzte Momente, die die Erwachsenen manchmal etwas blass aussehen lassen. Sally wird von Catherine Hicks verkörpert und ihr Freund Mike von Paul Le Mat. Mehr Charisma kommt mit Stephen McHattie als Hal ins Spiel, der hier als Killer in Verdacht steht.

    DEATH VALLEY wurde zudem sehr gut fotografiert, und Richards baut eine sehr dichte Atmosphäre auf, in dem er die Ödnis von Death Valley nutzt. Die karge, Wüstenlandschaft wirkt wie ein zusätzlicher Feind, neben dem ein noch gefährlicherer lauert. Eine weitere Stärke ist die Ruhe, mit der Richards vorgegangen ist. Zusammen mit dem Schauplatz und dem Score von Dana Kaproff gelingt ihm ein gutes Maß an Spannung aufzubauen, die die Angriffe des Killers einleitet, der schließlich den ein oder anderen Hals durchschneiden darf. Besonders unterhaltsam wird es, wenn sich Billy gegen den Killer zu Wehr setzten muss und sein Einfallsreichtum spielen lässt. 

    DEATH VALLEY ist ein kurzweiliger, spannender Thriller mit den damals angesagten Slasher-Elementen, der sich durch seine Figuren und sein Setting angenehm von der Masse ähnlich gelagerter Filme abhebt. Schön. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Strange World of Coffin Joe, 1968 – ★★★

    The Strange World of Coffin Joe, 1968 – ★★★

    THE STRANGE WORLD OF COFFIN JOE
    (O ESTRANHO MUNDO DE ZÉ DO CAIXÃO, Brasilien, 1968, Regie: José Mojica Marins) 

    José Mojica Marins stößt einen mit THE STRANGE WORLD OF COFFIN JOE in gleich drei unterschiedliche Geschichten in Schwarzweiß. Neben einer Rolle in der dritten Episode, eröffnet er seinen Episodenfilm als Host. 

    In den Episoden „The Dollmaker“, „Perversion“ und „Ideology“ gibt es herausgerissene Augen, Leichenschändungen, Vergewaltigungen, Gruppensex, Folter, Kannibalismus und vieles mehr, was für die Entstehungszeit wirklich starker Tobak war und noch immer noch ist. Marins hält drauf, statt auszublenden. Besonders ausgefeilt sind die Episoden nicht, aber es ist ihm erneut gelungen, neben expliziter Gewaltdarstellungen auch eine unheimliche Atmosphäre heraufzubeschwören. Während der teils verstörenden Bilder sorgt der experimentelle Score von Herminio Giménez für zusätzliche Irritationen. 

    THE STRANGE WORLD OF COFFIN JOE ist ein derber Horror-Episodenfilm, der alle Zutaten bereithält, die das Kino von José Mojica Marins ausmachen. Insgesamt konnte mich der Film allerdings weniger beeindrucken als seine Langfilme, wie AT MIDNIGHT I’LL TAKE YOUR SOUL (1964) oder THIS NIGHT I WILL POSSESS YOUR SOUL (1967). 

    (Bjoern Candidus)

  • Rawhead Rex, 1986 – ★★★½

    Rawhead Rex, 1986 – ★★★½

    RAWHEAD REX*
    (GB, 1986, Regie: George Pavlou)

    In Rathmore erweckt ein Bauer auf einem Acker versehentlich ein uraltes Monster namens Rawhead Rex. Der Rawhead erledigt den Bauer und sucht in der umliegenden Gegend nach weiteren Opfern. Zur gleichen Zeit ist der amerikanische Historiker Howard Hallenbeck aus beruflichen Zwecken mit seiner Familie angereist, um die Kirchenfenster von Rathmore zu studieren. Als der Rawhead den kleinen Sohn von Hallenbeck tötet, schwört der Familienvater Rache.

    Im Glanze von HELLRAISER (1987) ist schnell die ein Jahr vorher produzierte Adaption einer Kurzgeschichte von Clive Barker untergegangen. Zu Recht, würden viele sagen, und im Vergleich zu HELLRAISER kann RAWHEAD REX nur abschmieren. Aber ein Vergleich ist nicht angebracht, auch wenn beide Geschichten aus der Welt von Clive Barker entstammen.

    RAWHEAD REX ist ein Monsterfilm mit mythologischem Hintergrund, der sich im ländlichen England abspielt. George Pavlou, der Regisseur und ein Freund Barkers, hat die karge, grüne Landschaft von Irland (was als England verkauft wird) sehr gut genutzt, um eine kalte Atmosphäre zu erzeugen. Faszinierende Wolkenspiele und beschauliche Dörfer zieren die Kulisse, in denen sich Rawhead Rex austoben darf. Die expliziten Beschreibungen Barkers werden in der Verfilmung natürlich nicht berücksichtigt, dennoch konnten mich die Effekte und auch das Monster-Design weitestgehend überzeugen. Der Rawhead, ein Darsteller im Monsterkostüm, sieht etwas wie ein Warzenschweinen mit dem Outfit eines Mittelalterpunks aus und könnte ein Bruder von Bebop aus dem TMNT-Universum sein. Die Maske ist zwar insgesamt etwas steif, dennoch hat die Fratze mit den rot glühenden Augen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seine Darstellung mag insgesamt manchmal etwas zum schmunzeln anregen, aber ich mag den Rawhead einfach, wenn er durchdreht. Er bekommt eine eigene Mythologie mit auf den Weg, mit der der ansässige Priester Declan O’Brien konfrontiert wird, denn das Monster ist schließlich in einem der Bleiglasfenster der Kirche festgehalten. David Dukes bekleidet die Rolle von Howard Hallenbeck, seine Frau Elaine wird von Kelly Piper dargestellt, die eine solide Arbeit geleistet haben. Dazu liefert Pavlou einige verschrobene Figuren, die für das britische Kino nicht untypisch sind, z.B. der griesgrämige Inspektor. Hin und wieder könnte man fast meinen, es mit einer Tigon- oder Amicus-Produktionen zu tun zu haben, doch hier ist man mitten in den 1980er-Jahren, was man an den durchaus gelungenen Lichteffekten und Blitzen erkennen kann. RAWHEAD REX durchziehen immer wieder grelle Farben, die die ansonsten eher faden Sets beleben. Der passende Score stammt von Colin Towns. 

    Das Hauptproblem von RAWHEAD REX ist in erster Linie seine Spannungsarmut, denn ansonsten hat Pavlou einen charmanten Monsterfilm mit knalligen Effekten gedreht. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“ und auf der UHD/BD von Wicked Vision

  • The Zero Boys, 1986 – ★★★½

    The Zero Boys, 1986 – ★★★½

    THE ZERO BOYS
    (USA, 1986, Regie: Nico Mastorakis) 

    Die paintballbegeisterten Steve, Larry und Rip wollen gemeinsam mit ihren Freundinnen Jamie, Sue und Trish ein Wochenende im Wald verbringen. Im Schoße von Mutter Natur angekommen erweckt ein Haus, was scheinbar unbewohnt ist, ihre Aufmerksamkeit. Doch schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner ganz in der Nähe sind und die Absicht verfolgen, die Besucher des Waldes nach und nach zu dezimieren. 

    Nico Mastorakis Backwood-Horror-Action-Hybrid THE ZERO BOYS ist eine kurzweilige Angelegenheit, die trotz ausgelatschter Pfade erfrischend wirkt. Inhaltlich gibt es hier kaum etwas Neues zu entdecken, aber Mastorakis Inszenierung ist ein weiteres Mal ziemlich sauber und versiert geraten.

    Der zwischen Bäumen und Büschen gut getarnte Feind, den man lange nicht oder nur schemenhaft erkennt, kann als Vietnamkrieg-Metapher gesehen werden, vor allem, wenn sich die sechs Urlauber in ihre Armyklamotten werfen. Inhaltlich wird der Konflikt zwischen USA und Vietcong natürlich nicht aufgegriffen, dennoch könnten die jungen Leute die Kinder jener Vietnam-Veteranen sein, die hier den Höllenritt ihrer Eltern fortsetzen müssen. 

    Dass der Vietcong hier aus weißen us-amerikanischen Hinterwäldlern besteht, die Jagd auf Menschen machen, bringt einen dann zurück zu Filmen, wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974), RITUALS (1977) oder VOR MORGENGRAUEN (1981). In dieser Reihe kann sich THE ZERO BOYS gut und gerne eingliedern, denn Mastorakis Mix aus Action- und Backwood-Horrorfilm ist eine brutale und blutige Angelegenheit, die zügig und schnörkellos vonstattengeht. Harpunen, Gewehre, Fallen und ein Snuff-Video sorgen für die gewünschten Schauwerte, die Mastorakis ansehnlich liefert. 

    Die dümmlichen Figuren verlieren schnell die Lust am Spaß und müssen alsbald um ihr Leben kämpfen. Das ist auch gut so, denn anfänglich darf man befürchten, dass THE ZERO BOYS eine ganz andere Richtung einschlagen wird, wenn man sich mitten in einem Paintball-Duell zwischen Proleten befindet. Ein Jahr später greift der ähnlich gelagerte, aber sehr viel schlechtere MASTER BLASTER (1987) auch das Thema Paintball auf und kombiniert es mit dem Backwood- und Slasher-Elementen. 

    Auch musikalisch macht THE ZERO BOYS was her. Der Score von Hans Zimmer und Stanley Myers erweckt immer wieder Erinnerungen an Harry Manfredinis Arbeiten für die FREITAG DER 13. Reihe. Das ist besonders interessant, weil Mastorakis in der gleichen Location gedreht hat, in der UND WIEDER IST FREITAG DER 13. (1982) entstanden ist. 

    THE ZERO BOYS liefert gut fotografierte Action, ein paar saftige Gore-Einlagen und eine packende Atmosphäre Inmitten der Natur. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 86

    Traumstadt Gazette Ausgabe 86

    Traumstadt Gazette 86

    Diesmal sprechen Bjoern Candidus und Marco Fritz über folgende Filme:

    -DIE WILDE MEUTE (1975)

    -DEATH VALLEY (1981)

    -ENEMY TERRITORY (1987)

    -LISA – STIMME DES TODES (1990)

    -SAVE THE GREEN PLANET (2003)

    -WEAPONS (2025)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Beast in the Cellar, 1971 – ★★★½

    The Beast in the Cellar, 1971 – ★★★½

    DER KELLER
    (THE BEAST IN THE CELLAR, GB, 1970, Regie: James Kelley)

    Auf einem Militärstützpunkt in dem englischen Landstrich Lancashire kommt es zu einer Reihe brutaler Morde an Soldaten. Die schrecklich zugerichteten Leichen lassen auf ein Raubtier schließen. Die Bevölkerung ist verängstigt, besonders die beiden alten Damen Ellie und Joyce Ballantyne, die in der Nähe der Tatorte wohnen. Es dauert nicht lange, bis die beiden Schwestern herausfinden, wer für die Morde verantwortlich ist.

    James Kelley hat mit DER KELLER einen düsteren Horror-Thriller für die britische Filmschmiede Tigon inszeniert, der zwar schnell auflöst, wo der Hase lang läuft, aber dafür mit anderen Stärken aufwartet.  

    Die beiden Schwestern Ellie und Joyce werden von Beryl Reid und Flora Robson dargestellt, die eine liebevolle Schrulligkeit mit in die Inszenierung bringen, die man nur selten im Horrorkino erleben darf. Ein Name, der mir aber sofort in den Sinn kommt, ist Pete Walker, der wenig später mit einer ganzen Reihe von Filmen mit alten Menschen um die Ecke kam. Doch die beiden Damen, die man hier erlebt, sind eindeutig freundlicherer Natur, auch wenn sie einen großen Fehler gemacht haben, den sie bitter bereuen. Fast im Alleingang beherrschen die beiden Damen das Geschehen, was lediglich mit kleineren Nebenrollen angereichert wurde. 

    DER KELLER ist sehr ruhig inszeniert. Kelley nimmt lediglich dann Fahrt auf, wenn es zu den wenigen Attacken auf die Soldaten kommt. Hier wackelt die Kamera hin und her, während man ein bisschen Blut zu sehen bekommt. Das winterliche Wetter trägt sehr zur düsteren Atmosphäre des Films bei, auch wenn man sich die meiste Zeit in einen englischen Landhaus aufhält. Über allem liegt eine unheimliche Aura, wie man sie aus dem britischen Horrorkino jener Tage kennt, und der unheilschwangere Score von Tony Macaulay trägt ungemein dazu bei. 

    DER KELLER ist ein finsterer Horror-Thriller, mit charmanter Besetzung, der zwar keine Überraschungen bietet, aber durchweg dicht inszeniert wurde. 

    (Bjoern Candidus)