Autor: marco-fritz

  • Dead & Buried, 1981 – ★★★★½

    Dead & Buried, 1981 – ★★★★½

    TOT & BEGRABEN*
    (DEAD & BURIED, USA, 1981, Regie: Gary Sherman)

    Mit TOT & BEGRABEN hat Gary Sherman einen äußerst garstigen Horrorfilm abgefeuert, und gleichzeitig seinen besten, meiner Meinung nach. 

    Das nebeldurchzogene Küsten-Setting mit Strand, Booten und einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, lässt nichts Gutes erahnen, denn über allem liegt ein Schleier des Unheimlichen. Vordergründig scheint man sich allerdings bestens zu verstehen. Doch die Stimmung in dem beschaulichen Ort Potter‘s Bluff kippt, als Sheriff Dan Gillis in einen Fall verwickelt wird, in dem ein Fotograf schwerste Verbrennungen von sich getragen hat. Und so spinnt Sherman langsam ein Netz, was sich immer weiter ausdehnt und TOT & BEGRABEN zu einer spannenden Sache macht. 

    Mit James Farentino als Sheriff Dan Gillis hat man eine gut Wahl getroffen. Gillis ist ein sympathischer, gerechter Typ, dem man hier gerne auf seinen Ermittlungen folgt. Insgesamt ist die Besetzung gelungen und man wird mit vielen, teils verschroben Figuren konfrontiert, die den Kleinstadtkosmos zum Leben bringen, darunter ist auch Robert Englund in einer kleinen Rolle.  

    Zwischen dem geschickten Handlungsaufbau und dem steten Vordringen Gillis in ein mörderisches Netz, was sich durch Potter‘s Bluff zu ziehen scheint, streut Sherman auch immer wieder fiese Gore-und Make-up-Effekte, für die sich u.a. Stan Winston verantwortlich zeigte. Abgerundet wird der morbide Trip von einem unheimlichen bis melancholischen Score von Joe Renzetti, dem Haus- und Hofkomponisten Shermans. 

    TOT & BEGRABEN ist ein sehr qualitativer, höchst atmosphärischer und gut erzählter Horrorfilm, der mit einem starken Ende aufwartet. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Kill List, 2011 – ★★★★½

    Kill List, 2011 – ★★★★½

    KILL LIST
    (GB, 2011, Regie: Ben Wheatley)

    Jay, ein Ex-Soldat und Auftragskiller, ist in Geldnöten, und zwischen ihm und seiner Frau Shal kommt es immer wieder zu heftigen Streitigkeiten. Als ihm sein Freund Gal von einem neuen Auftrag erzählt, nimmt er diesen an. Während Jay und Gal ihren Auftrag erledigen, der aus dem gezielten Töten von Menschen aus dem Kinderpornomilieu besteht, freundet sich Gals sonderbare Freundin Fiona mit Shal an, die nichts gutes im Schilde führt. 

    Wer mal wieder richtig Lust auf eine Spaßbremse von Film hat, dem sei KILL LIST von Ben Wheatley (SIGHTSEERS, 2012) ans Herz gelegt. Von der ersten Sekunde an herrscht hier eine permanente schlechte Laune, die sich auf alle Figuren niederlegt und es mir kaum bis gar nicht ermöglicht hat, eine emotionale Bindung aufzubauen. Doch während manche Filme dadurch geradezu versinken, bäumt sich KILL LIST permanent auf und schlägt einem immer wieder in den Magen. Hier soll niemand freundlich sein, Skrupellosigkeit steht an vorderster Front. Von Anfang bis Ende spannt Wheatley ein Netz aus Gewalt und schenkt dem Zuschauer nicht ein einziges Mal ein bisschen Hoffnung und Glückseligkeit. Was mit aggressiven Ehestreitigkeiten beginnt, setzt sich im weiteren Verlauf in grafische Gewalt um, die es in sich hat. Kniescheiben werden zerschlagen, Finger gebrochen, Köpfe eingeschlagen, und das Harmloseste, was hier passiert, ist ein Kopfschuss, der das Leid schnell beendet. 

    KILL LIST ist nicht einfach nur ein weiterer Film mit Auftragskillern, sondern erzählt eine tiefschwarze und äußerst beklemmende Geschichte, die sich in ungeahnte Bereiche entwickelt und sich am Ende auf triumphale Art schließt. Wheatley lässt seine Geschichte ausarten, ohne ins Straucheln zu geraten. Obwohl er bereits früh deutliche und weniger deutliche Hinweise streut, bekommt man kaum Gelegenheit, damit arbeiten zu können, weil Wheatley bereits zum nächsten Schlag ausholt. 

    Mit Neil Maskell als Jay und Michael Smiley als Gal hat man zwei hervorragende Kotzbrocken am Start, die hier noch viel größere Kotzbrocken beseitigen. Obwohl es Wheatley spielend schafft, die Täter, die hier ausgeschaltet werden sollen, ebenso zu hassen, möchte ich keinen ihrer Henker zum Freund haben. Beeindrucken konnte mich auch Struan Rodger als Klient, der eine ganz besondere Art der Vertragsunterzeichnung bevorzugt. Die aufgeladene Stimmung der Figuren schlägt sich auch auf die filmischen Mittel nieder. Die Kamera ist oft nervös, zeigt viele Close-ups von den Gesichtern, in denen sich meist der pure Hass abspielt. Trotzdem gönnt Wheatley einem genug ruhige Momente, die allerdings nicht weniger beklemmend sind. 

    KILL LIST ist ein eiskalter, lebensfeindlicher und durchweg spannender Thriller, der keine Gefangenen macht und von Anfang bis Ende seiner zerstörerischen Art treu bleibt. 

    (Bjoern Candidus)

  • 102. Nackt unter Kannibalen (1977)

    102. Nackt unter Kannibalen (1977)

    NACKT UNTER KANNIBALEN

    OT: EMANUELLE E GLI ULTIMI CANNIBALI

    Italien, 1977

    Regie: Joe D‘Amato

    Bjoern Candidus und Marco Fritz bleiben auch in dieser Folge in der Welt von Joe D‘Amato und sprechen über Laura Gemsers und Gabriele Tintis Expedition zum Amazons, wo sie hungrigen Kannibalen begegnen.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Graveyard Disturbance, 1987 – ★★★

    Graveyard Disturbance, 1987 – ★★★

    DIE GRUFT*
    (UNA NOTTE AL CIMITERO, Italien, 1987, Regie: Lamberto Bava)

    DIE GRUFT ist ein Beitrag der TV-Film-Reihe „Brivido Gialllo“ bei der Lamberto Bava bei vier Produktionen Regie führte. Für die Drehbücher zeichnete sich Lamberto Bava und Dardano Sacchetti verantwortlich, die sich recht facettenreich zeigen.

    In DIE GRUF flüchten ein paar Jugendliche in den Wald, weil sie zuvor ein paar Würste in einem Lebensmittelladen gestohlen haben. Sie gelangen in ein altes Wirtshaus, in dem ihnen der Wirt von einem Schatz erzählt. Dieser Schatz steht dem zu, der es schafft, eine Nacht in der Gruft unter dem anschließenden Friedhof zu verbringen. Abenteuerlustig, wie die Jugendlichen sind, lassen sie sich darauf ein und begeben sich in die finsteren Räume der Gruft.

    Schnell wird hier klar, dass DIE GRUF auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten und insgesamt recht fernsehentauglich gestaltet wurde. Visuell soll das allerdings nichts heißen, denn trotz der günstigen Kulissen, die ein wenig an Geisterbahnen erinnern, sorgen die immerhin für eine schöne Grusel-Atmosphäre. Im späteren Verlauf wird man mit ein paar Horror-Gestalten konfrontiert, denen man teilweise recht kreative Masken verpasst hat. Handwerklich ist hier sicherlich nichts perfekt, aber man erkennt durchaus den Willen, dem Zuschauer etwas Interessantes zu präsentieren. Die Ausstattung, das Licht und die Masken sind definitiv liebevoll. Dafür spart Bava mit Gewalt und Blut und inszeniert seinen Film regelrecht handzahm. 

    Das größere Problem in DIE GRUFT ist die Besetzung. Die Jugendlichen sind ziemlich naiv und tölpelhaft unterwegs, und gerade die Damen nerven etwas. Mit Karl Zinny, der schon in DÄMONEN (1985) einen Auftritt hatte, hat man hier noch am meisten Glück. Nichtsdestotrotz sind die Damen und Herren, die hier auftauchen, sympathischer als viele ihrer US-Kollegen. 

    Von großer Spannung ist man weit entfernt, bis man ein paar Zombies oder bizarre Monster erblicken darf, läuft man ewig durch Gänge und muss blödes Gerede ertragen, dennoch konnte mich DIE GRUFT durch seine fast kindliche Art unterhalten. 

    (Bjoern Candidus)

    *Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Clown, 2014 – ★★★★

    Clown, 2014 – ★★★★

    CLOWN
    (USA, 2014, Regie: Jon Watts)

    Da der zum Kindergeburtstag bestellte Clown kurzfristig abgesagt hat, will Jacks Vater Kent selbst für seinen Sohn als Clown einspringen. Wie es der Zufall will, findet er ein altes Clownkostüm, was er sich überstreift und damit einen alten Dämon erweckt, der langsam durch Kent herauswächst und Hunger auf Kinder hat. 

    Horror-Clowns bin ich ziemlich satt, und mit KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (1988), CLOWNHOUSE (1989) und ES (1990) hätte das Thema gerne enden können. Ich persönlich finde ohnehin jeden Nicht-Horror-Clown erschreckender als jeden Horror-Clown, aber darum soll es nicht gehen. 

    Tatsächlich konnte mich CLOWN sehr gut unterhalten, auch nach der zweiten Sichtung. Produzent Eli Roth und Regisseur Jon Watts liefern eine spannende Story um einen Clowndämon und dessen Fluch, der auf dem Träger des Kostüms lastet. Einmal angezogen, bleibt das Kostüm auf der Haut, die Perücke auf dem Kopf und die rote Gumminase auf der echten. Eine Idee, die weitaus origineller ist als der 1000. Gore-Effekt. Gore wird auch hier geliefert, und es sterben auch kleine Kinder, was weiterhin eine Seltenheit im Genre ist. Die Effekte sind soweit okay, aber das eigentliche Highlight ist die Kostüm-Idee und die langsamen Veränderungen von Kent in den uralten Dämon.

    Trotz, dass sich Watts kaum Zeit lässt, die Katze aus dem Sack zu lassen, hat er CLOWN mit recht ruhiger Hand inszeniert, was zur Spannung beiträgt. Zudem ist die Atmosphäre sehr dicht, man hält sich zurück mit grellen Farben und liefert stattdessen düstere Bilder. Es gibt durchaus ein paar schwarzhumorige Momente, aber im großen Ganzen hat man es mit einem straighten Horrorfilm zu tun, der eine eigene Geschichte erzählt, auch wenn die Zutaten natürlich keine neuen sind. 

    Andy Powers spielt den Kent-Clown-Dämon ganz gut, und er hat mein tiefstes Mitgefühl. Vor Kinderdarstellern muss man sich hier auch nicht fürchten. Wenn Kinder auftauchen, verschwinden sie meistens schnell im Jenseits. Am meisten hat mich aber Peter Stormare als Karlsson überrascht. Ich bin kein Stormare-Fan, aber hier hat er mich mal nicht gestört. Wahrscheinlich, weil er mal keinen aufgesetzten Bösewicht verkörpert. 

    CLOWN versprüht ein wenig das Flair von 90er-Jahre-Horrorfilmen wie THE DENTIST (1996) oder WISHMASTER (1997) und ist in jeder Hinsicht unterhaltsam.  

    (Bjoern Candidus)

  • The Unnaturals, 1969 – ★★½

    The Unnaturals, 1969 – ★★½

    SCHREIE IN DER NACHT
    (CONTRONATURA, Deutschland, Italien, 1969, Regie: Antonio Margheriti) 

    Als ein paar gutbetuchte Damen und Herren mit ihrem Auto im Schlamm stecken bleiben, finden sie Unterschlupf in einem alten Jagdschloss, was früher mal ein Hotel war. Bewohnt wird das Gemäuer von Uriat und seiner Mutter, die die Zufluchtsuchenden rasch in eine Séance verwickeln, die dazu dient, unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht zu bringen.

    Die deutsch-italienische Co-Produktion SCHREIE IN DER NACHT ist unter der Regie von Antonio Margheriti entstanden, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Zwischen seinen beiden Italo-Western FÜNF BLUTIGE STRICKE (1968) und SATAN DER RACHE (1970) war also genug Zeit, für einen Giallo im Gewand eines Gothic-Okkult-Horrorfilms für die CCC von Artur Brauner. 

    Nachdem sich einige Damen und Herren in ihr Auto begeben, öffnet Margheriti bereits seine Gothic-Horror-Kiste und lässt Gewitter, Sturm und Regen heraus, bevor die Reisenden Zuflucht in einem finsteren Jagdschloss in der Abgeschiedenheit suchen, da ihr Auto im Schlamm versunken ist. Der Einstieg für einen klassischen Horrorfilm ist damit nahezu perfekt gelungen. Wenn dann Luciano Pigozzi als finstrer Hausherr die Reisenden hereinlässt und seine in Trance stehende Mutter vorstellt, weiß man als Horror-Fan, dass man richtig ist, zumindest erst mal. Pigozzi hat selten unheimlicher gewirkt, wie ich finde, und der starre Blick seiner Mutter (Marianne Leibl), die angeblich in Kontakt mit dem Totenreich steht, weiß auch zu überzeugen. Die finsteren Räume und Korridore voller ausgestopfter Tiere vermitteln eine gruselige Atmosphäre, die durch das Unwetter weiter befeuert wird. 

    Nachdem man sich vorgestellt hat und der Hausherr die Herrschaften dazu überreden kann, an einer Séance teilzunehmen, baut Margheriti Zeitsprünge ein, um die Vorgeschichten der jeweiligen Figuren zu beleuchten, denn das Zusammentreffen aller ist kein Zufall. Margheriti schraubt die Spannung herunter und konzentriert sich auf die Figuren, bestehend aus Darstellern wie Joachim Fuchsberger, Giuliano Raffaelli, Marianne Koch und Dominique Boschero, die soweit okay sind. Das lässt einen zwar in deren Vorgeschichte blicken, doch leider wird das Ganze etwas müde inszeniert. Da weitestgehend auf Gewalt verzichtet wird und ein herkömmlicher Phantomkiller nicht auftaucht, liefert Margheriti stattdessen ein paar Sex-Szenen lesbischer Natur, die für 1969 durchaus gewagt waren. Dennoch überwiegt eine Schwere den Mittelteil von SCHREIE IN DER NACHT, durch die sich eine Sauerstoffarmut breit macht. Viele Figuren prasseln aufeinander, es wird viel geredet, es kommt zu Eifersüchteleien, Streitigkeiten und den üblichen Machtspielchen der Reichen. Aber immerhin macht Margheriti den zähen Mittelteil wieder gut und liefert ein Ende mit einem überraschenden Effekt. 

    Die dichte Atmosphäre, die durchaus gelungene Kameraarbeit und der unheilschwangere, wenn auch nicht gerade abwechslungsreiche Score von Carlo Savina, machen SCHREIE IN DER NACHT zwar zu einem Hingucker, der aber leider sehr zäh geraten ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Play Motel, 1979 – ★½

    Play Motel, 1979 – ★½

    PLAY MOTEL
    (Italien, 1979, Regie: Mario Gariazzo)

    In einem Motel werden Kunden mit besonderen sexuellen Wünschen von Damen bedient. Doch die Männer ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass man von ihren Sex-Sessions Fotos macht, mit denen eine Organisation die gutbetuchten Männer erpresst. Als es zu einem Mord kommt und sich einer der Erpressten an die Polizei wendet, schickt diese ein verdecktes Ermittlerpärchen in das Motel, um herauszufinden, was dort vorgeht. 

    Mario Gariazzos Sex-Giallo PLAY MOTEL ist leider nicht das Gelbe vom Ei. Und wo wir schon bei Eiern sind: Mario Landis Sex-Brutalo-Giallo GIALLO A VENEZIA aus dem gleichen Jahr, ist um ein vielfaches unterhaltsamer. Dort wird man neben Schlüpfrigkeiten nämlich mit viehischer Gewalt konfrontiert, die hier fehlt. Das wäre absolut kein Problem, wenn nicht auch alles andere fehlen würde, was einen Giallo ausmacht. Spannung sucht man vergeblich, ebenso die Schönheit und Eleganz vieler Produktionen, die über die simpelsten Geschichten hinwegtäuschen können. Es gibt keinen giallotypischen Phantomkiller und schon gar keine anschaulichen Schauplätze. Sprich: alles ist sterbenslangweilig. Selbst die beiden Italo-Legenden Anthony Steffen und Ray Lovelock können hier nicht gegensteuern. Lovelock wirkt als verdeckter Ermittler irgendwie lustlos, während Steffen als Inspektor De Sanctis aussieht, als wäre er bereits tot. Dabei ist die Idee von einem Sex-Motel für Fetisch- und SM-Praktiken, in denen die Kunden anschließend mit Fotobeweisen erpresst werden, gar nicht dumm. Doch statt wenigstens vernünftige Sex-Szenen einzubauen, wird es ziemlich albern, wenn die Freier mit billigen Priester- oder Teufelskostümen aufmarschieren und über die Damen rutschen. In der Softcore-Fassung wird gefummelt, geleckt oder mit einer Goldkette an der Vagina herumgespielt. Was die Hardcorefassung im Gegensatz dazu bereithält, kann ich nicht sagen, sie wird aber kaum die Qualität liefern, die in der anderen Fassung fehlt. Ansonsten gibt es immer wieder langweilige Foto-Sessions, öde Dialoge zwischen blassen Darstellern, die in schnöden Sets lustlos inszeniert werden. Lediglich Kameramann Aldo Greci liefert den ein oder anderen guten Moment, und der Score von Ubaldo Continiello, der etwas nach Goblin klingt, ist auch ganz okay. 

    PLAY MOTEL ist Schmierkino der langweiligsten Sorte, was mich leider gar nicht entzücken konnte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Alle Säfte dieser Welt – Das Kino des Joe D’Amato

    Alle Säfte dieser Welt – Das Kino des Joe D’Amato

    Alle Säfte dieser Welt – Das Kino des Joe D’Amato

    Bjoern Candidus und Marco Fritz bereisen die Welt von Aristide Massaccesi alias Joe D’Amato, der der Welt Filme wie EMANUELLE IN AMERIKA, MAN-EATER, SADO-STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF oder FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT schenkte.

    Mehr Joe D’Amato erwartet Euch am 05.09.25 mit unserer Besprechung zu NACKT UNTER KANNIBALEN.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • The Backwoods, 2006 – ★★★

    The Backwoods, 2006 – ★★★

    BACKWOODS – DIE JAGD BEGINNT!
    (BOSQUE DE SOMBRAS, Spanien, 2006, Regie: Koldo Serra)

    Die beiden Pärchen Paul und Lucy und Norman und Isabel wollen ein Wochenende in den Wäldern Nordspaniens verbringen. Als die beiden Männer bei einem Waldspaziergang auf eine Hütte mit einem misshandelten Mädchen stoßen, beschließen sie Hilfe zu holen. Dann taucht der Vater und die Brüder des Mädchens auf.

    Das spanische Horror- und Thriller-Kino liefert seit den 1990er-Jahren immer wieder gute Produktionen. Leider blieben viele dieser Filme eher unbekannt. BACKWOODS – DIE JAGD BEGINNT! von Regisseur Koldo Serra ist einer dieser Thriller, der immerhin einen großen Namen im Cast trägt: Gary Oldman. Das Schöne an Gary Oldman ist, dass er nicht nur ein guter Schauspieler ist, sondern auch, dass er in großen wie in kleinen Filmen anzutreffen ist und diese in der Regel aufwertet. Hier bleibt er leider unter den Erwartungen, die man in ihn hat. Aber niemand sticht hier hervor, was dem realistischen Grundton eigentlich zugute kommt. Seine Frau Lucy wird von Virginie Ledoyen gespielt, während das befreundete Pärchen Norman und Isabel von Paddy Considine und Aitana Sánchez-Gijón verkörpert werden. Den gegenüber steht eine widerlicher Hinterwäldler-Familie, bestehend aus dem Vater und seinen drei Söhnen, die ihre kleine Schwester zurückhaben wollen. 

    BACKWOODS startet direkt in die Wälder von Nordspanien, in denen zwei Pärchen mit ihren Autos unterwegs sind, dazu läuft „There Is a War“ von Leonard Cohen, womit mit mich Serra schon mal packen konnte. Nach der Ankunft der vier Urlauber folgt der Besuch einer üblichen Kneipe, in der geschwiegen wird, wenn man sie als Fremder betritt. Schnell wird klar, dass die Einheimischen keinen Wert auf Touristen legen, zumindest nicht auf männliche. Doch bevor hier der Terror ausbricht, darf man sich von zwei schlecht gelaunten Paaren viele Diskussionen anhören, die den Film unnötig schwer machen. Jeder hat hier schlechte Laune, und bis man das kleine Mädchen in einer Hütte im Wald findet, ist meine Lust auf BACKWOODS fast vergangen. Ab der Mitte, wenn Filme wie WER GEWALT SÄT (1971), BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE (1972) und TREIBJAGD (1975) ersichtlich werden, spult Serra ein bekanntes Schema ab, was zwar handwerklich gelungen ist, aber ebenso langweilig daherkommt. 

    Nichts überrascht, nichts bleibt hängen, dennoch kann man sich BACKWOODS durchaus anschauen, wenn man auf Backwood-Thriller steht oder grundsätzliches Interesse am spanischen Kino zeigt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Death Machine, 1994 – ★★★

    Death Machine, 1994 – ★★★

    DEATH MACHINE
    (GB, 1994, Regie: Stephen Norrington)

    Der in der Kritik stehende Rüstungshersteller Chaank Industries hat ein neues Geheimprojekt am Start: Codename Warbeast. Dies beinhaltet einen Kampfroboter, der alles zerfetzt, was sich ihm in den Weg stellt und jegliche ethischen Gesetze verletzt. Hayden Cale, die neue Managerin von Chaank Industries, möchte das Projekt einstellen und Jack Dante, den Erfinder der Death Machine feuern. Aber auch ein Trupp Terroristen hat etwas gegen den Rüstungshersteller und steigt in das Gebäude an, in dem gerade die Death Machine aktiviert wurde. 

    DEATH MACHINE ist einer dieser Filme, die mich seit Jugend an begleiten. Auf Stephen Norringtons Regiearbeit wurde ich Aufmerksam durch das Filmmagazin Moviestar, was mich dazu veranlasste, meine Mutter mal wieder in die Videothek zu schicken, denn schließlich war ich noch keine 18. Die Mischung aus TERMINATOR (1984), ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) und M.A.R.K. 13 – HARDWARE (1990) sprach mich sofort an. 

    DEATH MACHINE besticht durch stylische Sets, die sich in einem kalten, futuristischen 90er-Jahre-Anstrich präsentieren. Äußerlich erinnert der Firmensitz der Chaank Industries an die Architektur aus BLADE RUNNER (1982). Minimalistische Büroräume mit spärlichem Licht durchzogen, weichen in der zweiten Hälfte vielen Gängen und Lagerhallen, durch die die Death Machine ihre potentiellen Opfer hetzt. Der todbringende Roboter sieht sehr martialisch aus und erinnert durch seinen langgezogenen Kopf und dem Gebiss stark an den Xenomorph aus ALIEN (1979). Doch hier ist nichts organisch. Eine kalte Maschine, programmiert zum töten von allem, was sich bewegt, steht auf dem Plan, und die sorgt für Action, Gewalt und Blut. Hier zeigt Norrington, wo er herkommt, schließlich war er für die Creature-Effects von ALIENS – DIE RÜCKKEHR und ALIEN 3 (1992) mit verantwortlich.

    Das Hauptproblem des Films sind die Figuren, die teilweise nach bekannten Regisseuren benannt wurden. Durch ihren aufgesetzten Coolnessfaktor nerven sie schnell und erinnern an den Trupp aus ALIENS – DIE RÜCKKEHR. Zum Ausgleich gibt es Brad Dourif, der als Erfinder der Death Machine Jenseits von Gut und Böse ist. Sein Overacting macht wenigstens Spaß, und wer „Masters of the Universe“- und „ThunderCats“-Figuren in seinem Büro stehen hat, kann so schlecht auch nicht sein.

    Leider geht DEATH MACHINE ab der zweiten Hälfte etwas die Luft aus, obwohl Norrington das Tempo hochhält. Aber gerade das ist das Problem, denn irgendwann nerven nicht nur die Figuren, sondern auch alles andere. Zudem verliert die Inszenierung schnell an Spannung und verirrt sich in Wiederholungen. Mit 122 Minuten ist Norringtons erster Director‘s Cut viel zu lang, was er jüngst für eine weitere Fassung änderte und über 15 Minuten entfernte. 

    DEATH MACHINE sieht super aus, hat einen stylischen Killer-Roboter zu bieten und liefert viel Action. Leider steht dem eine große Auswahl nerviger Figuren und Spannungsarmut gegenüber. Seine Inhaltsleere sei ihm hingegen verziehen. 

    (Bjoern Candidus)