Autor: marco-fritz

  • Cjamango, 1967 – ★★★

    Cjamango, 1967 – ★★★

    DJANGO – KREUZE IM BLUTIGEN SAND
    (CJAMANGO, Italien, 1967, Regie: Edoardo Mulargia) 

    Cjamango gewinnt beim Pokern vier Säcke Gold. Doch sein Glück hält nicht lange an, denn der Saloon wird von zwei Banden überfallen, die ein Massaker unter den Gästen anrichtet und das Gold an sich reißt. Die Gier von Bandenführer El Tigre führt dazu, dass er die Bande von Don Pablo hintergeht und das gesamte Gold behält und es versteckt. Der totgeglaubte Cjamango bereitet unterdessen einen Racheplan vor, um sein Gold zurückzuerobern. 

    Bevor Regisseur Edoardo Mulargia den charismatischen Ivan Rassimov in ein INFERNO UNTER HEISSER SONNE (1972) schickte, hat er ihn in der Rolle als Cjamango inszeniert, aus dem der deutsche Verleih mal wieder einen Django machte. Einen großen Italo-Western im Stil eines Leone oder Corbuccis sollte man mit DJANGO – KREUZE IM BLUTIGEN SAND natürlich nicht erwarten, dennoch ist Mulargia ein solider Film gelungen. 

    Schon die Pre-Titel-Sequenz gibt den Ton des Films vor, der recht düster und dreckig geraten ist. Die Eröffnung im Saloon ist sehr dicht inszeniert und spielt mit Schatten, die sich über das Gesicht von Rassimov legen. Rassimov macht als Cjamango optisch eine super Figur, dennoch bekommt man insgesamt nicht all zu viel Action von ihm geliefert. Neben ihm taucht immer wieder der der geheimnisvolle Whiskeyverkäufer Clinton auf, der von Mickey Hargitay verkörpert wird. Coolness ist einem mit beiden Herren gewiss. Schön garstig ist der Auftritt von Piero Lulli, der zu einer Legende des Italo-Western gehört und hier als El Tigre aufspielt. Mit Manuel, einem kleinen Jungen, der unbedingt weg will aus seiner gefährlichen Welt, hat man eine recht unnötige, aber nette Figur dazu gestrickt, die ein paar schwülstige Momente bekommt. 

    Statt die Weite der Prärie zu zeigen, fokussiert sich Mulargia vor allem auf Plätze, Häuser und Räume. Es wird viel geschossen und (unblutig) gestorben. Leider gibt es nur wenig Highlights, die sich festbrennen. DJANGO – KREUZE IM BLUTIGEN SAND funktioniert eher als Ganzes. Er ist gut ausgestattet, ordentlich fotografiert und hat einen abwechslungsreichen Score von Felice Di Stefano, der mal spannend, mal traurig und mal vertraut nach Western klingt. 

    DJANGO – KREUZE IM BLUTIGEN SAND ist ein grundsympathischer Italo-Western mit vielen verwegenen und groben Figuren, die sich durch eine bekannte Handlung kämpfen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Last Horror Film, 1982 – ★★★

    The Last Horror Film, 1982 – ★★★

    LOVE TO KILL
    (THE LAST HORROR FILM, USA, 1982, Regie: David Winters)

    Vinny, ein Taxifahrer aus New York, ist sehr angetan von der Schauspielerin Jana Bates. In seinen Tagträumen wird er zum angesehen Regisseur, der mit Bates einen neuen Film dreht. Doch als er nach Cannes reist, um seinen Schwarm aufzusuchen, entwickelt sich alles anders als gedacht

    Nachdem Joe Spinell als Frank Zito in MANIAC (1980) einen eiskalten Psychopathen und Serienmörder mimte, sollten nur zwei Jahre vergehen, bis er in eine ähnliche Rolle zurückkehrte und gleich dazu erneut Caroline Munro im Schlepptau hatte. Die Erwartungshaltung seines Charakters in LOVE TO KILL sollte allerdings nicht allzu hoch sein. Seine Rolle als Vinny, der unbedingt mit Filmstar Jana Bates (Munro) einen Horrorfilm drehen möchte, ist etwas anders angelegt. Spinell ist auch als Frank Zito ein armes Würstchen, doch als Vinny macht er sich geradezu lächerlich. Spinell überzeugt letztlich auch hier wieder als Bekloppter, doch seine Darstellung erreicht nicht eine Sekunde die Kraft, die er in MANIAC aufbringen konnte, was in erster Linie dem Drehbuch geschuldet sein dürfte. Caroline Munro hat es nicht besser getroffen. Ihre Rolle als Newcomerin in einem Horrorfilm ist reichlich übertrieben bis lächerlich, was auch auf alle anderen Personen zutrifft.

    Trotz der Meta-Elemente aus der Welt des Kinos, den Aufnahmen von Cannes, in denen es viele Filmplakate jener Tage zu bewundern gibt und dem zügigen Tempo, was Regisseur David Winters an den Tag legt, ist LOVE TO KILL weder Fisch noch Fleisch. Glaubt man sich gerade noch in einem blutigen Slasher zu befinden, wird man im nächsten Moment zum Fremdschämen eingeladen. Immerhin liefert Winters in Sachen Gore ein paar harte Szenen, wie z.B. das Verbrennen eines Gesichtes mittels Fackel oder eine Enthauptung. 

    Im Übrigen: wer aufmerksam hinschaut, erkennt auch ein Filmplakat, was den Titel „Stab“ trägt. Der Film, der Caroline Munro in LOVE TO KILL zum Durchbruch verhilft, heißt hingegen „Scream“. Gut 15 Jahre später fügte Wes Craven beides zusammen. 

    LOVE TO KILL ist ein verschrobener Horror-Thriller, der vor allem von seinem Schauplatz und seiner Filmbezüge lebt, weniger von Joe Spinell und Caroline Munro. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Spider Labyrinth, 1988 – ★★★★½

    The Spider Labyrinth, 1988 – ★★★★½

    SPIDER LABYRINTH
    (IL NIDO DEL RAGNO, Italien, 1988, Regie: Gianfranco Giagni)

    Professor Whitmore aus Dallas wird nach Budapest geschickt, um herauszufinden, warum sich Professor Roth nicht mehr meldet, der mit der Entschlüsselung von uralten Steintafeln beschäftigt ist. In Budapest angekommen, trifft Whitmore auf Roth, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Nachdem Roth Whitmore seine Aufzeichnungen zustecken kann, wird er tot aufgefunden. Dann stößt Whitmore auf ein mysteriösen Mann, der ihm dringend rät, abzureisen. Doch es ist zu spät, denn Whitmore befindet sich bereits im Netz eines Kultes. 

    Neben DARK WATERS (1993) von Mariano Baino gehörte SPIDER LABYRINTH schon immer zu den Italo-Horror-Geheimtipps. Mein Erstkontakt mit Gianfranco Giagnis Regiearbeit war eine VHS-Kassette, die mir in den frühen 00er-Jahren in die Hände kam. Nach der Verabschiedung meines letzten Videorecorders verlor ich auch den Kontakt zu SPIDER LABYRINTH. Bis ich ihn nun endlich wiedersehen konnte. 

    SPIDER LABYRINTH ist in vielen Hinsichten interessant. Wirft man einen Blick auf das Entstehungsjahr 1988, darf man über die Qualität, die hier geliefert wurde, erstaunt sein. Die Zeiten um Lucio Fulci, Lamberto Bava und Umberto Lenzi standen schlecht und die meisten ihrer Spätwerke lieferten nur noch mäßige Qualität. Dario Argento und Michele Soavi hatten diesbezüglich mehr Glück. Umso erstaunlicher ist es, dass plötzlich ein Debütant wie Gianfranco Giagni mit einem so stark inszenierten Horrorfilm um die Ecke kam. Zudem bietet SPIDER LABYRINTH eine eigene Geschichte, die ihn ohne Frage zu einem reinen Horrorfilm macht, der sich eher an einem Lovecraft-Universum anlehnt statt erneut die Welt der Zombies- oder Geisterhäuser zu betreten. Einen großen Einfluss hatte die Kurzgeschichte „Die Spinne“ (1908) des deutschen Schriftstellers Hanns Heinz Ewers.

    Auch der Schauplatz ist etwas Besonderes, denn von den USA geht es nach Ungarn, genauer nach Budapest. Moderne Hochhäuser weichen einem pittoresken, fast märchenhaften Schauplatz, an dem sich SPIDER LABYRINTH zum Großteil aufhält. Historische Architektur, an der nicht selten der Zahn der Zeit nagt, erstrahlt in faszinierendem Licht. Insgesamt ist die Farbkomposition außerordentlich schön. Überall werden farbige Akzente gesetzt, vor allem in gelb, blau und grün und lassen einen unweigerlich an das Kino von Mario Bava und Dario Argento erinnern. Besonders SUSPIRIA (1977) und INFERO (1980) zeichnen sich immer wieder ab, wie auch Filme wie DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER (1976) und ZEDER (1983) von Pupi Avati oder MALASTRANA (1971) von Aldo Lado.  

    Giagni hat hier eine faszinierende Horrorwelt geschaffen, als wäre es für ihn ein Kinderspiel gewesen. Seinen Protagonisten, Professor Alan Whitman, baut er ähnlich auf wie Lovecraft seine Erzähler, die sich immer tiefer in einen Abgrund bewegten, bis sie von ihm verschluckt werden. Dargestellt wird Whitman von Roland Wybenga, der in seiner Rolle relativ passiv bleibt, aber dennoch eine gute Figur abgibt. Etwas kümmerlich wirkt William Berger, der die Funktion des Warners vor dem Übel einnimmt. Insgesamt ist die Besetzung kein Argument für SPIDER LABYRINTH. Doch Giagni gleicht dieses Defizit durch alles andere aus. Neben dem äußerst gelungenen Set-Design und der sehr dichten Atmosphäre sind es auch die bizarren Horror-Szenen, die SPIDER LABYRINTH eine eigene Note verpassen. Es war eine hervorragende Idee, Sergio Stivaletti verpflichten zu können, der hier für die visuellen Effekten zuständig war. In Sachen Horror wird einiges geboten. Da ist zum einen ein weiblicher, sehr aggressiver Spinnen-Dämon, der der Welt eines Argentos oder Lamberto Bavas hätte entspringen können, zum anderen die Gore- und Stop-Motion-Creature-Effekte. 

    Von jazzigen Tönen über klassische Horrorfilm-Klänge bis hin zu einem disharmonischen Klangteppich bietet der Score von Franco Piersanti viel Abwechslung und ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. 

    SPIDER LABYRINTH ist ein mysteriöser, spannender, sehr ordentlich inszenierter Horrorfilm, der inhaltlich nur wenig preisgibt und genau daraus seine stärke bezieht. Giagni und Produzent Tonino Cervi haben sich auf sehr gelungene Art an bekannten Themen bedient und damit etwas Neues geschaffen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Inseminoid, 1981 – ★★★

    Inseminoid, 1981 – ★★★

    SAMEN DES BÖSEN
    (INSEMINOID, GB, 1981, Regie: Norman J. Warren)

    Bei der Erkundung eines fremden Planeten wird eine Astronautin von einem außerirdischen Wesen vergewaltigt und befruchtet. In ihr wachsen nicht nur zwei fremde Kreaturen, sie wird auch aggressiv und greift ihr Team an. Als es zur Geburt kommt, eskaliert die Situation vollends.  

    Auch wenn sich Norman J. Warrens (TERROR, 1978) Antwort auf ALIEN (1979) nicht gerade mit Innovationen schmückt, ist ihm ein sehr ansehnlicher Alien-Horror-Scifi-Film gelungen. Das schmale Budget wurde gut verteilt, und gerade visuell braucht sich SAMEN DES BÖSEN nicht verstecken und schlägt in eine ähnliche Kerbe wie ASTARON – BRUT DES SCHRECKENS (1980), ALIEN – DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK (1980) oder den Corman-Produktionen PLANET DES SCHRECKENS (1981) oder MUTANT – DAS GRAUEN AUS DEM ALL (1982).  

    Die Darsteller (u.a. Victoria Tennant und Stephanie Beacham) sind allesamt kein Gold und die Figuren, die sie verkörpern haben nur wenig bis gar keine Tiefe. Ihre Funktionen erfüllen sie dennoch ausreichend genug. SAMEN DES BÖSEN dürfte einen in erster Linie durch seine visuellen Reize befriedigen. Der fremde Planet wird durch Felsmassive mit Tunnelsystemen präsentiert, während ein Rotfilter bei der Planetenoberfläche zum Einsatz kommt. Gedreht wurde in einer Höhle in England, sowie auf Malta. Über allem thront aber die wirklich dichte, manchmal rauschartige Atmosphäre, die von dem spacigen Score von John Scott unterstützt wird. Sehr gelungen ist auch das Set-Design und die gesamte Ausstattung. Garniert wird das Ganze mit ein paar ruppigen Gore-Effekten und einer extraterrestrischen Vergewaltigung, die einer minutenlangen Geburt einhergeht, die garstiger ist, als das, was sie gebiert. 

    SAMEN DES BÖSEN ist ein B-Film durch und durch, der leider nur wenig Spannung bietet, aber selten langweilig ist. Die wenigen über den Film verteilten Schauwerte werden zumindest kontinuierlich durch eine dichte Atmosphäre zusammengehalten. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Dangerous Toy, 1979 – ★★★½

    A Dangerous Toy, 1979 – ★★★½

    DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG
    (IL GIOCATTOLO, Italien, 1979, Regie: Giuliano Montaldo)

    Vittorio Barletta, ein Buchhalter aus Mailand, organisiert sich eine Pistole, weil er sich nach einem bewaffneten Überfall auf ein Restaurant, bei dem er angeschossen wurde, nicht mehr sicher fühlt. Als sein bester Freund, ein Polizist, vor seinen Augen erschossen wird, erschießt er den Täter und wird als Held gefeiert. Die Staatsanwaltschaft und die Komplizen des Täters sind alles andere als angetan und machen Vittorio das Leben schwer, der immer mehr in einen Strudel aus Verfolgungswahn und Selbstjustiz-Gedanken gerät. 

    Giuliano Montaldo (SACCO UND VANZETTI, 1971) hat hier eine höchst sonderbare Selbstjustiz-Krimi-Tragikomödie geschaffen, die vor allem wunderbar besetzt wurde. 
    Nino Manfredi ist in der Rolle von Vittorio Barletta zu sehen, der eine glänzende Performance abliefert. Seine leicht verschrobene Art kombiniert er mit trocknem Humor, der mit Verlauf des Films immer mehr verschwindet. Ab dem Punkt, wo er seinen besten Freund verliert und selbst jemanden erschießt, schwingt er in eine andere Richtung, die Manfredi ebenfalls gut zu Gesicht steht. Die gesamte Besetzung von DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG kann sich durchweg sehen lassen. 

    Auch inszenatorisch hat man es mit einem anspruchsvollen Werk zu tun, was sich mit erdigen Farben schmückt und insgesamt sehr realistischen aussieht, ohne dabei dröge zu erscheinen. Montaldo gelingt eine dichte, manchmal Atmosphäre zu erzeugen, selbst wenn es mal humorvoller zugeht. Für die Musik zeichnete sich Ennio Morricone verantwortlich, der bereits in der spannend inszenierten Eröffungs-Szene unüberhörbar zur Tat schreitet und sich gegen Ende in alte Giallo-Gefilde zurückverirrt. Ein insgesamt toller Score, der, wie der Film selbst, fast in Vergessenheit geraten ist. 

    Aber DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG hat auch seine Schattenseiten, denn Montaldo vergisst manchmal etwas die Zeit. Die ellenlange Dialoge, die zwar wunderbar zur Figurenzeichnung beitragen, vordern viel Sitzfleisch. Alles ist sehr ausgedehnt, aber trotzdem ist der Film ständig in Bewegung und liefert viele unterschiedliche Schauplätze. Dennoch sind fast zwei Stunden Spielzeit eine ganze Ecke zu lang. 

    Trotz seiner Längen ist DAS GEFÄHRLICHE SPIELZEUG eine sehr interessante EIN MANN SIEHT ROT (1974) – Version, die vor allem durch die Darsteller zu überzeugen weiß. 

    (Bjoern Candidus)

  • A Black Ribbon for Deborah, 1974 – ★★★

    A Black Ribbon for Deborah, 1974 – ★★★

    PSYCHO MANIACS
    (UN FIOGGO NERO PER DEBORAH, Italien, 1974, Regie: Marcello Andrei)

    Deborah wünscht sich ein Kind, doch ihr Arzt diagnostiziert ihr Unfruchtbarkeit. Als Deborah und ihr Mann Michael von der Party eines Freundes, der ein großes Interesses an Esoterik und Übersinnlichem hegt, aufbrechen, werden sie Zeuge eines Autounfalls, bei dem ein Ehepaar schwer verletzt wird. Die Tatsache, dass sie gebärfähig ist und der Schock durch den miterlebten Unfall, drücken auf ihre Stimmung. Doch plötzlich ist Deborah davon überzeugt, schwanger zu sein und trifft sich fortan mit Mira, die den Unfall scheinbar überlebt hat. Michael macht sich derweil Sorgen um die Psyche seiner Frau.

    Marcello Andrei (DIE WILDE MEUTE, 1975) hat hier einen sehr ruhigen Horrorfilm geschaffen, der sich an die damalige Okkult-Horrorfilm-Welle heftet, die mit ROSEMARY‘S BABY (1968) und DER EXORZIST (1973) die Kinokassen klingeln ließ. Doch den Teufel lässt Andrei in PSYCHO MANIACS außen vor und konzentriert sich mehr auf die Welt, des Übersinnlichen, des Geisterreiches und der Reinkarnation. Inhaltlich ist man also näher an AUDREY ROSE (1977) als bei DER EXORZIST. Zugleich liefert Andrei aber auch genug Psycho-Thriller-Drama, was den Film zusätzlich interessant macht, auch wenn die Inszenierung nicht ohne Probleme auskommt. Von Beginn an liegt eine gewisse Schwere auf den Bildern, die nicht selten durch den Score von Alberto Verrecchia verstärkt wird. Verrecchia kann es allerdings auch verstörend, was er zwischendurch beweist. Die Atmosphäre von PSYCHO MANIACS ist bedrückend bis unheimlich, wird jedoch manchmal von sehr schwülstigen Momenten unterbrochen, und in diesen lauert auch das Hauptproblem: Marina Malfatti als Deborah. Leider wurde ich mit ihr überhaupt nicht warm und durch ihre hässliche Kurzhaarfrisur musste ich unentwegt an Carla Gravina in DER ANTICHRIST (1974) denken, die mich auch mit ihrer Frisur fertig gemacht hat. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen groß irritieren können. Nicht viel mehr Sympathie konnte ich für Bradford Dillman als Michael aufbringen. Selbst in FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN (1971) hat es Dillman als einer der Guten geschafft, unsympathisch zu wirken. Vielleicht ist das einfach sein Talent. Insgesamt gibt es hier nur wenig Figuren und keine von denen bietet irgendein Identifikationspotential. 

    PSYCHO MANIACS ist trotz seiner unheilschwangeren Atmosphäre und ein paar verstörenden Szenen etwas zu sauerstoffarm, um einen knapp 110 Minuten bei Laune halten zu können. Freunden von italienischen Horrorfilmen sollten in Andreis Film dennoch einen Blick riskieren, denn interessant ist er auf jeden Fall. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Creature Walks Among Us, 1956 – ★★

    The Creature Walks Among Us, 1956 – ★★

    DAS UNGEHEUER IST UNTER UNS
    (THE CREATURE WALKS AMONG US, USA, 1956, Regie: John Sherwood)

    Nach DIE RACHE DES UNGEHEUERS (1955) legten die Universal Studios noch mal nach und spendierten dem Kiemenmensch einen letzten Kinoauftritt, diesmal unter der Regie von John Sherwood. 

    Leider konnte mich der dritte Teil noch weniger überzeugen als der zweite. In den bisherigen Teilen sah es am Ende immer so aus, als ob der Kiemenmensch gestorben sei, doch zweimal wurde man eines besseren belehrt. Man geht mit keinem Wort auf die Ereignisse der Vorgänger ein, ist aber dennoch auf der Suche nach dem Kiemenmensch, der sich immer noch in den Sümpfen von Florida aufhalten soll, und so ist es auch. 

    Anfänglich bekommt man wieder schöne Unterwasseraufnahmen präsentiert, in denen Taucher auf die Suche nach dem Kiemenmensch gehen. Zeigt er sich, bekommt man erneut das klassische Bild von ihm. Doch nach einem Feuerunfall und der Gefangennahme des Kiemenmensch kommt es zu einer optischen Veränderung. Das Wesen verliert seine Schuppen, seine Haut wird menschlicher und ihm wachsen Lungen, um an Land leben zu können. Und so wird aus dem schlaksigen Kiemenmensch ein klobiger Wasauchimmer, der nur bemitleidenswert ist. Bemitleidenswert sind auch die unsympathischen Charakterzeichnungen der Figuren. Sind die Figuren in DIE RACHE DES UNGEHEUERS schon ausladend, sind diese hier geradezu zum weglaufen. Relativ gut gelungen ist die Atmosphäre, die durch die Landschaftsaufnahmen von Florida aufgebaut wird. Dazu geht hier ein sehr viel größeres und moderneres Schiff auf Reisen. 

    DAS UNGEHEUER IST UNTER UNS ist zwar abwechslungs- und ideenreicher als sein Vorgänger, doch insgesamt ist Sherwoods Inszenierung zu spannungsarm und dröge.

    (Bjoern Candidus)

  • Revenge of the Creature, 1955 – ★★½

    Revenge of the Creature, 1955 – ★★½

    DIE RACHE DES UNGEHEUERS
    (REVENGE OF THE CREATURE, USA, 1955, Regie: Jack Arnold)

    Der totgeglaubte Kiemenmensch vom Amazonas lebt doch noch und wird von einem Expeditionsteam in einen Unterwasserzoo nach Florida gebracht. Dort studiert man das Wesen, und das Wesen studiert Helen Hobson, in das es sich prompt verliebt und einen Fluchtversuch startet.  

    Nachdem der SCHRECKEN VOM AMAZONAS das Kinopublikum begeisterte und der Kiemenmensch zu einem erfolgreichen Filmmonster wurde, war eine Fortsetzung fast unausweichlich. Und so legte Universal zwei Jahre später nach, wieder mit Jack Arnold als Regisseur. 

    Leider ist das Ergebnis weitaus weniger gelungen. Anfänglich führt die Reise wieder zum Amazonas, was den schönen Dschungelschauplatz zurück auf die Leinwand bringt. Doch nachdem man den totgeglaubten Kiemenmensch gefangen genommen hat, geht es nach Florida in einen Unterwasserzoo, und dort beginnt die Inszenierung schlagartig die Spannung und Atmosphäre zu verlieren. Auch sympathische Figuren wie im Vorgänger werden mit John Ager als Professor Clete Ferguson und Lori Neslon als Helen Dobson leider nicht geliefert. Dementsprechend war mir auch die erneute Verliebtheit des Kiemenmenschen in eine Menschenfrau herzlich egal. Vielmehr stellt sich die Frage, warum er sich in eine Spezies verliebt, die ihm nicht gut gesonnen ist. 

    Nachdem sich der Großteil der Inszenierung in einem langweiligen Unterwasserzoo bewegt, wo man den Kiemenmensch unter Wasser angekettet zeigt, wo man Delfine sieht und unsympathischen Figuren bei Unterhaltungen folgt, kommt dann im letzten Drittel etwas Action und Spannung auf, wenn das Ungeheuer zur Entführung von Helen Dobson schreitet. Eine obligatorische Hetzjagd beginnt, und das Finale kommt wenig überraschend daher.

    DIE RACHE DES UNGEHEUERS ist leider nur eine lauwarme, ohnehin unnötige Fortsetzung, die sich immerhin durch das Monster selbst retten kann und handwerklich auf einem guten Niveau ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • 101. Mad Jake (1990)

    101. Mad Jake (1990)

    MAD JAKE

    OT: BLOOD SALVAGE

    USA, 1990

    Regie: Tucker Johnston

    Bjoern Candidus begibt sich diesmal alleine in den Wald, um das Treiben der Hinterwäldler in MAD JAKE zu beobachten und entsprechend zu kritisieren.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Creature from the Black Lagoon, 1954 – ★★★★½

    Creature from the Black Lagoon, 1954 – ★★★★½

    DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS
    (CREATURE FROM THE BLACK LAGOON, USA, 1954, Regie: Jack Arnold) 

    Eine skelettierte Kralle, die auf ein Wesen schließen lässt, was das Bindeglied zwischen Meeres- und Landlebewesen sein könnte, animiert ein Team aus Wissenschaftlern, sich zum Amazonas zu begeben, um nach weiteren Knochen zu suchen. Doch statt auf Knochen stoßen sie auf ein lebendiges Wesen, was seine Augen auf die Bordschönheit geworfen hat.

    Wenn es um das Monsterkino der 1950er-Jahre geht, steht ein Mann an vorderster Front: Jack Arnold. Kaum ein anderer hat es verstanden, die Monster so eindringlich und gleichzeitig sympathisch zu zeichnen wie Arnold. Auffällig ist dabei auch, dass er oft viel sympathischere Figuren in seinen Filmen auftauchen lässt, die man gerne auf ihren Abenteuern begleitet, was im Monsterkino der 50er-Jahre nicht selbstverständlich war. Die Steifheit vieler Darsteller ist bei DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS glücklicherweise stark reduziert, und besonders Julie Adams kann als die schöne und vom Kiemenmensch heißbegehrte Kay Lawrence Sympathiepunkte sammeln. Doch niemand spielt sich hier mehr in die Herzen der Zuschauer als das Monster, der Kiemenmensch persönlich. Dieser wird recht grau gezeichnet und hat statt Gewalt mehr die Liebe im Sinn, dennoch ist mit ihm nicht zu spaßen, und seine Krallen sind allzeit bereit. Die Mischung aus Amphibie und Mensch ist ausgesprochen gelungen. Das Monsterdesign hat bis heute Einfluss auf das Genre und wurde zuletzt von Guillermo del Toro in SHAPE OF WATER (2017) neu interpretiert. Gerade der natürliche Ursprung des Wesens gefällt mir, basiert es doch nicht auf radioaktive Strahlungen oder menschlichen Experimenten. Schon der Off-Sprecher zu Beginn macht klar, dass man hier einem Geschöpf von Mutter Natur begegnen wird, was einer natürlichen Evolution unterlaufen ist, auch wenn ihr zuvor noch niemand begegnet ist. 

    Ein weiteres Element macht DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS so faszinierend: der Abenteuerfilm. Arnold ist ein nahezu perfekter Hybrid aus Monster- und Abenteuerfilm gelungen, wie es zuvor nur mit KING KONG UND DIE WEISSE FRAU gelungen war, es sei denn, man zählt GRAF ZAROFF dazu, was ich keinem verdenken würde. Der Schauplatz, der Amazonas und sein Urwald, besteht aus Rückprojektionen, die sehr geschickt in die Studiokulissen integriert wurden. Die Schiffsbauten der ‚Rita‘ sind ordentlich und vermitteln das Gefühl, der Expeditionstrupp sei wirklich vor Ort, vorausgesetzt, man lässt sich auf die Illusion ein. Dazu gibt es immer wieder schön fotografierte Unterwasser-Szenen, die im Finale sogar Action zeigen. Grundsätzlich passend, aber manchmal etwas anstrengend, aber im Kino jener Tage nicht selten, ist der Score. 

    Wie bereits in KING KONG UND DIE WEISSE FRAU gibt es auch hier eine Romanze, die allerdings sehr viel einseitiger verläuft. Dennoch ist diese spezielle Art der Zoophilie äußerst interessant und sehr viel definierter als zwischen King Kong und Fay Wray, bzw. Ann Darrow. 

    DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS ist ein äußerst liebevoll inszenierter Monsterfilm, der aus dem monströsen Gros jener Tage hervorsticht. 

    (Bjoern Candidus)