Autor: marco-fritz

  • Girls, Girls, 1967 – ★★★

    Girls, Girls, 1967 – ★★★

    MÄDCHEN, MÄDCHEN
    (Deutschland, 1967, Regie: Roger Fritz)

    Dem Debütfilm von Regisseur Roger Fritz (MÄDCHEN MIT GEWALT, 1970), der zusammen mit Eckhart Schmidt (DER FAN, 1982) das Drehbuch verfasste, darf man eine gewisse Inhaltslosigkeit vorwerfen. Eigentlich geht es nur um die siebzehnjährige Angela, die aus einer Erziehungsanstalt entlassen wurde. Sie hatte Sex mit einem wesentlich älteren Mann, der nun für einige Monate im Gefängnis absitzen muss. Doch da gibt es noch den Sohn, der in der Zeit die Zementfabrik des Vaters leitet und von Angela ganz angetan ist.

    Während andere Regisseure jetzt die Moralkeule geschwungen hätten, geht Roger Fritz ganz anders vor und lässt vor allem die Bilder wirken, und das hervorragend. Die kalten Schwarzweißbilder sind stimmig und verspielt fotografiert. Es gibt schöne Aufnahmen von Sprengungen in einem Steinbruch, atmosphärische Aufnahmen einer Fabrik und dem nahegelegenen Waldgebiet. Dazu liefert Fritz Eindrücke in das Partyleben junger Menschen in Deutschland der 60er-Jahre, inklusive passendem Soundtrack. Auch die tolle Besetzung mit Helga Anders, Jürgen Jung, Hellmut Lange und Klaus Löwitsch kann sich sehen lassen. 

    Mit MÄDCHEN, MÄDCHEN hat Roger Fritz die damalige Gegenwart glänzend für die Nachwelt verewigt. Auch wenn inhaltlich nicht viel mitschwingt, hat man es mit einem ansprechenden Relikt deutscher Kinogeschichte zu tun. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Vampire, 1957 – ★★★★

    The Vampire, 1957 – ★★★★

    VAMPIRO
    (EL VAMPIRIO, Mexiko, 1957, Regie: Fernando Méndez)

    Der reisende Dr. Enrique kommt mit dem Zug in das vom Aberglauben geprägte Sierra Negra (auch ein erloschener Vulkan im mexikanischen Bundesstaat Puebla) an und trifft dort auf die junge Marta, die ihre kranke Tante Maria Teresa in ihrer Hazienda besuchen möchte. Ein Kutscher, der eine Lieferung Erde aus Ungarn transportiert, nimmt die beiden mit in Richtung Hazienda. Dort angekommen, Wird sie von ihrer anderen Tante und ihrem Onkel darüber informiert, dass ihre Tante Maria Teresa bereits verstorben sei. Die heruntergekommene Hacienda soll verkauft werden, und es gibt auch einen Interessenten: den geheimnisvollen Nachbarn Duval, der es kaum abwarten kann, Marta kennenzulernen. 

    Horror war schon immer eine internationale Sprache. Auch das mexikanische Kino brachte bereits in den 30er-Jahren erste Horrorfilme hervor, denen in den folgenden Jahrzehnten bis in die 1980er-Jahre viele folgen sollten. 

    Mit VAMPIRO, der unter der Regie von Fernando Méndez entstanden ist, hat man es mit einem außerordentlich schönen Schwarzweiß-Vampirfilm zu tun, der sich stilistisch eher an die Universal-Horrorfilme orientiert. Der im gleichen Jahr gedrehte DRACULA von Terence Fisher schlägt visuell im Vergleich natürlich einen komplett anderen, zeitgemäßeren Ton an, wenn auch nicht inhaltlich. Wenn man genau hinguckt und die Darsteller ausblendet, erkennt man z.B. am Baustil oder an der Ausstattung, dass man sich in Mexiko befindet, und das macht VAMPIRO auch so faszinierend. Andere Kulturen, andere Darstellungen. Wobei das hier nicht ganz zutrifft, denn der Vampir hat hier seinen Ursprung in Ungarn, verhält sich klassisch und tritt auch so auf. Duval, der Vampir, um den es geht, ist kein Lugosi und schon gar kein Lee. Wenn er nicht gerade in den Vampir-Modus schaltet oder sich in eine Fledermaus verwandelt, gibt er sich als aalglatter Charmeur, der nicht gerade das Aushängeschild unter den aristokratischen Vampiren darstellt, und hier gehört er auch nicht zum stärksten Element. VAMPIRO lebt von der Kraft seiner Bilder, seiner dichten und unheimlichen Gothic-Horror-Atmosphäre, die mit einem Hauch von Mexiko daherkommt. Spinnweben, Nebelschwaden, die entlang gespenstischer Bäume wabern, die düstere Hazienda, in der die Lebenszeit längst abgelaufen scheint und eine tolle Kamera- wie Lichtarbeit bestimmen die Inszenierung. Gerade, was die Licht- und Schattensetzung angeht, kann sich VAMPIRO zeigen und sich gegen viele ähnlich gelagerte Filme aus dieser Epoche behaupten. Mit diesen Mitteln man schafft man es auch, Duval in seinen vampirischen Momenten die nötige Ausstrahlung zu verpassen. Das blitzartige verwandeln in ein Fledermaus-Modell ist hingegen tricktechnisch auf dem Niveau der 30er-Jahre, was mich persönlich nicht stört, aber im Grunde überflüssig ist. 

    Auch wenn überall kleine Elemente des literarischen Vampirs a la Polidori und Stoker aufblitzen, erzählt Fernando Méndez, bzw. die Story- und Drehbuchautoren Ramón Obón und Ramon Rodriguez eine eigene Geschichte, die durchaus gelungen ist. Abgesehen von den beiden etwas zwiespältig wirkenden Herren Germán Robles als Duval und Abel Salazar als Dr. Enrique, hinterlassen Ariadne Welter als Marta, Alicia Montoya als María Teresa und Carmen Montejo als Tante Eloisa einen passenderen Eindruck. Insgesamt ist das Ensemble jedenfalls stimmig. 

    VAMPIRO ist wie ein schönes Gedicht im düsteren Gewand. Ein Muss für alle Vampir-Fans, die die Kinder der Nacht in ihrem gesamten Umfang erfassen wollen.  

    (Bjoern Candidus)

  • Demonwarp, 1988 – ★★

    Demonwarp, 1988 – ★★

    DEMON WARP – DIE WELTRAUMZOMBIES
    (DEMONWARP, USA, 1988, Regie: Emmett Alston) 
     
    Fünf junge Leute machen Urlaub irgendwo in den Wäldern der mittelwestlichen USA. Dort haben sie sich in einer Holzhütte einquartiert und werden schnell von einem alten Mann vor den Wäldern und dem Monster gewarnt, was hier hausen soll. Des Alten Tochter wurde von dem Wesen getötet, was er fortan jagt. Auch einer der jungen Leute hat eine andere Agenda als Urlaub zu machen, denn in den Wäldern ist sein Onkel verschwunden, den er nun suchen will. 

    Selten werden Film dieser Art mit fortschreitender Laufzeit besser, da oft schon vor dem Ziel das Pulver verschossen wird. Bei Emmett Alstons Regiearbeit ist das anders. Der Film, der auf einer Story von John Carl Buechler basiert, dümpelt erst mal ziemlich sauerstoffarm vor sich hin, schmückt sich zwar mit einem netten Wald-Setting, baut aber kaum Spannung auf. Zudem sind die Darsteller fade und frei von Charisma, sieht man mal von George Kennedy ab. 

    Das waldige Ambiente mit der Blockhütte und dem üblichen Gebären der jungen Leute erinnert an die FREITAG DER 13.-Reihe. Taucht dann endlich mal das haarige, bigfootartige Monster auf, was etwas an Gorax aus EWOKS-KARAWANE DER TAPFEREN (1984) erinnert, kommt es zu netten, aber kaum berauschenden Horror-Momenten, die teilweise immerhin recht blutig geraten sind. Auch DER TEUFEL TANZT WEITER (1980) ploppte in mir auf. Als ich den Unterhaltungswert des Films dann fast völlig kippen sah, rafft sich die Inszenierung wieder etwas auf und präsentiert plötzlich noch Zombies und ein extraterrestrisches Geheimnis, was zwar an Gagaismus kaum zu toppen ist, aber mir viel Spaß brachte. Das Zottelwesen gerät mit diesem „Twist“ in Vergessenheit. 

    DEMON WARP – DIE WELTRAUMZOMBIES ist frei von Verstand, kaum spannend, aber bietet teilweise einen gewissen Unterhaltungswert, der mich dann etwas versöhnlich stimmte. 

    (Bjoern Candidus)

  • 99 Women, 1969 – ★★★★

    99 Women, 1969 – ★★★★

    DER HEISSE TOD
    (Deutschland, GB, Italien, Liechtenstein, Spanien, 1969, Regie: Jess Franco)

    In einem Gefängnis auf einer Insel vor der Küste von Panama herrscht Zucht und Ordnung. Die männlichen Gefangenen stehen unter der Herrschaft von Gouverneur Santos, der sich für den Spaß gerne mal die ein oder andere Dame von der Oberaufseherin Diaz herüberschicken lässt, die mit eiserner Hand die weiblichen Gefangenen drangsaliert. Doch ihre Methoden sprechen sich langsam herum. Aus diesem Grund wird Diaz abgesetzt und sie dient nur noch als Assistentin der neuen Oberaufseherin Leonie Caroll, die mit ihrer menschlichen Ader eine neue Gefängnis-Philosophie errichten möchte. Es kommt zu Konflikten auf der Führungsetage und zwischen und den Gefangenen. Ein besonderer Konflikt zwischen Leonie und der Gefangenen Marie entwickelt sich, der die Fronten zusätzlich verhärtet.   

    Mit DER HEISSE TOD hat Jess Franco einen der kompetentesten Filme seines Œuvres vorgelegt. Produzent des Ganzen: Harry Alan Towers. 

    Zooms, Wackelbilder oder holprige Schnitte sind hier so gut wie gar nicht zu finden; Kameramann Manuel Merino hat stattdessen eine schöne Fotografie vorgelegt, die den Film jederzeit wertig erscheinen lässt. Die Burg auf den Klippen ist innen wie außen ein Hingucker, und richtig schön wird es, wenn die Damen durch den Dschungel flüchten. 

    Dass man es hier mit einem Film von Jess Franco zu tun hat, erkennt man natürlich trotzdem. Frauen in Gefangenschaft, Schlüpfrigkeiten, sadistische Machtfiguren und der Hang zu experimentellen Spielereien mit Farben und Formen blitzen auf und erwecken sofort ein Gefühl des Vertrauens. Franco legt viel Wert auf seine Figuren, übt Kritik am Gefängnis-System und zeigt natürlich auch die niederen Instinkte der Menschen auf. Gefestigt wird das von den wirklich starken Darstellern wie Maria Schell als die gute Aufseherherin und Mercedes McCambridge als ihre bösartige Vorgängerin, die mich stark an Ruth Gordon erinnert hat. Dazu gesellt sich Maria Rohm, Rosalba Neri und der einzigartige Herbert Lom. Da kann wirklich niemand meckern. Die Gehörgänge werden von Bruno Nicolai verwöhnt, der hier erneut mit einem schönen Score aufwartet. 

    Themen wie Missstände, Unterdrückung, der Geschlechtstrieb unter Frauen und Männern, Zucht und Ordnung durch Folter und Bestrafungen und die Hoffnung, gefestigte Systeme zu brechen, machen aus DER HEISSE TOD einen wirklich reichhaltigen Film, der in Francos Filmografie ganz weit vorn anzusiedeln ist. 

    (Bjoern Candidus)

  • Delirium: Photo of Gioia, 1987 – ★★½

    Delirium: Photo of Gioia, 1987 – ★★½

    DAS UNHEIMLICHE AUGE 
    (LE FOTO DI GIOIA, Italien, 1987, Regie: Lamberto Bava)

    Gioia, ein ehemaliges Model, was nun selbst eine Agentur besitzt, muss mit ansehen, wie ihre Models nach und nach aus dem Leben scheiden. Sie werden umgebracht. Gioia ist klar, dass auch sie im Fokus des Killers steht. 

    Nach seinen durchaus ansehnlichen Gialli DAS HAUS MIT DEM DUNKLEN KELLER (1983) und MIDNIGHT KILLER (1986), legt Lamberto Bava hier den nächsten Killerfilm vor, der so im Glanze der 80er-Jahre erstrahlt, dass man fast erblindet. Schulterpolster, Föhnwellen und Kleidung in grellen Farben malträtieren die Augen. Das klingt schlimmer als es ist, denn inszenatorisch bewegt man sich auf gutem Niveau. Die bunten Farben, in die der Film immer wieder getränkt wird, machen Spaß, die Ausstattung und die Sets, wie eine weitläufige Villa mit riesiger Gartenanlage, sind wahre Hingucker. Es gibt eine Verfolgung in einem Kaufhaus, die recht spannend geraten ist. Ein paar nette Morde und die merkwürdigen POV-Sequenzen des Killers sind weitere Bonbons die Bava bereithält. Aber es gibt auch durchaus Schattenseiten, denn manchmal hinkt es mit dem Spannungsaufbau und manchmal hält man sich unnötig auf. Und dann sind da noch die Darsteller, die leider nicht zum mitfiebern einladen. Die Hauptdarstellerin Serena Grandi kennt der Italofilm-Freund aus MAN-EATER (1980), in dem sie ihr Debüt hatte. Ich finde sie hier leider sehr blas und unsympathisch. Auch die von mir geschätzte Daria Nicolodi kommt nicht richtig zur Geltung. Neben einigen ziemlich griesgrämigen Herren, gibt es auch ein kurzes, aber lustiges Wiedersehen mit George Eastman. Eine größere Rolle hat hingegen Karl Zinny, der über alle hinweg strahlt. Der Score stammt von Simon Boswell, der auch mal eindringlicher klang. 

    DAS UNHEIMLICHE AUGE ist ein stylischer 80er-Giallo, der in der Welt der Schönen und Reichen angesiedelt ist und mit visuellen Reizen, einer guten Fotografie, aber auch Schwächen daherkommt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Witchcraft (Evil Encounters), 1988 – ★★½

    Witchcraft (Evil Encounters), 1988 – ★★½

    WITCHCRAFT – DAS BÖSE LEBT
    (WITCHERY, Italien, USA, 1988, Regie: Fabrizio Laurenti)

    Leslie und ihr Freund Gary wollen die mysteriösen Erscheinungen in einem Hotel an der Küste von Neu-England untersuchen. Dort stürzte sich einst eine Hexe aus dem Fenster, deren Fluch bis heute aktiv ist. Als Jane, ihr kleiner Bruder und ihre Eltern hinzu stoßen, weil sie Interesse an der Immobilie haben, öffnen sich langsam die Pforten zur Hölle.  

    Wenn David Hasselhoff, Linda Blair 
    und Hildegard Knef gemeinsam in einem Horrorfilm mitspielen, der auch noch aus Joe D’Amatos Produktionsschmiede Filmirage stammt, darf man zu Recht verwundert sein. Unter dem Strich passt die Besetzung in Fabrizio Laurentis Regiearbeit. Blair wirkt wie immer etwas hölzern, wenn sie nicht gerade sabbernd und fluchend in Georgetown im Bett liegt. Von Hasselhoff darf man nichts erwarten, außer den ewig gleichen Gesichtsausdruck, der so gar kein Charisma mitbringt. Und Hildegard Knef steht im Grunde nur im Bild herum und gibt ihren Sermon zum Besten, was zumindest schön schrullig wirkt. Die Figuren laden hier jedenfalls nicht zum mitfiebern ein.  

    Der Film punktet mehr mit anderen Dingen. Das Insel-/Meer-Setting weiß zu gefallen. Dazu gibt es ein altes Hotel, was recht unheimlich eingefangen wurde. Die Fotografie ist soweit in Ordnung. Auch wenn alles etwas trist und deprimierend wirkt, ist die Atmosphäre meist dicht. Auf Seiten der Effekte gibt es billige Lichteffekte, die immer wieder über das Bild gelegt werden. Diese weichen dann spätestens ab der Mitte höchst kruden Effekten, die stellenweise recht hart ausgefallen sind. Blut spritzt hier genug, dafür mangelt es an Spannung. Die vertrauten Klänge des Scores stammen von Carlo Maria Cordio. 

    Nicht gut, nicht schlecht – WITCHCRAFT steht in der Tradition von Filmen wie GHOSTHOUSE (1988) oder TANZ DER HEXEN (1989). Ein Genre-Highlight ist keiner davon, aber sie besitzen allesamt einen netten 80er-Charme, der sie irgendwie einzigartig macht.

    (Bjoern Candidus)

  • Lust of the Vampire, 1957 – ★★★★½

    Lust of the Vampire, 1957 – ★★★★½

    DER VAMPIR VON NOTRE DAME
    (I VAMPIRI, Italien, 1957, Regie: Riccardo Freda, Mario Bava) 

    Eine Serie von Frauenmorden erschüttert Paris. Es ist bereits die dritte Dame, die blutleer aufgefunden wird und Inspektor Santel Kopfzerbrechen bereitet. Aber auch der Reporter Lantin widmet sich dem Fall mit voller Aufmerksamkeit. Seine Wissbegierde führ ihn zu einem Drogensüchtigen, der ihn wiederum zu Professor DuGrand führt, der im Dienst einer Schlossherrin steht. 

    DER VAMPIR VON NOTRE DAME ist der erste italienische Horrorfilm nach dem 2. Weltkrieg und gleichzeitig der Auftakt einer kraftvollen Gothic-Horror-Welle, die Filme wie DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960), DIE GELIEBTE DES VAMPIRS (1960), DAS SCHLOSS DES GRAUENS (1963), DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU (1963) etc. in die Welt flutete. Es war vor allem Mario Bava, der das Thema Gothic-Horror in ganz neue Dimensionen lenkte. Inspiriert durch die Schönheit der Hammer-Studios, die ebenfalls im Jahr 1957 mit FRANKENSTEINS FLUCH und ein Jahr später mit DRACULA, die beide unter der Regie von Terence Fisher entstanden sind, präsentierte er sein Meisterstück und Regie-Debüt DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT allerdings noch in gespenstischen Schwarweißbildern, wie es auch hier der Fall ist. In erster Linie war aber Riccardo Freda der Regisseur von DER VAMPIR VON NOTRE DAME, während Bava in erster Linie den Posten des Kameramannes und Autors der Story (zusammen mit Piero Regnoli) bekleidete. Dass er hier teilweise auch noch selbst die Regie führte, ist einem Zerwürfnis zwischen Freda und dem Studio geschuldet. Freda, der auch später mit Filmen wie DAS SCHRECKLICHE GEHEIMNIS DES DR. HICHCOCK (1962) ein weiteres Bonbon des Gothic-Horrors ablieferte, schafft es hier Krimi-, Mad Scientist- und Vampirismus-Motive zusammenzulegen und gemeinsam mit Mario Bava ein filmisches Gedicht abzuliefern. 

    Anfänglich bekommt man noch das moderne Paris präsentiert, wenn auch gerne mittels geschickt eingebauter Hintergrundbilder, denn größtenteils ist man in den Titanus Studios in Rom. Das Können von Bava als Kameramann ist auch in diesen Szenen zu erkennen, aber wenn man das Schloss betritt, entfaltet sich das Wunderwerk erst richtig. Licht und Schatten verwandelt die Räume mit ihren dämonischen Verzierungen in Alptraumwelten. Jede Einstellung wird zur Augenweide. Geheimgänge, ein Friedhof mit Gruft, kahle Bäume und sämtliche Horror-Zutaten, die hier bedient werden, sind für 1957 zwar nicht neu, doch sahen sie vorher selten so gut aus. Der Score von Roman Vlad begleitet das unheimliche Treiben blendend. Dass man es hier nicht mit einem Vampir im herkömmlichen Sinne zu tun hat, sondern man sich eher in den Gefilden von Elisabeth Báthory bewegt, ist ein weiterer Pluspunkt. Werner Herzog kam im gleichen Jahr in seinem Kurzfilm DIE BEISPIELLOSE VERTEIDIGUNG DER FESTUNG DEUTSCHKREUZ ebenfalls auf Báthory zu sprechen, während die Hammer-Studios erst 1971 mit COMTESSE DES GRAUENS auf das Thema antworteten. Auch das Thema Drogensucht wird aufgemacht, was der Blutsucht der Schlossherrin Gisèle DuGrand hier gleichkommt. 
    Wie bereits anfänglich erwähnt, war 1957 auch das Jahr von Dr. Frankenstein und seiner Kreatur, die durch Peter Cushing und Christopher Lee eine glänzende Reinkarnation erfahren haben. Clever wie Freda und Bava waren, pflanzten sie also auch noch wissenschaftliche Aspekte in die Story, ohne dass es zu einem stilistischen Bruch kommen würde. Und wenn man so will, weisen die Krimi-Elemente, die hier auch zu finden sind, auf die zwei Jahre später sehr erfolgreich startende Edgar Wallace Filmreihe aus Deutschland hin. 

    Mit Gianna Maria Canale, Carlo D’Angelo, Dario Michaelis und Jess Franco Liebling Paul Muller darf man sich zusätzlich auf eine tolle Besetzung freuen, die das schaurige Gesamtpaket abrundet. 

    DER VAMPIR VON NOTRE DAME ist nicht nur ein visuell betörender Film mit einer guten Story, sondern auch ein wichtiger Film für das Horror-Genre, insbesondere für das italienische. Faszinierend. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Vampire and the Ballerina, 1960 – ★★★

    The Vampire and the Ballerina, 1960 – ★★★

    DIE GELIEBTE DES VAMPIRS
    (L’AMANTE DEL VAMPIRO, Italien, 1960, Regie: Renato Polselli) 

    Eine Gruppe junger Tänzerinnen studiert in einem Haus auf dem Land eine neue Performance. Unweit ihrer Unterkunft ist auch ein Schloss der Gräfin Alda, die ein blutdurstiges Geheimnis hat. Da kommen ihr und ihrem Handlanger die tanzenden Damen gerade recht. 

    Nachdem mit DER VAMPIR VON NOTRE DAME von Ricardo Freda (Regie) und Mario Bava (Kamera) das italienische Gothic-Horrorkino zu blühen anfing und Terence Fishers DRACULA (1958) für die Hammer-Studios großen Erfolg feierte, sollte die Vampir-Thematik weiter ausgedehnt werden. Und so entwickelte Ernesto Gastaldi, Renato Polselli und Giuseppe Pellegrini die Geschichte und das Drehbuch zu DIE GELIEBTE DES VAMPIRS. Regie führte Renato Polselli, dem Giallo-Freunde durch den verstrahlten DAS GRAUEN KOMMT NACHTS (1972) in bester Erinnerung sein dürften. 

    Der Film begrüßt einen mit den gespenstischen Klängen eines 
    Theremin und zeigt zu den Credits ein stimmungsvolles Gemälde einer Frau in Ketten. Durch das Schwarzweiß wird der Gruselfaktor zusätzlich verstärkt und sollte so den Freund des Gothic-Horrors sofort ansprechen. Schnell macht der Film aber klar, dass er moderner ist, als man meinen könnte, denn er ist in der damaligen Jetztzeit angesiedelt. Das bäuerliche Ambiente und das finstere Schloss stehen immer wieder im Kontrast zu den jungen Damen, die in einer abgelegenen Tanzschule die Beine schwingen und das städtische Leben mit in die Pampa bringen. Im Grunde funktioniert die Kombination. Sie ist frisch, modern und versteht es gleichzeitig klassisch. Dabei werden auch die obligatorischen Grusel-Zutaten wie gespenstische Bäume, Schatten, Sturm und Gewitter benutzt. Die Fotografie von Angelo Baistrocchi ist solide und wirkt besonders stimmig in den düsteren Momenten. Zudem gibt es immer wieder tolle Perspektiven zu bewundern. Und da all das nur schwer ohne Figuren funktioniert, gibt es direkt eine ganze Wagenladung davon. Abgesehen von der ominösen Gräfin Alda (María Luisa Rolando), die natürlich einiges auf dem Kerbholz hat und einen sadistischen und monströsen Handlanger (Walter Brandi) zur Seite hat, der stets frisches Blut braucht, gibt es zahlreiche junge Damen zum Aussaugen, die auch von männlichen Nicht-Vampiren beäugt werden. Und so mischen sich Liebesgeschichten, Eifersuchtsdramen und erotische Liebeleien in einen Gothic-Vampirfilm mit Krimi-Elementen, der alt- wie neumodisch daherkommt. Die Inszenieren weist aber auch kleine Schwächen auf. Es gibt ein paar unnötige Längen, durch die hin und wieder die Atmosphäre unterbrochen wird; und manchmal beißt sich der eigentlich sehr gute und abwechslungsreiche Score von Aldo Piga, wenn zu spannenden Szenen einfach Swing-Jazz benutzt wird. 

    DIE GELIEBTE DES VAMPIRS ist eine facettenreiche Mischung, die machmal etwas unausgegoren daherkommt, aber unter dem Strich stimmungsvolle Gothic-Horror-Unterhaltung bietet. Die Ähnlichkeiten zu Mario Bavas Meisterstück DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, was drei Monate später in die italienischen Kinos kam, ist durchaus interessant. Die Qualitäten eines Mario Bavas erreicht Polselli allerdings nicht.  

    (Bjoern Candidus)

  • Proteus, 1995 – ★★

    Proteus, 1995 – ★★

    PROTEUS – DAS EXPERIMENT
    (PROTEUS, GB, 1995, Regie: Bob Keen)

    Eine Handvoll ätzender Leute erleiden einen Schiffbruch. Eine verlassene Bohrinsel dient als Hoffnungsbringer. Doch so verlassen ist der Ort der Zuflucht nicht. Die Ergebnisse grausamer Experimente zeigen sich… 

    Bei dem Namen Bob Keen dürfte es bei vielen Genre-Freunden klingeln. Der Effekt-Zauberer, der 1977 bei KRIEG DER STERNE und ALIEN (1979) seinen Anfang nahm und danach für Filme wie LIFEFORCE (1985), WAXWORK (1988), CABAL (1990) oder HELLRAISER 1-3 die Spezial-Effekte und Masken kreierte, schuf hier unter seiner eigenen Regie einen Monster-Horrorfilm, der erst mal recht vielversprechend klingt. 

    Schon recht früh fiel mir die Nähe zu CREATURES FROM THE ABYSS (1994, der Film ist allerdings erst 2000 veröffentlich worden) auf, inhaltlich wie auch von der Figurenkonstellation. Leider hat es Keen aber nicht geschafft, seinen Figuren irgendwie Sympathie oder einen schrägen Charakter zu geben. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Die Figuren sind dumpf, lieblos geschrieben und laden eher zum abschalten ein. 

    Das Set sieht ordentlich aus, ist stimmungsvoll inszeniert und durch die Wahl einer Bohrinsel noch recht frisch im Horror-Genre. Wer noch eine Bohrinsel im Genre benötigt, dem sei TARGOOR – REISE INS GRAUEN (1981) von Peter Carter empfohlen. Aber auch eine Bohrinsel nutzt nichts, wenn man sie mit langweiligen Stubenfliegen beseelt. Der Ausgleich kommt mit den ordentlichen praktischen Effekten, die gegen Ende sogar zu einem guten Creature-Feature werden, was vor allem Erinnerungen an THE THING (1982) erweckt. 

    PROTEUS ist gut gemeint, hat kreative Monster zu bieten, konnte mich aber aufgrund seiner Story und Figuren kaum begeistern. 

     (Bjoern Candidus)

  • Dead of Winter, 1987 – ★★½

    Dead of Winter, 1987 – ★★½

    DEAD OF WINTER
    (USA, 1987, Regie: Arthur Penn)

    Katie McGovern, eine junge Schauspielerin, bewirbt sich auf eine Anzeige zu einem Casting. Da die Hauptdarstellerin ausfällt, soll Katie ihren Part übernehmen, weil sie eine unheimliche Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Darstellerin hat. Für die Aufnahmen muss sich Katie in ein abgelegenes Landhaus der beiden Auftraggeber begeben. Schnell wird ihr klar, dass dieser Ausflug nicht unbedingt ihre Eintrittskarte für Hollywood werden wird. 

    Schnee, Isolation, Gefangenschaft, zwei garstige Männer und eine Frau, die sich ihren Job ganz anders vorgestellt hat, wird hier aufgefahren. Regisseur Arthur Penn (BONNIE & CLYDE, 1967 / DUELL AM MISSOURI, 1976) ist für Marc Shmuger eingesprungen, der auch für das Drehbuch zuständig war. Was bei der Produktion genau vorgefallen ist, entzieht sich mir. Der Filme ist eine Neuinterpretation des Films MY NAME IS JULIA ROSS (1945), der wiederum auf den Roman THE WOMAN IN RED von Anthony Gilbert basiert.  

    Das Tolle an dem Film ist, dass er dem Zuschauer direkt zu Beginn mit einer düsteren, winterlichen Kulisse die richtige Stimmung beschert, die der Titel schon verspricht. SHINING (1980) und MISERY (1990) lassen grüßen. Leider verzichtet Penn darauf, die Atmosphäre im Haus zu verstärken. Da man es hier mit einer Art Kammerspiel zu tun hat, hätte man sich im Inneren schon mehr Mühe geben können, denn alles ums Haus herum, wird immer sehr dicht inszeniert. Aber gut, dafür wartet die Inszenierung mit wenigen, aber ordentlichen Darstellern auf, was wichtig ist, da der Film doch sehr auf seine Geschichte fixiert ist. Während mir Mary Steenburgen (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 3, 1990) und Jan Rubes (THE AMITYVILLE CURSE, 1990) nicht wirklich etwas sagten, freute ich mich auf Roddy McDowall (PLANET DER AFFEN, 1968), den ich immer gerne sehe. 
    Die Story ist sehr konstruiert, krankt an Logik, aber wird konsequent durchgezogen und erinnert in den besten Momenten an Hitchcock. Wenn man die Logikfragen abstellen kann, wird man gut unterhalten, auch wenn manchmal zu viel geredet wird. 

    Von einem Meisterwerk ist DEAD OF WINTER weit entfernt, hat bekannte Zutaten, die selten überraschen, aber funktioniert als solider Thriller mit Winter-Ambiente.

    (Bjoern Candidus)