Autor: marco-fritz

  • Proteus, 1995 – ★★

    Proteus, 1995 – ★★

    PROTEUS – DAS EXPERIMENT
    (PROTEUS, GB, 1995, Regie: Bob Keen)

    Eine Handvoll ätzender Leute erleiden einen Schiffbruch. Eine verlassene Bohrinsel dient als Hoffnungsbringer. Doch so verlassen ist der Ort der Zuflucht nicht. Die Ergebnisse grausamer Experimente zeigen sich… 

    Bei dem Namen Bob Keen dürfte es bei vielen Genre-Freunden klingeln. Der Effekt-Zauberer, der 1977 bei KRIEG DER STERNE und ALIEN (1979) seinen Anfang nahm und danach für Filme wie LIFEFORCE (1985), WAXWORK (1988), CABAL (1990) oder HELLRAISER 1-3 die Spezial-Effekte und Masken kreierte, schuf hier unter seiner eigenen Regie einen Monster-Horrorfilm, der erst mal recht vielversprechend klingt. 

    Schon recht früh fiel mir die Nähe zu CREATURES FROM THE ABYSS (1994, der Film ist allerdings erst 2000 veröffentlich worden) auf, inhaltlich wie auch von der Figurenkonstellation. Leider hat es Keen aber nicht geschafft, seinen Figuren irgendwie Sympathie oder einen schrägen Charakter zu geben. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Die Figuren sind dumpf, lieblos geschrieben und laden eher zum abschalten ein. 

    Das Set sieht ordentlich aus, ist stimmungsvoll inszeniert und durch die Wahl einer Bohrinsel noch recht frisch im Horror-Genre. Wer noch eine Bohrinsel im Genre benötigt, dem sei TARGOOR – REISE INS GRAUEN (1981) von Peter Carter empfohlen. Aber auch eine Bohrinsel nutzt nichts, wenn man sie mit langweiligen Stubenfliegen beseelt. Der Ausgleich kommt mit den ordentlichen praktischen Effekten, die gegen Ende sogar zu einem guten Creature-Feature werden, was vor allem Erinnerungen an THE THING (1982) erweckt. 

    PROTEUS ist gut gemeint, hat kreative Monster zu bieten, konnte mich aber aufgrund seiner Story und Figuren kaum begeistern. 

     (Bjoern Candidus)

  • Dead of Winter, 1987 – ★★½

    Dead of Winter, 1987 – ★★½

    DEAD OF WINTER
    (USA, 1987, Regie: Arthur Penn)

    Katie McGovern, eine junge Schauspielerin, bewirbt sich auf eine Anzeige zu einem Casting. Da die Hauptdarstellerin ausfällt, soll Katie ihren Part übernehmen, weil sie eine unheimliche Ähnlichkeit mit der ursprünglichen Darstellerin hat. Für die Aufnahmen muss sich Katie in ein abgelegenes Landhaus der beiden Auftraggeber begeben. Schnell wird ihr klar, dass dieser Ausflug nicht unbedingt ihre Eintrittskarte für Hollywood werden wird. 

    Schnee, Isolation, Gefangenschaft, zwei garstige Männer und eine Frau, die sich ihren Job ganz anders vorgestellt hat, wird hier aufgefahren. Regisseur Arthur Penn (BONNIE & CLYDE, 1967 / DUELL AM MISSOURI, 1976) ist für Marc Shmuger eingesprungen, der auch für das Drehbuch zuständig war. Was bei der Produktion genau vorgefallen ist, entzieht sich mir. Der Filme ist eine Neuinterpretation des Films MY NAME IS JULIA ROSS (1945), der wiederum auf den Roman THE WOMAN IN RED von Anthony Gilbert basiert.  

    Das Tolle an dem Film ist, dass er dem Zuschauer direkt zu Beginn mit einer düsteren, winterlichen Kulisse die richtige Stimmung beschert, die der Titel schon verspricht. SHINING (1980) und MISERY (1990) lassen grüßen. Leider verzichtet Penn darauf, die Atmosphäre im Haus zu verstärken. Da man es hier mit einer Art Kammerspiel zu tun hat, hätte man sich im Inneren schon mehr Mühe geben können, denn alles ums Haus herum, wird immer sehr dicht inszeniert. Aber gut, dafür wartet die Inszenierung mit wenigen, aber ordentlichen Darstellern auf, was wichtig ist, da der Film doch sehr auf seine Geschichte fixiert ist. Während mir Mary Steenburgen (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 3, 1990) und Jan Rubes (THE AMITYVILLE CURSE, 1990) nicht wirklich etwas sagten, freute ich mich auf Roddy McDowall (PLANET DER AFFEN, 1968), den ich immer gerne sehe. 
    Die Story ist sehr konstruiert, krankt an Logik, aber wird konsequent durchgezogen und erinnert in den besten Momenten an Hitchcock. Wenn man die Logikfragen abstellen kann, wird man gut unterhalten, auch wenn manchmal zu viel geredet wird. 

    Von einem Meisterwerk ist DEAD OF WINTER weit entfernt, hat bekannte Zutaten, die selten überraschen, aber funktioniert als solider Thriller mit Winter-Ambiente.

    (Bjoern Candidus)

  • Mausoleum, 1983 – ★★

    Mausoleum, 1983 – ★★

    GRABMAL DES GRAUENS 
    (MAUSOLEUM, USA, 1983, Regie: Michael Dugan)

    Auf Susan lastet ein alter Fluch, wie vorher auf ihrer Mutter. Ein Dämon hat von Susan Besitz ergriffen, der ihren Körper benutzt, um Opfer anzuziehen, denen er sein wahres Antlitz offenbart. Susans Ehemann Oliver und ihr Psychiater Dr. Simon Andrews nehmen den Kampf gegen den Dämonen auf. 

    Allzu viel Gutes kann ich über Michael Dugans Dämonen-Horrorfilm leider nicht sagen. Das kalifornische Setting mit Palmen auf dem Friedhof und das pink-grüne Dämonen-Licht im Mausoleum ist typisch 80er und hat mich anfänglich abgeholt. Ebenso ansehnlich sind sowohl die gut verteilten Gore-Effekte (eine Schädeldecke fliegt weg, Körper reißen auf, werden aufgespießt etc.) als auch das Dämonen-Latex-Kostüm mit Brüsten, die Gesichter haben. Hier hatte wieder John Carl Buechler (TROLL, 1986) die Hände im Spiel, und die sind meistens verlässlich. Doch leider sind das auch schon alle positiven Aspekte des Films. 

    Zwischen den kleinen ansehnlichen Momenten gibt es nämlich viel Leerlauf mit langweiligen Darstellern in einer Story, die bei mir so gar nicht zünden konnte, und ich mag Dämonen. Bobbie Bresee spielt die vom Dämonenfluch besessene Susan Walker Farrell, die, sobald sie in ihren Dämonenmodus schaltet, leuchtend grüne Augen bekommt, was ziemlich billig aussieht. Halbwegs überzeugend wird die Dämonin erst mit dem Latexkostüm. In dieser Form erinnert sie dann etwas an die Kreaturen aus THE BONEYARD (1991). Marjoe Gortner als als ihr Ehemann Oliver Farrell und Norman Burton als Dr. Simon Andrews laden nicht gerade zum mitfiebern ein. Zumindest ist positiv anzumerken, dass es sich hier nicht um einen Teenie-Horrorfilm handelt. 

    Leider kann GRABMAL DES GRAUENS die anfängliche Atmosphäre nicht halten und reduziert sich auf Gore- und Make-up-Effekte, statt eine spannende Geschichte zu erzählen.   

    (Bjoern Candidus)

  • Rat Man, 1988 – ★★½

    Rat Man, 1988 – ★★½

    RATMAN
    (QUELLA VILLA IN FONDO AL PARCO, Italien, 1988, Regie: Giuliano Carnimeo)

    Die Welt wäre langweiliger, gäbe es nicht Filme mit folgenden Inhaltsangaben: Ein wahnsinniger Wissenschaftler injiziert in den Hoden eines Affen Sperma einer Ratte und erschafft so den Ratman, der durch seine Bisse zudem Gift übertragen kann. Der Rattenaffe sorgt auf einer Karibikinsel für Angst und Schrecken, doch niemand scheint sich vor Ort dafür zu interessieren, bis auf Terry, die ihre getötete Schwester identifizieren soll und vor Ort auf Fred, einem Krimi-Autor stößt. Als sich herausstellt, dass die Tote gar nicht Terrys Schwester ist, begeben sich die beiden auf eine gefährliche Spurensuche. 

    Noch bevor Peter Jackson seinen Rattenaffen, der auch von einer Insel kam, in BRAINDEAD (1992) präsentierte, kam Regisseur Giuliano Carnimeo (DAS GEHEIMNIS DER BLUTIGEN LILIE, 1972), bzw. der große Dardano Sacchetti, der hier für die Story und das Drehbuch verantwortlich war, um die Ecke. Ganz so tierisch wie bei Jackson sieht der kleiner Racker hier nicht aus. In die Rolle des Nagermenschen schlüpfte Nelson de la Rosa, der mit seinen 72cm Körpergröße einst der kleinste Schauspieler der Welt war. Mit seinem Make-up und den Rattenzähnen wirkt der ganze Auftritt herrlich verstörend. Wenn man ihn nicht direkt sieht, blickt man aus seiner Ego-Perspektive, wenn er z.B. in einer Tasche lauert. Weniger eindringlich, aber durchaus solide sind die Auftritte von Janet Agren und David Warbeck als unsere Hobby-Detektive, Eva Grimaldi und dem Dauergriesgram Werner Pochath als Fotograf. Das Insel-Setting ist durchaus gelungen und bietet sommerliche Urlaubsstimmung, aber auch unheimliche Momente, vor allem wenn es in vergammelte und verlassene Häuser geht. Der Score von Stefano Mainetti ist unauffällig, passt aber, um die Stimmung zu unterstreichen. Neben der absurden Grundidee, dem siffigen Anstrich und ein bisschen Gore, hat der Film aber auch immer wieder Leerlauf und Wiederholung in Form von Dialogen oder dem ständigen Gerenne von A nach B. 

    RATMAN ist inhaltlich und handwerklich wahrlich keine große Kunst, aber er zieht seinen Irrsinn konsequent durch und gehört zu den innovativeren Vertretern dieser späten Italofilm-Epoche.

    (Bjoern Candidus)

  • The Stranger, 1946 – ★★★½

    The Stranger, 1946 – ★★★½

    DIE SPUR DES FREMDEN
    (THE STRANGER, USA, 1946, Regie: Orson Wells)

    Tiefe Schattenwürfe in den Gesichtern und Silhouetten an den Fenstern stoßen einen in eine finstere Hafen-Welt, die recht schnell verlassen wird und in eine idyllische US-Kleinstadt von Connecticut führt, in der das Böse wohnt. Das Böse in Form von Professor Charles Rankin, der eigentlich Franz Kindler, ein Nazi-Verbrecher, der der Urheber von Kenzentrationslagern und Gaskammern ist. Doch man ist ihm auf der Spur. Mr. Wilson von der Kriegsverbrecherkommission ist neu in der Stadt. Gespannt ist er auf die Ankunft von Konrad Meinike, einem Vertrauten von Kindler. Meinike ist der, der die letzten Zweifel über Kindlers wahre Identität auflösen kann. Und dann ist da noch Mary, die den angeblichen Charles Rankin heiraten möchte. 

    Ein weiteres Mal beweist Orson Wells, dass er nicht nur ein hervorragender Regisseur, sondern auch ein starker Darsteller ist. In diesem sehr spannenden Film Noir – Krimi, der der Idee von Victor Trivas entsprungen ist, steht die Stimmung bereits von Beginn an auf düster und beklemmend. Wells spielt eindringlich und weiß stets sein Charisma einzusetzen. An seiner Seite ist Loretta Young als Mary Longstreet. Sein Gegenspieler, Mr. Wilson, wird dargestellt von Edward G. Robinson (SOYLENT GREEN, 1973). Eine tolle Besetzung. Zudem wirkt die ganze Inszenierung sehr modern und ist verspielt Fotografiert. Auch wenn man als Zuschauer schnell mit dem Geheimnis um Rankin, bzw. Kindler konfrontiert wird, bleibt es bis zum Schluss spannend. 

    DIE SPUR DES FREMDEN ist ein packender Krimi, der vor und hinter der Kamera überzeugt, und das auch nach fast 80 Jahren.

    (Bjoern Candidus)

  • Don’t Go in the Woods, 1981 – ★★

    Don’t Go in the Woods, 1981 – ★★

    AUSFLUG IN DAS GRAUEN
    (DON‘T GO IN THE WOODS, USA, 1981, Regie: James Bryan)

    Die Story von AUSFLUG IN DAS GRAUEN ist schnell erzählt: Eine Gruppe jugendlicher, die einen Ausflug in die Wälder irgendwo in Utha unternehmen, werden von einem Irren gejagt und getötet. Und das war es auch schon, was James Bryan in seiner 1-Dollar-JUST BEFORE DAWN (1981) Version erzählt. Interessanterweise kam Jeff Liebermans Wald & Wiesen-Horror-Slasher im gleichen Monat (November 1981) eine Woche nach diesem Film in die US-Kinos. Doch wo man bei JUST BEFORE DAWN wirklich spannende und atmosphärisch sehr dichte Momente erleben darf, verkommt Bryans Film zu einer Splatter-Party auf niedrigstem Niveau, und die kann zumindest auf ihre dümmliche Art unterhalten. Eine wahre Freude sind die hervorragend im nichts können geschulten Darsteller. Wenn sie überhaupt mit irgendwas überzeugen können, dann mit ihren dummen Blicken. Neben idiotischen Jugendlichen, einem schrulligen Camperpaar und zwei hirnverbrannten Cops, gibt es natürlich noch den Killer. Den Wüterich darf man sich als Mischung aus dem Räuber Hotzenplotz und einem degenerierten Reinhold Messner vorstellen, und der schlitzt hier vergnüglich durch die Abenteurer. Und ja, der Film ist recht blutig und grobschlächtig inszeniert. Menschen werden abgestochen, eine Kehle wird aufgeschlitzt und eine Bärenfalle wird äußerst Effektiv gegen eins der dümmlichen Gesichter eingesetzt. Und auch hier gibt es einen Mord in einem Schlafsack, der allerdings weniger ikonisch inszeniert wurde als in FREITAG DER 13. TEIL 7 (1988).   

    Das Einzige, was hier ausgezeichnet funktioniert, ist die berauschende Natur von Utha. Saftige Wälder, hohe Berge, tolle Felsformationen, mächtige Wasserfälle und Flüsse prägen das Bild, aber dafür kann James Bryan auch nichts. Hier ist der falsche Mann am richtig Platz. Der teils fast avantgardistisch anmutende Score von H. Kingsley Thurber pendelt zwischen hörbar und unhörbar hin und her. 

    AUSFLUG IN DAS GRAUEN ist ein spannungsloser, ziemlich armseliger Wald & Wiesen-Slasher, der sich mit Gore und seinem Schauplatz über Wasser halten kann. Irgendwie kann ich James Bryan dafür nicht böse sein. 

    (Bjoern Candidus)

  • Ringo and His Golden Pistol, 1966 – ★★★½

    Ringo and His Golden Pistol, 1966 – ★★★½

    RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN
    (JOHNNY ORO, Italien, 1966, Regie: Sergio Corbucci)

    Nachdem Ringo, ein Kopfgeldjäger, die Brüder von Juanito Perez ins Jenseits geschickt hat, schwört dieser Rache und verbündet sich mit einem Apachenstamm. Kurze Zeit später wird Ringo vom Sheriff von Coldstone wegen illegalem Waffenbesitz verhaftet. Die Bürger von Coldstone, die sich durch die Apachen und durch die mexikanische Bande von Juanito bedroht fühlen, wollen, dass ihr Sheriff Ringo ausliefert, damit sie verschont werden. Doch Sheriff Bill Norton fühlt sich dem Gesetz verpflichtet, und das verbietet ihm, Ringo auszuhändigen. 

    Sergio Corbuccis Western haben für mich eine Sache gemein: sie gefallen mir alle gut bis sehr gut, zumindest, die ich bisher gesehen habe, und das sind die meisten. Seine Filme sind immer toll fotografiert, packend inszeniert, greifen gesellschaftliche und politische Themen auf und kleiden sich nicht selten mit Brutalität. Dass auch immer die Besetzung stimmt, muss kaum erwähnt werden. Franco Nero, Mario Adorf, Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Burt Reynolds, Joseph Cotten… Corbucci hat die Creme de la Creme vor der Kamera versammelt und diese perfekt eingesetzt. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass Corbucci vorzeitig den Dreh verließ, um sich um DJANGO (1966) zu kümmern. Vollendet wurde der Film dann von Produzent Manolo Bolognini selbst. Deodato-Fans sollten auch aufhorchen. Der gute Ruggero war nämlich als Regieassistent an Bord. 

    In RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN schickt Corbucci Mark Damon (DIE VERFLUCHTEN, 1960) als Ringo, bzw. im Original Johnny Oro, in die Prärie, der als Kopfgeldjäger zu schaffen hat. Mit seinem grazilen Schnäuzer wirkt er etwas schmierig und cool zugleich, was natürlich auch sein goldener Colt mit weißem Griff unterstreicht. Gold ist sein Thema. Er lässt sich auch nur in Gold bezahlen, denn das verliert schließlich nie seinen Wert. Ein cleverer Gedanke, der auch heute nicht an Wert verloren hat. Seine Figur ist gewitzt, clever und einfallsreich. Wenn er nicht schießt, jagt er auch schon mal Leute mit einer Bombe in die Luft. Wie schnell er im Schießen ist, beweist er schon in der Öffnungs-Szene, wenn er einen frisch Verheirateten samt seiner Brüder vor der Kirche in den Tod schickt. Eine Szene, die mich sofort an KILL BILL VOL. 2 erinnert hat. Neben Damon versammelt sich Ettore Manni als ehrenwerter Sheriff Bill Norton, der in gefühlt jedem zweiten Italowestern mitspielende John Barta als Mexikaner Alcalde Benal und der ziemlich schnittige Franco De Rosa als Juanito Perez. Die und alle anderen erledigen einen hervorragenden Job und lassen den Film allein schon darstellerisch wertig erscheinen. 

    Der Score von Carlo Savina ist solide, aber nicht sonderlich prägnant. Hinter der Kamera stand Riccardo Pallottini, der die faszinierenden steinigen Landschaften gut eingefangen hat. Gerade Freunde von Felsformationen kommen hier auf ihre Kosten. Aber nicht nur im Tageslicht sieht der Film gut aus, sondern auch in der Nacht. Hier kommt auch die Stadt Coldstone sehr gut zur Geltung, die tagsüber viel Leben bietet und abends für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt. 

    Auch wenn die Story, um die Auslieferung Ringos durch den Sheriff an die mexikanische Bande und dem Apachenstamm, die von den Bürger Coldstones gewünscht wird, damit die zukünftig ihre Ruhe haben, nicht wirklich neu erscheint, wurde sie ganz spannend umgesetzt. Vor allem wurde sie aber auch kompromisslos umgesetzt. Frauen, Kinder, alte Menschen werden erschossen, und einer bekommt ziemlich explizit einen Tomahawk in den Kopf geschleudert. Nicht, dass hier ohne Ende Blut fließen würde, aber es geht brutal zu und deutet den Ton an, den Corbucci mit DJANGO anschlagen wird. Schön ist auch der Indianerbezug, denn nur selten tauchen amerikanische Ureinwohner als Figuren in Spaghettiwestern auf. Sein großartiger NAVAJO JOE (1966) setzt das Thema fort. 

    Auch wenn RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN noch nicht ganz so durchschlagend inszeniert wurde, hat man es hier mit einem überdurchschnittlich starken Vertreter des Genres zu tun. 

    (Bjoern Candidus)

  • Prisoners of the Lost Universe, 1983 – ★★

    Prisoners of the Lost Universe, 1983 – ★★

    GEFANGENE DES UNIVERSUMS 
    (PRISONERS OF THE LOST UNIVERSE, GB, 1983, Regie: Terry Marcel)

    Die Reporterin Carrie will den Wissenschaftler Dr. Hartman interviewen, der an einer Maschine arbeitet, die einen in andere Dimensionen transportieren kann. Als es zu einem technischen Defekt kommt, verschwindet der Professor vor ihren Augen. Als Elektriker Dan hinzustößt, werden die beiden ebenfalls in eine andere Dimension befördert. Der fremde Ort, zu dem sie gelangen, birgt eine Menge Gefahren, wie den Tyrannen Kleel, der prompt ein Auge auf Carrie geworfen hat.

    Terry Marcel (HAWK – HÜTER DES MAGISCHEN SCHWERTES, 1980) schöpft aus den Vollen und serviert in dieser britischen Produktion ein kunterbuntes Fantasy-Science-Fiction-Action-Abenteuer, was besonders Comicfreunde, die ein Herz für Helden wie Flash Gordon oder das Phantom haben, faszinieren könnte. Was hier von Anfang an ins Auge sticht sind die sonnendurchfluteten Bilder. Und wenn es mit der Dimensionsmaschine, die eine deutliche Ähnlichkeit mit dem allseits bekannten Materie-Transporter aus STAR TREK hat, in die fremde Dimension geht, zeigt sich eine traumhaft schöne Vegetation. Gedreht wurde in Südafrika. Hier warten, wunderschöne Bäume, Sträucher und Felsformationen auf einen, die den Abenteuerfilm-Charakter ganz automatisch befeuern. Um es phantastischer zu gestalten und um zu verdeutlichen, dass man nicht auf der Erde ist, wurden teilweise Pflanzen mit künstlichen Riesenschoten oder Früchten dekoriert. Sehr charmant und klassisch. Untermalt werden die schönen Bilder, die Kameramann Derek V. Browne fotografiert hat, von Harry Robertson. Und wenn man genau hinhört, erkennt man, dass er teilweise seinen Score aus DRACULAS HEXENJAGD (1971) kopiert. 

    Die Story ist simpel, abgedroschen und wenig spannend. Die inhaltliche Nähe zu Arthur Conan Doyles oder Edgar Rice Burroughs Abenteuergeschichten, die schon viele mal besser verfilmt wurden,  
    liegt auf der Hand. Die Inspirationsquelle ist klar und völlig legitim, nur mangelt es der Inszenierung an der nötigen Ernsthaftigkeit, was vor allem an den überzeichneten Figuren liegt, die den Film zu einem sonderbaren Brei werden lassen. Da ist zum einen Richard Hatch (KAMPFSTERN GALACTICA, 1978) als Elektriker Dan, Kay Lenz (HOUSE, 1985) als Carrie, dem Love Interest von jedem hier und der legendäre John Saxon (NIGHTMARE ON ELM STREET, 1984) als Tyrann Kleel, der sich hier mit Bart zeigt. Und dann gibt es zahlreiche andere Figuren, wie Amphibien-Monster, nahe Verwandte der reitenden Leichen und einem Höhlenmenschen, der der große Bruder von Ahm aus CAPRONA – DAS VERGESSENE LAND (1974) sein könnte. Miteinander und gegeneinander geraten sie in abenteuerliche, kämpferische oder komische Situationen, wie man sie schon sie schon zahlreiche Male besser erleben durfte. 

    Gepackt hat mich GEFANGENE DES UNIVERSUMS nicht gerade, aber einen gewissen Unterhaltungswert kann ich dem Dimensionstrip auch nicht absprechen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Sternzeit: Folge 11 – Krieg der Computer (TOS 1.23)

    Sternzeit: Folge 11 – Krieg der Computer (TOS 1.23)

    TRAUMSTADT – STERNZEIT: Folge 11

    Bjoern Candidus und Patrick Müller sind wieder im STAR TREK – Universum unterwegs gewesen. Diesmal haben sie für Euch die Folge „Krieg der Computer“ herausgepickt, um sie zu besprechen. Die 23. Folge der 1. Staffel von RAUMSCHIFF ENTERPRISE ist inhaltlich nicht nur spannend, sondern durchaus aktuell.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Wes Craven’s New Nightmare, 1994 – ★★½

    Wes Craven’s New Nightmare, 1994 – ★★½

    FREDDY‘S NEW NIGHTMARE
    (NEW NIGHTMARE, USA, 1994, Regie: Wes Craven)

    Ein neuer und endgültig letzter NIGHTMARE IN ELM STREET Teil soll gedreht werden, und Heather Langenkamp soll erneut Nancy Thompson spielen. Doch es kommt zu unheimlichen Zwischenfällen, die mit dem Tod ihres Ehemanns ihren vorläufigen Höhepunkt finden. Heather und ihr kleiner Sohn Dylan sind geschockt. Dylan leidet unter Alpträumen und beginnt zu schlafwandeln. Als er Heather von Freddy berichtet, verdichten sich die Anzeichen, dass die fiktive Gestalt einen Weg gefunden hat, in die Realität zu kommen.

    Wes Cravens Meta-NIGHTMARE… – Fortsetzung FREDDY‘S NEW NIGHTMARE feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag, und inhaltlich wirkt der Film noch immer so frisch wie damals, auch wenn Filme wie Tibor Takács HARDCOVER (1989) bereits vorher einen ähnlichen Weg einschlugen.

    Nachdem mit NIGHTMARE ON ELM STREET 6: FREDDY‘S FINALE (1991) endgültig die Luft aus der Reihe war, sollte Freddy Krueger auf ewig ruhen. Doch nur wenige Jahre später kehrte der Vater des Franchise zurück und ließ Freddy auf clevere Art und Weise zurückkehren. Einen Film in der Welt anzusiedeln, in der die NIGHTMARE-Filme als Filme existierten und die Darsteller sich (mehr oder weniger) selbst spielen, ist eine kluge Idee. Vor allem war es eine gute Möglichkeit, Heather Langenkamp zurückzuholen, die erneut eine gute Leistung abgibt. Ihr Film-Sohn Dylan wird von Miko Hughes dargestellt, der kein Unbekannter ist, hat er doch einen bleibenden Eindruck in der Rolle als Gage in FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) hinterlassen. Hier ist er leider einer der Störfaktoren, und er bekommt sehr viel Screentime. Einem Achtjährigen will ich aber keinen Vorwurf machen. Eine weitere Person, die sich nicht selbst spielt, ist Tracy Middendorf als Heathers beste Freundin Julie, die komplett verblasst. Darstellerisch macht der Film am meisten Spaß, wenn Robert Englund, Wes Craven, Robert Shaye oder John Saxon als sie selbst auftreten, auch wenn diese Auftritte nur kurz sind, abgesehen von dem von Englund. Englund ist als Robert Englund und als Freddy Krueger zu sehen, dem man hier optisch etwas verändert hat. Das Make-up löst sich etwas von dem verbrannten Charakter und sieht hier mehr nach vereinzelter Häutung aus. Zu dem obligatorischen grün-rot-gesteiften Pullover trägt er jetzt einen Trenchcoat, eine schwarze Lederhose und kniehohe Stiefel. Die größte Veränderung ist aber sein Klingenhandschuh, der jetzt in Fleisch und Blut übergeht und auch noch den Daumen mit einer Klinge ausstattet. Klingt alles interessanter als es ist, denn der neue Freddy sieht einfach zu steril, zu geleckt aus. All das ist völlig unnötig und eine fragwürdige Entscheidung. Immerhin darf man Englund kurz in einer Talkshow-Szene mit dem klassischen Anstrich sehen. Insgesamt können sich die praktischen Effekte, wenn es in die Alptraumwelten geht, sehen lassen. Enttäuschung dürfte bei Gore-Freunden einsetzten. Obwohl Freddy hier humorlos und bösartiger dargestellt wird, gibt es auf dem Gewaltsektor nicht viel Nennenswertes zu berichten. Ich würde behaupten, dass dies der handzahmste Teil ist. Im Vergleich zu dem, was die Vorgänger an phantastischen Möglichkeiten geboten haben, muss ich hier leider von Einfalt sprechen. Zudem ist der Film meist sehr hell und bietet nur wenig stimmungsvolle Momente. Die erste halbe Stunde liefert kleine Spannungsspitzen, die aber spätestens nach der Hälfte der Spielzeit immer weniger werden.

    FREDDY‘S NEW NIGHTMARE ist innovativ, hat gute Ideen und Ansätze, die leider nur halbgar umgesetzt wurden. Kurzweilig inszeniert wurde der Film aber dennoch.

    (Bjoern Candidus)