Autor: marco-fritz

  • The Forgotten City of the Planet of the Apes, 1980 – ★★½

    The Forgotten City of the Planet of the Apes, 1980 – ★★½

    PLANET DER AFFEN – DIE SERIE 
    (PLANET OF THE APES, USA, 1974)

    Folge 1: Zurück in die Zukunft

    Eine Raumkapsel mit drei Astronauten stürzt irgendwo mitten in der Pampa ab. Zwei von den drei Astronauten überleben den Absturz, der rein äußerlich nicht viel Schaden an der Kapsel hinterlassen hat. Hilfe kommt schnell von einem herannahenden Menschen in bäuerlicher Kleidung. Dieser schafft die beiden lebenden, aber bewusstlosen Astronauten heraus und versteckt sie. Kurz darauf trifft ein Trupp Affen auf Pferden ein, die den merkwürdigen Himmelskörper untersuchen und sofort eine Suchaktion einläuten, um die Besatzung zu finden. 
    Die beiden Astronauten, die sich als Alan und Peter vorstellen, finden schnell heraus, dass sie auf der Erde im Jahre 3085 sind. Als sie ihr zerstört, es Raumschiff aufsuchen, stellt Alan fest, dass die Daten-Platte fehlt, mit der sie wieder zurück in ihre Zeit kommen können. Doch dann machen sie eine unglaubliche Begegnung und stellen fest, dass die Erde von Affen beherrscht wird, die Menschen unterdrücken, versklaven oder auch töten. Wenig später werden sie von den Affen aufgespürt und festgenommen und Dr. Zaius vorgeführt. Fasziniert von den Neuankömmlingen verhilft ihnen der Schimpansen Galen zur Flucht. 

    Folge 2: Der Gladiator

    Alan, Peter und der Schimpanse Galen sind weiter auf der Flucht vor den Gorillas und gleichzeitig auf der Suche nach der Daten-Platte. Galen vermutet sie in den Händen des ihm bekannten Präfekten Barlow, einem Sammler von Relikten, der über ein kleines Dorf herrscht. Während Galen Barlow weiter Freundschaft vorspielt, geraten Alan und Peter in die Gefangenschaft des Präfekten. Und er hat nichts besseres zu tun, als in einer Arena Peter gegen einen anderen Menschen antreten zu lassen. Doch während des Kampfes trifft der Gorilla-Suchtrupp ein und entdeckt Alan und Peter. Tumult bricht los, bei dem Alan von Peter und Galen getrennt wird. 

    Folge 3: Das Erdbeben

    Alan, Peter und Galen sind wieder vereint und flüchten weiter. In einer zerstörten Stadt der menschlichen Zivilisation stößt Urko und seine Gorilla-Soldaten auf die Flüchtenden. Als es zu einem Erdbeben kommt, fallen Peter und Urko in eine U-Bahnstation und gehen verschütt. Es kommt zu einer Diskussion zwischen Affe und Mensch, bei dem Peter Urko mit Hilfe von alten Plakaten beweisen will, dass die Menschen vor den Affen zivilisiert und hochentwickelt gelebt haben. Urko will das nicht wahr haben, bis er auf ein Bildnis stößt, was einen Gorilla hinter Gittern zeigt.  

    Folge 4: Anto, der Farmer

    Die Flucht der Drei geht weiter, wird aber durch einen Sturz von Galen ausgebremst, da dieser nicht mehr laufen kann. Sie bauen eine trage und suchen Hilfe bei einer Schimpansen-Familie, die eine Farm betreiben. Während Alan und Peter wenig freundlich behandelt werden, bekommt Galen die Hilfe, die er braucht. Die ablehnende Haltung der Schimpansen kann durch das Wissen von Alan und Peter nach und nach gelegt werden, nur Anto, der älteste Sohn des Vaters, macht Probleme. 

    Folge 5: Spuren der Vergangenheit

    Nachdem Alan, Peter und Galen die Farm hinter sich gelassen haben stoßen auf Oakland, was nur noch einer Ruine gleicht. Sie finden einen Computer, der ihnen die Nachricht eines Wissenschaftlers an die Wand projiziert. Die Nachricht handelt vom Erhalt über die menschliche Zivilisation, deren Wissen über die Großstädte in Computern gespeichert ist, damit sie von zukünftigen Generationen entdeckt werden kann. Natürlich ist auch ein Trupp Gorillas nicht weit, die Alan, eine menschliche Frau und ihren Sohn gefangen nehmen. Kurz darauf trifft Dr. Zaius und General Urko ein, um ihren Gefangenen zu verhören. 

    Folge 6: Das Fischerdorf

    Der nächste Halt ist in einem Fischerdorf, was von einem Schimpansen regiert wird. Doch nicht nur der Schimpanse und seine Gorillas werden zum Problem, sondern auch ein Hai, gegen den sie kämpfen müssen. 

    Folge 7: Alte Liebe

    Ein Trupp Gorillas ist Alan, Peter und Galen dicht auf den Versen. Als sie das Feuer eröffnen, treffen sie Alan, können aber entkommen. Hilfe suchen sie bei Dr. Zira, die Galen nur all zu gut kennt. 

    Folge 8: Menschenjagd 

    Wieder suchen die Drei Zuflucht auf einer Farm. Doch Sestus, der Farmer darf nicht wissen, dass Galen von Menschen begleitet wird. Er gehört einem Geheimbund an, den Dragonern, eine Art Affen-Ku-Klux-Klan, der kein menschliches Leben duldet. Nebenbei verliebt sich Sestus blinde Nichte in Peter, im Glauben, er sei ein Affe. 

    Folge 9: Das Pferderennen von Venta

    Erneut gerät einer der Flüchtenden in Gefahr. Galen wird von einem Skorpion gestochen. Sie bekommen Hilfe von Gregor, dem Sohn eines menschlichen Schmieds, der ins naheliegende Dorf reitet, um ein Gegengift zu holen. Damit verstößt er gegen ein Gesetz, was besagt, dass Menschen nicht auf Pferden reiten dürfen. 

    Folge 10: Familienbande

    Auf der Flucht vor einem Gorilla-Trupp wird Peter gefangen genommen und gerät in die Hände einer besonders wissbegierigen Schimpansen-Ärztin. Mittels Folter will sie Peter brechen. Währenddessen suchen Alan und Galen Hilfe. Die Erhofft sich Galen von seinen Eltern. 

    Folge 11: Kampf der Tyrannen

    Als Aboro, ein bösartiger Gorilla, der sich nicht an die Gesetze hält, einen Menschen verletzt und einen anderen tötet, versucht Galen, der die Tat mit seinen Freunden beobachtet hat, seinen Cousin Augustus von den Machenschaften zu berichten. Doch Augustus macht sich bereit für die Ablösung seines Postens als Präfekt der Region. Für diesen Part ist nun Aboro vorgesehen.

    Folge 12: Die Seuche

    Diesmal führt die Flucht von Alan, Peter und Galen in ein Dorf, in dem die Malaria ausgebrochen ist. Sie bieten den erkrankten Menschen ihre Hilfe an, aber auch Urko und Schimpanse Zoran versuchen die Seuche auf ihre Art aufzuhalten. 

    Folge 13: Der Tempel des Todes

    Alan und Peter geraten in die Gefangenschaft von Menschen, die ein Abkommen mit den Affen geschlossen haben. Dieses besagt, dass sie zweimal im Jahr Frauen und Männer erwählen müssen, die den Affen als Minenarbeitern dienen. Brun, der Anführer der Menschen, leitet die Gemeinschaft, die jeden bestraft, der gegen ihre Gesetze verstößt. Brun stellt sich sogar gegen Galen, womit er sich selbst gegen ein Gesetz stellt: Menschen haben Affen nichts zu befehlen. 

    Folge 14: Der Traum vom Fliegen

    In einem Küstengebiete entdecken
    Alan, Peter und Galen einen Drachengleiter am Himmel. Der Gleiter wurde von Leuric, einem Mensch gebaut. Doch ganz in der Nähe entdecken auch zwei Gorillas den „fliegenden Menschen“ und geben ihre Info weiter. Die durchtriebene Schimpansen-Frau Carsia nimmt sich der Sache an und reist mit einem Trupp Gorillas an. 

    ————/

    Nach dem großen Erfolg von PLANET DER AFFEN (1968) und seinen Fortsetzungen im Kino, sollte der Erfolg auch auf das Fernsehen ausgedehnt werden. Produzent der Reihe, Arthur P. Jacobs, verkaufte die Rechte der Reihe nach dem fünften Teil an Fox.
    Und anfänglich sah das Projekt noch interessant aus, denn Rod Serling (THE TWILIGHT ZONE, 1959-1964), der bereits das Drehbuch zu Franklin J. Schaffners Adaption zu Pierre Boulles Roman schrieb, soll die Story konzipieren. Doch diese stieß auf Missfallen, da man auf ein jüngeres Publikum abzielte. Serlings Grundgerüst blieb zwar bestehen, für den eigentlichen Inhalt der jeweiligen Episoden zeichneten sich aber unterschiedliche Autoren verantwortlich. Herbert Hirschman wurde schließlich Produzent der Serie, deren Erfolg leider ausblieb und nach nur einer Staffel eingestellt wurde, ohne ein befriedigendes Ende zu bieten.

    Dabei wäre genügend Potenzial vorhanden gewesen, um eine spannende Serie zu erzählen. Die sehr gut gemachten Affen-Masken sind auch hier wieder vertreten. Man reduziert zwar jede Folge auf, wenige Affen, aber an denen gibt es vom Design her nichts auszusetzen. Auch die Ausstattung der Affenkultur und die Kleidung der Affen orientiert sich an der Kinofilm-Reihe. Es gibt immer wieder kleine, bekannte Relikte zu entdecken, was Spaß macht. Zumindest hat man zu jeder Zeit das Gefühl, sich ein Teil des Kino-Universums anzusehen, wenn auch im TV-Format. Die Ruinenstädte sind einem aus RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN und SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN vertraut, aber kommen nur rudimentär vor. Es gibt auch direkte Verweise. So trägt der Wissenschaftler, dessen Bildnachricht an die Wand projiziert wird, die Robe der Mutanten, die in RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN die Bombe anbeten. Die Raumkapsel, mit denen die Astronauten abstürzen ist ebenfalls aus den Kinofilmen bekannt. Man hat zwar in der gleichen Gegend in Kalifornien gedreht, damit einem die Natur vertraut vorkommt, doch leider ist die bekannte Affenstadt nur hin und wieder rudimentär oder durch Archiv-Bilder zu sehen. Man orientiert sich für neue Bauten weitestgehend am bekannten Stil, doch in erster Linie hat man es mit einfachen Holzhütten, Felsen, Wäldern und Farmland zu tun oder ist in Häuserruinen unterwegs, von denen man allerdings immer nur kleine Abschnitte sieht. 

    Auch wenn einem einiges bekannt vorkommt, zeigt sich die Serie natürlich nie so groß wie die Kinofilme. Der TV-Charakter lässt sich zu keiner Zeit verbergen. Chronologisch ist die Serie nach SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN angesiedelt, der um 2670 datiert ist. Die Serie spielt im Jahr 3086. Dieses Wissen sollte man allerdings schnell ausblenden, denn die Serie widerspricht sich teilweise selbst und ist manchmal unlogisch, was noch zu verschmerzen ist. Was aber nicht zu verschmerzen ist, ist die Besetzung von den Astronauten Alan Virdon und Peter Burke, die von Ron Harper und James Naughton dargestellt werden. Für mich gehören sie zu einem der unsympathischsten Serien-Duos überhaupt, und gäbe es nicht Roddy McDowall, der hier Galen spielt (und genauso aussieht wie Cornelius), hätte die Serie überhaupt keine Figuren, denen ich etwas abgewinnen könnte. Zaius wird hier von Booth Coleman verkörpert, der leider nicht die Ausstrahlung von Maurice Evans besitzt und zusammen mit Mark Lenard als Urko meistens mehr zum gähnen einlädt. Mit Doktor Zira gibt es eine weitere bekannte Figur, die allerdings nur in einer Folge auftaucht und diesmal von Jacqueline Scott dargestellt wird. Da die Menschen hier sprechen können und weitaus zivilisierter sind als im ersten (und zweiten) Kinofilm, kommt es dadurch zu mehr Spielraum für Nebenrollen. Hier werden die Menschen auch nicht gejagt, sondern als Arbeiter benutzt, denen nichts passiert, solange sie die Gesetze einhalten. 

    Die Ohren müssen diesmal auf Jerry Goldsmith verzichten, aber Lalo Schifrin, Earle Hagen und Richard LaSalle vertreten ihn ganz gut und erwecken immer wieder Erinnerungen an die Kinofilme, bei denen es ja auch wechselnde Komponisten gab.  

    Dass die Folgen fast alle nach dem gleichen Prinzip ablaufen, war ein gängiges Konzept damaliger Serien. Hier wird dieses Konzept binnen 14 Folgen zu Tode geritten. Man flüchtet, wird gefangen genommen oder gerät anderweitig in Gefahr und befreit sich wieder und flüchtet wieder. Zwischenzeitlich hilft man anderen Menschen oder Affen. Es gibt immer wieder gute Ansätze, die aber in der Regel fallengelassen werden. Insgesamt hat die Serie nur wenige Höhen, aber dafür viele Tiefen zu bieten und hinterlässt einen faden Gesamteindruck. 

    Als Fan der alten Kinoreihe, der ich seit den späten 80er-Jahren bin, bin ich froh, dass es die Serie gibt, und in meiner Kindheit gehörte sie zu meinen Highlights im Serien-Bereich. Sie zeigt mir viele weitere Eindrücke eines Universums, was mir grundsätzlich gefällt, nur hier, im Rahmen von 14 Folgen, nicht groß genutzt wird, um es interessant und spannend auszubauen. Und so kann ich PLANET DER AFFEN – DIE SERIE auch nur Fans empfehlen, die von ihren Affen nicht genug bekommen können. 

    So ganz geschlossen wurde das Kapitel um den Planet der Affen nach dieser Serie allerdings noch nicht. Ein Jahr später folgte mit RETURN OF THE PLANET OF THE APES eine 13-teilige Zeichentrickserie. Diese Serie orientiert sich ein bisschen mehr an Pierre Boulles Roman und spielt in einer technologisierten Welt mit Autos und Flugzeugen. Ähnlich wurde es ja bereits damals für den ersten Film angedacht, aber aus Kostengründen wieder fallengelassen. 

    Außerdem folgten einige Comics, so auch von Marvel. Zwischen 1974-1977 brachten sie 29 Ausgaben von PLANET DER AFFEN. Darunter befinden sich die fünf Adaptionen der Kinofilme, sowie eigene Storys, die das Universum phantasievoll ausbauen. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Boogey Man, 1980 – ★★★

    The Boogey Man, 1980 – ★★★

    THE BOOGEY MAN 
    (USA, 1980, Regie: Ulli Lommel) 

    Willy ist traumatisiert und stumm. In seiner Kindheit hat er den Liebhaber seiner Mutter getötet. 20 Jahre später leidet er noch immer unter seiner Tat. Auch seine Schwester Lacey hat die Vergangenheit nicht verarbeitet und so empfiehlt ihr Dr. Warren eine Konfrontationstherapie. Sie fährt gemeinsam mit ihrem Mann Jake raus, um das elterliche Haus aufzusuchen. Bei der Besichtigung des Hauses, was die aktuellen Besitzer verkaufen wollen, hat Lacey eine Vision des Liebhabers ihrer Mutter, der sich ihm Spiegel aufrichtet und sie anstarrt. Sie zerstört den Spiegel. Damit beginnt der Schrecken, der bereits seinen Bruder Willy eingeholt hat. 

    An Abwechslung hat es in der Welt von Ulli Lommel nie gemangelt. Als Darsteller war er bei Fassbinder zu sehen, als Regisseur (DIE ZÄRTLICHKEIT DER WÖLFE, 1973) drehte er mit Andy Warhol (COCAIN COWBOYS, 1979 / BLACK GENERATION, 1980), bevor er sich in die Welt der 80er-Jahre Thriller, Horror- und Actionfilme bis hin zu Daniel Kübelböck (DANIEL DER ZAUBERER, 2004) und seinen sonderbaren Zodiak Killer – Ausflügen (Ulli Lommel‘s ZODIAC KILLER, 2005 / CURSE OF THE ZODIAC, 2007) durcharbeitete. 

    Mit THE BOOGEY MAN, der ziemlich erfolgreich im Kino lief und gerade mal 300.000 $ gekostet hat, gelang Lommel ein durchaus ansehnlicher Horrorfilm, der auf geschickte Art den Slasher- mit dem Dämonen-Horror verknüpft. HALLOWEEN (1978) trifft auf DER EXORZIST (1973) und AMITYVILLE HORROR (1979), könnte man vereinfacht sagen, und trotzdem bietet der Film etwas ganz Eigenes. Besonders in der Rückblick-Sequenz, direkt am Anfang, wird die Nähe zu HALLOWEEN deutlich, wenn man das Haus des Geschehens sieht, Willy zum Messer greift, den Liebhaber der Mutter ersticht und es dann zu einem Zeitsprung kommt. Andererseits wird hier auch eine direkte Begründung mitgeliefert, denn bevor der Stecher der Mutter das Zeitliche segnet, setzt es Prügel von ihm, und anschließend fesselt er Willy ans Bett. Doch dann befreit ihm seine Schwester… 

    Nach dieser gelungenen Eröffnung wird es erst mal etwas entspannter, bevor Lommel dann nach und nach die Spannung erhöht. Besonders gelungen ist die bedrückende Stimmung und die farbige Lichtgestaltung. Die durchaus blutigen Morde und die alptraumhafte Atmosphäre mancher Szenen hat mich auch an Lucio Fulci (und den späten Lenzi) erinnert. Am Ende wird dieser Eindruck besonders deutlich, wobei sich da noch mehr DER EXORZIST aufdrängt. Der titelgebende „Boogey Man“, der durch die Zerstörung eines Spiegels befreit wird und nun durch eine Spielscherbe wirkt, ist simpel, aber wirksam. Das Unnahbare, was man lediglich atmen hört, sorgt für Grusel, der allerdings ein weiteres Mal an den guten alten Michael Myers erinnert. Carpenter drängt sich einem auch bei dem sehr starken Score von Tim Krog auf. 
    Leichte Abstriche muss man bei der Besetzung machen. Lacey wird von Lommels damaliger Ehefrau Suzanna Love dargestellt, die soweit okay ist. Bruder Willy wird von ihrem echten Bruder Nicholas Love dargestellt, der ziemlich tumb spielt, was auch daran liegt, dass seine Figur stumm ist. Das Herz geht kurz auf, wenn John Carradine seinen kurzen Auftritt hat. Ansonsten hebt sich hier keiner hervor, und viele hatten hier ihren einzigen Auftritt.  

    THE BOOGEY MAN ist ein unheimlicher Horrorfilm mit kleinen Schwächen, die er mit seinen Stärken ausgleichen kann. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Devonsville Terror, 1983 – ★★★½

    The Devonsville Terror, 1983 – ★★★½

    TOTENTANZ DER HEXEN
    (THE DEVONSVILLE TERROR, USA, 1983, Regie: Ulli Lommel)

    Im Jahre 1683 werden in Devonsville, Massachusetts, drei Frauen der Hexerei angeklagt und von einem Mob gefoltert und hingerichtet. 300 Jahre später besuchen drei Frauen das kleine, beschauliche Devonsville, was weiterhin von konservativen und intoleranten Farmern bewohnt wird. 
    Jenny tritt einen Job als Lehrerin an, Monica wird Radiomoderatorin im lokalen Sender und Chris ist eine Umweltschutzbeauftragte, die die Wasserqualität eines Sees prüft. Während die Männer anfänglich noch Interesse für die Frauen zeigen, wenden sie sich schnell ab, als sie merken, dass sie bei den emanzipierten Frauen nicht landen können. Es kommt zu sonderbaren Zwischenfällen, die die Dorfbewohner langsam glauben lassen, dass sie ein Fluch der Vergangenheit einholt. 

    Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert verbinde ich nicht unbedingt mit dem US-Horror-Kino der 80er-Jahre. Noch weniger erwarte ich, dass Ulli Lommel dieses düstere Kapitel in der Menschheitsgeschichte anpackt. Natürlich tut er dies auf seine Art, und die ist ziemlich exploitativ mit nacktem Fleisch und sadistischen Tötungen, die den Film zumindest eröffnen (und abschließen). Danach gibt es einen Zeitsprung ins 20. Jahrhundert, in dem das kleine Städtchen Devonsville seine düstere Vergangenheit längst vergessen hat. Es erwartet einen ein Ort (gedreht wurde in Wisconsin, USA), den man schon in zahlreichen Horrorfilmen betreten hat. Ein typischer Kleinstadt-Kosmos erwartet einen, wie man ihn z.B. von Stephen King kennt. Die anfänglichen Grausamkeiten werden zurückgefahren und man konzentriert sich auf die Figuren, die allmählich einführt werden. 

    Der Look ist grob und erinnert mehr an eine Produktion aus den 70er-Jahren. Obwohl man dem Film sein schmales Budget ansieht, schafft es Lommel eine dichte, herbstliche Atmosphäre zu erzeugen, am Tag wie in der Nacht. Horror-Stimmungen erzeugen kann er, was er schon mit THE BOOGEY MAN (1980) bewiesen hat, und hier gelingt ihm sehr gut der Spagat zwischen 17. und 20. Jahrhundert. Inspiriert wurde Lommel, der mit seiner Frau Suzanna Love und George T. Lindsey das Drehbuch schrieb, von echten Hexenprozessen in Massachusetts, bei denen zwischen 1692 bis 1693 20 Menschen wegen angeblicher Hexerei verurteilt und hingerichtet wurden. Letztlich ist das alles nichts Neues, und niemand hat schöner den Fluch einer Hexe in Bildern gemeißelt als Mario Bava mit DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, und das 23 Jahre vorher. Danach kamen vor allem Tigon, Hammer und Co und auch die Deutschen mit dem Hexen-Thema um die Ecke. Doch Lommel schafft es, dem Thema einen eigenen Stempel aufzudrücken, baut feministische Themen ein, portraitiert die Engstirnigkeit der Landbevölkerung, liefert eine dichte Atmosphäre und denkt sogar hin und wieder an die Gore- und Folter-Freunde. 

    Die meisten Darsteller, die hier auftauchen, sind unbekannt, abgesehen von Robert J. Walker (EASY RIDER, 1969) und Suzanna Love, die Lommel bereits in THE BOOGEY MAN besetzte. Doch für einen großen Star sollte doch noch Platz sein. Nachfahre der Inquisition ist nämlich der von mir hoch geschätzte Donald Pleasence als Doktor Warley, aus dessen Wunden am Arm immerzu Maden kriechen, da er an einer mysteriösen Erbkrankheit leidet. Ein simpler, aber ekelhafter Effekt. Außerdem ist er Hypnotiseur und dem Okkulten aufgeschlossen. Also eine Rolle, die für Pleasence nicht passender sein könnte. Das macht ihn zum Highlight unter der Besetzung. 

    TOTENTANZ DER HEXEN ist ein kaum besungenes Kapitel in der Filmografie von Ulli Lommel, was es durchaus wert ist wieder, bzw. neu entdeckt zu werden. Besonders Fans von Rob Zombies Hexen-Horrorfilm LORDS OF SALEM (2012) sollten hier mal reingucken. 

    (Bjoern Candidus)

  • Brick, 2005 – ★★★★

    Brick, 2005 – ★★★★

    BRICK
    (USA, 2005, Regie: Rian Johnson)

    Brendan, ein überzeugter Außenseiter an einer Highschool, wird von seiner Ex-Freundin Emily um Hilfe gebeten. Wenig später findet er ihre Leiche in einem Abwasserkanal. Statt zur Polizei zu gehen, versteckt er die Leiche und versucht der Sache selbst auf die Spur zu gehen. Ansätze gibt es genug, denn an seiner Highschool werden ordentlich Drogen konsumiert, die Pin, der Anführer einer Bande, unters Volks bringt. Brendan gerät zwischen die Fronten, um die Wahrheit über die ermordete Emily ans Licht zu bringen.

    Rian Johnson (KNIVES OUT, 2019) hat mit BRICK einen packendes Spielfilmdebüt abgeliefert, das trotz seines Highschool-Umfelds nicht zu einem spätpubertären Zirkus verkommt. Dabei sind die typischen Zutaten wie Liebe, Eifersucht, Hass, Kraftmessungen und Drogenkonsum gegeben, um zu nerven. Aber das Gegenteil ist der Fall. Johnson stößt einen von Anbeginn in eine finstere Welt und konfrontiert den Zuschauer mit Brendan, der neben der toten Emily im Abwasserkanal kniet. Die eigentliche Story beginnt dann zwei Tage vorher, wenn Brendan einen mysteriösen Anruf von Emily erhält.

    Brendan wird von dem damals 23-jährigen Joseph Gordon-Levitt (MYSTERIOUS SKIN, 2004) dargestellt, der schon mit sieben Jahren ins Filmgeschäft eingestiegen ist. Eine hervorragende Wahl, auch wenn er eigentlich ein paar Jahre zu alt für die Rolle gewesen ist, das gilt hier im Übrigen für die meisten Darsteller. Man kann sie aber gerade eben noch als Schüler verkaufen. Aber Schwamm drüber, denn die Besetzung ist insgesamt sehr gelungen. Levitt hat natürlich die Nase vorn. Er spielt den wortkargen, monoton dreinblickenden, aber cleveren Brendan sehr überzeugend. Eine fast verstörende Aura bringt Pin, der Anführer der Drogenbande, mit. Dieser wird von Lukas Haas (DIE PHANTASTISCHE REISE INS JENSEITS, 1988) dargestellt, der hier eine ordentliche Beinlängendifferenz aufweist, einen Stock benutzt und stets ein schwarzes Cape trägt. Sein Helferlein, Tug, wird von Noah Fleiss verkörpert, der immer auf Krawall gebürstet ist. Alles und jeder ist negativ, aggressiv, und die Atmosphäre ist immerwährend bedrückend. Obwohl das kalifornische, an der Küste gelegene Santa Clemente schöne Schauplätze mitbringt, wirken die Bilder kalt. Alles wirkt kalt und hoffnungslos, und genau daraus zieht BRICK seine Kraft. Die Mischung aus Film Noir Krimi, Teenager-Drama mit leichten David Lynch – Vibes ist sehr ruhig inszeniert, löst sich aber immer wieder aus dieser Ruhe und zeigt plötzlich ihre Zähne. Wenn Gewalt im Spiel ist, dann wirkt sie, auch im Off. Was hier auch wirkt ist der jazzige Score von Rians Cousin Nathan Johnson, der einen noch mehr ins Geschehen reinzieht.

    BRICK ist ein spannend inszeniertes, gut erzähltes Teenager-Krimi-Thriller-Drama, das bekannte Zutaten geschickt einsetzt und frisch serviert. Rian Johnsons Dashiell Hammett – Hommage hat auch nach fast 20 Jahren nichts von seiner Kraft verloren.

    (Bjoern Candidus)

  • The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde, 1968 – ★★

    The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde, 1968 – ★★

    DIE SELTSAME GESCHICHTE DES DR. JEKYLL UND MR. HYDE
    (THE STRANGE CASE OF DR. JEKYLL AND MR. HYDE, Kanada, USA, 1968, Regie: Charles Jarrott)

    Dr. Jekyll experimentiert an einem Serum, was seine Persönlichkeit verändert. Nach seiner Verwandlung ist er der aggressive Mr. Hyde, der durchs nächtliche London schreitet und seinen mörderischen Trieben folgt.

    Dem von Dan Curtis (LANDHAUS DER TOTEN SEELEN, 1976) produzierten und unter der Regie von Charles Jarrott (CONDORMAN, 1981) gezimmerte TV-Film, der auf die höchst lesenswerte Geschichte von Robert Louis Stevenson basiert, mangelt es zwar etwas an der nötigen Tiefe des Charakters Jekyll / Hyde, dennoch hat man grundsätzlich eine gute Wahl mit Jack Palance getroffen. Die Rolle steht ihm, allerdings habe ich etwas mehr Einsatz erwartet. Als Hyde pappt man ihm eine Hakennase an und verfremdet sein Kinn. Als Verwandlung reicht es, auch wenn mir sofort Punch (von Judy) ins Hirn schoss.
    Neben Palance ist auch Billie Whitelaw (DAS OMEN, 1976) und Denholm Elliott an Bord, den man z.B. aus dem Episodenfilm TOTENTANZ DER VAMPIRE (1971) kennt.

    Visuell ist das Ganze sehr steif. Der TV-Look ist ebensowenig zu übersehen wie die Kulissen, die mich an die britische Serie DER DOKTOR UND DAS LIEBE VIEH erinnerten. Ein Hingucker ist dieser Film also nicht, wobei er andererseits auch einen kontinuierlichen Ton trifft, der dem Film eine gewisse Gemütlichkeit verleiht. Also Tee trinken statt Nägel kauen.

    DR. JEKYLL UND MR. HYDE ist eine etwas biedere Angelegenheit, die sich aber weitestgehend an die Vorlage hält.

    (Bjoern Candidus)

  • Aswang, 1994 – ★★★

    Aswang, 1994 – ★★★

    ASWANG – DAS ULTIMATIVE BÖSE
    (THE UNEARTHING, USA, 1994, Regie: Wyre Martin, Barry Poltermann)

    Die ungewollt schwangere Katrina versucht Kapital aus ihrer Schwangerschaft zu schlagen und heiratet für eine hohe Summe Geld Peter Null, damit er seiner kranken Mutter ein Baby präsentieren kann. Doch die wahren Beweggründe sind ganz anderer Natur, was die schwangere Katrina beim Besuch ihrer Schwiegermutter schmerzlich feststellen muss.

    Die beiden Regisseure Wyre Martin und Barry Poltermann bedienen sich hier gleich an mehreren bekannten Themen des Horrorfilms. Die ewige Thematik des Vampirismus steht im Vordergrund, und da geht der Film gleich einen eigenen Weg. Nicht der westliche Spitzzahn wird ausgepackt, sondern ein Aswang (gesprochen Oswang), der auf einer einer philippinischen Legende beruht. Eine lobenswerte Idee. Der Aswang ist eine Art Vampir oder Ghoul, der sich vom Blut ungeborener Föten ernährt, die er mit seiner hohlen und meterlangen Zunge aussaugt. Erinnerungen an David Cronenbergs Film RABID (1977) werden wach, in dem ein Saugrüssel unter einer Axelhöhle herauswächst. Einige Male kommt hier dieses spezielle Saugorgan zum Einsatz, was in Katrinas Vagina verschwindet. ASWANG ist aber auch ein Backwood-Horrorfilm. Die herbstlichen Wälder von Wisconsin sind dabei sehr gut gewählt und sorgen für eine dichte Atmosphäre. Das Anwesen der Nulls mitten im Wald erinnert stilistisch an italienische Horrorfilme, die Holzhütte im Garten erweckt hingegen Erinnerungen an EVIL DEAD (1981) und TEXAS CHAINSAW MASACRE (1974). Man denkt sogar an Hühner, Knochen und den Einsatz einer Kettensäge. Martin und Poltermann liefern einige blutige Effekte und verstörende Ideen, die den Film vom Gros damaliger Horror-Produktionen abheben. Wenn es hier wirklich ein Problem gibt, dann sind es die Figuren, die allesamt zutiefst unsympathischer Natur sind, und das gilt natürlich auch für Katrina. Für eine kleine Produktion ist die Besetzung aber durchaus solide.

    Das Budget betrug 70.000$, und die Produktion wurde auf 16mm gedrehte, was man dem Bild ansieht. Doch dadurch gewinnt er mehr als er verliert. Der sterile Anstrich vieler 90er-B-Horrorfilme kommt hier nicht auf, stattdessen fühlt sich der Film mehr nach 80er-Jahre an. ASWANG lief in den USA auf diversen Festivals und wurde hier (in Deutschland) direkt in die Videothek geliefert, wo ich ihn mir 1994 ausgeliehen habe, in gekürzter Form. Es folgte eine weitere VHS, die diesmal einen Director‘s Cut zum Inhalt hatte, der auch später den Weg auf DVD gefunden hat. Der Film hat das HD-Zeitalter leider noch nicht erreicht. Schön restauriert würde er sicher seine Abnehmer finden.

    ASWANG ist ein kleiner, kurzweiliger Horrorfilm, der mit seinem philippinischen Vampir-Mythos recht originell daherkommt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Ward, 2010 – ★½

    The Ward, 2010 – ★½

    JOHN CARPENTER’S THE WARD
    (USA, 2010, Regie: John Carpenter)

    Nachdem Kristen ein Haus angezündet hat, wird sie in ein Sanatorium gebracht. Kristen kann sich an nichts mehr erinnern und will die Klinik auf der Stelle verlassen, was sie sich aus dem Kopf schlagen kann. Sie kommt in die geschlossene Abteilung, in der sie ihre Insassinnen trifft, die alles andere als umgänglich sind. Doch ihr Verhalten hat einen Grund, denn ein schreckliches Geheimnis lastet auf ihnen.

    John Carpenters bislang letzte Regiearbeit wusste mich leider so gar nicht zu überzeugen. Handwerklich bewegt man sich soliden Bereich, und das Cinemascope -Format verrät den Macher des Films. Leider war es das aber schon. Die Darsteller sind durchweg überzeichnet und im schlimmsten Fall nervig. Amber Heard (ZOMBIELAND, 2009) ist völlig fehlbesetzt und Jared Harris (I SHOT ANDY WARHOL, 1996) das einzige Licht am Himmel, was allerdings auch nicht sonderlich hell leuchtet. Über die restliche Besetzung werfe ich den Mantel des Schweigens. Die langweilige Geschichte, die wenigstens am Ende noch mal für eine kleine Wende sorgt, rettet das Kind nicht vor dem Ertrinken. Spannung und Atmosphäre läuft im Sparbetrieb, stattdessen bekommt man ewige Wiederholungen, z.B. jagt ein Fluchtversuch den nächsten. Dazu gesellen sich Schockeffekte aus der Mottenkiste und ein Quäntchen Blut. Hat Carpenter früher in der Regel noch Regie und Komposition des Scores unter einen Hut gebracht, wurde das Musikalische an Mark Kilian ausgelagert, der anfänglich noch ein wenig nach Carpenter klingt, bevor er in Belanglosigkeit abrutscht.

    Ich würde über THE WARD gerne etwas Positives schreiben, aber da ist nichts, was ich aufgreifen könnte. Sehr schade.

    (Bjoern Candidus)

  • Carnage, 2011 – ★★★★★

    Carnage, 2011 – ★★★★★

    DER GOTT DES GEMETZELS
    (CARNAGE, Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien, 2011) von Roman Polanski

    Der Sohn der Cowans hat dem Sohn der Longstreets mit einem Stock zwei Zähne ausgeschlagen. Aus diesem Anlass treffen sich die beiden Elternpaare, um die Angelegenheit zu klären. Beim Verlassen der Wohnung entsteht eine weitere Diskussion, die Alan und Nancy Cowan dazu veranlasst, noch mal zurück in die Wohnung der Longstreets zu kommen, um weiter über die Angelegenheit ihrer Söhne zu sprechen. Doch die Diskussionen werden immer giftiger und schnell geht es nicht mehr um das eigentliche Thema. Als der Alkohols ins Spiel kommt, gerät das Treffen vollends außer Kontrolle.

    Roman Polanski ist ein Meister im inszenieren von Geschichten, die in Wohnungen spielen. EKEL (1965), ROSEMARY‘S BABY (1968), DER MIETER (1976), DER TOD UND DAS MÄDCHEN (1994) brauchen keine Weite, um groß zu wirken. Polanski hat seine Schauspieler, seine Figuren, seine Drehbücher und seine unglaubliche Fingerfertigkeit, packende Filme in sämtlichen Genres zu zaubern. Dass der Mann nicht nur menschliche Abgründe, sondern auch Humor zu bieten hat, hat er immer wieder bewiesen. Ein Feuerwerk von Witz, Ironie und Wahrheiten in Form von hervorragend geschriebenen Dialogen erwartet einen in DER GOTT DES GEMETZELS, der auf dem Theaterstück „Le Dieu du carnage“ von der französischen Dramatikerin Yasmina Reza basiert. 

    Was in diesem Kammerspiel vor allem wichtig ist sind die Schauspieler, und mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz und John C. Reilly hat Polanski den absoluten Segen gebracht. Keiner ist hier besser oder schlechter als der andere. Jeder ist stark auf seine Art. Während Jodie Foster als Penelope Longstreet, die korrekt, belesen und intellektuell ist, schnell klar wird, dass sie zur Zickigkeit neigt, braucht es bei Kate Winslet als Nancy Cowan etwas. Ihre Figur expandiert erst, +++ACHTUNG SPOILER! nachdem sie auf Penelopes teure Kunstbildbände gekotzt hat+++, aber dann ist sie auch nicht mehr zu halten. Christoph Waltz ist als Alan Cowan direkt hassbar. Seine widerliche Arroganz und der Glaube, über alles und jedem zu schweben, wird aber irgendwann stark angekratzt, +++ACHTUNG SPOILER! wenn sein „ganzes Leben“ in Form seines Smartphones zerstört wird. Eine sehr denkwürdige Szene, die uns allen vielleicht einen kleinen Denkanstoß geben sollte.+++ Bei John C. Reilly als Michael Longstreet fühlte ich mich anfangs am sichersten. Ein Ruhepol, bis er anfängt zu trinken und so manche Wahrheiten ausspricht, die dann vor allem zu einem Ehestreit führen. Das ganze Treffen, was eigentlich dazu diente, dass sich zwei Elternpaare treffen, um über den Konflikt ihrer Söhne zu sprechen, wird zum Desaster, in dem niemand nachgeben will.

    DER GOTT DES GEMETZELS ist ein zeitloses Spiegelbild unserer Gesellschaft in Form von einer Schwarzen Komödie von Meisterhand. Immer wieder großartig.

    (Bjoern Candidus)

  • Feed, 2005 – ★½

    Feed, 2005 – ★½

    FEED
    (FEED, Australien, 2005, Regie: Brett Leonard)

    Phillip Jackson, ein Cop, der auf Internetkriminalität spezialisiert ist, ist einem Mann auf den Fersen, der Frauen vor laufender Webcam mästet, scheinbar mit gegenseitigem Einverständnis. Da es offensichtliche keine Anzeichen für Gewaltakte gibt, sind ihm die Hände gebunden, doch dann ermittelt er auf eigene Faust.

    In den 2000er-Jahren wurde es mal wieder Zeit, die Grenzen des Horrorfilm-Publikums neu zu erforschen. HIGH TENSION (2003), SAW (2004), HOSTEL (2005) und viele weitere sehr harte Genre-Vertreter stürmten die Kinos oder Videotheken. Manche dieser Filme reduzierten sich vor allem auf Folter- und Gewalteinlagen, um das Publikum möglichst zu schockieren. FEED ist in dieser Torture-Porn-Horror-Welle entstanden. Von Folter soll hier zwar nicht die Rede sein, aber Regisseur Brett Leonard (DEAD PIT, 1989) nutzt sämtliche angesagte Zutaten, um auf dieser Welle irgendwie mitreiten zu können. Webcams, die die Fütterungen einer über 300kg schweren Frau (die Darstellerin steckt in einer Fatsuit) live ins Internet übertragen, mögen damals noch neu gewesen sein, gehören aber heute zum Alltag des Internets. Leonard setzt sich nur vordergründig mit dem Thema des Feeder/Feedee-Fetischs auseinander und nutzt es lediglich, um dem Zuschauer auf möglichst eklige Art und Weise zu unterhalten. Ganz nebenbei greift er auch den Fall um Armin Meiwes, dem Kannibale von Rotenburg auf. Am Anfang gibt es eine in Deutschland angesiedelte Szene, (die in Australien gedreht wurde) in der die deutsche Polizei mit Hilfe von us-amerikanischer Seite ein Haus stürmt, in dem ein Penis in der Pfanne brutzelt, der einem Mann gehört, der eine Etage höher wünscht, von seinem Freund gegessen zu werden. Das mache ich dem Film überhaupt nicht zum Vorwurf. Leider schafft es Leonard aber nicht, einen packenden Thriller zu inszenieren. Lieber verlässt er sich auf simplen Ekel. Allein kann man ihm den Vorwurf aber nicht machen. Die in den Hauptrollen besetzten Alex O’Loughlin als Michael Carter und Patrick Thompson als Phillip Jackson hatten nämlich die Idee zu der Story, die dann von Kieran Galvin geschrieben wurde.

    Was mich hier mehr angewidert hat als die Fütterungen ist das penetrante Color Grading. Die meiste Zeit über ist das Bild in Gelb oder Blau getönt und entzieht dem Film jegliche Natürlichkeit. Der Film ist nervig geschnitten und sieht so hässlich aus wie sich die Figuren hässlich verhalten. Patrick Thompson als griesgrämiger Cop Phillip Jackson ist mindestens genauso unsympathisch wie Alex O’Loughlin als aalglatter Adoniskörper-Feeder Michael Carter. Die Lächerlichkeit beider Figuren nimmt im Laufe des Films immer mehr zu und sprengt am Ende noch den Rahmen. Mit der Spannung verhält es sich ganz umgekehrt. War die anfänglich noch etwas vorhanden, schwindet sie von Minute zu Minute immer mehr.

    FEED ist echt nicht fett.

    (Bjoern Candidus)

  • Wolf, 1994 – ★★½

    Wolf, 1994 – ★★½

    WOLF – DAS TIER IM MANNE
    (WOLF, USA, 1994, Regie: Mike Nichols)

    Das Leben vom Verlagsdirektor Will Randall läuft gerade nicht gut. Erst wird er von einem Wolf gebissen, dann wird ihm sein Angestellter plötzlich vor die Nase gesetzt, da die Übernahme des Verlags geplant ist, in der Randall arbeitet. Doch seine Wut hält nicht lange an, denn plötzlich macht er eine sonderbare Veränderung durch. Er fühlt sich fit, seine Sinne sind geschärft, doch gleichzeitig wird er von Alpträumen geplagt, in denen er sich in eine Bestie verwandelt.

    In den 90er-Jahren entdeckte Hollywood mal wieder die klassischen Horrorfiguren, um sie neu auf die Leinwand zu bringen, und so folgte BRAM STOKER’S DRACULA (1992), MARY SHELLEY’S FRANKENSTEIN (1994) und WOLF, der, im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Filmen, einen modernen Weg einschlägt, was mir gut gefallen hat.

    Mike Nichols (DIE REIFEPRÜFUNG, 1967) Regiearbeit startet düster und atmosphärisch. Jack Nicholson spielt den Verlagsdirektor Will Randall, der mit dem Auto durch die verschneite Landschaft von Neuengland fährt. Als er einen Wolf anfährt und ihm helfen will, beißt ihn das Tier und besiegelt damit den Fluch, der fortan auf ihm lastet. Eine schöne Eröffnungs-Szene mit einem tollen Horrorfilm-Setting und dem wunderbaren Jack Nicholson. Nicholson ist eine hervorragende Wahl gewesen. Es ist mitunter sehr amüsant, wenn er langsam seine neuen Fähigkeiten kennenlernt, die ihn besser hören und riechen lassen. Gelungen sind auch die Momente, wenn er durch den Wald rennt und ein Reh reißt. Das Make-up ist dabei sehr dezent; es reduziert sich in erster Linie auf Kontaktlinsen, ein Wolfsgebiss, Spitzohren und ein bisschen mehr Bart, so dass Nicholson stets zu erkennen ist, es sei denn er ist komplett zum Wolf transformiert. Er sieht gut aus, er spielt gut und ist ganz klar das Highlight des Films. Aber auch die anderen Damen und Herren, die sich hier versammeln, können sich sehen lassen. Michelle Pfeiffer, Christopher Plummer und James Spader sorgen dafür, dass man sich auf darstellerischer Ebene keine Sorgen machen muss. Unter den Figuren entstehen berufliche Spannungen, was den Film auch abseits seiner eigentlichen Thematik interessant macht.

    Obwohl man sich im Rahmen der Story in einer Großstadt befindet, sorgt Mike Nichols für stimmungsvolle Schauplätze, die sehr geschickt das Klassische mit dem Modernen kombinieren. Ennio Morricone sorgt für eine passende Untermalung, allerdings bleibt der Score ingesamt wenig einprägsam.

    Leider kann sich die Spannung, die in der ersten Stunde aufgebaut wird, nicht über den ganzen Film halten. Oft gibt es zähe Momente, die den Film immer wieder ausbremsen. Mit 125 Minuten ist man einfach zu lang unterwegs, denn mit einer großen Geschichte hat man es natürlich nicht zu tun.

    WOLF – DAS TIER IM MANNE ist ein sauber inszenierter Werwolf-Horrorfilm mit tollen Darstellern, der durchaus Witz und Ironie zulässt und auch tricktechnisch überzeugen kann. Leider geht Mike Nichols zu schnell die Puste aus, um auch inhaltlich mitzuhalten, was zu Lasten der Spannung geht. Trotz Stärken bleiben hier immer gemischte Gefühle in mir zurück.

    (Bjoern Candidus)