Autor: marco-fritz

  • Body Bags, 1993 – ★★½

    Body Bags, 1993 – ★★½

    BODY BAGS
    (USA, 1993, Regie: John Carpenter, Tobe Hooper)

    Mitte der 90er-Jahre gab es ein kleines Revival der Meister des Horrorkinos der späten 70er- bis 80er-Jahre. John Carpenter entfesselte DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS (1994), Wes Craven kehrte mit FREDDY‘S NEW NIGHTMARE (1994) zurück, Clive Barker mit LORD OF ILLUSIONS (1995), Tobe Hooper mit THE MANGLER (1995). Ein Vorläufer des Horror-Revival war BODY BAGS, eine TV-Produktion, die unter der Regie von John Carpenter und Tobe Hooper entstanden ist. Der Episodenfilm mit einer Rahmenhandlung, in der man John Carpenter als zombieartigen Gerichtsmediziner bei seiner Arbeit begleiten darf, umfasst drei Episoden. Den Auftakt macht John Carpenter mit „The Gas Station“. Dort wird eine Studentin, die in einer Tankstelle arbeitet, in der Nacht von einem Killer heimgesucht. Die erste Episode, die, Achtung Fanservice! in Haddonfield angesiedelt ist, bietet zwar inhaltlich nichts Neues, wurde aber spannend und blutig inszeniert. Hier gibt es auch einige Gastauftritte, z.B. von Wes Craven, David Naughton und Sam Raimi. Auch die zweite Episode ist unter der Regie von John Carpenter entstanden. In „Hair“ begibt sich Richard (Stacy Keach), der schrecklich unter seinem Haarausfall leidet, in die Hände von Dr. Lock (David Warner) und seiner Assistentin (Debbie Harry). Kurze Zeit später wachsen Richard wieder Haare, und die haben ein unheimliches Eigenleben. Für die dritte Episode gibt Carpenter die Regie an Tobe Hooper weiter. Er schickt Mark Hamill als Brent Matthews in „Eye“ ins Rennen. Brent verliert bei einem Unfall ein Auge und bekommt das eines hingerichteten Serienmörders implantiert. Anfänglich scheint alles in Ordnung zu sein, doch dann macht Brent eine Veränderung durch, die vor allem für seine Frau (Twiggy) zur Gefahr wird. In der schwächsten Episode darf man sich auf einen Gastauftritt von Produzenten-Legende Roger Corman freuen.

    Das Horror-Episoden-Thema war zu der Zeit wieder aktiv und die GESCHICHTEN AUS DER GRUFT liefen weiterhin mit neuen Folgen im TV. BODY BAGS reagiert offensichtlich auf diesen Erfolg, denn John Carpenter als untoter Gerichtsmediziner nimmt hier offensichtlich den guten alten Cryptkeeper als Vorbild. Ebenso sprechen die blutigen Effekte, die teils schrägen Ideen und die zahlreichen Gaststars dafür.

    Im großen Ganzen geht das Episodenfilm-Konzept auf. BODY BAGS sieht wertig aus, die Episoden sind kurzweilig inszeniert, und Hoopers nicht ganz so gelungener Beitrag ist zu verschmerzen. Über das Mittelfeld geht die Produktion aber nicht hinaus.

    (Bjoern Candidus)

  • Conquest, 1983 – ★★

    Conquest, 1983 – ★★

    CONQUEST
    (LA CONQUISTA, Italien, 1983, Regie: Lucio Fulci)

    Der junge Ilias soll sich als Krieger behaupten und wird von seinem Vater auf das Festland geschickt. Dort trifft er Mace, einem mächtigen Krieger, der ihm von der bösartige Hexe Ocron erzählt, die das Land unterdrückt. Bewaffnet mit seinem Zauberbogen stellt sich Ilias gegen die blutrünstige Armee von Ocron.

    STAR WARS (1977, 80, 83), DAWN OF THE DEAD (1978), ALIEN (1979), MAD MAX (1979), MAD MAX 2 (1981), KAMPF DER TITANEN (1981), CONAN – DER BARBAR (1982)… Ende der 70er bis Anfang der 80er-Jahre war mächtig was los im Phantastischen Kino, und die Kassen klingelten. Die Sterne standen gut am Himmel, und so kamen auch die Italiener mit Space-Operas, lebenden Toten, Aliens, wüsten Endzeitdystopien und Barbaren um die Ecke. CONQUEST ist einer dieser Filme.

    Da sich in Lucio Fulcis Filmografie sämtliche Genre-Vertreter auffinden, ist das Betreten einer Fantasywelt erst mal nicht groß verwunderlich. Trotz simpler Story weiß Fulci zu unterhalten. Haben sich die Augen erst mal an den Nebel gewöhnt, der hier unentwegt im Bilde hängt, kann man sich auf knapp 90 Minuten heroisches Geschwafel, halbgare Kämpfe, werwolfartige Kreaturen, Spinnweben überzogene Jammer-Mumien, hilfsbereite Delfine und auf das nackte Fleisch einer Hexe freuen. Dazu werden Menschen in Stücke gerissen, Schädel zertrümmert und Laserpfeile mittels Zauberbogen abgeschossen. Im Gewaltbereich ist Fulci hier klar auszumachen, und auch die mystische Atmosphäre, die ein Großteil des Filmes ausmacht, ist nicht untypisch für den Italiener. Aber das Handwerkliche hinkt deutlich im Vergleich zu seinen Großtaten. Filme wie AM ANFANG WAR DAS FEUER (1979), KAMPF DER TITANEN und CONAN sind inhaltlich und optisch klar zu erkennen, nur nicht deren Qualitäten. Die gezeichneten, auf das Bild gelegten Pfeile, die von blauen Lichteffekten und Laserabschussgeräuschen begleitet werden, sehen ziemlich billig aus, auch für damalige Verhältnisse. Dafür sind die Kostüme und die gesamte Ausstattung recht ansehnlich. Weniger überzeugend ist die Besetzung. Andrea Occhipinti spielt Ilias, der ein ziemlich schmales Hemd ist und nicht gerade mit Charisma überzeugt. Mehr Muskeln liefert sein Gefährte Mace, der von Jorge Rivero dargestellt wird. Leider mangelt es auch ihm an Ausstrahlung. Zu Sabrina Siani als Hexe Ocron kann nicht viel gesagt werden. Sie trägt permanent eine Maske und zeigt ihre nackten Brüste, während sie sich aufspielt.

    Ob auf dem Land oder auf dem Wasser, die Natur von Sardinien wird zwar durch den Einsatz von Weichfiltern und Kunstnebel etwas unterdrückt, sorgt aber noch für genug Größe, um zumindest im Ansatz das Gefühl eines epischen Fantasyfilms zu erzeugen. Untermalt wird das Abenteuer von Claudio Simonetti, dessen Klänge hier sonderbar esoterisch und einlullend klingen.

    CONQUEST hat gute Ansätze, verbreitet eine dichte Atmosphäre, stolpert aber immer wieder im darstellerischen und technischen Bereich und entfaltet insgesamt nicht die Kraft, die man von einem Lucio Fulci erwartet.

    (Bjoern Candidus)

  • Super Dark Times, 2017 – ★★★★

    Super Dark Times, 2017 – ★★★★

    SUPER DARK TIMES
    (USA, 2017, Regie: Kevin Philips)

    Irgendwo in einem verschlafenen US-Nest in den 1990er-Jahren: Vier Teenager, Zach, Josh, Daryl und Charlie, langweilen sich. Als sie auf das Samuraischwert des Bruders von Josh stoßen, passiert ein Unfall mit Todesfolge. Daryl stirbt dabei. Statt den Unfall zu melden, beschließen sie die Leiche zu verstecken und die Sache zu verschweigen. Nicht ohne Folgen, denn das Ereignis verändert fortan ihr Leben.

    Regie-Debütant Kevin Philips hat hier ein bedrückendes Independent-Teenager-Thriller-Drama abgeliefert, was anfangs etwas an eine düstere Version von STAND BY ME (1986) erinnert und sich dann in Richtung ACOLYTES (2008) bewegt. Philips folgt der angesagten Retro-Welle, ohne aufdringlich zu sein. Statt in die 80er-Jahre zu driften, geht es in die 90er-Jahre. Allerdings hämmert er einem nicht permanent mit dem Hammer auf den Kopf, um zu zeigen, welches Jahrzehnt er verarbeiten will; ein Discman auf dem Schoß und ein Bill Clinton im TV zu zeigen, reicht völlig aus.

    SUPER DARK TIMES ist atmosphärisch dicht, spannend inszeniert und fokussiert sich auf die Figuren und ihre Entwicklung. Besonders die Jungdarsteller sind durch die Bank gut besetzt und tragen die Story. Owen Campbell als Zach und Charlie Tahan als Josh sind fähig, ihren Figuren das nötige Leben einzuhauchen.

    Bei SUPER DARK TIMES zeigt sich wieder, zu welchen Höhenflügen Independent-Produktionen in der Lage sind. Solche Filme machen einem bewusst, was sich oft für ein oberflächlicher Müll in den heutigen Kino-Charts bewegt. Filmen wie dieser können sich leider nur auf dem Streaming- oder Home-Video-Markt behaupten, was sie leider schnell untergehen lässt.

    SUPER DARK TIMES ist ein düsteres Coming-of-Age-Thriller-Drama. Der etwas nervige STAND-BY-ME-Anfang ist schnell vergessen, wenn es zu einem folgenschweren Unfall kommt und der Film seinen eigenen Ton annimmt.

    (Bjoern Candidus)

  • Bloody Birthday, 1981 – ★★★½

    Bloody Birthday, 1981 – ★★★½

    ANGST
    (BLOODY BIRTHDAY, USA, 1981, Regie: Ed Hunt)

    Während einer Sonnenfinsternis werden in einer kleinen Stadt drei Kinder zur gleichen Zeit geboren. Zehn Jahre später, im Jahre 1980, schalten die Kinder, kurz vor ihrem Geburtstag, wie aus heiterem Himmel in einen Killer-Modus und dezimieren die Nachbarschaft.

    DEVIL TIMES FIVE (1974), DAS OMEN (1976), EIN KIND ZU TÖTEN… (1976), KINDER DES TODES (1980), KINDER DES ZORNS (1984)… Mörderische Kinder hatten in den 1970er- bis in die 1980er-Jahre Hochkonjunktur im Horrorfilm. Ob im Rahmen von teuflischen Mächten, radioaktiven Veränderungen oder ohne Begründung, hat man das schwächste Glied der Gesellschaft zum Killer erklärt.

    Ed Hunt (DAS GEHIRN, 1988) hat es sich einfach gemacht und eine Sonnenfinsternis als Grund vorgeschoben. Ein bisschen Astrologie wird eingebaut, und das war es letztlich auch schon mit Erklärungen. Hunt zeigt in erster Linie eine Aneinanderreihung von Tötungen durch drei Kinder an Jungendlichen und Erwachsenen, die scheinbar aus purer Lust stattfinden. Dabei gehen die drei Kinder, ein Mädchen (Beverly) und zwei Jungen (Curtis und Steven), äußerst brutal und kaltblütig vor und können sich trotzdem nach außen hin als unschuldige Engel verkaufen. Menschen werden erdrosselt, erschlagen oder erschossen, und durch Kinderhände wirkt das Ganze besonders unangenehm. Außerdem hat man mit der Wahl der Kinder-Darsteller ein glückliches Händchen bewiesen. Julie Brown, Billy Jayne und Andrew Freeman spielen wirklich sehr gut; sie bringen die Lust des Tötens auf den Punkt. Insgesamt ist die Besetzung gelungen, und überall gibt es bekannte Gesichter zu sehen, wie Susan Strasberg, José Ferrer, Joe Penny und schweigend im Hintergrund: Michael Dudikoff. Für eine kleine, günstige Produktion hat man in Bezug auf die Besetzung alles richtig gemacht. Die recht derben Morde und die fähigen Darsteller, können die eigentlich flache Story fast völlig ausblenden. Letztlich ist ANGST ein Slasher, und er hält sich an einige Spielregeln des Subgenres, aber gleichzeitig ist durch die Wahl der Täter und ihr Vorgehen genug eigenes Potential vorhanden, um nicht wie eine Kopie von HALLOWEEN (1978) und Co aufzutreten. Mit Spannung hält sich Hunt etwas in Grenzen, was vor allem daran liegt, dass man die Täter kennt und immer weiß, was geplant ist. Dafür liefert er eine wohlige Atmosphäre ab, die noch sehr in den 70er-Jahren verankert ist.

    ANGST ist ein gelungener, teilweise sehr garstiger Böse-Kinder-Horrorfilm, der leider etwas unter dem Radar kreist.

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 63

    Traumstadt Gazette Ausgabe 63

    Von gewünschten und unerwünschten Kindern, Affen und emanzipierten Hexen…

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold haben sich zur 63. Traumstadt Gazette getroffen, um über DAS ERSTE OMEN (2024), ZERO POPULATION GROWTH (1972), SEPTIC (2022), THE BOOGEY MAN (1980),TOTENTANZ DER HEXEN (1983) und über PLANET DER AFFEN – DIE SERIE (1974) zu sprechen.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Lucifer, 1987 – ★

    Lucifer, 1987 – ★

    OCCULT – DER SATAN KOMMT UM MITTERNACHT
    (LUCIFER, GB, 1987, Regie: John Eyres)

    Nachdem ein Priester mit einer Pistole und einem Messer einen Amoklauf an einer Schule vollzogen hat, sucht die Polizei nach ihm mit Hilfe der kleinen Mandy, die das Massaker mit ansehen musste und nur noch lebt, weil dem Priester die Munition ausgegangen ist.

    Weniger ist oft mehr, doch gar nichts ist gar nichts, und davon bekommt man hier ganz viel, sieht man von der ziemlich räudigen Eröffnungs-Szene ab. Ich habe lange nicht mehr einen so schlechten Film gesehen, und hier berücksichtige ich natürlich die schlanken Mittel, die die Produktion zur Verfügung hatte. Regisseur John Eyres (SHADOWCHASER, 1992) hat scheinbar für nichts ein Gespür, außer einem ausdruckslose Bilder mit Figuren zu zeigen, die von A nach B eiern. Die langweilige Fotografie erinnert eher an deutsche 80er-Vorabend-Serien als an einen Horrorfilm. Die englischen Arbeitersiedlungen sind immerhin mal eine Abwechslung, können hier allerdings auch nichts retten. Die maue Krimihandlung plätschert vor sich hin, was noch okay wäre, hätte man nicht noch unglaublich schlechte Darsteller, wie Emma Burdon-Sutton und Jared Morgan, die mir völlig unbekannt waren. Die langweiligen Elektroklänge von Paul Stuart Davies runden die sauerstoffarme Inszenierung passen ab.

    OCCULT – DER SATAN KOMMT UM MITTERNACHT ist ein langweiliges Unterfangen, was bereits nach der derben Eröffnung zum Einschlafen anregt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Salzburg Connection, 1972 – ★★★½

    The Salzburg Connection, 1972 – ★★★½

    TOP SECRET
    (THE SALZBURG CONNECTION
    USA, 1972, Regie: Lee H. Katzin)

    Im Toplitzsee wird eine Kiste mit NS-Dokumenten, die eine Namensliste von Nazis beinhaltet, vermutet. Ein Taucher, der die Kiste bergen kann, wird alsbald getötet. Schnell wird der amerikanische Anwalt Bill Mathison in diese Sache hereingezogen und findet sich plötzlich zwischen den Fronten des östlichen als auch westlichen Geheimdienstes.

    Regisseur Lee H. Katzin hat hier einen sehr ansprechenden Agenten-Thriller geschaffen, der auf dem Roman THE SALZBURG CONNECTION (dt. Titel: IN SALZBURG STIRBT NUR JEDERMANN) von Hellen MacInnes basiert. Von Beginn an lebt der Film von seiner schönen Natur, die sich in Bergen, Tälern, Wiesen, Wäldern und dem Toplitzsee präsentiert. Der Naturfreund kommt also schon mal auf seine Kosten, dank dem Kameramann Wolfgang Treu. Aber nicht nur das Visuelle stimmt hier, sondern auch die Darsteller. Mit Barry Newman, Klaus Maria Brandauer, Udo Kier, Anna Karina, Karen Jensen und Wolfgang Preiss sind hier die richtigen Leute am richtigen Ort. Ein tolles Ensemble, was hervorragend in diesen spannenden Agenten-Thriller passt, der ohne Kitsch und Schnörkel auskommt. Das Katz und Mausspiel rund um Salzburg und seiner prächtigen Bergkulisse ist stimmig inszeniert. Durch kleine Wendungen bleibt der Film immer in Bewegung und langweilt zu keiner Sekunde. Lediglich das Ende kommt etwas kurz und abgehackt daher.

    Wer auf bodenständige, gut besetzte Agenten-Thriller mit Nazi-Thematik steht, dem sei TOP SECRET – THE SALZBURG CONNECTION ans Herz gelegt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Prowler, 1981 – ★★★

    The Prowler, 1981 – ★★★

    FORKE DES TODES
    (THE PROWLER, USA, 1981, Regie: Joseph Zito)

    Rosemary ist enttäuscht über ihren Freund, einem GI, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat. Da sich ihr Freund auch nach einem Jahr nicht zurückgemeldet hat, vertröstet sie sich mit Roy. Als die College-Absolventen von Avalon Bay mit einigen Soldaten ihren Abschlussball veranstalten, nutzen Rosemary und Roy die Gelegenheit, im Gartenpavillon Zärtlichkeiten auszutauschen. Doch dann kehrt ihr Ex-Freund zurück, tötet das Liebespaar, lässt eine Rose zurück und verschwindet.
    35 Jahre später. Das erste Mal nach dem damaligen Mord, bereitet man in Avalon Bay wieder einen Abschlussball vor. Ein fataler Fehler, denn das scheint den Killer von Rosemary und Roy zurückgebracht zu haben, und der schreitet mit Messer und Mistgabel tatkräftig ans Werk.

    Joseph Zito (FREITAG DER 13. – DAS LETZTE KAPITEL, 1984) springt hier auf den Zug von Michael Myers und Pamela Voorhees auf und serviert einen handfesten Slasher. Wie bei FREITAG DER 13. (1980), MANIAC (1980) und BRENNENDE RACHE (1981) konnte auch hier wieder Tom Savini für die Effekte gewonnen werden, und der hat offensichtlich erneut großen Spaß bei der Arbeit gehabt. Menschen werden durchbohrt, aufgeschlitzt, ein Kopf explodiert… FORKE DES TODES gehört im Gore-Bereich ganz klar zu den härtesten Beiträgen des 80er-Jahre-Slasher-Kinos. Aber Zito liefert nicht nur Blut, sondern auch eine sehr dicht Atmosphäre, die im Zusammenspiel mit dem Score von Richard Einhorn für Spannung sorgt. Da die Story, nach der Rückblick-Szene, an nur einem Abend spielt, wirkt alles sehr kompakt und kurzweilig. Das kann prima über die Inhaltsleere hinwegtäuschen, die fast zum guten Ton solcher Produktionen gehört. Dass die Figuren keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist ebenfalls nicht selten. Dennoch hat man es mit Darstellern zu tun, die ihre stereotypen Figuren solide ausfüllen. Ein kleiner Star konnte mit Farley Granger (COCKTAIL FÜR EINE LEICHE, 1948) gewonnen werden, der hier die Rolle von Sheriff Fraser übernommen hat. Sehr gelungen ist das Erscheinungsbild des Killers, der sich vermummt und in einer Soldatenuniform mit Helm präsentiert. Dem Killer aus BLUTIGER VALENTINSTAG (1981) steht dieser hier in nichts nach.

    FORKE DES TODES spielt nach den üblichen Slasher-Regeln, und das auf sehr prickelnde Art. Er dominiert mit Gewalt und einer finsteren Atmosphäre, aber er verzichtet auf ansprechende Figuren mit denen ich hätte mitfiebern können.

    (Bjoern Candidus)

  • The Killing Time, 1987 – ★½

    The Killing Time, 1987 – ★½

    THE KILLING TIME
    (USA, 1987, Regie: Rick King)

    Ein fremder tötet den angehenden Hilfssheriff Brian Mars, der kurz davor war, seinen neuen Job in einer Kleinstadt anzutreten. Der Mörder nimmt die Identität von Mars an und startet seinen neuen Job unter der Leitung von Sheriff Carl Cunningham und seiner helfenden Hand Sam Wayburn. Doch das kleine kalifornische Städtchen, was direkt an der Küste liegt, scheint nur nach außen hin ein Ort ohne Probleme zu sein, denn der Killer wird in eine brisante Affäre hineingezogen.

    Rick Kings Identitätsschwindel-Thriller verspricht eine spannende Story, zeigt sich mit einem schönen Kleinstadt-an-der-Küste-Setting, was für Atmosphäre sorgt und präsentiert einen gerade mal 21-jährigen Kiefer Sutherland, der im gleichen Jahr vorher mit THE LOST BOYS im Kino zu sehen war. Dass er hier kein Good Guy ist, wird von Anfang an klar, da man als Zuschauer sein mieses Spiel kennt. Leider ist Sutherland auch das einzige Highlight, was von der Inszenierung übrig bleibt. Die Geschichte um den Identitätsschwindel und die Affäre zwischen dem angehenden Sheriff, seiner Geliebten, ihrem Ehemann und einem geplanten Mord, ist keine schlechte Idee, doch King schafft es einfach nicht, diese vernünftig und mit der nötigen Spannung zu erzählen. Aber dafür war ja John Dahl einige Jahre später gut, der nämlich eine sehr ähnliche Geschichte in RED ROCK WEST (1993) mit Dennis Hopper und Nicolas Cage erzählt hat.

    Beau Bridges, der ältere Bruder von Jeff, bringt als angehender Sheriff Wayburn eine unglaubliche Schläfrigkeit und Langeweile in die Geschichte. Mit ihm hat sich hier keiner einen gefallen getan. Ebenso fürchterlich ist Camelia Lynne als Laura, um die hier zwei Männer kämpfen. Wenn man um so einen Charakter kämpft, muss man irgendwas falsch gemacht haben. Auch sie überzeugt nicht mit einer darstellerischen Glanzleistungen. Gleiches gilt für Wayne Rogers, der ihren reichen Ehemann Jake Winslow spielt. Mehr Leben kommt auch nicht mit Joe Don Baker als Sheriff Cunningham in die Bude. Lediglich Michael Madsen hat einen kurzen Auftritt, der mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Die Figuren sind lieblos konstruiert und handeln oft nicht nachvollziehbar.

    Das schmale Budget ist zwar deutlich zu erkennen, aber Kameramann Paul Goldsmith hat es zumindest geschafft, den Film insgesamt ansprechend aussehen zu lassen. Die Langeweile, die hier sonst geboten wird, kann aber leider nicht mit den Bildern
    ausgeglichen werden.

    THE KILLING TIME ist ein öder Thriller, der maximal das Niveau eines TV-Films erreicht, aber immerhin besser aussieht. Auch ein Kiefer Sutherland kann Kings Schiff nicht vor dem Untergang retten. Schade.

    (Bjoern Candidus)

  • Madness, 1980 – ★★

    Madness, 1980 – ★★

    TOY
    (VACANZE PER UN MASSACRO, Italien, 1980, Regie: Fernando Di Leo)

    Giò, der gerade frisch aus dem Gefängnis geflohen ist, nimmt ein paar Leute in einem Wochenendhaus gefangen, in dem er vor seiner Inhaftierung einen Batzen Geld versteckt hat. Es dürfte klar sein, dass er seine Geiseln nicht nur liebevoll streichelt.

    Regisseur Fernando Di Leo (MILANO KALIBER 9, 1971) wandelt hier auf den Spuren von LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) und seinen zahlreichen Rip-Offs wie MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN (1975) oder VERFLUCHT ZUM TÖTEN (1978). Immerhin variiert Di Leo den Inhalt etwas, und während in den besagten Filmen gleich mehrere Spaßverderber im Zentrum stehen, überlässt er und Mario Gariazzo, der die Story schrieb, Joe Dallesandro allein das Ruder.

    Nach Giòs Flucht in die Natur, um sein Geld in einem kleinen Wochenendhaus zu holen, bewegt man sich die meiste Zeit in einem Kammerspiel, bei dem man hin und wieder mal kurz vor die Tür geht.

    Dallesandro war nie der größte Schauspieler, aber seine Anziehungskraft ist allgegenwärtig. Dennoch wirkt er hier als Giò manchmal etwas deplatziert. Neben Lorraine De Selle, die Italo-Fans aus DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) kennen dürften, und die hier unsanft gegen ihren Willen zum Sex mit Dallesandro gezwungen wird, gesellen sich noch die beiden sehr blassen Darsteller Patricia Bhen (PLAY MOTEL, 1979) und Gianni Macchia (BLUTIGER FREITAG, 1972) dazu. Darstellerisch wird hier leider nicht viel geboten.

    Der Film hat einen dreckigen Charme und bietet die bekannten Zutaten Sex und Gewalt, jedoch sehr zurückhaltend und wenig explizit. Di Leo fokussiert sich mehr auf das Untereinander der Figuren, was ihm leider oft den Sauerstoff raubt. Dabei ist das Geflecht aus Beziehungs- und Kidnapping-Drama gar nicht schlecht gedacht, nur halt spannungsarm umgesetzt.

    TOY ist leider kein großer Wurf. Am ehesten werden hier wohl Fans von Joe Dallesandro auf ihre Kosten kommen. Die schmierige Atmosphäre und die beliebten Zutaten dieser Gattung Film, die es hier nur in den Light-Versionen gibt, halten den Film aber noch über Wasser.

    (Bjoern Candidus)