Autor: marco-fritz

  • The Hellbenders, 1967 – ★★★★★

    The Hellbenders, 1967 – ★★★★★

    DIE GRAUSAMEN
    (I CRUDELI, Italien, Spanien, 1967, Regie: Sergio Corbucci)

    Jonas, ein wahnsinniger Südstaatenoffizier, will gestohlenes Geld aus einer Kriegskasse, was er in einem Sarg versteckt hat, mittels Kutsche über die Grenze bringen. Dieses Geld soll ihm dazu dienen, einen neue Armee aufzubauen. Begleitet wird er von seinen drei Söhnen und einer gespielten Witwe, deren ermordeter Mann angeblich in dem Sarg liegen soll. Durch Kontrollen von Soldaten, die mittlerweile die Mörder ihrer Kameraden suchen, wird die Reise immer wieder unterbrochen, was die Spannungen zwischen den Figuren verstärkt.

    Mit DIE GRAUSAMEN präsentiert Sergio Corbucci einen weiteren Hammerschlag aus seiner Italowestern-Schmiede. Mit an Bord als Regie-Assistent: Regie-Legende Ruggero Deodato. Die Story stammt von Albert Band und Ugo Liberatore (NERO VENIZIANO, 1978), der auch das Drehbuch schrieb. Da geht nichts schief, sollte man meinen. Richtig, denn hier haben wir es nicht nur mit einem brutalen und actionreichen, sondern auch mit einem äußerst spannenden und glänzend besetzten Film zu tun. Ich weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll, denn hier jagt eine Stärke die nächste. Auch wenn die Story recht einfach ist und ein wenig an Peckinpahs GEFÄHRTEN DES TODES (1961) erinnert, ist die Dramaturgie, die gezielten Spannungsspitzen und das Können der Darsteller mehr als ausgleichend; vor allem der diabolische Joseph Cotton, der stets die Aura des Bösen mit sich bringt, hebt den Film besonders ab. Neben ihm reihen sich Norma Bengell (sehr schöne Dame) und der charismatische Aldo Sambrell (FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, 1964) ein. In weiteren Rollen als die drei verhassten Brüder: Julián Mateos, Gino Pernice und Ángel Aranda.

    Aber auch visuell ist der Film absolut auf der Höhe seiner Zeit und ein weiterer Qualitätssprung von Corbucci. Für die Fotografie zeichnete sich Enzo Barboni verantwortlich, dem wir auch den zauberhaften Spencer-Hill-Klassiker DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) zu verdanken haben. Und als wäre all das nicht genug, serviert Maestro Ennio Morricone den Score, der zwar arm an Abwechslung ist, aber dadurch nicht weniger epochal klingt.

    Brutal, kompromisslos, actiongeladen, packend, twistreich und angereichert mit durchtriebenen Charakteren
    vor schönen Naturkulissen gehört DIE GRAUSAMEN in die Oberliga der Italowestern. Hier stimmt einfach alles.

    (Bjoern Candidus)

  • The Final Terror, 1983 – ★★★

    The Final Terror, 1983 – ★★★

    TODESFALLE AM MILL CREEK (THE FINAL TERROR, USA, 1983, Regie: Andrew Davis)

    Ein paar junge Waldarbeiter und ihre Freundinnen brechen in die Natur auf, um ein Flussbett aufzuräumen. Als einer der Freunde das Zeitliche segnet, wird klar, dass hier jemand Jagd auf Menschen macht.

    Regisseur Andrew Davis treibt sich hier noch in spannenden Natur-Horrorgefilde herum, bevor er sich dem Actionkino mit Filmen wie CUSACK (1985), NICO (1988) und ALARMSTUFE ROT (1992) widmete. Dass er sich hier in einem vertrauten Backwood-Sumpf a la DELIVERANCE (1972), RITUALS (1977) oder JUST BEFORE DAWN (1981) tummelt, ist dabei egal, denn sein Beitrag muss sich nicht verstecken, auch wenn er nichts Neues bietet. Was allerdings schnell auffällt: die sehr unsympathischen Figuren, die hier in die Wälder aufbrechen. Bis auf Daryl Hannah als Windy ist mir hier bewusst kein anderer Bekannter begegnet. Wie schon in den genannten Vorbildern gelingt auch eine Sache besonders gut: die Wald-Atmosphäre und die damit verbundene Isolation von der Außenwelt einzufangen. Aber Wälder sind gnädig, und wenn man einen guten Kameramann an Bord hat, ist die halbe Miete drin. In diesem Fall hat Andrew Davis nicht nur die Regie, sondern auch die Kamera geführt. Passend zur Abgeschiedenheit darf natürlich auch ein Lagerfeuer mit entsprechenden Geschichten nicht fehlen, um die Stimmung aufrecht zu erhalten, was gelungen ist, wie auch der Score von Susan Justin, die sich für mich mit dem Score zu FORBIDDEN WORLD (1982) unsterblich gemacht hat.

    TODESFALLE AM MILL CREEK ist frei von Innovationen, bietet aber sehr soliden, spannend inszenierten Backwood-Horror mit Abenteuer-Stimmung.

    (Bjoern Candidus)

  • Naked Violence, 1969 – ★★★★

    Naked Violence, 1969 – ★★★★

    NOTE 7 – JUNGEN DER GEWALT
    (I RAGAZZI DEL MASSACRO, Italien, 1969, Regie: Fernando Di Leo)

    Nachdem eine ganze Klasse voller besoffener Abendschüler ihre Lehrerin im Klassenzimmer vergewaltigt und getötet hat, steht die Polizei vor einem großen Problem, denn sie kann den Mörder nicht zuordnen, da jeder der Schüler die Schuld auf den anderen schiebt. Nacheinander werden sie verhört, doch damit kommen sie nicht weiter. Einer der Herrschaften fällt allerdings schon mal heraus: ein Homosexueller, der von seinen Mitschülern unter Druck gesetzt wird. Doch der verlässt alsbald freiwillig sein Leben. Kommissar Lamberti (Pier Paolo Capponi) klemmt sich mit aller Macht an den Fall und bekommt unterstützende Hilfe von der Sozialarbeiterin Livia (Nieves Navarro). Die wenigsten dieser Jugendlichen sind zugänglich, die meisten schwer gezeichnet durch ihr verkommenes Elternhaus (wenn es überhaupt eins gegeben hat) oder anderen Umständen, die sie zu Soziopathen gemacht haben. Nur Carolino (Marzio Margine) weicht ab. Über ihn versuchen sie herauszufinden, was wirklich passiert ist. Die Spur führt sie zu einer mysteriösen Frau…

    Dass sich das italienische Kino vor kritischen und heiklen Themen nicht fürchtet, hat es immer wieder bewiesen, wie zum Beispiel SAN BABILA OR 20 UN DELITTO INUTILE (1976) von Carlo Lizzani oder NON CONTATE SU DI NOI (1978) von Sergio Nuti, aber für 1969 schlägt dieser Film schon wirklich harte Themen auf, die uns bis heute nicht verlassen haben und es wohl auch nie tun werden. Basierend auf einen Roman von Giorgio Scerbanenco hat hier Fernando Di Leo (MILANO KALIBER 9, 1972) sowohl das Drehbuch geschrieben als auch die Regie geführt.

    Einen Film schon in der Titelsequenz mit einer Vergewaltigung zu eröffnen, ist hart, aber für den Verlauf der Geschichte quasi unabdingbar. Gemeinsam mit dem Kommissar und seiner liebreizenden Gehilfin taucht der Zuschauer ab in eine Themenwelt die allzu gern verdrängt wird: Kinder aus zerrütteten Familien, die schon früh den Weg der Gewalt, des Drogenkonsums oder der Prostitution folgen. Opfer, deren Schicksal man kaum ausschlachten kann und deshalb uninteressant sind, dabei sitzen sie gleich nebenan im Haus.

    Im Gegensatz zu Fernando Di Leos späteren Werken spielt Action hier keine Rolle. Der ganze Film ist als Drama angelegt, was sich Krimi-Elementen bedient. Das Zentrum liegt auf dem Dialog, auf bürokratischen Narrheiten, auf kaputten Seelen und der Entschlüsselung der Ereignisse. All das wird von den Darstellern überzeugend vorgeführt.
    Pier Paolo Capponi und Nieves Navarro können es sowieso, aber auch die anderen Darsteller, die teilweise wirklich aus einem problematischen Milieu stammen, wissen zu überzeugen.

    NOTE 7 – JUNGEN DER GEWALT ist ein ungeschönter Blick in den Abgrund, der uns alle umgibt, egal in welcher Situation man lebt. Sehr stark!

    (Bjoern Candidus)

  • X: The Unknown, 1956 – ★★★

    X: The Unknown, 1956 – ★★★

    XX…UNBEKANNT
    (X: THE UNKNOWN, GB, 1957, Regie: Leslie Norman, Joseph Losey)

    Nahe einer Militärbasis kommt es zu einem ungewöhnlichen Zwischenfall: die Erde tut sich auf und eine blobartige Kreatur zeigt ihre Schönheit. Das Wesen ist darauf bedacht, radioaktives Material aufzunehmen, um wachsen zu können. Gut, dass Dr. Royston alsbald auf der Matte steht, um nach einer Lösung des Problems zu suchen.

    Ursprünglich wurde diese Produktion der HAMMER-Studios als Fortsetzung zu THE QUATERMASS XPERIMENT (1955) angedacht. Doch wie so oft, mangelte es an den nötigen Rechten. Der Name „Qutermass“, welcher auf den britischen Autor und Drehbuchschreiber Nigel Kneale zurückgeht, konnte nicht benutzt werden. Das Thema um Professor Qutermass wurde bereits 1953 teilweise als Live-Serie fürs Fernsehen bearbeitet. Und so erzählt dieser Film eine eigene Geschichte. Probleme gab es auch bei der Wahl des Regisseurs. Ursprünglich war Joseph Losey als Regisseur vorgesehen, musste aber aufgrund seiner Anfeindungen, weil er in den 1940er-Jahren für ein Jahr einer Kommunistischen Partei in den USA beigetreten war, das Feld räumen. Schließlich übernahm Leslie Norman (DÜNKIRCHEN, 1958 / BESTIEN LAUERN VOR CARACAS, 1968) das Zepter.

    Besetzt wurde dieser Scifi-Monsterfilm mit u.a. Oscar-Gewinner Dean Jagger (DER KOMMANDEUR, 1949 / ALLIGATOR, 1980), HAMMER-Urgestein Michael Ripper, Edward Chapman, Leo McKern und Anthony Newley, die alle gute Arbeit leisten. Britische 50er-Jahre-Steifheit ist natürlich mit inbegriffen, aber größtenteils haben wir es hier auch mit Wissenschaftlern und der Armee zu tun. Der Film ist nicht nur aufgrund seiner Schwarzweiß-Fotografie düster. Nein, das Thema Radioaktivität, den einhergehenden Atombomben und der Schrecken aus dem Osten, ähm, All ist allgegenwärtig. Und so werden wir in diesem Fall Zeuge eines radioaktivitätsüchtigen Blobs, ein Jahr vor THE BLOB (1958). Dieser lebt vor allem unter der Erde, tut sich aber auf, in dem er den Erdboden spaltet. Die Effekte sind ordentlich und ein- bis zweimal sogar recht hart für die Zeit. Der Score von James Bernard sorgt zusätzlich für Dramatik und unterstreicht die schaurige Atmosphäre mancher Szenen. Dennoch hat der Film auch ein paar zähe Momente und bietet insgesamt zu wenig Spannung.
    Der Fokus liegt klar auf der Wissenschaft und die Findung einer Lösung, der Science-Aspekt steht hier klar vor dem Monster, und doch ist beides untrennbar.

    XX…UNBEKANNT ist kein großer Wurf, aber ein solider, stimmungsvoller Film mit kleinen Nettigkeiten aus der Welt des Phantastischen Films.

    (Bjoern Candidus)

  • Sternzeit: Folge 10 (2)  – Strange New Worlds Staffel 2

    Sternzeit: Folge 10 (2) – Strange New Worlds Staffel 2

    TRAUMSTADT – STERNZEIT: Folge 10 (Teil 2)

    STAR TREK – STRANGE NEW WORLDS Staffel 2

    Bjoern und Patrick setzen ihre Besprechung über die 2. Staffel von STRANGE NEW WORLDS fort und widmen sich Folge 6 bis 10.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Craze, 1974 – ★★★

    Craze, 1974 – ★★★

    CRAZE – DÄMON DES GRAUENS (GB, 1974, Regie: Freddie Francis)

    Ein Antiquitätenhändler hat ein ganz besonderes Hobby: er betet einen Dämonen namens Chuku an, der als Holzfigur in seinem Keller steht. Gemeinsam mit seinen Anhängern finden in den Gewölben unter dem Laden Opferungen statt. Klar, dass Scotland Yard da nicht lang die Füße stillhält.

    Sex, Gewalt und Okkultismus beherrschen das Geschehen in diesem Horror-Thriller von Freddie Francis. Da wundert es nicht, dass Jack Palance in der Nähe ist. Andererseits ist er auch kein häufiger Gast im britischen Horror-Kino, wobei er im gleichen Jahr für Dan Curtis als Dracula vor der Kamera stand. Palance alles irrer Sektenführer mit Oberlippenbärtchen ist das wahre Highlight des Films. Er raucht, trinkt, fummelt mit lasziven Damen und opfert sie schließlich dem hölzernen Chuku. Was will man mehr? Vielleicht etwas mehr Spannung, aber die bleibt zurück. Das liegt vor allem daran, dass man hier direkt weiß, wo der Irre lang läuft. Palance beherrscht das Geschehen, hat sehr viel Sceentime und verdrängt damit alles und jeden, im schlimmsten Fall sogar das Team hinter der Kamera. Zudem darf man hier Hugh Griffith (DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES, 1971), David Warbeck (GEISTERSTADT DER ZOMBIES, 1981) und Suzy Kendall (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1971) und Diana Dors (THEATER DES GRAUENS, 1973) wiedersehen.

    Rein visuell bewegt man sich auf anständigem Niveau, was bei Francis kaum ungewöhnlich ist. Die düstere Stimmung, der fiese Chuku, das garstige Verhalten Palance und ein gewisser Hang zur Brutalität, machen das Ganze zumindest Handfest. Ein bisschen Auflockerung kommt mit den Krimi-Elementen und mit der polizeilichen Ermittlung.

    CRAZE – DÄMON DES GRAUENS ist ziemlich unterkühlter Okkult-Horror-Thriller, der vor allem für Palance-Fans und natürlich für Freunde von Produktionsschmieden wie HAMMER, AMICUS oder TIGON durchaus von Interesse sein könnte.

    (Bjoern Candidus)

  • Psychomania, 1973 – ★★★★

    Psychomania, 1973 – ★★★★

    PSYCHOMANIA
    (GB, 1973, Regie: Don Sharp)

    Tom und seine Biker-Gang tyrannisieren Menschen, provozieren Unfälle und nehmen Tote in Kauf. Die Rüpel kennen keine Grenzen. Doch in Toms Familie gibt es ein Geheimnis: das Amulett eines Frosches, was ein Leben nach dem Tod garantiert. Grenzenlos wie Tom ist stürzt er sich mit seinem Motorrad in den Tod. Dann setzt sich der Terror fort.

    Don Sharp, der für die HAMMER-Studios u.a. DER KUSS DES VAMPIRS (1963) inszenierte, schickt den Zuschauer auf einen surrealen Trip in die ländlichen Gefilde Englands. Nebel zieht auf, Motorradfahrer mit spacigen Totenkopfhelmen fahren durch die Gegend und der Psychedelic-Rock-Score von John Cameron unterstreicht die traumartige Atmosphäre, die der Film bis zum Ende aufrechterhält. Die Bilder weben einen so ein, dass man die irrsinnige Story mit den vielen verschrobenen Charakteren fast vergisst. Hier kann man viel entdecken und sich an einem tollen Dekor bis zur Garderobe laben. Passend dazu die Darsteller wie Nick Henson (DER HEXENJÄGER, 1968) als Tom oder seine Film-Mutter Beryl Reid (DIE RÜCKKEHR DES DOKTOR PHIBES, 1972) als Mrs. Latham.

    Geheimnisvoll, spannend, unheimlich…PSYCHOMANIA sticht aus der Masse hervor. Ein Film wie ein Horror-Comic. Ein Film wie ein Drogenrausch auf dem Rücken eines Frosches. Für den habe ich ganz viel Liebe übrig.

    (Bjoern Candidus)

  • VFW, 2019 – ★★½

    VFW, 2019 – ★★½

    VFW – VETERANS OF FOREIGN WARS
    (USA, 2019, Regie: Joe Begos)

    Eine Handvoll Kriegsveteranen verschanzen sich in ihrer Lieblingskneipe und kämpfen gemeinsam mit einem jungen Mädchen gegen eine Bande aggressiver Junkies, die ihren Stoff zurück haben wollen, den das Mädchen geklaut hat.

    Mehr passiert in Joe Begos blutgetränktem Action-Splatterfilm nicht, und dennoch erzeugt er den nötigen Spaß. Dieser entsteht aber vor allem durch die sehr sympathischen alten Herren, die hier auf den Zuschauer warten. Da haben wir z. B. Martin Kove (THE LAST HOUSE ON THE LEFT, 1972), Stephen Lang (MANHUNTER, 1986), William Sadler (RITTER DER DÄMONEN, 1995), David Patrick Kelly (PHANTOM KOMMANDO, 1985) und den wunderbaren Fred Williamson (RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR, 1982). Im Gegensatz zu ihren austauschbaren Film-Feinden bringen die das nötige Charisma mit, um den Film am Laufen zu halten. Lobenswert ist auch die sehr gelungene 80er-Jahre-Atmosphäre, obwohl der Film inhaltlich gar nicht in dieser Zeit angesiedelt ist. Dass dieser Film vor allem als Gore-Fest dienen soll, beweist er mit CGI-freien Gore-Effekten, die zwar unter dem Strich nichts Neues bieten, aber sehr wuchtig aussehen, auch wenn sie immer schnell weggeblendet werden. Lebenssaftarmut gibt es hier nicht. Auch farblich wurde die Produktion sehr schön gestaltet und spendiert angenehme Blau- und Rot-Töne, die gut zu dem wilden Treiben passen. Dass dieser Film vor allem eine Verbeugung an John Carpenter (und auch Romero) ist, wird nicht nur durch das Cinemascope-Format und dem Setting verdeutlicht, sondern auch durch den Score von Steve Moore. All das ist wenig innovativ, bietet nicht gerade viel Spannung, aber weiß dennoch zu unterhalten, denn Langeweile kommt zumindest nicht auf.

    Wer Filme wie ASSAULT- ANSCHLAG BEI NACHT (1976), DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987), DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN (1968) oder neuere wie
    THE GREEN ROOM (2015) mag, macht mit VFW – VETERANS OF FOREIGN WARS nichts falsch. Er ist nicht mehr als die Summe seiner Teile, aber die sind solide.

    (Bjoern Candidus)

  • A Stranger in Town, 1967 – ★★½

    A Stranger in Town, 1967 – ★★½

    EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN
    (UN DOLLARO TRA I DENTI, Italien, 1967, Regie: Luigi Vanzi)

    Ein Fremder lässt sich auf eine Handvoll Banditen ein, um gemeinsam eine Kiste voll Gold aus den Händen nordamerikanischer Soldaten zu klauen. Zwar gelingt der Überfall, doch der Ärger setzt ein, als es um das Aufteilen der Beute geht. Da hier niemandem Großzügigkeit in die Wiege gelegt wurde, fliegen schnell die Kugeln durch die Luft.

    EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN startet stimmungsvoll in einer scheinbar verlassenen Stadt in der der Staub herrscht. Von weitem nähert sich ein Fremder auf einem Pferd. Und damit nähert sich auch schon das Hauptproblem. Regisseur Luigi Vanzi schickt keinen Eastwood, keinen Nero, keinen Hill, keinen Garko…, sondern Tony Anthony, dem es, meiner Meinung nach, an Charsima und Ausstrahlung fehlt. Sein Charakter regt zwar auch nicht dazu an, ihn zu mögen, aber seine ähnlich gelagerten Schauspieler-Kollegen brachten selbst im tiefsten Zynismus noch mehr Liebreiz mit. Natürlich ist das rein subjektiv, und der nächste möchte vielleicht sogar Tony Anthony umarmen. Mir hat Vanzi mit dieser Besetzung jedenfalls keinen Gefallen getan. Der Rest der Bande, zum Beispiel Raf Baldassarre, Frank Wolff oder Aldo Berti bewegen sich in soliden Bahnen. Bäume reißt hier im Grunde niemand aus. Aber genug der Nörgelei, denn dieser Italowestern hat durchaus andere Vorzüge. Vanzi gelingt eine gespenstische Atmosphäre zu erzeugen, sorgt für abwechslungsreiche Sets, führt einen von der obligatorischen Westernstadt in sandige und felsige Abschnitte und hält das Geschehen immer in Bewegung. Auch Kameramann Marcello Masciocchi (MONDO CANNIBALE 2, 1977) war nicht die schlechteste Wahl. An Spannung und Action mangelt es nicht. Wer auf Schießereien, auch mittels frühem Maschinengewehr, steht, darf hier fleißig die Kugeln in den Leichen zählen. Dazu gesellt sich die Musik von Benedetto Ghiglia, die mit dem Heulen des Windes und den staubigen Bildern in den besten Momenten eine regelrechte Gruselstimmung erzeugt. Die Stimmung des Todes ist allgegenwärtig.

    Im Grunde liefert EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN die meisten Zutaten, die man vom Genre erwartet und dennoch hat mich der Film etwas kalt gelassen, und das erkläre ich mir einzig und allein durch die Anwesenheit von Tony Anthony.

    (Bjoern Candidus)

  • The Stranger Returns, 1967 – ★★★

    The Stranger Returns, 1967 – ★★★

    WESTERN JACK
    (UN UOMO, UN CAVALLO, UNA PISTOLA, Deutschland, Italien, 1967, Regie: Luigi Vanzi)

    Der Fremde ist zurück! Diesmal reitet er sogar mit einem kleinen rosa Sonnenschirm durch die Prärie, welchen er aber schnell bei Seite legt, wenn er die Identität des Postinspektors Ross annimmt, der eigentlich tot im Staub liegt. Natürlich zielt diese Tarnung darauf ab, um sich eines Goldschatzes zu bedienen, auf den es auch En Plein, der Kopf einer Bande, abgesehen hat.

    In Vanzis Fortsetzung lichtet sich etwas die Atmosphäre des Todes, die noch den Vorgänger überschattet hat, auch wenn in WESTERN JACK natürlich noch genug Herrschaften das Zeitliche segnen. Doch die Stimmung ist etwas lebendiger, farbenfroher, selbstironischer und ja, selbst Tony Anthony, der sich im Vorgänger für mich zum größten Problem entwickelt hat, bekommt etwas mehr Leben eingehaucht, was seiner Figur gut tut. Anthony hat eine positive Entwicklung durchgemacht, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Fortsetzung im gleichen Jahr entstanden ist. Interessant ist auch, dass Anthony hier selbst die Story geschrieben hat. In allem ist die Inszenierung deutlich lockerer und entspannter geraten und wurde erneut von Marcello Masciocchi fotografiert, der wieder schöne Landschaftsbilder und die Gesichter von grantigen Miesepetern eingefangen hat. Der Film schreitet stets voran, ohne sich lange aufzuhalten und liefert Action und Dialog im Wechsel. Freunde von Sadismus und Brutalitäten dürfen auch befriedigt werden. Besonders Dan Vadis (EIN FREMDER OHNE NAMEN, 1973) als Oberschurke En Plein zeigt sich von der fiesen Sorte. Einer seiner Schergen ist Raf Baldassarre (LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, 1968), der ständig dreckig lacht, bis er für immer sein Lächeln verliert. Daniel Vargas (FRIEDHOF OHNE KREUZE, 1969) ist als Good Jim eine Art Pseudo-Sheriff, während Ettore Manni (DJANGO UND SARTANA KOMMEN, 1970) den Part als hochnäsiger Lieutenant Stafford einnimmt. Insgesamt bekommen die Charaktere mehr Tiefe als bei EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN. Angetrieben wird der Film von einem ausgezeichneten Score von Stelvio Cipriani, der sich teilweise etwas von den typischen
    Italowesternklängen löst.

    WESTERN JACK ist ein kurzweiliger Italowestern ohne große Story, aber mit einem stimmigen Rest.

    (Bjoern Candidus)