Autor: marco-fritz

  • 77. Die Ängste des Dr. Schenk (1978)

    77. Die Ängste des Dr. Schenk (1978)

    DIE ÄNGSTE DES DR. SCHENK – GESCHICHTEN ZWISCHEN TAG UND TRAUM

    Deutschland, 1978

    Regie: Herbert Vesely

    Bjoern und Patrick haben sich tief in die deutsche Fernsehelandschaft der 1970er-Jahre gegraben, um Euch einen vergessen TV-Gruselfilm (Produziert vom ZDF und ORF) zu präsentieren, in dem sich Leute wie Heinz Bennent, Dan van Husen, Irm Hermann, Otto Sander, Christiane Kaufmann, Rudolf Schündler und viele andere versammeln.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Zombie Flesh Eaters 2, 1988 – ★★★

    Zombie Flesh Eaters 2, 1988 – ★★★

    ZOMBIE III
    (ZOMBI 3, Italien, 1988, Regie: Lucio Fulci, Bruno Mattei, Claudio Fragasso)

    Ein Terrorist stiehlt aus einem Geheimlabor auf den Philippinen einen bakteriellen Kampfstoff. Bei der Fluch wird er angeschossen und kontaminiert sich mit der Biowaffe „Death One“. Er stirbt. Die Leiche wird verbrannt, was das Chaos perfekt macht, denn die Aschepartikel in der Luft werden von Vögeln weiter auf Menschen übertragen, die schließlich sterben, bevor sie sich in Untote verwandeln. Eine Handvoll Touristen und ein Trupp Soldaten müssen sich gegen Massen von Zombies zu Wehr setzen. Ein Säuberungskommando ist bereits unterwegs, um die Gegend von Zombies zu reinigen.

    Die Legende besagt, dass der große Lucio Fulci beim Dreh zu diesem Film, der auf einer Story / Drehbuch von Claudio Fragasso basiert, das Handtuch geworfen hat, weil er mit der ganzen Produktion unzufrieden war. Andere Stimmen behaupten, es ging um seine Gesundheit, was durchaus Sinn ergibt, da er zu dieser Zeit ziemlich angeschlagen war. Wie auch immer es lief, der Film sieht eher nach Fragasso aus, der hier wohl tatkräftige Unterstützung von seinem Buddy Bruno Mattei hatte. Der Titel suggeriert eine Fortsetzung zu WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979), der im Original den Titel ZOMBI 2 trägt. Schnell wird jedoch klar, dass der Film für sich alleine steht. Der Irrsinnsfaktor erinnert jedenfalls mehr an Matteis HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN (1980) als an Fulcis Zombiewelt(en).

    Auch wenn ZOMBIE III wahrlich kein Qualitätskino ist, liefert er doch unglaublich viel Zombie-Party-Stimmung. In der Langfassung steigt man direkt zu Beginn mit dem ersten Zombie-Verwandlungs-Effekt ein, der schon zeigt, wohin das Make-up tendiert: zum Matschkopf-Pizzafressen-Zombie, der einem aus dem Italo-Horrorkino nicht fremd ist. Als nächstes besteigt man die kalte Welt der Militärbasis und Forschungsstation, in der das Chaos ausbricht, nachdem es einen Angriff von Terroristen gibt. Der Großteil der Handlung spielt sich dann in der Natur oder in Häuserruinen ab. Die Baracken sind teilweise sehr schön ausgeleuchtet, und das grüne Licht erweckt Erinnerungen an Bava, nur in billig. Wenn das Räumungskommando aufmarschiert, kommen einem Filme wie CRAZIES (1973) oder DAWN OF THE DEAD (1978) in den Sinn, der Ascheregen erinnert hingegen etwas an RETURN OF THE LIVING DEAD (1985). ZOMBIE III ist ein Flickenteppich aus bekannten Zutaten, aber egal, wie man ihn dreht und wendet, der Film hat mich gut unterhalten, weil er sich vor allem auf das konzentriert, was der geneigte Zuschauer bei so einem Produkt erwartet: Zombies, Blut und Gedärme. Die Splatter-Fraktion kann sich gemütlich zurücklegen, denn der Lebenssaft spritzt ordentlich, besonders ab der zweiten Hälfte. Hier überschlagen sich dann auch etwas die Eindrücke, denn das Tempo der Inszenierung ist recht hoch, passend dazu: der Synthesizer-Score Stefano Mainetti. Erschießungen, zerhackte Körper, Explosionen, von A nach B laufende Trottel und ein Radio-Moderator in seiner Station, der das Geschehen kommentiert, stehen auf dem Programmplan, und das alles freilich unter dem Ausschluss von Intelligenz, denn eine packende Story sollte man hier nicht erwarten, und gute Darsteller natürlich auch nicht. Immerhin passen Deran Sarafian (CREATURE OF THE ABYSS, 1994), Beatrice Ring (PALERMO VERGESSEN, 1990) und der Rest der Bande perfekt ins irrsinnige Geschehen.

    ZOMBIE III ist ein actionreicher, blutiger Zombiefilm, der seine Unzulänglichkeiten nutzt und in pure Unterhaltung umwandelt.

    (Bjoern Candidus)

  • Back to the Wall, 1958 – ★★★★

    Back to the Wall, 1958 – ★★★★

    MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND
    (LE DOS AU MUR, Frankreich, 1958, Regie: Édouard Molinaro)

    Édouard Molinaros (DIE HERREN DRACULA, 1976 / EIN KÄFIG VOLLER NARREN, 1978) Debütfilm
    MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND ist ein wunderschönes, wenn auch eiskaltes Krimi-Ehedrama. Ein Film Noir zur Anfangszeit der zweiten Phase der Nouvelle Vague, der auf einer Novell von Frédéric Dard basiert.

    Der Film startet mit einer höchst atmosphärischen Szene, die eine Villa präsentiert, die von völligem Schwarz umrundet ist. Ein Mann mit Hut und Mantel verlässt eilig die Villa, steigt in sein Auto und fährt in die Nacht hinaus. Wir sehen, wie er eine Leiche entsorgt. Dann macht der Film einen Zeitsprung zurück.
    Der Mann, der sich als betrogener Ehemann Jacques Decrey herausstellt, erzählt mit seiner Stimme aus der Off, was passiert ist. Der Zuschauer begleitet ihn nun auf eine finstere Reise in die Abgründe menschlicher Gefühlswelten.

    Jacques Decrey hat herausgefunden, dass ihn seine Ehefrau Gloria mit einem anderen Mann betrügt. Statt sie mit dem Wissen zu konfrontieren, heckt er einen Plan aus, um ihr Herz zurückzugewinnen. Er beauftragt einen Privatdetektiv, der ein Foto von dem Liebespaar macht. Jacques schickt seiner Frau nun anonym ein Erpresserschreiben, in dem er Schweigegeld fordert und das Fotos als Beweis beilegt.

    Selten hat mich ein Film über Ehebruch so gepackt wie dieser. Zum einen liegt es an der sehr gut konstruierten Story, die so manche Wendung mit sich bringt, zum anderen an den hervorragenden Darstellern wie Gérard Oury und Jeanne Moreau. Haupt- wie Nebenrollen überzeugen und unterstreichen den negativen Ton dieses Films, bei dem keine Seite des Ehepaares gut wegkommt. Aber nicht nur inhaltlich bewegt man sich auf hohem Niveau, sondern auch visuell. Der Film ist wunderschön fotografiert von Robert Lefebvre. Das Spiel zwischen Licht und Schatten ist eine Augenweide und schafft es die Spannung des Films zusätzlich zu erhöhen. Sehr edel.

    Zwischen Liebe, Ehebruch, Intrigen, Privatdetektiven und Mord – MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND ist ein fabelhaftes Beispiel für die Magie des Kinos.

    (Bjoern Candidus)

  • Absurd, 1981 – ★★★½

    Absurd, 1981 – ★★★½

    ABSURD
    (ROSSO SANGUE, Italien, 1981, Regie: Joe D‘Amato)

    Ein durch radioaktive Experimente in den Wahnsinn getriebener Mann, der jetzt regenerative Kräfte besitzt, bricht aus einer Einrichtung aus. Sein Ziel: Töten! Auch die schwere Bauchverletzung, die er sich bei der Flucht zuzieht, kann ihn nicht aufhalten. Er hinterlässt eine blutige Spur, die in einem Haus führt, in dem eine Babysitterin auf zwei Kinder aufpasst. Doch die Polizei und ein Priester ist dem Killer bereits dicht auf den Fersen.

    Filme wie SADO-STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (1979), MAN-EATER (1980) oder eben ABSURD waren in meiner Jugend Augenöffner für das italienische Kino, die bis heute in meinem Herz verwurzelt sind. D‘Amato gelingt in allen drei Filmen eine unglaublich morbide Stimmung zu erzeugen, die am ehesten mit der von Lucio Fulci jener Tage zu vergleichen ist. Dass der Mann handwerklich was drauf hat, beweisen seine vorherigen Kamera- und Regiearbeiten und werden auch hier nicht versteckt. Das Tempo ist ordentlich; man hält sich nicht groß auf, und es dauert nicht lange, bis der Film ans Eingemachte geht. Es sind vor allem Köpfe, die hier auf jegliche Art und Weise zerstört werden. Das passt natürlich zu dem Dachschaden, den George Eastman als Nikos Stenopolis hier selbst hat. Mit seinen über zwei Metern Körpergröße und dem Talent, wie ein Wahnsinniger gucken zu können, trumpft er ein weiteres Mal auf und darf auf äußerst deftige Art töten. Die Härte von MAN-EATER (1980) wird hier jedenfalls noch mal überboten, auch wenn keine Föten an Bord sind. Apropos Eastman: der gute Luigi Montefiori hat hier ein weiteres Mal selbst das Drehbuch geschrieben. Neben ihm gibt es auch ein Wiedersehen mit Edmund Purdom (PIECES, 1982), der als Priester so eine Art Dr. Loomis darstellt. Überhaupt sind hier Slasher-Elemente spürbar; gerade HALLOWEEN (1978) ist hier immer wieder zu erkennen. Doch statt Teens, die Partys feiern, steht ein kleiner Junge, seine ans Bett gefesselte Schwester und eine Babysitterin im Fokus des Terrors. ABSURD schließt von seiner Stimmung und den Sets eher an SADO als an MAN-EATER an. Es gibt ein paar Szenen in der Natur oder auf Straßen, aber der Großteil spielt in einem Haus in einer Siedlung. Der goblineske Score von Carlo Maria Cordio überzeugt bereits mit den ersten Atemzügen des Films und unterstützt ihn bis zum spannenden Ende.

    ABSURD ist ein brutaler, temporeicher, hirnloser Horrorfilm mit einer fiesen Aura, und genau deshalb gefällt er mir.

    (Bjoern Candidus)

  • Puzzle, 1974 – ★★★½

    Puzzle, 1974 – ★★★½

    DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS
    (L’ UOMO SENZA MEMORIA, Italien, 1974, Regie: Duccio Tessari)

    Durch einen Autounfall hat Ted sein Gedächtnis verloren. Er weiß weder wer er ist, noch wer die Leute sind, die ihn plötzlich verfolgen und bedrohen, weil er angeblich eine Millionen Dollar unterschlagen hat. Ein Telegramm von seiner Frau Sara lockt ihn von London nach Italien, wo sie ihm etwas über seine Vergangenheit erzählen will. Doch Sara gerät ins Visier eines Unbekannten, der sie erst überfällt und später ihren Hund tötet. Aber auch Ted steckt in Schwierigkeiten, denn der Klan will sein Geld zurückhaben.

    Duccio Tessari (BLUTSPUR IM PARK, 1971) betritt erneut die Welt der Gialli und liefert mit DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS einen spannend inszenierten Beitrag ab, ohne pompös zu sein. Tessari legt viel mehr Wert auf die Figuren und die Story, als sich mit ausufernden Morden oder Provokationen zufrieden zu geben. Muss man ja auch nicht; das können andere. Dafür verwöhnt einen Tessari mit der Auswahl der Darsteller, die hier aufgefahren werden. Senta Berger, Anita Strindberg, Luc Merenda, Umberto Orsini und Bruno Corazzani sind allesamt überzeugend und unterstreichen spielend das Giallo-Feeling, was der Fan erwartet. Der Score von Gianni Fierro empfängt einen bereits von Anfang an mit offenen Armen und unterstreicht die Aufnahmen des wunderschönen Küstenstädtchens in Ligurien, Italien. Gerade die Architektur der Häuser und die schmalen Gässchen, die dazwischen liegen, sorgen für die nötige Atmosphäre. Ab der Hälfte steigern sich auch die Spannungsmomente, die sehr ordentlich inszeniert wurden und in einem blutigen Finale enden.

    DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS ist ein gut erzählter Giallo mit wohldosierten Spannungsspitzen und einer tollen Besetzung vor einladender Kulisse.

    (Bjoern Candidus)

  • Naked Killer, 1992 – ★★★½

    Naked Killer, 1992 – ★★★½

    NAKED KILLER
    (CHIK LOH GO YEUNG, Hongkong, 1992, Regie: Clarence Fok)

    Kitty, eine aufstrebende Killerin, verliebt sich ausgerechnet in einen Cop namens Tinam. Der lesbischen Killerin Princess gefällt das gar nicht, hat sie doch selbst ein Auge auf Kitty geworfen. Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, tritt auch noch Cindy auf den Plan, die einst Princess zum töten ausgebildet hat. Es kommt zu einem hasserfüllten Konflikt zwischen drei begabten Killerinnen.

    In sehr stilvollen, durchgestylten Bildkompositionen präsentiert einen hier Regisseur Clarence Fok ein versiertes Feuerwerk aus Action und Gewalt. Die kalten, aber kräftigen Farbtöne und die Ausstattung samt dem jazzigen Score erwecken den Geist der späten 80er-Jahre. Freunde von Neon-Ästhetik kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Freunde des Action-Kinos. Graziele Kampf-Choreografien, wilde Schießereien und Sadismus gehen Hand in Hand und lassen den Zuschauer nicht zur Ruhe kommen. Hier wird schnell geschnitten, aber nie wirkt das Ganze hektisch oder unkontrolliert. Die drei Grazien, denen man auch beim lesbischen Liebesleben beiwohnen darf, wenn Cindy nicht gerade Männer quält, sind prächtig ausgewählt und machen Spaß. Dargestellt werden sie von Chingmy Yau, Carrie Ng und Wei Yao. Die männliche Front wird von Simon Yam vertreten.

    NAKED KILLER bietet heiße, tödliche Frauenpower, zünftige Gewalteinlagen und visuelle Reize. Auf eine packende Story muss man dafür aber verzichten. Mache ich gerne, wenn ich stattdessen Filme wie diesen bekomme.

    (Bjoern Candidus)

  • Project: Metalbeast, 1995 – ★★½

    Project: Metalbeast, 1995 – ★★½

    METAL BEAST
    (USA, 1995, Regie: Alessandro De Gaetano)

    Ein CIA-Agent erlegt in Ungarn einen Werwolf und entnimmt ihm Blut, was er mit in die USA transportiert. Er injiziert sich das Blut und verwandelt sich in eine Bestie, die kurz darauf erschossen wird. Man friert den Körper ein und taut ihn 20 Jahre später wieder auf, um mit ihm Experimente mit Metallhaut durchzuführen, die Hautbeschädigungen und Hautkrebs besiegen sollen. Aber es kommt anders, was zu erwarten war.

    In den 1990er-Jahren gab es immer wieder kleine Direct-to-Video-Horror- oder Scifi-Produktionen, die sehr sympathisch waren, wie z.B. SYNGENOR (1990), CARNOSAURUS (1993), DEATH MACHINE (1994) oder BAD MOON (1996). Bei vielen dieser Produktionen schwang noch immer der Geist der 80er-Jahre mit, wie auch bei Alessandro De Gaetanos Militär-Medizin-Werwolf-Horrofilm
    METAL BEAST.

    Die Atmosphäre ist sehr gleichbleibend. Durch das Militär-/ Medizin-Setting wirk der Film kalt und wenig anziehend. Dennoch versteht man es, den Szenen eine gewisse Dichte einzuhauchen, die sich kontinuierlich halten kann. Auch kleine Spannungsspitzen sind zu verzeichnen. Action kommt erst im letzten Drittel auf, davor gibt es viel Dialog, und das ist auch das Hauptproblem, was die Produktion hat. Man setzt hier sehr auf Unterhaltungen zwischen den Figuren, die manchmal einfach zu ausgedehnt sind für einen Film dieser Art. Aber immerhin sind die Darsteller dafür in Ordnung. Kim Delaney (DELTA FORCE, 1986), Barry Bostwick (MEGAFORCE, 1982), Musetta Vander (SHADOWCHASER 3, 1995) schlagen sich gut, da ist man in diesen Bereichen ganz anderes gewöhnt. Auch das Metalbeast selbst kann sich sehen lassen, da auch John Carl Buechler die Hände im Spiel hatte. Im Kostüm: Jason-Darsteller Kane Hodder. Freuen darf sich auch der Gore-Freund; richtig blutig wird es in den medizinischen Szenen, wenn Silberkugeln aus einem Körper entfernt werden.

    METAL BEAST ist solide B-Kost, nicht mehr, nicht weniger.

    (Bjoern Candidus)

  • Wild Thing, 1987 – ★★

    Wild Thing, 1987 – ★★

    ASPHALT KID
    (WILD THING, Kanada, USA, 1987, Regie: Max Reid)

    1969: Zwei Hippie-Eltern sind mit ihrem kleinen Sohn in einem VW-Bus unterwegs. Love & Peace steht allerdings nicht auf der Agenda des Typen, den sie als Anhalter mitnehmen. Der stellt sich als Drogenkurier heraus, der kurz darauf in einen Konflikt mit seinem Kollegen Chopper gerät, der ihn mithilfe einer Überdosis Drogen tötet. Die Eltern des kleinen Jungen werden ebenfalls von Chopper ermordet, während das Kind flüchten kann. Der Junge wächst bei einer verschwurbelten Obdachlosen auf, die ihn mit ihrem Geschwafel an sich binden kann. Das Leben in den Slums der Großstadt macht ihn hart, und die Verbrecher, die die Straßen verseuchen, lassen ihn zum „Wild Thing“ werden. Eines Tages trifft er plötzlich auf (seine) Jane, die gerade von der Gang überfallen wird, die auch für die Ermordung seiner Eltern verantwortlich war. Er kommt seinem Ziel näher: die Vernichtung von Chopper.

    Max Reid tischt hier einen unglaublich albernen Action-Zirkus auf, der immerhin charmant aussieht und nie langweilig ist. Man startet Ende der 60er-Jahre, repräsentiert von einer Hippie Familie mit VW-Bus mit Peace-Zeichen. Dann geht es kurz ins Jahr 1975, in dem man das Wachstum des (da noch nicht) Wild Thing Jungen in den Slums der Großstadt beobachten darf. Das Kernstück der Handlung ist dann Mitte der 80er-Jahre angesiedelt, was kaum zu übersehen ist. Gewalt in der Großstadt, Neonlichter, bunte Klamotten, Föhnwellen und die passende musikalische Untermalung sorgt für pure 80er-Stimmung. Die gesamte Ausstattung und das Set-Design ist wirklich gelungen; es gibt viele Details zu entdecken, z.B. in Wild Things Versteck. Dass die Figur des Wild Things so eine Art Großstadt-Tarzan, Batman für Arme oder die Lauch-Version des Ultimate Warrior darstellt, verschafft dem Ganzen nicht gerade Glaubwürdigkeit, und mich verlässt das Gefühl nicht, dass diese hier eigentlich beabsichtigt wurde. In erster Linie funktioniert der Film gerade aufgrund seiner unfreiwilligen Komik. Er punktet jedenfalls nicht durch gute Action-Sequenzen, was bei einem Actionfilm etwas problematisch ist. Es wird zwar viel gekämpft, gehüpft, gefallen und gesprungen, und an das Abseilen an Hausfassaden, sowie an brennende Häuser wurde auch gedacht, nur wurde das Meiste einfach zu schlecht und zu handzahm inszeniert. Zudem wirkt Robert Knepper als Wild Thing so furchteinflößend wie ein Zehnjähriger im Körper eines fast Dreißigjährigen. Überhaupt wirken die Figuren comicartig, überzeichnet, was nicht das Problem wäre, hätte man es mit fähigeren Darstellern zu tun. Knepper ist hier nicht als einziger fehlbesetzt. Robert Davi als Chopper ist zwar bemüht, den Klischee-Bösen zu spielen, versagt aber wie der Rest der Truppe. Da hinterlässt Kathleen Quinlan als Jane (kein Scherz!) noch den besten Eindruck, und die macht hier auch nicht viel. Am liebsten war mir die getigerte Haus-, bzw. Straßenkatze, die Wild Thing auf seinen nächtlichen Einsätzen als Beschützer der Schwachen begleitet.

    ASPHALT KID wirkt wie ein bunter Traum eines zehnjährigen Jungen nach dem Konsum von zu vielen Bonbons. Albern, aber irgendwie unterhaltsam.

    (Bjoern Candidus)

  • Daddy’s Deadly Darling, 1973 – ★★★½

    Daddy’s Deadly Darling, 1973 – ★★★½

    PIGS
    (DADDY‘S DEADLY DARLING, USA, 1973, Regie: Marc Lawrence)

    Lynn steckt in Schwierigkeiten. Sie ist auf der Flucht, da sie aus einer psychiatrischen Einrichtung geflohen ist. Sie findet Zuflucht bei dem Farmer und Schweinezüchter Zambrini, dem sie ihre Probleme natürlich verheimlicht. Aber auch der hütet sein Geheimnis, denn seine Schweine werden stets mit Menschenfleisch gefüttert. Und diese Menschen stammen auch aus dem Diner, was Zambrini unterhält, indem Lynn nun einen Job hat.

    Marc Lawrence, der vor allem als Schauspieler tätig war, hat hier einen durchaus garstigen Psycho-Farm-Horrorfilm gezimmert, der etwas wie ein Vorspiel zu DERANGED (1974), TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) oder DEATH TRAP (1977) daherkommt. Von Beginn an wird man in die dreckige Farmwelt von Zambrini gestoßen, der seine eigene Spezies an Schweinen verfüttert. Die erstickende Grundstimmung wird aufrechterhalten und immer wieder mit verstörenden oder blutigen Momenten garniert, die durch den disharmonischen Soundtrack von Charles Bernstein zusätzlich verstärkt werden und ebenfalls an die Klangkulissen der frühen Arbeiten von Tobe Hooper erinnert.
    Alles ist ausladend, hoffnungslos, abgeschieden. Auch die Figuren bieten keinen Halt. Toni Lawrence als Lynn Hart und Marc Lawrence, der selbst in die Rolle von Zambrini schlüpft, könnten zwar äußerlich kaum kontrastreicher sein, aber da beide einen geistigen Schaden haben, werden sie, wenn auch nur kurz, zu einem einzigartigen Duo. Dann hat man hier noch Catherine Ross und Iris Korn als die beiden alten Damen Marcy und Annette, die den schweinischen Machenschaften auf Zambrinis Farm auf die Schliche kommen, denen Sheriff Cole, dargestellt von Jesse Vint, natürlich keinen Glauben schenkt.

    PIGS ist ein wirkungsvoller Horror-Thriller mit einer guten Story, der viel zu unbekannt geblieben ist. Hier sei (wie meistens) der Director‘s Cut empfohlen, der die alberne Szene am Anfang und das alternative Ende der Kino-Fassung vermissen lässt und einen so mit ganz anderen Gefühlen entlässt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Body Snatcher, 1945 – ★★★★

    The Body Snatcher, 1945 – ★★★★

    DER LEICHENDIEB
    (THE BODYSNATCHER, USA, 1945, Regie: Robert Wise)

    Dr. MacFarlane, stets getrieben seine medizinischen Forschungsgebiete zu erweitern, braucht Leichen zur Obduktion. Dafür nimmt er den Service von Kutscher John Gray gerne in Anspruch, da dieser Nachts Leichen vom Friedhof ausgräbt. Als MacFarlane die Operation eines kleinen Mädchens verweigern will, weil es ihm an Leichen fehlt, wird er von Gray erpresst, der schließlich Geld braucht. Schließlich tötet er eine blinde Straßensängerin und kutschiert die Leiche ins Haus von MacFarlane. Fettes, der angehende Arzt, sitzt derweil zwischen den Stühlen seiner Moral. Leid verursachen um anderes Leid zu verhindern?

    Regisseur Robert Wise (DER TAG AN DEM DIE ERDE STILLSTAND, 1951) hat hier einen packenden, höchst stimmungsvollen Horrorfilm geschaffen. Gegenüber der Vorlage von Robert Louis Stevensons aus dem Jahre 1884 verändert Wise ein wenig die Gewichtung der Charaktere und ergänzt den ein oder anderen Handlungsstrang, was ihm sehr gelungen ist. Die Geschichte weiß zu überzeugen, auch wenn sie dem geschulten Auge natürlich nicht neu vorkommen mag; die zahlreichen Victor Frankensteine der Filmgeschichte sind oft auf gleichem Weg an medizinisches Kanonenfutter gekommen. Vor allem sind es die Charaktere, die hier überzeugen und sehr facettenreich sind. Neben Henry Daniell (DIE VIER SCHÄDEL DES JONATHAN DRAKE,1959) als Dr. MacFarlane, Russell Wade als angehender Arzt Fettes, Bela Lugosi als Faktotum im Haushalt des Doktors, ist es vor allem Boris Karloff als Leichendieb, der hier wieder richtig auffährt und zeigt, was er kann. Karloff und Lugosi begegnen sich hier ein letztes Mal im Rahmen eines Filmes.
    Es werden Themen wie medizinischer Forschungswille, leben mit einer Behinderung, Habgier und Erpressung angegangen und sinnvoll eingeflochten. Dazu präsentiert der Kameramann Robert De Grasse gruselige, höchst wirkungsvoll ausgeleuchtete Schwarzweißbilder. Die morbide Szenerie ist rundum gelungen, und man hat selbst an den Regen aus der Vorlage gedacht.

    DER LEICHENDIEB ist ein Paradebeispiel für einen Horrorfilm, der seine Geschichte, seine Figuren und sein Erscheinungsbild ernst nimmt. Meisterlich.

    (Bjoern Candidus)