Autor: marco-fritz

  • L’immoralità, 1978 – ★★★★½

    L’immoralità, 1978 – ★★★★½

    L‘IMMORALITA
    (Italien, 1978, Regie: Massimo Pirri)

    Federico, ein pädosexueller Triebmörder, der nach den Körpern und Leben kleiner Mädchen trachtet, ist auf der Flucht. Bei dieser wird er angeschossen, doch es gelingt ihm, in einem Wald zu entkommen. Völlig erschöpft trifft er auf die 11jährige Simona. Diese hat direkt ein Herz für den Verwundeten, der ihr erklärt, dass er auf der Flucht ist. Sie bringt ihn in ein verlassenes Haus auf dem weitläufigen Grundstück ihrer Eltern. Natürlich muss sie ihm versprechen, nichts von seiner Anwesenheit zu verraten, was Simona auch gar nicht vorhat. Mittlerweile bildet sich ein Mob aus Polizei und Bürgern, die die Gegend absuchen und auch Simons Eltern, bzw. ihrer Mutter ein Besuch abstatten. Erfolglos. Simona kümmert sich derweil um Federico. Sie gibt ihm Essen und Trinken und organisiert Pflegematerial für seine Schusswunde am Arm. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, spitzen sich die Eheprobleme zwischen Vera und ihrem reichen, aber schwer kranken Ehemann immer mehr zu. Sowohl die Beziehung zu ihm als auch zu ihrer Tochter ist völlig zerrüttet. Als Vera, ihre Mutter, das Geheimnis ihrer Tochter lüftet und auf Federico stößt, entwickelt sich eine höchst unheilige Dreiecksbeziehung.

    Wenn auf der Agenda von Regisseur Massimo Pirri (TERROR STREETS, 1977) stand, den Nerv des Zuschauers über 100 Minuten zu treffen, dann ist ihm das mit Bravour gelungen. Schon in den ersten Minuten wird ein vergewaltigtes und ermordetes Mädchen, dem das Höschen bis zu den Knöcheln gerutscht ist, in einem Loch verscharrt. Mit dem Wissen, um was für einen Mann es sich bei Federico handelt, wird es unangenehm, wenn er auch nur in die Nähe von Simona kommt. E droht völlig zu eskalieren, und spätestens ab dem Moment, wo sich die 11jährige Simona von Federico freiwillig begatten lässt, konnte ich meine Kinnlade nicht mehr schließen.

    Doch bei all dem Schmuddel, der hier aufgefahren wird, hat es Pirri geschafft, auch ein intensives, spannendes Beziehungsdrama aufzubauen, was vor allem durch die starke Besetzung gelingt. Lisa Gastoni (FEUERTANZ, 1966) geht als depressive, geldgeile, egoistische Frau, die sich im Grunde nur selbst hasst, voll auf. Mel Ferrer (DER ANTICHRIST, 1974) als ihr kranker Ehemann bleibt hingegen kalt und abgeklärt, was ebenfalls gelungen ist. Etwas zurückhaltender ist Howard Ross (DER NEW YORK RIPPER, 1982) als Federico. Über allem thront aber Karin Trentephol, die damals gerade mal 12 Jahre alt war. Es ist höchst erstaunlich, was sie für eine Präsenz hat. Sie ist dann auch die einzige Person, mit der man hier mit leidet. Für Trentephol war dies der erste und letzte Auftritt vor einer Kamera. Mich wundert das irgendwie nicht.

    Aber nicht nur inhaltlich wird hier aus den Vollen geschöpft, sondern auch handwerklich und visuell kann sich L‘IMMORALITA zeigen.
    Für die Kamera zeiget sich Riccardo Pallottini (MONDO CANNIBALE, 1972) verantwortlich, der hier eine sehr gute Fotografie an den Tag legte. Die sommerliche Atmosphäre in dem von der Natur dominierten Setting ist sehr gut und steht im Kontrast zum finsteren Inhalt. Nicht nur einmal musste ich an LIEBE UND TOD IM GARTEN DER GÖTTER (1972) denken, auch wenn der sich in eine ganz andere Richtung bewegt. Unterstrichen wird der Glanz der Bilder mit einem wunderschönen Score von Ennio Morricone.

    L‘IMMORALITA ist Italo-Kino pur. Grenzen werden zerschlagen; die Niederträchtigkeit des Menschen wird mal wieder auf den Punkt gebracht. Hass und Wut sind wohl die einzigen Emotion, die man den Protagonisten hier entgegenbringen kann, wenn da nicht die kleine Simona wäre, auf deren Schultern alle Last liegt. L‘IMMORALITA ist zutiefst garstig, schmutzig, niederschmetternd, und traurig. Meisterlich.

    (Bjoern Candidus)

  • Zipperface, 1992 – ★

    Zipperface, 1992 – ★

    ZIPPERFACE
    (USA, 1992, Regie: Mansour Pourmand)

    Im SM-Milieu von L.A. werden immer wieder Frauen getötet. Die Polizei tut ihr Bestes, um den Killer zu finden, vor allem die Polizistin Lisa Ryder, die sich sogar selbst als Lockvogel in Gefahr begibt.

    Es muss eine ganz sonderbare Sternenkonstellationen am Himmel gestanden haben, als Mansour Pourmand die Idee zu ZIPPERFACE hatte, und ich bin mir sicher, er hat es nur gut gemeint. Vielleicht hat jeder hier sein Bestes vor und hinter der Kamera gegeben. Was dabei allerdings herumkam, ist die C-Version von CRUISING (1980) jenseits von Gut und Böse. Schon in der ersten Szene fällt der Film ins Bodenlose. Man startet mit einem Polizei-Einsatz, bei dem es um eine Geiselnahme geht, die wohl von jedem Zehntklässler mit der Videokamera seins Vaters besser hätte inszeniert werden können. Schlechte Darsteller, die in eklige Rolle schlüpfen, eine überflüssige Liebesgeschichte, die die Zeit unspektakulär dehnt, stümperhafte Action und null Spannung erwartet einen in ZIPPERFACE. Hier liegt wirklich alles brach, was man sich vorstellen kann. Nichts funktioniert, und die Ernsthaftigkeit, mit der man versucht an die Sache zu gehen, macht es nur noch viel übler. Man versucht den Film nicht mal mit Gore zu retten. Es gibt eine Enthauptung und ein paar Tötungen, die alle nicht der Rede wert sind. Auch der Versuch, ein bisschen Softporno zu sein, scheitert kläglich, wie auch die billige Pseudo-SM-Nummer. Das Einzige, was mir im Ansatz gut gefallen hat, war das Industrie-/ Heizungskeller-Setting mit seinem blauen Licht, und im Grunde passt der Killer mit der Lederkluft ganz gut ins Bild. Immerhin spart man sich durch seine Ledermaske in ein weiteres dummes Gesicht blicken zu müssen.

    Im Dschungel der DTV-Produktionen der frühen 1990er-Jahre gehört ZIPPERFACE sicher zu einem der dümmlichsten Vertreter im Bereich des Serienmörder-Thrillers, der damals durch DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER (1991) ziemlich angesagt war.

    (Bjoern Candidus)

  • The Visitors, 1988 – ★★½

    The Visitors, 1988 – ★★½

    VISITORS
    (BESÖKARNA, Schweden, 1988, Regie: Jack Ersgard)

    Ein weiteres Mal zieht eine Familie von der Stadt in ein abgelegenes Haus auf dem Lande, was Ärger birgt. Der größte Unterschied bei dieser Produktion, die unter der Regie von Jack Ersgard (MANDROID, 1993) entstand, ist wohl das Herkunftsland: Schweden. Die Schweden haben bereits 1922 mit HEXEN (Regie: Benjamin Christensen) bewiesen, dass sie alptraumartige Bilder komponieren können. 1968 folgte Ingmar Bergmans düsteres Psycho-Drama DIE STUNDE DES WOLFS, und über die Jahrzehnte tauchten immer wieder Produktionen aus dem Horror- oder Mystery-Bereich auf, so wie VISITORS im Jahre 1988.

    Die Familie, die einem hier serviert wird, bestehend aus Vater Frank, Mutter Sara und den beiden Kindern Lotta und Peter. Kjell Bergqvist (Frank) und Lena Endre (Sara) sind nicht gerade sympathische Figuren, was es schwer macht, eine emotionale Bindung aufzubauen, und die beiden Kinder dienen eher als Dekoration. Streit und der berufliche Misserfolg von Frank drücken die Stimmung. Doch nicht nur mit der Beziehung stimmt etwas nicht, sondern auch mit dem Haus. Die Tapete fällt von den Wänden, Phantome sind am Fenster zu sehen… Alles deutet auf die tausendste Spukhausgeschichte hin, und wenn Frank einen Parapsychologen beauftragt, sein Haus zu untersuchen, natürlich zum Missfallen seiner Frau Sara, fühlt man sich erst mal bestätigt. Doch ganz so einfach ist es nicht.
    (Ab hier SPOILER!)
    Da durchaus übersinnliche Elemente vorhanden sind, die auf einen Geisterfilm hindeuten, ist VISITORS eher im Bereich des Dämonen- und Folk-Horrors angesiedelt. Das wird vor allem durch Symbole, mysteriöses Kunsthandwerk und Bildnissen zum Ausdruck gebracht, mit denen man im letzten Drittel konfrontiert wird.
    (SPOILER Ende!)

    Insgesamt bietet VISITORS keine großen Innovationen, ist frei von mitreißenden Figuren, liefert aber eine relativ dichte Atmosphäre, weist ein paar spannende Szenen auf und überrascht sogar gegen Ende etwas.

    (Bjoern Candidus)

  • The Phantom, 1996 – ★★½

    The Phantom, 1996 – ★★½

    DAS PHANTOM
    (THE PHANTOM, Australien, USA, 1996, Regie: Simon Wincer)

    Das Phantom muss den machtbesessenen Xander Drax aufhalten, denn der will die drei Totenschädel von Touganda zusammenführen, um unsterbliche Macht zu erlangen.

    Nach einer Einführung, die in kurzen Szenen die Vorgeschichte des Phantoms erzählt, wird es schön grün, denn wir sind mitten im Dschungel. Erinnerungen an das Abenteuerkino wie man es z.B. von der INDIANA JONES-Reihe her kennt, wird unweigerlich erweckt und recht schnell mit Auftauchen des Phantoms mit dem Superheldenkino ergänzt. Kein Wunder, hat doch Jeffrey Boam das Drehbuch geschrieben, wie auch für INDIANA JONES UND DER LETZTE KREUZZUG (1989). Hochhausschluchten wie bei Batman oder Spiderman weichen also erst mal Bäumen, Felsen und Hängebrücken. Visuell sieht das sehr ansprechend aus; man ist auf der Höhe seiner Zeit. Im weiteren Verlauf weicht das Dschungel-Setting dann doch der Stadt, was die Qualität nicht mindert. Der End-30er-Anstrich ist soweit gelungen. Formal gibt es also überhaupt nichts zu bemängeln. Weniger potent ist da die Besetzung, bzw. die Figurenzeichnung. Nicht dass Billy Zane als Phantom bzw. Kit Walker eine schlechte Figur abgeben würde, aber sein Charakter bleibt recht blass und letztlich auf der Strecke, was auch für alle anderen Darsteller wie z.B. Treat Williams, Catherine Zeta-Jones oder James Remar zutrifft. Immerhin glänzte Samantha Eggar kurz in einer Mini-Rolle. Etwas ausdruckslos ist der Score von David Newman.

    Nette Action, ordentliche Effekte, eine ansprechende Ausstattung und schöne Kulissen, die einen gewissen Kitsch-Charme mitbringen und ein Phantom, was, zumindest äußerlich, dem aus dem Comic entspricht, machen DAS PHANTOM zu einem kurzweiligen Trip in die Superheldenwelt der 30er-Jahre.

    (Bjoern Candidus)

  • Bloodmoon, 1990 – ★★

    Bloodmoon, 1990 – ★★

    RED MOON
    (BLOODMOON, Australien, 1990, Regie: Alec Mills)

    Dass es schnell tödlich enden kann, wenn man Sex im Schoße von Mutter Natur hat, sollte allgemein bekannt sein, doch immer wieder vergessen Menschen das und werden dann von irren Killern dahin gemeuchelt. Nicht anders verhält es sich in diesem Pensionat-Slasher aus Down Under.

    Alec Mills hat bei diesem australischen Slasher leider kein wirklich glückliches Händchen bewiesen. Das Setting und die Atmosphäre ist definitiv das, was hier noch am ehesten aufgeht. Die Sonne, das Meer, der Strand… Zutaten für einen Sommer-Slasher wie z.B. NIGHTMARE BEACH (1988) sind erfrischend, halten sich aber nicht lange. Gemordet wird dann mittels Stacheldraht im Wald hinter dem Pensionat. Die zweite Hälfte ist düsterer und etwas spannender inszeniert, doch wirkliche Schauwerte sind nicht auszumachen. Dazu hat der Film auch zu viel Leerlauf mit langweiligem Gequatsche von ausladenden Figuren, die ihren Kollegen aus dem US-Kino in nichts nachstehen.
    Brian May zeigt sich für den Score verantwortlich und hatte für den Opener scheinbar den Score von NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) zum Vorbild. Anfänglich kann der Score durchaus überzeugen, was er aber nicht lang durchhält. Interessant ist der Killer, der immerhin etwas aus dem sonst üblichen Rahmen fällt, da es sich hier mal nicht um einen Hüne mit Maske handelt, sondern eher um eine Mischung aus Jean Rollin und Paul Naschy. Die Mischung aus 08/15-80er-Slasher und Giallo ist mit Jahrgang 1990 viel zu spät dabei, um sich damals bei einem Publikum durchsetzen zu können. Das dürfte auch erklären, warum der Film verhältnismäßig unbekannt geblieben ist.

    Insgesamt kann BLOODMOON nicht gerade überzeugen. Handwerklich geht er klar, inhaltlich gibt es nichts Neues zu bieten.

    (Bjoern Candidus)

  • Eerie Tales, 1919 – ★★★★

    Eerie Tales, 1919 – ★★★★

    UNHEIMLICHE GESCHICHTEN
    (Deutschland, 1919, Regie: Richard Oswald)

    Richard Oswalds UNHEIMLICHE GESCHICHTEN (alternativ: GRAUSIGE NÄCHTE) gilt als erster Grusel- oder Phantastischer Film in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. In diesem Stummfilm warten fünf schaurige Episoden und eine Rahmenhandlung auf den Zuschauer, die zu keiner Sekunde steif oder langweilig erscheinen, ganz im Gegenteil. Die Ausstattung von Julius Hahlo sorgt auf kleinem Grund für große Wirkung. Hier ist überall sehr viel Liebe fürs Unheimliche zu spüren. Oswald geht mit einem ordentlichen Tempo an die Sache, hält sich nicht lange auf, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche der jeweiligen Geschichten. Außerdem reduziert sich Oswald auf nur drei Hauptdarsteller: Anita Berber, Reinhold Schünzel und den einzigartigen Conrad Veidt. Sie tauchen sowohl in der Rahmenhandlung als auch in den jeweiligen Episoden auf.

    In einem Antiquariat werden die Portraits, die den Teufel (Schünzel), den Tod (Veidt) und eine Dirne (Berber) darstellen, lebendig und entsteigen ihren Rahmen. Sie machen sich über die Bücher her und lesen sich Gruselgeschichten vor.

    „Die Erscheinung“ basiert auf Anselma Heine. Hier wird eine Frau von ihrem Ex-Mann verfolgt. Als sie mit einem neuen Freund in einem Hotel eincheckt, verschwindet sie plötzlich. Bis auf ihren neuen Freund will die Frau niemand gesehen haben. Robert Liebmann liefert mit „Die Hand“ eine Geschichte über zwei Männer, die um eine Dame buhlen. Ein Würfelspiel soll entscheiden, wer die Dame gewinnt. Doch dann erwürgt der Verlierer den Gewinner. Aber manchmal kehren die Toten wieder… Populär wird es mit Edgar Allan Poes Klassiker „Die schwarze Katze“. Hier ermordet ein Mann seine Frau, die ihn belogen und betrogen hat. Um die Leiche zu verstecken, mauert er sie ein, leider auch die Katze, was ihm zum Verhängnis wird. Aus der Feder von Robert Louis Stevenson stammt die Geschichte „Der Selbstmörderklub“, in der sich eine geheime Männergesellschaft trifft, die sich nach und nach das Leben nehmen will. Ein Polizeidetektiv schleicht sich ein, um die Machenschaften des Klubs aufzudecken. Die letzte Geschichte, „Der Spuk“, stammt von Oswald selbst und handelt von einem eifersüchtigen Baron, der den neuen Liebhaber seiner Ehefrau mittels inszenierten Spuks vertreiben will, natürlich nicht, ohne auch seiner Liebsten einen Schrecken einzujagen.

    Natürlich findet das Ganze einen passenden Abschluss, den UNHEIMLICHE GESCHICHTEN zu einer Runden Sache macht. Abgesehen von der letzten Episode, „Der Spuk“, die mir mit ihrer komödiantischen Art zu aufgesetzt war und den finsteren Ton der Vorgänger vermissen lässt, bekommt man hier phantastisches Schauerkino mit tollen Schauspielern geboten, was auch nach 105 Jahren wirksam ist. Ein wichtiges Relikt des deutschen Horrorkinos.

    (Bjoern Candidus)

  • Touch of Death, 1988 – ★★

    Touch of Death, 1988 – ★★

    WHEN ALICE BROKE THE MIRROR
    (QUANDO ALICE RUPPE LO SPECCHIO, Italien, 1988, Regie: Lucio Fulci)

    Lester Parson ist ein spielsüchtiger Irrer, der, wenn er nicht auf Pferde setzt, Witwen anbaggert, um an ihr Geld zu kommen. Besondres Frauen mit äußerlichen Makel stehen auf seiner Liste des Hasses. Möglicherweise fällt es ihm leichter diese zu töten, denn das macht er, und zwar auf äußerst widerliche Art. Aber die Polizei ist bereits auf einer heißen Spur.

    Bis zu den frühen 1980er-Jahren war Lucio Fulci immer eine sichere Bank für handwerklich gut gemachte Filme in sämtlichen Genres. Mit AMULETT DES BÖSEN (1982) und CONQUEST (1983) setzten bereits leichte Ermüdungserscheinungen ein, wobei sich beide Filme noch mit einer dichten Atmosphäre schmücken, und genau daran mangelt es bei WHEN ALICE BROKE THE MIRROR. Visuell ist der Film so attraktiv wie weiße Feinrippunterwäsche oder wie die Warzen-, Damenbart und Hasenscharten-Frauen, die hier aufgefahren werden. Das Make-up stimmt, aber der Film ist sehr holprig und langweilig inszeniert, selbst für den späten Fulci. Das Budget war gering und ist vermutlich in erster Linie in die extrem brutalen und blutigen Spezialeffekte geflossen. Denn wenn sich Fulci hier mit einer Sache brüsten kann, dann mit ausufernder Gewalt. Das Blut spritzt gewaltig, wenn Lester Parson z.B. eine Dame mit einer Kettensäge zerteilt, bevor er die Reste an Schweine verfüttert. Richtig fies wird es, wenn er den Kopf einer Dame in einen Heißluftofen drückt, bis das Gesicht langsam zerläuft. Die Effekte sehen nicht immer gut aus, sind aber wirksam, um den Gore-Freund zu befriedigen, denn mehr wollte Fulci hier vermutlich nicht. Niedere Instinkte mit wenig Geld befriedigen. Völlig legitim, und in diesem Punkt hält das Produkt was es verspricht. Neben der lustlosen Grundstimmung und der öden Fotografie ist der ständig wiederkehrende Walzer (?) eine Belästigung gewesen. Auch das Aussparen jeglicher Spannung ist nicht gerade förderlich für das Gesamtbild. Zudem hat man mit Brett Halsey (DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE, 1959) jemanden, der sich nicht gerade mit Charisma bekleidet, zumindest hier nicht. Das gleiche Problem gilt auch für Al Cliver (ENDGAME, 1983) und Zora Kerova (DIE RACHE DER KANNIBALEN, 1981).

    Wer sich den Tag mal wieder mit äußerst derben Tötungsorgien ohne Charme versüßen will, ist hier richtig. Wer aber einen starken Film von Lucio Fulci sehen möchte, ist hier nicht richtig.

    (Bjoern Candidus)

  • The Feast of Satan, 1971 – ★½

    The Feast of Satan, 1971 – ★½

    TANZ DES SATANS
    (LAS AMANTES DEL DIABOLO, Italien, Spanien, 1971, Regie: José Maria Elorrieta)

    Hilda (Krista Nell) ist auf der Suche nach ihrer Schwester Maria (Verónica Luján), die spurlos verschwunden ist. Als sie plötzlich auftaucht, scheint sie um Jahre gealtert. Maria bekommt einen hysterischen Anfall und bricht zusammen. Als sie wieder verschwindet, ermittelt Hilda parallel zur Polizei, was sie zu einem Schloss führt.

    Der spanische Regisseur José Maria Elorrieta (HORRORTRIP, 1972) hat hier einen klebrigen Okkult-Sekten-Horrorfilm mit sedierender Wirkung gezimmert.
    Die Inszenierung ist holprig fotografiert, man sieht stets, dass hier kein großes Budget im Spiel war. Das mediterrane Setting von Spanien und der Gothic-Horror Anstrich mit Betreten des Schlosses, gleicht einiges aus, täuscht aber nicht über die Sauerstoffarmut hinweg, die hier leider dominiert. Ständig kommt es zu langweiligen Unterhaltungen, wenn es von der einen Bar zur nächsten geht. Dazu wird man immer wieder von einem nervigen Score von Carlo Savina gequält. Immerhin ist der so abwechslungsreich, dass man zwischendurch etwas aufatmen kann.

    Schmierige Kerle und hysterische Frauen mal nackt, mal angezogen, okkulter Hokuspokus, ein paar Tropfen Blut und nicht mehr als eine Messerspitze Spannung bietet TANZ DES SATANS. Immerhin, denn manche bieten noch weniger.

    (Bjoern Candidus)

  • Emanuelle and Françoise, 1975 – ★★★½

    Emanuelle and Françoise, 1975 – ★★★½

    FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT
    (EMANUELLE E FRANÇOISE LE SORELLINE, Italien, 1975, Regie: Joe D‘Amato)

    Carlo ist die Definition von einem Arschloch. Er nutzt Frauen aus, betrügt, verkauft und vergewaltigt sie. Françoise treibt er sogar in den Selbstmord, was ihre Schwester Emanuelle zum Anlass nimmt, sich an Carlo zu rächen. Sie schmiedet einen teuflischen Plan, um ihn physisch und psychisch zu vernichten.

    Aristide Mascacesi alias Joe D‘Amato und Bruno Mattei als Co-Autor haben hier einen äußerst garstigen Rape-and-Revenge-Thriller gezimmert, der durchaus beachtenswert ist. D‘Amato fährt hier alles auf, was seine kommenden Werke prägen wird: Sex, Gewalt und Provokation.

    Bevor hier die Rache der Frau zu tragen kommt, wird man durch die chauvinistische Männerwelt von Carlo geführt, damit man als Zuschauer mittels Holzhammer Wut auf den Täter bekommt, der dann plötzlich die Rolle des Opfers einnimmt. Widerliche Kerle bestimmen also das Geschehen, und mit George Eastman als Carlo ist eine wahre Naturgewalt an Bord. Eastman, der hier mal ohne Bart auftritt, stiehlt natürlich jedem die Show, auch wenn er ab dem Zeitpunkt seiner Gefangennahme kleinlaut wird. Dann gibt Rosemarie Lindt als Emanuelle den Takt an und findet großen Gefallen daran, Carlo zu erniedrigen und zu foltern. Dadurch, dass sie ihm eine Drogen gibt, die ihn zum halluzinieren bringt, bietet sich D‘Amato die Möglichkeit, aus den Vollen zu schöpfen und tischt eine ziemlich eklige Kannibalen-Szene auf. Die Inszenierung ist manchmal etwas zäh geraten, und wer generell ein Problem mit Nacktheit und Sex-Szenen in Filmen hat, sollte hier einen Bogen drum machen. Aber wer würde dann schon bei D‘Amato einschalten?

    FOLTERGARTEN DER SINNLICHKEIT ist Schmierkino der besten Sorte. Miese Typen, nackte Frauen, Rachengel, Sex, Blut und Gedärme sind einem in diesem Rape-and-Revenge-Drama gewiss.
    Zudem ist die Story gar nicht mal schlecht, und Rosemarie Lindt als Emanuelle hegt einen durchaus perfiden Plan, der den Film ab der zweiten Hälfte richtig in Fahrt bringt. Für mich einer der besten Filme von Joe D‘Amato.

    (Bjoern Candidus)

  • Devil Times Five, 1974 – ★★

    Devil Times Five, 1974 – ★★

    KLEINE TEUFEL
    (DEVIL TIMES FIVE, USA, 1974, Regie: Sean MacGregor)

    Bei einem Autounfall mit einem VW-Bus sterben die Fahrer. Die fünf Kinder überleben und suchen Hilfe in der eingeschneiten Pampa irgendwo in den Wäldern von Kalifornien. Sie stoßen auf ein Haus, was von einem reichen Widerling, der mit seiner Frau, seiner Tochter und ein paar anderen Unsympathen zusammenwohnt. Sogar ein persönlichen Haustrottel, der alles macht, ist am Start. Schnell wird klar, dass nicht nur die Erwachsenen moralisch verdorben sind, sondern auch die Kinder, die die Anzahl der Erwachsenen nach und nach reduziert.

    Sean MacGregors Böse-Kinder-Horrorfilm ist ein typisches Relikt der 1970er-Jahre. Sexgesteuerte Erwachsene, blutige Morde im Hinterland und böse Kinder, dazu gesellt sich ein passender Score von William Loose. Schön ist auch das Winter-Setting und das umfangreiche Haus des Oberzampanos. Leider fährt MacGregor aber auch viel Geschwätzigkeit auf und bietet eine ellenlange Zeitlupen-Tötungs-Szenen in Sepia, die er gerne auf die Hälfte hätte reduzieren können.
    Problematisch wird es bei den Figuren, denn die verhalten sich im Grunde alle wie Arschlöcher, was manchen allerdings auch gut zu Gesicht steht. Mit am Start sind hier Gene Evans, den ich aus DONOVANS HIRN (1953) kenne, Joan McCall (GRIZZLY, 1976) und viele andere, die mir weniger bekannt waren.

    KLEINE TEUFEL hat zähe Momente, bietet wenige bis keine Identifikationsfiguren, aber wusste mich durch sein 70er-Jahre-Feeling und seine durchaus garstigen Momente zu unterhalten.

    (Bjoern Candidus)