Autor: marco-fritz

  • The Long Hair of Death, 1964 – ★★★½

    The Long Hair of Death, 1964 – ★★★½

    THE LONG HAIR OF DEATH
    (I LUNGHI CAPELLI DELLA MORTE, Italien, 1965, Regie: Antonio Margheriti)

    Adele Karnstein wird zu Unrecht beschuldigt, Franz Humboldt getötet zu haben. Sein Bruder Kurt, der Baron Humboldt, setzt alles daran, dass Adele ihre Strafe erhält, und die besteht aus der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen, die ihre Tochter Lisabeth mit ansehen muss. Bevor Adele von den Flammen verschlungen wird, stößt sie einen Fluch aus, der die Familie Humboldt und die Nachfahren treffen soll. Adele Kansteins ältere Tochter Helen, die von einem anderen Mann gezeugt wurde und seit ihrer Geburt versteckt in der Burg der Humboldts lebt, wird von dem alten Grafen Humboldt persönlich getötet. Jahre später zeigt Kurt Humboldt das Interesse an Lisabeth Karnstein, was allerdings nicht auf Gegenseitigkeit basiert. Doch die Hilfe lässt nicht lange auf sich warten, denn der Fluch, den die Humboldts treffen soll, steht bereits auf der Schwelle.

    Antonio Margheriti legte hier nach DAS SCHLOSS DES GRAUENS (1963) und CASTLE OF BLOOD (1964) seinen dritten Gothic-Horrorfilm vor. In dichten Schwarzweißbildern geht es ins ausgehende 15. Jahrhundert. Das Burg-Setting (on Location, wie auch im Studio) ist ausgezeichnet, ebenso die Kostüme und der gesamte Rest, der einem hier begegnet. Die Pest, Scheiterhaufen, Kerker, Kerzenlicht, Blitz und Donner, Regen und Sturm sorgen für eine kontinuierliche Gruselatmosphäre im Rahmen einer Geschichte voller zweifelhafter Liebe, Verstrickungen, Intrigen, Lügen und Mord. Schön morbid ist ein Skelett, was zu atmen scheint und natürlich die Wiedergeburt von Barbara Steeles Figur. Mit Frau Steele ist man immer gut beraten, und seit Mario Bavas Gothic-Horror-Meisterstück DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960) nicht mehr aus dem Genre wegzudenken. In weiteren Rollen sind George Ardisson (VAMPIRE GEGEN HERAKLES, 1961) als Baron Kurt, Halina Zalewska (EIN ENGEL FÜR DEN TEUFEL, 1966) als Lisabeth, Umberto Raho (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970) als Priester und Nello Pazzafini (DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE, 1967) als Handlanger des Barons zu sehen. Abgerundet wird das düstere Geflecht mit einem Score von Carlo Rustichelli.

    THE LONG HAIR OF DEATH ist ein spannender, stark inszenierter Gothic-Horrorfilm, der nie zäh oder langweilig ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Legend of the Werewolf, 1975 – ★★

    Legend of the Werewolf, 1975 – ★★

    DIE LEGENDE VOM WERWOLF
    (LEGEND OF THE WEREWOLF, GB, 1975, Regie: Freddie Francis)

    Ein Kind wird von Wölfen großgezogen und gerät in die Fänge des Wanderzirkus von Maestro Pamponi. Als Etoile erwachsen wird, arbeitet er in einem Pariser Zoo, wo er nicht nur die Liebe für eine Frau entdeckt, sondern auch seine haarige Seite. In Vollmondnächten verwandelt er sich in einen Werwolf.

    Als Kameramann hoch angesehen, als Regisseur im Horror- und Thriller-Metier geschätzt, serviert Freddie Francis hier einen Werwolf-Horrorfilm. 

    Beim Werwolf-Design hat man sich offensichtlich an DER FLUCH VON SINESTRO (1961) orientiert, also keine schlechte Idee. Da die Hammer-Studios die Werwolf-Thematik sowieso nur einmal anrührten, ist es lobenswert, dass sich Tyburn (das Studio von Kevin Francis, dem Sohn von Freddie) dieser noch mal annahm. Dennoch ist ein etwas sauerstoffarm inszenierter Horrorfilm dabei entstanden, der sich aber durch sein solides Handwerk und der passenden Besetzung mit Peter Cushing (stets verlässlich), Hugh Griffith, Ron Moody, Roy Castle und David Rintoul über Wasser halten kann. Die Dorf-Sets und die Ausstattung sind charmant und sorgen für die nötige Atmosphäre. 
    Auch die Verknüpfung der Wolfsjungen- und Werwolf-Thematik weiß zu gefallen. 
    Um ein bisschen mehr Drama einzubauen gibt es noch eine Liebesgeschichte. 

    Trotz solider Arbeit in eigentlich allen Bereichen konnte mich DIE LEGENDE VOM WERWOLF nicht so richtig mitreißen. Freunde des britischen Horror-Kinos sollten trotzdem einen Blick riskieren.

    (Bjoern Candidus)

  • Leprechaun Returns, 2018 – ★★½

    Leprechaun Returns, 2018 – ★★½

    LEPRECHAUN RETURNS
    (USA, 2018, Regie: Steven Konstanski)

    Der irische Kobold ist zurück, und er sucht weiterhin sein Gold. Dieses kam ihm nämlich im 1993 entstandenen LEPRECHAUN abhanden. Und so kommt es, dass LEPRECHAUN RETURNS dort ansetzt, wo der erste Teil des bisher achtteiligen Franchise aufhörte, nur dass inhaltlich 25 Jahre dazwischen liegen.

    In der Zwischenzeit ist Tory, die damals von Jennifer Aniston dargestellt wurde, an Krebs gestorben. Nachdem sie einst mit Nathan, Alex und Ozzie den Leprechaun vernichtet und in einen Brunnen verbrannt haben, wurde sie schwanger. Und nun reist ihre Tochter Lila zum Ort des Geschehens, wo eine Studentenverbindung gerade das Haus nach ökologischen und klimafreundlichen Aspekten umstrukturieren will. Lila, die im Gegenteil zu ihren unterirdischen Freundinnen, etwas mehr Hirn in der Bude hat, wird schnell klar, dass sie hier nicht willkommen ist. Dann stößt ein weiterer Bekannter zur Story: Ozzie, der wieder von Mark Holton dargestellt wird. Immer noch mit gehörigen Respekt im Gepäck nähert er sich dem Brunnen. Und so kommt es, wie es kommen muss: grüner Schleim spritzt aus dem Brunnen, trifft Ozzie im Gesicht und ebnet dem Leprechaun den Weg zu seiner Wiedergeburt.

    Regie führte hier Steven Konstanski, der gemeinsam mit Jeremy Gillespie den wuchtigen THE VOID (2016) kredenzte. Weniger beeindrucken, ja, regelrecht nerven, sollte mich sein PSYCHO GOREMAN (2020). Egal. LEPRECHAUN RETURNS trifft im Grunde die Mitte zwischen den beiden genannten Filmen.
    Was mir hier besonders gefallen hat war der Look. Man könnte wirklich meinen, der Film sei kurz nach dem Erstling erschienen, und nur der minimale Einsatz von CGI verrät eine andere Zeit. Und da wäre auch schon der nächste positive Aspekt, denn der Film liefert schöne praktische Effekte und lässt echtes Kunstblut spritzen. Freunde von Fun-Splatter werden zwar nicht überschwemmt, dennoch liefert der Film in diesem Bereich mehr als die Vorgänger. Natürlich tritt der Film auch auf das Spaß-Pedal, zumindest versucht er es. In diesem Punkten überzeugt LEPRECHAUN RETURNS so halbgar wie die vielen anderen Teile der Reihe. Der ein oder andere Spruch von unserem Leprechaun ist ganz nett, aber damit kann sich der Film nicht profilieren. Im Übrigen ist Warwick Davis hier nicht mehr als Kobold am Start. Sein Erbe tritt Linden Porco an, was er gut gemacht hat. Das Design wurde leicht verändert, hat mir aber trotzdem gut gefallen. Kommen ich nun zum Kanonenfutter. Die bereits erwähnte Lila wird dargestellt von Taylor Spreitler, die im Gegensatz zum Rest der Studentenbande, sympathisch ist. Die sagte mir aber genau so wenig etwas wie Pepi Sonuga, Sai Bennett und der Rest vom austauschbaren Schützenfest.

    LEPRECHAUN RETURNS ist ein visuell ordentlich gemachter Kobold-Slasher mit schöner Ausstattung, ansehnlichen Effekten und einer gehörigen Spur 90er-Jahre-Retro-Charme. Kein Überflieger, aber eines der besseren Horrorfilm-Reboots der letzten Jahre.

    (Bjoern Candidus)

  • Death Carries a Cane, 1973 – ★★★

    Death Carries a Cane, 1973 – ★★★

    DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE
    (PASSI DI DANZA SU UNA LAMA DI RASOIO, Italien, Spanien, 1973, Regie: Maurizio Pradeaux)

    Katja beobachtet auf einer Aussichtsplattform über ein Fernrohr einen Mord an einer jungen Frau, die sich in ihrer Wohnung befindet. Leider kann sie weder das Gesicht des Täters erkennen noch bestimmen, welche Wohnung es genau war. Ihr Freund Alberto rät ihr ab, zur Polizei zu gehen, doch sie entscheidet sich dagegen und meldet den Vorfall. Erst als man die Leiche einer Tänzerin findet, glaubt man Katja. Als schließlich weitere Morde an jungen Frauen verübt werden, gerät sogar Katjas Freund Alberto ins Visier der Polizei. Um seine Unschuld zu beweisen, ermitteln die beiden in eigener Hand.

    Ein Mord wird beobachtet. Der Killer Trägt einen schwarzen Mantel, dazu Hut und Handschuhe. Die Waffe: ein Rasiermesser. Dem Zeugen wird nicht geglaubt, Menschen werden verdächtigt, Menschen werden verfolgt….

    Regisseur Maurizio Pradeaux, der drei Jahr zuvor mit Klaus Kinski GEHEIMCODE LEOPARD auf Zelluloid bannte, bedient sich bei Bava, Martino und ganz besonders bei Argento und liefert alles, was das Giallo-Herz begehrt. Die Nähe zu DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (1970) ist nicht zu übersehen, weder inhaltlich noch visuell. Aber Pradeaux ist kein Argento, und so ist die Kunstfertigkeit in einer anderen Klasse angesiedelt. Dennoch gibt er sich wirklich Mühe, einen ordentlichen Thriller abzuliefern. Es gibt einige nette Kamerafahrten, teilweise aus der POV, die die Mord-Szenen, samt dem Score von Roberto Pregadio, mit Spannung versorgen. Zudem zeigt sich der Film dreckig, hält sich gerne in der Nacht auf und liefert abwechslungsreichen Sets; vor allem das Gewächshaus im Finale hat seine Reize. Reize versprühen, aber auch die Damen und Herren, die hier verwickelt sind, allen voran die wunderschöne Nieves Navarro alias Susan Scott, die in die Rolle von Katja schlüpft, während der eher monotone Robert Hoffmann ihren Freund Alberto spielt. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit Simón Andreu, Sal Borgese und ganz kurz im Bilde: Luciano Rossi.

    DIE NACHT DER ROLLENDEN KÖPFE ist kein Überflieger, aber ein atmosphärischer, teils recht derber Giallo zweiter Klasse, der wenig vermissen lässt.

    (Bjoern Candidus)

  • The Vineyard, 1989 – ★½

    The Vineyard, 1989 – ★½

    THE VINEYARD
    (USA, 1989, Regie: James Hong, William Rice)

    Der exzentrische und sich dem Okkulten hingebende Dr. Elson Po strebt das ewige Leben an. Um dies zu erlangen, muss er einem Dämonen Menschenleben opfern. Der Winzer Po macht Wein aus den Opfern und erlangt so Lebensenergie und Schönheit zurück. Um an seine Opfer zu kommen, veranstaltet er Partys oder lockt junge Menschen an mit dem Vorhaben, einen Film zu drehen.

    Der umtriebige James Hong, der mit über 450 Filmauftritten die Messlatte ziemlich hochlegt, hat hier gemeinsam mit William Rice Regie geführt und es sich nicht nehmen lassen, selbst in die Rolle von Dr. Elson Po zu schlüpfen. Keine schlechte Sache, da die Figur so comicartig angelegt wurde, dass Hong sie durch sein Schauspiel perfekt ausfüllt. Eine Ernsthaftigkeit kann in der Inszenierung nicht verloren gehen, da die von Anfang an nicht vorhanden ist. Lustig ist der ganze Brei allerdings auch nicht. Man befindet sich irgendwo dazwischen, und genau das ist das Problem von THE VINEYARD, wie ich finde. Dass das Thema „Ewige Jugend“ nun wahrlich nichts Neues ist, dürfte klar sein; es geht immer nur um Variationen. Inhaltlich will ich hier also gar nicht mäkeln. Alles ist billig, kitschig, aber der B-Charme macht Spaß und erinnert ein bisschen an Full Moon – Produktionen, besonders das Set und die Ausstattung. Auch die Latex-Masken und die wenigen Gore-Effekte können sich zeigen. Nichts ist wirklich gut, aber immerhin brauchbar. Was wirklich stört sind die dummen Figuren, die zur Opferung dienen. Nicht, dass solche Figuren im Genre ungewöhnlich wären, aber hier sammeln sie sich geradezu und schaden dem ohnehin nicht gerade spannend inszenierten Film zusätzlich. An reichlich dumme Sprüche und Soft-Sex-Einlagen wurde natürlich auch gedacht.

    Ein bisschen Blut, ein paar Monstermasken, ein Hauch Atmosphäre, aber viele nervige, unlustige Figuren und langweilige Abschnitte machen THE VINEYARD zu einem wenig attraktiven Horrorfilm.

    (Bjoern Candidus)

  • The Stranger and the Gunfighter, 1974 – ★★★

    The Stranger and the Gunfighter, 1974 – ★★★

    IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER
    (LÀ DOVE NON BATTE IL SOLE, Italien, Spanien, Hongkong, USA, 1975, Regie: Antonio Margheriti)

    Dakota sprengt den Tresor des chinesischen Bankiers Wong auf. Bei der Explosion kommt Wong versehentlich ums Leben. Doch mehr als ein paar lumpige Dollar und vier Fotos gibt der Tresor nicht her. Statt Reichtum wartet nun der Galgen auf ihn. Zur gleichen Zeit wird in China Wang Ho, der Neffe von Wong, darüber informiert das sein Onkel gestorben sei, der in Amerika das Vermögen eines chinesischen Machthabers angelegt hat, um es zu vermehren. Um sein Leben und die Ehre, der Familie zu retten, muss er nach Kalifornien reisen, um vier Damen zu finden, auf deren Hintern die Buchstaben tätowiert sind, die zu dem eigentlichen Schatz führen. Wie die Damen aussehen, verraten ihm die Fotos, die sich in den Händen von Dakota befinden, der im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet.

    Was Luigi Vanzi bereits 1968 mit DER SCHRECKEN VON KUNG FU konnte, konnte auch Antonio Margheriti: westliches Kino mit fernöstlichem zu kombinieren, auch wenn das 1975 eben nicht mehr erfrischend neu war, schon gar nicht der Italowestern, der dort im Grunde schon verpufft war. Egal! Man holte sich den chinesischen Produzenten Run Run Shaw ins Haus, um einen Eastern-Spaghetti-Western zu zimmern.

    Nach der Tresor-Sprengung, in der der wunderbare Lee van Cleef als Dakota noch nicht weiß, welches Abenteuer auf ihn wartet, macht der Film einen Abstecher nach China, was in einem Western natürlich erst mal ein krasser Kontrast ist. Die karge Wüste wechselt mit einer bergigen, begrünten Naturkulisse umgeben von Wasser, bevor es zum Zusammentreffen zweier Kulturen kommt. Auch wenn Lee van Cleef hier schon etwas ins Rosten geraten ist, macht er als Dakota immer noch eine gute Figur und glänzt mit flotten Sprüchen, zu der Lieh Lo als fideler Wang Ho einen erfrischenden Kontrast darstellt. Eine ziemlich unangenehme Aura bringt hingegen Julian Ugarte (DIE VAMPIRE DES DR. DRACULA, 1968) als mörderischer Wanderprediger Yancey Hobbitt mit. Unter den Damen befinden sich u.a. Patty Shepard (NACHT DER VAMPIRE, 1971) und Erika Blanc (DIE GROTTE DER VERGESSENEN LEICHEN, 1971). Die hochwertige Ausstattung, die tolle Westernstadt-Kulisse und die schönen Aufnahmen der Natur werten Margheritis Film ungemein auf. Zudem drückt der Italiener ganz schön auf das Gaspedal und serviert viel Action. Obwohl IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER durchaus komödiantische Züge besitzt, ist er auch nicht frei von Folter und Mord. Doch alles bewegt sich im Rahmen, leider auch etwas die Spannung, und wer ausgedehnte Kung Fu – Kämpfe erwartet, wird vermutlich etwas enttäuscht. Carlo Savina liefert einen soliden, aber recht ausdruckslosen Score.

    IN MEINER WUT WIEG‘ ICH VIER ZENTNER ist ein kleines, eigenwilliges Energiebündel, dem man kleine Schwächen gerne verzeiht. Auch wenn hier niemand Bäume ausreist, mangelt es nicht an Unterhaltung, und die Story ist ebenfalls amüsant.

    (Bjoern Candidus)

  • Five Bloody Graves, 1969 – ★★★

    Five Bloody Graves, 1969 – ★★★

    5 BLUTIGE GRÄBER
    (FIVE BLOODY GRAVES, USA, 1969, Al Adamson)

    Ben Thompson will Rache nehmen und Santago, einen Yaqui-Indianer, töten, der seine Frau ermordet hat. Es kommt zu blutigen Konflikten, bei denen auch Bens Gefährten gefordert werden, die er auf seinem Rachefeldzug kennenlernt.

    Bevor verrückte Wissenschaftler, Biker und Vampire aus dem Hause von Al Adamson ins Kino geliefert wurden, durften bereits Cowboys und Indianer aufmarschieren, wenn auch mit Verspätung. Der Film wurde schon 1966 gedreht, aber erst 1969 veröffentlicht.

    Die simple Rache-Geschichte mit reingemengtem Liebesdrama (ohne spürbaren Tiefgang) ist zu verzeihen. Es braucht nicht zwangsläufig Inhalt, wenn die Form stimmt. Auf visueller Ebene wird hier richtig was geliefert. Kameramann Vilmos Zsigmond (DIE UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER 3. ART, 1977 / DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN, 1978) hat sehr eindrücklich die wunderschöne Felslandschaft von Utha eingefangen, die der wahre Star des Films ist und die Stimmung hebt. Die Figuren hinterlassen hingegen nicht den größten Eindruck, vor allem Robert Dix als von Rache getriebener Ben Thompson bleibt steif und uninteressant. Eigentlich schade, weil er hier als Story- und Drehbuchautor fungierte, zudem als Ko-Produzent. Nicht viel interessanter sind auch Scott Bradley, Jim Davis oder die Damen Paula Raymond und Darlene Lucht. Eine ziemlich gute Figur macht hingegen John Carradine als Priester Boone Hawkins, der auch mörderisch zur Tat schreitet, wenn es nötig ist. Den eindrucksvollsten Part hat John ‚Bud‘ Cardos, der Regisseur von MÖRDERSPINNEN (1977), als Häuptling Santago. Er ist auch der ausführende Produzent des Films. Nicht zu vergessen: die Stimme vom Tod, die man am Anfang und Ende hört und im Original von Gene Raymond gesprochen wurde. Eine schöne Idee. Der Tod ist jedenfalls allgegenwärtig; es wird viel gestorben. Kugeln und Pfeile fliegen durch die Luft, und Adamson nimmt sich nicht zurück in Sachen Gewalt gegen Frauen. Der Score ist eine wilde, nicht immer passende Mischung aus Psychedelic-Rock, Big Band und klassischen Spannungsmotiven, die vermutlich einem Archiv entnommen wurde.

    5 BLUTIGE GRÄBER ist ein kurzweiliger, teils grober B-Western vor einer umwerfenden Naturkulisse, die den Mangel an spannenden Figuren gut kaschiert.

    (Bjoern Candidus)

  • Jack the Giant Killer, 1962 – ★★★½

    Jack the Giant Killer, 1962 – ★★★½

    DER HERRSCHER VON CORNWALL
    (JACK THE GIGANT KILLER, USA, 1962, Regie: Nathan Juran)

    Um die schöne Prinzessin Elaine aus den Händen des teuflischen Zauberers Pendragon zu befreien, begibt sich Jack und seine Gefährten auf eine gefährliche Reise. Sie müssen sich zahlreichen monströsen Gefahren stellen, um sich zur Insel von Pendragon durchzuschlagen.

    Produziert wurde DER HERRSCHER VON CORNWALL von Edward Small und Robert E. Kent, die sich wenig später für die beiden Vincent Price – Horrorfilme DER MASSENMÖRDER VON LONDON (1962) und TAGEBUCH EINES MÖRDERS, (1963) verantwortlich zeigten. Regisseur Nathan Juran (DIE BESTIE AUS DEM WELTENRAUM, 1957) war eine gute Wahl von Edward Small, um von der Sindbad-Erfolgswelle zu profitieren. Juran zeigte sich für SINDBADS SIEBENTE REISE (1958) verantwortlich, ein Film, den Small einst ablehnte zu realisieren. Auch wenn die zugrundeliegende Figur Jack, der Riesentöter vom Seefahrer abweicht, ist die inhaltliche Nähe zu dem Sindbad-Film so groß, dass Columbia Pictures den Film erfolgreich aus dem Kinos heraus klagte. Ein Jahr später kam er dann als Musical-Version zurück, doch um die soll es nicht gehen.

    Juran stößt einen von der ersten Minute an in eine Wunderwelt mit prächtigen Farben und hübschen, detailreichen Kulissen, die keine Langeweile aufkommen lassen. Die Ausstattung ist liebevoll, die zahlreichen Monster-Masken sind kreativ, und manche sehen richtig garstig aus. Hier hat man es wirklich mit fremdartigen Figuren zu tun, und Pendragons Schergen, die auf seinem Schloss wohnen, sind fast eine Art Vorschau auf Jabbas Gesellschaft in DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER (1983). Die Stop-Motion-Effekte stammen von Jim Denforth, der ganz offensichtlich durch Ray Harryhausen inspiriert wurde. Die Effekte sind dabei sehr ordentlich geworden. Dennoch hatte ein Harryhausen die Nase vorn. Aber Denforths Zeit sollte noch kommen. Wirft man ein Blick auf seine Vita, werden die Augen groß. Dass die eigentliche Handlung keine großen Überraschungen oder Innovationen bietet, wird jederzeit durch den Reigen phantasievoller Wesen ausgeglichen. Diese überstrahlen allerdings auch die Hauptfiguren, die hier am Werke sind. Kerwin Methews als Jack, Judi Meredith als Prinzessin und Torin Thatcher als Pentragon sorgen nicht dafür, dass sie einem groß in Erinnerung bleiben.

    Helden, Abenteuer, Magie, Hexen, Dämonen, Riesen, Seeungeheuer, knallige Farben, Effekte und ganz viel Phantasie sind die Zutaten, die DER HERRSCHER VON CORNWALL zu einem wunderschönen Fantasyfilm machen, der sich für seinen mangelhaften Tiefgang und seiner flachen Story nicht schämen muss. Ein schöner Film.

    (Bjoern Candidus)

  • The Human Duplicators, 1965 – ★★★

    The Human Duplicators, 1965 – ★★★

    FBI JAGT PHANTOM
    (THE HUMAN DUBLICATORS, USA, 1965, Regie: Hugo Grimaldi)

    Mal wieder planen Außerirdische die Menschheit zu unterjochen. Doch statt die Menschen einfach zu töten, werden sie kopiert. Man baut Androide, die nach dem menschlichen Gegenüber gestaltet werden. Vertreten werden die Aliens auf der Erde durch den gigantischen Dr. Kolos, der den Menschen Professor Dornheimer aufsucht, der ohnehin im Bereich des künstlichen Menschen forscht.
    Ihm und seinem Androiden-Club steht NSA-Special-Agent Glen Martin gegenüber.

    Regisseur Hugo Grimaldi serviert hier Außerirdische, Androiden, Agenten, Mad Scientist-Motive, ein kunterbuntes Raumschiff und als Sahnehäubchen noch ein Kellerlabor wie aus einem Gothic-Horrorfilm. Die seltene Mischung aus Agenten-Thriller, Sciencefiction und Horrorfilm kleidet sich kontinuierlich mit Charme und Liebe, und sogar ein bisschen Spannung ist zu verzeichnen. Die Sets sind schön ausgestattet, abwechslungsreich, gut inszeniert und tragen zur Gesamtstimmung bei. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Jerry Cotton-Darsteller George Nader als NSA-Agent, der im dt. Titel als FBI-Agent verkauft wird, macht was er kann: einen Agenten spielen. George MacReady ist als Professor am Start, Dolores Faith als seine Tochter. Und bei Dr. Kolos ist der Name Programm, denn dieser wird von dem gigantischen Richard Kiel verkörpert.

    FBI JAGT PHANTOM ist ein kurzweiligen Vergnügen, was ein bisschen an Filme wie INVASION OF THE BODYSNATCHERS (1956) und HALLOWEEN 3: SEASON OF THE WITCH (1982) erinnert, nur eben sehr viel bunter und handzahmer ist.

    (Bjoern Candidus)