Autor: marco-fritz

  • The Human Duplicators, 1965 – ★★★

    The Human Duplicators, 1965 – ★★★

    FBI JAGT PHANTOM
    (THE HUMAN DUBLICATORS, USA, 1965, Regie: Hugo Grimaldi)

    Mal wieder planen Außerirdische die Menschheit zu unterjochen. Doch statt die Menschen einfach zu töten, werden sie kopiert. Man baut Androide, die nach dem menschlichen Gegenüber gestaltet werden. Vertreten werden die Aliens auf der Erde durch den gigantischen Dr. Kolos, der den Menschen Professor Dornheimer aufsucht, der ohnehin im Bereich des künstlichen Menschen forscht.
    Ihm und seinem Androiden-Club steht NSA-Special-Agent Glen Martin gegenüber.

    Regisseur Hugo Grimaldi serviert hier Außerirdische, Androiden, Agenten, Mad Scientist-Motive, ein kunterbuntes Raumschiff und als Sahnehäubchen noch ein Kellerlabor wie aus einem Gothic-Horrorfilm. Die seltene Mischung aus Agenten-Thriller, Sciencefiction und Horrorfilm kleidet sich kontinuierlich mit Charme und Liebe, und sogar ein bisschen Spannung ist zu verzeichnen. Die Sets sind schön ausgestattet, abwechslungsreich, gut inszeniert und tragen zur Gesamtstimmung bei. Auch die Besetzung kann sich sehen lassen. Jerry Cotton-Darsteller George Nader als NSA-Agent, der im dt. Titel als FBI-Agent verkauft wird, macht was er kann: einen Agenten spielen. George MacReady ist als Professor am Start, Dolores Faith als seine Tochter. Und bei Dr. Kolos ist der Name Programm, denn dieser wird von dem gigantischen Richard Kiel verkörpert.

    FBI JAGT PHANTOM ist ein kurzweiligen Vergnügen, was ein bisschen an Filme wie INVASION OF THE BODYSNATCHERS (1956) und HALLOWEEN 3: SEASON OF THE WITCH (1982) erinnert, nur eben sehr viel bunter und handzahmer ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Pin, 1988 – ★★★½

    Pin, 1988 – ★★★½

    PIN
    (DEADLY FRIEND, Kanada, 1988, Regie: Sandor Stern)

    Leon und Ursula wachsen in einem gut situierten, aber strengen und von Sauberkeit und Reinheit glänzenden Elternhaus auf. Ihre Mutter kümmert sich um den Haushalt, ihr Vater ist Arzt an einer Universitätsklinik. Und dann ist da noch PIN, eine medizinische Puppe, die durch die Bauchrednerei des Vaters mit den Kindern kommuniziert und bei Fragen und Problemen zuhört und antwortet. Die beiden Kinder sind fasziniert von PIN, aber isolieren sich immer mehr von Gleichaltrigen. Als die Kinder älter werden, verliert Ursula langsam das Interesse an PIN, während sich Leon weiter auf ihn einlässt und die Rolle des Außenseiters annimmt. Kritisch beobachtet seinen Vater diese Entwicklung und will PIN verbannen. Ein folgenschwerer Fehler… 

    Sandor Stern, der ein Jahr später mit AMITYVILLE HORROR 4 (1989) ein weniger glückliches Händchen bewiesen hat, tischt hier einen recht interessanten Psycho-Horror-Thriller auf, der ein nicht gerade unbekanntes Motiv im Genre aufgreift: eine Puppe. Doch PIN ist keine Kinderpuppe mit einer bösen Seele, sondern eine menschengroße Anatomiepuppe, die vor allem das Muskelgewebe zeigt. Sprechen tut PIN durch den Vater, dargestellt von Terry O’Quinn. Terry O’Quinn ist nicht nur der perfekte Stiefvater, wie er in STEPFATHER (1987) bewiesen hat, sondern auch ein super Arzt mit einer Aura zum davonlaufen. Leider ist O’Quinns Auftritt nur von kurzer Dauer, was schade, aber der Geschichte letztlich dienlich ist. In die Rolle seines Sohnes schlüpft David Hewlett (SCANNERS 2, 1991), in die der Tochter Cynthia Preston (DAS GEHIRN, 1988). Im darstellerischen Bereich bewegt man sich auf solidem Niveau, und das kommt der Produktion zu gute. 

    Der Film nimmt sich ernst, greift Themen wie Abtreibung und gespaltene Persönlichkeit auf und verweigert sich Humor. Es ist nicht so, dass sich der Film tief auf seine Themen einlässt; wenn es um Bauchredner und Wahnsinn gehen soll, sei MAGIC (1978) mit Anthony Hopkins empfohlen, dennoch versucht Stern ein paar nette Wege zu gehen, die selten wirkungslos bleiben. Besonders PIN und die Art wie er spricht (die deutsche Synchronisation ist in dem Punkt sehr gut) ist verstörend. Der Großteil des Films spielt auch im Haus der Lindens, was ihn kammerspielartig macht und eine zusätzliche Beklemmung heraufbeschwört. 

    PIN ist ein spannender Psycho-Horror-Thriller und ein weiteres gutes Beispiel für das kanadische Horrorkino. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Deadly Companions, 1961 – ★★★★

    The Deadly Companions, 1961 – ★★★★

    GEFÄHRTEN DES TODES
    (THE DEADLY COMPANIONS, USA, 1961, Regie: Sam Peckinpah)

    Mit THE DEADLY COMPANIONS hat Sam Peckinpah sein Spielfilm-Debüt hingelegt und ihn von seinen Arbeiten an US-Western-Serien ins Kino gebracht, wo dieser Mann auch hingehört. Wer hier edle Revolverhelden, die voller Stolz für die „weiße Herrenrasse“ und ihr Land kämpfen, erwartet, wird nicht fündig. Vorbei ist die Zeit (und das Interesse) für den US-Western. Es war Zeit für etwas Neues. Peckinpah entwickelte sein Können rasch weiter, und Sergio Leone erschuf quasi mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR drei Jahre später den Italo-Western, der das Western-Thema in ganz neue Bereiche brachte, an denen sich dann wiederum die Amis orientierten. Eine gegenseitige Befruchtung vollzog sich. Und so zeigte sich THE DEADLY COMPANIONS wie eine Art Hybrid aus US-Western und Italo-Western, den es zu dieser Zeit in der Form noch nicht gab. Die Story, die auf einen Roman und Drehbuch von Albert Sidney Fleischman basiert, ist etwas halbgar, fast unlogisch und nicht das Aushängeschild.

    Der Bürgerkriegsveteran Yellowleg sucht dem Mann, der ihn im Krieg skalpieren wollte, ein Südstaatensoldat namens Turk.
    Seit dieser Zeit tarnt Yellowleg seine Narbe auf der Stirn unter seinem Cowboyhut, den er nie absetzt. Als er eines Tages auf Turk trifft, ist dieser bereits auf dem Weg, von jemand anderem getötet zu werden. Er hilft ihm, lernt seinen Kollegen Billy kennen und beschließt, mit ihnen zu ziehen. Da Turk nicht weiß, wer Yellowleg ist, kann er sich Zeit lassen. Sie planen eine Bank zu überfallen, wozu sie allerdings nicht kommen, da schon eine andere Bande den gleichen Plan ausführt. Dabei erschießt Yellowleg versehentlich das Kind von Kit, einer Dame, deren Mann getötet wurde und in der Stadt lediglich für Sex interessant ist. Da Kit ihren toten Sohn unbedingt in dem Grab ihres Mannes beerdigen will, muss sie sich in Indianer-Gebiet begeben. Keiner der Männer im Dorf hat den Mumm, sie zu begleiten. Doch dann bietet sich ausgerechnet Yellowleg an…

    Hätten es hier inhaltlich nicht merkwürdige Entscheidungen zwischen den Figuren gegeben, hätte mich das Handlungskonstrukt gar nicht so verwundert. Geschenkt. Die Darsteller sind trotzdem überzeugend. Besetzt wurde mit der sehr schönen Maureen O‘Hara als Kit, Brian Keith als Yellowleg, der wohl nicht umsonst etwas wie John Wayne aussieht, Steve Cochran als Billy und Chill Wills als Turk, der toll zu Leone oder Corbucci gepasst hätte.

    Zu loben sei hier vor allem die tolle Fotografie von William H. Clothier. Die felsige, karge Landschaft Arizonas wurde prächtig eingefangen. Felsmassive, Kakteen, Flüsse, skelettartige Bäume präsentieren sich vor einem faszinierenden Wolkenspiel. Auch das Dämmerlicht kommt toll zur Geltung, und in den besten Momenten meinte ich, in einem Endzeitfilm zu sein. Mal bedrückend, mal geisterhaft, mal typisch Western ist auch der Score von Marlin Skiles. Gitarren, Harmonika, Orgel… alles da, und doch klingt es ganz anders als später bei Morricone und Co.
    Auch Action ist hier anzutreffen, wenn auch noch keine peckinpahische Zeitlupe. Aber in diesem Punkt ist der Film recht übersichtlich. Ein paar Schießereien, ein bisschen Indianer-Terror, aber das war es auch schon. Dafür fügt der Film kleine gesellschaftskritische Spitzen ein, die allerdings nicht groß bearbeitet werden.

    GEFÄHRTEN DES TODES ist ein dialogreicher Rache-Western mit interessanten Figuren, einer tollen Fotografie, die pure Western-Romantik heraufbeschwört, die allerdings alles andere als Aussicht auf Hoffnung bringt, zumindest lange Zeit nicht. Für Peckinpah, der hier insgesamt leider nur sehr wenig Entscheidungen treffen durfte und mit dem Resultat wenig zufrieden war, war es der Schlüssel zum Erfolg.

    (Bjoern Candidus)

  • Dead Mountaineer’s Hotel, 1979 – ★★★★½

    Dead Mountaineer’s Hotel, 1979 – ★★★★½

    HOTEL „ZUM VERUNGLÜCKTEN ALPINISTEN“
    (‚HUKKUNUD ALPINISTI‘ HOTELL, Sowjetunion, 1979, Regie: Grigori Kromanov)

    Inspektor Glebski macht sich auf, um einem Notruf zu folgen, der ihn zum Hotel „Zum verunglückten Alpinisten“ führt. Als er in dem Berghotel ankommt, stellt sich im kein Notfall entgegen. Er beschließt die Nacht dort zu verbringen und am andere Morgen wieder abzureisen. Dann kommt es zu einem Mord, der Glebskis Berufung auf den Plan ruft. Er beginnt, die reichlich ominösen Gäste des Hotels zu verhören.

    Regisseur Grigori Kromanov hat hier eine höchst ansehnliche Adaption von Arkadi & Boris Strugatzki Roman abgeliefert.
    Die beiden Brüder haben das Drehbuch dazu selbst geliefert.
    Auch wenn es kleine Veränderungen oder Reduzierungen gegenüber der Vorlage gibt, haben wir es mit einem sehr guten Beispiel einer Adaption zu tun. Der Roman hat mehr in die Tiefe, beleuchtet die Figuren ausführlicher, bietet mehr Humor und serviert auch die ein oder andere Gesellschaftskritik, aber im großen Ganzen ist alles vorhanden, was die Vorlage so besonders gemacht hat. Was ganz besonders gut funktioniert ist die beklemmende, fast schon horrorfilmartige Stimmung, die von der ersten Sekunde an durch das Berg-Schnee-Setting und durch den geisterhaften Score von Sven Grünberg erzeugt wird. Ein Hotel als wäre es am Ende der Welt, umrundet von einer menschenfeindlichen Umwelt. Sehr gut, und das ein Jahr vor Kubricks SHINING. Betritt man mit Inspektor Glebski das Hotel, wird man von einer zauberhaften 60er/70er-Ausstattung berauscht, die ich so nicht erwartet hätte. Der Kameramann Jüri Sillart hat jede Chance genutzt, den eigenen Charakter des Hotels in wunderschönen Bildern einzufangen. Oft ist er ganz dicht an den Gesichtern, was das Gefühl der Beklemmung erhöht. Auch die Ausleuchtung ist erwähnenswert. Viele düstere Bilder warten mit geschickten Lichtsetzungen auf.
    Handwerklich ist alles auf sehr hohem Niveau, und das gilt auch für die charismatischen Darsteller. Viele skurrile oder mysteriöse Figuren mit markanten Gesichtern beherrschen das Geschehen. Besonders Uldis Pucitis macht viel Spaß in der Rolle des Inspektor Glebski.

    HOTEL „ZUM VERUNGLÜCKTEN ALPINISTEN“ ist ein spannender, rätselhafter, höchst sonderbarer Hybrid aus Krimi- und Sciencefictionfilm, der eine starke Sogwirkung hat. Faszinierendes Kino aus der ehemaligen Sowjetunion.

    (Bjoern Candidus)

  • Dr. Orloff’s Monster, 1965 – ★★★½

    Dr. Orloff’s Monster, 1965 – ★★★½

    DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. JEKYLL
    (EL SECRETO DEL DR. ORLOFF, Frankreich, Spanien, Österreich, 1965, Regie: Jess Franco) 

    Nach DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF (GRITOS EN LA NOCHE, 1962) und LA MANO DE UN HOMBRE MUERTO (1962) ist DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. JEKYLL Jess Francos dritter Horrorfilm und eine mehr oder weniger Fortsetzung von
    DER SCHRECKLICHE DR. ORLOFF. Einen Doktor Orloff gibt es hier zwar, aber der stirbt schon am Anfang, nachdem er einem gewissen Dr. Jekyll wissenschaftliche Unterlagen vererbt hat. Es geht um Ultraschallwellen-Experimente (siehe DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN, 1974), die lebende oder tote Menschen animieren und unter Kontrolle bringen können, damit sie ausführen, was ihnen befohlen wird. Dr. Jekylls Versuchskaninchen ist Andros, sein Bruder, den er auf dem Gewissen hat. Dieser wird nun von Dr. Conrad Jekyll zu Morden an Prostituierten animiert. Kurz darauf trifft Nichte Melissa auf dem Schloss von ihrem Onkel Conrad und Tante Rosa ein, die bald mit dem toten und doch fidelen Körper ihres Vaters konfrontiert wird. 

    Mal wieder sollen leblose Körper animiert und unter Kontrolle gebracht werden, damit sie ausführen, was ihnen befohlen wird. Das ist auch für 1963 alles andere als neu oder innovativ. Aber es sind die Variationen, die Nuancen und Handschriften der unterschiedlichen Inszenatoren, die es interessant machen. In düsteren Schwarzweißbildern und mit einem oft schwermütigen Score präsentiert sich dieser kleine Horror-Mad-Scientist-Film und lässt die Ästhetik späterer Franco-Produktionen fast vergessen. Fast, denn das ein oder andere Element ist dann doch schon vertraut, wie z.B. ein Nachtclub mit tanzenden Damen. Gar nicht schlecht ist auch das Handlungskonstrukt, was auch Zeit für ein eingeflochtenes Ehe-Drama einräumt, ohne dabei zäh zu werden. Mit Hugo Blanco, Marcelo Arriota-Jáuregui, Agnès Spaak und Magda Maldonado sind solide Darsteller an Bord. Dazu bekommt man immer wieder ein paar atmosphärische Naturkulissen oder gruselige Gemäuer präsentiert, die für den ein oder anderen Schauer sorgen; besonders der zombieartige Andro weiß zu gefallen. 

    DIE LEBENDEN LEICHEN DES DR. JEKYLL ist ein kleiner, gut fotografierter Horrorfilm ohne große Überraschungen, der nicht nur Franco-Freunden schmecken dürfte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Dial: Help, 1988 – ★★★

    Dial: Help, 1988 – ★★★

    DIAL HELP (MINACCIA D’AMORE, Italien, 1988, Regie: Ruggero Deodato)

    Als das Fotomodell Jenny in Rom ankommt und ihren Freund Marco anrufen will, verwählt sie sich und baut Verbindung zur Geisterwelt auf. Sie ist verwirrt, lenkt sich aber mit ihrem frisch gemieteten Appartement ab. Doch über die Telefone in ihrer Umgebung erhält sie immer wieder unheimliche Anrufe. Sie scheint eine Macht losgetreten zu haben, die ihr und ihren nahestehenden Personen ans Leder will.

    Ruggero Deodato (CANNIBAL HOLOCAUST, 1980) hat hier einen verspielten DTV-Horrorfilm kredenzt. Die Handlung ist etwas verwirrend, baut aber gleichzeitig dadurch eine schöne Mystery-Stimmung auf. Außerdem wird hier kein Einheitsbrei aufgetischt, denn die Story ist eigen genug.

    Charlotte Lewis (AUF DER SUCHE NACH DEM GOLDENEN KIND, 1986) reißt mit ihrer schauspielerischen Leistung keine Telefonleitungen aus der Wand, passt aber gut in die Rolle eines Fotomodels mit Ärger. Fehl am Platz ist sie nicht, ebensowenig Marcello Modugno (DÄMONEN, 1985) als Riccardo, der hilfsbereite Nachbar. Einen feinen, wenn auch kurzen Auftritt hat William Berger (KEOMA, 1976) als Professor Klein, dem der Herzschrittmacher in der Brust explodiert. Darstellerisch bewegt man sich hier insgesamt auf solidem Boden.

    Mehr Kraft erzeugt der Film allerdings durch die Fotografie von Renato Tafuri (AQUARIUS, 1987) und durch seine Ausstattung. Rom ist immer wieder schön auszuschauen. Klassische Architektur (besonders schön sind die Dächer eingefangen) außen, innen die Moderne, der späten 80er-Jahre. Ein schöner Kontrast. Dazu kommt die Ausstattung mit viel Kunst in Form von Skulpturen oder Gemälden, die Jennys Wohnung zieren. Hier kommt auch der Freund des Giallo-Kinos auf seine Kosten, auch wenn wir es nicht mit einem zu tun haben. Die Ohren dürfen den vertrauten Klängen Claudio Simonettis frönen.

    Eine sonderbare Story, Telefonterror aus dem Jenseits, 80er-Mode-Chic, ein Herz für Architektur und ein paar unheimliche Szenen machen DIAL HELP zu einem durchaus sehenswerten Horrorfilm.

    (Bjoern Candidus)

  • Ferat Vampire, 1982 – ★★★★

    Ferat Vampire, 1982 – ★★★★

    DER AUTOVAMPIR (UPÍR Z FERATU, Tschechoslowakei, 1982) von Juraj Herz

    Der Unfallarzt Dr. Marek wird im Dienst mit einem mysteriösen Sportwagen (in Wirklichkeit ein Skoda -?Š 724 Super Sport aus dem Jahre 1971) konfrontiert, der über einen Mechanismus im Gaspedal Blut von der Ferse des Fahrers absaugt, um damit den Motor zu nähren. Er schlägt sich durch bis zu der Firma, die den Ferat in Serie produzieren will, um damit die Welt zu erobern.

    Die Welt der Vampirfilme ist umfangreich, stets geöffnet für Experimente, Querschläger und immer bereit auch mal mit der Norm zu brechen. In Juraj Herz Adaption von Josef Nesvadbas Kurzgeschichte VAMPIR LTD bewegt man sich in ganz sonderliche Gefilde, die einen entweder sofort abstoßen oder einen neugierig machen. Letzteres traf auf mich zu. Herz errichtet von Anfang an eine mysteriöse Stimmung, die einen immer mehr in ihren Bann zieht. Krimiartig baut er die Geschichte auf und entfesselt so eine angenehme Spannung. Mit Dr. Marek (Jirí Menzel) geht man gerne auf Spurensuche, und hin und wieder fühlte ich mich etwas an David Hemmings in PROFONDO ROSSO (1975) erinnert. Auch die anderen Charaktere, die hier aufmarschieren, sind interessant und untermauern die mysteriöse Geschichte, die zwischen skurrilen Ideen auch ein paar blutige Momente mit sich bringt, die an das Kino von David Cronenberg oder an die surrealen Welten eines H. R. Gigers (Mensch-Maschinen-Verbindung) erinnern. Herz lässt auch eine Satire durchblicken. Sowohl politische (Eiserner Vorhang des Kommunismus in der Tschechoslowakei) als auch industrielle (Autoindustrie) Themen werden geöffnet und lösen den Film aus gängigen Konzepten und machen ihn einzigartig. Abgerundet wird das vielschichtige Werk von einem düsteren Score von Petr Hapka.

    DER AUTOVAMPIR ist ein glanzvolles Beispiel für einen Horrorfilm (mit Scifi-Elementen), der mehr erzählt als die konventionelle Masse. Ein Film, der für sich steht.
    —-

    Zum Schluss noch ein paar Worte zu
    Josef Nesvadbas VAMPIR LTD

    In Josef Nesvadbas Kurzgeschichte VAMPIR LTD läuft die Handlung etwas anders ab, auch wenn Herz einige Themen wieder aufgreift oder variiert.

    Ein Politiker ist zu Besuch in England, um dort an einem Kongress in Bolster teilzunehmen. Als er sich betrinkt und am anderen Tag den Termin mit seinem Freund verschläft, muss er einen anderen Weg finden, sein Ziel zu erreichen. An einer Tankstelle hält ein Mann mit einem alter Rennwagen. Der Fahrer nimmt den Politiker mit. Irgendwann hält der Fahrer und bietet seinen Wagen an, damit der Politiker alleine nach Bolster fahren kann. Der Fahrer würde sich das Auto am anderen Tag abholen, da er in Bolster selbst Erledigungen zu machen hat. Er geht auf den Vorschlag ein. Der Politiker nimmt ein 16jähriges Mädchen mit. Sie beschließen an einer Raststätte Halt zu machen. Dort stoßen sie auf eine Dame, die sich auf ein Wettrennen einlassen
    möchte, was sie allerdings haushoch verliert. Nachdem glorreichen Sieg stellt der Politiker fest, dass er eine blutige Ferse hat. Er untersucht den Motor, der ihm sonderbar vorkommt. Er stellt fest, dass das Gaspedal dazu dient, Menschenblut abzuzapfen, um damit den Motor zu speisen. Unter dem Lenkrad ist der Namen des Herstellers auf einem Schild angebracht: James Stuart, Old Georgetown 26. Sie lassen das Auto stehen und gehen zu Fuß weiter, um ins nächste Dorf zu gelangen. Irgendwann streiten sich die beiden, und sie fährt bei einem anderen Anhalter mit. Der Politiker kommt in einen Ort namens Old Georgetown, jener Ort, der auf dem Herstellerschild im Auto zu lesen war. Er sucht die Hausnummer 26, die zu einem großen Anwesen führt. Er betritt den Empfangsbereich, in dem eine Frau auf ihn zukommt. Sie erklärt ihm, dass der Besitzer, James Stuart, 1932 mit seinem Auto spurlos verschwand. Der Politiker sagt ihr, dass er weiß, wo das Auto steht und er es nicht haben will. Er gibt ihr die Schlüssel und ruft seinen Freund in Bolster an, der ihm einen Fahrer schickt. Draußen trifft er die andere Frau wieder, die das Rennen verloren hat. Sie möchte unbedingt sein Auto kaufen. Er verweist auf die andere Frau im Haus. Sie kauft das Auto, und erst dann erzählt er ihr, was mit dem Auto los ist, dass es Menschen aussaugt. Natürlich glaubt die Frau kein Wort und fährt davon. Pünktlich erreicht der Politiker Bolster. Alles ist gut gegangen, aber er bedauert, dass er das Mädchen nicht wiedersehen wird.

    Josef Nesvadba wurde am 19. Juni 1926 in Prag geboren und starb am 26. April 2005. Er war ein tschechischer Schriftsteller, Übersetzer und Psychiater.

    Die Geschichte ist hier im Suhrkamp Verlag im Rahmen der Buchreihe PHANTASTISCHE BIBLIOTHEK erschienen.

    (Bjoern Candidus)

  • The House Where Evil Dwells, 1982 – ★★★½

    The House Where Evil Dwells, 1982 – ★★★½

    DAS HAUS DER VERDAMMTEN
    (THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS, Japan, USA, 1982, Regie: Kevin Connor) 

    Wer hätte gedacht, dass ein nicht Japaner, einen so schönen, japanischen Geisterfilm drehen kann? Ich nicht, aber Kevin Connor (CAPRONA, 1974 / MOTEL HELL, 1980) hat das Gegenteil bewiesen. 

    Nach einer ziemlich stimmungsvollen, blutigen und für das weitere Geschehen wichtige Pre-Titel-Sequenz im Japan des 19. Jahrhunderts, wird die amerikanische Familie Fletcher eingeführt. Diese bezieht das schicke Haus, was man aus der Eröffnungs-Sequenz kennt. Ted, ein Schriftsteller, will hier seinen neuen Roman schreiben. Doch die Geister der Vergangenheit wohnen auch noch in diesem Haus und beginnen schnell zu wirken. Das neue Glück der Familie steht auf wackligen Füßen. 

    Weniger wacklig ist die Inszenierung. Unter dem Strich ist Kevin Connor ein weiterer unterhaltsamer Film gelungen. Die Inszenierung bietet schöne Naturkulissen, Gärten und präsentiert die japanische Kultur (Architektur, Ausstattung) sehr ansehnlich und respektvoll.
    Dazu versteht es Conner eine zauberhafte, an die Hammer-Studios und Mario Bava erinnernde Atmosphäre durch geschickte Lichtsetzung und Farben zu erzeugen. Spannung und Schönheit gehen hier Hand in Hand. Conners geht mit Ruhe vor, lässt den Spuk sich langsam entwickeln bis es dann zu der ein oder anderen fast verstörenden Szene (alte Hexe, Krabbenangriff) kommt. Nicht verschweigen möchte ich, dass es auch manchmal zu unfreiwillig komischen Momenten kommt, und ich finde Edward Albert (PLANET DES SCHRECKENS, 1981) ist als Ted Fletcher nicht die beste Wahl, aber dafür ist ja Susan George (DIE FRATZE, 1971 / WER GEWALT SÄT, 1971) und Doug McClure (CAPRONA, 1974) an Bord. Abgerundet wird die Inszenierung von einem passenden Score von Ken Throne. 

    Auch wenn DAS HAUS DER VERDAMMTEN hin und wieder etwas krude wirkt, ist es ein von Anfang bis Ende konsequent inszenierten Geister-Horrorfilm, erzählt mit schönen Bildern. 

    (Bjoern Candidus)

  • Beyond the Black Rainbow, 2010 – ★★★★★

    Beyond the Black Rainbow, 2010 – ★★★★★

    BEYOND THE BLACK RAINBOW
    (Kanada, 2010, Regie: Panos Cosmatos)

    Im Institut des Doktor Arboria hält Doktor Barry Nyle die junge, mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattete Elena gefangen. Er verhört sie, macht Psychotest mit ihr und setzt sie unter Medikamente. Um ihre Kräfte zu schwächen, setzt er eine mysteriöse Pyramide ein. Irgendwann kommt es dazu, dass Elena die Krankenschwester Margo tötet, da die Pyramide nicht aktiviert war. Bei dieser Aktion kann Elena auf den Gang des Institutes flüchten, doch für diesen Fluchtversuch hat Dr. Nyle zwei bizarre Geschöpfe: einen wurmartigen Menschen mit Beulenkopf und einen Sentionauten, der die junge Frau zurückbringen soll.

    Panos Cosmatos erster filmischer Liebesbrief an das 70er/80er-Jahre-Scifi-Horror-Fantasy-Kino ist ein bizarrer Trip in psychedelische, esoterische, (Geistes-)Wissenschafts-Welten, ohne diese zu entmystifizieren. Fühlen statt begreifen, und doch scheint jede Sekunde aussagekräftig oder dient einfach nur dazu, einen zu berauschen. BEYOND THE BLACK RAINBOW bietet sich gerade dazu an, mehrfach gesehen zu werden. Es ist nicht so, als würde einen Cosmatos mit Bildern erschlagen oder vor große Rätsel stellen, aber der Denkapparat des Zuschauers sollte automatisch auf Hochtouren laufen. Die Inszenierung ist ruhig und elegant fotografiert von Norm Li. Allein die eindringlichen Momente, wenn Dr. Nyles Gesicht in den Fokus gerät, reichen schon aus, um mich in den Bann zu ziehen. Aber das sind Nebensächlichkeiten im Vergleich zu dem, was hier alles auf den Zuschauer wartet. Wie wandelbar Michael J. Rogers (HELLRAISER: HELLSEEKER, 2002) als Barry Nyle ist, wird man im Laufe der Inszenierung noch erleben. Dr. Nyle ist ein Mad Scientist der besonderen Art. Kaum weniger bizarr und durchgeschwurbelt: Esoterik-Psycho-Heiler Dr. Mercurio Arboria, dargestellt von TV-Serien-Darsteller Scotts Hylands, den man hier vor allem als drogenabhängiges Wrack im Stuhl sitzend erleben darf. Die übersinnlich begabte Elena wird dargestellt von Eva Bourne (CAPRICA, 2010), die allerdings vergleichsweise blass wirkt, aber die ist auch in anderen Sphären unterwegs. Richtig gut ins Bild passt Rondel Reynoldson als fiese Krankenschwester Margo, deren Spielzeit allerdings nur knapp bemessen wurde. Ganz besondere Schwingungen gehen von Dr. Nyles Handlangern aus. Besonders der schlaksige androgyne Sentionaut mit seinem orangefarbenen Space-Fetisch-Outfit ist der totale Blickfang, mit geöffnetem oder geschlossenem Visier. Dass gesamte Design ist zum niederknien, ob es nun die künstlerischen oder mysteriösen Gegenstände im Hintergrund sind oder die 70er-/ 80er-Scifi-Architektur und Ausstattung des im Wald versteckten Instituts. Labyrinthartige Gänge, sonderbare Apparaturen, gleißendes Licht, überhitzte Rot- und Orangetöne bestimmen das Setting, was nicht nur einmal in mir Erinnerungen an 2001-ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) oder PHASE IV (1974) erwecken konnte. Überhaupt liegen die Inspirationsquellen von Cosmatos auf der Hand, bzw. macht er keinen Hehl daraus. BEGOTTEN (1989) von E. Elias Merhige wird in der überstrahlten Schwarzweißrückblick-Sequenz in Dr. Nyles Kindheit ersichtlich. Ebenfalls wurde Cosmatos von Regisseuren wie Michael Mann und John Carpenter inspiriert. Der geneigte Zuschauer wird hier sicherlich sehr viel entdecken, was ihm auf die ein oder andere Art vertraut vorkommt. David Cronenberg, Stephen King, Dario Argento, David Lynch, NWR… Doch trotz der Verweise, Verbindungen oder der bewussten oder unterbewußten Inspirationsquellen, wirkt BEYOND THE BLACK RAINBOW nie aufgesetzt, anmaßend oder wie ein Flickenteppich aus geraubten Ideen, sondern wie ein eigenständiger Film, fast wie eine Droge aus einem eigenen Universum, in dem auch Cosmatos zweiter Film, MANDY (2018), angesiedelt sein könnte, also ähnlich wie bei den beiden Richard Stanley Filmen M.A.R.K. 13 – HARDWARE (1990) und DUST DEVIL (1992). Dabei muss es nicht zwangsläufig zu inhaltlichen Verbindungen kommen, sondern wiederkehrende Symbole, Parallele oder Gefühle reichen aus, um ein großes Ganzes zu schaffen. Eine zusätzliche, fast übersinnliche Stärke gewinnt der Film durch den Score von Jeremy Schmidt (Sinoia Caves), der Cosmatos ebensogut zu verstehen weiß wie Jóhann Jóhannsson (MANDY). Wer mit all den Themen etwas anfangen kann, wird hier mehr als bedient und kann sich regelrecht voller Liebe fressen lassen.

    Neben einem selbsttherapeutischen Versuch, über den Tod seiner Eltern, George P. Cosmatos (RAMBO 2) und Brigitta Ljungberg-Cosmatos, besser hinwegzukommen, wollte Cosmatos auch einen Film schaffen, der wie ein vergessener Film aus den 1980er-Jahren aussieht und sich so anfühlt. Genau das ist ihm mit BEYOND THE BLACK RAINBOW meisterlich gelungen.

    (Bjoern Candidus)

  • Lifespan, 1975 – ★★★★

    Lifespan, 1975 – ★★★★

    DAS GEHEIMNIS DES LEBENS
    (LIFESPAN, Belgien, GB, Niederlande, 1974, Regie: Sandy Whitelaw)

    Dr. Ben Land sucht nach der Formel für ein Serum, was den Alterungsprozess stoppt und ewiges Leben verspricht. Dieses Serum wurde von einem Wissenschaftler erschaffen, der von einem Schweizer Pharmariesen finanziert wird. Wie ein Besessener forscht Dr. Land und gerät immer mehr zwischen die Fronten seiner Kollegen und Dr. Ulrich.

    Der britische Regisseur, Produzent und Schauspieler Sandy Whitelaw hat hier einen starken Science-Thriller geschaffen, auch wenn er sich nicht gerade mit einem neuen Thema beschäftigt. Geschenkt. Man muss nichts neu erfinden, um Schönes zu schaffen.

    Mit Fellini-Star Hiram Keller (FELLINIS SATYRICON, 1969), Tina Aumont (DIE SÄGE DES TEUFELS, 1973), Fons Rademakers (unvergessen als Mutter in BLUT AN DEN LIPPEN, 1971) und Klaus Kinski ist man hier sehr gut bedient. Der Protagonist, Keller als Dr. Ben Land, fungiert gleichzeitig als Erzähler, der sich immer mal wieder aus dem Off meldet. Das hat mir sehr gut gefallen, unterstützt den Aufbau der Geschichte und sorgt für eine mysteriöse Stimmung. Kinski lässt man Zeit für mit seiner Rolle. Man sieht ihn zwar recht früh im Film, doch taucht er nur als schweigendes Phantom auf. Ab der Mitte kommt er dann zu Wort, bleibt aber insgesamt sehr zurückhalten.
    Und wer schon immer wissen wollte, wie Tina Aumont gefesselt aussieht, darf sich hier über die Bondage-Künste von Hiram Keller freuen. Sehr erfrischend ist das Amsterdam-Setting. Gässchen, Grachten und die typische Architektur sorgen für eine gute Atmosphäre, die Hand in Hand geht mit den Gelb- und Braun-Tönen. Der Herbst thront über den Bildern. Am Ende geht die Reise sogar in die Schweizer Alpen. Dazu gibt es die musikalische Unterstützung von Terry Riley (Riley Tipp: CHRUCH OF ANTHRAX mit John Cale), der den Sogfaktor der Inszenierung immer wieder befeuert. Wunderbar.
    Der Film hat immer wieder surreale, skurrile Momente, die ihm einen eigenen Charakter attestieren.

    Aufgeschlossene Fans des europäischen Kinos dürfen bei DAS GEHEIMNIS DES LEBENS also vor Freude hüpfen.

    (Bjoern Candidus)