Autor: marco-fritz

  • A Stranger in Town, 1967 – ★★½

    A Stranger in Town, 1967 – ★★½

    EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN
    (UN DOLLARO TRA I DENTI, Italien, 1967, Regie: Luigi Vanzi)

    Ein Fremder lässt sich auf eine Handvoll Banditen ein, um gemeinsam eine Kiste voll Gold aus den Händen nordamerikanischer Soldaten zu klauen. Zwar gelingt der Überfall, doch der Ärger setzt ein, als es um das Aufteilen der Beute geht. Da hier niemandem Großzügigkeit in die Wiege gelegt wurde, fliegen schnell die Kugeln durch die Luft.

    EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN startet stimmungsvoll in einer scheinbar verlassenen Stadt in der der Staub herrscht. Von weitem nähert sich ein Fremder auf einem Pferd. Und damit nähert sich auch schon das Hauptproblem. Regisseur Luigi Vanzi schickt keinen Eastwood, keinen Nero, keinen Hill, keinen Garko…, sondern Tony Anthony, dem es, meiner Meinung nach, an Charsima und Ausstrahlung fehlt. Sein Charakter regt zwar auch nicht dazu an, ihn zu mögen, aber seine ähnlich gelagerten Schauspieler-Kollegen brachten selbst im tiefsten Zynismus noch mehr Liebreiz mit. Natürlich ist das rein subjektiv, und der nächste möchte vielleicht sogar Tony Anthony umarmen. Mir hat Vanzi mit dieser Besetzung jedenfalls keinen Gefallen getan. Der Rest der Bande, zum Beispiel Raf Baldassarre, Frank Wolff oder Aldo Berti bewegen sich in soliden Bahnen. Bäume reißt hier im Grunde niemand aus. Aber genug der Nörgelei, denn dieser Italowestern hat durchaus andere Vorzüge. Vanzi gelingt eine gespenstische Atmosphäre zu erzeugen, sorgt für abwechslungsreiche Sets, führt einen von der obligatorischen Westernstadt in sandige und felsige Abschnitte und hält das Geschehen immer in Bewegung. Auch Kameramann Marcello Masciocchi (MONDO CANNIBALE 2, 1977) war nicht die schlechteste Wahl. An Spannung und Action mangelt es nicht. Wer auf Schießereien, auch mittels frühem Maschinengewehr, steht, darf hier fleißig die Kugeln in den Leichen zählen. Dazu gesellt sich die Musik von Benedetto Ghiglia, die mit dem Heulen des Windes und den staubigen Bildern in den besten Momenten eine regelrechte Gruselstimmung erzeugt. Die Stimmung des Todes ist allgegenwärtig.

    Im Grunde liefert EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN die meisten Zutaten, die man vom Genre erwartet und dennoch hat mich der Film etwas kalt gelassen, und das erkläre ich mir einzig und allein durch die Anwesenheit von Tony Anthony.

    (Bjoern Candidus)

  • The Stranger Returns, 1967 – ★★★

    The Stranger Returns, 1967 – ★★★

    WESTERN JACK
    (UN UOMO, UN CAVALLO, UNA PISTOLA, Deutschland, Italien, 1967, Regie: Luigi Vanzi)

    Der Fremde ist zurück! Diesmal reitet er sogar mit einem kleinen rosa Sonnenschirm durch die Prärie, welchen er aber schnell bei Seite legt, wenn er die Identität des Postinspektors Ross annimmt, der eigentlich tot im Staub liegt. Natürlich zielt diese Tarnung darauf ab, um sich eines Goldschatzes zu bedienen, auf den es auch En Plein, der Kopf einer Bande, abgesehen hat.

    In Vanzis Fortsetzung lichtet sich etwas die Atmosphäre des Todes, die noch den Vorgänger überschattet hat, auch wenn in WESTERN JACK natürlich noch genug Herrschaften das Zeitliche segnen. Doch die Stimmung ist etwas lebendiger, farbenfroher, selbstironischer und ja, selbst Tony Anthony, der sich im Vorgänger für mich zum größten Problem entwickelt hat, bekommt etwas mehr Leben eingehaucht, was seiner Figur gut tut. Anthony hat eine positive Entwicklung durchgemacht, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Fortsetzung im gleichen Jahr entstanden ist. Interessant ist auch, dass Anthony hier selbst die Story geschrieben hat. In allem ist die Inszenierung deutlich lockerer und entspannter geraten und wurde erneut von Marcello Masciocchi fotografiert, der wieder schöne Landschaftsbilder und die Gesichter von grantigen Miesepetern eingefangen hat. Der Film schreitet stets voran, ohne sich lange aufzuhalten und liefert Action und Dialog im Wechsel. Freunde von Sadismus und Brutalitäten dürfen auch befriedigt werden. Besonders Dan Vadis (EIN FREMDER OHNE NAMEN, 1973) als Oberschurke En Plein zeigt sich von der fiesen Sorte. Einer seiner Schergen ist Raf Baldassarre (LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, 1968), der ständig dreckig lacht, bis er für immer sein Lächeln verliert. Daniel Vargas (FRIEDHOF OHNE KREUZE, 1969) ist als Good Jim eine Art Pseudo-Sheriff, während Ettore Manni (DJANGO UND SARTANA KOMMEN, 1970) den Part als hochnäsiger Lieutenant Stafford einnimmt. Insgesamt bekommen die Charaktere mehr Tiefe als bei EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN. Angetrieben wird der Film von einem ausgezeichneten Score von Stelvio Cipriani, der sich teilweise etwas von den typischen
    Italowesternklängen löst.

    WESTERN JACK ist ein kurzweiliger Italowestern ohne große Story, aber mit einem stimmigen Rest.

    (Bjoern Candidus)

  • Alraune, 1952 – ★★★½

    Alraune, 1952 – ★★★½

    ALRAUNE
    (Deutschland, 1952, Regie: Arthur Maria Rabenalt)

    Im Schlosspark seines Onkels, Professor Jacob ten Brinken, trifft Frank auf seine Cousine Alraune, die ihn mit dem Lied vom „einsamen Mädchen“ anlockt. Schnell verliert er sein Herz an ihr, was seinem Onkel gar nicht passt. Jacob ten Brinken klärt Frank über Alraunes Vergangenheit auf, um sie ihm madig zu machen. Als Alraune mit Frank nach Frankreich gehen will, lässt er sie sitzen. Alraune bekommt eine Gouvernante vor die Nase gesetzt und macht sich ihrem Vater gegenüber nützlich, als sie eine (angebliche) Heilwasserquelle auf einem Acker entdeckt. Promt eröffnet er dort ein Heilbad und benennt die Quelle nach ihr. Alraune, die immer noch über Franks Abfuhr enttäuscht ist, tröstet sich derweil mit anderen Männern hinweg, die alle samt nicht lange am Leben bleiben. Dann kommt Frank zurück…

    Der in Österreich geborene Theater– und Film-Regisseur Arthur Maria Rabenalt hat hier die sechste Adaption von Hanns Heinz Ewers erfolgreichen Roman „Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens“ aus dem Jahre 1911 vorgelegt. Dass die zauberhafte Hildegard Knef (vor ihrer Gesangskarriere) die Titelrolle dieses Mad Scientist-Horror-Dramas übernommen hat, war eine ausgesprochen gute Idee. Durch ihre an sich schon sonderbare Aura und ihrer markanten Stimme, bringt sie die nötige Fremdartigkeit mit, die ihre Rolle der Alraune unterstreicht. Ihr geliebter Cousin, Frank, wird passend von Karlheinz Böhm dargestellt, der da noch drei Jahre von seiner Kaiser-Rolle in SISSI (1955) und noch acht von der in PEEPING TOM (1960) entfernt war. Ebenfalls gut besetzt ist Erich von Stroheim als Professor Jacob ten Brinken.

    Abgesehen von dem kontroversen Thema um die Befruchtung einer Prostituierten durch den Samen eines gehängten Mörders, was für deutsche Verhältnisse 1952 kaum alltäglich gewesen sein dürfte, nimmt Rabenalt fast schon das italienische Gothic-Horrorkino eines Ricardo Fredas und Mario Bavas vorweg, ohne jedoch deren Intensität, Dichte und Spannung zu erreichen. Dennoch wirkt der Film beachtlich modern, ist gut in Schwarzweiß fotografiert und bietet beachtliche Sets (z.B. der Saal der Heilquelle, samt dem riesigen Wandgemälde). Die ländliche Kulisse, das Schloss, der Park, der Wind und der später fallende Schnee sorgt für einige atmosphärische Momente, die der packenden Geschichte zuträglich sind.

    Auch wenn Rabenalts ALRAUNE-Adaption nicht die beste sein soll, habe ich dennoch einen spannenden Film mit einer beachtlichen Geschichte und einer wunderbaren Besetzung erhalten.

    (Bjoern Candidus)

  • The Exorcist: Believer, 2023 – ½

    The Exorcist: Believer, 2023 – ½

    DER EXORZIST – BEKENNTNIS
    (USA, 2023, Regie: David Gordon Green)

    Die beiden Mädchen Angela Fielding und Katharine West geben an, gemeinsam Hausaufgaben machen zu wollen. Doch statt für die Schule zu lernen, begeben sie sich in ein altes Gemäuer im Wald, um ein okkultes Ritual abzuhalten. Als die beiden Mädchen abends nicht nach Hause kommen, starten die Eltern eine Suchaktion. Ein paar Tage später finden sie die beiden in einem Stall eines Bauernhofes. Was ihnen widerfahren ist, wissen sie nicht, doch schnell stellt Victor Fielding und die Wests fest, dass ihre Töchter nicht mehr die sind, die sie mal waren. Was ist mit ihnen passiert?

    Prinzipiell habe ich überhaupt gar nichts gegen Remakes, Sequels, Prequels, Reboots oder was es auch immer gibt, um erfolgreiche Filmideen zu wiederholen, zu erweitern oder auszuschlachten, um Geld in die Kasse zu spülen. Das macht man seit Anbeginn des Kinos und ist völlig legitim. Und so gab es immer gute und schlechte Beispiele, die diesem Prinzip folgten. Mit DER EXORZIST – BEKENNTNIS ist leider ein schlechtes, ein extrem schlechtes Sequel entstanden, und diesen Film überhaupt nur in die Nähe von Friedkins DER EXORZIST (1973) zu rücken, ist ein Sakrileg.

    David Gordon Green! Das Einzige, was der Mann für mich bisher geschafft hat: meine innere Alarmanlage sofort anspringen zu lassen, wenn ich seinen Namen höre. Aber es soll ja nicht um seine drei HALLOWEEN Filme gehen, denn über die habe ich mich an anderer Stelle bereits ausgelassen. Und wie ärgerlich, die Trilogie teilweise auch war, so unglaublich bodenlos wie dieser Film hier war keiner von den Dreien, und HALLOWEEN ENDS war verdammt übel.

    David Gordon Green hat sich also erneut nicht mit Ruhm bekleckert und diesmal so richtig auf ein Franchise gespuckt. Schon in der ersten Minute serviert er eine unnötige Hommage an den Vorgänger von 1973, wenn sich zwei Hunde duellieren. Sorgte Friedkin für Unwohlsein unter glühender Sonne, rollte ich hier gelangweilt mit den Augen. Dann wird man sofort mit einem ekligen Grün-Gelb-Farbfilter beleidigt, der Stimmung erzeugen soll. Einzelne Szenen versucht man zu kopieren, aber einen authentischen Look, der einen Großteil von Friedkins Wirkung ausmacht, wird nicht versucht zu realisieren. Auch im weiteren Verlauf sieht der Film genauso aus wie Greens HALLOWEEN Filme. Wenn es von Haiti nach Georgia, geht, dachte ich, ich wäre plötzlich in Haddonfield, und selbst an den Herbst wurde gedacht. Green scheint auch ein Faible für das Blau- und Rotlicht von Polizeiautos zu haben. Aber egal, was der Mann toll findet, er scheint nichts von dem vernünftig umsetzen zu können. Hat man die fiese Ästhetik der Bilder geschluckt, darf man sich als nächstes damit abfinden, dass ein austauschbarer Darsteller nach dem anderen in den Film purzelt, ohne auch nur einen Ansatz von Tiefe oder Charisma mitzubringen, egal, ob auf der männlichen oder auf der weiblichen Seite. Leslie Odom Jr. als alleinerziehender Vater Victor Fielding war vielleicht bemüht, hat aber keinen Eindruck hinterlassen. Noch viel weniger Eindruck hat die Familie des anderen besessenen Mädchens hinterlassen: Norbert Leo Butz als Stuart West und Jennifer Nettles als Miranda West. Immerhin waren sie anwesend und durften ein paar Sätze verlieren. Die Hauptattraktion sollten natürlich in erster Linie die Opfer dämonischer Besessenheit sein, wie in diesem Fall zwei Mädchen. Dargestellt werden die beiden enorm langweiligen Satansbraten von Lidya Jewett als Angela Fielding und Olivia O’Neill als Katharine West. Wie wunderbar Linda Blair damals die Rolle als Regan MacNeil gemeistert hat, muss ich wohl kaum erwähnen. Nein, hier muss nur erwähnt werden, wie schlecht es die beiden machen, denen man dafür natürlich nicht die Schuld geben kann. Schuldig sind hier nur die Macher, die offensichtlich einen Scheiß um Charakterzeichnung geben, die in so einem Film einfach nötig ist, wenn man mehr erreichen will als nur Horror-Effekte von der Stange zu liefern, und das möglichst schlecht. Gleiches gilt auch für die anderen Darsteller und Darstellerinnen. Ann Dowd ist als Krankenschwester und Esoteriktante Ann Brooks noch das einzige kleine Licht am Horizont. Ganz übel, ja, sogar peinlich wird es, wenn Ellen Burstyn auf den Plan gerufen wird. Die gute Ellen Burstyn, unsere Original Chris MacNeil, gibt sich hier leider die Ehre. Als „Expertin für Exorzismus“ schreitet sie zur Tat und bekommt einen lächerlichen Moment nach dem anderen ins Script geballert, gekrönt von einem Ende… Nein, das verrate ich nicht. Es war einfach nur zum fremdschämen. Dass der Film auch irgendwie so etwas wie eine Geschichte hat, kann einem dabei genauso egal sein, wie es David Gordon Green wohl egal war. Ein Erdbeben, ein Familiendrama, zwei Kinder verschwinden… Nichts pack, nichts reist mit und bis mal etwas „dämonisches“ passiert, vergehen 50 Minuten mit langweiligen Figuren, um dann schließlich mit ausgelutschten Horror-Zutaten um die Ecke zu kommen. Obszöne Beschimpfungen hat man den kleinen Teufelchen weitestgehend genommen, vermutlich um die Zuschauer zu schützen. Eine für gefühlt zwei Sekunden onanierende Katherine in einer Kirche ist schon das Highlight, wenn es um Provokation geht. Hat man also gerade einen Ansatz, um wenigstens auf simple Art etwas zu erzeugen, wird dieser sofort wieder in die Tonne getreten. Gekrönt wird dieses Machwerk von einem lächerlichen Patchworkexorzismus, der sich so anfühlt, als hätte die Gruppentherapiesitzung den Projekttag „Besessenheit“ ausgerufen.

    DER EXORZIST – BEKENNTNIS ist in allen Belangen ein Ärgernis und eins der erbärmlichsten Beispiele für eine Legacy-Fortsetzung.

    Als Nächstes kann sich David Gordon Green ja um einen neuen NIGHTMARE ON ELM STREET kümmern, denn aus der Sache mit der angedachten EXORZIST-Trilogie ist dieser Mann glücklicherweise raus.

    (Bjoern Candidus)

  • Golden Temple Amazons, 1986 – ★½

    Golden Temple Amazons, 1986 – ★½

    DER GOLDENE TEMPEL DER AMAZONEN
    (LES AMAZONES DU TEMPLE D‘OR, Frankreich, 1985, Regie: Alain Payet, Jess Franco)

    20 Jahre nach der Ermordung ihrer Eltern durch Amazonen-Kriegerinnen erfährt ihre Tochter Liana, die von Eingeborenen aufgezogen wurde und das schreckliche Erlebnis verdrängt hat, was damals passiert ist. Sie schwört Rache und begibt sich mit ihren Gefährten auf die Suche nach dem Tempel der Amazonen.

    Der Film beginnt mit einer Reiterstaffel von Amazonen, mit frei liegenden Brüsten, die im Zeitraffer zu ihrem Ziel galoppieren und so natürlich gleich die doppelte Aufmerksamkeit bekommen. Die Damen bringen kurze Zeit später einen Mann und seine Frau vor den Augen ihrer kleinen Tochter mit Pfeil und Bogen um. Diese erste Szene verrät, was einen im weiteren Verlauf erwartet: verrückter Irrsinn. Bei Jess Franco gehört das zum guten Ton, und sein Irrsinn ist mir stets willkommen. Für den Brei, der einem hier serviert wird, trägt der Spanier aber nur eine Mitschuld, wenn überhaupt. Schnell wechselt man zu den anderen Aufnahmen, die unter der Regie von Alain Payet (FOLTERZUG DER GESCHÄNDETEN FRAUEN, 1977) entstanden sind. Dem ursprünglichen Studio, Golden Films, ging das Geld aus, Franco brach die Dreharbeiten ab und bot ein paar Jahre später der legendären Produktionsgesellschaft Eurociné das fertige Material an. Diese ließen dann von Alain Payet neues Material drehen, welches mit Francos kombiniert wurde. An und für sich gar nicht schlecht gedacht, aber was man dann serviert bekommt, ist haarsträubender Unsinn. Hat man mit den drei Franco-Darstellern Jean-René Gossart (DIE INSEL DER 30 TODE, 1979), Oliver Mathot (DIE RACHE DES HAUSES USHER, 1983) und Francoise Blanchard (LADY DRACULA, 1982) noch einen kleinen Hoffnungsschimmer, wird dieser im Payet-Part deutlich getrübt. Obwohl der wunderbare William Berger (KEOMA, 1976) und der im Franco-Universum bekannte Antonio Mayans (JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN, 1980) an Bord sind, können sie über das alberne Schauspiel von Analia Ivars (KOMMANDO PANTHER, 1984) als Liana und die noch dümmere Darstellung von Stanley Kapoul (MANIAC KILLER, 1987) als Schamane mit nur einer Gehirnzelle nicht hinwegtäuschen. Die Ausstattung, die 1,50 Franc-Kostüme, die teils errichteten Kulissen und das Gold in den Wänden sieht unglaublich billig aus, was ich gerne akzeptieren würde, befände ich mich in einer anderen Geschichte mit anderen Figuren. Das absolute Anti-Highlight sind die Nur-Kopf-Mumifizierten, die angekettet in einer Höhle herumhängen. Das Einzige, was hier Balsam für die Seele ist, ist das Setting. Gedreht wurde in einem Park bei Alicante, Spanien. Die Landschafts- und Tieraufnahmen sind die Highlights dieser Produktion. Wunderschöne Bäume, Sträucher, Felslandschaften und Höhlen erwarten einen. Dazu gibt es friedliche Tieraufnahmen von Elefanten, Giraffen, Löwen, Affen, die nicht aus einem Archiv stammen.

    Nacktes Fleisch, alberne Action, eine dümmliche Rache-Story und Darsteller Jenseits von Gut und Böse machen aus DER GOLDENE TEMPEL DER AMAZONEN einen bodenlosen Irrsinn, der als Partyfilm allerdings gut funktionieren dürfte.

    (Bjoern Candidus)

  • The Night of a Thousand Cats, 1972 – ★½

    The Night of a Thousand Cats, 1972 – ★½

    DIE RACHE DER 1000 KATZEN
    (LA NOCHE DE LOS MIL GATOS, Mexiko, 1972, Regie: René Cardona Jr.)

    René Cardona Jr. (SOS-SOS-SOS… BERMUDA-DREIECK, 1978) hat hier einen Horrorfilm aufgetischt, der im Grunde nur nummernrevueartig die Tötungen von Frauen präsentiert. Dabei nimmt sich Cardona eines sonderbaren Stils an, der mich ein wenig an Jess Franco erinnert hat, was nicht negativ gemeint ist. Zooms, alptraumartige Momente in Zeitlupe, irrsinnige und schmierige Figuren, altes Gemäuer und ein paar erotische Einlagen bringen zumindest ein bisschen Leben in den handlungsarmen Film. Dass das alles wenig qualitativ ist, hat mich kaum gestört. Der Ranz, der über den Bildern liegt, hat mich auch die Horrorfilme von Andrea Bianchi und Mario Landi erinnert, während das Dschungel-Setting, was nur kurz zu sehen ist, Erinnerungen an das italienische Kannibalen-Kino weckte, was im gleichen Jahr durch Umberto Lenzis MONDO CANNIBALE geboren wurde. Doch Kannibalen sind hier nicht am Start, dafür ein reichlich sonderbarer Hugo Stiglitz (GROSSANGRIFF DER ZOMBIES, 1980) als Hugo, ein widerlicher Playboy, der Frauen auf seinem Schloss auf einer Insel abmurkst, um sie an seine „tausend“ Katzen zu verfüttern. Quasi eine Art Graf Zaroff, denn auch Hugo sammelt Trophäen. Seine Jagd besteht aber erst mal daraus, in den urbanen Gegenden jenseits der Insel schöne Frauen zu verführen, um sie auf sein Schloss zu locken, natürlich mittels schlosseigenem Hubschrauber. Mehr passiert hier auch eigentlich nicht.

    DIE RACHE DER 1000 KATZEN ist spannungsarm, hat keine nennenswerten Schauwerte, stattdessen langweile Füllszenen und hält sich mit expliziten Darstellung zurück. Dennoch kann sich die mexikanische Produktion mit ihrer morbiden Atmosphäre und Hugo Stiglitz, der etwas zugedröhnt erscheint, gerade eben über Wasser halten.

    (Bjoern Candidus)

  • The Big Switch, 1968 – ★★

    The Big Switch, 1968 – ★★

    DIE SEXPARTY
    (THE BIG SWITCH, GB, 1968, Regie: Pete Walker)

    John Carter, ein gut betuchter Mann, der in der Werbung arbeitet und das Spiel mit dem Feuer liebt, begibt sich gerne in das Nachtleben von London, um seinen Lastern zu frönen. Wie schnell er es mit der Unterwelt zu tun bekommt, wird ihm bewusst, als er eine Prostituierte mit nach Hause nimmt, die dort prompt von einem Finsterling erschossen wird. Doch das ist erst der Anfang eines Abenteuers aus Sex, Gewalt und eines kruden Plans, für dessen Umsetzung man den smarten John benötigt.

    Pete Walkers Langfilm-Debüt DIE SEXPARTY, bzw. STRIP POKER – VERDAMMT ZUM TOD, wie die alternative Exportfassung in Deutschland heißt, kann man quasi als Vorspiel zu MÄNNER DER GEWALT betrachten. Auch hier beginnt Walker bereits die Grenzen des britischen Kinos auszuloten, was er ab den 1970er-Jahren nahezu perfektionierte.

    Eine Stripperin in einem Nachtclub, die sich fleißig auspeitscht und ein Off-Kommentar über das Nachtleben von London, eröffnen den Film, was mich unweigerlich an Filme wie MONDO CANE (1962) und Co denken lassen hat. Nachdem John eingeführt wird, ist man aber schnell in dem Krimi, in dem man sein soll. Das Sex- und Nachtleben von London ist allgegenwärtig, ebenso die garstigen Damen und Herren, die ihren Hang zu Folter und Sadismus ausleben, wenn sie John z.B. mit glühenden Zigarren quälen. Doch der ist hart im Nehmen. Sebastian Breaks (DAS HAUS DER SCHATTEN, 1971) als John Carter wirkt allerdings ziemlich betoniert; in ihm steckt wenig Leben. Mehr Stimmung kommt von den leicht überzeichneten Antagonisten.

    DIE SEXPARTY hat wenig Spannung, bietet dafür aber viel nackte Haut und einige Gemeinheiten von kruden Figuren, die auf einen haarsträubenden Plot zulaufen. Ein interessanter Start in die Filmkarriere eines britischen Ausnahme-Regisseurs. Vielleicht war die schöne Geisterbahn im Film ein gutes Omen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Salton Sea, 2002 – ★★★★

    The Salton Sea, 2002 – ★★★★

    THE SALTON SEA
    (USA, 2002, Regie: D. J. Caruso)

    Nachdem die Frau von Jazzmusiker Tom bei einem Überfall zweier maskierter Typen getötet wird, schmiedet er einen Racheplan. Für diesen nimmt er eine neue Identität an: Danny Parker, ein Speed-Junkie, der fortan als Spitzel für die Polizei arbeitet.

    Regisseur D. J. Caruso (DISTURBIA, 2007), der hier sein Langfilm-Debüt vorgelegt hat, schickt Val Kilmer in eine seiner überzeugendsten Rollen, wie ich finde. Als Produzent fungierte Frank Darabont, und der steht meistens für Qualität.
    Hier ist ganz viel Zeitgeist: Drogen-Freaks, Drogen-Cops, garstige Gewalt, entsprechende Musik und stylische Bilder. Doch während andere Produktion aus dieser Zeit in billiger Coolness oder stumpfen Übertreibungen ertrinken, hält sich Caruso über Wasser und überzeug von Anfang bis zum Ende auf allen Ebenen. Vor allem die Darsteller machen viel Spaß. Neben Val Kilmer fährt man Vincent D‘Onofrio, Deborah Kara Unger, Doug Hutchison, Anthony LaPaglia, Peter Sarsgaard, Danny Trejo und sogar Meat Loaf auf. Bereits von Beginn an wird man in eine kaputte Welt gezogen, die sich stylisch, verspielt und versiert fotografiert aufbaut und passend vom Score von Thomas Newman begleitet wird. Zudem gibt es u.a. Songs von den Chemical Brothers, Moby und Lou Reed.

    THE SALTON SEA ist ein hervorragendes Drogen-Krimi-Drama mit schrägen Figuren, einem guten Twist und vielen Schauwerten, das nun über 20 Jahre auf dem Buckel hat, aber immer noch frisch und schnittig wirkt.

    (Bjoern Candidus)

  • Legend of the Werewolf, 1975 – ★★

    Legend of the Werewolf, 1975 – ★★

    DIE LEGENDE VOM WERWOLF
    (LEGEND OF THE WEREWOLF, GB, 1975, Regie: Freddie Francis)

    Ein Kind wird von Wölfen großgezogen und gerät in die Fänge des Wanderzirkus von Maestro Pamponi. Als Etoile erwachsen wird, arbeitet er in einem Pariser Zoo, wo er nicht nur die Liebe für eine Frau entdeckt, sondern auch seine haarige Seite. In Vollmondnächten verwandelt er sich in einen Werwolf.

    Als Kameramann hoch angesehen, als Regisseur im Horror- und Thriller-Metier geschätzt, serviert Freddie Francis hier einen Werwolf-Horrorfilm. 

    Beim Werwolf-Design hat man sich offensichtlich an DER FLUCH VON SINESTRO (1961) orientiert, also keine schlechte Idee. Da die Hammer-Studios die Werwolf-Thematik sowieso nur einmal anrührten, ist es lobenswert, dass sich Tyburn (das Studio von Kevin Francis, dem Sohn von Freddie) dieser noch mal annahm. Dennoch ist ein etwas sauerstoffarm inszenierter Horrorfilm dabei entstanden, der sich aber durch sein solides Handwerk und der passenden Besetzung mit Peter Cushing (stets verlässlich), Hugh Griffith, Ron Moody, Roy Castle und David Rintoul über Wasser halten kann. Die Dorf-Sets und die Ausstattung sind charmant und sorgen für die nötige Atmosphäre. 
    Auch die Verknüpfung der Wolfsjungen- und Werwolf-Thematik weiß zu gefallen. 
    Um ein bisschen mehr Drama einzubauen gibt es noch eine Liebesgeschichte. 

    Trotz solider Arbeit in eigentlich allen Bereichen konnte mich DIE LEGENDE VOM WERWOLF nicht so richtig mitreißen. Freunde des britischen Horror-Kinos sollten trotzdem einen Blick riskieren.

    (Bjoern Candidus)

  • Leprechaun Returns, 2018 – ★★½

    Leprechaun Returns, 2018 – ★★½

    LEPRECHAUN RETURNS
    (USA, 2018, Regie: Steven Konstanski)

    Der irische Kobold ist zurück, und er sucht weiterhin sein Gold. Dieses kam ihm nämlich im 1993 entstandenen LEPRECHAUN abhanden. Und so kommt es, dass LEPRECHAUN RETURNS dort ansetzt, wo der erste Teil des bisher achtteiligen Franchise aufhörte, nur dass inhaltlich 25 Jahre dazwischen liegen.

    In der Zwischenzeit ist Tory, die damals von Jennifer Aniston dargestellt wurde, an Krebs gestorben. Nachdem sie einst mit Nathan, Alex und Ozzie den Leprechaun vernichtet und in einen Brunnen verbrannt haben, wurde sie schwanger. Und nun reist ihre Tochter Lila zum Ort des Geschehens, wo eine Studentenverbindung gerade das Haus nach ökologischen und klimafreundlichen Aspekten umstrukturieren will. Lila, die im Gegenteil zu ihren unterirdischen Freundinnen, etwas mehr Hirn in der Bude hat, wird schnell klar, dass sie hier nicht willkommen ist. Dann stößt ein weiterer Bekannter zur Story: Ozzie, der wieder von Mark Holton dargestellt wird. Immer noch mit gehörigen Respekt im Gepäck nähert er sich dem Brunnen. Und so kommt es, wie es kommen muss: grüner Schleim spritzt aus dem Brunnen, trifft Ozzie im Gesicht und ebnet dem Leprechaun den Weg zu seiner Wiedergeburt.

    Regie führte hier Steven Konstanski, der gemeinsam mit Jeremy Gillespie den wuchtigen THE VOID (2016) kredenzte. Weniger beeindrucken, ja, regelrecht nerven, sollte mich sein PSYCHO GOREMAN (2020). Egal. LEPRECHAUN RETURNS trifft im Grunde die Mitte zwischen den beiden genannten Filmen.
    Was mir hier besonders gefallen hat war der Look. Man könnte wirklich meinen, der Film sei kurz nach dem Erstling erschienen, und nur der minimale Einsatz von CGI verrät eine andere Zeit. Und da wäre auch schon der nächste positive Aspekt, denn der Film liefert schöne praktische Effekte und lässt echtes Kunstblut spritzen. Freunde von Fun-Splatter werden zwar nicht überschwemmt, dennoch liefert der Film in diesem Bereich mehr als die Vorgänger. Natürlich tritt der Film auch auf das Spaß-Pedal, zumindest versucht er es. In diesem Punkten überzeugt LEPRECHAUN RETURNS so halbgar wie die vielen anderen Teile der Reihe. Der ein oder andere Spruch von unserem Leprechaun ist ganz nett, aber damit kann sich der Film nicht profilieren. Im Übrigen ist Warwick Davis hier nicht mehr als Kobold am Start. Sein Erbe tritt Linden Porco an, was er gut gemacht hat. Das Design wurde leicht verändert, hat mir aber trotzdem gut gefallen. Kommen ich nun zum Kanonenfutter. Die bereits erwähnte Lila wird dargestellt von Taylor Spreitler, die im Gegensatz zum Rest der Studentenbande, sympathisch ist. Die sagte mir aber genau so wenig etwas wie Pepi Sonuga, Sai Bennett und der Rest vom austauschbaren Schützenfest.

    LEPRECHAUN RETURNS ist ein visuell ordentlich gemachter Kobold-Slasher mit schöner Ausstattung, ansehnlichen Effekten und einer gehörigen Spur 90er-Jahre-Retro-Charme. Kein Überflieger, aber eines der besseren Horrorfilm-Reboots der letzten Jahre.

    (Bjoern Candidus)