Autor: marco-fritz

  • The Tenant, 1976 – ★★★★★

    The Tenant, 1976 – ★★★★★

    DER MIETER
    (LE LOCATAIRE, Frankreich, 1976, Regie: Roman Polanski)

    Trelkovsky hat das Glück, eine Wohnung in Paris zu beziehen, da sich die Vormieterin aus dem Fenster gestürzt hat. Doch das Glück hält nicht lange an, denn der Vermieter und die anderen Mieter im Haus sind nicht gerade die Mitmenschen, die man sich wünscht. Abweichendes Verhalten, Lärm und andere Störungen werden kritisch beäugt und schnell kommt es zur ersten Diskussionen. Als Trelkovsky die Freundin der Vermieterin kennenlernt, bahnt sich eine Beziehung an. Stella macht Trelkovsky mit ihren Freunden bekannt, doch der fühlt sich zunehmend unwohl in seiner Haut. Der Druck, den der Vermieter und die anderen Mieter im Haus auf ihn ausüben, wird stärker und kratzt an seiner Persönlichkeit, die sich immer mehr zu verändern scheint. 

    Als ich DER MIETER das erste Mal sah, hatte ich, wenn ich aus dem Fenster schaute, fast den gleichen Ausblick wie Trelkovsky. Eine runzelige, alte Fassade mit vielen Fenstern und ein dreckiger Innenhof schauten mich an. Der Schauplatz dürfte für die Meisten nachvollziehbar sein, und genau diese Nachvollziehbarkeit ist eine der Stärken in Polanskis Psycho-Thriller. Die Meisten werden das Gefühl kennen, neu in einem Mietshaus zu sein, sich den Gepflogenheiten anzupassen und möglichst nicht für Konflikte zu sorgen oder sich in die der Anderen einzumischen. Die Nachtruhe einzuhalten ist eine weitere Empfehlung, die hier mehr als einmal nachdrücklich ausgesprochen wird. „Die Vormieterin hat ab 22 Uhr Hausschuhe getragen…“, erwähnt der Vermieter fast wie ein Befehl. 

    Auf äußerst eindringliche Art lässt Polanski Trelkovsky, den er selbst verkörpert, in eine Abwärtsspirale gleiten, in der er sich selbst immer mehr verliert und was von seiner Nachbarschaft offensichtlich befeuert wird, zumindest aus seiner Wahrnehmung heraus. Bissige Dialoge, erstklassige Darsteller und eine permanente Atmosphäre der Angst und Bedrohung machen aus DER MIETER einen äußerst spannenden Film, der durchaus Material zur Auseinandersetzung bietet und in einigen Momenten wunderbar unklar bleibt. Polanski ist als Trelkovsky wirklich zauberhaft und sorgt für viele unglaublich starke Szenen, die ihn mal hilflos, irritiert oder zutiefst verstört zeigen. An Polanskis Seite ist die zauberhafte Isabell Adjani, deren Gesicht als Stella fast hinter einer riesigen Brille verloren geht. Im Mietshaus selbst wohnt der Vermieter mit Frau, was immer eine verdammt schlechte Idee ist. Melvyn Douglas verkörpert Monsieur Zy, den sich wohl niemand als Vermieter wünschen würde. Die kratzbürstige Concierge des Hauses, die über alles und jeden glaubt, Bescheid zu wissen, wird von der tollen Shelley Winters gespielt. Sie und viele weitere Schauspieler sorgen in ihren Rollen für Szenen für die Ewigkeit. 

    Trotz der Paranoia und der zunehmenden Wesensveränderung, die Trelkovsky durchmacht und auch beim Zuschauer für immer mehr Unwohlsein und Irritationen sorgt, liefert Polanski auch herrlich schräge, humorvolle Momente, wenn z.B. die von den anderen Mietern gehasste Madame Gaderian (Lila Kedrova) vor ihre Wohnungstüren kackt. „Nur vor Ihre Türe habe ich nichts gelegt“, sagt sie. Danach schmiert sich Trelkovsky selbst ein bisschen Kot von der Madame vor seine Wohnungstür, damit niemand glaubt, er hätte die Haufen gelegt. Doch die Auflockerung hält nicht lange, denn mit fortschreitender Spielzeit verdichtet sich DER MIETER und es kommt zu höchst beängstigenden Alptraumbildern. Es hat einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen, wenn die anderen Mieter einfach nur im WC stehen und rüber in Trelkovskys Wohnung starren oder er einfach nur einen Zahn der Vormieterin in einem Loch in der Wand findet. Es sind viele Details, die den Film zusätzlich interessant gestalten, wie z.B. die ägyptische Symbolik.

    Kamera-Legende Sven Nykvist liefert ein Meer an unglaublich atmosphärischen Bildern, die Trelkovskys Abstieg in einem alptraumhaften Paris zeigen. Das meiste spielt sich allerdings im Studio ab, in dem z.B. der komplette Hinterhof mit Hausfassade errichtet wurde. Aber es ist nicht nur die Architektur, die hier meisterlich eingefangen wurde, sondern auch die Darsteller, die einem manchmal förmlich ins Gesicht springen. Wie eine Spinne langsam ihre Beute eingewebt, ist es hier Philippe Sarde, der einen mit seinem Score zusätzlich packt und in die düstere Welt von Trelkovsky begleitet. 

    DER MIETER ist in jeglicher Hinsicht ein Meisterstück und ein ausgesprochen gutes Beispiel für eine Romanadaption. Polanski und sein Drehbuchautor Gérard Brach
    folgen Roland Topors Roman so genau, wie ich es selten erlebt habe. Wenn man sich etwas mit dem Werk von Topor beschäftigt, wird man gerade in seinen bizarren, überspitzen Zeichnungen ein stückweit die düstere Welt von Trelkovsky erkennen. 

    DER MIETER ist ein beängstigender Psycho-Thriller über den Verlust der eigenen Identität, in dem Polanski als Regisseur jedes Rädchen komplett unter Kontrolle zu haben scheint, während er sie als Trelkovsky immer mehr verliert. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme und mein Lieblingsfilm von Roman Polanski. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Dentist 2, 1998 – ★★

    The Dentist 2, 1998 – ★★

    DENTIST II – ZAHNARZT DES SCHRECKENS
    (THE DENTIST II, USA, 1998, Regie: Brian Yuzna)

    Nachdem der Zahnarzt Dr. Feinstone seine Frau beim fremdgehen erwischt und ihr die Zunge herausgeschnitten hat, ging er dazu über auch seine Patienten zu misshandeln, was ihn letztlich in die Psychatrie brachte. Und aus dieser bricht er in THE DENTIST 2 aus, um in einer anderen Stadt unter einer anderen Identität, ein neues Leben zu starten. Doch die Geschichte wiederholt sich, als die dunkle Seite in ihm erneut aufbricht.

    Und diese Wiederholung hätte es nach dem wenig gelungenen Vorgänger nicht gebraucht. Doch Brian Yuzna war anderer Meinung und ließ zwei Jahre später Corbin Bernsen erneut den Zahnarztkittel überwerfen. 

    Die Fortsetzung beginnt in der Psychatrie, in der Dr. Feinstone im Nullkommanix seine Therapeutin überwältigt und im nächsten Moment schon mit dem Auto aus der Psychatrie fährt. Sparsam geht es weiter, wenn man sich erneut in langweiligen Räumen aufhält, die zumindest diesmal ein bisschen atmosphärischer ausgeleuchtet wurden. Dennoch überwiegt die langweilige 90er-Jahre-Ästhetik, die an TV-Produktionen erinnert. Das Schrägstellen der Kamera oder die Drehungen, wenn Feinstone in den Irren-Modus schaltet, sind erneut gelungen, ändern aber nichts an der faden Umsetzung des Gezeigten. Alles dehnt sich, und das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip der meisten Fortsetzungen scheint außer Kraft gesetzt zu sein. Mit dem Gore-Faktor liegt man hier mit dem Vorgänger in etwa gleich auf, dennoch erzielen die blutigen Momente wenig Wirkung, weil sie auch nichts Neues liefern. 
    Corbin Bernsen spielt Dr. Feinstone etwas reduzierter und damit auch langweiliger. Nicht, dass mir seine Darstellung im Vorgänger besonders gut gefallen hat, aber wenn, hätte man schon bei der Überzeichnung seiner Figur bleiben sollen. Das einzig wirklich interessante Element ist die Rückkehr seiner Frau, die auf Rache aus ist. Alle anderen Figuren sind genauso belanglos wie im Vorgänger. Immerhin darf Clint Howard mal ganz kurz als Patient in Feinstones Praxis erscheinen. 

    Selbst die alljährliche Routineuntersuchung beim Zahnarzt ist spannender als DENTIST II.

    (Bjoern Candidus)

  • The Return of the Texas Chainsaw Massacre, 1995 – ★½

    The Return of the Texas Chainsaw Massacre, 1995 – ★½

    TEXAS CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKKEHR
    (THE RETURN OF THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE, USA, 1994, Regie: Kim Henkel)

    Vier dumme Jugendliche bleiben nach dem Abschlussball mit ihrem Auto in der Pampa stehen. Es dauert nicht lange, bis jemand seine Hilfe anbietet. Doch diese Hilfe stellt sich als trügerisch heraus, denn ganz in der Nähe steht das Haus der Kannibalen-Familie Sawyer, die bereits sehnlichst auf Frischfleisch wartet..

    Dass ausgerechnet Kim Henkel, der Mit-Vater des Original THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) hinter diesem Film hier steckt, ist schon an sich ein Trauerspiel. Ein neuer, modernerer Titel des Films könnte TEMU CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKSENDUNG lauten. Doch selbst ein Temu-Produkt kann einen Nutzen erfüllen, und den erfüllt auch Henkels Film. Nach dem Abspann hat man nämlich 87 Minuten damit verbracht, sich zu fragen, warum solch ein Produkt überhaupt entstanden ist. Dabei ist die Lösung ganz einfach: es ging natürlich um Geld.

    Der Vorteil von TEXAS CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKKEHR ist der, dass er zu keiner Zeit irgendeine Spannung oder ein Interesse erweckt, was mit laufender Spielzeit abflachen könnte. Wo nichts ist, kann man nichts nehmen. Den dämlichen Jugendlichen wünscht man den sofortigen Filmtod, damit sie nicht mehr nerven können. Dass Renée Zellweger, die hier das Hauptopfer Jenny spielt, nichts mehr von dem Film wissen will, ist fast verständlich. Das gleiche Problem hat auch Matthew McConaughey, der hier ein versifftes und mit elektronischer Beinschiene ausgestattetes Mitglied der Familie Sawyer ist. Er nennt sich Vilmer und ist genau so belanglos wie der Rest der Familie, die bis auf Leatherface aus neuen Figuren besteht. Leatherface geht fast völlig unter oder verkommt als kreischender Transvestit, der höchstens terroristische Angriffe auf mein Nervenkostüm veranstaltet hat. Dass er sich hier wie eine Frau schminkt, ist gar nicht das Problem. In den geschnittenen Szenen des Originals ist eine ähnliche Szene zu sehen, die Henkel möglicherweise schon damals im Film haben wollte. Neben Vilmer gibt es noch Joe Stevens als W.E., der noch langweiliger ist als Vilmer und Tony Perensky als dumme Titten-Tussi Darla.

    Und wer dachte, Henkel liefert wenigstens Blut und Gekröse, muss auch in diesem Punkt bitter enttäuscht werden. TEXAS CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKKEHR ist mit Abstand der zahmste Teil der Reihe. Hier wurde erst gar nichts versucht, was hätte hängen bleiben können. Eine Sache wäre da vielleicht doch, denn die Story hält ja noch eine Art Auflösung parat. ACHTUNG SPOILER! Gegen Ende taucht noch ein mysteriöser Mann der Illuminaten auf, der den Film vollends ins Bodenlose fallen lässt. 

    Man kann TEXAS CHAINSAW MASSACRE – DIE RÜCKKEHR drehen und wenden, wie man will, er bleibt ein extrem schlechter Film. 

    (Bjoern Candidus)

  • Traumstadt Gazette Ausgabe 84

    Traumstadt Gazette Ausgabe 84

    TRAUMSTADT GAZETTE 84

    Infizierte Briten, eine Kampfmaschine mit Nippeln, Räuber im Dschungel Australiens…

    -HARLEY RIDERS – SIE KANNTEN KEIN ERBARMEN (1975)

    -MAD DOG MORGAN (1976)

    -RETALIATOR (1987)

    -DOLORES (1995)

    -CHE (2008)

    -28 YEARS LATER (2025)

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • The Dentist, 1996 – ★★½

    The Dentist, 1996 – ★★½

    THE DENTIST
    (USA, 1996, Regie: Brian Yuzna)

    Der erfolgreiche Zahnarzt Dr. Feinstone verliert den Verstand, als er seine Frau mit einem anderen Mann erwischt. Er beginnt seine Rachetour, bei der er auch seine Patienten mit einbezieht, die er in den Zahnarztstühlen foltert. 

    Kaum ein anderer Arzt sorgt wohl schon bei der Erwähnung für so viel Angst und Schrecken wie der Zahnarzt. Glücklicherweise habe ich mit Zahnärzten meinen Frieden geschlossen, allerdings nicht mit Dr. Feinstone. 

    Nachdem Brian Yuzna mit SOCIETY (1989) ein starkes Horrorfilm-Debüt hinlegte, folgten weitere Filme, die bis heute nicht vergessen sind. Doch mit THE DENTIST ging es langsam bergab mit der Unterhaltung. 

    An sich ist die Idee um einen Zahnarzt, der immer mehr den Verstand verliert und seine Patienten foltert, keine schlechte. Bereits in John Schlesingers Thriller DER MARATHON-MANN (1976) darf man erleben, wie furchtbar eine Zahnfolter sein kann, und hier bekommt man ganz viel davon. Doch was Dustin Hoffman und Laurence Olivier packend und nervenzerreißend auf die Leinwand brachten, verkommt hier zu einem überdrehten Horrorfilm, der jegliche Spannung großzügig umgeht. Corbin Bernsen Performance als Dr. Finestone ist zwar nicht übel, doch nervt sie irgendwann. Hier fehlt die nötige Ernsthaftigkeit, um THE DENTIST zu einem richtig unangenehmen Horrorfilm werden zu lassen. Die Close-ups von Mündern und Zähnen, an denen Feinstone absichtlich Schäden hinterlässt, sind durchaus überzeugend, verlieren nur schnell ihre Wirkung, wenn die Inszenierung in Hektik und Quatsch verfällt. Die nervöse Kamera und die oft schrägen Einstellungen unterstreichen den comicesken Ton der Inszenierung, was durchaus gelungen ist. Ken Foree bringt als Detective nicht mehr Unterhaltung mit rein, und Mark Ruffalo ist lediglich als genervter Patient an Bord. Feinstones Geliebte Brooke wird von Linda Hoffman verkörpert, der Feinstone zur Strafe die Zunge entfernt. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Atmosphäre. Der Film sieht viel zu hell aus und bewegt sich in langweiligen Räumen, die sich lediglich durch die nach Themen gestalteten Behandlungszimmer etwas abheben. 

    THE DENTIST ist leider kein großer Wurf in Yuznas übersichtlicher Filmografie. Nervig, aber immerhin solide gezimmert. 

    (Bjoern Candidus)

  • Oasis of the Zombies, 1982 – ★½

    Oasis of the Zombies, 1982 – ★½

    OASE DER ZOMBIES
    (LA TUMBA DE LOS MUERTOS VIVIENTES, Frankreich, Spanien, 1983, Regie: Jess Franco)

    Nach der Ermordung des Ex-Offiziers Captain Blabert, der im Besitz einer Landkarte war, die zu verstecktem Gold in einer Oase führt, reist sein Sohn Robert mit seinen Freunden nach Nordafrika, um den Schatz zu bergen. Aber auch der Mörder von Blabert, Kurt Meitzell, der nun im Besitz der Fundortkarte ist, macht sich auf die Suche nach dem Gold, was einst von Nazis gestohlen wurde. Doch der Schatz wird von untoten Nazis bewacht.  

    OASE DER ZOMBIES aus der französischen Filmklitsche Eurociné ist vermutlich kein Film, der einen Jess Franco-Nicht-Fan zu einem Jess Franco-Fan machen wird. Die Wahrscheinlichkeit, sich nach dem Film für avantgardistische Klangkunst zu interessieren, steigt höchstwahrscheinlich auch nicht. Dass der mal nervtötende, mal hypnotische Score von Daniel White (und/oder Jess Franco) unter dem Strich noch das Beste ist, was hier auf einen wartet, soll nicht verschwiegen werden. Inwieweit sich der Score von der spanischen Fassung zur französischen, bzw. internationalen unterscheidet, kann ich nicht sagen, er tut es aber.

    Eröffnet wird die OASE DER ZOMBIES von zwei Damen, die eine sportlich, die andere tut so, die ihre Hintern in engen Hotpants durch die Wüste schwingen und in einer Oase aus Dattelpalmen landen. Nachdem sie auf ein paar Blechteile stoßen, von denen eins sehr offensichtlich mit einem Hakenkreuz markiert wurde, wartet auch schon das Grauen auf sie. Die Oase wird nämlich von Nazi-Zombies bewacht, die kein Interesse daran haben, dass man ihnen ihr Gold stiehlt, was sie bereits in einer Schlacht verteidigen mussten, die man im späteren Verlauf in ziemlich stümperhaften Rückblicken erleben darf. Nach dem Auftakt geht es nicht besser weiter. 

    Franco hat viele Darsteller zusammengekratzt, die komplett talentfrei sind und manchmal fast verstörend schlechte Darbietungen liefern. Auf bekannte Franco-Gesichter muss man fast verzichten. Lediglich Antonio Mayans ist in allen Fassungen zu sehen, während Lina Romay und Eduardo Fajardo nur in der spanischen auftauchen. 

    Das totale Anti-Highlight ist die Ermordung von Captain Blabert, der mittels Gift getötet wird, welches in einer Kugelschreibermine versteckt ist und durch schnelles Rein- und Rausdrücken der Mine in die gewünschte Blutbahn gelangt. Dagegen wirkt die Rückkehr von Kurt Meitzell, nachdem ihn die Zombies angefallen haben, fast überzeugend. Das Untoten-Gelumpe, was einem hier entgegenkommt, ist teilweise sogar recht gelungen. Das Make-up erinnert zwar an Hautpeeling-Masken, die statt 10 Minuten 10 Tage auf der Haut gelassen wurden, aber das bringt einen gewissen Reiz mit. Dennoch sind sie zu kümmerlich, um als Gefahr zu überzeugen. 

    Die dämliche Story von OASE DER ZOMBIES sei gnädig verziehen, denn mit dämlichen Storys lebt man als Horror-Fan sehr gut, aber alles andere, was einem hier begegnet, lädt lediglich zum Kopfschütteln ein. Das ist wirklich ein schlechter Franco. 

    (Bjoern Candidus)

  • Leatherface: The Texas Chainsaw Massacre III, 1990 – ★★★

    Leatherface: The Texas Chainsaw Massacre III, 1990 – ★★★

    LEATHERFACE – DIE NEUE DIMENSION DES GRAUENS
    (LEATHERFACE: TEXAS CHAINSAW MASSACRE III, USA, 1990, Regie: Jeff Burr)

    Auf dem Weg nach Florida fahren Michelle und Ryan durch Texas, was ihnen schnell zum Verhängnis wird. Nachdem sie an einer Tankstelle eine Begegnung mit zwei üblen Typen haben, werden sie nach der Weiterfahrt von Leatherface mit seiner Kettensäge angegriffen und gelangen in die Fänge der Familie Sawyer, die aus Menschen Wurst macht. 

    Erneut wird der Film mit einem Off-Sprecher und einem Lauftext eröffnet, der einem verrät, dass Sally Hardesty, nachdem sie im Jahre 1973 Schreckliches erlebt hat, im Jahre 1977 in einer Privatklinik verstarb. Der Anfang und der weitere Verlauf des Films macht klar, dass Tobe Hoopers 2. Teil umgangen wird. LEATHERFACE fühlt sich mehr wie ein eigenständiger Film an, was vor allem an der neuen Familie Sawyer liegt, von der nur Leatherface und Grandpa übrig sind. Während in Grandpa endgültig kein Leben mehr steckt, ist Leatherface voller Energie. Dieser wird diesmal von R.A. Mihailoff gespielt, dessen Darstellung mir insgesamt besser gefallen hat als im zweiten Teil durch Bill Johnson. Neu sind Miriam Byrd-Nethery als Mama Sawyer, eine widerliche Alte, die im Rollstuhl sitzt und durch ein Elektrolarynx spricht. Neben Leatherface hat sie noch eine kleine Tochter (Jennifer Banko) und zwei Söhne namens Tex (Viggo Mortensen) und Tinker (Joe Unger), die verhältnismäßig „normal“ gezeichnet werden. Sie entsprechen mehr dem White Trash-Typ als den komplett Verrückten der Vorgängerfilme. Insgesamt verhält sich LEATHERFACE bodenständiger, etwas konventioneller, aber ohne dabei langweilig zu sein. Michelle, die diesmal den Terror aushalten muss, wird von Kate Hodge gespielt, die soweit okay ist. Schön ist auch das Auftauchen von Ken Foree, der sich gegen die Sippschaft wehrt und ein zünftiges letztes Drittel zu verantworten hat.

    Was hier direkt auffällt ist die tolle Fotografie von James L. Carter, der sowohl die Schauplätze am Tag wie in der Nacht stark eingefangen hat und durchaus eine spannende Atmosphäre liefert. Die Produktion sieht besser aus als viele andere aus berühmten Horrorreihen jener Tage. Das liegt natürlich auch am Regisseur Jeff Burr, der vorher mit Filmen wie DIE NACHT DER SCHREIE (1987) und STEPFATHER II (1989) ganz gute Filme inszeniert hat. Was die grafische Gewalt angeht, ist LEATHERFACE eine gute Mischung aus TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) und TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986). Es gibt ein paar grobe Gewaltspitzen, aber vieles wird (trotz unrated Version) nur angedeutet. Zimperlich geht es hier auf jeden Fall nicht zu. Auch die Innenausstattung der Sawyers lehnt sich an das Original an. Alles ist dreckig, überall liegen Menschenknochen und Material, um Wurst herzustellen. 

    LEATHERFACE – DIE NEUE DIMENSION DES GRAUENS ist ein solider Horrorfilm, mit einer dichten Atmosphäre und ein paar garstigen Momenten. Burr hat hier quasi die erste Mainstream-Version von TEXAS CHAINSAW MASSACRE gedreht.

    (Bjoern Candidus)

  • The Forest, 1982 – ★

    The Forest, 1982 – ★

    THE FOREST
    (USA, 1982, Regie: Don Jones)

    Irgendwo in den Wäldern Kaliforniens wollen sich zwei Frauen mit zwei Männern treffen, um gemeinsam ein Wochenende in der Natur zu verbringen. Genau in dieser Gegend kam es einst zu einer Familientragödie, in der ein Familienvater seine Frau getötet hat, weil er sie beim fremdgehen erwischt hat. Gemeinsam mit seinen beiden Kindern ist er in den Wald geflüchtet, in dem er seit dieser Zeit sein Unwesen treibt und Touristen überfällt und umbringt. 

    Das Beste zuerst: die Natur von Kalifornien ist ein weiteres Mal ein Argument, sich einen Film anzugucken. Bei THE FOREST bleibt es auch das einzige Argument. Mein Herz für Quatsch ist groß, aber die Story und die Umsetzung, die Regisseur Don Jones hier abgeliefert hat, ist schon ziemlich unterirdisch. 

    Viele Horrorfilme können sich immer wieder durch den Antagonisten retten, durch eine Killermaschine, die wahllos Menschen umbringt, die in irgendwelchen Gegenden ihren Spaß haben wollen. Die Besetzung der Damen und Herren, die hier in die Wälder aufbrechen, sind wahrlich kein Gold, aber dennoch besser als die Familie, der man in THE FOREST begegnet. Der bekloppte Familienvater John, der mittlerweile zum Kannibalen geworden ist, wird unfassbar schlecht von Gary Kent gespielt, der mit seiner fürchterlichen Perücke an einen schlecht gelaunten Bruder von Helge Schneider erinnert.
    Sein Können reicht natürlich nicht im Ansatz an das von Helge Schneider, und er beweist es zu jeder Filmsekunde. Und wem er nicht ausreicht, um hier die Lust zu verlieren, wartet einfach ab, bis er die Kinder von John kennenlernt. Kinderdarsteller sind immer wieder ein Problem, weil sie oft sehr hölzern spielen, was man ihnen nicht verdenken kann. Aber die beiden Gören, ein Junge und ein Mädchen, die hier auftauchen, trotzen jeder Beschreibung. Dass die beiden Kinder Geister sind, was sofort verraten wird, wenn sie mit einer sonderbaren Hall-Stimme sprechen, macht es auch nicht mehr schlimmer. Und wer glaubt, die Mutter reißt es raus, muss leider auch enttäuscht werden. Hier ist wirklich Katastrophenalarm angesagt, und die wenigen blutigen Momente können leider auch nichts herausreißen. Auch ein Backwood-Horrorfilm wie AUSFLUG IN DAS GRAUEN (1981) schmückt sich nicht mit Hirn, ist aber um Welten unterhaltsamer, als dieser langweilige, spannungslose Schund (Ich benutze das Wort so ungern.), den Jones hier abgeliefert hat. Und wem das immer noch nicht reicht, um hier Abstand zu nehmen, dem sei auch noch verraten, dass der Score von Richard Hieronymus und Alan Oldfield ganz fürchterlich unpassend ist.

    Bitte statt THE FOREST zu gucken lieber einen 90-minütigen Spaziergang im Wald unternehmen.

    (Bjoern Candidus)

  • The Night Porter, 1974 – ★★★★½

    The Night Porter, 1974 – ★★★★½

    DER NACHTPORTIER
    (IL PORTIERE DI NOTTE, Italien, 1974, Regie: Liliana Cavani)

    Wien, 1957. Der Nachtportier Max Aldorfer staunt nicht schlecht, als plötzlich Lucia Atherton vor ihm an der Rezeption steht. Vor zwölf Jahren, als er noch als Aufseher in einem KZ beschäftigt war, führte er eine sadomasochistische Beziehung zu der inhaftierten Jüdin. Beide lassen sie sich nicht anmerken, dass sie sich kennen, und doch ist beiden klar, wen sie vor sich haben. Während Lucia mit ihrem Ehemann das Hotelzimmer beziehen, keimt in Max die Liebe wieder auf. Doch ihr Wissen über Max Vergangenheit als Nazi wird für ihn zur Gefahr, denn seine Nazi-Kameraden dulden keine Zeugen, die sie hinter Gitter bringen könnten. 

    Die italienische Regisseurin Liliana Cavani stößt einen mit DER NACHTPORTIER in ein tiefschwarzes, packendes Drama, was einem kaum Luft zum atmen lässt. Braun-, Grau- und Grüntöne bestimmen die depressiv stimmenden Bilder, die fast horrorfilmartig werden, wenn sich die beiden Protagonisten an ihre Vergangenheit im KZ erinnern. Das leichenhafte Make-up und die morbide Atmosohäre dieser Rückblick-Szenen sind beindruckend abstoßend. Ohne auf große Nacktheit oder explizite Sex-Szenen zu setzten, bekommt man ein paar Einblicke in die sadomasochrstische Verbindung zwischen dem Wärter Max und der gefangenen Lucia, was im Rahmen eines Konzentrationslagers einen ganz besonders üblen Beigeschmack hat. Aber im Gegensatz zu Bruno Mattei und seinen Epigonen, die auf der Naziploitation-Welle schwammen, für die DER NACHTPORTIER mit verantwortlich war, verweigert sich Cavani den Versuchen, das Publikum auf plumpe Art zu schockieren. Alles ist hier schon schockierend genug, denn die Nazis haben schließlich überlebt und Stellen weiterhin eine Gefahr für ihre Opfer dar. Max, der ganz hervorragend von Dirk Bogarde gespielt wird, steht zwischen den Stühlen. Seinen Kameraden hat er Vaterlandstreue geschworen und sollte alles dransetzen, um Lucia aus dem Weg zu räumen, damit sie sie nicht verraten kann. Auf der anderen Seite liebt er Lucia, die ihn mit ihrem Wissen über ihn erpressen kann. Eine packende Zwickmühle, die zu einem bedrückenden und dichten Belagerungs-Szenario führt, was das Punktekonto von Max zumindest etwas auffüllt. Lucia wird von Charlotte Rampling dargestellt, die einen schon allein mit ihrem traurigen und verbitterten Gesichtsausdruck runterziehen kann. Eine wunderbare Wahl, die Rampling in Hollywood, trotz oder wegen des Skandals, den DER NACHTPORTIER auslöste, zu einer begehrten Dame machte. Das Spiel der Beiden ist sehr knisternd. Er schlägt sie, sie umarmen sich. Mal wirken sie hoffnungslos, mal keimt etwas in ihnen auf, doch man hat mehr das Gefühl, zwei Tote erinnern sich an ihre Vergangenheit in der Hölle. Ganz wunderbar wurden auch die anderen Nazis besetzt, die vor allem von Klaus angeführt werden, den Philippe Leroy mit Monokel eindringlich verkörpert. 

    Trotz, dass auf inhaltlicher Ebene gar nicht so viel passiert, ist DER NACHTPORTIER ein reicher Film. Provokante Themen hat das Kino jener Tage genug geliefert, aber nicht alle Filme, die brisante Themen aufgreifen, sehen so gut aus wie dieser hier. Neben der sehr bedrückende Farbgestaltung ist es vor allem auch die Fotografie von Alfio Contini, der hier alles in Einklang bringt und manchmal geradezu albtraumhafte Bilder liefert. Alles wird perfekt eingefangen. Es ist gleich, wie man zu dem Inhalt steht, der bei einer Spielzeit von knapp zwei Stunden sicherlich noch etwas hätte vertieft werden können, aber visuell und darstellerisch ist Cavanis Inszenierung auf einem ganz hohen Niveau.

    (Bjoern Candidus)

  • The Love Butcher, 1975 – ★★★½

    The Love Butcher, 1975 – ★★★½

    SCHIZOPHREN
    (THE LOVE – BUTCHER, USA, 1975, Regie: Mikel Angel, Don Jones)

    Eine Reihe blutiger Frauenmorde versetzt einen idyllischen Vorort in Angst und Schrecken. Ausgeführt werden diese von dem etwas degenerierten Caleb, bzw. seiner zweiten Persönlichkeit, seinem Bruder Lester. Lester spricht zu Caleb und benutzt seinen Körper dazu, Frauen zu töten. Ein Machtkampf einer schizophrenen Persönlichkeit ist entfacht.

    Da man sich von Mikel Angels Version von SCHIZOPHREN wenig beeindruckt zeigte, übernahm Don Jones das Projekt und ließ einige neue Szenen drehen, um der Story einen sinnvolleren Verlauf zu verpassen. Wer auch immer hier letztlich für was verantwortlich war, das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. SCHIZOPHREN ist ein garstiger Psycho-Thriller mit einem Psychopathen, der deutlich an Norman Bates erinnert, aber auch einen Frank Zito aus MANIAC (1980) vorwegnimmt. 

    Der Film spielt in einem „Heile Welt“ – Vorort von L. A. und bietet neben dem Wahnsinnigen Caleb viele arrogante Schnepfen, die ihn in ihrem Garten arbeiten lassen und verbal erniedrigen. Um die zu beseitigen, ist Lester zur Stelle. Lester ist der verstorbene Bruder von Caleb, der seine Identität annimmt, um die Welt von unmoralischen Frauen zu befreien. Die farbenfrohen Gärten und die oberflächlichen Damen in ihren Kostümen und Villen stehen im Kontrast zu Calebs kaputter Welt mit seinem imaginären Bruder Lester, der aus einem gliedlosen Körper mit einem schwarzen Styroporkopf mit Perücke besteht. Die farbige Ausleuchtung erinnert dabei stellenweise sogar an das Kino von Mario Bava und Dario Argento. Wenn Caleb seine fette Brille abnimmt und die Perücke aufsetzt, um seine Halbglatze zu verbergen, verwandelt er sich in den gutaussehenden Lester. James Lemp sei hier wirklich zu loben. Als Caleb ist er zwar eine Nummer zu sehr auf Idiot getrimmt, aber wenn er Lester spielt, überzeugt er als wandelbarer Schönling, der Frauen um den Finger wickelt, bevor er sie tötet. Auffällig sind auch die recht harten Kills, z. B. mit einem Gartenschlauch, einer Heckenschere oder einer Mistgabel. Gärtner…

    SCHIZOPHREN ist ein solider Psycho-Thriller, der etwas an die frühen Hoopers und Cravens erinnert, natürlich ohne deren Kraft zu erreichen. 

    (Bjoern Candidus)