Autor: marco-fritz

  • Nachtgeschichten (3) – Frank Lillie Pollock – Die letzte Morgenröte (1906)

    Nachtgeschichten (3) – Frank Lillie Pollock – Die letzte Morgenröte (1906)

    Dieses Mal sprechen Bjoern Candidus und Patrick Siebold über die Kurzgeschichte „Die letzte Morgenröte“ von Frank Lillie Pollock, in der eine lang angekündigte Sonne ihre vernichtenden Strahlen losschickt und damit die Erde unaufhaltsam erhitzt.

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • Don’t Torture a Duckling, 1972 – ★★★★★

    Don’t Torture a Duckling, 1972 – ★★★★★

    QUÄLE NIE EIN KIND ZUM SCHERZ
    (NON SI SEVIZIA UN PAPERINO, Italien, 1972, Regie: Lucio Fulci)

    In einem kleinen Bergdorf in Süditalien kommt es zu einer Reihe von Morden an kleinen Jungen. Die Polizei hat einen ersten Verdächtigen, doch als es zu einem weiteren Mord kommt, wird dieser freigelassen. Nicht nur die Polizei hat Interesse, den Fall zu lösen, sondern auch der Reporter Andrea Martelli, der ein Auge auf die reiche Patrizia geworfen hat, die ebenfalls große Anziehungskraft auf die Knaben im Dorf hat. 

    Mit QUÄLE NIE EIN KIND ZUM SCHERZ hat Lucio Fulci vielleicht seinen ausgewogensten Film geschaffen, der alle Zutaten bündelt, die sein Werk so kraftvoll machen. Sein negatives Weltbild zeigt sich in der Engstirnigkeit, in den Vorurteilen durch religiöse Verblendung und im sadistischen bis mörderischen Verhalten vom Aberglauben fehlgeleiteter Menschen, die glauben, sie könnten den Schrecken mit Eisenketten herausprügeln. Fulci liefert hier bereits eine Vorschau auf seine späteren Gewaltexzesse, nur auf realistischere Art und Weise. Seine tiefe Ablehnung gegen die Katholische Kirche dürfte auch ein Grund für seine sexuellen Provokationen sein, die er hier spielen lässt. Da fällt besonders die Szene ins Auge, in der sich Barbara Bouchet als Patrizia nackt vor einem Jungen rekelt, die Fulci in der Tat Probleme einbrachte. Überall scheint ein leichter Hauch der Pädophilie zu liegen, was man besonders im Umgang zwischen Don Alberto Avallone und seinen Knaben spüren kann. An dieser Stelle seien ausdrücklich die sehr gut gewählten Kinderdarsteller erwähnt, die ein authentisches Bild einer Kindheit jener Tage zeichnen. Irgendwie lustig, wenn sich einer der minderjährigen Jungen völlig selbstverständlich eine Zigarette anzündet und dann Fußball spielt. 

    Neben der mit unglaublichem Liebreiz beschlagenen Barbara Bouchet als Patrizia, darf die immer kraftvolle Florinda Bolkan die (Möchtegern-) Hexe Maciara spielen, die, während man sie parallel im Soundtrack singen hört, zu Brei geschlagen wird. Der Stellvertreter Gottes auf Erden, Don Alberto Avallone, wird passend vom aalglatten Marc Porel verkörpert, während der einzigartige Tomás Milián den Reporter Andrea Martelli mimt. 

    Aber man wird hier nicht nur durch die hervorragenden Darsteller und ihr Spiel untereinander verwöhnt, sondern auch durch die phantastische Fotografie von Sergio D’Offizi. Das Erste, was man während der Credits sieht, ist die wunderschöne, sonnendurchflutete Landschaft Süditaliens, die D’Offizi in Totalen einfängt, die die Abgeschiedenheit des Schauplatzes unverkennbar klarmachen. Immer wieder liefert D’Offizi Impressionen von Hügeln und Felsmassiven, saftigen Wäldern und einer imposanten Autobahnbrücke, die sich durch die Natur schlängelt. Ganz zauberhaft ist auch die Einrichtung der Designer-Wohnung von Patrizia, die über alles hinwegblicken kann. Gut für sie, denn die Leute aus dem Dorf hassen die reiche Dame von Welt, die gerne Marihuana raucht. Düster und mysteriös wird es hingegen in den Voodoo-Ritual-Szenen, wenn Maciara Nadeln in kleine Wachspüppchen steckt. 

    Jedes Bild in QUÄLE NIE EIN KIND ZUM SCHERZ scheint perfekt, und die Lebendigkeit der Figuren ist außergewöhnlich für das Giallo-Kino. Fulci verzichtet auf viele giallotypische Motive, was der Inszenierung zugute kommt und frischen Wind ins Genre bläst. Trotz der Grausamkeit und der Kälte vieler Figuren, gelingt es Fulci auch eine bittersüße Melancholie aufzubauen, die vor allem durch Riz Ortolanis Score unterstützt wird. Ein Sommer des Schreckens in traumhaft schönen Bildern, Klängen und Tönen wurde hier geschaffen. 

    Mit QUÄLE NIE EIN KIND ZUM SCHERZ hat Fulci einen hoch qualitativen, glänzend besetzten und themenreichen Giallo gezaubert, bei dem die Tätersuche fast zur Nebensache wird, weil alles andere so spannend und mitreißend inszeniert wurde. Wie EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) und GEISTERSTADT DER ZOMBIES (1981) zwei außergewöhnliche Horrorfilme sind, so ist QUÄLE NIE EIN KIND ZUM SCHERZ ein außergewöhnlicher Giallo. 

    (Bjoern Candidus)

  • Pet Sematary, 1989 – ★★★★

    Pet Sematary, 1989 – ★★★★

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE
    (PET SEMATARY, USA, 1989, Regie: Mary Lambert) 

    Der Arzt Louis Creed zieht beruflich mit seiner Familie nach Maine, wo man ein Haus an einer Schnellstraße bezieht. Diese Straße kostete bereits vielen Tieren das Leben, und so haben die Anwohner beschlossen, einen Tierfriedhof zu errichten. Doch von seinem Nachbarn erfährt Louis von einem weiteren Friedhof, der angeblich die Toten zurück in die Welt der Lebenden bringt. Als die Katze der Familie Creed überfahren wird, versucht Louis sein Glück und begräbt das Tier auf dem Friedhof, was sich als fataler Fehler herausstellt. Doch Louis lernt nicht aus Fehlern. 

    Mit FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE verbindet mich eine lange Tradition, da es nicht nur mein erster Stephen King Roman war, der mich interessierte, sondern auch eine der ersten Verfilmungen aus seiner Feder, die ich erblickte. Trotz, dass es sich noch um eine 80er-Jahre-Produktion handelt, sieht der Film sehr viel moderner aus und gibt bereits einen kleinen Ausblick in die 90er-Jahre, in dem sich das Horrorkino immer mehr dem Mainstream-Publikum annahm. Von einer Familientauglichkeit ist hier allerdings nichts zu spüren. Das Gegenteil ist der Fall, denn hier wird eine Familie von einem Schicksal zum nächsten förmlich zerrissen. Der Selbstmord einer krebskranken Haushälterin, das Überfahren eines kleinen Jungen und die qualvollen Leiden einer an MS erkrankten Frau sind derbe Schläge in die Magengrube des Zuschauers. 

    Mary Lambert lag nicht nur Kings Roman, sondern auch sein Drehbuch zu Grunde, was zu einer ordentlichen Adaption führte. Dennoch muss man einige Einsparungen und Abänderungen hinnehmen, die aber nur dem Kenner der literarischen Vorlage Probleme bereiten dürfte. Dass die tiefe Traurigkeit der Figuren im Roman schlecht in den Film hinüber gerettet werden konnte, ist fast verständlich. Und um innere Kämpfe überzeugend nach außen zu tragen, ist die Besetzung leider nicht gut genug. Und hier ist das eigentliche Hauptproblem von FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE. Dale Midkiff ist als Louis Creed gar nicht so schlecht, aber er ist von Grund auf unsympathisch und kalt. Mit Denis Crosby als Rachel Creed wird es noch schlimmer, denn die bleibt komplett blas, ausdruckslos und austauschbar. Etwas mehr Feuer kommt mit Fred ‚Herman Munster‘ Gwynne ins Spiel, der den warnenden Nachbarn Jud Crendall verkörpert. 

    FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE glänzt wirklich nicht durch seine Darsteller, aber immerhin schaffen es die Figuren, dass man ihnen gerne in den finsteren Abgrund folgt. An Finsternis und einer unheimlichen Atmosphäre mangelt es hier wahrlich nicht. Das Set-Design des Tier- und Indianer-Friedhofs ist ausgezeichnet und wurde wunderbar in den Naturschauplatz von Maine integriert. Immer wieder kommt es zu sehr dichten, teils verstörenden Szenen, die sich einbrennen (können). Man bekommt ein paar sehr grausige Figuren (Zelda, Pascow, Timmy Baterman) geliefert, deren Masken und Make-up durchaus effektiv sind. Zusätzlich gibt es im letzten Drittel auch ein paar recht blutige, wenn auch sehr kurz Momente, die einen auf ein bitteres Finale vorbereiten.

    Lambert konzentriert sich stets auf das Wesentliche, schweift nicht ab und verzichtet vollends auf Humor und Auflockerung. Hier kommt es nie zu Langweile, denn Minute zu Minute nähert man sich immer mehr dem Abgrund von Louis Creed. Veredelt wird die Inszenierung von einem gespenstischen Score von Elliot Goldenthal.

    Trotz darstellerischen Schwächen ist FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE ein packendes, sehr düsteres Zombie-Horror-Familien-Drama, was zu den gelungenen King-Adaptionen gehört, trotz Abweichungen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Endgame, 1983 – ★★★

    Endgame, 1983 – ★★★

    ENDGAME – DAS LETZTE SPIEL MIT DEM TOD
    (ENDGAME – BRONX LOTTA FINALE, Italien, 1983, Regie: Joe D‘Amato)

    50 Jahre sind vergangen, nachdem ein Atomkrieg fast die gesamte Menschheit ausradiert hat. Nur wenige haben die Katastrophe überlebt, und ihre Nachfahren haben sich teilweise durch die Strahlung verändert. Ein Mutanten-Volk ist herangewachsen, was den Nicht-Mutanten ein Dorn im Auge ist. Doch die größere Gefahr geht von dem totalitären Regime aus, was seinen Security Service, kurz SS losschickt, um Jagd auf Mutanten und Widerständler zu machen. Aber auch an die Unterhaltungsindustrie wird gedacht, denn es finden Gladiatorenkämpfe statt, damit das Volk unterhalten wird. Als der Mehrfachsieger Shannon in die Gewölbe der Kampfzone vordringt, läuft ihm die Mutantin Lilith über den Weg, die ihn bittet, sie und ihre Freunde aus der Stadt zu schmuggeln und ihn dafür mit Gold zu belohnen. 

    Joe D‘Amato wollte es im Jahre 1983 endzeitlich gleich doppelt wissen und schob nach 2020 – TEXAS GLADIATORS nach ENDGAME hinterher. D‘Amato liefert einen Potpourri aus ESCAPE FROM NEW YORK (1981), MAD MAX 2 (1981), THE RIFFS (1982) , THE RIFFS 2 (1983), FIREFLASH (1983) und allen anderen Zutaten, die sämtliche Endzeitfilme jener Tage beinhalteten. Autos mit Aufbauten, Motorräder, Gewölbe, Fabriken und karge Landschaften, Schießereien, kleinere Explosionen und Kämpfe mit Äxten und Macheten geben den Takt an. An Blut wurde auch gedacht, und es gibt ein paar derbe Einlagen. Dafür muss man Abstriche in der Qualität des Make-ups machen. Die Affengesicht-Mutanten, die sich manchmal zeigen, sind ziemlich armselig, und in Sachen Kostüm-Ausstattung reicht ENDGAME leider nicht ganz an seine Kollegen heran. Dafür darf man sich auf ein Zusammentreffen und einen Zweikampf zwischen Al Cliver als Ron Shannon und George Eastman als Kurk Karnak freuen, die hier beide megacool aussehen. Al Cliver in einer Hauptrolle ist schon ein besonderer Spaß. Ganz in Leder gekleidet kämpft er sich von Ort zu Ort, bis ihm George Eastman die Show stiehlt. Noch mehr Prominenz kommt mit Laura Gemser als Lilith und ihrem damaligen Ehemann Gabriele Tinti als Bull herein. Das Urgestein des Italowesterns, Nello Pazzafini, gibt sich die Ehre, ebenso Gordon Mitchell, der hier das höchste Tier der „neuen Ordnung“ darstellt. Und während seine Truppen gekleidet wie die SS und mit deren Symbolen geschmückt durch die Straßen morden, kleiden sich die Ranghöchsten wie russische Generäle. Die meisten Mutanten sehen aus wie normale Menschen, besitzen aber Fähigkeiten wie Telepathie oder sogar Telekinese. Neben den bereits erwähnten Affengesichtern tauchen auch echsenartige Mutanten auf, die nicht viel besser aussehen. 

    Auf eine Story braucht man sich natürlich nicht groß einlassen. D’Amato greift das Thema Menschenjagd vor laufender Kamera auf, was auf Robert Sheckleys Kurzgeschichte „The Seventh Victim“ (1953) zurückzuführen ist und bereits in DAS 10. OPFER (1965) DAS MILLIONENSPIEL (1970) abgehandelt wurde. Eine weitere Version der Grundidee taucht in KOPFJAGD – PREIS DER ANGST auf, der ebenfalls aus dem Jahre 1983 stammt. Sehr viel prominenter wurde das Thema 1987 mit RUNNING MAN, der Stephen Kings gleichnamigen Richard Bachman – Roman basiert, der 1982 veröffentlich wurde. Doch leider macht D’Amato nicht viel mit dem Thema und kehrt ihm schnell den Rücken. Auch der Score von Carlo Maria Cordio ist nur selten überzeugend. 

    Auch wenn ENDGAME – DAS LETZTE SPIEL MIT DEM TOD nicht der stärksten Beitrag aus der Italo-Endzeitfilm-Phase darstellt, kommt hier vor lauter Action, bizarren Figuren und futuristischen Vehikel keine Langeweile auf. 

    (Bjoern Candidus)

  • 2019: After the Fall of New York, 1983 – ★★★★

    2019: After the Fall of New York, 1983 – ★★★★

    FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE 
    (2018 – DOPE LA CADUTA DI NEW YORK, Frankreich, Italien, 1983, Regie: Sergio Martino)

    Acht Jahre nach einem Atomkrieg liegt die Welt größtenteils in Schutt und Asche oder ist radioaktiv verseucht. Die Strahlung hat die Männer zeugungsunfähig und die Frauen gebärunfähig gemacht, was dazu führen wird, dass die Menschheit endgültig dem Untergang geweiht ist. Während die faschistoiden Euraker ein neue Gesellschaft mittels Replikanten erschaffen will, will es der Widerstand auf natürliche Art und schickt Parsifal und seine Mannen nach New York City, wo die einzig gebärfähige Frau zu finden ist. 

    Das Kinojahr 1983 stand in Italien ganz im Zeichen des Endzeitfilms. Im Oktober erblickte Sergio Martinos Endzeitvision FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE das Licht der Welt. Martino greift zwar auch auf die Steinbruch-Ästhetik seiner Kollegen zurück, hält sich allerdings mehr auf Schrottplätzen, Kanalisationen, Fabrikhallen oder futuristischen Geheimstationen auf. Seine Inszenierung erinnert mehr an Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK (1981) und Castellaris THE RIFFS – DIE GEWALT SIND WIR (1982), statt an METROPOLIS 2000 oder EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER. Während Castellari eine Art moderne SS auf Pferden in die Ruinen der Bronx schickt, sind es bei Martino die Euraker, gekleidet wie Ritter, die auf Pferden durch ein radioaktiv verseuchtes New York City reiten und zur totalen Desinfektion ausrufen. Ein totalitäres System, was Jagd auf Menschen macht, eint diese Filme.

    Am Anfang bekommt man ein sehr schönes Miniaturmodell des halbzerstörten New Yorks zu sehen, was einen erst mal endzeitlich einstimmt und an RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN (1970) erinnert. Fast levelartig wie in einem Computerspiel liefert Martino einen Schauplatz nach dem anderen. Die Außendrehs fanden diesmal nicht in Spanien statt, wie bei vielen anderen italienischen Produktionen aus dieser Welle, sondern in den USA, genauer in Arizona, wo Michael Sopkiw als Parsifal, Romano Puppo als Ratchet und Paolo Maria Scalondro als Bronx mit ihren Motorrädern aufbrechen, um ins verstrahlte New York City zu gelangen. Die Wüste und die Felsmassive von Arizona heben FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE schon mal deutlich ab und wüsste man es nicht besser, könnte man fast meinen, man hätte es mit einer US-Produktion zu tun. Doch der Eindruck hält nicht lange, denn mit betreten des Big Apple, der in erster Linie aus den De Paolis Studios in Rom besteht, zeigt Martino die deutliche Handschrift der Italiener. Die Kostüme, die Waffen, die Vehikel, die Masken, die teils ruppigen Gore-Effekte und die bizarren Charaktere erwecken direkt Vertrauen. Und dann taucht auch noch Italo-Legende George Eastman als Big Ape auf. Der wird seinem Namen mehr als gerecht, denn durch die Strahlung hat der Über-Zwei-Meter-Mann eine Affenstirn und einen unkontrollierten Haarwuchs bekommen. Eastman ist sich für nichts zu schade, und das liebe ich so an ihm. Die Ladys im Film werden von Valentine Monnier als Giara und Anna Kanakis als Ania, der einzigen gebärfähigen Frau weit und breit, verkörpert. Edmund Purdom ist der Auftraggeber von Parsifal, der in seiner Geheimbasis in Alaska residiert und die Menschheit unbedingt erhalten möchte. Insgesamt ist die Anzahl der Darsteller enorm. Viele Statisten bringen Leben in die Inszenierung, und von den eingangs erwähnten anderen italienischen Produktionen, ist FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE ohne Frage die hochwertigste. 

    Motorräder, bizarre Autos, futuristische Fluggeräte, Flammenwerfer, Schallwellenwaffen, Foltergeräte usw. werden in FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE aufgefahren, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dazu ist die Kombination aus endzeitlichem Schrott, mittelalterlichen Elementen und futuristischen Designs sehr gelungen. Viel Gewalt und Action gleichen die absurde Story aus, die immerhin konsequent bis zum Ende erzählt wird. Abgerundet wird der Endzeitspaß mit einem Score der Gebrüder De Angelis. 

    (Bjoern Candidus)

  • Killer Workout, 1987 – ★★★

    Killer Workout, 1987 – ★★★

    AEROBICIDE
    (KILLER WORKOUT, USA, 1987, Regie: David A. Prior)

    In einem Fitnessstudio mit grausamer Vergangenheit, kommt es zu einer Reihe blutiger Morde. Detective Morgan ermittelt in dem Fall, und nach einigen Anlaufschwierigkeiten, hat er gleich mehrere Verdächtige im Visier.

    Camps an idyllischen Seen, sonnendurchflutete Felder in Texas, trügerische Häuser in Kleinstätten oder aber ein Fitnessstudio wie hier, können Schauplätze für Slasher-Filme sein. Überhaupt tauchen Fitnessstudios selten als Schauplatz in Horrorfilmen auf und wenn, mehr am Rande, wie z.B. in DÄMONEN 2 (1986). Mit dem Schauplatz kann Regisseur David A. Prior (FUTURE FORCE, 1988) also schon mal punkten. Außerdem ist er recht großzügig in Sachen Tötungen, die allerdings wenig kreativ ausgefallen sind. Meistens wird den Opfern eine riesige goldene Sicherheitsnadel in den Hals gerammt, die aus der Schreibtischschublade von Rübezahl stammen könnte. Das Braten einer Dame unter einer Sonnenbank ist noch das Einfallsreichste und eine schöne Eröffnungs-Sequenz. Weniger anziehend geht es dann weiter mit einer Horde Frauen beim Aerobic in einem Fitnessstudio. Mit solchen Szenen wird man hier immer wieder konfrontiert, und die lösen den wahren Horror aus. Der eigentliche Filmscore von Todd Hayen ist soweit solide. Sanft gefoltert wird man hingegen von den zahlreichen Pop-Liedchen, die das sportliche Treiben der Damen begleiten. Aber gut, immerhin wird zwischendurch getötet. Zwar ist die ein oder andere Szene halbwegs spannend inszeniert, doch es mangelt insgesamt vor allem an Atmosphäre und Verspieltheit. Alles sieht irgendwie langweilig und viel zu hell aus, was allerdings auch am Schauplatz liegt. Was AEROBICIDE etwas abhebt von vielen anderen Slashern: das Polizei-Element. Meistens sind es die Bedrohten selbst, die sich zur Wehr setzen, aber hier mischt direkt das „Gesetz“ mit. 

    Unter den Darstellern bekleidet sich niemand mit großem Können, aber es gibt auch schlimmere als Marcia Karr (MANIAC COP, 1988), David Campbell (SCARECROWS, 1988) und Ted Prior (LOST PLATOON, 1990). 

    Eine Sternstunde ist AEROBICIDE wahrlich nicht, aber als kleiner, im 80er-Pop-Schleim ertrinkender Whodunit-Krimi-Slasher durchaus annehmbar.

    (Bjoern Candidus)

  • The New Barbarians, 1983 – ★★★

    The New Barbarians, 1983 – ★★★

    METROPOLIS 2000
    (I NUOVI BARBARI, Italien, 1983, Regie: Enzo G. Castellari)

    Man schreibt das Jahr 2019…Nachdem ein Atomkrieg die Welt in Schutt und Asche gelegt hat, kämpft eine kleine Anzahl Menschen ums Überleben. Gesetzlosigkeit herrscht, und in der Ödnis der Wüste im Nirgendwo entbrennt ein Kampf zwischen den Templars, moderne Templer auf futuristischen Vehikel und einer Gruppe Menschen, die die Hoffnung auf eine Zukunft noch nicht aufgegeben hat.

    Wie Joe D‘amato, Sergio Martino und Giuliano Carnimeo sollte es auch Enzo G. Castellari in die Steinbrüche und Wüsten verschlagen, um auf der großen durch MAD MAX 2 (1981) ausgelösten Endzeit-Welle mitzuschwimmen. 

    Doch im Gegensatz zu MAD MAX 2 sind die Antagonisten in METROPOLIS 2000 nicht in schwarzem Leder gekleidet, sondern erstrahlen in weißen Rüstungen mit besonders betonten Schulterpolstern. Aber nicht nur Schulterpolster der exzentrischsten Art sind hier zu bewundern, sondern auch Frisuren des Schreckens. Die weißen Strähnen im schwarzen Haar von George Eastman als One sind ja noch annehmbar, aber die Mähne, die man Ennio Girolami als Shadow aufgepappt hat, trotzt jeder Beschreibung. Castellari streut aber auch futuristische Autos und Geräte mit bunten Knöpfen in die „Story“, was im gleichen Jahr ein paar Monate später auch in Giuliano Carnimeos Endzeitfilm THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER der Fall war. Auch dort findet man eine Welt nach einem Atomkrieg vor, in der sich, wie hier, unterschiedliche Parteien das Leben aushauchen. 

    Eastman und Girolami stehen als One und Shadow mit ihren Schergen auf der Seite der Bösen, die alle töten wollen, die die Atombomben nicht getötet haben. Der Mensch hat das Leben auf Erden nicht verdient, so ihr Gedanke. Und so fahren sie mordend durchs Land. Auf der Seite der Guten befinden sich Giancarlo Prete als Scorpion, Fred Williamson als Nadir, Anna Kanakis als Alma, Venantino Venantini als Pater Moses und der kleine Giovanni Frezza. Da darf sich der Italofilm-Freund also nicht beschweren.

    Castellari mag Action, und METROPOLIS 2000 liefert viel davon. Verfolgungsjagden, Stunts und Explosionen sind einem zwar gewiss, wurden aber teilweise sehr holprig und viel zu statisch inszeniert. Sonderbar sind auch die Pistolen, die zwar den Sound von Laserwaffen machen, aber beim Einsatz Funken sprühen, statt Laserstrahlen abzugeben. Doch durch das futuristische Design der Fahrzeuge und den bizarren Kostümen, die hier auf allen Seiten getragen werden, kann Castellari von den inszenatorischen Missständen immer wieder ablenken. Für den Score zeigte sich Claudio Simonetti verantwortlich. 

    METROPOLIS 2000 ist ein wilder Endzeit-Spaß mit viel Action, einer schrägen Ausstattung und bekloppten Figuren, die sich durch eine kaum vorhandene Story kämpfen. 

    (Bjoern Candidus)

  • Crime at the Chinese Restaurant, 1981 – ★★★

    Crime at the Chinese Restaurant, 1981 – ★★★

    EIN SCHLITZOHR AUSSER RAND UND BAND
    (DELITTO AL RISTORANTE CINESE, Italien, 1981, Regie: Bruno Corbucci)

    Da ihr chinesischer Chef auf Geschäftsreise muss, kümmert sich Bombolo und Vincenzo um das Chinarestaurant. Hilfe bekommen sie von Ciù Ci Ciao, einem Chinesen, der Reiskörner füllen kann und zudem höchst anstrengend ist. Doch als ein Gast tot am Tisch sitzt, stehen sie vor ganz anderen Problemen. 

    Bruno Corbucci hat hier erneut Tomás Milián eingesetzt, der in gleich zwei unterschiedlichen Rollen zu sehen ist. Milián spielt zum einen mal wieder Inspektor Nico Giraldi, zum anderen den grotesk überzeichneten Chinesen Ciù Ci Ciao. Wem das schon politisch nicht korrekt genug ist, sollte sich die Ohren zuhalten. Wer aber die Zeit so nehmen kann, wie sie war, kann hier ein paar wirklich schräge Momente erleben. Neben dem Komiker Bombolo, der hier auch Bombolo heißt, gibt es ein Wiedersehen mit Enzo Cannavale, den man aus den PLATTFUSS-Filmen mit Bud Spencer kennt. 

    Die Mischung aus Komödie und Action-Krimi ist gut geworden, jedoch dominiert der Blödelfaktor, was den Film manchmal auch sehr anstrengend macht. Die Kombination aus Action und Humor lief schon mal besser im Italo-Kino. 
    Nichtsdestotrotz gibt es hier handwerklich keine Bedenken, denn Bruno Corbucci versteht es, den Zuschauer auf Trab zu halten.  

    EIN SCHLITZOHR AUSSER RAND UND BAND gehört nicht zur Sternstunde des italienischen Kinos, ist aber unter dem Strich eine solide Action-Krimi-Komödie, die sich nie aufhält. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Innkeepers, 2011 – ★★★½

    The Innkeepers, 2011 – ★★★½

    THE INNKEEPERS – HOTEL DES SCHRECKENS
    (THE INNKEEPERS, USA, 2011, Regie: Ti West) 

    Das Hotel „Yankee Pedlar Inn“ steht kurz vor der Schließung. Die beiden Angestellten kümmern sich die letzte Woche vor dem Abriss ohne ihres Chefs um die wenigen Gäste. Aber Claire und Luke verbindet noch ein ganz besonderes Hobby – die Geisterjagd. Für sie war dies überhaupt der einzige Grund, warum sie den Job angenommen haben, weil in dem Hotel der Geist einer ermordeten Frau umhergehen soll. Sie suchen für ihre Website Beweise für den Spuk. 

    Wer auf ruhige, subtile Geister-Horrorfilme steht, die ohne große Schocks und Fratzen auskommen, der wird mit THE INNKEEPERS vermutlich nichts falsch machen. 
    Regisseur Ti West, der mit HOUSE OF THE DEVIL (2009) eine packende 70er-Jahre-Okkult-Horrorfilm-Hommage abgeliefert hat, widersetzt sich dem Geister-Effekt-Zirkus eines INSIDIOUS (2010) und bewegt sich erneut eher in die Bahnen des 70er-Jahre Kinos, zumindest was die Entschleunigung und Reduzierung des Schreckens angeht. 

    Hin und wieder überspannt West etwas den Bogen der Ruhe, aber verliert selten den Blick auf die Spannung. Wieder darf man sich davon überzeugen, dass eine langsame Kamerafahrt viel unheimlicher sein kann, als eine Geisterfratze, die aus dem Nichts ins Bild platzt. So ganz verzichtet West aber auch nicht auf Jump-Scare-Szenen, aber diese sind homöopathisch auf die zweite Hälfte der 100 Minuten verteilt. West legt mehr Wert auf Unbehagen, was durch Kleinigkeiten im Kopf des Zuschauers entsteht. Außerdem sind ihm die Charaktere wichtig, die ein Großteil des Films ausmachen. Claire wird von Sara Paxton gespielt, die wie Tick, Trick und Track in einer Person daherkommt. Anfangs ist ihr Charakter etwas nervig, aber nachher habe ich mich an sie gewöhnt. Ihr Kollege Luke, ein lahmarschiger Computer-Nerd, wird von Pat Healy verkörpert, der ein wunderbarer Kontrast zu Claire darstellt. Beide bringen auf jeden Fall den nötigen Schwung rein, um sich hier bestens unterhalten zu fühlen.

    Insgesamt fährt THE INNKEEPERS nicht viel Neues auf, aber er ist gut besetzt, kontinuierlich spannend, atmosphärisch und ordentlich fotografiert. Sein hohes Maß an Geschwätzigkeit wird vielen sicherlich etwas aufstoßen, aber gerade das gefiel mir recht gut. 

    (Bjoern Candidus)

  • Warrior of the Lost World, 1983 – ★★½

    Warrior of the Lost World, 1983 – ★★½

    THE LAST WARRIOR – DER KÄMPFER EINER VERLORENEN WELT
    (IL GIUSTIZIERE DELLA TERRA PERDUTA, Italien, USA, 1983, Regie: David Worth)

    Nachdem ein Atomkrieg gewütet hat und große Teile der Erde verstrahlt wurden, hat sich unter den Überlebenden und ihren Kindern eine neue Ordnung aufgetan, die unter der Herrschaft von Prossor für Angst und Schrecken sorgt. Wer sich dem System widersetzt, wird öffentlich hingerichtet. In dieser Welt ist auch The Rider auf seinem Motorrad unterwegs, der zur Hoffnung der geheimnisvollen Widerstandsbewegung wird. 

    Wenn ein Film nur auf einem Plakat basiert, was einen noch nicht gedrehten Film ankündigen soll, dann kommt so was wie THE LAST WARRIOR dabei heraus. Regie führte David Worth, der aufgrund des Umstands, dass es statt einem Drehbuch nur ein Poster gab, auch noch eins selbst schreiben musste. Der Auftrag: Mach was mit Endzeit, nimm einen Typen wie Mad Max, bastel noch einen totalitären Staat mit rein und drehe in Fabrikhallen und Steinbrüchen und vergiss die Action mit coolen Vehikel nicht. 

    Die Weltpremiere fand im Januar 1983 in Italien statt. THE LAST WARRIOR ist also der erste Film des Italo-Endzeit-Jahrs 1983. Und so bekommt man schon am Anfang des Jahres die Elemente geboten, die immer wie aufgegriffen wurden. Die Ursprünge sind natürlich bei MAD MAX 2 (1981) und ESCAPE FROM NEW YORK (1981) zu finden, aber auch in Castellaris THE RIFFS (1982).

    In den italienischen Endzeitfilmen diesen Jahrgangs geht immer ein Atomkrieg voraus, der eine zerstörte Welt mit wenigen Menschen hinterlassen hat, die sich zu Gruppen zusammenrotten oder im Alleingang versuchen, zu überleben. Die Handlungen liegen weit in der Zukunft, aber nur vom Produktionsjahr ausgehend. Nicht selten haben wir die Zeitangabe der Story längst eingeholt, ebenso die Probleme. In dieser damaligen Zukunft gibt es meistens eine fortschrittliche Technik, während man sich in anderen Bereichen wieder Richtung Mittelalter bewegt. All das begegnet einem auch in THE LAST WARRIOR, nur leider weniger gelungen als in den Filmen, die von Martino, Castellari, D‘Amato und Co zum Thema folgen sollten. 

    Mit Robert Ginty, der vorher als EXTERMINATOR (1980) auf den Putz gehauen hat, ist man im Grunde gut bedient. Er ist nun mal kein Mel Gibson als Max, aber immerhin ein Typ mit einem Motorrad mit eingebautem Computer, der mit ihm sprechen kann. Sicher eine erste Reaktion auf die Serie KNIGHT RIDER (1982-1986). Das sorgt allerdings auch für ein paar sehr albernen Momente, die eigentlich nicht zum Rest passen. Leider kommt es immer wieder zu freiwilliger oder unfreiwilliger Komik, die die Inszenierung etwas abwürgt. Worth sorgt für viel Action, doch diese ist leider größtenteils sehr holprig inszeniert. Andererseits ist THE LAST WARRIOR aber auch recht rasant, und Worth sorgt dafür, dass man sich kaum lange aufhält, bevor es zum nächsten Ort des Geschehens geht. Neben Ginty, Fred Williamson als Hanchman und Persis Khambatta als Nastasia ist auch Legende Donald Pleasence als Diktator Prossor an Bord, der auch nicht seine beste Leistung abliefert, aber irgendeinen Führer braucht das System ja, was seinen Schrecken mit dem Omega-Symbol verbreitet. 

    THE LAST WARRIOR – DER KÄMPFER EINER VERLORENEN WELT hat gute Ideen, die meistens weniger gut umgesetzt wurden, liefert wenig Spannung, dafür genug Action, um nie zu langweilen, aber schließt ab mit einem fürchterlichen Ende, bei dem es zu einer schrecklichen Gesangseinlage kommt, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet habe. Der restliche Score von Daniele Patucchi ist hingegen hörenswert. 

    (Bjoern Candidus)