Autor: marco-fritz

  • Seizure, 1974 – ★★

    Seizure, 1974 – ★★

    DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN
    (SEIZURE! Kanada, USA, 1974, Regie: Oliver Stone)

    Der Schriftsteller und Maler Edmund Blackstone empfängt über das Wochenende eine Handvoll Freunde. Doch es kommen mehr Gäste als erwartet, denn plötzlich erscheinen drei Personen, die seinem letzten Horror-Roman erschreckend ähneln, und die wollen nichts Gutes. Ein teuflisches Spiel beginnt.

    Nicht immer hinterlässt ein Debütfilm bleibende Eindrücke, die eine erfolgreiche Karriere erahnen lassen. Oliver Stones erster Langfilm, DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN, gehört leider dazu. 

    Trotz guter Ansätze und einer netten 70er-Jahre-Horror-Atmosphäre, ertrinkt die Inszenierung in Geschwätz, und es dauert recht lange, bis irgendetwas passiert, um einen bei Laune zu halten. Wenn das Geschehen dann etwas in die Gänge kommt, ist dies vor allem Martin Beswick geschuldet, die hier als Herrscherin des Bösen mit ihren Begleitern aufmarschiert. Noch mehr Schönheit bekommt man mit Mary Woronov. Der gequälte Autor und Maler Edmund Blackstone wird von Jonathan „Barnabas Collins“ Frid verkörpert. Leider ist der Rest der Besetzung keine Offenbarung, und gerade im darstellerichen Bereich hat DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN deutliche Probleme. Aber auch die verworrene Story hat kaum das Potential, einen zu packen. Es mangelt an allem, besonders an Spannung. 

    DIE HERRSCHERIN DES BÖSEN ist ein holpriger Auftakt eines großen Regisseurs, der bereits mit seinem Folgefilm DIE HAND (1981) in eine weitaus bessere Richtung steuerte. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Carpenter, 1988 – ★½

    The Carpenter, 1988 – ★½

    THE CARPENTER
    (Kanada, 1988, Regie: David Wellington)

    Gegen innovative Ideen ist natürlich nichts einzuwenden, und grade im Horrorkino sollen die Grenzen des Möglichen fallen. Aber manche Ideen sind dann doch etwas zu absurd und werden geradezu lächerlich, wenn es dann noch an ihrer Umsetzung scheitert. Über THE CARPENTER etwas zu schreiben, ohne zu spoilern, ist schwer, deshalb führt kein Weg drumherum.

    Regie führte der Kanadier David Wellington, der hier den damals äußerst schwierigen Wings Hauser als Ed, den Zimmermann-Geist, besetzt hat, der das Haus fertig bekommen möchte, was er zu Lebzeiten nicht mehr geschafft hat. Da er die Leute umgebracht hat, die ihn über den Tisch gezogen haben, wurde er nämlich vorher auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Als die psychisch kranke Alice Jarett mit ihrem Ehemann Martin das unfertige Haus beziehen, wird der Zimmermann im Jenseits geweckt, um des nachts das Haus fertig zu stellen und sich nebenbei in Alice zu verlieben, die ihn bei seiner nächtlichen Arbeit ertappt. Auch Alice ist ganz angetan, denn zwischen ihr und ihrem Ehemann läuft es schon länger schlecht, außerdem ahnt die Gute nicht, dass Ed ein Geist ist. Es stört sie allerdings auch nicht sonderlich, dass Ed plötzlich unliebsame Menschen auf äußerst brutale Art und Weise umbringt, während sie daneben steht. Aber er will sie ja auch nur vor diesen Leuten schützen. Und so entsteht eine sonderbare Liebesgeschichte, die gerade durch Wings Hauser zu einem grotesken Theater avanciert, was ich so selten gesehen habe. Es ist nicht nur die schräge Story, die hier ein Kopfschütteln hinterlässt, sondern auch die Darsteller. Gerade bei den sehr blutigen Kills, die heimwerkergerecht z.B. mit Bohrmaschine, Nagelpistole oder Schraubzwinge ausgeführt werden, zeigt sich immer wieder das schlechte Agieren der Nebenfiguren. Aber es ist auch Hauser, der weder Fisch noch Fleisch ist.

    THE CARPENTER ist ein abstruser Geister-Horrorfilm mit einer bekloppten Story, fürchterlichen Figuren und einem nervigen Score. Da helfen auch keine Gore-Effekte. 

    (Bjoern Candidus)

  • Leprechaun 2, 1994 – ★★

    Leprechaun 2, 1994 – ★★

    LEPRECHAUN 2 
    (USA, 1994, Regie: Rodman Flender)

    Der Film startet im 10. Jahrhundert, in dem der dort bereits tausendjährige Leprechaun nach einer Frau sucht, die er neben seinem Gold hüten will. Doch sein Plan an die Schöne seiner Wahl zu kommen scheitert. Er schwört Rache und kehrt 1000 Jahre später zurück, um Brigitte, die Nachfahrin zu entführen. Doch Leprechaun hat die Rechnung ohne ihren Freund Cody gemacht.

    Mark Jones, Vates des Originalfilms von 1993, fungierte diesmal nur als Co-Produzent und überließ Rodman Flender (UNBORN – KIND DES SATANS, 1991) den Regiestuhl. 

    Von der Pampa aus LEPRECHAUN geht es nach Los Angeles, genauer nach Hollywood, was für Abwechslung sorgt. Hier unterhält der Onkel von Brigitte eine Busroute für Touristen, um die unheimlichen Plätze Hollywoods zu präsentieren. Ein guter Ort für die Rückkehr des Leprechaun, um sich seine Braut Brigitte zu krallen und sein Gold zu verteidigen. Dumm nur, dass ihm eine Münze abhanden gekommen ist. Von da an geht es im Grunde zu, wie in den meisten Horror-Slashern, denn mehr ist LEPRECHAUN 2 letztlich auch nicht. Der kleine irische Naturgeist läuft durch die Gegend, reimt Quatsch zusammen und tötet, glücklicherweise, vor allem die nervigen, möchtegern lustigen Figuren. Insgesamt ist die Besetzung aber sympathischer als im Vorgänger. Durchaus annehmbar sind Shevonne Durkin und Charlie Heath als Brigitte und Cody. Auf ihre naive Art passen sie irgendwie gut in den Film. Gleiches gilt für den dauerbetrunkenen Onkel Morty, der von Sandy Baron gespielt wird. Warwick Davis ist erneut in der Rolle des Leprechaun zu sehen, während man Kimmy Robertson und Clint Howard leider nur als Gaststars gewinnen konnte.

    Ein Ortswechsel, ein paar krude Effekte, ein bisschen Blut und leider viele nervige Sprüche machen LEPRECHAUN 2 nicht besser, aber auch nicht schlechter als seinen Vorgänger. 

    (Bjoern Candidus)

  • Graveyard Shift, 1990 – ★★½

    Graveyard Shift, 1990 – ★★½

    STEPHEN KING’S NACHTSCHICHT (GRAVEYARD SHIFT, USA, 1990, Regie: Ralph S. Singleton)

    John Hall sucht einen Job. Da kommt ihm eine alte Spinnerei wie gelegen, denn in der sucht man noch Leute. Eine ganz besondere Aufgabe steht an: die Reinigung und Desinfektion der Kellergewölbe der Spinnerei. Doch diese werden von abertausenden Ratten bevölkert, die nur die Vorhut von etwas Schrecklicherem sind, was in den Tiefen haust. 

    1990 war ein starkes King-Jahr. ES, MISERY, GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT – DER FILM (Segment: DIE HÖLLENKATZE) und NACHTSCHICHT sollten ihr Publikum finden, was soweit auch gelungen ist. Mit NACHTSCHICHT griffen Regisseur Ralph S. Singleton und Drehbuchautor John Esposito in Kings Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“, um die titelgebende Story (in Deutschland „Spätschicht“) als Film aufzublasen. 

    Das Ergebnis wurde ein düsterer Tierhorror-Monster-Film, der sich in erster Linie durch seine faulige Atmosphäre auszeichnet. Die alte Spinnerei voller Moder und Nässe macht, innen wie außen, ordentlich was her und wird kombiniert mit einem halbversunkenen Friedhof. Überall wimmelt es von Ratten, und irgendwo lauert eine Kreatur Jenseits der Vorstellungskraft des Reinigungstrupps, der in die alten Gewölbe der Spinnerei absteigt, um seine Arbeit zu verrichten. 

    Der Trupp besteht aus einer Ansammlung von Klischeefiguren, die zwar allesamt gut gecastet wurden, allen voran Brad Dourif als Kammerjäger und Stephen Macht als Arschloch-Vorarbeiter Warwick, aber irgendwann nur noch mit ihrem Männlichkeitsgetue nerven. David Andrews bleibt als Hauptfigur John Hall sehr ausdruckslos, was auch für Kelly Wolf als Jane Wisconsky gilt. Zum mitfiebern lädt hier niemand ein, und das ist auch das Hauptproblem von NACHTSCHICHT. 
    Ein bisschen Blut, Ekel, die siffigen Gewölbe der Spinnerei und die Ratten können die ätzenden Figuren nicht vollends wieder gutmachen. Leider kann auch die anfängliche Spannung nicht gehalten werden, und so kippt die Inszenierung irgendwann in einen lauwarmen Horrorfilm, der zumindest im Finale ein schönes Monster liefert. 

    NACHTSCHICHT ist keine Offenbarung, aber für King- und Tierhorror-Fans durchaus interessant genug. 

    (Bjoern Candidus)

  • Creatures from the Abyss, 1994 – ★★★½

    Creatures from the Abyss, 1994 – ★★★½

    CREATURES FROM THE ABYSS*
    (PLANKTON, Italien, 1994, Regie: Alvaro Passeri)

    Fünf junge Leute unternehmen eine Spritztour mit ihrem Motorboot. Doch auf dem Meer geht ihnen das Benzin aus. Sie haben Glück und können sich auf eine scheinbar verlassene Yacht retten. Die Yacht ist nicht nur ausgestattet wie ein Partyboot, sondern beinhaltet auch ein Labor, in dem geheime Experimente an Fischen stattgefunden haben, die nun zu einer tödlichen Gefahr werden. 

    Wenn man richtig schlecht gelaunt oder betrübt ist, dann ist CREATURES FROM THE ABYSS vielleicht eine Option, dem Zustand entgegenzuwirken. Schnell hebt Alvaro Passeri die Laune mit seinen unglaublich dümmlichen Figuren, die einen flachen Spruch nach dem anderen abfeuern. Das ändert sich im Verlauf des Films leider nicht, aber die Umstände ändern sich glücklicherweise. Nach einem etwas quälenden Start wird die Inszenierung mit betreten der Yacht direkt spannender. Vor allem ist die höchst stylische Innenausstattung ein wahrer Hingucker. Dass man sich dann in einem Studio aufhält, sieht man natürlich. Aber die mit Silberfolie beklebten Wände, die futuristische Möblierung und das Labor eröffnen eine eigene Welt, die mindestens so schräg ist wie die Kreaturen, die hier auftauchen. Eine Mischung aus urzeitlichen Fischen und Piranhas flattern durch die Gegend und richten ein unglaubliches SFX-Massaker an, was man so selten gesehen hat. In Sachen Schleim, Blut, Gekröse und Effekte ist CREATURES FROM THE ABYSS wirklich eine kleine Offenbarung, die man anfänglich nur schwer vermuten würde. Er ist mehr ein THE THING (1982) als ein PIRANHA (1978), nur auf einem niedrigeren Niveau, versteht sich. 

    Hätte Passeri auf vernünftige Darsteller zurückgreifen können und er diesen mehr Ernsthaftigkeit zugeschrieben, hätte CREATURES FROM THE ABYSS ein richtig starker Monster-Horrorfilm werden können. Doch so ist er ein Partyfilm geworden, der immerhin viele Zutaten eines Creature-Features beinhaltet und sich visuell recht experimentell zeigt. Viele Stärken der Inszenierung laufen leider immer Gefahr, durch die dummen Figuren und ihr Handeln unterzugehen, doch am Ende setzt sich der bizarre Wahnsinn durch, der in sämtlichen Farben und Formen verbreitet wird. 

    CREATURES FROM THE ABYSS ist einer dieser Filme, die man kaum für möglich hält, und doch existiert er. 

    (Bjoern Candidus)

    * Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • 98. Mutant – Das Grauen im All (1982)

    98. Mutant – Das Grauen im All (1982)

    MUTANT – DAS GRAUEN IM ALL

    OT: FORBIDDEN WORLD

    USA, 1982

    Regie: Allan Holzman

    Bjoern Candidus und Patrick Siebold sprechen diesmal über die Roger Corman – Produktion MUTANT – DAS GRAUEN IM ALL, einem mit reichlich Blut und nackter Haut angereicherten ALIEN-Rip-off.

    Blog: https://antenne-traumstadt.podcaster.de/

    Facebook: https://www.facebook.com/AntenneTraumstadt

    Spenden für den Podcast: https://www.paypal.com/paypalme/AntenneTraumstadt

    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

    Link zum neuen Album von THE DAMNED DON´T CRY: https://open.spotify.com/album/3cAHZfiunmXQzsIUWuQ3cS?si=RWp72NHJRNuBtJYIIORfjQ&fbclid=IwAR1UbQ9FeQ1d9hIp-xF7zZhzafzng8lAhpeRyCADLQRXS0UPbYbxd32K7xk&nd=1

  • Dark Mission: Flowers of Evil, 1988 – ★½

    Dark Mission: Flowers of Evil, 1988 – ★½

    DARK MISSION
    (OPERACIÓN COCAÍNA, Frankreich, Spanien, 1988, Regie: Jess Franco)

    Der CIA-Agent Derek Carpenter bekommt den Auftrag, den ehemaligen Handlanger von Fidel Castro, Luis Morel, in Südamerika ausfindig zu machen und auszuschalten. Auf dem Flug nach Südamerika lernt er Linda kennen, die ausgerechnet die Tochter des Drogenbarons Morel ist, aber (noch) nichts von seinen Machenschaften weiß. 

    Wer bei DARK MISSION einen actionreichen Agenten-Thriller erwartet, dem sein ein Blick auf den Regisseur empfohlen. Jess Franco ist nicht bekannt für Action, Explosionen und Verfolgungsjagden, und es dauert über eine Stunde, bis mal kurz ein paar Kampfhubschrauber (teilweise Archivmaterial) zum Einsatz kommen und es ein kleines Feuergefecht gibt. Davor wird man lange Zeit mit ellenlangen Gesprächen zwischen den Figuren gelangweilt. Geschwätzigkeit kennt man aus Francos Kino, aber was in den 60er bis 70er-Jahren mit oft tollen Darstellern (und spannenderen Themen) funktioniert hat, geht hier mit dem Rest der Inszenierung baden. Vor allem Christopher Mitchum als CIA-Agent wirkt, als würde er neben sich stehen. Den Gesichtsausdruck der Leere hält er von Anfang bis Ende aufrecht. Wer gehofft hat, dass Christopher Lee als Luis Morel mehr Würze in die Inszenierung bringt, wird leider auch enttäuscht. Auch Lee wirkt wie im Leerlauf, wenn man ihn mal sieht. Dafür liefert Richard Harrison als Boss von Agent Carpenter ein paar komische Momente. Etwas Feuer bringen immerhin Brigitte Lahaie, Alicia Moro und Cristina Higueras mit in die Inszenierung, aber Franco konnte Frauen ja auch bestens in Szene setzen. Immerhin gibt es ein paar sehr schöne spanische Schauplätze, die Franco ganz gut als südamerikanisch verkaufen kann. Trotz der Ödnis, die sich zwischen den Figuren auftut, ist Franco zumindest darauf bedacht, schnell den Schauplatz zu wechseln. Doch wo auch immer man hier ist, es passiert nicht viel. Aber manchmal reicht auch der Anblick von Palmen, um glücklich zu sein. 

    Gelungen ist der Besuch in einer Psychiatrie voller Drogenabhängiger, die durch gestreckte Drogen krank und verrückt wurden, was natürlich auf Morel zurückgeht. Der Score von Louis Alborado erinnert zwar stilistisch an das Kino von Franco, wird hier aber unglaublich unpassend eingesetzt. Aber gut, unpassend ist hier vieles. 

    DARK MISSION, bzw. OPERACIÓN COCAÍNA klingt spannend, ist aber sterbenslangweilig und in den besten Momenten unfreiwillig komisch. Das kommt davon, wenn nicht mal Francos Ehefrau Lina Romay involviert ist.

    (Bjoern Candidus)

  • Black Demons, 1991 – ★½

    Black Demons, 1991 – ★½

    BLACK ZOMBIES
    (DEMONI 3, Italien, 1991, Regie: Umberto Lenzi)

    Dick, seine Schwester Jessica und ihr Freund Kevin fliegen von New York nach Brasilien, um in Rio de Janeiro Bräuche und Rituale von Naturreligionen zu studieren. Als Dick von einem Einheimischen ein Amulett geschenkt bekommt und an einem Macumba-Ritual teilnimmt, erheben sich plötzlich die Toten aus ihren Gräbern, um grausame Rache zu nehmen.   

    Umberto Lenzis letzter Horrorfilm, der bis auf den Originaltitel mitnichten etwas mit Lamberto Bavas DEMONI-Filmen zu tun hat, wurde leider nicht das Gelbe vom Ei, was bei einem italienischen Baujahr von 1991 kaum verwundert. Lenzi hat selbst eingeräumt, dass ihn das Ergebnis nur wenig begeistert hat. Alles andere hätte mich auch gewundert. Dass Lenzi durchaus sehr wertige Filme inszenieren konnte, hatte er in den 60er- bis 70er-Jahren bewiesen. Aber wie auch seine Kollegen, Lamberto Bava oder Lucio Fulci, war auch Lenzi auf dem absteigenden Ast. 

    Gedreht wurde BLACK ZOMBIES in Brasilien, genauer in Rio de Janeiro, und das ist erst mal löblich. Dass es sich um einen gering budgetierten Film handelt, sieht man zu jeder Zeit, aber immerhin gelingt Lenzi manchmal ein Ansatz von Atmosphäre heraufzubeschwören, wenn er uns an Macumba-Ritualen teilhaben lässt oder wenn die Zombies aus ihren Gräbern steigen und man zumindest kurz das Gefühl hat, wieder in den 70er-Jahren zu sein. Die Anzahl der Untoten ist überschaubar; nur eine Handvoll ist hier zu sehen. Die Untoten sind einst versklavte Schwarze, die auf einer Kaffeeplantage arbeiten mussten und nach einem Fluchtversuch gehängt wurden, was auch die Stricke um ihren Hals und die Ketten um ihre Fußgelenke verraten. Die sind nun auf Rache aus, die z.B. aus dem Ausstechen von Augen besteht. Auch wenn die Gore-Effekte keinen vom Hocker reißen dürften, sind sie doch die wenigen Lichtblicke in BLACK ZOMBIES, wenn die unbekannten Darsteller (allesamt) schon nichts taugen, die Spannung auf Sparflamme kocht und der Synthesizer-Score von Franco Micalizzi klingt wie aus dem Mülleimer. 

    Wenn das Geld knapp ist und alle eine schlechte Zeit haben, dann kommt BLACK ZOMBIES als Ergebnis heraus. 

    (Bjoern Candidus)

  • Silent Madness, 1984 – ★★½

    Silent Madness, 1984 – ★★½

    SILENT MADNESS – DER SCHLÄCHTER
    (SILENT MADNESS, USA, 1984, Regie: Simon Nuchtern)

    In einer psychiatrischen Einrichtung kommt es zu einer namentlichen Verwechslung, die dafür sorgt, dass ein gefährlicher Psychopath entlassen wird, der keine Zeit verliert, Menschen zu töten. Während die Klinikleitung versucht, den Fall zu vertuschen, setzt die Psychiaterin, Dr. Gilmore, alles dran, den gefährlichen Patienten, Howard Johns, aufzuspüren. 

    Im Wust der zahlreichen Slasher, die HALLOWEEN (1978) auslöste, gehört Simon Nuchterns Regiearbeit SILTEN MADNESS zu jenen Vertretern, die einem nervige Teenager weitestgehend ersparen. Auch hier sterben junge Menschen, vor allem Frauen auf teils sehr brutale Art. Doch der ein oder andere Mord findet nur im Off statt, während andere Morde für die 3D-Fassung verschandelt wurden. Der 3D-Zuschauer mag das ja gut finden, doch für den 2D-Zuschauer wird es unschön. Dennoch darf man sich über einen Schädelbruch mittels Schraubstock freuen und darf sich erneut von der Wirksamkeit von Nagelpistolen überzeugen. Auch wenn man letztlich nicht viel zu sehen bekommt, ist der Film recht hart, was auch am Killer selbst liegt. Dieser trägt keine Maske, ist nicht entstellt, aber guckt wie die schlechte Laune höchstpersönlich. Kein Freddy, kein Jason, sondern nur „nur“ ein stummer Psychopath mit traumatischer Vergangenheit. Nichts Neues also, und auch der Twist am Ende sorgt nicht für eine große Überraschung.

    Positiv ist die Figuren-Zeichnung, und mit der hebt sich SILENT MADNESS sogar ab, zumindest im Rahmen seines Genes. Belinda Montgomery hinterlässt als Ärztin und Hauptdarstellerin einen guten Eindruck und überzeugt sogar, wenn sie im Finale in den Laurie Strode- / Ripley-Modus schaltet. Im letzten Drittel baut Nuchtern dann auch endlich Spannung und Atmosphäre auf, die lange Zeit nur auf Sparflamme lief. Dafür darf man sich auf Viveca Lindfors (CREEPSHOW, 1982) und Sydney Lassick (EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST, 1975) freuen, die die Inszenierung aufwerten. Der Killer wird von Solly Marx dargestellt, der auch ein Jahr später in Nuchterns DIE HYÄNEN mitspielte. Dass der Killer nicht die einzige Problemfigur ist, erweitert den Spielraum für die vielen verschrobenen Nebenfiguren, die sich vor allem unter dem Klinikpersonal finden.

    Sieht man von der Schwäche in den 3D-Momenten ab, sieht SILENT MADNESS insgesamt ordentlich aus und wurde gut fotografiert. Nuchterns Inszenierung ist aber stellenweise etwas ermüdend und spannungsarm. Netter, recht unbekannter Slasher, der etwas an den besseren ZWEI STUNDEN VOR MITTERNACHT (1980) von Jack Sholder erinnert. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Swarm, 1978 – ★★

    The Swarm, 1978 – ★★

    DER TÖDLICHE SCHWARM
    (THE SWARM, USA, 1978, Regie: Irwin Allen)

    In einer Raketenbasis in Texas kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Eine ganze Crew wird von hochgiftigen Afrikanischen Bienen getötet. Das Militär versucht den Zwischenfall herunterzuspielen, doch Insektenforscher Brad Crane macht General Thompson und Major General Thalius Slater die Situation klar, während draußen die Bienen bereits ihre nächsten Opfer finden. Die Angriffe werden immer heftiger, während man fieberhaft nach einer Lösung sucht, die auch Dr. Walter Krim auf den Plan ruft, der an einen Impfstopff arbeitet. 

    DER TÖDLICHE SCHWARM ist quasi die Kino-Antwort zu Bruce Gellers TV-Tierhorrorfilm MÖRDERBIENEN GREIFEN AN (1976). Doch im Gegensatz zu den überschaubaren Mitteln, die Geller zur Verfügung hatte, durfte sich Irwin Allen (UNTERNEHMEN FEUERGÜRTEL, 1961) ganz anders austoben. Vor allem die Auswahl der Darsteller ist nahezu erschlagend. Michael Caine, Richard Widmark, Richard Chamberlain, Ben Johnson, Lee Grant, José Ferrer, Henry Fonda, Cameron Mitchell, Bradfort Dillman und Katherine Ross tummeln sich hier und gehen leider allesamt ziemlich unter, und das soll schon was heißen. Nicht, dass hier jemand schlecht spielen würde, aber es scheint, als hätten sich alle gegenseitig die Lust und Laune abgesaugt. Steif, lustlos, sonderbar. 
    Bedenkt man aber die wissenschaftlichen oder militärischen Figuren, die sie verkörpern und die Katastrophensituation, in der man sich befindet, macht zumindest die Steifheit irgendwie Sinn. Sehr gelungen ist hingegen die beklemmende Atmosphäre in der Militärbasis, die manchmal auch an Filme wie ANDROMEDA (1971) und PHASE IV (1974) erinnert. Visuell ist DER TÖDLICHE SCHWARM ein Gedicht, und vor allem die Bienenschwärme und ihre Attacken sind hervorragend gemacht. Dazu kamen teilweise auch echte Bienen zum Einsatz, die geschickt mit Trickaufnahmen kombiniert wurden. Man bekommt einige Angriffe zu sehen und es kommt zu vielen Toten. In dem Punkt liefert Allens Film weitaus mehr Schauwerte als MÖRDERBIENEN GREIFEN AN. 

    Doch zwischen dem Bienenhorror liegen zahlreiche Durststrecken, die DER TÖDLICHE SCHWARM immer wieder ausbremsen und unnötig in die Länge ziehen. Vor allem die Langfassung mit über 150 Minuten ist einfach zu ausgedehnt. Zwar liefert man einige Idee zur Bekämpfung und spricht auch davon, wie es wäre, wenn es gar keine Bienen mehr geben würde, was den Film aktueller denn je macht, aber die Spannung bleibt größtenteils fern. Erstaunlich unauffällig ist auch Jerry Goldsmiths Score, der ein Jahr vorher noch pompös DAS OMEN veredelte.

    Trotz großer Namen, großer Bilder, toller Effekte ist DER TÖDLICHE SCHWARM viel zu trocken und zu lang, um mich bei Laune halten zu können. 

    (Bjoern Candidus)