Autor: marco-fritz

  • Anaconda, 1997 – ★★★½

    Anaconda, 1997 – ★★★½

    ANACONDA
    (Brasilien, Peru, USA, 1997, Regie: Luis Llosa)

    Ein Filmteam ist mit einem Boot auf dem Amazonas unterwegs, um einen noch sehr unbekannten Stamm von Indigenen zu dokumentieren. Auf ihrer Expedition stoßen sie nicht nur auf den zwiespältig Schlangenjäger Ed, der immer mehr Probleme bereitet, sondern auch auf eine riesige Anaconda, die großen Hunger hat. 

    Anfang der 90er-Jahre rückten Tierhorrorfilme immer mehr in den Hintergrund oder wurden mit Abenteuer-Elementen wie in JURASSIC PARK (1993) für ein großes Kino-Publikum produziert. Als SCREAM 1996 dem Horror-Genre neuen Aufwind gab, versuchte man sich auch wieder an ein paar Tierhorrorfilmen. Und so packte man 1997 die ANACONDA aus. 

    Regie führte Luis Llosa, der bereits mit MÖRDERISCHER AMAZONAS (1993) im gleichen Gewässer unterwegs war, nur ist hier der Feind eine riesige Würgeschlange. Der Film startet mit einer spannenden Eröffnungsszene, in der sich Danny Trejo lieber in den Kopf schießt, als sich von der Anaconda fressen zu lassen. Die Schlange bleibt zu dieser Zeit noch brav im Verborgenen. Die nächste Attacke dauert aber nicht lange, und wir werden Zeuge wie die Schlange, diesmal auch klar erkenntlich, einen schwarzen Panther erledigt. Die Schlange sieht gut aus, auch wenn sie machmal etwas zu Niedliches hat. Glücklicherweise hat man es hier noch mit einem Schlangenmodell zu tun, das nur manchmal ein CGI-Double hat, aber selbst in diesen Momenten meistens gelungen ist, bedenkt man das Produktionsjahr. Aus dieser Phase des Kinos gibt es viele schlechtere Beispiele für animierte Monster. 

    Sehr löblich ist auch die Fotografie von Bill Butler, der bereits bei DELIVERANCE (1972) mit seiner Kamera auf einem Fluss unterwegs war. ANACONDA sieht wirklich schön aus und ist ein visuell gutes Beispiel für das 90er-Jahre-Horrorkino. Das Amazonas-Dschungel-Setting begegnet einem im US-Horrorkino insgesamt auch nicht oft und erweckt mehr Erinnerungen an italienische Abenteuer- und Kannibalenfilme. Wie in CANNIBAL HOLOCAUST (1980) ist auch hier eine Film-Team an Bord, doch statt mit Kannibalen bekommt man es mit einer Schlange und Jon Voight (DELIVERANCE) als Schlangenjäger Ed zu tun. Voight ist immer eine gute Idee. Die Besetzung könnte kaum unterschiedlicher sein. Neben bereits erwähnten Danny Trejo, den es nach 5 Minuten dahinrafft, sind Jennifer Lopez, Ice Cube, Eric Stoltz und Owen Wilson vertreten. Ein wild gemischter Haufen von Darstellern, von denen sich nicht jeder mit dem größten Können schmückt. Macht aber nichts, denn ANACONDA ist ein eher lockerer Film, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. In gut dosierten Abständen lässt Llosa Schlangen-Action vom Zaun oder lässt Jon Voight hochfahren, so dass hier nie Stillstand aufkommt. Wie der Fluss, auf dem die Figuren unterwegs sind, ist auch die Inszenierung in Bewegung und ist nie langweilig. 

    Trotz Charakterschwäche der Figuren und einer platten Handlung ist ANACONDA ein unterhaltsamer, sehr gut aussehender Tierhorrorfilm und eins der besten Beispiele für seine Zeit. Hirn aus, Schlange raus!

    (Bjoern Candidus)

  • I Want to Live!, 1958 – ★★★★½

    I Want to Live!, 1958 – ★★★★½

    LASST MICH LEBEN
    (I WANT TO LIVE!, USA, 1958, Regie: Robert Wise) 

    Regisseur Robert Wise (THE HAUNTING, 1963) hat sich hier dem Fall der (mutmaßlichen) Mörderin Barbara Graham angenommen. Diese soll mit weiteren Komplizen in das Haus von Mabel Monohan eingedrungen sein, wobei sie getötet wurde. Graham, die kein Alibi für die Tatzeit hatte, beteuert ihre Unschuld. Als sie sich ein Alibi kaufen will, erstickte sie ihre Hoffnung, der Gaskammer zu entkommen, im Keim.  

    Mit Susan Hayward, die für ihre Rolle einen Oscar gewann, lag Wise goldrichtig. Hayward spielt ihre Rolle wirklich herausragend. Ihr Charakter ist mitnichten der einer typischen Frau der 1950er-Jahre. Diese Frau hat Kraft, immer einen passenden Spruch auf Lager und ist bereit, sich die Hände schmutzig zu machen. Aber ist sie auch bereit gewesen, einen Menschen zu töten? Nein! Zumindest nicht die Barbara, die ich hier erlebt habe. 

    Anfangs baut Wise den Film noch etwas beschwingt auf. Er stürzt seine Figuren ins Nachtleben, lässt einen coolen Jazz-Score von John Mandel auffahren und serviert wunderschöne Film Noir – Momente. Doch die Stimmung kippt. Wise dreht die Spannungsschraube gegen Ende bis ins Unerträgliche. Ich habe hier regelrecht mitgelitten. Die Vorbereitung der Gaskammer ist zutiefst erschreckend und wird von mir grundsätzlich zutiefst verachtet. Man muss sich vor Augen führen, dass die Todesstrafe in über 50 Staaten der USA weiter ausgeführt wird, und es sind wahrlich nicht immer Schuldige, die hingerichtet werden. 

    LASST MICH LEBEN ist ein sehr dramatisches Stück Kinogeschichte, ohne Frage ein Meisterstück. Ein wichtiger Film, der mich bedrückt zurückgelassen hat.

    (Bjoern Candidus)

  • Maximum Overdrive, 1986 – ★★★

    Maximum Overdrive, 1986 – ★★★

    RHEA M… ES BEGANN OHNE WARNUNG*
    (MAXIMUM OVERDRIVE, USA, 1986, Regie: Stephen King)

    Wie aus dem Nichts fangen plötzlich Autos und elektrische Geräte an, verrückt zu spielen. Es kommt zu immer mehr Autounfällen und offensichtlich gezielten Attacken von Maschinen aller Art gegen Menschen. Eine kleine Gruppe Menschen kann sich anfänglich im Diner einer Tankstelle retten, doch diese wird immer mehr zur Todesfalle. 

    Enttäuscht von einigen Umsetzungen seines Werkes schlug Produzent Dino de Laurentiis Stephen King vor, einmal selbst Regie zu führen. Aus Zeitmangel lehnte King die Regie zu RHEA M anfangs ab, sagt aber später schließlich doch zu, was nicht unbedingt seine beste Idee war. RHEA M floppte an den Kinokassen und wurde von Kritikern gnadenlos zerrissen. Teils verständlich, denn King liefert eine höchst löchrige Story ab, die ständig Fragen aufwirft, die nie geklärt werden. Manche mögen so was gar nicht, und man muss hier auch immer wieder ein Auge zu drücken, denn die Inszenierung verliert ständig den Boden unter den Füßen. 

    Doch so schlecht ist RHEA M gar nicht, wie ich finde. Die Idee, dass sich Maschinen gegen ihre Erbauer richten, ist durchaus gelungen und gewinnt in Zeiten von KI neuen Aufwind. In Kings Vorlage „Lastwagen“ (zu finden in der Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“), die er bereits 1973 veröffentlichte, ging der Terror nur von LKWs aus, die die Menschheit versklaven wollen. Dieser Aspekt fällt in der Verfilmung im Grunde weg, da der Ursprung durch einen Schweif am Himmel erklärt wird. Die Belagerungssituation der sehr unterschiedlichen Charaktere, die von angenehmen bis sehr nervig gezeichnet werden, ist im King-Universum keine Seltenheit (siehe z.B. THE MIST, 2007) und sorgt auch hier wieder für zusätzliche Konflikte unter den Menschen. Auch wenn der Film schon vor seiner Veröffentlichungen in Sachen Gore geschnitten wurde, bleiben noch ein paar nette Kills übrig oder man sieht zumindest das blutige Ergebnis. Zudem liefert King viele Action-Szenen mit Autoverfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen, die die Inszenierung immer auf Trab halten und im besten Fall dafür sorgen, den Irrsinn nicht zu hinterfragen. Als Horrorfilm-Freund sollte man ohnehin vieles nicht hinterfragen, und so sollte man es auch mit RHEA M halten. Ein weiterer Pluspunkt kommt mit der musikalischen Begleitung von AC-DC rein, die der Inszenierung sehr guttut und den Wahnsinn glänzend untermalt. 

    Unter den Darstellern befinden sich u.a. Emilio Estevez, Pat Hingle, Giancarlo Esposito und viele eher weniger bekannte Darsteller. Im darstellerischen Bereich hat RHEA M immer wieder seine Probleme. Viele Figuren sind komplett überzeichnet, erfüllen jedes Klischee oder nerven einen in Grund und Boden. Immerhin tauchen genug Figuren auf, damit es sich etwas auflockert. 

    RHEA M… ES BEGANN OHNE WARNUNG ist inhaltlich und auch inszenatorisch weitestgehend katastrophal, hat aber das Talent, nie langweilig zu sein und mir immer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenn nicht gerade Connie „Cuuuurties!“ ruft. 

    (Bjoern Candidus)

    * Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Cat’s Eye, 1985 – ★★★★

    Cat’s Eye, 1985 – ★★★★

    KATZENAUGE*
    (CAT‘S EYE, USA, 1985, Regie: Lewis Teague)

    KATZENAUGE, Lewis Teagues (CUJO, 1983) zweite Stephen King-Adaption, gehört für mich zu den Feel-Good-Horrorfilmen, die sowohl inhaltlich als auch darstellerisch und visuell überzeugen. Aufgebaut ist der Film wie ein Episodenfilm, den aber ein roter Faden durchzieht: ein Katze. Die Katze hat einen Auftrag: sie muss ein Mädchen vor einem bösen Kobold retten, der hinter den Wänden haust. Und so begibt sich der Stubentiger auf eine gefährliche Reise und verbindet die drei Episoden „Quitters Inc.“, „Der Mauervorsprung“ und „Der General“ miteinander.

    In „Quitters Inc.“ erlebt man James Woods als Dick Morrison, der an einem ganz besonders perfiden Richtraucher-Programm teilnimmt. Bei der Nichteinhaltung der strengen Regel folgen Sanktionen gegen seine Frau und seine kleine Tochter. Hier zeigt Woods mal wieder sein Können und muss sich einigen sehr fiesen Situationen entgegenstellen. Ganz tolle Szene, wenn Morrison auf einer Party ist, auf der jeder raucht, selbst Kinder.

    In „Der Mauervorsprung“ wird Johnny Norris, dargestellt von Robert Hays, von Gangsterboss Cressner gezwungen, den Mauervorsprung eines Hochhauses zu umrunden. Als Belohnung bekommt er die untreue Geliebte Cressners und 20.000 Dollar. Eine spannende Idee, die vor allem visuell sehr gut umgesetzt wurde und gerade Menschen mit Höhenangst kribbeln lassen dürfte. Und mit Kenneth McMillan als Cressner hat man den Richtigen für den Widerling am Start. Beide Storys befinden sich in Stephen Kings Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“.

    Die dritte Episode, „Der General“, wurde, wie die Rahmenhandlung, extra für den Film konzipiert. Die Katze erreicht ihr Ziel: das Haus in dem die kleine Amanda lebt, die von der damals 10-jährigen Drew Barrymore, dargestellt wird. Hier kommt es dann zur großen Schlacht zwischen der Katze, die General getauft wird und einem garstigen Kobold. Auch hier werden tolle Masken und Trickeffekte aufgefahren, die KATZENAUGE zu einem würdigen Abschluss führen. 

    Teague mixt sämtliche Zutaten zusammen, die er geschickt über die Episoden verteilt. Trotz einiger sadistischer Ideen streut er immer wieder Schwarzen Humor mit rein, der für einige höchst skurrile Szenen sorgt, bevor das Ganze in einem Mini-Monsterfilm endet. Abgerundet wird der Spaß mit einem Score von Alan Silvestri.

    KATZENAUGE gehört zu den unterhaltsamsten King-Adaptionen und zu einem der besten Horror-Episodenfilme. 

    (Bjoern Candidus)

    * Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Locusts, 1974 – ★★★

    Locusts, 1974 – ★★★

    DER TAG, AN DEM DIE HEUSCHRECKEN KAMEN
    (LOCUSTS, USA, 1974, Regie: Richard T. Heffron)

    Richard T. Heffron (FUTUREWOLD, 1976) hat hier einen sonderbaren TV-Film gedreht, der einen erst mal auf einen Tierhorrorfilm einstellt. Doch von Horror ist hier nicht viel zu spüren, sieht man mal von dem Schaden ab, den Heuschreckenschwärme anrichten, wenn sie sich über Felder hermachen. Aber Heuschrecken haben schließlich auch Hunger und wollen leben. DER TAG, AN DEM DIE HEUSCHRECKEN KAMEN ist viel mehr ein Familien-Drama über Donny, einen jungen Navy-Soldaten (Regisseur Ron Howard), der unehrenhaft entlassenen wurde. Natürlich ist der Vater (Ben Johnson), ein Landwirt, wenig angetan von den „Schwächen“ seines Sohns, ebenso die ganzen anderen Bauerntölpel, für die Patriotismus und Krieg das A und O sind. Verachtung und dumme Sprüche hängen in der Luft von Donny. 

    Was die Heuschrecken anbelangt: Es gibt zwar schöne Aufnahmen, die die gefräßigen Insekten zeigen, aber letztlich stellen sie keine Gefahr im Sinne eines Tierhorrorfilms dar; sie sind das Beiwerk einer anderen Geschichte, die hier erzählt wird. Eine merkwürdige Entscheidung, aber keine uninteressante.

    Spannung und Action kommen bei 
    DER TAG, AN DEM DIE HEUSCHRECKEN KAMEN nicht auf, dennoch funktioniert der Film als Familien-Drama, wenn auch nur in der begrenzten Dimension einer 70er-Jahre TV-Produktion.

    (Bjoern Candidus)

  • Something Evil, 1972 – ★★½

    Something Evil, 1972 – ★★½

    DAS HAUS DES BÖSEN
    (SOMETHING EVIL, USA, 1972, Regie: Steven Spielberg)

    Eine Familie kauft sich ein schickes Haus auf dem Land und muss schnell feststellen, dass es negativ belastet ist. Besonders Marjorie (Sandy Dennis), die mit ihren beiden Kindern Laurie und Stevie viel allein ist, da ihr Mann Paul (Darren McGavin) beim Fernsehen arbeitet, bekommt die Schwingungen des Hauses zu spüren. 

    In dieser sehr frühen Regiearbeit von Steven Spielberg (ein Jahr vorher drehte er DUELL) greift er bereits Themen auf, die er einige Jahre später in POLTERGEIST realisierte.

    Sieht man von der überflüssigen Eröffnungssequenz ab, startet der Film kriechend, was ihm zugute kommt. Langsame Spannungsaufbauten beherrscht Mr. Spielberg. Ebenso gelingt es ihm, mit unheimlichen Geräuschen, Unwetter und einer latent bedrückenden Stimmung eine Atmosphäre der Angst zu erzeugen. Natürlich sollte man sich bewusst sein, dass es sich hier um eine TV-Produktion handelt, die sich immer nur in ihren begrenzten Möglichkeiten aufhält. 

    Okkultismus, Pentagrammschnickschnack, Besessenheit und eine Mutter, die um ihre Kinder und ihren eigenen Verstand kämpft… DAS HAUS DES BÖSEN ist weder innovativ noch irgendwie herausragend, aber insgesamt solide inszeniert und gut besetzt. 

    (Bjoern Candidus)

  • Without Warning, 1980 – ★★★★

    Without Warning, 1980 – ★★★★

    ALIEN SHOCK*
    (WITHOUT WARNING, USA, 1980, Regie: Greydon Clark)

    Vier junge Leute wollen ein entspanntes Wachende im Schoße von Mutter Natur verbringen. Doch die friedliche Gegend wird von Aliens heimgesucht, die sich über die Urlauber und Einheimische hermachen. 

    Mit Greydon Clarks Alien-Invasions-Backwood-Horrorfilm ALIEN SHOCK verbindet mich eine jahrzehntelange Liebe, seit ich ihn unter dem TV-Titel DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL im Sommerprogramm im Fernsehen entdeckte. 

    Clark liefert die obligatorischen Teenies, die es in die Natur verschlägt, in der sich Jäger und Hinterwäldler die Klinke in die Hand geben und in ihrem eigenen Kosmos leben. Und in diesen dringen außerirdische Wesen ein, die ihren Alltag auf den Kopf stellen. Angeführt werden die Außerirdischen vom Ober-Alien, was der klassischen Alien-Darstellung recht nahe kommt, nur dass dieses Alien hier sehr viel größer ist. Es wird nämlich von Kevin Peter Hall dargestellt, der später als Predator gegen den Mann aus Österreich antreten sollte. Mit im Bunde sind kleinen Aliens, die wie Frisbeescheiben aus Fleisch aussehen und durchaus aus dem Lovecraft-Universum stammen könnten. Diese sind durchaus nett gemacht und kommen immer wieder zum Einsatz. Aber auch die Erdlinge können sich sehen lassen. Die jungen Darsteller werden angeführt von David Caruso, der später Karriere machen sollte. Sehr viel bekannter, wenn auch längst auf dem Abstellgleis: Jack Palance, Martin Landau, Cameron Mitchell und Neville Brand. Und die vier sorgen natürlich spielend dafür, dass der Wahnsinn aufblüht. Alle vier passen hervorragend in die Hinterwäldlergemeinde und sorgen für viel Unterhaltung. 

    ALIEN SHOCK ist sehr ausgewogen was Spannung, Effekte, Atmosphäre und Figuren-Zeichnungen angeht. Nichts ist zu viel, nichts zu wenig. Da das Natur-Setting erheblich Kosten spart und gleichzeitig wirksam ist, ist das Budget sinnvoll in andere Bereiche geflossen. Das heißt nicht, dass ALIEN SHOCK wie ein A-Film aussieht, aber er ist ein schöner B-Film und ein tolles Bindeglied zwischen dem 70er- und 80er-Jahre-Horrorkino. 

    (Bjoern Candidus)

    * Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

  • Destination Inner Space, 1966 – ★★

    Destination Inner Space, 1966 – ★★

    DER SCHRECKEN AUS DER MEERESTIEFE
    (DESTINATION INNER EARTH, USA, 1966, Regie: Francis D. Lyons)

    Die Crew einer Unterwasserforschungsstation wird im Meer mit einem fremdartigen U-Boot (besser: Unterwasser-UFO) konfrontiert. Als sie dem Vehikel auf den Grund gehen wollen, stoßen sie auf ein schuppiges Wesen, was nicht von dieser Welt zu sein scheint. Ein Kampf um Leben und Tod entfacht. 

    So spannend wie sich meine Inhaltsangabe auch lesen mag, ist Francis D. Lyons Unterwasser-Monsterfilm, DER SCHRECKEN AUS DER MEERESTIEFE, leider nicht. Es dauert sehr lange, bis man das schuppige Amphibienwesen aus dem All zu Gesicht bekommt, während man vorher mit zahlreichen Unterwasseraufnahmen und den Miniaturmodellen der Forschungsstation und dem extraterrestrischen U-Boot bedient wird. Die Unterwasseraufnahmen von Brick Marquard sind sehr schön, und auch die Modelle können sich sehen lassen. Gleiches gilt für die farbenfrohen Kulissen der Station, denen man das schmale Budget deutlich ansieht. Der futuristische Anstrich erinnert ein wenig an RAUMSCHIFF ENTERPRISE, was im gleichen Jahr zum ersten Mal über den Bildschirm flimmern durfte. Alles ist simpel, aber hat durchaus seinen Charme. Weniger charmante sind hingegen die Darsteller, aber die sind überlicherweise im Monsterkino ohnehin zweitrangig. Und so hinterlassen Scott Brady, Sheree North, Gery Merrill und der Rest keinen bleibenden Eindruck. So richtig Eindruck erweckt hier eigentlich ohnehin nur das Alien, und das könnte ein Verwandter der Kreaturen aus Filmen wie DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS (1954), INSEL DER NEUEN MONSTER (1979) oder DAS GRAUEN AUS DER TIEFE (1980) sein. Das blaugrüne Schuppenkostüm mit dem Feuerroten Schwimmhäute und Flossen macht was her, ist aber leider zu selten zu sehen. Stattdessen hält sich die Inszenierung mit ellenlangen Gesprächen oder Unterwassererkundungen auf, die jeden Ansatz von Spannung, die hier hätte erzeugt werden können, ausbremsen. Dass das Ganze sehr handzahm ist, muss sicherlich nicht groß erwähnt werden und dürfte alleine schon deshalb 1966 die wenigsten Hunde unter dem Ofen hervorgelockt haben. Wie sehr sich das Thema Horror schlagartig ändern würde, haben Roman Polanski und George Romero kurz darauf eindrücklich gezeigt. Aber DER SCHRECKEN AUS DER MEERESTIEFE steht natürlich nicht zum Vergleich an. Vielmehr ist er ein Vertreter des Unterwasser-Horrors, der Ende der 90er-Jahre mit LEVIATHAN (1989) und DEEP STAR SIX (1989) erneuert wurde, wobei da ABYSS (1989) die größere Rolle gespielt haben dürfte. 

    DER SCHRECKEN AUS DER MEERESTIEFE ist leider ein sehr langweiliger Vertreter des Monsterkinos, der aber visuell durchaus seine Reize hat. Charmant, aber öde. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Suckling, 1990 – ★★★

    The Suckling, 1990 – ★★★

    THE SUCKLING
    (USA, 1990. Regie: Francis Teris)

    Francis Teris einzige Regiearbeit bietet eine illegale Hinterzimmerabtreibung in einem siffigen Puff, eine widerliche Fötus-rutscht-durch-Abwasserkanäle-Szene, ein fieses Monster, was daraus resultiert, eine höchst alberne Sex-Einlage, blutige und groteske Effekte, eine Handvoll Idioten und merkwürdigen Entscheidungen. 

    Die teils tromaeske C-Produktion 
    THE SUCKLING passt gut in eine Welt von BASKET CASE (1982), KOSMOKILLER (1983) oder RABID GRANNIES (1988), auch wenn der Unterhaltungsfaktor der genannten Filme hier nicht ganz erreicht wird. Der Film hat stellenweise viel Leerlauf und widmet sich zu wenig dem Monster, was wohl dem schmalen Budget von 50.000$ geschuldet ist. Zeigt sich der Suckling dann, darf man sich auf ein tolles Monsterdesign freuen. Dennoch sind die meisten Effekte sehr schlecht gemacht und regen manchmal doch sehr zum wundern an. Aber wundern kann auch Spaß machen, was besonders am Anfang und am Ende der Fall ist. Dass die unbekannten Darsteller wahrlich nicht das Gelbe vom Ei sind, muss gerade noch erwähnt werden. 

    Vielleicht nicht der beste Film für werdende Mütter, die noch unentschlossen sind. Freunde von billige Monster-Horrorfilmen dürfen aber bei THE SUCKLING einen Blick riskieren.

    (Bjoern Candidus)

  • Possessor, 2020 – ★★★½

    Possessor, 2020 – ★★★½

    POSSESSOR
    (Kanada, GB, 2020, Regie: Brandon Cronenberg)

    Die Auftragsmörderin Tasya Vos arbeitet für eine Organisation, der es ihr ermöglicht, mittels Gehirnimplantat in das Bewusstsein von Menschen zu gelangen. So kann sie Besitz über ihren Körper und Verstand bekommen und sie als Attentäter einzusetzen. Obwohl ihr Job zusehends mehr Schaden in ihrer Psyche hinterlässt, nimmt sie den nächsten Job an: In den Verstand von Colin zu gleiten, um seine Verlobte Ava und ihren Vater umzubringen. 

    Kalt, modern, mit ruhiger Hand inszeniert zeigt sich Brandon Cronenbergs zweiter Langfilm, in dem die filmische Welt seines Vaters, David Cronenberg, mehr als einmal durchschimmert. Nach einer spannenden und ziemlich blutigen Eröffnungs-Szene wird man schnell in das Geschehen gezogen, was mich 100 Minuten ganz gut unterhalten hat. Ganz gut klingt allerdings weniger euphorisch, und das war ich auch nicht.  

    Fremde Körper zu benutzen, um diese als Attentäter einzusetzen, ist eine clevere Idee, die auch gar nicht schlecht umgesetzt wurde. Mit Christopher Abbott (was für ein unsympathischer Typ), Jennifer Jason Leigh (ist die nur alt geworden oder hat sie ihr Gesicht absichtlich verschandeln lassen?), 
    Andrea MANDY Riseborough und Schlaftablette Sean Bean (den ertrage ich nur sehr schwer) hat man eigentlich gute Leute an Bord, aber ich konnte einfach keinen Zugang zu diesen Figuren finden, was möglicherweise sogar die Intention des Regisseurs war, schließlich geht es ja um die vorübergehende Fremdsteuerung von Menschen, die von ihrem Umfeld charakterverändert wahrgenommen werden.  

    Mehr erreichen konnte mich das Visuelle. Die Videoclip-Ästhetik hat mich etwas an die Arbeiten von Chris Cunningham erinnert. Der Film ist sehr schön fotografiert vom versierten Karim Hussain (SUBCONSCIOUS CRUELTY, 2000). Die Kamera schwebt manchmal förmlich auf ihre Ziele zu. Passend unterstützt wird das Schweben von Jim Williams Score. 

    Die Form und der Anstrich stimmen in diesem nicht gerade zimperlichen Scifi-Body-Horror-Thriller, dennoch konnte mich POSSESSOR nicht vollends erreichen. Mir fehlte da etwas. Vermutlich einfach nur eine gewisse Wärme oder Liebe für die Figuren.

    (Bjoern Candidus)