ANACONDA
(Brasilien, Peru, USA, 1997, Regie: Luis Llosa)
Ein Filmteam ist mit einem Boot auf dem Amazonas unterwegs, um einen noch sehr unbekannten Stamm von Indigenen zu dokumentieren. Auf ihrer Expedition stoßen sie nicht nur auf den zwiespältig Schlangenjäger Ed, der immer mehr Probleme bereitet, sondern auch auf eine riesige Anaconda, die großen Hunger hat.
Anfang der 90er-Jahre rückten Tierhorrorfilme immer mehr in den Hintergrund oder wurden mit Abenteuer-Elementen wie in JURASSIC PARK (1993) für ein großes Kino-Publikum produziert. Als SCREAM 1996 dem Horror-Genre neuen Aufwind gab, versuchte man sich auch wieder an ein paar Tierhorrorfilmen. Und so packte man 1997 die ANACONDA aus.
Regie führte Luis Llosa, der bereits mit MÖRDERISCHER AMAZONAS (1993) im gleichen Gewässer unterwegs war, nur ist hier der Feind eine riesige Würgeschlange. Der Film startet mit einer spannenden Eröffnungsszene, in der sich Danny Trejo lieber in den Kopf schießt, als sich von der Anaconda fressen zu lassen. Die Schlange bleibt zu dieser Zeit noch brav im Verborgenen. Die nächste Attacke dauert aber nicht lange, und wir werden Zeuge wie die Schlange, diesmal auch klar erkenntlich, einen schwarzen Panther erledigt. Die Schlange sieht gut aus, auch wenn sie machmal etwas zu Niedliches hat. Glücklicherweise hat man es hier noch mit einem Schlangenmodell zu tun, das nur manchmal ein CGI-Double hat, aber selbst in diesen Momenten meistens gelungen ist, bedenkt man das Produktionsjahr. Aus dieser Phase des Kinos gibt es viele schlechtere Beispiele für animierte Monster.
Sehr löblich ist auch die Fotografie von Bill Butler, der bereits bei DELIVERANCE (1972) mit seiner Kamera auf einem Fluss unterwegs war. ANACONDA sieht wirklich schön aus und ist ein visuell gutes Beispiel für das 90er-Jahre-Horrorkino. Das Amazonas-Dschungel-Setting begegnet einem im US-Horrorkino insgesamt auch nicht oft und erweckt mehr Erinnerungen an italienische Abenteuer- und Kannibalenfilme. Wie in CANNIBAL HOLOCAUST (1980) ist auch hier eine Film-Team an Bord, doch statt mit Kannibalen bekommt man es mit einer Schlange und Jon Voight (DELIVERANCE) als Schlangenjäger Ed zu tun. Voight ist immer eine gute Idee. Die Besetzung könnte kaum unterschiedlicher sein. Neben bereits erwähnten Danny Trejo, den es nach 5 Minuten dahinrafft, sind Jennifer Lopez, Ice Cube, Eric Stoltz und Owen Wilson vertreten. Ein wild gemischter Haufen von Darstellern, von denen sich nicht jeder mit dem größten Können schmückt. Macht aber nichts, denn ANACONDA ist ein eher lockerer Film, der sich selbst nicht allzu ernst nimmt. In gut dosierten Abständen lässt Llosa Schlangen-Action vom Zaun oder lässt Jon Voight hochfahren, so dass hier nie Stillstand aufkommt. Wie der Fluss, auf dem die Figuren unterwegs sind, ist auch die Inszenierung in Bewegung und ist nie langweilig.
Trotz Charakterschwäche der Figuren und einer platten Handlung ist ANACONDA ein unterhaltsamer, sehr gut aussehender Tierhorrorfilm und eins der besten Beispiele für seine Zeit. Hirn aus, Schlange raus!
(Bjoern Candidus)









