Autor: marco-fritz

  • Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre (1)

    Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre (1)

    Horrorfilm-Sequels der 90er-Jahre (1)

    Teil 1: 1990 – 1994

    LEATHERFACE – TEXAS CHAINSAW MASSACRE 3, NIGHTMARE ON ELM STREET 6 – THE FINAL NIGHTMARE, JASON GOES TO HELL…

    Bjoern Candidus und Marco Fritz blicken zurück in die 1990er-Jahre, in denen viele 70er- und 80er-Horrorfilm-Reihen Fortsetzung spendiert bekommen haben und ebensoviele neue Filme entstanden sind, die fleißig fortgesetzt wurden.

    Demnächst: Teil 2: 1995 – 1999

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    Musik: Carlos Ebelhaeuser (Musiker, Komponist / BLACKMAIL, THE DAMNED DON´T CRY)

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  • The Human Factor, 1975 – ★★★

    The Human Factor, 1975 – ★★★

    EIN MANN RECHNET AB
    (THE ‚HUMAN‘ FACTOR, GB, Italien, 1975, Regie: Edward Dmytryk)

    Eine Gruppe von Terroristen ermordet die Familie des Amerikaners John Kinsdale, einem Computerspezialisten der NATO. Statt in Kummer zu ertrinken, schwört er sich Rache und begibt sich auf die Suche nach den Tätern, da sich die Polizei von Neapel nicht ausreichend bemüht. Längst sind auch zwei CIA-Männer aus den Staaten angereist. Die Bedrohungslage ist groß, denn es sollen weitere amerikanische Familien in Italien getötet werden. 

    Rache ist meistens eine gute Idee, natürlich nur im Kino. Unzählige Male hat man sich diesem Thema angenommen, und es liegt mitunter an der Nachvollziehbarkeit, dass das Thema immer wieder und wieder unser Interesse weckt. Regisseur Edward Dmytryk (BLAUBART, 1972) hat sich dem Thema in seinem letzten Spielfilm angenommen und George Kennedy auf den Charles Bronson – Weg geschickt. Doch wo Charles Bronson in EIN MANN SIEHT ROT (1974) schnell dazu übergeht, sein Viertel von verbrecherischem Abschaum zu reinigen, stellvertretend für die Mörder seiner Frau und den Misshandlungen an seiner Tochter, schreitet George Kennedy als John Kinsdale gezielt zur Tat. Das verleiht der Story und dem Charakter mehr Authentizität und hebt auch die Spannung, die sich allerdings nicht immer halten kann. Die Inszenierung ist manchmal etwas zäh geraten und sperrig. Man tritt immer wieder auf der Stelle, und über die Hintergründe der Terroristen bekommt man auch nicht wirklich viele Informationen. Allerdings wird man ebenso schnell wieder aufgerüttelt, wenn mal wieder einer erschossen wird. Selbst Kinder werden (im Off) erschossen, was die kalte und raue Art der Inszenierung unterstreicht. 

    Mit George Kennedy hat man eine gute Wahl getroffen. Wirklich sympathisch war mir der Mann zwar noch nie, aber er passt sehr gut in die Rolle eines normalen Familienvaters, dem von jetzt auf gleich seine Liebsten genommen wurden. Anstelle von Kummer tritt allerdings mehr Hilflosigkeit und Wut in den Vordergrund, die immer mehr in puren Hass umschlägt. Kennedy darf dann im letzten Drittel richtig aufdrehen, wenn es actionreicher und grafisch gewalttätiger wird. Neben Kennedy ist noch John Mills, Rita Tushingham und Raf Vallone an Bord. Insgesamt ist die Besetzung gut, doch die Charaktere sind einfach nicht interessant genug, um mitreißen zu können. Und so ist George Kennedy eigentlich die einzige Figur, die hier Eindruck hinterlassen kann. Die Terroristen schaffen es zumindest, durch ihre kompromisslose Vorgehensweise zu überzeugen. 

    Gar nichts auszusetzen gibt es an dem packenden Score von Ennio Morricone. Dieser klingt ein bisschen wie eine Vorschau auf seine Musik für EXORZIST 2 – DER KETZER (1977). 

    EIN MANN RECHNET AB krankt an seinen Figuren, hat inhaltlich nicht viel zu sagen und kommt manchmal nicht in die Gänge, ist aber insgesamt solide genug, um in der Liste der Ein-Mann-nimmt-Rache-Filme-der-70er-Jahre aufgenommen werden zu können. 

    (Bjoern Candidus)

  • The Secret of Two Oceans, 1957 – ★★★½

    The Secret of Two Oceans, 1957 – ★★★½

    GEHEIMNIS ZWEIER OZEANE
    (ORI OKEANIS SAIDUMLOEBA, Sowjetunion, 1955, Regie: Konstantine Pipinashvili)

    Von Leningrad sticht das modernste U-Boot der Welt, die Pionier, in See, um zwei Schiffsunglücke zu untersuchen und um mögliche Überlebende zu bergen. Doch bevor es losgeht, wird ein Oberst des Militärs und der Captain der Pionier darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Feind (Deutschland, aber ohne Erwähnung) über die Mission Bescheid weiß und einen Spion eingeschleust hat. Der Captain lässt sich davon nicht abhalten und startet die Mission, um den Spion zu entlarven. 

    Konstantine Pipinashvili hat hier den gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1939 vom russischen Science Fiction – Autor Grigori Borissowitsch Adamow adaptiert. Das U-Boot-Abenteuer mit leichtem Scifi-Einschlag präsentiert sich recht düster und beklemmend, aber auch gleichzeitig etwas steif, was vor allem an den Darstellern, bzw. ihren Dialogen liegt. Dass hier ein Hauch an politischer Propaganda mitschwingt, ist nicht ungewöhnlich, aber auch kein sowjetisches Merkmal, denn davon kann sich kaum ein Land von freisprechen, und schon gar nicht zu dieser Zeit. Aber es steht nicht nur Spionage und der lauschende Feind auf dem Plan, sondern auch ein Abenteuer unter Wasser. Um diesen Part besser zu gestalten hat man noch einen Jungen an Bord, der sich vor dem Schiffunglück retten konnte und jetzt das U-Boot entdeckt. Außerdem springt noch ein Professor herum, der Bekanntschaft mit einem riesigen Kalamar macht. Insgesamt ist die Inszenierung recht dicht, bietet eine schöne futuristische Ausstattung und hat es geschafft, mich knapp 100 Minuten zu unterhalten. Es sei allerdings erwähnt, dass die deutsche Kinofassung, die mir vorliegt, gegenüber des sowjetischen Zweiteilers, um über 40 Minuten gekürzt ist. 

    GEHEIMNIS ZWEIER OZEANE ist angesiedelt zwischen Kriegs-Wahnsinn und Jules Verne-Abenteuer. Vor allem aus historischer Sicht ein interessanter Film. 

    (Bjoern Candidus)

  • Revenge of the Radioactive Reporter, 1989 – ★★

    Revenge of the Radioactive Reporter, 1989 – ★★

    ATOMIC REPORTER
    (REVENGE OF THE RADIOACTIVE REPORTER, Kanada, 1990, Regie: Craig Pryce)

    Zeitungsreporter Mike findet heraus, dass verseuchtes Abwasser eines Kernkraftwerks in den umliegenden Boden versickert. Das hat zur Folge, dass Krebserkrankungen in der Umgebung signifikant ansteigen. Als Mike den Boss des Kernkraftwerks mit seinem Wissen konfrontiert, wird er von ihm in einen Tank mit einer Giftmüllplörre gestoßen. Der Unfall wird vertuscht, und Mike wird für tot erklärt. Die Überreste seiner Leiche werden nicht in dem Tank gefunden, denn Mike ist mitnichten tot. Als Atomic Reporter plant er seinen Rachefeldzug. 

    Für gewöhnlich halten sich kanadische Horrorfilme eher in ernsthaften Bereichen auf. Bei ATOMIC REPORTER geht man leider den Komödien-Weg, was sich zwar bei der kruden Story anbietet, aber leider nicht so zündet, wie bei vielen Troma-Produktionen, die hier eindeutig zum Vorbild standen. Obwohl es durchaus ansehnliche Horror- und Gore-Effekte gibt, die auf knapp 85 Minuten gut verteilt wurden, wird der toxische Wahnsinn von Troma nicht erreicht. Die Figuren sind langweilig überzeichnet und haben nur wenig Charisma. Die ganze Inszenierung wirkt wie ein Comic, der in den besten Momenten zumindest ganz gut aussieht. Die Fotografie ist ordentlich, die Ausleuchtung ist toll und sorgt für Atmosphäre. Stylisch ist der Film auf jeden Fall, doch er wird immer wieder durch dumme Sprüche und Slapstick verätzt, die erst gar keine Spannung zulassen. Verätzungen passen natürlich sehr gut zum Thema. Atomic Reporter Mike ätzt seine Gegner regelrecht weg, wenn er sie nur berührt. Das Design ist billig, geht aber in Ordnung. Er trägt einen Hut, einen Trenchcoat und verdeckt sein entstelltes Gesicht mit einem Staubtuch. Die Kombination erinnerte durchaus etwas an DARKMAN, der im gleichen Jahr herauskam und auch inhaltlich etwas Ähnliches erzählt. 

    Visuell kann sich ATOMIC REPORTER sehen lassen, aber die Figuren und der platte Humor bringen ihn immer wieder zum Fall. 

    (Bjoern Candidus)

  • Papaya: Love Goddess of the Cannibals, 1978 – ★★★

    Papaya: Love Goddess of the Cannibals, 1978 – ★★★

    PAPAYA – LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN
    (PAPAYA DEI CARAIBI, Italien, 1976, Regie: Joe D‘Amato) 

    Um die Errichtung eines Kernkraftwerks auf einer karibischen Insel zu verhindern, entsendet eine Gruppe rebellischer Umweltschützer die schöne Papaya, die die Ingenieure des Kraftwerks verführt und anschließend tötet. Sara, eine Journalistin, die gerade zugegen ist, versucht mit Vincent, einem Ingenieur, das Geheimnis hinter der Mordserie zu lösen. 

    Wenn der Name Joe D‘Amato auftaucht, sehe ich automatisch Geschlechtsteile und Gekröse. Dann heißt es simple Geschichten mit komischen Leuten erleben oder komische Geschichten mit simplen Leuten. Wie auch immer… Hier hat D‘Amato gut kombiniert, um seinen Schmierzauber auf die Welt zu verbreiten. Die Kannibalen, die der deutsche Titel verspricht, tauchen hier allerdings nicht auf, aber dafür gibt es einen Voodoo-Kult, und das ist ja auch toll. 
    Dazu gibt es viel Sex unter Palmen zwischen unsympathischen Figuren, blutige Rituale und eine haarsträubende Öko-Story, die sich zumindest in einem recht atmosphärischen Insel-Setting bewegen darf. Da kann man schon mal schnell an WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) denken, wenn auch nicht auf inhaltlicher oder qualitativer Ebene. Wobei man sagen muss, dass die Kameraarbeit von D’Amato auch hier wieder gelungen ist. Fotografieren kann er. Gedreht wurde im übrigen in der Dominikanischen Republik, wo auch spätere Filme D’Amatos gedreht wurden. 

    Weniger schön ist das Beiwohnen eines Hahnenkampfes. Irgendwas mit Tieren ist ja meistens. Immerhin waren die beiden Schweine, die vor der Kamera ausgeweidet werden, vorher schon tot. Glanz sollte man bei den Darstellern auch nicht erwarten. Maurice Poli (WILD DOGS, 1974), der eine frappierende Ähnlichkeit mit Christopher George hat, und seine Film-Begleiterin Sirpa Lane, die vorher mit LA BÊTE (1975) von Walerian Borowczyk und nachher mit DIE BESTIE AUS DEM WELTRAUM (1980) von Alfonso Brescia, durchaus das Signal gibt, sich im freizügigen Gefilden wohl zu fühlen, scheinen hier gerade weniger in Stimmung zu sein, obwohl doch reichlich gevögelt wird. Aber wie sagt man doch so schön: Sex ist nicht alles. Noch ausladender wirkt Melissa Chimenti als tödliches Liebesluder Papaya. Laura Gemser hätte das Ding gerockt. Passend untermalt hat das Ganze der wunderbare Stelvio Cipriani. 

    Nackte Brüste, behaarte Vaginas  
    und die sexhungrige Papaya, die auch schon mal einen Penis abbeißt oder sexuelle Handlungen mit Papayas durchführt, machen PAPAYA – LIEBESGÖTTIN DER KANNIBALEN zu einem Öko-Abenteuer-Sexfilm mit Horror-Elementen, der besonders eines gut kann: schlechten Geschmack bedienen.

    (Bjoern Candidus)

  • Mosquito, 1994 – ★★½

    Mosquito, 1994 – ★★½

    MOSQUITO
    (USA, 1994, Regie: Gary Jones)

    Eine Gruppe Menschen, darunter der Wissenschaftler Dr. Parks, flüchten vor Moskitos, die aufgrund des Blutes eines Aliens riesig geworden sind. Sie verschanzen sich in einem Landhaus, doch sie unterschätzen die Gier der Moskitos nach menschlichem Blut. 

    Nach einer kurzen Sequenz im Weltall, in der man zwei Raumschiffe sieht, von denen eins auf dem Weg zur Erde unterwegs ist und dort schließlich abstürzt, wird schnell klar, dass man es hier mit einer 90er-Jahre-Hommage an das Monsterkino der 50er-Jahre zu tun hat. Man kennt ähnliche Szenen auch aus 80er-Jahre-Produktion wie DIE NACHT DER CREEPS (1986) oder aus dem BLOB Remake aus dem Jahre 1988. Hier konzentriert man sich auf herkömmliche Moskitos, die die Größe eines Bernhardiner annehmen und fleißig Menschen absaugen. Lobenswert ist dabei der Einsatz von Animatronic-Moskito-Modellen, die wirklich schön geworden sind. Auch in diesem Punkt hält sich der Film klassisch und erinnert an C2 – KILLERINSECT (1993), was auch auf das Setting zutrifft. Wälder und Wiesen sind meistens eine gute (und günstige) Idee. 

    Neben einigen gelungenen Monster-Effekten hat MOSQUITO auch ein bisschen Blut, Schleim und Ekel zu bieten. Sehr gelungen sind die Opfer der Moskitos. Der Mangel an Spannung und Atmosphäre (alles ist viel zu hell) wird durch das Tempo wieder ausgeglichen. Man ist hier viel in Bewegung. Das Problem der Produktion sind aber eindeutig die Darsteller, bzw. die nervigen Figuren, die sie verkörpern. Unter den austauschbaren Nullgesichtern darf sich zumindest Gunnar „Leatherface“ Hansen blicken lassen, der natürlich eine Kettensäge schwingen darf. Er dürfte hier der einzige Bekannte sein, aber der rettet das restliche Figuren-Desaster auch nicht, was mir vor allem durch die dämlichen Dialoge aufgestoßen ist. 

    Coole Moskito-Modelle und Ekel-Effekte werten MOSQUITO auf, während ihn die Darsteller teilweise zerstören. Monster-Tierhorror im Mittelfeld.

    (Bjoern Candidus)

  • Django Kills Softly, 1967 – ★★★

    Django Kills Softly, 1967 – ★★★

    DJANGO TÖTET LEISE
    (BILL IL TACITURNO, Frankreich, Italien, 1967, Regie: Massimo Pupillo)

    Nachdem Bill (in der dt. Synchronisation: Django) Linda bei einem Überfall von Mexikanern auf einen Siedlertrack retten kann, begeben sie sich gemeinsam nach Santa Ana, wo Bill gleich mit mehreren Parteien in Konflikt gerät.   

    Auch wenn Massimo Pupillos (SCARLETTO – SCHLOSS DES BLUTES, 1965) Italowestern im Schatten seiner größeren und schöneren Brüdern etwas untergeht, ist er noch immer solide genug, um den Freund des Genres anzusprechen, ohne ihm Überraschungen zu bieten. 

    Pupillo liefert Action, Härte, spannende Momente und punktet mit einem wunderschönen Felsen-Setting, was für eine dichte Atmosphäre sorgt. Mit George Eastman und Luciano Rossi sind sogar gleich zwei Italofilm-Legenden an Bord. Eastman macht als Pseudo-Django mit seinen über 2 Metern Körpergröße immer eine gute Figur, die ich gerne angucke. Rossi bekleidet die Rolle des Antagonisten, der gerne mal wütend aufstampft, während Federico Boido höchst nervös durch den Film zuckt. 
    Dazu feuert Berto Pisano einen treffsicheren Score ab. 

    Die schwache Story und das Fehlen jeglicher Innovation ist nicht von der Hand zu weisen, dennoch bietet DJANGO TÖTET LEISE kurzweilige Western-Unterhaltung. 

    (Bjoern Candidus)

  • Never Take Sweets from a Stranger, 1960 – ★★★★★

    Never Take Sweets from a Stranger, 1960 – ★★★★★

    VERTRAUE KEINEM FREMDEN
    (NEVER TAKES SWEETS FROM A STRANGER, GB, 1960, Regie: Cyril Frankl)

    Jean und Lucille spielen im Wald. Da ihnen das nötige Kleingeld für Süßigkeiten fehlt, beschließen sie, den alten Mr. Olderberry zu besuchen, der ganz in der Nähe wohnt und dafür bekannt ist, Süßigkeiten zu verschenken. Doch der alte Mann hat ganz andere Absichten als Großzügigkeit. Am Abend erzählt Jean ihren Eltern, was ihr und ihrer Freundin Lucille passiert ist. Sie mussten sich vor Mr. Olderberry ausziehen und nackt vor ihm tanzen, um an Süßigkeiten zu kommen. Ihre Eltern, Peter und Sally Carter sind fassungslos. Sie erstatten Anzeige, was ihre Situation in der kleinen Stadt in Gefahr bringt, schließlich sind die Carters gerade erst hinzugezogen, weil Peter einen Posten als Schuldirektor bekommen hat. Schließlich kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. 

    Es ist bemerkenswert, wie vielen unterschiedlichen Themen sich die Hammer-Studios angenommen haben, um Menschen ins Kino zu locken, um zu unterhalten. Im Falle von VERTRAUE KEINEM FREMDEN haben die Macher hinter der Produktion allerdings eine ganz andere Art an den Tag gelegt. Abseits von Scifi-Monsterfilmen, Psychothrillern, Horrorfilmen und Krimis der 1950er und 1960er-Jahre, liegt hier ein finsteres Pädophilen-Krimi-Drama vor, was ähnlich aufwühlend ist und in unangenehme Bereiche vorstößt wie ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (1958) von Ladislao Vajda und Friedrich Dürrenmatt. 

    Was den beiden Mädchen hier am Anfang passiert, sieht man nicht als Zuschauer. Man erfährt alles nur aus der Erzählung von Jean. Ihre Aussage ist gar nicht anzuzweifeln. Da ihr selbst nicht bewußt war, welches Verbrechen sich Mr. Olderberry schuldig gemacht hat, hätte sie keinen Grund für eine Lüge gehabt. Erst ihre Mutter musste ihr erklären, welche Absichten Mr. Olderberry vermutlich hatte. Es folgen Probleme, die bis heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren haben. Es geht um mangelnde Beweise, die Frage, ab wann liegt überhaupt ein Verbrechen vor, Machtstrukturen innerhalb einer Kleinstadt, Erpressung von Zeugen und dem Schaden des Ansehens des Opfers und der Familie und der Familie des Täters. 

    Cyril Frankls (DER TEUFEL TANZT UM MITTERNACHT, 1966) Film, der auf einem kanadischen Bühnenstück von Roger Garis basiert, lässt sich in drei Teile spalten. Der erste Teil besteht aus der Tat, die Reaktionen der Eltern und dem Versuch, seitens des Sohnes von Mr. Olderberry, über die angebliche Tat hinwegzusehen. Der zweite Teil besteht aus der Gerichtsverhandlung, der dritte Teil aus einem ziemlich derben Finale, was ich so nicht erwartet habe und mir einen ziemlichen Schlag verpasst hat. 

    Die Inszenierung ist nicht nur inhaltlich spannend, sondern auch sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Hinter der Kamera stand erneut der großartige Freddie Francis, der sich den jeweiligen Filmabschnitten perfekt anpasst. Während sich der Film bis zum Finale sehr realistisch, fast dokumentarisch verhält, bekommt der horroraffine Zuschauer gegen Ende die gruseligen Waldabschnitte und den See von Black Park in Wexham, Buckinghamshire präsentiert. Dass der Film in Kanada angesiedelt ist, ist ein zusätzliches Novum im Oeuvre der Hammer-Studios. Kanadischen Boden hat man für die Produktion allerdings nie betreten. 

    Auch die Besetzung ist sehr gelungen. Die damals gerade mal zwölfjährige Janina Faye spielt Jean Carter, die eine sehr tapfere und clevere Person ist, sehr überzeugend. Ihre Eltern Sally und Peter werden von Gwen Watford und Patrick Allen dargestellt, die natürlich beide ziemlich emotional, aber nicht blind reagieren. Sehr eklig ist der alte Mr. Olderberry, der von Felix Aylmer gespielt wird. Er sagt den ganzen Film über kein Wort, sondern guckt nur oder gestikuliert auf ekelhafte Art und Weise. Sein Sohn Clarence Olderberry Jr., der von Bill Nagy verkörpert wurde, ist kaum weniger unangenehm, versucht er doch seine Macht als Chef des Sägewerks seines Vaters spielen zu lassen und die Familie Carter zu erpressen, sollte sie Anzeige gegen seinen alten Herren erstatten. 

    VERTRAUE KEINEM FREMDEN ist ein exzellenter Film, der seiner Zeit voraus war und bis heute aktuell ist. Wer die Hammer-Studios mal von einer etwas anderen Seite sehen will, sollte hier dringend einschalten.    

    (Bjoern Candidus)

  • The Night Walker, 1964 – ★★★½

    The Night Walker, 1964 – ★★★½

    ER KAM NUR NACHTS
    (THE NIGHT WALKER, USA, 1964, Regie: William Castle)

    Mit ER KAM NUR NACHTS hat William Castle einen spannenden Thriller gezimmert, der auf ein Drehbuch von Robert Bloch basiert, was meistens eine gute Voraussetzung ist. Es geht um den gutbetuchten Howard Trent, der erblindet ist. Er vermutet, dass ihn seine Frau Irene betrügt, denn im Schlaf spricht sie ständig von einem Mann, den sie anhimmelt. Als Howard bei einer Explosion ums Leben kommt, scheinen sich ihre Träume in Alpträume zu verwandeln. Sie wird von schrecklichen Erscheinungen ihres Ehemannes geplagt. Verzweifelt sucht sie Hilfe bei dem Anwalt Barry Moreland, der ein ehemaliger Vertrauter ihres Mannes war. 

    Obwohl wir es hier nicht mit einem Horrorfilm im klassischen Sinne zu tun haben, lässt ihn Castle doch so aussehen. Fotografiert in schönen Schwarzweißbildern, erzeugt Castle eine schaurige Atmosphäre, die er kontinuierlich aufrechterhält. Paranoia und ein Gefühl von Bedrohung macht sich breit. Besonders eine Szene mit Menschenpuppen, die in einer Kirche stehen, hat was verstörendes und mich an eine Folge aus der TWILIGHT ZONE erinnert. Mit Barbara Stanwyck hat man eine kompetente Dame gecastet, der die Opferrolle gut zu Gesicht steht. Neben ihr sind Robert Taylor und Hayden Rorke an Bord. 

    ER KAM NUR NACHTS ist ein gruseliger Krimi-Thriller mit spannenden Momente und einem netten Twist am Ende. 

    (Bjoern Candidus)

  • Black Jack, 1968 – ★★★½

    Black Jack, 1968 – ★★★½

    AUF DIE KNIE, DJANGO
    (BLACK JACK, Italien, 1968, Gianfranco Baldanello)

    Regisseur Gianfranco Baldanello hat mit AUF DIE KNIE, DJANGO einen ziemlich räudigen Italowestern aufgetischt, der sämtliche Moral ausgelöscht hat. Hier ist niemand freundlich, keiner verschenkt Pralinen. 

    In Deutschland mal wieder als Django getarnt, ballert sich Robert Woods, der hier eine frappierende Ähnlichkeit mit George Hilton aufweist, als Black Jack Murphy durch eine staubige Welt, in der Sadismus und Brutalität zum guten Ton hört. An Gewalt und sadistischen Ideen mangelt es wahrlich nicht, aber auch optisch macht der Film was her. Wir sind weit entfernt von den Leone, Corbucci oder Sollima, aber dennoch bietet der Film eine gute Atmosphäre. Schon die Geisterstadt am Anfang weiß zu überzeugen. Ebenso die staubige, kargen Landschaften mit prächtigen Felsformationen. 
    Etwas fremdartig, aber dennoch stimmig ist Coriolano Goris Score, der näher am Giallo oder Poliziottesco ist als am Western. 

    AUF DIE KNIE, DJANGO ist ein dreckiger, actionreicher und harter Rache-Western, bei dem es keinen Good Guy gibt. Fein.